Dienstag, 25. August 2026

Buchvorstellung: Semantic Error Band 4 von Angy (Illustration) & J. Soori (Original)

Worum es geht:

Die Beziehung zwischen Jaeyoung und Sangwoo entwickelt sich erstaunlich gut, und das nicht nur (aber doch ziemlich eindeutig auch) körperlich. Gerade Sangwoo entdeckt unbekannte Seiten an sich selbst, als er beginnt, mehr über Jaeyoung erfahren zu wollen und ihn zu vermissen, sobald er nicht in seiner Nähe ist. Jaeyoung hat dafür mit ganz persönlichen Problemen zu kämpfen, als seine Familie ihn zu sich rufen lässt. Für ihn gleichen diese nämlich eher einem Rudel hungriger Hyänen als einer emotional verbundenen Gruppe von Menschen, auf die er sich verlassen kann…

Meine Meinung:

Obwohl es noch immer Missverständnisse gibt, läuft es im vierten Band von „Semantic Error“ weitestgehend harmonisch zwischen Jaeyoung und Sangwoo. Ein spannender Fokus liegt dabei auf Sangwoos Gefühlen, die dieser nur schwer zuordnen kann. Wenn Liebe zwischen zwei Männern irrational ist, wie soll er sich dann das merkwürdige Bedürfnis erklären, mehr über Jaeyoung zu erfahren? Und ist das, was er in Jaeyoungs Abwesenheit empfindet, tatsächlich Sehnsucht?

Jaeyoung kämpft währenddessen an einer ganz anderen Front, als er sich seiner unliebsamen Familie stellen muss. Und auch er stellt überraschend fest, dass Sangwoo an seiner Seite ihm da plötzlich ein willkommener Anker wäre.

Die Geschichte der beiden ungleichen jungen Männer ist und bleibt ein Highlight. Beide – ganz besonders jedoch Sangwoo – zeigen deutliche Charakterentwicklung, was sehr spannend zu verfolgen ist.

Auch zeichnerisch ist der Band wieder eine Freude. Es geht gut zur Sache zwischen den beiden, weswegen dieser Band im Gegensatz zu den ersten Bänden auch wieder eine Empfehlung ab 18 Jahren aufweist. Die Zeichnungen sind unzensiert und gut umgesetzt und das Verhältnis von Story und intimen Szenen fühlt sich stets gut ausgewogen an.

Ein Band wartet nun noch, dann geht die unkonventionelle Liebesgeschichte der beiden auch schon zu Ende. Ich zumindest freue mich schon riesig auf das Finale!

Semantic Error Band 4 | Angy (Illustration) & J. Soori (Original) | C.Lines | Originalpreis: 16,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 18 Jahren | Link zum Buch

Montag, 24. August 2026

Buchvorstellung: Sora & Hara von Asumiko Nakamura

 

Worum es geht:

Manabu Hara ist 37 Jahre alt und Musiklehrer an einer Jungenschule. Die Nächte verbringt er gerne in den Clubs seiner Stadt. In solch einem Club, genauer gesagt in einer Schwulenbar, ist es auch, dass er den erheblich jüngeren Sorano trifft, der genau sein Typ ist. Das Glück währt jedoch nicht lang, als Hara herausfindet, dass Sorano ausgerechnet Schüler an seiner Schule ist.

Meine Meinung:

Asumiko Nakamura-Wiederholungstäter wie ich werden die Hara, die Hauptfigur dieses Mangas, bereits aus „Dou Kyu Sei“ wiedererkennen, wo er ein Auge auf Musterschüler Sajo geworfen hatte. Dieses Mal steht er also im Zentrum des Geschehens, bleibt seiner Zuneigung für erheblich Jüngere jedoch treu.

Damit wären wir auch schon an dem Punkt, wo sich von selbst erklären sollte, dass „Sora & Hara“ kein Manga für Jedermann ist, denn es geht um eine Beziehung zwischen Lehrer und Schüler mit erheblichem Age Gap. Vielleicht bin ich bei dem Thema generell eher entspannt, auf jeden Fall mochte ich die Thematik und den Umgang damit in diesem Fall sehr gerne.

