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Dienstag, 14. Juli 2026

Buchvorstellung: I hear the sunspot von Y. Fumino

Aus Anlass des Erscheinens eines neuen Bandes habe ich mir vorgenommen, "I hear the sunspot" einen Reread zu geben, um nach der langen Pause wieder gut reinzukommen. Da bot es sich dann natürlich auch an, gleich ein paar Gedanken zum Manga festzuhalten.


Worum es geht:

Tachi braucht dringend einen Job. Durch einen Zufall lernt er Kohei kennen, einen schwerhörigen Kommilitonen. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut - im übertragenen wie auch im wörtlichen Sinn, denn durch Tachis laute Stimme kann Kohei ihn trotz seiner Beeinträchtigung gut verstehen. Bald kommen sie überein, dass Tachi Kohei bei den Mitschriften seiner Vorlesungen hilft, jeweils gegen ein gemeinsames Essen. Trotzdem ist es nicht immer ganz einfach zwischen ihnen - besonders nicht, als Kohei tiefere Gefühle für Tachi entwickelt, sich aufgrund seiner Schwerhörigkeit jedoch nicht traut, sich diese auch einzugestehen.

Meine Meinung:

Diese Rezension bezieht sich auf die ersten zwei Bände, welche sich mit der Beziehung zwischen Kohei und Tachi beschäftigen und hierzulande unter dem Titel "I hear the sunspot", im zweiten Band noch ergänzt durch den Zusatz "Die Theorie des Glücks" vertrieben wurden.

Bei den beiden Protagonisten ist eindeutig das Motto 'Gegensätze ziehen sich an' angesagt. Tachi könnte man zu Beginn schon leicht vorwerfen, ein wenig einfältig zu sein, doch man könnte es auch aus Koheis Perspektive betrachten, der sich im Umgang mit seinen Menschen ziemlich schwer tut und in Tachi einen unvoreingenommenen und offenen Freund findet. Dennoch tut er sich lange schwer damit, Tachi in sein Leben zu lassen. Durch seine Schwerhörigkeit hat er sich nach und nach immer mehr aus der Welt der Hörenden zurückgezogen, kann sich jedoch gleichzeitig nicht so richtig mit anderen Menschen in seiner Situation identifizieren, weil er seine Beeinträchtigung erst seit der Mittelschulzeit hat und außerdem im Gegensatz zu vielen anderen noch über einen Rest an Hörvermögen verfügt. Gefühlt steht er so zwischen zwei Welten, ohne sich einer davon wirklich zugehörig zu fühlen.

Ganz anders geht es da Tachi, der sich durch seine Begegnung mit Kohei langsam zu verändern beginnt. Während er sich zuvor eher hat treiben lassen, gibt ihm der Einblick in Koheis Welt endlich ein Ziel für sein Leben: er möchte seinen Freund besser verstehen, und als das bedeutet, die Probleme zu verstehen, mit denen dieser im Alltag einer hörenden Welt konfrontiert ist, möchte er aktiv etwas daran ändern.

Den Umgang mit Koheis Schwerhörigkeit habe ich beim Lesen als Besonderheit und auch Stärke des Mangas empfunden. Man lernt viel über das Thema und über die Probleme von Menschen mit Beeinträchtigungen der Hörfähigkeit in Japan, und ich habe die Erzählweise dabei als ebenso informativ wie auch feinfühlig betrachtet.

Auf der Beziehungsebene ist der Manga an dieser Stelle dafür noch deutlich sperriger. Es gibt zahlreiche Missverständnisse, die sich durch richtige Kommunikation hätten verhindern lassen können und eine weibliche Antagonistin, die unsympathischer dargestellt wird, als es die Umstände meiner Meinung nach erfordert hätten. Doch der Manga hat auch seine schönen Momente, in denen die beiden Protagonisten sich näher kommen und besser verstehen lernen dürfen und die mich doch etwas über diese Schwächen hinweggetröstet haben.

Der Zeichenstil lässt für mich hingegen auch abseits der wunderschönen Farbillustrationen keine Wünsche offen und passt gut zum ruhigen Charakter des Mangas. Positiv empfunden habe ich auch, dass beide Bände, insbesondere aber der zweite, wirklich sehr dick sind und der Story damit viel Raum lassen, sich zu entfalten. Überstürzte Entwicklungen sucht man hier also glücklicherweise vergebens.

