Montag, 19. Oktober 2026

Buchvorstellung: Sawa Wants to Fish and Eat Band 1 von Kazuki Funatsu

Worum es geht:

Tsuruya will eigentlich nur seine Ruhe haben. Seine Freizeit verbringt er darum auch nicht etwa mit Kollegen oder Freunden, sondern am liebsten beim Angeln. Sein Frieden findet eines Tages ein jähes Ende, als bei einem seiner Angelausflüge plötzlich Harusawa neben ihm steht. Gut gelaunt, extrovertiert und ein Gal, wie sie im Buche stehen, will auch sie nur eins: Fische fangen - und Tsuruya ist genau der Mann, der ihr das beibringen soll!

Meine Meinung:

Bei Mangas, in denen die Protagonisten einfach mit Leidenschaft einem Hobby nachgehen, ist es immer schnell um mich geschehen. So fiel mir dann auch der erste Band von "Sawa wants to Fish and Eat" ins Auge. Und obwohl ich am Anfang ein paar Zweifel hatte, da es sich hier doch ganz unverkennbar um einen Titel mit deutlicher Ecchi-Note handelt, habe ich am Ende einen Blick riskiert - und wurde nicht enttäuscht!

Offen gestanden fiel es mir von Anfang an sehr leicht, mich mit Tsuruya zu identifizieren. Auch ich schreie nicht gerade 'hier', wenn Kollegen nach der Arbeit nach gemeinsamen Aktivitäten fragen und schätze stattdessen meine Freizeit mit meinen Hobbys für mich alleine. Und daran, dass Tsuruya sein Angel-Hobby liebt, kann wirklich kein Zweifel bestehen! Fische, Techniken, Köder - er kennt sich einfach mit allem bestens aus, ohne jedoch Aufhebens darum zu machen, und beim anschließenden Zubereiten der Fische merkt man auch sofort, wie sehr er diese wertschätzt.

Als dann plötzlich Harusawa in sein Leben tritt, ist er zunächst einmal ziemlich entgeistert. Auch ihm sind die Klischees um Gals nicht unbekannt, und die Idee, dass eine junge Frau wie sie tatsächlich ernsthaft angeln möchte, erscheint ihm absurd. Da sie jedoch nicht locker lässt, wird er bald trotzdem sowas wie ihr Lehrer und seine Vorurteile geraten schnell ins Wanken. Denn was Harusawa an Erfahrung fehlt, dass macht sie durch Begeisterung und Durchhaltevermögen locker wett!

Mir hat es in jedem Fall große Freude bereitet, die beiden ungleichen Angelpartner durch diesen Band zu begleiten. Die Geschichte ist humorvoll erzählt, und obwohl Harusawas freizügige Art Tsuruya - seines Zeichens Single und mit wenig Erfahrung in Sachen Frauen - immer wieder an den Rande des Nervenzusammenbruchs bringt, wird die Beziehung der beiden nicht auf solche Ecchi-Momente reduziert. Harusawa weiß um ihre Reize und zeigt diese auch gerne, und der Manga spielt natürlich mit genretypischen Witzen, doch fand ich den Fokus darauf dabei nicht unangemessen groß. Und ja, auch ich habe sehr gelacht, als Harusawa am eigenen Leib erfahren hat, warum im ganzen Band immer wieder vor dem Angeln im Bikini gewarnt wird.

Sehr positiv fand ich im übrigen auch, mit welcher Ernsthaftigkeit sich auf den Bonusseiten der Kapitel und auch in der Story selbst mit dem Angeln sowie der Zubereitung der Fische beschäftigt wurde. Wer aufmerksam liest, ist am Ende tatsächlich um einiges schlauer, was verschiedene Fischarten, Angeltechniken und Zubereitungsmethoden angeht. Mangaka Kazuki Funatsu hat da ganz eindeutig seine Hausaufgaben gemacht.

Mein Fazit: für mich hat sich dieser Ausflug in ein Genre, für das ich mich eigentlich nicht als Zielgruppe betrachten würde, durchaus gelohnt. "Sawa Wants to Fish and Eat" hat mich auf ganzer Linie gut unterhalten und ich freue mich schon darauf, den beiden auch weiterhin beim Angeln Gesellschaft zu leisten.

