Montag, 7. September 2026

[Werbung] Buchvorstellung: Der Einsiedlersommer von Anne Sverdrup-Thygeson

 

 

[Werbung: Leseexemplar wurde im Rahmen einer Lovelybooks-Leserunde kostenlos bereit gestellt!]

Worum es geht:

Nach einem schweren Schicksalsschlag nimmt die Biologin Eva einen Sommerjob weit draußen in der norwegischen Natur an. In einem kleinen Städtchen in Vestfold ist ein in Norwegen als ausgestorben geltender Käfer, der Eremit, aufgetaucht, und Eva soll diesen nun suchen und dabei gleich die Wälder kartieren. Was eigentlich eine persönliche Auszeit werden sollte, entwickelt jedoch bald eine ganz eigene Dynamik, als die Forscherin die Einheimischen mit ihren ganz eigenen Ansichten und Problemen kennenlernt. Unter ihnen ist auch Evas neue Nachbarin Olga. In der etwas exzentrischen alten Dame findet Eva nicht nur eine gute Freundin, sie wird ganz ungewollt auch in die Angelegenheiten des Ortes mit hineingezogen, der eng mit Olgas Familiengeschichte verbunden ist. Als dann auch noch wirtschaftliche Interessen die einzigartige Natur bedrohen, muss sie sich entscheiden, ob sie sich weiter nur als außenstehende Besucherin betrachten oder sich für ihre neue Freundin und die einzigartige Landschaft, die sie so schnell lieben gelernt hat, einsetzen möchte.

Meine Meinung:

Der Roman „Der Einsiedlersommer“ der norwegischen Schriftstellerin und Professorin für Naturschutzbiologie Anne Sverdrup-Thygeson entführt seine Leser tief in die skandinavische Natur. Riesige, unberührte Wälder und unwegsame Landschaften abseits der Zivilisation sind nämlich der vorübergehende Arbeitsplatz der Protagonistin Eva, die sich dort auf die Suche nach einem seltenen Käfer begeben soll. Osmoderma eremita, der Eremitenkäfer, galt in Norwegen eigentlich als ausgestorben, bis eine zufällige Sichtung mitten in einer kleinen Stadt in Vestfold plötzlich für Aufregung unter Naturschützern sorgt. Als die Kommune dann jemanden sucht, der dieser Sichtung auf den Grund geht, lässt sich Eva nicht zweimal bitten. Ihre Motive sind jedoch nicht allein beruflicher Natur. Nach einem persönlichen Schicksalsschlag braucht sie Abstand von ihrem alten Leben – und wo ließe sich der besser finden als auf einsamen Wanderungen in der norwegischen Natur?

Es dauert jedoch nicht lange, bis die enthusiastische Forscherin feststellen muss, dass im vermeintlichen Paradies nicht nur die erhoffte Ruhe auf sie wartet. Durch die Begegnung mit ihrer neuen Nachbarin Olga, einer exzentrischen, alten Dame, die ihr komplettes Leben in der Gegend verbracht hat, wird Eva in deren Familiengeschichte verwickelt, die geprägt ist von unausgesprochenen Geheimnissen, während mit Hallvard ein Mann in ihr Leben tritt, zu dem sie sich auf unerklärliche Weise hingezogen fühlt. Und auch ihr Job erweist sich bald als schwieriger, als es zunächst den Anschein machte, denn nicht nur die Naturschützer haben ein Interesse an den Schätzen der lokalen Natur. Die Gegend beherbergt nämlich nicht nur seltene Tiere und Pflanzen, sondern auch ein großes Vorkommen an dem begehrten Gestein Larvikit. Während Eva also immer tiefer in die Angelegenheiten ihrer vorübergehenden Heimat gezogen wird, muss sie einige wichtige Entscheidungen treffen und dazu noch einen Weg finden, mit den noch frischen, eigenen Wunden ihrer Seele umzugehen.