An seiner Anziehung zu Sorano kann Hara nichts ändern, doch sein Verständnis ändert sich stark, als er erfährt, dass dieser sein Schüler ist. Eine Beziehung ist für ihn damit tabu, gleichzeitig kommen aber auch die Erinnerungen an seinen schwierige Gefühle für Sajo hoch, die er offensichtlich noch nicht so richtig verarbeitet hat.

Natürlich hat er dabei aber die Rechnung aber auch ganz klar ohne Sorano gemacht. Dieser ist seinem Lehrer nämlich weiterhin sehr zugetan, auch als er erfährt, wer er ist. Und in seinem jugendlichen Übermut ist er ziemlich hartnäckig, bringt sich jedoch auch gerne mal unbewusst in gefährliche Situationen in der Welt der Erwachsenen, die ihm noch so fremd ist.

In meinen Augen stellt der Manga die nicht ganz unproblematische Beziehung der beiden sehr respektvoll und authentisch dar. Hara verleugnet seine Gefühle nicht, handelt jedoch stets verantwortungsvoll. Sorano erhält die Chance, emotional erwachsen zu werden und seine Gefühle besser einzuordnen. Ob die sich anbahnende Beziehung moralisch korrekt ist, steht nicht im Fokus. Weder wird damit als eine Form Fetisch gespielt, noch wird sie gewertet. Die Gefühle sind einfach da, und beide Protagonisten müssen lernen, damit umzugehen.

Mir hat die Story um Hara und Sora sehr gut gefallen, weil es ihr gelingt, schwierige Gefühle ruhig und nachvollziehbar darzustellen. Für Leser von „Dou Kyu Sei“ erweitert sie außerdem den Horizont der Serie, zumal Sajo hier auch noch einen für Hara bedeutsamen Auftritt bekommt. Der Manga ist somit sicher nicht für alle Leser geeignet, doch wenn man mit den behandelten Themen zurechtkommt, ist er eine echte Empfehlung.

Sora & Hara | Asumiko Nakamura | Manga Cult | Originalpreis: 14,00€ |  Genre: Boys Love | Empfohlen ab 15,00€ | Link zum Buch

Die Gacha Woche 17. bis 23. August

Fire Emblem Heroes:

Badehaus-Chrom ist mein, und generell hab ich gerade viel Glück mit neuen Einheiten! Das Gratis-Auswahlbanner kam ebenfalls zur perfekten Zeit - was kann es denn besseres geben, als den neuen Sylvain einfach so zu bekommen? Und dann gibts im Event dazu auch noch Interaktionen mit Felix. Man ist zufrieden. ;) 

Genshin Impact:

Snezhnaya bleibt spannend und ich versuche, Quests und Erkundung ausgewogen zu halten. Der erste Teil der Archon Quest hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen. Es fühlt sich an, als würden wir vor Ort plötzlich Realpolitik betreiben, und der Fokus auf Gesellschaftskritik und Widerstand ist für mich eine schöne Abwechslung zum üblichen Aufrüsten zum Kampf gegen einen konkreten Gegner. Die neuen Charaktere sind mir bisher alle recht sympathisch. Odette kann ich noch immer schwer einschätzen, aber Vodyanitsa ist süß. Mitya ist ein interessantes Kerlchen, und seine Dynamik mit Valery vielversprechend. Mittlerweile kann ich auch Alyosha leveln und werde ihn bald endlich im Kampf testen können.