Sawa Wants to Fish and Eat Band 1 | Kazuki Funatsu | Egmont Manga | Originalpreis: 9,00€ | Genre: Comedy |  Empfohlen ab 12 Jahren | Blick ins Buch

[Werbung] Buchvorstellung: Die Ballade von Ronan McCoy von Colin Morgan

[Werbung - das Buch wurde mir im Rahmen einer lovelybooks Leserunde kostenlos zur Verfügung gestellt] 

Worum es geht:

Brendans Leben ist aus seiner eigenen Sicht eigentlich ziemlich unspektakulär. Er geht zur Schule, wo er weder besonders beliebt noch sportlich oder mit tollen Noten gesegnet ist, wäscht als Nebenjob die Autos des lokalen Bestatters und verbringt seine Zeit ansonsten meistens allein. Es ist ein Alltag, mit dem er eigentlich ziemlich zufrieden ist, zumal er weiß, dass in der Schule stets sein bester Freund Ronan auf ihn wartet. Privat treffen sich die beiden nie, in der Schule sind sie jedoch unzertrennlich, obwohl Ronan so ganz anders ist als Brendan. Er ist ein hervorragender Sportler und unglaublich beliebt bei den anderen, sodass Brendan manchmal gar nicht umhin kann, sich zu fragen, wieso er ausgerechnet jemanden so unscheinbaren wie ihn als seinen besten Freund ausgewählt hat. Aber das hat er, und wenn Brendan Ärger droht, weiß er, dass Ronan immer für ihn da ist. Er ist der Leader, und Brendan folgt ihm nur allzu gerne bei all seinen Plänen und Ideen - bis plötzlich zu Beginn ihres letzten gemeinsamen Schuljahrs alles anders wird und ihre Rollen sich vertauschen. Nun ist es Brendan, der die Führung übernehmen muss, der für sich selbst und für Ronan einstehen und neben all dem Chaos noch die ganz alltäglichen Herausforderungen von Erwachsenwerden, erster Liebe und die Planung seiner eigenen Zukunft stemmen muss.

Meine Meinung: 

Colin Morgan präsentiert mit seinem Debütroman "Die Ballade von Ronan McCoy" einen Coming-of-Age Roman, der mich beim Lesen tief bewegt hat. Protagonist Brendan ist ein ganz normaler junger Mann, mit dem man sich nur zu gut identifizieren kann. Er hält weder sich noch sein Leben für besonders herausragend und will daran auch gar nichts ändern, bis das Schicksal ihm aus heiteren Himmel eine ganze Reihe von Herausforderungen entgegenwirft, die wohl auch für einen Erwachsenen nur schwer zu bewältigen wären.

Man sagt ja, dass sich der wahre Charakter eines Menschen in einer Krisensituation zeigt - doch was passiert, wenn der Mensch in der Krise eigentlich noch selbst mitten in der Charakterbildung steckt? Der Antwort auf diese Frage kann man mit der Lektüre dieses Romans auf jeden Fall näher kommen. Brendan erzählt seine Geschichte hier selbst, aus der Ich-Perspektive, und das trägt dazu bei, dass man sich ihm uns seinen Gefühlen immer ganz nahe fühlt. Man erlebt mit, wie sein Leben aufgerüttelt wird, wie er strauchelt, zaudert, leidet. Man erkennt aber auch - lange vor ihm selbst - wie er beginnt sich zu verändern. Zu wachsen, zu kämpfen und jemand zu werden, auf den nicht nur er selbst stolz sein kann. Jemand, der sogar dazu in der Lage ist, sein Umfeld zu inspirieren und zu beeinflussen.

"Die Ballade von Ronan McCoy" war für mich beim Lesen ein sehr emotionaler Roman, der mich mehrfach zu Tränen gerührt hat. Es geht um Freundschaft und das Erwachsenwerden, aber auch um den Umgang mit Veränderung und Trauer und um die Bedeutung der Bindungen, die wir in unserem Leben machen, und wie sie uns formen und sich mit uns entwickeln. Ich habe es auch als einen Roman empfunden, der für ganz verschiedene Altersgruppen interessant sein kann, weil er so viele verschiedene Fragen beleuchtet. Jüngere Leser werden sich vielleicht eher mit Brendans Weg zum Erwachsenen und dessen Herausforderungen identifizieren, während jene mit mehr Lebenserfahrung eher den Umgang mit Verlust und Familie in den Fokus stellen werden. So oder so vermag das Buch meinem Empfinden nach viel zu geben. Mich jedenfalls hat es zum Nachdenken angeregt und wird mir sicher noch lange gut in Erinnerung bleiben.

