Tears on my Pages - für dieses dritte Thema der #yurijuni2026 Challenge konnte es für mich nur einen Anwärter geben, denn ich kann mich nicht erinnern, jemals bei der Lektüre eines Mangas ähnlich viel geweint zu haben wie bei "Wenn die Blüten Trauer tragen".
In dem zweibändigen Werk von Tokuwotsumu geht es um Haruki, die vor fünf Jahren ihre Geliebte Sakura verloren hat. Seitdem hat das Leben für sie jede Freude verloren. Die Zeit des Frühlings, in der sich Sakuras Todestag jährt, ist dabei für sie sogar so schlimm, dass sie sich einen ganzen Monat Urlaub nimmt und sich ganz alleine zurückzieht. Dabei fällt ihr plötzlich auf, dass sie sich nicht mehr daran erinnern kann, wie Sakura gestorben ist. Als sie auf der Suche nach Antworten auf Sakuras 10-Jahres-Tagebuch stößt, welches diese nie abschließen konnte, erscheint ihre Geliebte plötzlich vor ihr - doch nur Haruki kann sie sehen. Gemeinsam beschließen die beiden, das fehlende zehnte Jahr in Sakuras Tagebuch auszufüllen.
Puh. Es ist gar nicht so einfach zu beschreiben was es ist, das "Wenn die Blüten Trauer tragen" so besonders macht ohne zu viel über den Inhalt zu verraten, aber ich werde es einmal versuchen. Ich denke, schon aus meiner Kurzbeschreibung geht recht deutlich hervor, dass es sich hier nicht um eine fluffige Liebesgeschichte handelt. Haruki und Sakura haben einander geliebt, und wir erhalten als Leser Einblicke in die schönen Momente, die sie geteilt haben, doch zu dem Zeitpunkt, an dem die Story spielt, ist Haruki allein zurückgeblieben. Bald wird deutlich, dass sie nicht nur trauert: sie ist vielmehr seit fünf Jahren wie eingefroren - unfähig, Sakuras Tod zu verarbeiten und auch unwillig, eine Zukunft ohne sie zu beginnen. Erst mit Hilfe des Tagebuchs ihrer Geliebten schafft sie es schließlich, sich Schritt für Schritt aus dieser Lethargie zu befreien.
Eigentlich bin ich beim Lesen von Mangas gar nicht so nah am Wasser gebaut, aber dieser Titel hat mich emotional auf so vielen Ebenen getroffen, dass ich kann nicht mehr zählen kann, wie oft ich geweint habe. Es geht um Verlust und Trauer, aber auch um Schuld und die Frage, wie man ohne diesen speziellen Menschen, den man verloren hat, weitermachen soll. Um Dinge, die man hätte tun sollen, als man noch die Chance hatte und um Fragen, die man zu Lebzeiten nicht gestellt hat, und bei denen man realisiert, dass man sie nun niemals mehr wird stellen können. Um sehr menschliche Themen, die wohl jeder, der schon einmal einen Menschen in seinem Umfeld verloren hat, irgendwie kennt.
Das alles ist schmerzhaft, sowohl für Haruki als auch für den Leser, aber es ist auch notwendig, um einen Abschluss zu finden. Und genau das ist eine weitere Stärke des Mangas: es gibt hier Hoffnung. Durch Sakuras 'Erscheinung' und das gemeinsame Tagebuch kommt wieder Bewegung in Harukis Leben, und Stück für Stück lernt sie so, ihre eigenen Gefühle zu verstehen und die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen.
"Wenn die Blüten Trauer tragen" ist kein leichter Stoff für Zwischendurch, aber ein unheimlich einfühlsamer und klug geschriebener Manga über eine Beziehung, der kein 'und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage' vergönnt war. Von meiner Seite eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, welche die durchaus schweren Themen händeln können.
Wenn die Blüten Trauer tragen | Tokuwotsumu | Hayabusa Verlag | Originalpreis: 10,00€ pro Band | Empfohlen ab 14 Jahren | Genre: Girls Love | Link zum Buch








