Vor 26 Jahren hatte ich das große Glück, Die Toten Hosen live sehen zu dürfen. Damals war ich noch ein Kind, und meine Eltern nahmen mich mit zu Rock am Ring. Dafür – heute kann ich es ja sagen – nahmen sie mich sogar einen Tag heimlich aus der Schule. Eine richtig große Sache also, und eine, die mich musikalisch sehr geprägt hat. Seitdem hatte ich die Hosen immer wiedersehen wollen, doch irgendwie hat es damit nie geklappt. Vor ein paar Jahren ist es mir dann endlich gelungen, Tickets für ein Konzert in der Düsseldorfer Tonhalle zu ergattern – dann kam jedoch Corona und die Tour wurde ersatzlos gestrichen. Nur einer von vielen Gründen, warum man mich niemals auch nur das kleinste bisschen Gutes über diese Zeit wird sagen hören. So viele verlorene Erlebnisse, so viele Enttäuschungen.
Manchmal wird am Ende das, was lange währt, aber doch noch gut. In meinem Fall bedeutet das, dass ich im letzten Vorverkauf Tickets für das Tote Hosen Konzert am vergangenen Samstag in Köln ergattern konnte. Falsche Stadt, könnte man jetzt anmerken, aber in manchen Fällen muss man eben Kompromisse eingehen. Und so kam es dann, dass ich mich an diesem Tag 26 Jahre nach der ersten Konzerterfahrung erneut zu einem Konzert der Hosen begeben durfte. Auch dieses Mal war wieder meine Mutter dabei – mein Vater, der vor einigen Jahren verstorben ist, hatte diese Chance leider nicht mehr.
Unsere Plätze fanden sich ziemlich weit hinten und ziemlich weit oben, was uns positiv betrachtet einen hervorragenden Ausblick über das komplette, ausverkaufte Rheinenergie Stadion bot. Von dort waren wir schon mit dabei, als das Konzert der ersten Vorband, 24/7 Diva Heaven begann. Die Schweizer All-Girl Band präsentierte dem Publikum musikalisch ein recht großes Repertoire. Einige der Stücke kamen klassisch punkig daher, doch die Einflüsse aus anderen Genres wie Grunge und sogar Rock’n’Roll waren ebenfalls zu hören.
Weiter ging es im Anschluss mit einem totalen Kontrastprogramm, den Punk-Urgesteinen von The Undertones. Die Herrschaften lieferten für mich eine wirkliche sehens- und hörenswerte Show ab, wobei ich mich persönlich besonders über „Teenage Kicks“ freute. Ich gebe zu, dass dies wirklich eine Band war, bei denen ich nicht damit gerechnet hätte, sie eines Tages einmal live zu sehen. Umso schöner, dass es nun doch so gekommen ist.
Als letzter Support standen schließlich noch alte Bekannte an. Von den Bühnenqualitäten der Beatsteaks hatte ich mich bereits vor einigen Jahren im Rahmen des Vainstream-Festivals eindrücklich überzeugen können, und auch der Auftritt am Samstag stand dem wieder in nichts nach. Nicht nur reihte sich Hit an Hit der Berliner aneinander, sie überzeugten auch mit unheimlich großer Bühnenpräsenz und brachten das Publikum so im Handumdrehen dazu, lautstark mitzusingen und auch sonst jeden Scheiß mitzumachen. Von der Setlist her blieben in meinen Augen auch absolut keine Wünsche übrig. Mein persönliches Highlight war aber natürlich mein Lieblingssong „Frieda und die Bomben“.
Im Anschluss wurde es dann trotz fast vierzig Minuten Umbaupause tatsächlich etwas stressig, gibt es doch in solchen Locations IMMER viel zu wenige Damentoiletten. Als dieser leider essenzielle Punkt endlich abgehakt werden konnte, blieb kaum noch Zeit für neue Getränke, und wie auch beim Einkaufen hatte man natürlich intuitiv die Schlange gewählt, bei der es auch noch am allerlangsamsten ging. So wurde sich dann schon zu den ersten Tönen des Intros durch die engen Reihen zurück zum eigenen Platz gekämpft. Meine Entschuldigung an alle, durch deren Handyvideos wir dabei laufen mussten, aber es ging nun einmal leider nicht anders: wir haben es genauso gehasst wie ihr.
Der Stress war dann jedoch schnell vergessen, denn die Toten Hosen lieferten vom ersten Moment an eine großartige Show ab. Zu meiner Überraschung gab es dabei relativ wenige Songs vom neuen Album, dafür aber einen richtig schönen Querschnitt durch die umfassende musikalische Geschichte der Band. Bei Klassikern wie „Hier kommt Alex“ oder „Bonnie & Clyde“ wurde dabei natürlich stets aus tausenden Kehlen lautstark mitgesungen, doch auch die ruhigeren Momente wie bei „Draußen vor der Tür“ wurden vom Publikum mit einem Meer aus Taschenlampen angemessen gewürdigt.
Einige Überraschungen hielt das Konzert ebenfalls bereit. So hatte man sich mit Wolfgang Niedecken einen wirklich illustren Gast eingeladen und so eindrücklich bewiesen, dass die Kluft zwischen Köln und Düsseldorf durchaus überwindbar ist. Außerdem hatte man ein Cover im Gepäck, welches großen Anklang beim Publikum fand, hat es doch in all den Jahren seit seinem Erscheinen nichts an Bedeutung eingebüßt – und so gab es dann wohl auch kaum jemanden, der bei „Schrei nach Liebe“ nicht aus tiefstem Herzen mitgesungen hätte. Ein persönliches Highlight für mich war außerdem mein Lieblingslied „Pushed Again“, welches mich einfach immer wieder berührt und gerade live eine unfassbare Wucht entfalten kann.
Auch die Bühne und die Show konnten sich an diesem Abend wirklich sehen lassen. Auf der ohnehin schon bunten, riesigen Bühne wurden während des Konzerts auf mehreren großen Bildschirmen im Hintergrund und an den Rändern wechselnde Bilder und Videos gezeigt. Mal sah man die Bandmitglieder, mal waren es zu den Songs passende Szenen. So oder so war immer viel los, was insbesondere für uns Zuschauer weiter hinten toll war, wo man die Bandmitglieder ja nun doch eher nur noch als kleine über die Bühne huschende Punkte wahrnehmen konnte. Doch selbst so war deutlich, wie viel Bewegung da während des gesamten Auftritts herrschte. Campino war noch nie jemand, der lange an einer Stelle stehen bleibt, und an diesem Bewegungsdrang hat sich anscheinend auch heute nichts geändert.
Nach zweieinhalb Stunden inklusive mehreren Zugaben fand der Auftritt dann aber leider doch so langsam sein Ende. Doch nur weil die Band mit dem Singen aufhören musste, galt das noch lange nicht für das Publikum. Ich jedenfalls landete in einem Bus nach Messe/Deutz, in dem die Party einfach fortgesetzt wurde. Songs wie „Zehn kleine Jägermeister“ und „Bayern“ hatten es an diesem Abend nicht in das Set der Band geschafft, also sang man sie auf dem Weg zum Bahnhof einfach gemeinsam. Auch für den Busfahrer war dies sicher mal eine etwas ungewöhnliche Tour, und mir wird sie sicher noch lange als ganz besonderer Abschluss eines richtig tollen Konzertabends in Erinnerung bleiben.
Da bleibt mir nur noch zu sagen: vielen Dank an die toten Hosen für dieses wundervolle Konzert, und für all die wunderbaren Jahren!