Die Ballade von Ronan McCoy | Colin Morgan | Droemer | Originalpreis: 22,00€ | Genre: Coming Of Age | Link zum Buch

Sonntag, 18. Oktober 2026

Buchvorstellung: Die Tagebücher der Apothekerin - Shaolans Erinnerungen Band 1 von Itsuki Nanao

Worum es geht:

Da Shaolans Familie zu arm ist, um sich den Unterhalt für drei Kinder zu leisten, wird sie als die Älteste verkauft und landet so als einfach Waschmagd im kaiserlichen Palast. Durch ihre fröhliche Art lernt sie dort schnell allerlei Leute kennen und schnappt das eine oder andere pikante Gerücht auf. Gerne teilt sie diese Informationen auch mit ihrer Freundin Maomao und hilft dieser damit oft mehr, als sie vielleicht selbst ahnt.

Meine Meinung:

Ich gestehe: "Die Tagebücher der Apothekerin" habe ich durch den Anime kennen und lieben gelernt, den Manga habe ich noch nicht gelesen, da mich die Menge an Bänden, die es bereits aufzuholen geht, etwas hat zaudern lassen. Als nun aber mit "Shaolans Erinnerungen" ein Spin-Off zur Serie für den deutschen Markt angekündigt wurde, sah ich meine Zeit als gekommen, hier gleich zu Anfang mit einzusteigen.

Wie der Name schon vermuten lässt, erleben wir in der von Itsuki Nanao umgesetzten Reihe die Geschehnisse am Kaiserhof aus der Sicht Shaolans, welche eine ganz andere Sicht auf die Dinge mitbringt als Maomao in der Hauptserie. Shaolan hatte nie das Glück, Bildung genießen zu dürfen, bringt dafür aber eine ganz eigene Schläue mit, welche ein einfaches Mädchen wie sie zum Überleben braucht. Gibt es irgendwo spannende Geschichten zu hören, ist sie gleich voll und ganz dabei und teilt ihr Wissen dann auch nur zu gerne mit ihren Freundinnen, zu denen natürlich auch Maomao gehört.

Eins vorweg: wer die Welt der "Tagebücher der Apothekerin" noch gar nicht kennt, der ist in diesem Spin-Off falsch. Das Vorwissen der Hauptserie wird mehr oder weniger vorausgesetzt, ansonsten geht es einem nicht anders als Shaolan selbst und man kann sich auf einige der beiläufigen Anmerkungen keinen Reim machen und einem bleiben Teile der Handlung verschlossen. Mit Kenntnis des Animes sieht es deutlich besser aus - ich hatte zumindest bei diesem ersten Band keinerlei Probleme, alle Ereignisse entsprechend zeitlich und inhaltlich einzuordnen.

Wer die Serie aber hinreichend kennt und Shaolan mag, der wird an "Shaolans Erinnerungen" seine Freude haben. Einerseits lebt die Serie natürlich von der sympathischen Protagonistin. Shaolans Optimismus ist ansteckend, und es hat mir große Freude bereitet, das Leben am Hof aus ihrer Sicht zu betrachten. Auch hat es mir sehr gefallen, dass ihr Charakter hier mehr Tiefe und neue Facetten bekommen hat, die in der Hauptserie so kaum zu sehen sind. Denn Shaolan mag zwar ungebildet sein, aber dumm ist sie nicht. Sie erkennt schnell, was es braucht, um in ihrem nicht ungefährlichen neuen Umfeld zurechtzukommen, und obwohl sie im Grunde ein herzensguter Mensch ist, ist sie nicht frei von negativen Gefühlen wie Neid. Dies macht sie sehr menschlich und hat sie mir persönlich sehr schnell nur noch mehr ans Herz wachsen lassen, als das ohnehin schon der Fall war.

