Mittwoch, 30. August 2017

Winzig kleiner Dokomi-Nachbericht + Tagesausbeute

Dieses Jahr zog es mich an Pfingsten wieder für einen Tag nach Düsseldorf auf die Dokomi. Den geplanten Besuch beim Japantag hatte ich abblasen müssen, da die liebe deutsche Bahn meinte, es sei ein guter Tag, den Bahnverkehr zwischen meiner Stadt und Düsseldorf einzustellen. Stundenlang, wegen einer ominösen Störung, deren genaue Natur ich bis heute nicht ergründen konnte. Danke nochmal dafür... Aber zurück zur Dokomi: zwar hatte ich im Vorfeld gelesen, dass das Gelände in diesem Jahr vergrößert werden sollte - mit den Ausmaßen, die mich dann vor Ort erwarteten, hätte ich jedoch niemals gerechnet! Besonders die Zeichnermeile, mein Lieblingsteil der Dokomi, war zu gigantischer Größe herangewachsen. Hunderte Künstler präsentierten ihre Werke, und ich verbrachte wirklich fast den ganzen Tag nur in dieser einen Halle, um mir jeden Stand einmal ansehen zu können. Die Taktik "Erst schauen, später Kaufen" funktionierte da dann allerdings nicht mehr so gut - das eine oder andere, was mir beim Rundgang aufgefallen war, fand ich danach leider niemals wieder T_T 

Trotzdem brachte ich von meinem Besuch natürlich das eine oder andere gute Stück mit, und diese Ausbeute möchte ich euch nun an dieser Stelle noch kurz präsentieren:


Legen wir am besten mit der Ausbeute von der Zeichnermeile los. 
  • Die zwei Star Wars Postkarten stammen von Ars Fantasio. Beide geniale Motive hätte es auch als Poster gegeben, aber mir geht leider so langsam der Platz an den Wänden aus, zumal an diesem Tag (siehe nächstes Bild) schon neue Poster dazugekommen waren. :D
  • Die kleine Katzen-Wundertüte stammt von Nowakis und enthielt jede Menge supersüßen Cat Content ♥
  • Die KaKAO-Karte mit der Katze im Mond habe ich bei einem Spiel am Stand von Trahho gewonnen
  • Die Postkarte mit Reh und Hase im Schnee stammt von Erdbeerfröschchen
  • Der Entenfamilien-Block wurde entworfen von Melanie Stoll 

 

Weiter geht es mit den erstandenen Postern:
  • Das Katzen-Eiscreme-Poster stammt aus der Feder von Zwiebelprinz
  • Der Fuchs mit einem Zitat aus dem Kleinen Prinzen kommt von Jennaris
  • Die Rotkehlchen unter dem Pilz stammen wieder von Erdbeerfröschchen, deren Bilder es mir an diesem Tag wirklich angetan hatten ♥
 Natürlich konnte ich meine Fingerchen aber auch nicht ganz von einigen Sachen abseits der Zeichnermeile lassen:

Pokémon-Ramune!

Kleine Schüsselchen im Katzen und Kaninchen-Design, auch von innen absolut entzückend designed ♥

Totoro-Federmäppchen und Mappe sowie Notizbüchlein von Molang

Häschen-Anhänger. Weil einfach niedlich und so 

Für mich war es in jedem Fall ein sehr gelungener Tag auf der Dokomi. Es war eine ziemliche Reizüberflutung und am Ende war ich auch echt platt, aber dafür habe ich unheimlich tolle neue Künstler entdecken dürfen und meinen Hausstand um einige schöne neue Dinge erweitern können. Hoffentlich kann ich nächstes Jahr auch wieder mit dabei sein!



Montag, 28. August 2017

CD-Vorstellung: Versengold - Funkenflug

Da ist mir doch fast entgangen, dass ich hier auf meinem kleinen, momentan recht schläfrigen Blog noch gar nicht ordentlich erwähnt habe, welch schönes Album ich letztens ganz offiziell rezensieren durfte. Das will ich nun noch flott nachholen und euch hier den Link zu meinem Review der neuen Versengold-Platte "Funkenflug" bereitstellen:


Das Album hat es definitiv verdient, dass man ihm ein aufmerksames Ohr leiht und den Jungs sei ihr Erfolg damit sowas von gegönnt! Kleine Kostprobe gefällig?