Honkai: Star Rail:

Schon lange war ich beim Spielen nicht mehr so wütend wie im Kampf gegen Asat Pramad. Bin es gewohnt, dass ich bei den Story-Bosskämpfen auf hoher Stufe Zeit brauche, aber diese Zeit zu investieren und dann in der zweiten Kampfphase in einer Situation zu landen, in der ich nicht genug Schaden mache, den Gegner zu besiegen, dieser aber wiederum auch nicht genug, um mich zu erledigen, war so frustrierend, dass mir die Cutscene danach einfach nur noch egal war. Wenn man wie ich eh schon keine Verbindung zu Planarcadia aufbauen kann, wird so ein schlechtes Design schnell zum Tropfen, der das Fass zum Übelaufen bringen kann. Ich weiß jetzt schon, dass ich mich zwingen muss, das Spiel wieder zu öffnen und die dumme Quest zu beenden. Astropolis, komm und rette mich.

Love & Deepspace:

Der neue Rafayel war so hübsch, dass ich schwach geworden bin, obwohl ich meistens nur bewusst auf Xaviers Bannern ziehe. Währung ist in diesem Spiel recht rar, da muss man eben Prioritäten setzen! ;) 

Neverness to Everness:

Stecke gerade in dem merkwürdigen RPG mit den Zuckerwatte-Schaffen. Visuell spricht mich das Design voll an, aber was ist das bitte für eine Story? 

Reverse 1999:

Monate habe ich darauf gewartet und jetzt ist es endlich so weit: Name Days Garment ist da, und es ist wunderschön! Ich habe den Eindruck, dass ich das Arcade-Game, was man zum Freischalten machen musste, nicht wirklich verstanden habe (wann mache ich Schaden, wann nehme ich welchen? Ich habe keine Ahnung!), aber es hat auf jeden Fall gereicht. Jetzt muss ich unbedingt noch Rhiannon kennenlernen. Design und Name sprechen mich extremst an und ich muss wissen, ob ich sie mir holen soll.

Wuthering Waves:

Der Wunsch nach Währung für Jingran hat mich zurück ins Spiel gelockt und ich befinde mich gerade in Honami. Die Materialsuche mit den kleinen Kämpfen zwischendurch fühlt sich schnell repetitiv an, aber dass ich mich irgendwie in Capybara-Land befinde, stimmt mich etwas versöhnlich. 

Sonntag, 23. August 2026

Buchvorstellung: Honey Lemon Soda Band 1-10 von Mayu Murata

Worum es geht:

Uka Ishimori ist ein schüchternes und unscheinbares Mädchen, welches an der Mittelschule gemobbt wurde. An ihrer neuen Oberschule begegnet sie Kai Miura, der das komplette Gegenteil von ihr zu sein scheint. Mit seinen zitronengelben Haaren fällt er sofort ins Auge, außerdem ist er cool und nimmt kein Blatt vor den Mund. Trotz der Gegensätze kommen die beiden sich näher, und Uka beschließt, ihn sich zum Vorbild zu nehmen und aus ganzer Kraft ein bisschen mehr wie er zu werden und endlich Freunde zu finden. Es dauert jedoch nicht lange, bis aus freundschaftlichen Gefühlen mehr wird. Doch ist Uka auch stark genug, mit einem Jungen wie Kai eine Beziehung zu führen?

Meine Meinung:

Ich muss gestehen, dass ich ein wenig gebraucht habe, um mit „Honey Lemon Soda“ warm zu werden. Zwischenzeitlich habe ich sogar mal mit dem Gedanken gespielt, die Reihe nicht weiterzuverfolgen, doch mittlerweile bin ich doch überzeugt davon, dass es sich für mich lohnt, dran zu bleiben. Deswegen gibt es nun mein Zwischenfazit nach den ersten zehn Bänden.

Dass die Geschichte das Rad nicht neu erfindet, war wohl vom ersten Moment an klar. Schüchternes Mädchen trifft coolen Jungen, bewundert ihn und verliebt sich dann. Das Prinzip kennen wie aus anderen Reihen wie beispielsweise „Kimi Ni Todoke“. Warum dann trotzdem dranbleiben bei „Honey Lemon Soda“. Was mich angeht, weil die Story mittlerweile einen ganz eigenen, modernen Ton gefunden hat, der mich dann doch irgendwie anspricht.

