Mittwoch, 15. Juli 2026

Buchvorstellung: Schnee & Tinte 3 von Miyuki Unohana

 

Worum es geht:

Freya ist entschlossen, ihre Angelegenheiten zu regeln und dafür ihre Familie zu besuchen, doch sie hat auch fürchterliche Angst davor. Neneo möchte ihr beistehen, kann dies als verurteilter Verbrecher aber nicht als ihr Freund. Mit Halberts Hilfe entwickeln sie einen Plan, der Neneo zu Freyas Bodyguard macht und begeben sich so in die Höhle des Löwen.

Meine Meinung:

Stand im letzten Band Neneo mit seiner tragischen Backstory im Fokus, so ist es diesmal Freya, die im Mittelpunkt steht. Wir erfahren mehr darüber, was zwischen ihr und ihrer Familie vorgefallen ist und lernen ihre Ängste dadurch erst richtig zu verstehen. Doch auch ihre Schwester Anna erhält Gelegenheit, sich vorzustellen und zeigt, dass die Familiengeschichte auch sie entscheidend geprägt hat.

Neneo gibt sein Bestes, Freya zu unterstützen und ihr ihre Unsicherheiten zu nehmen, stößt aufgrund seiner Position als verurteilter Mörder jedoch oft an seine Grenzen. Beide sind unglücklich mit der Situation, erhalten aber Hilfe von Halbert, der gewohnt clever einen Plan ersinnt, dank dem Freya, die bekanntlich keinerlei Talent für das Geschäftliche besitzt und deren Menschenkenntnis leider bisweilen etwas zu wünschen lässt, sich doch nicht alleine zu ihrer ihr so feindselig gesonnenen Familie begeben muss.

Überhaupt bleiben die drei auch in diesem Band wieder ein unschlagbares Trio und man hat das Gefühl, dass es hauptsächlich Halbert ist, der hier die Fäden in der Hand hält und sie zu Gunsten des Paares bewegt – und das alles stets gut gelaunt und souverän, gerade vor dem Hintergrund, dass er doch Freyas verschmähter Verlobter ist.

Auch der Einblick in die Perspektive von Freyas Schwester ist spannend, zeigt er uns doch die Geschichte der Familie aus einem ganz anderen Blickwinkel und macht deutlich, dass hier nichts nur schwarz oder weiß ist. Sowohl Freya als auch ihre Schwester sind in gewissen Maße Opfer ihrer Familie, finden jedoch sehr unterschiedliche Ansätze, mit dieser Situation umzugehen.

Für mich war der dritte Band von „Schnee & Tinte“ eine starke Fortsetzung, welche uns endlich mehr Einblick in die Geschichte der weiblichen Hauptfigur und ihre Hintergründe gewährt, welche zum Zerwürfnis mit ihrer Familie geführt haben. Ich bin schon gespannt, wie Freya sich in dieser Lage schlagen wird und hoffe, dass sie als Person und auch in ihrer Beziehung zu Neneo gestärkt aus dieser Situation hervorgehen wird.

Schnee & Tinte Band 3 | Miyuki Unohana | Altraverse | Originalpreis: 7,00€ | Genre: Romance | Empfohlen ab 15 Jahren | Link zum Buch

Dienstag, 14. Juli 2026

Buchvorstellung: I hear the sunspot von Y. Fumino

Aus Anlass des Erscheinens eines neuen Bandes habe ich mir vorgenommen, "I hear the sunspot" einen Reread zu geben, um nach der langen Pause wieder gut reinzukommen. Da bot es sich dann natürlich auch an, gleich ein paar Gedanken zum Manga festzuhalten.


Worum es geht:

Tachi braucht dringend einen Job. Durch einen Zufall lernt er Kohei kennen, einen schwerhörigen Kommilitonen. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut - im übertragenen wie auch im wörtlichen Sinn, denn durch Tachis laute Stimme kann Kohei ihn trotz seiner Beeinträchtigung gut verstehen. Bald kommen sie überein, dass Tachi Kohei bei den Mitschriften seiner Vorlesungen hilft, jeweils gegen ein gemeinsames Essen. Trotzdem ist es nicht immer ganz einfach zwischen ihnen - besonders nicht, als Kohei tiefere Gefühle für Tachi entwickelt, sich aufgrund seiner Schwerhörigkeit jedoch nicht traut, sich diese auch einzugestehen.