Sonntag, 20. August 2017

Sommersonntag im Aachener Tierpark

Hallo da draußen! Ist das Wetter bei euch auch so deprimierend unsommerlich? Und seid ihr auch so entgeistert, dass die Wildgänse schon anfangen, sich zu sammeln? Bei der Lage kann ich ja gerade richtig froh sein, dass es sich hier in den letzten Monaten so gestaut hat und ich nun noch einen halben Sommer zum berichten und in schönen Erinnerungen schwelgen vor mir habe! :P

Heute möchte ich von einem Ausflug berichten, den ich Ende Mai mit einer Freundin unternommen habe. An einem wunderschönen Sonntag waren wir da nämlich zusammen im Aachener Tierpark. Obwohl gar nicht weit entfernt, waren wir beide viele Jahre nicht dort gewesen. Der Ausflug war ein Geschenk zu meinem letzten Geburtstag gewesen. Ein wirklich tolles Geschenk, wie ich finde! ♥

Gleich zu Beginn unseres Besuchs zog es und in den Streichelzoo - dafür ist man einfach nie zu alt! :D

Kleine Ziege mit Kunstwerk im Streichelzoo

Richtig schön war, dass es um diese Zeit des Jahres einige Jungtiere gab. Junge Erdmännchen, Wasservogel-Küken und Babyziegen sind nunmal ein schöner Anblick. Nur mit den jungen Servalen hatten wir Pech, sie zeigten sich an diesem Tag leider nicht in der Öffentlichkeit.

Junges Erdmännchen

Storchenfamilie

Auch Fütterungen konnten wir bei unserem Besuch einige ansehen, darunter auch wieder die der Erdmännchen und wie hier zu sehen die der Stachelschweine.

Bei der Fütterung der Stachelschweine

Bei den Ottern war Geduld gefragt. Zunächst wollten sie sich nicht so recht zeigen, aber irgendwann hatten wir dann das Glück, dass sie sich doch noch am Eingang eines Rückzugshäuschens in ihrem Gehege zeigten.

Ich liebe Otter einfach. Wirklich. ♥

Auch ein Vogel mit eigenem Schülerausweis begegnete uns im Aachener Tierpark:


Sein Name ist übrigens Joshi.

Viel Zeit verbrachten wir auch auf dem Kinderbauernhof, wo es allerhand verschiedene Haustierrassen zu sehen gibt. Schafe, Hühner, Schweine, aber auch Kaninchen und Meerschweinchen freuen sich dort auf einen Besuch.

Ein Highlight für mich war außerdem die begehbare Wellensittichanlage. Die lebhaften, kleinen Vögel zeigten sich enorm zutraulich, sodass wir gerne eine ganze Weile dort blieben und sie bei ihrem munteren Treiben beobachteten und fotografierten.

Furchtloser Piepmatz

Wir verbrachten an diesem Sonntag im Mai viele Stunden im Tierpark Aachen. Der Tierpark ist doch recht groß und weitläufig und es gibt allerhand zu entdecken. Sogar ein See gehört dazu, den man gemütlich und etwas abseits des sonstigen frühsommerlichen Trubels umrunden konnte. Die Gehege der Tiere machten alle einen modernen und geräumigen Eindruck und die Tiere hatten stets die Möglichkeit, sich in uneinsehbare Gegenden zurückzuziehen. Viele seiner Lieblingstiere konnte man dann mit großer Sicherheit bei der Fütterung antreffen, wenn sie sich vorher versteckt gehalten hatten.

Meiner Freundin und mir hat der Tag in Aachen ausgesprochen gut gefallen und wir haben uns fest vorgenommen, nicht wieder so viele Jahre verstreichen zu lassen, eh wir dem Tierpark unseren nächsten Besuch abstatten.

Donnerstag, 10. August 2017

CD-Vorstellung: Corvus Corax & Markus Heitz - Der Fluch des Drachen

So, da bin ich endlich mal wieder, immernoch eeewig mit meinen Berichten hinterherhinkend. Stresst mich aber gerade eher weniger, liegt doch noch ein gutes Stück Restentspannung vom gerade erlebten Castlefest-Wochenende (Jahreshighlight wie immer!) in der Luft :P

Ganz untätig war ich aber tatsächlich auch nicht, durfte ich doch mal wieder zwei feine neue Tonträgerchen rezensieren, wovon ich die erste heute mal endlich verlinken möchte.