Mich hat „Der Einsiedlersommer“ vom ersten Moment an durch seinen spannenden Aufbau und den guten Lesefluss überzeugt. Verschiedene Themen werden in dem Roman geschickt verflochten und ergeben erst langsam, Stück für Stück, ein komplettes Bild. Im Zentrum der Geschichte stehen dabei – anders, als der Titel vermuten lassen könnte – zwei Frauen, Eva und Olga. Auf den ersten Blick könnten die beiden kaum unterschiedlicher sein: die eine jung und wissbegierig, die andere alt und abgeklärt. Und trotzdem ist da etwas, was die beiden zueinander hinzieht und was ihnen ermöglichst, sich einander zu öffnen und eine Freundschaft aufzubauen. Nicht immer geht es dabei ganz harmonisch zu, denn beide sind auf ihre ganz eigene Art stur, doch genau deswegen gelingt es ihnen wohl auch, gemeinsam zu wachsen und Dinge anzugehen, die zuvor unmöglich schienen. So scheut sich Eva nicht, unbequeme Fragen zu stellen und bringt dabei Dinge ans Licht, die sonst vielleicht mit Olga gestorben wären und zwingt sie mit ihrer direkten Art immer wieder aus ihrer Komfortzone. Auf der anderen Seite hilft Olga aber auch Eva, ihren Weg wiederzufinden und weist sie auch hin und wieder in ihre Schranken, was diese manchmal auch wirklich bitter nötig hat.

Auch die Natur ist ein wiederkehrendes Thema im Roman, und obwohl ich mir gewünscht hätte, dass diesem Aspekt noch etwas mehr Raum eingeräumt worden wäre, fand ich den generellen Umgang mit dem Thema doch gelungen. Der Eremit, ein eher unscheinbarer Käfer, wird hier zum Streitthema, das eine ganze Gemeinde spaltet und fundamentale Fragen nach dem Stellenwert von Naturschutz stellt. Kann ein Käfer genug Sympathie wecken, um Menschen für den Wert der Natur um sie herum zu sensibilisieren? Wie findet man einen Kompromiss zwischen Naturschutz und wirtschaftlichen Interessen? Da wir der Geschichte aus Evas Perspektive folgen, ist es für die Leser quasi unmöglich, den Wert der Natur nicht zu erkennen. Es ist unverkennbar, wie sehr diese die Wälder liebt, und die lebhaften Naturbeschreibungen machen auch sehr gut greifbar, woher diese Liebe stammt. Andererseits macht der Roman es sich aber auch nicht so einfach und präsentiert uns in Form von Hallvard auch die andere Seite: die Probleme einer wirtschaftlich schwachen Region und die Schönheit des unter den Wäldern schlummernden Gesteins. Ganz wie im wahren Leben ist eben selten etwas einfach nur schwarz oder weiß.

Zu guter Letzt taucht Anne Sverdrup-Thygeson in „Der Einsiedlersommer“ aber auch noch tief in die norwegische Geschichte ein, wo noch ganz andere Wunden als die vom Tagebau in der Landschaft schlummern. Im Fall von Olga zeigt sich dabei deutlich, wie tief solche Wunden gehen können und wie sie ein ganzes Leben, vielleicht sogar das Schicksal einer ganzen Familie, prägen können.

Für mich war der Roman eine Lektüre, die ich von der ersten Seite an sehr gerne gelesen habe. Nicht immer war ich mit den Taten der Protagonistin Eva einverstanden – ganz im Gegenteil hat mich ihr eigensinniger und manchmal wirklich egoistischer Charakter regelmäßig fast in den Wahnsinn getrieben - stets habe ich jedoch mit ihr mitgefiebert, als sie sich in den Wäldern und Bergen auf die Suche nach dem Eremiten gemacht hat und sich voller Leidenschaft für die Natur um sie herum eingesetzt hat. Das Herzstück für mich war jedoch am Ende die spannende Lebensgeschichte Olgas, dem die Leser hier gemeinsam mit Eva und der alten Dame selbst auf den Grund gehen durften und die so stark geprägt war von der Zeit und dem Ort ihres Lebens.