Meine Meinung:

Diese Rezension bezieht sich auf die ersten zwei Bände, welche sich mit der Beziehung zwischen Kohei und Tachi beschäftigen und hierzulande unter dem Titel "I hear the sunspot", im zweiten Band noch ergänzt durch den Zusatz "Die Theorie des Glücks" vertrieben wurden.

Bei den beiden Protagonisten ist eindeutig das Motto 'Gegensätze ziehen sich an' angesagt. Tachi könnte man zu Beginn schon leicht vorwerfen, ein wenig einfältig zu sein, doch man könnte es auch aus Koheis Perspektive betrachten, der sich im Umgang mit seinen Menschen ziemlich schwer tut und in Tachi einen unvoreingenommenen und offenen Freund findet. Dennoch tut er sich lange schwer damit, Tachi in sein Leben zu lassen. Durch seine Schwerhörigkeit hat er sich nach und nach immer mehr aus der Welt der Hörenden zurückgezogen, kann sich jedoch gleichzeitig nicht so richtig mit anderen Menschen in seiner Situation identifizieren, weil er seine Beeinträchtigung erst seit der Mittelschulzeit hat und außerdem im Gegensatz zu vielen anderen noch über einen Rest an Hörvermögen verfügt. Gefühlt steht er so zwischen zwei Welten, ohne sich einer davon wirklich zugehörig zu fühlen.

Ganz anders geht es da Tachi, der sich durch seine Begegnung mit Kohei langsam zu verändern beginnt. Während er sich zuvor eher hat treiben lassen, gibt ihm der Einblick in Koheis Welt endlich ein Ziel für sein Leben: er möchte seinen Freund besser verstehen, und als das bedeutet, die Probleme zu verstehen, mit denen dieser im Alltag einer hörenden Welt konfrontiert ist, möchte er aktiv etwas daran ändern.

Den Umgang mit Koheis Schwerhörigkeit habe ich beim Lesen als Besonderheit und auch Stärke des Mangas empfunden. Man lernt viel über das Thema und über die Probleme von Menschen mit Beeinträchtigungen der Hörfähigkeit in Japan, und ich habe die Erzählweise dabei als ebenso informativ wie auch feinfühlig betrachtet.

Auf der Beziehungsebene ist der Manga an dieser Stelle dafür noch deutlich sperriger. Es gibt zahlreiche Missverständnisse, die sich durch richtige Kommunikation hätten verhindern lassen können und eine weibliche Antagonistin, die unsympathischer dargestellt wird, als es die Umstände meiner Meinung nach erfordert hätten. Doch der Manga hat auch seine schönen Momente, in denen die beiden Protagonisten sich näher kommen und besser verstehen lernen dürfen und die mich doch etwas über diese Schwächen hinweggetröstet haben.

Der Zeichenstil lässt für mich hingegen auch abseits der wunderschönen Farbillustrationen keine Wünsche offen und passt gut zum ruhigen Charakter des Mangas. Positiv empfunden habe ich auch, dass beide Bände, insbesondere aber der zweite, wirklich sehr dick sind und der Story damit viel Raum lassen, sich zu entfalten. Überstürzte Entwicklungen sucht man hier also glücklicherweise vergebens.

Alles in allem habe ich "I hear the sunpot" auch beim erneuten Lesen als soliden Auftakt empfunden, der mich trotz einiger unnötiger Mini-Dramen motiviert hat, der Geschichte von Tachi und Kohei weiter zu folgen, auch wenn ich die Stärken zu diesem Zeitpunkt eher in der Thematik rund um Koheis Schwerhörigkeit sowie in Tachis Suche nach seinem Ziel im Leben als in der Beziehungsdynamik der beiden sehen würde.