Diesmal hatte ich die Ehre, das Fantastical "Der Fluch des Drachen" von Corvus Corax und Markus Heitz unter die Lupe nehmen zu dürfen. Wer sich nun fragt, was ein Fantastical ist oder sich tatsächlich für meine Meinung zu dieser Neuerscheinung interessiert, dem sei ein Klick auf den folgenden Link empfohlen:


Wer zum Lesen zu faul ist und lieber erstmal selbst was sehen mag - die
Kolkraben haben auch einen sehr ansehnlichen Trailer zur Schreibe veröffentlicht:




Dienstag, 18. Juli 2017

Wo sind all die Bilder hin?

...wo sind sie geblieben?

Genau die gleiche Frage habe ich mir heute Morgen auch gestellt. Da lässt man seinen Blog mal ein paar Tage aus den Augen und - schwupp - ploppen überall hässliche Platzhalter statt der in mühevoller Arbeit über Jahre ausgewählten Bilder auf. 

Eine kurze Recherche hat ergeben, dass die Schuld bei meinem bisherigen Bilderdienst Photobucket zu finden ist. Die haben nämlich ihre Konditionen angepasst und erlauben Gratisnutzern nun nicht mehr, bei ihnen hochgeladene Bilder auf anderen Webseiten darzustellen. Das Ganze kann man rückgängig machen mit einer lapidaren Zahlung von 400 Dollarn. Ich habe sehr herzlich gelacht.

Da Photobucket (zumindest in seiner Gratisversion) in der jüngeren Vergangenheit immer wieder mit teils tagelangen Komplettausfällen und einer krankhaften Werbelast genervt hat, hatte ich schon länger über einen Umzug zu einem anderen Bilderdienst nachgedacht. Nun habe ich hier den endgültigen Umzugsgrund erhalten und werde ab jetzt mein Glück mit Google versuchen. Bietet sich bei einem blogspot-Blog halt auch einfach an...

Jedoch, und nun zum eigentlichen Anlass dieses Postings: Ich betreibe diesen Blog seit mehreren Jahren, es haben sich in der Zeit hunderte Bilder angesammelt. Gerade in der Anfangszeit habe ich diese Bilder auch nicht sortiert, sie fliegen also irgendwo auf meiner Festplatte rum. Und weiter neue Posts verfassen möchte ich natürlich auch. Mit anderen Worten: Es wird vermutlich eine kleine Weile dauern, bis es hier wieder so aussieht, wie es aussehen soll.

Dann stürz ich mich mal ins Gefecht. Danke für diesen Haufen sinnloser Extraarbeit, Photobucket. Ich freu mich schon darauf, wenn dies alles abgeschlossen ist meinen Account zu löschen.

Zwischen Wikingern und Piraten - Die Role Play Convention 2017 in Köln

Dieses Jahr habe ich zum zweiten Mal der Role Play Convention in Köln einen Besuch abgestattet. Nachdem ich bereits im Vorfeld eingehend das Programm studiert habe, fiel die Entscheidung, die Convention in diesem Jahr am Samstag zu besuchen.

Um die bei Conventions gerne üblichen Einlasschlangen zu umgehen, fuhr ich nicht gleich zur Eröffnung hin. Eine Strategie, die sich auch dieses Mal wieder bewährte. So dauerte es höchstens zwei Minuten, bis ich die recht ausführliche Taschenkontrolle hinter mich gebracht hatte und mit der Erkundung der Messehalle beginnen konnte.

Zunächst drehte ich eine ausführliche Runde durch die Haupthalle mit all ihren Händlern und Künstlern, später stattete ich dann auch der stets etwas leereren unteren Halle, die aber schon wegen einiger interessanter Künstler, die dort ihre Stände hatten, einen Abstecher wert war.

Viel Zeit verbrachte ich aber an diesem Tag wirklich damit, mir verschiedene, spannende Programmpunkte anzusehen. Los ging es dabei für mich um 13 Uhr im Lesecafé von Feder & Schwert, wo Tommy Krappweis aus seinem Buch "Ghostsitter 4 - Schreck im Spiegelkabinett" las und zwischendurch auch die eine oder andere unterhaltsame Anekdote zur Entstehung des Buches und der Bedeutung guter Lektoren und verständnisvoller Verlage zum Besten gab.