Alles in allem habe ich "I hear the sunpot" auch beim erneuten Lesen als soliden Auftakt empfunden, der mich trotz einiger unnötiger Mini-Dramen motiviert hat, der Geschichte von Tachi und Kohei weiter zu folgen, auch wenn ich die Stärken zu diesem Zeitpunkt eher in der Thematik rund um Koheis Schwerhörigkeit sowie in Tachis Suche nach seinem Ziel im Leben als in der Beziehungsdynamik der beiden sehen würde.

I hear the sunspot | Y. Fumino | Carlsen Manga | Originalpreis: 7,99€ & 9,99€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab  15 Jahren | Link zum Buch

Dienstag, 16. Juni 2026

Buchvorstellung Yurijuni Challenge: Wir beide! von Milk Morinaga

Yuri-Mangas im Schul- oder Unisetting gibt es so einige, aber als ich darüber nachgedacht habe, welchen Titel ich gerne für die #yurijuni2026 Challenge von manga_no_tomodachi auswählen möchte, ist meine Wahl ziemlich schnell auf "Wir beide!" von Milk Morinaga gefallen.

Für mich - wie vermutlich für viele ältere deutsche Mangaleser - war dieser Titel damals (2012) der erste Berührungspunkt mit dem Girls Love Genre. Und was soll ich sagen? Ich war damals vollauf begeistert von dieser neuen Welt, die sich aufgetan hat! Umso schöner finde ich es, heute - ganze vierzehn Jahre später - nach meinem Reread für die Challenge sagen zu können: ich mag diese Reihe noch genauso gerne wie damals!

In "Wir beide!" geht es um Mariko, die so schüchtern und unauffällig ist, dass sie in der Schule keine wirklich engen Freunde hat. Dies ändert sich erst, als die lebhafte Akko sie anspricht. Durch die Freundschaft zu ihr ändert sich Marikos Leben sehr. Sie fängt an, sich für Mode und Trends zu interessieren und findet endlich Anschluss in ihrer Klasse. Obwohl sie den Grund lange nicht wirklich greifen kann, bleiben ihre Gefühle für Akko jedoch immer irgendwie anders als die für ihre anderen Freundinnen. Als sie eines Tages das Bedürfnis überkommt, Akko im Schlaf zu küssen, beginnt sie daran zu zweifeln, dass sie in dieser wirklich nur eine sehr enge beste Freundin sieht.

Was "Wir beide!" meiner Meinung nach von anderen Yuri-Titeln im Schulsetting abhebt ist die liebevoll-detaillierte Ausgestaltung des Alltags von Mariko und ihren Freundinnen. Die Schule als natürlicher Lebensmittelpunkt von Mädchen in diesem Alter nimmt großen Raum ein, doch auch ihre Freizeit wird immer wieder beleuchtet. Es wird geshoppt, angesagte Fast Food Ketten besucht und - mein persönlicher Favorit, weil so schön typisch für die Zeit, aus der der Manga stammt - Purikura gemacht und getauscht. So entsteht ein sehr dynamisches Bild einer Lebenswirklichkeit, um die herum sich die Geschichte von Mariko und Akko entwickeln kann.

Große Dramen sucht man hier vergeblich, auch wenn sich dies für die Protagonistinnen sicher ganz anders anfühlt. Gerade Mariko kann ihre Gefühle lange nicht richtig zuordnen und versucht sie zu unterdrücken, weil sie sie für falsch hält und Angst hat, Akko damit zu vertreiben und so ihre beste Freundin zu verlieren. Das führt irgendwann sogar so weit, dass sie ein Liebesgeständnis von einem Jungen annimmt mit der festen Absicht, sich schon irgendwann in ihn zu verlieben - ich denke, es zählt nicht als Spoiler, zu verraten, dass das natürlich nicht so furchtbar gut funktioniert. 

"Wir beide!" erzählt am Ende also mehr als nur eine Liebesgeschichte. Vielmehr habe ich es als eine Geschichte über das Erwachsenwerden gelesen. Einerseits fängt das Leben für die Mädchen gerade erst an und sie genießen es, sich selbst zu entdecken, andererseits ist Gefühlschaos nie fern. Entscheidungen für die berufliche Zukunft müssen getroffen werden, scheinbar enge Freundschaften bröckeln, sobald sich die Zusammenstellung der Klassen ändert - und dann ist da eben noch die Sache mit der Liebe, immer mit der konstanten Angst, irgendwas falsch zu machen und alles zu ruinieren. Es ist eine Reise in das Leben japanischer Teenager, thematisch zeitlos aber vom Setting her perfekt in die Zeit seiner Entstehung eingebunden. 