I hear the sunspot | Y. Fumino | Carlsen Manga | Originalpreis: 7,99€ & 9,99€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab  15 Jahren | Link zum Buch

Filmvorstellung: Perfect Days von Wim Wenders

Es kommt dieser Tage selten genug vor, dass ich mal mit vollem Interesse einen Film verfolge, und noch viel seltener, dass ich dann auch noch das Bedürfnis habe, diesen vorzustellen. „Perfect Days“ von Wim Wenders ist so ein Beispiel.

In dem Film von 2023 geht es um Hirayama, einen Mann schon etwas fortgeschrittenen Alters, der in Tokyo als Toilettenputzer arbeitet. Alleinstehend und recht wortkarg folgt sein Alltag einer immer wiederkehrenden Routine. In seiner schlichten Wohnung in einem recht altmodischen Teil Tokyos kümmert er sich um seine Bonsais und zieht sich vor der Tür eine Dose Kaffee aus einem Automaten, eh er zu seiner Arbeit in den modernen Teil der Stadt aufbricht. Nach getaner Arbeit besucht er manchmal eine Sportsbar, an den Wochenenden putzt er die Wohnung und kümmert sich um die Fotos, die er in seinen Pausen im Park mit einer analogen Kompaktkamera geschossen hat. Abends liest er gerne, oft japanische oder internationale Klassiker.

Was auf Außenstehende sehr bescheiden und vielleicht sogar ein bisschen traurig erscheinen mag, macht Hirayama jedoch ausgesprochen glücklich. Er ist zufrieden mit seinem Leben und erledigt seine Arbeit gewissenhaft, und es hätte ihn wohl nicht gestört, wenn sich an seiner Situation niemals irgendetwas geändert hätte.

Doch so läuft es natürlich nicht im Leben, und so kommt es auch für Hirayama immer mal wieder zu Situationen, die seinen Alltag stören. Manchmal handelt es sich dabei nur um Zufallsbegegnungen, die ein wenig Schwung in seinen Tagesablauf bringen und an denen er sich nicht stört, doch manchmal eben auch mehr. So steht eines Abends seine jugendliche Nichte vor der Tür, nachdem sie von Zuhause abgehauen ist und konfrontiert ihn so mit familiären Problemen, denen er sich wohl lieber nicht gestellt hätte. In einer anderen Situation kündigt sein unzuverlässiger junger Kollege plötzlich seine Arbeit und zwingt ihn so zu einem Haufen Überstunden oder ein fremder, kranker Mann zwingt ihn plötzlich dazu, sich mit seinen eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen. All diese Szenen sind vollkommen ruhig umgesetzt, es passieren keine großen Dramen oder ähnliches – und gerade darum zeigen sie umso schöner, wie sehr solch vermeintliche Kleinigkeiten es vermögen, Hirayamas Leben aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Generell lebt dieser Film von seiner genauen Beobachtungsgabe und der Darstellung kleiner Details. Hirayama spricht kaum, dennoch werden seine Gedanken und Gefühle den Zuschauern ganz deutlich vermittelt. Auch die Mimik des Hauptdarstellers Koji Yakusho trägt dazu bei, denn sie ist sehr lebhaft und spiegelt so die unterschiedlichsten Gefühle wider. Darum ist es auch – anders als bei so vielen neuen Filmen – so spannend, den Film genau zu betrachten. Die Erklärungen ergeben sich hier aus den Handlungen selbst, aus kleinen Szenen, Gesten und Gesichtsausdrücken. Das ist erfrischen in einer Zeit, in der Filme oft übermäßig lang erscheinen und jeden Schritt erklären, weil sie bewusst so gedreht werden, dass man sie auch neben der Handynutzung ‚konsumieren‘ kann.

Ich jedenfalls hatte große Freude an „Perfect Days“. Gäbe es mehr Filme, die so einen großen Wert auf die kleinen Dinge legten, würde ich wohl auch häufiger mal wieder bewusst zuschauen.


 

Montag, 13. Juli 2026

Die Gacha-Woche 06.-12. Juli

Aether Gazer:

Da hab ich gerade angekündigt, dass ich wohl erstmal nicht zu dem Spiel zurückkehren werde, da verkündet China den Stopp neuer Updates. Das muss ich dann wohl doch mal im Auge behalten. Falls sich ein globaler eos aukündigt, muss ich wohl doch nochmal meine Lieblings-Charas besuchen und ein paar Bilder machen.