Die Schule, in der sich Uka und Kai treffen, ist keine besonders gute Schule, die meisten Schüler haben folglich auch keine hohen Ambitionen. Es ist auch nicht die Schule, die Ukas Eltern sich für sie gewünscht haben – doch vermutlich ist es genau das Umfeld, was das ihr Leben lang rundum behütete Mädchen brauchte, um sich endlich selbst zu entfalten. Das Aufeinandertreffen von Ukas Welt und der Welt ihrer Altersgenossen fand ich darum bisher auch sehr interessant zu lesen. Von „Flow“ ist da plötzlich die Rede, und nichts könnte Uka wohl ferner liegen, als ein solches Konzept zu verstehen – und gerade deswegen gibt sie in ihrer ernsten Art alles, um das zu ändern und gewinnt so Stück für Stück ihre Mitschüler für sich, weil sie eben ist, wie sie ist.

Kai mochte ich am Anfang tatsächlich nicht besonders gut leiden. Er ist vorlaut, mürrisch und wirkt auf mich oft eher missgelaunt und von seinem Umfeld gelangweilt als cool. Trotzdem ist vielleicht auch eher genau der Mensch, auf den Uka gewartet hat, weil er sich nicht scheut, Dinge auszusprechen und sie nicht zu sehr verhätschelt, aber trotzdem auf Uka achtet. In den späteren Bänden zeichnet sich außerdem ab, dass auch Uka ihn verändert, und diese neue Seite, die er durch sie an sich entdeckt, gefällt mir gleich deutlich besser.

Stark finde ich auch den Umgang mit dem recht präsenten Thema Mobbing. Da sind zum einen die Rückblicke auf Ukas Mittelschulzeit, wo das Mobbing gegen sie ziemlich offen passiert ist und die Auswirkungen, die das bis heute auf sie hat. Da sind aber auch immer mal wieder kleine Momente in der jetzigen Zeit, unbedachte Kommentare von Mitschülern, Witze, die für Uka sicher nicht witzig sind und die zeigen, wie gemein Jugendliche in dem Alter sein können – teils sogar ungewollt und einfach nur unbedacht.

Obwohl auch solche schwereren Themen eine Rolle spielen, ist der Erzählton in „Honey Lemon Soda“ insgesamt doch eher locker. Es geht um das Schulleben, Freundschaften, die erste Liebe und Uka erlebt viele Dinge zum ersten Mal voller Begeisterung und Leichtigkeit. Ob Schulausflug, Sportfest oder Freizeitpark-Date, es macht Spaß, Uka durch diese Situationen zu folgen, und ich freue mich schon darauf zu erleben, wie sie und Kai sich noch entwickeln werden. Auch die ersten Nebenpärchen kündigen sich mittlerweile an.

Zeit zur Entwicklung gibt die Story ihnen allen jedenfalls genug: „Honey Lemon Soda“ endete in Japan vor Kurzem mit ganzen 31 Bänden. Wer bei Schüler-Romanzen also schnell die Geduld verliert, sollte sich den Einstieg vielleicht lieber zweimal überlegen. Wer sich aber mit Slow Burn im Schul-Setting anfreunden kann, möge gerne mal einen Blick riskieren.

Honey Lemon Soda (Band 1-10) | Mayu Murata | Tokyopop | Originalpreis: 7,50€ pro Band | Romance | Empfohlen ab 13 | Link zur Reihe

Samstag, 22. August 2026

Buchvorstellung: Little Mushroom Band 2 von Yi Shi Si Zhou (Story) und Yuchi Jinze, MaoMao Tou (Art)

Worum es geht:

An Zhe lernt Stück für Stück, sich an das Leben als Mensch in der Stadt zu gewöhnen, doch ihm begegnen damit immer wieder unerwartete Situationen und Gefahren. So trifft er auf alte Bekannte, an die er sich natürlich nicht aktiv erinnern kann und stellt fest, dass es zum Überleben eine wichtige Ressource namens „Geld“ braucht, für die er arbeiten muss. Natürlich bringt ein Grünschnabel wie er sich auch bei der Suche nach einer geeigneten Stelle beinahe in Teufels Küche, erhält jedoch unerwartet Hilfe. Doch wem kann er eigentlich vertrauen in einer düsteren Welt wie dieser?