Gut gefüllte Lesung von Tommy Krappweis

Gleich im Anschluss spurtete ich zum ersten Mal an diesem Tag nach draußen, wo es neben einem kleinen Mittelaltermarkt die große Outdoor-Bühne gibt. Auf der spielten nämlich noch ein paar Minuten Punch'n'Judy. Den Großteil des Sets hatte ich natürlich verpasst, aber ich kam gerade richtig, um noch "Koboldkönig" zu hören, einen meiner Lieblingssongs der Band.

Punch'n'Judy

Danach blieb ein wenig Zeit zur Erkundung des Mittelaltermarkts, wo ich eine Zeit lang beim Auftritt von Brigada Pirata hängen blieb, einer italienischen Piratenband, die sehr sympathisch rüberkamen und gut Stimmung machte. Um 15 Uhr ging es dann aber auch schon wieder zurück ins Lesecafé, was bei der draußen herrschenden Hitze aber eigentlich auch ganz angenehm war. Dort lasen Bernhard Hennen und Robert Corvus aus der Phileasson-Saga und gaben sich dabei sehr amüsante Wortgefechte. Robert Corvus brachte die anwesenden Zuhörer dann auch noch dazu, mit ihm gemeinsam einen spontanen Chor zu bilden, der gemeinsam das Lied "König der Meere" trällerte - quasi ein Drunken Sailor in der speziellen Phileasson-Version.

Brigada Pirata

Schon um 17 Uhr ging es dann weiter im Programm, diesmal mit einem Vortrag von Tommy Krappweis und Rudolf Simek, einem der wohl bekanntesten Skandinavisten des deutschsprachigen Raumes. Bekanntlich hatte sich zwischen dem Autoren und dem Wissenschaftler eine enge Zusammenarbeit entwickelt, als Tommy Krappweis an seinen "Mara und der Feuerbringer"-Romanen gearbeitet hatte (die übrigens - jubel! - fortgesetzt werden). Und eben über diese Zusammenarbeit berichteten die beiden nun in diesem Vortrag, der unter dem schönen Titel "Götter, Gags und Fantasy - Wissenschaft und Fantasy in 'Mara und der Feuerbringer'" stand. Das konnte ich mir als Skandinavist und Fantasy-Fan doch unmöglich entgehen lassen - eine Einschätzung, die wohl viele teilten, passten doch die Interessierten gar nicht alle in den kleinen Workshop-Raum. Die Menschen saßen auf allen Stühlen, hockten davor und standen in mehreren Reihen dahinter, und trotzdem blieben noch ein paar vor der Tür.

Der Workshopraum war eindeutig zu klein für die vielen Interessenten beim Vortrag von Tommy Krappweis und Rudolf Simek

Der Vortrag wurde dann aber auch wirklich großartig, verstehen es doch sowohl Tommy Krappweis als auch Rudolf Simek hervorragend, interessant und kurzweilig zu erzählen. Man erfuhr viel darüber, wie die Zusammenarbeit der beiden recht unterschiedlichen Männer zustande kam und sich entwickelte und die kleinen, nicht gemeinen Seitenhiebe, die sich die beiden über die ganze Zeit gegenseitig zuwarfen, brachten das Publikum häufig richtig heftig zum lachen.

Nach dem Vortrag rückte das Ende dieses schönen Tages auf der RPC so langsam und allmählich in Sichtweite. Es wurde Zeit, ein paar letzte kleine Einkäufe zu machen und sich mit einem leckeren Milchshake bewaffnet wieder in die knallende Sonne vor der Bühne zu wagen. Um 18:45 Uhr begann da nämlich das Konzert von Jan Hegenberg, welches für mich den perfekten Abschluss dieses schönen Convention-Tages bildete. Im Gegensatz zum Vorjahr konnte ich dieses Jahr - Spotify sei dank - auch endlich mitsingen. Wie toll es einfach klingt, wenn das ganze Publikum bei Songs wie "Die Horde rennt" mitsingt - und wie dumm du dir vorkommst, wenn du selber davon vorher noch nie gehört hast :P Gut, diese Bildungslücke wurde jedenfalls im Laufe des letzten Jahres behoben, und an diesem Samstag konnte dann auch endlich der schreckliche Makel beseitigt werden, keine Jan Hegenberg CD zu besitzen.