Für mich stand in jedem Fall schnell fest, dass ich diesem schönen Spin-Off sehr gerne weiter folgen werde. Wer wie ich die Welt der Apothekerin mag und die Geschichte gerne einmal aus einer anderen Perspektive neu entdecken möchte, der darf hier getrost mal einen Blick riskieren!

Die Tagebücher der Apothekerin - Shaolans Erinnerungen Band 1 | Itsuki Nanao (Story & Zeichnungen) | Manga Cult | Originalpreis: 10,00€ | Genre: Mystery | Empfohlen ab 15 Jahren | Link zum Buch

Buchvorstellung: Please let me live alone von Ayumi Kano

Worum es geht:

Nach einer Kindheit mit mehreren Geschwistern genießt Kaede Ichikawa den Studentenalltag und die Ruhe in seiner eigenen Wohnung in vollen Zügen, bis eines Tages sein neuer Nachbar Taiga Enoshima in sein Leben platzt. Dieser hat keine Ahnung von Haushaltsdingen und verleitet Ichikawa immer wieder dazu, ihm helfen zu wollen, löst in ihm aber gleichzeitig auch das Gefühl aus, als Störenfried in sein geregeltes Leben einzudringen. Wie viel die gemeinsame Zeit mit Enoshima ihm jedoch tatsächlich bedeutet, merkt Ichikawa erst, als er ihn in seinem Leben zu verlieren droht.

Meine Meinung:

Das Studentenleben steckt voller neuer Erfahrungen, und die liebste davon ist Ichikawa das Erlebnis, eine Wohnung ganz für sich selbst zu haben. Kein Wunder, dass er seinen etwas unbeholfenen und leicht aufdringlichen neuen Nachbarn Enoshima erst einmal so gar nicht willkommen heißt. Im Gegensatz zu ihm sucht dieser nämlich auffällig gerne Gesellschaft - und zwar am liebsten die von Ichikawa, der sich in seiner ein Leben lang eingeübten Rolle als mittleres Kind aber auch nicht dazu durchringen kann, ihn abzuweisen. Wie könnte er sich auch nicht sorgen bei den komplett fehlenden Haushaltsskills seines Kommilitonen? Und wie könnte er so unhöflich sein, Einladungen zum gemeinsamen Essen auszuschlagen? Doch so undenkbar es ist, Enoshima ganz abzuweisen, so sehr weigert er sich zunächst doch zumindest, ihn in sein Allerheiligstes - seine Wohnung - vordringen zu lassen.

Mit der Zeit lernen die beiden sich jedoch näher kennen, und Ichikawa beginnt, Enoshimas Verhalten besser zu verstehen. Was er jedoch nicht kommen sieht, ist das Liebesgeständnis, das dieser ihm eines Tages macht - und ab da wird es kompliziert zwischen den beiden, denn Ichikawa muss sich nun ernsthaft mit seinen eigenen Gefühlen auseinandersetzen.

"Please let me live alone" erzählt die Geschichte von zwei sehr unterschiedlichen jungen Männern, deren familiäre Umstände sie stark geprägt haben. Während Ichikawa durch seine große Familie eine starke Sehnsucht nach Ruhe und Privatssphäre hegt, wünscht sich Enoshima eher einen Ausweg aus der gefühlten Einsamkeit, die seine Kindheit geprägt hat. Entsprechend brauchen sie beide ihre Zeit, um sich aufeinander einzustellen und die Wünsche des jeweils anderen zu erkennen. 

Was mir an dem Manga sehr gut gefallen hat, ist die Art, wie die beiden sich so für sich selbst ganz unmerklich aufeinander zu bewegen. Da gibt es Reibungen, aber keine Dramen, und Schritt für Schritt spielen sich ihre Alltage so miteinander ein, dass sie ein perfektes Team werden, ohne es selbst so richtig zu bemerken. Alles geschieht so natürlich und unaufgeregt, dass man das Gefühl bekommt, es könne ewig so weiter gehen - bis dann plötzlich das unerwartete Liebesgeständnis mit ins Spiel kommt, welches Ichikawa so aus der Bahn wirft.

