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Mittwoch, 25. Februar 2026

Filmvorstellung: Scarlet von Mamoru Hosoda

 

 

Am 24. Februar hatten Animefans die Chance, "Scarlet", den neuen Anime von Mamoru Hosoda, in den deutschen Kinos zu sehen. Mein Kino bot dabei zwei Vorstellungen an, eine in deutscher Synchronisation sowie eine im japanischen Original mit Untertiteln, wobei ich mich für die deutsche Version entschieden habe.

Doch worum geht es eigentlich in "Scarlet"? Im Zentrum der Geschichte steht die gleichnamige Protagonistin, welche als Prinzessin am dänischen Hof des 16. Jahrhunderts lebt. Sie ist ein glückliches Mädchen, welches von ihrem gutmütigen Vater König Amlet sehr geliebt wird. Als dann jedoch eines Tages ihr Onkel Claudius eine Verschwörung gegen Scarlets Vater in die Wege leitet, an deren Ende dieser hingerichtet wird, ändert sich ihr Leben schlagartig. Fortan kreisen ihre Gedanken nur noch um Rache. Sie erlernt den Schwertkampf und vertraut niemandem mehr. Doch bevor sie ihre Rachepläne in die Tat umsetzen kann, wird sie selbst das Ziel eines Giftanschlags und findet sich in der lebensfeindlichen Anderswelt wieder. Dort trifft sie auf den Rettungssanitäter Hijiri aus dem heutigen Japan und gemeinsam machen sie sich auf die Reise, um einen Weg an einen besseren Ort zu finden und um Scarlet doch noch ihre Rache zu ermöglichen.

Manchem Leser wird es schon aufgefallen sein: "Scarlet" greift inhaltlich Shakespeares Hamlet auf und schafft damit einer ganz eigene, moderne Interpretation. Im Zentrum steht das Rachemotiv, und wie beim klassischen Vorbild merkt man auch in dieser Variation des Stoffes bald, dass ein endloser Kreislauf von Rache niemals zu etwas gutem führen kann. Auch der ziemlich pazifistische Hijiri ist sich dessen bewusst, hat aber seine liebe Not, es Scarlet und ihren Zeitgenossen zu vermitteln, sodass die Zuschauer im Endeffekt der jungen Frau dabei folgen, wie sie ihre eigenen Antworten findet - und zwar auf die harte Tour.

Visuell ist Scarlets Reise dabei wirklich imposant umgesetzt. Obwohl ich persönlich eigentlich kein großer Fan offensichtlicher CGI-Animationen bin, komme ich nicht umhin, dass diese hier schon beeindruckend aussahen, und die Liebe zum Detail in vielen Szenen haben dazu geführt, dass ich mich an einigen Hintergründen gar nicht sattsehen konnte. Auch der Sound weiß zu überzeugen und die deutsche Synchronisation habe ich als hervorragend empfunden. 

Bedauerlicherweise konnte jedoch der Inhalt für mich nicht mit den anderen Aspekten mithalten. Scarlet bleibt fast den gesamten Film hindurch unverbesserlich naiv, was so gar nicht zu ihrem Misstrauen und ihrer Wut zu passen scheint, und ihre Gefühlsausbrüche sind an einigen stellen so over-the-top, dass es fast schon unfreiwillig komisch wirkt. Mit Hijiri sieht es leider nicht viel besser aus, wobei ich ihm noch anrechnen kann, dass seine Rolle die eines unverbesserlichen Idealisten ist und die Zuschauer sogar erfahren, dass er genau aus diesem Grund schon unter der mitunter schweren Last seines Jobs gelitten hat. Dass es am Ende dann zwischen den beiden geknistert haben soll, wirkt leider zusätzlich überflüssig und zeigt meines Erachtens nach eines der Hauptprobleme des Films auf: er will einfach zu viel. Er will zeigen, dass Rache keine Lösung ist, vermittelt am Ende aber eher, dass es schon okay ist, wenn dann eine Art göttliche Macht das Rache-Urteil vollstreckt. Er will eine starke Protagonistin präsentieren, die dann aber in den entscheidenden Momenten alles andere als stark ist sondern naiv und trotzig. Und dann will er auch noch eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen mit grundverschiedener Haltung zeigen, die in dieser Form weniger tragisch als von vorheherein zum Scheitern verurteilt wirkt. Was bleibt ist die Frage, was genau einem dieser Film nun eigentlich vermitteln wollte. Eine Frage, auf die ich ehrlich gesagt keine zufriedenstellende Antwort gefunden habe.

Für mich macht das "Scarlet" am Ende leider zu einem nur bedingt empfehlenswerten Film. Handwerklich gibt es nichts auszusetzen, und auch die deutsche Version finde ich wirklich großartig gelungen, aber inhaltlich ist es dem Film leider nicht gelungen, mich zu überzeugen.

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