Wer sich für Frauenschicksale, Familiengeheimnisse und lebhafte Naturschilderungen begeistern kann, findet in diesem Roman eine lohnenswerte Ergänzung für die eigene Leseliste.

Der Einsiedlersommer |  Anne Sverdrup-Thygeson | dtv | Originalpreis: 23,00€ | Link zum Buch

Buchvorstellung: Love Bullet Band 1 von inee


Worum es geht: 

Die fünfzehnjährige Koharu stirbt bei einem Unfall, ohne zuvor jemals verliebt gewesen zu sein. Dieser Umstand qualifiziert sie, eine Cupid zu werden: mit schwerer Bewaffnung macht sie sich gemeinsam mit ihren Kolleginnen daran, Menschen mit ihrer speziellen Liebes-Munition zu treffen und sie so möglichst erfolgreich zu verkuppeln. Doch aller Anfang ist schwer, und das gilt ganz besonders, wenn die erste Person ausgerechnet die ehemals beste Freundin ist, die Koharu nur Minuten vor ihrem Tod ein Liebesgeständnis gemacht hat...

Meine Meinung: 

"Love Bullet" startet rasant. Eh wir viel über Koharu und ihren Job als Cupid wissen, werden wir schon in die internen Kämpfe zwischen ihr und ihren geflügelten Kolleginnen geworfen. Abseits der Blicke der Lebenden geht es da ganz schön zur Sache, als die Frage, welches Paar das beste Match ergibt, mit Pistolen und Granaten ausdiskutiert wird - immer jedoch mit einem zwinkernden Auge, denn die Munition der Cupids trifft ihre Ziele zwar mitten ins Herz, jedoch nur im emotionalen Sinn. Werden zwei Menschen getroffen, wenn sie einander anschauen, fliegen zwischen ihnen im Idealfall die Funken! 

Für unsere Hauptfigur ist das alles jedoch noch ziemlich fremd. Während sie zu Lebzeiten erfolgreich und leidenschaftlich ihre Klassenkameraden verkuppelt hat, kommen ihr nun Zweifel: sie selbst war nie verliebt und hat noch nicht einmal die Gefühle bemerkt, die ihre beste Freundin für sie hegte - mit welchem Recht soll sie sich da nun in die Liebesdinge fremder Leute einmischen? Doch bietet ihr der Job auch eine lohnende Perspektive: sammelt sie durch ihre Kuppelversuche genug gutes Karma, darf sie ins Leben zurückkehren und so vielleicht doch noch all das erleben, was ihr durch ihren vorzeitigen Tod genommen wurde...

Obwohl "Love Bullet" auch als Yuri-Titel auf sich aufmerksam macht, steht zumindest im ersten Band ganz klar die Action im Vordergrund. Die Cupids und ihre Arbeitsmethoden sind sehr unterschiedlich, doch die Jagd nach erfolgreichen Matches macht sie zu Rivalinnen. Die Kämpfe zwischen ihnen sind dabei sehr lebhaft und haben einen humorvollen Charakter.

Trotzdem hat der Band auch seine ruhigen Momente, besonders, wenn es um Koharu geht. Sie hadert noch sehr mit ihrem Schicksal, und insbesondere ihr erster Job fällt ihr nicht leicht, denn für ihre einst beste Freundin Aki ist das Leben nach ihrem Tod ganze fünf Jahre weiter gegangen, wobei sie ihre Gefühle für die verstorbene Freundin nie ganz ablegen konnte. 

Alles in allem fand ich den ersten Band von "Love Cupid" einen interessanten Auftakt. Die Story verbindet gekonnt Spannung, Humor und auch ein paar ernstere Töne und schafft so ein Setting, welches Leser aus den verschiedensten Genres ansprechen dürfte. Ich bin darum nun sehr gespannt, ob die Reihe diese gute Balance auch in Zukunft wird halten können oder ob sich ein klarer Schwerpunkt zeigen wird. Fürs erste freue ich mich auf jeden Fall darauf, Koharus Weg weiter zu verfolgen.