Fire Emblem Heroes:

Nach wochenlanger Pause wieder eingestiegen und gleich wieder vom Powercreep durch die neuen Figuren (insbesondere die OCs) genervt gewesen. Das Spiel ist für mich ein Character Collector und ich würde mich freuen, mit meinen Favoriten spielen zu dürfen. Wenn mein voll gelevelter Dimitri, der schon so lange in meinem Team ist weil ich ihn liebe von einem Level 5 OC geschlagen wird, nur weil dieser neuer ist, dann bringt mich das nicht dazu, die neue Figur haben zu wollen, sondern bockig zu werden. Das neue Sport-Banner spricht mich leider auch nicht an.

Genshin Impact:

Ich habe die Woche hauptsächlich damit verbracht, an der aktuellen Archon-Quest zu arbeiten. Der Beginn war echt verrückt - wenn ich Collei wäre, hätte mich ein reicher Kaveh auch schockiert. Trotzdem war es toll, endlich mal wieder die Sumeru-Crew zu treffen. Wie ich die Streits zwischen Alhaitham und Kaveh vermisst habe! Generell war das für mich wohl eine Kaveh-Woche, denn er hatte ja auch Geburtstag. Ein Fic zu schreiben habe ich leider nicht geschafft, aber zumindest einen netten Geburtstagspost auf meinem Merch-Instagram gab es. Zum Wochenende hin war dann auch endlich die Zeit, meine saisonale Konstellation abzuholen. Es ist C2 Tartaglia geworden.

Honkai: Star Rail:

Ich arbeite mich weiter Stück für Stück pflichtbewusst durch die Mainstory von Planarcadia. Die Interaktionen zwischen Blade und Silver Wolf haben mir tatsächlich mal etwas zurückgegeben für meine Mühe, Yao Guang bleibt für mich aber einfach langweilig und über. Dank der Ankündigung von Aventurine Waveflair hat mich das Spiel aber trotzdem wieder voll am Haken - die Wünsche sammeln sich ja nicht von allein. Immerhin hab ich zum ersten Mal seit dem Start von Planarcadia den Battle Pass voll gekriegt.

Love & Deepspace:

Gespielt hab ich gar nicht so viel (obwohl es da noch einiges zu tun gäbe), aber natürlich mit großem Interesse das Drama verfolgt. Kommen sie wirklich damit durch, Valko einfach aus dem Spiel zu löschen? Gab es da in China nicht auch irgendwelche Regelungen bezüglich falscher Versprechen an Kunden, die das verhindern könnten? Fun Fact: Rein optisch hatte ich nicht einmal Interesse an Valko, als er angekündigt wurde, aber nun tut er mir echt Leid - ganz zu schweigen von dem Team, welches so lange an ihm gearbeitet hat. Ich denke, wir sind uns alle einig, dass dieser Vorfall weitreichende Folgen haben wird, aber ich finde es aktuell wirklich schwer einzuschätzen, in welcher Form und für wen eigentlich alles. 

Neverness to Everness:

Nanally durch die Quest mit ihrem Boss-Tiger besser kennengelernt. Die Art, wie dieses Spiel seine Mainquests in Szene setzt, spricht mich wirklich an. Grafisch und erzählerisch wirklich spannend umgesetzt. 

Wuthering Waves:

Anfang der Woche konnte ich Qiuyuans Quest abschließen. Wie erhofft ein sehr sympathischer Charakter, aber leider eine recht kurze Quest, insbesondere, wenn man weiß, dass man bei WuWa die meisten Figuren nach ihrem kurzen Fokus nie mehr wiedersieht. In der Mainsory dann endlich einen Fuß nach Lahai-Roi gesetzt. Noch nicht genug gesehen für einen tieferen Eindruck, aber Interesse ist auf jeden Fall da. Dank Twitter ein bisschen mehr von Jingran gesehen und gehört und damit ein Ziel zum Sparen gefunden.