Jan Hegenberg

Mit diesem Konzert ging also mein Tag auf der Role Play Convention 2017 zu Ende. Meine Ausgaben hielten sich dabei sogar mal im Rahmen, die wahre Eskalation erfolgte dann erst eine Woche später bei der Dokomi, haha. Doch davon berichte ich natürlich später in einem eigenen Post mehr. ;)

Dienstag, 11. Juli 2017

Lutherjahr in Wittenberg - ein kleiner Reisebericht, Teil 2

Am nächsten Tag ging es in aller Frühe weiter. Kurz gefrühstückt und dann schnell auf den Weg gemacht zum 360° Panorama "Luther 1517" von Yadegar Asisi. Auch hier hatten wir eine Führung und haben so auch die eine oder andere Information erhalten und wurden auf Details aufmerksam gemacht, die uns sonst sicher entgangen wären. Von außen eher unspetakulär, steht man im Innenraum plötzlich mitten in einer gewaltigen Ausgabe von Wittenberg zu Martin Luthers Lebzeiten. Es war wie ein gewaltiges historisches Wimmelbild, in dem sich an mehreren Stellen der Wittenberger Reformator in wichtigen Situationen seines Lebens entdecken ließ. Auch andere wichtige Personen der Stadt zur Zeit der Reformation waren zu finden, so zum Beispiel Luthers Freund und Mitstreiter Melanchthon. Interessant war auch, dass es im Panorama einen Wechsel der Tageszeiten gibt, und sich zu verschiedenen Tageszeiten unterschiedliche Details entdecken ließen. Es lohnt also, eine Zeit lang zu verweilen - man kann unheimlich viel entdecken.

Nach dem Besuch des Panoramas blieb uns Zeit für einen Spaziergang durch die Innenstadt. Die Stadtkirche, Wittenbergs zweite bedeutende Kirche, konnten wir aus zeitlichen Gründen an jenem Tag nur von außen betrachten, ebenso wie das Melanchthonhaus sowie die Cranach-Höfe, an denen wir vorbeispazierten. Aber schließlich brauchten wir auch ein wenig Zeit um uns nach Souvenirs umzusehen, sowohl für die Nachbarn, die sich während unserer Abwesenheit um Haus und Tiere kümmerten, als natürlich auch als Andenken für uns selbst. Ich denke, Martin Luther wäre vermutlich ausgerastet, hätte er sehen können, wofür sein Gesicht heute so alles herhalten darf. So gab es beispielsweise Keksausstecher in der Form seines Gesichtsprofils, Quietscheentchen oder in Luther-Outfit zu kaufen und als der absolute Verkaufsschlager gilt der aufmüpfige Mönch als Playmobil-Figur, inklusive Schreibfeder und Lutherbibel in den Händen. Zugegebenermaßen alles ganz nach meinem Geschmack, aber sicher ein Dorn im Auge manches Christen. ;)

Portal der Stadtkirche

Gegen Mittag entdeckten wir dann eher zufällig eine kleine Ausstellung im Hof des Stadthauses, die für mich zu einem Highlight des Tages wurde. Gezeigt wurden "Unheilige Bilder - Cartoons zu Kirche und Religion heute". Einfach großartig! Viel schwarzer Humor, manch bitterböse Anspielung - ich zumindest kam aus dem Grinsen gar nicht mehr raus. Gerne hätte ich im Anschluss den Ausstellungskatalog mitgenommen, aber dieser war entäuschenderweise so kurz nach Ausstellungsbeginn vor Ort bereits ausverkauft. Da dachte ich mir mal wieder, dass die Leute wohl nie aufhören werden, das Interesse, das an Cartoons und Comics besteht, zu unterschätzen.