Love Bullet Band 1 | inee | Altraverse | Originalpreis: 10,00€ | Genre: Action | Empfohlen ab 15 Jahren | Link zum Buch

Dienstag, 25. August 2026

Buchvorstellung: Schneeengel Band 1 von Haruka Chizu

Worum es geht:

Muku hat es nicht leicht im Leben: seit dem Tod ihres Vaters kümmert sie sich rund um die Uhr um die Pflege ihres Großvaters. Für eigene Wünsche und Träume bleibt da keine Zeit. Bewegung kommt erst in ihr Leben, als ihr lange verloren geglaubter Kindheitsfreund Yuto wieder auftaucht und ihr zeigt, dass es einen anderen Weg geben kann.

Meine Meinung:

Man ahnt es kaum bei dem fluffigen Design des Covers, doch hinter dem ersten Band von "Schneeengel" von Haruka Chizu steckt thematisch ganz schön harte Kost! 

Im Zentrum der Geschichte steht Muku. Als Kind war sie ein richtiger Wildfang, doch mit dem Tod ihres Vaters ändert sich ihr Leben abrupt, zwingt ihre Familie sie doch in die Rolle der Pflegerin für ihren bettlägerigen Großvater. Über Jahre stellt sie so ihre eigenen Bedürfnisse zurück, und als wir sie treffen, ist sie gerade mal einundzwanzig Jahre alt, aber schon einfach nur noch desillusioniert und ausgebrannt.

Dass nichts an dieser Situation normal ist, versteht sie erst langsam, als ihr ehemaliger Kindheitsfreund Yuto wieder in ihr Leben tritt. Er gibt ihren negativen Gefühlen, die sie nie so recht einordnen konnte, einen Namen und erklärt ihr, dass sie ein so genannter "Young Carer" ist - also eine junge Person, die sich im Haushalt um die Pflege eines Angehörigen kümmert. Als die Situation mit ihrer Familie sich zuspitzt, nehmen er und sein Bruder Muku sogar mit zu sich nach Hause, wo sie ein wenig Abstand gewinnen und ihre Lage besser verstehen kann.

Und Mukus Lage verdient wirklich eine nähere Betrachtung und wirft schlimme Fragen über ihre Rolle in der eigenen Familie auf. Neben einer extrem passiven Mutter und einer in allen Belangen unentschlossenen Schwester besteht ihre Familie seit dem Tod des Vaters vor allem aus der manipulativen Großmutter, und ganz ehrlich: wer solche Verwandten hat, braucht wirklich keine Feinde mehr! Die Großmutter setzt voll auf Schuldgefühle und führt besonders Muku immer wieder ihre Minderwertigkeit vor Augen. Besonders perfide finde ich dabei Vorwürfe, dass die junge Frau dumm sei, während ihre erzwungene Pfleger-Tätigkeit es ihr einfach unmöglich gemacht hatte, sich der Schule im ausreichenden Maße zu widmen, sodass ihre Bildung auf der Strecke blieb.

Doch wie das nun einmal so ist, fällt Muku die Vorstellung, mit ihrer Familie zu brechen, nicht leicht. Die Gefühle von Schuld und Pflicht sitzen tief, und Yuto, der gerade erst wieder in ihr Leben getreten ist, ist ihr im Grunde genauso fremd geworden wie sie ihm. Trotzdem ist es eindeutig, dass sein Auftauchen etwas in Muku bewegt, und ich bin schon sehr gespannt, ob es den beiden mit vereinten Kräften gelingen wird, den Weg in eine bessere Zukunft zu finden - denn auch Yuto wirkt nicht wirklich zufrieden mit seinem derzeitigen Leben, auch wenn die Details da noch im Verborgenen liegen.