Meine Meinung:

Little Mushroom“ überzeugt mich auch im zweiten Band wieder mit seiner gleichermaßen düsteren und spannenden Erzählweise. Die gedeckten Farben unterstreichen perfekt die dystopische Welt, in der An Zhe sich bewegt. Ständig hat man das Gefühl, dass Gefahren lauern – und der Manhua zeigt auch wieder an einigen Stellen, dass diese ganz real sind.

Lu Feng hingegen bleibt auch in diesem Band wieder rätselhaft. Ein dunkles Phantom, welches bedrohlich über der Stadt lauert, bereit, gnadenlos zuzuschlagen. Obwohl von ihm eine akute Gefahr für An Zhe ausgeht, kreuzen sich ihre Wege immer wieder, ohne dass etwas passiert. Ganz im Gegenteil, zeigt der Inquisitor sich ihm gegenüber erstaunlich hilfsbereit, sodass man sich unweigerlich fragt, ob das gut gehen kann.

Obwohl sich die Story nur sehr langsam voran wagt, liegt dem Manhua bisher eine ganz eigene Spannung inne, die einen beim Lesen fesselt. Hinzu kommen die wunderschönen Zeichnungen, denen es gelingt, An Zhe trotz des grauen Umfelds stets sanft und ein wenig hell, fast schon leuchtend erscheinen zu lassen. Ich werde die Serie darum gerne weiter verfolgen.

Little Mushroom Band 2 |  Yi Shi Si Zhou (Story) und Yuchi Jinze, MaoMao Tou (Art) | Manlin Verlag | Originalpreis: 18,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 14 Jahren | Link zum Buch

Mittwoch, 19. August 2026

Buchvorstellung: Nagahama to Be, or Not to Be 2nd Season von Scarlet Beriko

Worum es geht:

Das Leben fühlt sich perfekt an für Nagisa, nachdem sein Geliebter Issa endlich wieder von der See zurückgekehrt ist. Es gibt da nur ein Problem: so sehr er auch versucht, den Gedanken zu verdrängen - bald schon wird die Arbeit Issa wieder von ihm fort führen. Also gilt es, die gemeinsame Zeit optimal zu nutzen!

Meine Meinung:

Das Wiedersehen mit Nagisa und Issa fällt genauso stark aus wie erhofft. Besonders Nagisa erlebt in diesem Band ein wahres Wechselbad der Gefühle. Natürlich will er die Zeit mit Issa genießen, und zwar bitte so lang und perfekt wie möglich, aber gleichzeitig kann er den Gedanken daran, dass sein Freund bald aufs Meer zurückkehren wird, nicht verdrängen. Seinen Zwiespalt fand ich dabei sehr gut nachvollziehbar. Einerseits will er Issa nicht von der Arbeit, die dieser liebt abhalten, andererseits fürchtet er aber die Gefahren auf See und hat Angst davor, allein zurückzubleiben. Wie es so seine Art ist, will er Issa aber auch nicht mit seinen Sorgen belasten und leidet still. Doch hier zeigt sich gleichzeitig auch schön, wie sehr beide Jungs gewachsen sind - Kommunikation ist der Schlüssel, und die gelingt ihnen hier Stück für Stück wirklich gut. Richtig starke Rollen haben übrigens auch die Mütter der beiden - ihre Auftritte waren ein absolutes Highlight für mich!