Sonntag, 12. Juli 2026

HEMA-Liebe

 Gibt es Geschäfte, die ihr so richtig gerne mögt? Für mich sind das oft die Läden, in denen es eigentlich überflüssigen Kleinkram gibt (mit Mode und Schuhen und sowas kann man mich dafür jagen). Ein solcher Laden ist die niederländische Kette HEMA, die es mittlerweile zum Glück auch immer häufiger in Deutschland gibt. Neben dem konstanten und tollen Angebot an Miffy-Artikeln, landet bei mir am Ende doch immer noch das ein oder andere niedliche Design im Körbchen, seien es Motivsocken (meine große Schwäche) oder Schreibwaren.

Gestern habe ich mich sogar extra in die gnadenlos überfüllte Düsseldorfer Innenstadt begeben, weil ich auf Social Media die niederländischen Delikatessen als Plüschies gesehen hatte und da einfach was von haben musste. Begrüßen wir also alle in meiner Sammlung: Bitterballen und Ham Kaas Tosti! 😂 

Selbst mein Büro habe ich übrigens dank HEMA verschönert. Dort steht neben einem lächelnden Bubble Tea Stiftehalter nämlich auch dieser niedliche Miffy Photo-Holder, für den ich nun endlich auch das passende Bild gefunden habe. Ich liebe die Genshin und Star Rail Fanart von Deko, und dieses Mal hab ich es endlich getan und ein paar ihrer Bilder bestellt, als sie ihren Onlineshop geöffnet hat. Phainon in einem Meer aus Vergiss-mein-Nicht ist dann im Büro gelandet, wo ich mich immer an ihm erfreuen kann! 💕 

Freitag, 10. Juli 2026

Buchvorstellung: The Big Apple Band 3 von Harusari und Hodot


Worum es geht:

Nachdem Joachims Versuch, sich von Jürgen zu trennen, kein allzu großer Erfolg war, ist er noch immer gefesselt in dessen Wohnung eingesperrt. In dieser Zeit wird er nicht so recht schlau aus Jürgen, aber ebenso wenig aus sich selbst. Während Jürgen im einen Moment gnadenlos mit seinem Körper umgeht, kümmert er sich schon kurz darauf wieder liebevoll um ihn - und obwohl es im Rahmen seiner Möglichkeiten liegen sollte, versucht Joachim nicht einmal ernsthaft, zu entkommen...

Meine Meinung:

Nach der krassen Wendung im letzten Band war ich mehr als gespannt, wie es in "The Big Apple" zwischen Joachim und Jürgen weitergeht. Nach der Lektüre kann ich noch immer nicht viel mehr sagen als: es ist kompliziert.

Ein wenig Kommunikation würde den beiden wirklich gut tun, denn auch am Ende dieses Bandes wissen wir noch immer nichts darüber, wer Jürgen eigentlich wirklich ist, und Jürgen fragt sich wahrscheinlich noch immer sehr ratlos, was wohl in Joachims Kopf vorgeht.

Zumindest auf letztere Frage erhalten wir als Leser aber eine Antwort. Nicht nur kennen wir Joachims berufliches Dilemma, wir lernen auch mehr über seine Gefühle, als er sich in einer Rückblende an den Beginn seiner Beziehung zu Jürgen erinnert.

Joachim ist kein einfacher Charakter, und sein Leben hat nicht nur ein paar vereinzelte problematische Baustellen sondern gleicht eher dem Schienennetz der deutschen Bahn (sorry, es ist der verbitterte Pendler in mir). Bei Jürgen findet er vieles von dem, was er sucht - vermutlich ohne selbst so recht zu verstehen, was das eigentlich ist und warum er sich eigentlich danach sehnt. Jürgen selbst bleibt jedoch ein Buch mit sieben Siegeln. Seine Gefühle für den anderen sind nicht zu übersehen, doch seine besitzergreifende Art ist zumindest mal besorgniserregend.

Die Story abseits der Beziehung der beiden Männer macht leider auch im dritten Band kaum Fortschritte - dafür ist man hier noch immer viel zu sehr miteinander beschäftigt, und das ausschweifend auch im körperlichen Sinne. Da die Darstellung aber wirklich, wirklich gelungen ist, kann ich nicht einmal von mir behaupten, dass es mich sonderlich gestört hat, zumal der alles entscheidende Tag für Joachim nun wirklich unmittelbar bevorzustehen scheint.