Ich habe den ersten Band von "Schneeengel" als starken Auftakt empfunden. Von einer Liebesgeschichte ist der Manga aktuell noch weit entfernt, dafür überzeugt er mit einer ernsten Thematik, die mir so im Mangabereich auch noch nicht begegnet ist und die mich sehr neugierig gemacht hat. Ich bleibe gerne dran und freue mich darauf zu erfahren, wie der Manga das Thema bearbeitet und ob Muku und Yuto einander eine Stütze in ihrem Leben sein können - oder gar mehr.

Schneeengel Band 1 | Haruka Chizu | Loewe Manga | Originalpreis: 8,00€ | Genre: Romance | Empfohlen ab 12 Jahren | Link zum Buch

Buchvorstellung: Semantic Error Band 4 von Angy (Illustration) & J. Soori (Original)

Worum es geht:

Die Beziehung zwischen Jaeyoung und Sangwoo entwickelt sich erstaunlich gut, und das nicht nur (aber doch ziemlich eindeutig auch) körperlich. Gerade Sangwoo entdeckt unbekannte Seiten an sich selbst, als er beginnt, mehr über Jaeyoung erfahren zu wollen und ihn zu vermissen, sobald er nicht in seiner Nähe ist. Jaeyoung hat dafür mit ganz persönlichen Problemen zu kämpfen, als seine Familie ihn zu sich rufen lässt. Für ihn gleichen diese nämlich eher einem Rudel hungriger Hyänen als einer emotional verbundenen Gruppe von Menschen, auf die er sich verlassen kann…

Meine Meinung:

Obwohl es noch immer Missverständnisse gibt, läuft es im vierten Band von „Semantic Error“ weitestgehend harmonisch zwischen Jaeyoung und Sangwoo. Ein spannender Fokus liegt dabei auf Sangwoos Gefühlen, die dieser nur schwer zuordnen kann. Wenn Liebe zwischen zwei Männern irrational ist, wie soll er sich dann das merkwürdige Bedürfnis erklären, mehr über Jaeyoung zu erfahren? Und ist das, was er in Jaeyoungs Abwesenheit empfindet, tatsächlich Sehnsucht?

Jaeyoung kämpft währenddessen an einer ganz anderen Front, als er sich seiner unliebsamen Familie stellen muss. Und auch er stellt überraschend fest, dass Sangwoo an seiner Seite ihm da plötzlich ein willkommener Anker wäre.

Die Geschichte der beiden ungleichen jungen Männer ist und bleibt ein Highlight. Beide – ganz besonders jedoch Sangwoo – zeigen deutliche Charakterentwicklung, was sehr spannend zu verfolgen ist.

Auch zeichnerisch ist der Band wieder eine Freude. Es geht gut zur Sache zwischen den beiden, weswegen dieser Band im Gegensatz zu den ersten Bänden auch wieder eine Empfehlung ab 18 Jahren aufweist. Die Zeichnungen sind unzensiert und gut umgesetzt und das Verhältnis von Story und intimen Szenen fühlt sich stets gut ausgewogen an.

Ein Band wartet nun noch, dann geht die unkonventionelle Liebesgeschichte der beiden auch schon zu Ende. Ich zumindest freue mich schon riesig auf das Finale!

Semantic Error Band 4 | Angy (Illustration) & J. Soori (Original) | C.Lines | Originalpreis: 16,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 18 Jahren | Link zum Buch

Montag, 24. August 2026

Buchvorstellung: Sora & Hara von Asumiko Nakamura

 

Worum es geht:

Manabu Hara ist 37 Jahre alt und Musiklehrer an einer Jungenschule. Die Nächte verbringt er gerne in den Clubs seiner Stadt. In solch einem Club, genauer gesagt in einer Schwulenbar, ist es auch, dass er den erheblich jüngeren Sorano trifft, der genau sein Typ ist. Das Glück währt jedoch nicht lang, als Hara herausfindet, dass Sorano ausgerechnet Schüler an seiner Schule ist.