Vielleicht liegt es ein Stück weit einfach daran, dass ich zu eben jener Zeit (der Manga erschien in Japan ab 2006) selbst Teenager war, aber in jedem Fall habe ich bis heute große Freude an der Geschichte von Mariko und Akko, was den Manga bis heute zu einem Highlight des Genres macht.

Wir beide! | Milk Morinaga | Carlsen Manga | Originalpreis 6,95€ pro Band | Genre: Girls Love 

Sonntag, 14. Juni 2026

Buchvorstellung Yurijuni Challenge: Bloom Into You von Nio Nakatani

Für das nächste Thema der #yurijuni2026 Challenge von manga_no_tomodachi kamen aus meiner Sicht eine ganze Menge schöner, cozy Slice of Life Titel in Frage. Entschieden habe ich mich am Ende aber für "Bloom Into You" von Nio Nakatani.

In der achtbändigen Reihe geht es um Yu Koito, die neu auf der Oberschule ist. Durch romantische Mangas und Liebeslieder hat sie eine ziemlich konkrete Vorstellung davon, wie sich das mit der Liebe anfühlen sollte. Leider ist ihr selbst dieses Gefühl aber vollkommen fremd. Als sie zufällig die ältere Mitschülerin Nanami dabei beobachtet, wie sie ein Liebesgeständnis ablehnt denkt sie, dass sie endlich eine verwandte Seele gefunden hat. Dies stellt sich jedoch als Irrtum heraus, als Nanami ihr kurz darauf eröffnet, sich gerade in sie zu verlieben. Obwohl Yu ihre Gefühle zunächst nicht erwidern kann, akzeptiert sie diese, und durch die gemeinsame Arbeit im Schulkomitee kommen die beiden einander Stück für Stück näher. 

Dadurch, dass "Bloom Into You" lange eine der wenigen längeren Yuri-Reihen auf dem deutschen Markt war, hat mich der Titel wirklich lange begleitet und war für mich immer ein Garant für schöne und entspannte Lesemomente. Das Schulleben, zusammen mit Yus pragmatischem und unaufgeregten Charakter, haben einfach die perfekte Grundlage für eine richtig schöne Slice of Life Geschichte geliefert.

Und dann war da noch der Aspekt der Erwartungen, der mir besonders gut gefallen hat. Yus Erwartungen an die Liebe sind so konkret geformt durch das, was die Gesellschaft um sie herum daraus macht, durch überhöhte Erwartungen geboren aus Fiktionen und Träumen, dass sie beginnt, an sich selbst zu zweifeln. Und auch Nanami kämpft mit Erwartungen, und zwar sehr konkret mit denen, die ihr Umfeld und ultimativ auch sie selbst an sie stellen. Im Manga lernen beide nach und nach, diese Erwartungen zu verstehen und einzuordnen und ihre eigenen Schlüsse zu ziehen, was die Story gewissermaßen auch zu einer Coming-of-Age Geschichte macht. 

All das hat dazu beigetragen, dass mir die Lektüre von "Bloom Into You" sehr positiv im Gedächtnis geblieben ist. Wer eine ruhige Geschichte über das Erwachsen werden und das langsame Erblühen von Gefühlen lesen möchte, ist hier an der richtigen Stelle! 

Bloom Into You | Nio Nakatani | Carlsen Manga | Originalpreis: 6,99€ pro Band | Genre: Girls Love | Empfohlen ab 14 Jahren | Link zum Buch

Mittwoch, 30. Juli 2025

Buchvorstellung: Semantic Error Band 1 von Angy & J.Soori

Ziemlich aufgeregt war ich, als der zu Carlsen gehörende C Lines Verlag vor einiger Zeit die deutsche Veröffentlichung des koranischen Webtoons "Semantic Error" ankündigte, war ich doch in der Vergangenheit schon häufiger auf Lobeshymnen für den Titel gestoßen. Ende Mai war es dann endlich soweit und der erste Band wanderte gleich mit mir nach Hause.

 

Doch worum geht es eigentlich? Im Mittelpunkt der Geschichte steht der eigenbrötlerische Informatikstudent Sangwoo. In seinem Fach kann ihm niemand so leicht das Wasser reichen, doch mit den Feinheiten zwischenmenschlicher Beziehungen tut er sich deutlich schwerer, was ihn jedoch eigentlich wenig zu stören scheint. Er liebt sein strukturiertes Leben, ist diszipliniert und erwartet dies auch von seinen Kommilitonen. Als diese ihn bei einer Gruppenarbeit hängenlassen, macht er zwar klaglos die Arbeit alleine, streicht dafür jedoch ihre Namen aus der Präsentation, was den Designstudenten Jaeyoung seinen Abschluss kostet und seine Zukunftspläne gefährdet.