Nach einer wohl verdienten Mittagspause ging es dann in die große Luther-Ausstellung diesen Jahres. Und sie ist wirklich riesig, die Ausstellung "Luther! 95 Schätze - 95 Menschen" im Augusteum am Lutherhaus. Und vor allem ist sie auch gut aufgebaut und spannend. Gezeigt werden, wie der Name ja schon ahnen lässt, 95 verschiedene Objekte, die irgendwie mit Luther in Bezug stehen. Zu jedem der Objekte gibt es dann noch die Lebensgeschichte einer Person, die durch Luther und seine religiösen Ideen beeinflusst wurde. Viele der präsentierten Personen kennt man - so zum Beispiel Astrid Lindgren, doch manche waren zumindest mir auch völlig unbekannt. Von allen kam man jedoch Aspekte zu Gesicht, die man so vorher noch nicht betrachtet hatte. Die Texte hatten zudem alle eine Länge, die es möglich machte, sie auch alle bei einem Besuch zu lesen, ohne irgendwann völlig erschlagen aufzugeben, wie es bei manchen Ausstellungen schonmal der Fall ist. In der Ausstellung gibt es übrigens noch eine zweite Mitmach-Ausstellung speziell für Kinder. Diese trägt den Titel "Der Mönch war's!" und führt die Kinder gemeinsam mit Luthers Hund Tölpel durch die Geschehnisse der Reformation. Eine schöne Idee, finde ich.

Wir schlossen unseren Kultur-Marathon durch Wittenberg schließlich im alten Gefängnis ab. Dort gab es die Ausstellung "Luther und die Avantgarde" zu sehen, mit zeitgenössischer Kunst. Da ich mit dieser Art Kunst bisher wenig zu tun hatte, waren mir bis auf Ai Weiwei alle Künstler im Vorfeld vollkommen unbekannt, der Berichterstattung nach scheinen aber doch einige von ihnen in der entsprechenden Szene namhaft zu sein. Der Aufbau der Ausstellung war jedenfalls ziemlich interessant, die meisten Künstler hatten für ihre Werke eine der ehemaligen Zellen erhalten und konnten diese dann gestalten. Als Besucher konnte man die meisten der Zellen dann betreten und alles von ganz nah betrachten. Ich muss zugeben: viele der Werke haben mir persönlich nichts gesagt, ich wusste einfach nicht, was ich damit anfangen soll. Manche haben es aber doch geschafft, mich in irgendeiner Form zu erreichen. Sehr unterhaltsam fand ich gleich das erste gezeigte Werk, "Casting Jesus" von Christian Jankowski. Ein altes, leeres Becken im Keller des Gefängnisses dient hier als Kinosaal, von dem aus man ein Video mit einem Casting für die Rolle des Jesus sieht. Die Kandidaten müssen überzeugend predigen, leidend gucken und natürlich angemessen würdevoll daherschreiten. Eine andere Installation fand ich ziemlich verstörend. Man betrat einen abgedunkelten Raum, der durchdrungen war von beunruhigenden Geräuschen, und mehrere Bildschirme zeigten beklemmende Bilder. Irgendwann blitze auf einem der Bildschirme der Titel "Die 95 Prothesen von Verdun" auf. Auf wieder ganz andere Art beeindruckend war dann gegen Ende ein Roboter, der die Bibel in Kalligraphie mit einem handelsüblichen Füllfederhalter schrieb. Ganz langsam, sodass diese bis zum Ende der Ausstellung fertig sein sollte. Ein Werk erfreute sich bei Erwachsenen, Kindern und Aufsehern großer Beliebtheit, weil es einen Käfig aus durchsichtigen Gitterstäben zeigte, die mit verschiedenen Bonbons gefüllt waren und entnommen werden durften. Im Nachhinein bereue ich es jedenfalls nicht, mir die Ausstellung angesehen zu haben, auch wenn mich Begriffe wie moderne oder zeitgenössische Kunst eigentlich eher ein wenig abschrecken, weil ich zu oft so gar nichts damit anfangen kann.

Das alte Gefängnis

So endete dann auch schon - viel zu früh! - unser Besuch in Wittenberg. Es hätte noch so viel zu sehen gegeben, und für viele der besichtigten Dinge hätte man sich auch gut und gerne mehr Zeit nehmen können. Aber es war ja nicht zu ändern. Wir überlegen schon, wann wir das nächste Mal fahren sollen. Vielleicht nächstes Jahr ja einmal wieder zu "Luthers Hochzeit", dem großen Stadtfest mit Mittelaltermarkt? Mir persönlich würde das jedenfalls sehr gut gefallen, hat doch genau dort vor mittlerweile neun Jahren mein Einstieg in die Welt des Mittelalters begonnen.