Meine Meinung:

Asumiko Nakamura-Wiederholungstäter wie ich werden die Hara, die Hauptfigur dieses Mangas, bereits aus „Dou Kyu Sei“ wiedererkennen, wo er ein Auge auf Musterschüler Sajo geworfen hatte. Dieses Mal steht er also im Zentrum des Geschehens, bleibt seiner Zuneigung für erheblich Jüngere jedoch treu.

Damit wären wir auch schon an dem Punkt, wo sich von selbst erklären sollte, dass „Sora & Hara“ kein Manga für Jedermann ist, denn es geht um eine Beziehung zwischen Lehrer und Schüler mit erheblichem Age Gap. Vielleicht bin ich bei dem Thema generell eher entspannt, auf jeden Fall mochte ich die Thematik und den Umgang damit in diesem Fall sehr gerne.

An seiner Anziehung zu Sorano kann Hara nichts ändern, doch sein Verständnis ändert sich stark, als er erfährt, dass dieser sein Schüler ist. Eine Beziehung ist für ihn damit tabu, gleichzeitig kommen aber auch die Erinnerungen an seinen schwierige Gefühle für Sajo hoch, die er offensichtlich noch nicht so richtig verarbeitet hat.

Natürlich hat er dabei aber die Rechnung aber auch ganz klar ohne Sorano gemacht. Dieser ist seinem Lehrer nämlich weiterhin sehr zugetan, auch als er erfährt, wer er ist. Und in seinem jugendlichen Übermut ist er ziemlich hartnäckig, bringt sich jedoch auch gerne mal unbewusst in gefährliche Situationen in der Welt der Erwachsenen, die ihm noch so fremd ist.

In meinen Augen stellt der Manga die nicht ganz unproblematische Beziehung der beiden sehr respektvoll und authentisch dar. Hara verleugnet seine Gefühle nicht, handelt jedoch stets verantwortungsvoll. Sorano erhält die Chance, emotional erwachsen zu werden und seine Gefühle besser einzuordnen. Ob die sich anbahnende Beziehung moralisch korrekt ist, steht nicht im Fokus. Weder wird damit als eine Form Fetisch gespielt, noch wird sie gewertet. Die Gefühle sind einfach da, und beide Protagonisten müssen lernen, damit umzugehen.

Mir hat die Story um Hara und Sora sehr gut gefallen, weil es ihr gelingt, schwierige Gefühle ruhig und nachvollziehbar darzustellen. Für Leser von „Dou Kyu Sei“ erweitert sie außerdem den Horizont der Serie, zumal Sajo hier auch noch einen für Hara bedeutsamen Auftritt bekommt. Der Manga ist somit sicher nicht für alle Leser geeignet, doch wenn man mit den behandelten Themen zurechtkommt, ist er eine echte Empfehlung.

Sora & Hara | Asumiko Nakamura | Manga Cult | Originalpreis: 14,00€ |  Genre: Boys Love | Empfohlen ab 15,00€ | Link zum Buch

Die Gacha Woche 17. bis 23. August

Fire Emblem Heroes:

Badehaus-Chrom ist mein, und generell hab ich gerade viel Glück mit neuen Einheiten! Das Gratis-Auswahlbanner kam ebenfalls zur perfekten Zeit - was kann es denn besseres geben, als den neuen Sylvain einfach so zu bekommen? Und dann gibts im Event dazu auch noch Interaktionen mit Felix. Man ist zufrieden. ;) 

Genshin Impact:

Snezhnaya bleibt spannend und ich versuche, Quests und Erkundung ausgewogen zu halten. Der erste Teil der Archon Quest hat mir auf jeden Fall sehr gut gefallen. Es fühlt sich an, als würden wir vor Ort plötzlich Realpolitik betreiben, und der Fokus auf Gesellschaftskritik und Widerstand ist für mich eine schöne Abwechslung zum üblichen Aufrüsten zum Kampf gegen einen konkreten Gegner. Die neuen Charaktere sind mir bisher alle recht sympathisch. Odette kann ich noch immer schwer einschätzen, aber Vodyanitsa ist süß. Mitya ist ein interessantes Kerlchen, und seine Dynamik mit Valery vielversprechend. Mittlerweile kann ich auch Alyosha leveln und werde ihn bald endlich im Kampf testen können.