Als Jaeyoung Sangwoo schließlich zu dieser Situation konfrontiert wird schnell klar, dass bei den beiden jungen Männern Welten aufeinanderprallen. Während der lockere und offene Jaeyoung fest davon ausgeht, eine Entschuldigung von Sangwoo zu verdienen, versteht dieser gar nicht, wofür er sich entschuldigen sollte. Ursprünglich durch einen Zufall kreuzen sich ihre Wege erneut, und Jaeyoung beginnt einen perfiden Racheplan: er schleicht er sich in jeden Bereich von Sangwoos Leben ein, um dessen streng strukturierte Abläufe durcheinanderzubringen. Doch während Sangwoo sich nichts mehr wünscht, als den "semantischen Fehler" Jaeyoung aus seinem Leben zu entfernen, fängt dieser bald an sich zu fragen, ob es wirklich Rache ist, die er sucht - oder nicht doch eher die Aufmerksamkeit seines schrulligen Kommilitonen.

"Semantic Error", illustriert von Angy und basierend auf einer Webnovel von J. Soori, ist - man ahnt es schon - ein Boys Love Webtoon, doch in diesem ersten Band ist von Liebe zwischen den beiden Protagonisten noch wenig zu spüren. Stattdessen steht hier ganz der Konflikt im Fokus, und ich konnte beim Lesen gar nicht anders als mit Sangwoo mitzuleiden, als sein ordentliches Leben von Jaeyoung durcheinandergebracht wurde. Besonders spannend fand ich dabei den extremen Kontrast zwischen den beiden Charakteren. Während es Sangwoo mit seinem starken Bedürfnis nach Ordnung und Disziplin unmöglich ist, zu erfassen, warum sich Jaeyoung eine Entschuldigung von ihm erhofft, fehlt es Jaeyoung an Einfühlungsvermögen um zu verstehen, wie tief sein Verhalten Sangwoo stresst. Obwohl es - zumindest zu diesem Zeitpunkt - im Comic nicht thematisiert wird, ist ziemlich offensichtlich, dass hier mit Sangwoo und Jaeyoung ein neurodivergenter und ein neurotypischer Charakter aufeinandertreffen. Sangwoo schätzt sein geordnetes Leben nicht, er braucht es, um zu funktionieren - während Jaeyoung sein wiederholtes Eindringen in dessen Welt wie ein Spiel betrachtet.

Zur Optik: Webtoon-typisch kommt "Semantic Error" komplett in Farbe daher. So knallig wie auf dem Cover sind die Zeichnungen dabei aber eher selten. Stattdessen bilden sie oft eher schlicht den Studentenalltag der Protagonisten ab, was meiner Meinung nach sehr gut zur Story passt. Eingestuft ist der erste Band ab 16 Jahren - wahrscheinlich, weil er trotz des Humors durchaus ernstere Themen behandelt (denn, sind wir einmal ehrlich: was Jaeyoung hier tut geht durchaus als Mobbing durch). Außerdem gibt es fairer Weise bereits einen Hinweis darauf, dass die insgesamt fünf Bände umfassende Reihe ab dem dritten Band durch die unzensierte Veröffentlichung nur noch für volljährige Leser geeignet sein wird. Wer also ein Problem mit expliziten Darstellungen hat, kann sich so bereits von Anfang an überlegen, ob dieser Titel der Richtige ist. Als kleines Gimmick für die Sammler unter uns liegt der ersten Auflage übrigens auch noch eine schicke Photocard bei.

Ich jedenfalls freue mich bereits jetzt darauf, der Geschichte im dieser Tage erscheinenden zweiten Band von "Semantic Error" weiter zu folgen. Der faszinierende Kontrast zwischen den beiden Hauptfiguren hat mich sehr neugierig gemacht, wie es den beiden wohl möglich sein wird, einander näher zu kommen und die lockere Erzählweise hat mir beim Lesen große Freude bereitet. Mir scheint, der Webtoon wird seinem hervorragenden Ruf durchaus gerecht.

Donnerstag, 20. Februar 2025

Buchvorstellung: I Can't Stand Another Night Alone von Yoh Matsumoto

Heute möchte ich euch einen Manga im Nachkriegszeit-Setting vorstellen, der mein Interesse geweckt hat.