Bei "The Big Apple" ist für mich damit also tatsächlich etwas der Fall, was mir heutzutage nur noch sehr selten passiert: ich habe auch nach drei Bänden keinen wirklichen Plan, wohin diese Story eigentlich will, aber es nervt mich nicht, sondern hält mich im Gegenteil so richtig bei der Stange. Dass mich insbesondere Joachim als Charakter (und auch optisch, ich will's nicht leugnen) so auf ganzer Linie anspricht (ich mag meine Jungs ein wenig traurig und leidend), trägt da sicherlich auch einen guten Teil zu bei.

Ich bleibe also vorerst bei meiner Leseempfehlung. Wer mit den genannten Themen fein ist und bei expliziten Szenen nicht zimperlich, sollte gerne mal einen Blick riskieren.

The Big Apple Band 3 | Harusari (Story) & Hodot (Zeichnungen) | Panini Toon | Originalpreis: 16,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 18 Jahren | Link zum Buch

Donnerstag, 9. Juli 2026

Buchvorstellung: Bloom into You - Regarding Sakei Sayaka von Hitoma Iruma und Nakatani Nio


Worum es geht:

Saeki Sayaka ist in ihrem Umfeld seit jeher als ernsthaftes und fleißiges Mädchen bekannt. Erfolg in der Schule ist ihr wichtiger als das Pflegen von Freundschaften. Trotzdem macht sie immer wieder Bekanntschaften, die ihr Leben aufrütteln, sei es mit der aufgeweckten Mitschülerin, die ihr plötzlich im Schwimmunterricht die Liebe gesteht oder mit ihrer Senpai, die sie eines Tages um eine Beziehung bittet, das Ganze dann aber nicht ganz so ernst nimmt wie Saeki selbst.

Meine Meinung:

Im Rahmen eines Rereads von "Bloom into you" fiel mir neulich diese Light Novel in die Hände, die schon eine ganze Weile darauf gewartet hatte, endlich von mir gelesen zu werden. Im Zentrum der Handlung stand dabei ausgerechnet Saeki, ein Mädchen, mit dem ich während des Lesens des Mangas nie so recht warm geworden war. Ihre distanzierte Art hatte mich wohl unterschwellig ebenso von ihr ferngehalten wie einige ihrer Mitschülerinnen in der Geschichte. Umso mehr freue ich mich, dass die Light Novel mein Bild von ihr so massiv zu verändern vermochte!

In der Novel erleben wir zwei Szenen aus Saekis Leben, welche diese entscheidend geprägt haben. In der ersten ist sie noch ein Kind, später dann schon im jugendlichen Alter. Gemeinsam haben beide Episoden, dass sie mit der Liebe konfrontiert wird. Und so unterschiedlich die Umstände auch sein mögen, wird sie beide Male auf die eine oder andere Weise von diesem Gefühl überwältigt. Ist sie beim ersten Mal noch zu jung und überfordert, um angemessen zu reagieren, schwemmt die neue Emotion beim nächsten Mal alles mit sich hinfort, und beide Geschichten erzählen dabei so viel über ihren Charakter und formen so sehr, wie sie sich entwickelt, dass man nach der Lektüre das Gefühl hat, Saeki plötzlich auf einer ganz anderen Ebene zu verstehen.

"Bloom into You - Regarding Saeki Sayaka" war für mich mehr als eine nette Nebenstory zum Manga. Vielmehr hat die Light Novel die Handlung des Mangas sinnvoll erweitert und ganz nebenbei eine lupenreine Coming-of-Age Geschichte geliefert, in der es nicht nur um das erste Erwachen der eigenen Gefühle, sondern auch um das Entdecken und Akzeptieren der eigenen Sexualität sowie um die Frage, wer man für andere Menschen eigentlich sein kann und will, geht. Eine richtig runde Sache und ein Titel, an den ich sicher immer wieder gerne zurückdenken werde.

Bloom into You - Regarding Saeki Sayaka | Hitoma Iruma (Story) und Nakatani Nio (Art) | Seven Seas | Originalpreis: 13,99$ | Genre: Girls Love | Empfohlen ab 13 Jahren | Link zum Buch