Der Manga tut nicht so, als wäre der Aufbau einer Beziehung einfach. Sowohl Ichikawa als auch Enoshima arbeiten stetig an sich, damit es zwischen ihnen funktionieren kann - zunächst als Freunde, später dann auch als mehr. So ist Enoshima redlich bemüht, seine Defizite in der Haushaltsführung auszugleichen, um Ichikawa keine Last zu sein und Ichikawa setzt sich intensiv mit seinen Gefühlen und Bedürfnissen auseinander, um einen Platz für Enoshima in seinem Leben zu schaffen. 

Beide respektieren einander, und dieser gegenseitige Respekt durchzieht den ganzen Manga und wird zur Grundlage ihrer Beziehung. Ich fand das sehr schön zu lesen, weil es in mir den Eindruck erweckt hat, dass man hier ein Paar vor sich hat, welches mit gleichberechtigtem Aufwand von beiden Seiten an sich arbeitet.

Romantik und Körperlichkeit stehen in "Please let me live alone" nicht im Fokus. Es geht fast ganz und gar um den Beziehungsaufbau und das Erkennen der eigenen Wünsche und Gefühle. Wer sich also für ruhige Geschichten mit diesen Themenschwerpunkten begeistern kann, dem kann ich den Einzelband wirklich nur ans Herz legen!

Please let me live alone | Ayumi Kano | Tokyopop  Originalpreis: 9,50€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 15 Jahren | Link zum Buch

Samstag, 10. Oktober 2026

Buchvorstellung: Der Blick aus 133 cm Höhe Band 1 von Tsukiko Hiruno

Worum es geht: 

Aufgrund einer Krankheit hat Hanas Körper in der Kindheit das Wachstum eingestellt, sodass sie als Erwachsene nur 1,33 m an Körpergröße erreicht hat. Was ihr damals noch gar nicht so schlimm erschien, entpuppt sich mit 25 Jahren immer wieder als großes Hindernis, denn die Gesellschaft ist auf eine solche Abweichung von der Norm nicht vorbereitet und lässt sie das oft nur allzu deutlich spüren.

Meine Meinung: 

"Der Blick aus 133 cm Höhe" hat mit seiner außergewöhnlichen Thematik gleich auf den ersten Blick mein Interesse geweckt - und das ganz zurecht!

Hana ist eine wirklich tolle Protagonistin. Sie ist fröhlich und entschlossen, liebt ihren Job und lässt sich von Rückschlägen nicht unterkriegen. Und von denen sieht sie sich seit dem Erwachsenwerden leider immer wieder konfrontiert. So wird sie aufgrund ihrer Größe oft für ein Kind gehalten, im Job nicht ernst genommen oder als beziehungsunfähig eingestuft. Besonders der letzte Punkt macht ihr zu schaffen, weil ihr letzter Freund in der Oberschule auf äußerst unsensible Art mit ihr Schluss gemacht hat und sie seitdem immer wieder Zweifel plagen. 

Zum Glück hat sie zumindest auf der Arbeit ein tolles Umfeld. Mit den Kolleginnen verbringt sie so auch gerne Zeit nach der Arbeit und unterhält sich auch über private Dinge. Weniger auf dem Schirm hat sie da einen ihrer männlichen Kollegen, Iwami, der aufgrund seiner starren Gesichtszüge als etwas unnahbar wirkt. Durch einen Zufall kommen die beiden ins Gespräch, und Hana merkt bald: auch sie ist nicht frei von Vorurteilen und hat ihm aufgrund dieser ganz falsch eingeschätzt! 

Gesellschaftliche Erwartungen und Vorurteile sind wiederkehrende Themen in "Der Blick aus 133 cm Höhe", und der Manga beleuchtet diese wichtigen Fragen erfreulich sensibel und gut nachvollziehbar. Die wenigsten von uns haben wohl schon einmal darüber nachgedacht, was eine so kleine Körpergröße für das Leben eines Menschen bedeuten kann, und ich war sehr erstaunt, welche Bereiche von Hanas Leben alle von Einschränkungen betroffen sind.

Auch die sich entwickelnde Beziehung zwischen Hana und Iwami fand ich richtig schön umgesetzt. Alles entwickelt sich hier ganz natürlich und in angemessenem Tempo, und es ist richtig toll anzusehen, wie die beiden sich einander annähern und einfach die Gesellschaft des jeweils anderen genießen. Man hat wirklich das Gefühl, das beide ineinander genau das gefunden haben, was in ihren Leben gefehlt hat. 