Bei I Can't Stand Another Night Alone handelt es sich um einen Boys Love Manga, welcher im Japan der 50er Jahre spielt. Das Land hat gerade den Krieg verloren und die amerikanischen Besatzungskräfte beherrschen das Bild in den Straßen.

In dieser Zeit arbeitet der junge Mann Seishiro - von allen nur Sei genannt - in einem Kabarett, einer extra für die amerikanischen Soldaten eingerichteten Vergnügungsanstalt. Er wirkt dabei ziemlich rast - und ziellos. Tagsüber zweifelt er daran, ob dieser Alltag wirklich alles sein kann, was das Leben ihm zu bieten hat, die Nächte verbringt er mit wechselnden weiblichen Bekanntschaften.

Die Veränderung, welche er sich so sehr zu wünschen scheint, kommt dann in unerwarteter Form in sein Leben, als der ehemalige amerikanische Soldat Jim im Kabarett auftaucht. Jim entspricht nicht dem gängigen Klischee, welches in Japan über die Amerikaner herrscht. Er ist sanft und freundlich und hat durch seine Begeisterung an der japanischen Kultur fließend Japanisch gelernt - und er zeigt ein unerwartetes Interesse daran, Sei näher kennenzulernen.

Der Einzelband von Yoh Matsumoto beleuchtet die sich entwickelnde Beziehung der beiden Männer, und was insbesondere für Sei anfangs nur als Möglichkeit gesehen wird, seinem tristen Leben zu entfliehen, entwickelt sich bald zu einer echten Bindung. Doch welche Zukunft gibt es für die Beiden in einer Zeit, in der gleichgeschlechtliche Paare sich in der Öffentlichkeit verstecken müssen? Und was passiert, wenn die Besatzungszeit endet?

Mir hat der Manga I Can't Stand Another Night Alone sehr gut gefallen. Obwohl es sich nur um einen Einzelband mit limitiertem Raum für die Story handelt, wird das außergewöhliche Setting gut genutzt und bleibt nicht nur dekoratives Beiwerk. Der Zeitgeist und die besonderen Umstände nach dem Krieg prägen sowohl die Handlung als auch die Denkweise der Charaktere. Dass Jim, welcher im überaus christlichen Amerika jener Zeit aufgewachsen ist, seine Homosexualität sein Leben lang versteckt hat, ist dabei ebenso glaubwürdig wie Seis Zwiespalt zwischen den Wünschen seiner sehr traditionellen japanischen Familie und seinen eigenen Zielen. Auch die Behandlung schwieriger Themen wie das Verhältnis zwischen Kriegsgewinner und Kriegsverlierer sowie den Umgang mit Kriegstraumata halte ich für sehr gelungen.

Die zeichnerische Umsetzung passte in meinen Augen ebenfalls sehr gut ins Gesamtbild. I Can't Stand Another Night Alone erzählt eine realistische Liebesgeschichte vor einem eher harschen Hintergrund, folglich sucht man in der Darstellung typische Fluff- und Bishonen-Elemente vergebens. Trotzdem sind die Darstellungen der Figuren stets gut ausgearbeitet und sehr ansprechend.

Natürlich wäre Boys Love nicht Boys Love, wenn wir nicht auch noch über *das* Thema reden würden: Bei I Can't Stand Another Night Alone handelt es sich um einen Manga, der für Leser ab 18 Jahren empfohlen wird, und der Hayabusa Verlag bewertet ihn auf seiner eigenen Spice-Skala mit 3 von 4 Flammen. Also ja, die beiden Protagonisten werfen einander nicht nur zärtliche Blicke zu, und der Manga ist zudem komplett unzensiert. Ich persönlich empfand die einschlägigen Szenen dabei als ansprechend umgesetzt und habe mich gefreut, dass sie sich in ihrer Anzahl und Platzierung gut in das Gesamtwerk einfügten. 

Das alles zusammen macht I Can't Stand Another Night Alone von Yoh Matsumoto in meinen Augen zu einem überaus soliden Einzelband, an dem Freunde des Genres, die auf der Suche nach einer etwas ungewöhnlichen und reiferen Story sind, ihre Freude haben werden.

In der Erstauflage kommt der Manga übrigens mit einer der beliebten SNS Cards-Cards, die ich persönlich ja sehr liebe, da sich mit ihnen so schöne Fotos machen lassen.