Honkai: Star Rail:

Schon lange war ich beim Spielen nicht mehr so wütend wie im Kampf gegen Asat Pramad. Bin es gewohnt, dass ich bei den Story-Bosskämpfen auf hoher Stufe Zeit brauche, aber diese Zeit zu investieren und dann in der zweiten Kampfphase in einer Situation zu landen, in der ich nicht genug Schaden mache, den Gegner zu besiegen, dieser aber wiederum auch nicht genug, um mich zu erledigen, war so frustrierend, dass mir die Cutscene danach einfach nur noch egal war. Wenn man wie ich eh schon keine Verbindung zu Planarcadia aufbauen kann, wird so ein schlechtes Design schnell zum Tropfen, der das Fass zum Übelaufen bringen kann. Ich weiß jetzt schon, dass ich mich zwingen muss, das Spiel wieder zu öffnen und die dumme Quest zu beenden. Astropolis, komm und rette mich.

Love & Deepspace:

Der neue Rafayel war so hübsch, dass ich schwach geworden bin, obwohl ich meistens nur bewusst auf Xaviers Bannern ziehe. Währung ist in diesem Spiel recht rar, da muss man eben Prioritäten setzen! ;) 

Neverness to Everness:

Stecke gerade in dem merkwürdigen RPG mit den Zuckerwatte-Schaffen. Visuell spricht mich das Design voll an, aber was ist das bitte für eine Story? 

Reverse 1999:

Monate habe ich darauf gewartet und jetzt ist es endlich so weit: Name Days Garment ist da, und es ist wunderschön! Ich habe den Eindruck, dass ich das Arcade-Game, was man zum Freischalten machen musste, nicht wirklich verstanden habe (wann mache ich Schaden, wann nehme ich welchen? Ich habe keine Ahnung!), aber es hat auf jeden Fall gereicht. Jetzt muss ich unbedingt noch Rhiannon kennenlernen. Design und Name sprechen mich extremst an und ich muss wissen, ob ich sie mir holen soll.

Wuthering Waves:

Der Wunsch nach Währung für Jingran hat mich zurück ins Spiel gelockt und ich befinde mich gerade in Honami. Die Materialsuche mit den kleinen Kämpfen zwischendurch fühlt sich schnell repetitiv an, aber dass ich mich irgendwie in Capybara-Land befinde, stimmt mich etwas versöhnlich. 

Sonntag, 23. August 2026

Buchvorstellung: Honey Lemon Soda Band 1-10 von Mayu Murata

Worum es geht:

Uka Ishimori ist ein schüchternes und unscheinbares Mädchen, welches an der Mittelschule gemobbt wurde. An ihrer neuen Oberschule begegnet sie Kai Miura, der das komplette Gegenteil von ihr zu sein scheint. Mit seinen zitronengelben Haaren fällt er sofort ins Auge, außerdem ist er cool und nimmt kein Blatt vor den Mund. Trotz der Gegensätze kommen die beiden sich näher, und Uka beschließt, ihn sich zum Vorbild zu nehmen und aus ganzer Kraft ein bisschen mehr wie er zu werden und endlich Freunde zu finden. Es dauert jedoch nicht lange, bis aus freundschaftlichen Gefühlen mehr wird. Doch ist Uka auch stark genug, mit einem Jungen wie Kai eine Beziehung zu führen?

Meine Meinung:

Ich muss gestehen, dass ich ein wenig gebraucht habe, um mit „Honey Lemon Soda“ warm zu werden. Zwischenzeitlich habe ich sogar mal mit dem Gedanken gespielt, die Reihe nicht weiterzuverfolgen, doch mittlerweile bin ich doch überzeugt davon, dass es sich für mich lohnt, dran zu bleiben. Deswegen gibt es nun mein Zwischenfazit nach den ersten zehn Bänden.