Für mich war dieser erste Band damit ein echtes Lesehighlight. Wer eine ruhige, erwachsene Story mit sympathischen Charakteren sucht, sollte unbedingt mal einen Blick riskieren. 

Der Blick aus 133 cm Höhe Band 1 | Tsukiko Hiruno | Dokico |  Originalpreis: 12,00€ | Genre: Drama | Link zum Buch

Donnerstag, 8. Oktober 2026

Buchvorstellung: Chasing Spica Band 1 von Chihiro Orihi

Worum es geht: 

Serina Nekozuka ist eine ambitionierte und beliebte Schülerin, doch sie steht stets im Schatten der scheinbar perfekten Reiko Tachibana. Umso überraschter ist Serina, als sie Reiko eines Abends mit einer anderen Frau in ein Love Hotel verschwinden sieht. Eine Konfrontation endet anders als erwartet jedoch nicht mit Reikos Verunsicherung, sondern lässt Serina sprachlos zurück. Was soll sie nur mit diesen neuen Erkenntnissen über ihre Mitschülerin machen? 

Meine Meinung:

Bin ich alleine, wenn ich sage, dass "Chasing Spica" bei mir im ersten Moment ziemliche Assoziationen an eine etwas reifere Version von "Citrus" geweckt hat? 

Im Zentrum stehen auch hier eine kalte, scheinbar perfekte Schülersprecherin und ein beliebtes Gal - doch ab da zeichnen sich die Unterschiede dann doch ab.

Denn trotz ihrer Optik nimmt Serina die Schule sehr ernst und setzt alles daran, Jahrgangsbeste zu werden. Dies hat jedoch nicht nur mit ihren Ambitionen, sondern vor allem mit ihrer familiären Situation zu tun, ist sie doch dringend auf ein Stipendium angewiesen. Reiko hat das Schicksal hingegen nur die besten Karten ausgeteilt, denn sie ist schön, klug und reich. Ist es da verwunderlich, dass Serina zumindest kurz darüber nachdenkt, Reikos Ausflug ins Love Hotel gegen sie zu verwenden?

Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für eine Beziehung also, und davon kann in diesem ersten Band von "Chasing Spica" auch noch nicht die Rede sein. Vielmehr beginnen die beiden Protagonistinnen hier ganz langsam damit, ihre gegenseitigen Vorurteile abzubauen und sich zu fragen, was wohl im Kopf der jeweils anderen vorgeht. 

Und genau da kommen wir leider zu dem Moment, wo wir über die Vermarktungspolitik von Tokyopop reden müssen, denn was bitte ist es für ein Vorgehen, einen solchen Band zu veröffentlichen und am Ende den winzigen Hinweis unterzubringen: ach übrigens, es gibt derzeit keinen zweiten Band, auch nicht in Japan? Denn ganz ehrlich: bei der kleinen Menge an Yuri, die bei uns überhaupt ankommt, ist schon die Entscheidung für einen solchen Titel etwas... nennen wir es mal 'speziell'.

Darum gibt es von mir heute leider auch ein etwas durchwachsenes Fazit. Der Titel an sich hat durchaus Potenzial, aber die Aussicht, dass es vielleicht ewig nicht weitergehen könnte, vermiest einem den Start schon etwas. Immerhin hätte dieser Platz im Programm auch einem regelmäßig erscheinenden Titel mit ziemlich zuverlässiger Aussicht auf einen Abschluss gehören können...

Chasing Spica Band 1 | Chihiro Ohiri | Tokyopop | Originalpreis: 9,00€ | Genre: Girls Love | Empfohlen ab 15 Jahren | Link zum Buch

Mittwoch, 7. Oktober 2026

Buchvorstellung: Stars of Chaos Band 1 von priest

Worum es geht:

Nach einem Überfall auf das Dorf, in dem er aufgewachsen ist, ist für den jungen Chang Geng nichts mehr so wie zuvor. Seine Mutter, sein Lehrmeister, sogar sein Pate, der ihm scheinbar immer nahe war - sie alle haben ihn angelogen und ganz andere Identitäten vor ihm versteckt. Durch die Geschehnisse wird Chang Geng in gefährliche Machenschaften hineingezogen. Nun muss er nicht nur herausfinden, wer er eigentlich wirklich ist und wer er als Erwachsener sein möchte, er muss sich auch mit seinen verwirrenden Gefühlen für seinen Paten auseinandersetzen und ganz nebenbei das Reich vor noch nicht da gewesen Bedrohungen von innen und außen beschützen.