Auch bei den Zeichnungen zeigt Scarlet Beriko wieder ihr ganzes Können. Die Gesichter sind unheimlich ausdrucksstark und spiegeln die Vielzahl an Emotionen wider, durch die unsere beiden Protagonisten im Laufe der Story gehen. Auch die intimen Szenen habe ich als unheimlich sinnlich empfunden, obwohl (oder vielleicht gerade weil) in dem Manga gemäß der Altersempfehlung ab 16 Jahren nicht immer alles gezeigt wird.

"Nagahama to Be, or Not to Be" bleibt auch in der zweiten Season ein kleines Boys Love Juwel für mich. Authentische Charaktere, wunderschöne Zeichnungen und eine ansprechende Story treffen hier aufeinander und verbinden sich zu einem Manga, der nicht nur Genre-Veteranen oder Fans der Mangaka in seinen Bann ziehen dürfte. Wer Coming-of-Age Stories im ruhigen Slice of Life Setting mag, wird hier seine Freude haben.

Nagahama to Be, or Not to Be 2nd Season | Scarlet Beriko | Egmont Manga | Originalpreis: 9,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 16 Jahren | Link zum Buch

Buchvorstellung: God Child von Kaori Yuki

Es gibt Geschichten, die begleiten einen eine lange Zeit. In meinem Fall ist „God Child“ eine solche Geschichte. Kennengelernt habe ich die Serie im Jahre 2003, als die Daisuki auf den Markt kam. Und ich war gleich begeistert. Kaori Yuki, die ich bereits von ihrer damals ebenfalls laufenden Reihe „Angel Sanctuary“ kannte, war meine Lieblingsmangaka, ich liebte den düsteren Zeichenstil und die morbiden Story-Elemente – eine Einschätzung, die ich offensichtlich nicht mit der Mehrheit der Daisuki-Leser teilte. Neben all den Liebesgeschichten fristete „God Child“ ein eher ungeliebtes Dasein, bis es dann eines Tages unabgeschlossen aus dem Heft genommen wurde.

Und da begann mein Dilemma: in meiner Kleinstadt-Jugend hatte ich keinen regelmäßigen Zugang zu Mangas, das Taschengeld war ebenfalls limitiert. Am Ende fehlten mir also Bände, was mich sehr lange gewurmt hat. Glücklicherweise ist man als Sammler ja auch immer ein kleines bisschen Jäger, sodass ich mir dieses Jahr endlich den lang gehegten Wunsch erfüllen und die Serie mit Gebrauchtbänden (und das zu humanen Preisen!) vervollständigen und sie in meinem Urlaub zum ersten Mal komplett und am Stück lesen konnte. Und was soll ich sagen: sie hat auch über zwanzig Jahre später für mich nichts von ihrem Zauber verloren!

Doch worum geht es überhaupt? Im Zentrum der dreizehn Bände umfassenden Geschichte steht der junge Count Cain Hargreaves. Seine noble Arroganz kann kaum verbergen, dass er kein sehr glücklicher Mann ist. Seine Familie gilt als seit Generationen verflucht, und so gilt auch er als eigensinniger Eigenbrötler, von dem man sich besser fernhält – gerade auch wegen seiner berüchtigten Expertise in Sachen tödlicher Gifte.

Als wir den Grafen kennenlernen, ist er jedoch nicht mehr ganz so allein wie in seiner tragischen Kindheit, denn an seiner Seite findet sich stets sein aufopferungsvoller Butler Riff. Die beiden teilen eine Beziehung, die sich schwer in Worte fassen lässt, die jedoch immer wieder den Neid anderer auf sich zieht, die Cain einen solch engen Vertrauten nicht gönnen. Später stößt mit der kleinen Merryweather auch noch Cains lebhafte Halbschwester dazu und sorgt dafür, dass Cains Einsamkeit endgültig der Vergangenheit angehört.