Dass die Geschichte das Rad nicht neu erfindet, war wohl vom ersten Moment an klar. Schüchternes Mädchen trifft coolen Jungen, bewundert ihn und verliebt sich dann. Das Prinzip kennen wie aus anderen Reihen wie beispielsweise „Kimi Ni Todoke“. Warum dann trotzdem dranbleiben bei „Honey Lemon Soda“. Was mich angeht, weil die Story mittlerweile einen ganz eigenen, modernen Ton gefunden hat, der mich dann doch irgendwie anspricht.

Die Schule, in der sich Uka und Kai treffen, ist keine besonders gute Schule, die meisten Schüler haben folglich auch keine hohen Ambitionen. Es ist auch nicht die Schule, die Ukas Eltern sich für sie gewünscht haben – doch vermutlich ist es genau das Umfeld, was das ihr Leben lang rundum behütete Mädchen brauchte, um sich endlich selbst zu entfalten. Das Aufeinandertreffen von Ukas Welt und der Welt ihrer Altersgenossen fand ich darum bisher auch sehr interessant zu lesen. Von „Flow“ ist da plötzlich die Rede, und nichts könnte Uka wohl ferner liegen, als ein solches Konzept zu verstehen – und gerade deswegen gibt sie in ihrer ernsten Art alles, um das zu ändern und gewinnt so Stück für Stück ihre Mitschüler für sich, weil sie eben ist, wie sie ist.

Kai mochte ich am Anfang tatsächlich nicht besonders gut leiden. Er ist vorlaut, mürrisch und wirkt auf mich oft eher missgelaunt und von seinem Umfeld gelangweilt als cool. Trotzdem ist vielleicht auch eher genau der Mensch, auf den Uka gewartet hat, weil er sich nicht scheut, Dinge auszusprechen und sie nicht zu sehr verhätschelt, aber trotzdem auf Uka achtet. In den späteren Bänden zeichnet sich außerdem ab, dass auch Uka ihn verändert, und diese neue Seite, die er durch sie an sich entdeckt, gefällt mir gleich deutlich besser.

Stark finde ich auch den Umgang mit dem recht präsenten Thema Mobbing. Da sind zum einen die Rückblicke auf Ukas Mittelschulzeit, wo das Mobbing gegen sie ziemlich offen passiert ist und die Auswirkungen, die das bis heute auf sie hat. Da sind aber auch immer mal wieder kleine Momente in der jetzigen Zeit, unbedachte Kommentare von Mitschülern, Witze, die für Uka sicher nicht witzig sind und die zeigen, wie gemein Jugendliche in dem Alter sein können – teils sogar ungewollt und einfach nur unbedacht.

Obwohl auch solche schwereren Themen eine Rolle spielen, ist der Erzählton in „Honey Lemon Soda“ insgesamt doch eher locker. Es geht um das Schulleben, Freundschaften, die erste Liebe und Uka erlebt viele Dinge zum ersten Mal voller Begeisterung und Leichtigkeit. Ob Schulausflug, Sportfest oder Freizeitpark-Date, es macht Spaß, Uka durch diese Situationen zu folgen, und ich freue mich schon darauf zu erleben, wie sie und Kai sich noch entwickeln werden. Auch die ersten Nebenpärchen kündigen sich mittlerweile an.

Zeit zur Entwicklung gibt die Story ihnen allen jedenfalls genug: „Honey Lemon Soda“ endete in Japan vor Kurzem mit ganzen 31 Bänden. Wer bei Schüler-Romanzen also schnell die Geduld verliert, sollte sich den Einstieg vielleicht lieber zweimal überlegen. Wer sich aber mit Slow Burn im Schul-Setting anfreunden kann, möge gerne mal einen Blick riskieren.

Honey Lemon Soda (Band 1-10) | Mayu Murata | Tokyopop | Originalpreis: 7,50€ pro Band | Romance | Empfohlen ab 13 | Link zur Reihe