Meine Meinung: 

Der erste Band von "Stars of Chaos" entführt seine Leser in eine faszinierende Welt irgendwo zwischen chinesischer Fantasy und Steampunk. Verschiedenste Maschinen erleichtern den Einwohnern nicht nur Arbeit und Leben, sondern spielen auch beim Machtgleichgewicht der Länder eine entscheidende Rolle. Da ist es wohl auch kein Wunder, dass ihr Treibstoff, das violette Gold, eine wertvolle Ressource ist, um die immer wieder Kämpfe entbrennen.

In dieser Welt wächst Chang Geng auf. Er ist ein rechtschaffener junger Mann, doch die Geschicke des Reichs interessieren ihn wenig in seiner armen und abgelegenen Heimat im Norden. Dies ändert sich jedoch schlagartig, als sein Dorf überfallen wird und die Menschen um ihn herum unerwartete Rollen in diesen Geschehnissen spielen. Besonders verwirrt ihn dabei die wahre Identität seines Paten Shen Shiliu, denn der vermeintlich körperlich beeinträchtigte Faulpelz entpuppt sich plötzlich als ranghohes Mitglied des Militärs. Doch nicht nur diese ungeahnte Persönlichkeit irritiert Chang Geng, denn plötzlich plagen ihn seltsame Träume, in denen er sich und seinen Paten in absolut unangemessenen Szenarien sieht und er fragt sich, wie er ihm mit diesen Bildern vor seinem inneren Auge jemals wieder in die Augen sehen soll.

Nicht untypisch für einen längeren Danmei-Titel - "Stars of Chaos" besteht aus insgesamt fünf Bänden - nimmt sich der erste Band viel Zeit für den Aufbau, was ich persönlich auch gut fand, denn ich habe doch etwas Zeit gebraucht, in die Geschichte und ihre Welt reinzukommen.

Im Zentrum der Erzählung stehen Chang Geng und sein Pate Shen Shiliu, der sich bald als Gu Yun, Marquis von Anding entpuppt. Letzteren habe ich zunächst nicht unbedingt als Sympathieträger empfunden, doch zusammen mit Chang Geng ist auch mein Bild im Laufe der Erzählung ins Wanken geraten. Vieles scheint hier nicht zu sein, wie es auf den ersten Blick wirkt, und viele Geheimnisse liegen noch im Dunkeln verborgen, aber mein Interesse, diese gemeinsam mit Chang Geng zu lüften, wurde im Laufe der Story auf jeden Fall geweckt!

Auch die Rahmenerzählung verspricht interessant zu werden. Nicht nur gibt es Action in Form von ausführlich ausgearbeiteten Kampfszenen, auch die politischen Hintergründe und Intrigen werden hier bereits so stark aufgebaut, dass sie sicher noch eine zentrale Rolle spielen werden. Zur Entwicklung der Beziehung zwischen Chang Geng kann man zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel sagen, doch lieben wir alle Danmei Titel nicht gerade eben für den Slow Burn? ;)

Für mich war der Auftakt von "Stars of Chaos" ein vielversprechender Beginn für die Reihe, man muss jedoch bereit sein, sich auf die Welt, die hier ausgearbeitet wird, einzulassen. Dies erfordert Zeit, denn das Worldbuilding ist hier wirklich zentral. Dafür wird man dann aber auch mit einer spannenden Geschichte in einem einzigartigen Setting belohnt. Ich freue mich jedenfalls schon darauf, den Weg von Chang Geng, Gu Yun und ihren Gefährten weiterzuverfolgen.

[PS: Meine Ausgabe ist die englische Version, die Serie erscheint mittlerweile jedoch auch auf Deutsch bei Hayabusa!]

Stars of Chaos Band 1 | priest | Seven Seas | Empfohlener Preis 19,99$ | Genre: Danmei | Link zum Buch