Es gibt jedoch jemanden, der Cain nicht einmal das kleinste Glück gönnt, und zwar ausgerechnet sein leiblicher Vater Alexis, der im Zusammenhang mit einer gefährlichen Geheimorganisation namens Delilah steht. Seine Motive bleiben lange ein Rätsel, doch die Gefahr, die von Delilah ausgeht, beschränkt sich nicht nur auf Cain und seine Verbündeten, sondern erstreckt sich auf ganz London. Der junge Count ist sich seiner Verantwortung, seinem Vater das Handwerk zu legen bewusst, doch wie soll er das mit seiner wenigen Unterstützung schaffen?

Eine so lange Serie in wenigen Worten zusammenzufassen, ist gar nicht so leicht – zumal sich in „God Child“ nicht immer alles um die Mainstory rund um Cains Kampf gegen Delilah dreht. Diese ist zwar wirklich extrem spannend und wartet immer wieder mit überraschenden Wendungen auf, den kompletten Charme des Mangas zeigt sie jedoch meiner Meinung nach nicht. Was ich persönlich an der Reihe besonders geliebt habe, waren die vielen kleinen Episoden, die nicht oder nur lose mit der Hauptstory verbunden waren.

So landet Cain nämlich immer wieder mehr oder weniger zufällig in düsteren Kriminalfällen. Mysteriöse Morde, die es zu klären gilt oder unerklärliche Vorkommnisse, die auf eine Auflösung warten – und das alles im herrlichen Setting des viktorianischen Londons!

Immer wieder gibt es außerdem Bezüge zu den für unsere heutige Zeit manchmal ziemlich grausam wirkenden Kinderreimen von „Mother Goose“, welche etwa aus der gleichen Zeit stammen, und der große Kontrast zwischen der scheinbaren Leichtigkeit dieser Reime und ihres düsteren Inhalts hat mich beim Lesen damals wie heute mit seiner Morbidität fasziniert.

Wer die Werke von Kaori Yuki kennt, weiß, dass sie bei der Darstellung viktorianisch inspirierter Mode brilliert. Rüschenkleider, aufwändige Frisuren mit Korkenzieherlocken – gerade bei der Ausarbeitung ihrer Frauen- und Mädchenfiguren scheut die Mangaka keinen Aufwand, und am Ende wartet stets ein traumhaftes Design, das irgendwo zwischen der tatsächlichen Epoche und Einflüssen von Gothic und Visual Kei Style seiner Zeit liegt.

Beachtlich in Sachen Optik und auch bei der Story ist übrigens die große Konsistenz der Story. „God Child“ ist nämlich über einen Zeitraum von über zehn Jahren entstanden, mit einer mehrjährigen Pause nach Band 5. Trotzdem weist die Geschichte meiner Meinung nach keinen störenden Bruch auf, selbst die inhaltliche Wiedereinführung in die Story nach der Pause geschieht so clever und behutsam, dass sie kaum auffällt.

Und für die unter euch, die die Reihe ebenfalls gelesen haben: können wir darüber sprechen, wie schön die Beziehung zwischen Cain und Riff ist? Ich liebe die beiden einfach, und ich liebe, was sie füreinander sind und finde die Beschreibung auf einer der letzten Seiten des Mangas einfach extrem passend – definitiv kein Dienstverhältnis, aber auch kein Liebesverhältnis. Irgendwie *mehr*, anders, nicht in Worte zu fassen. (Und nein, das ist kein Boys Love Titel, und Cain ist bei seinen Frauengeschichten kein Kind von Traurigkeit. Doch genau darum gibt es ja Fanfics).

Ich denke, es ist zu diesem Zeitpunkt bereits sehr deutlich geworden, dass „God Child“ eine klare Empfehlung von meiner Seite ist. Wer sich für unheimliche und düstere Geschichten erwärmen kann und auch mit tragischen und brutalen Inhalten umgehen kann, ist hier (wie auch bei den anderen Werken der Mangaka) bestens aufgehoben!

God Child | Kaori Yuki | Carlsen Manga | Buchausgabe vergriffen, E-Books verfügbar | Genre: Shojo, Mystery | Empfohlen ab 12 Jahren | Link zur Reihe