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Worum es geht:
Reniae hatte es nie leicht im Leben. Als Sklavin des Goldenen Waldes empfängt sie im Alter von sechs Jahren den Segen der Göttin Inanna, der ihr selbst fortan zum Fluch wird. Ihre Schönheit macht sie für Männer unwiderstehlich, während gleichzeitig jeder, der sich ihr bedrohlich nähert, sein plötzliches Ende findet. Um ihrem Schicksal zu entkommen, flieht Reniae als Mann verkleidet in den eisigen Norden, wo sie sich einer Bande ruchloser Grabräuber anschließt. Als sie dort den schwer verletzten Nordländer Kun aufliest und unter ihren Schutz stellt, droht ihre Fassade zu zerbröckeln und ihrer beider Leben gerät in Gefahr.
Meine Meinung:
Götter, Mythen und der harte Kampf ums Überleben - das ist die Welt, in der Reniae lebt und in die uns der Auftakt von "The Golden Forest" entführt. Auf über 250 vollständig farbigen Seiten lassen die Zeichnungen von Ryuhwa die Story von Yoon So-Rie und Gyeonji auf eindrucksvolle Art und Weise lebendig werden und bauen mit viel Liebe zum Detail eine aufwändige Fantasy-Welt auf, die ihre Leser in den Bann zieht und Lust auf mehr macht.
Der Band legt dabei ausgesprochen großen Wert auf das Worldbuilding und scheut sich auch nicht, dabei für einen Webtoon viel Text zu verarbeiten. Das muss er jedoch auch bei all den Aspekten, die er den Lesern näher bringen will.
Im Zentrum der Geschichte steht die junge Reniae, deren Leben trotz eines göttlichen Segens nicht gerade vom Glück gezeichnet ist. Als wir sie kennenlernen ist sie eine entlaufene Sklavin, die sich im eisigen Winter in den Bergen des Nordlandes versteckt, getarnt als Mann und in der Gesellschaft einer Bande ehrloser Banditen. Dass sie selbst anders ist als dieser ruchlose Haufen zeigt sich, als sie im Schneesturm den verletzten Kun aufliest. Obwohl er zu den verfeindeten Nordländern gehört, nimmt sie sich seiner an und pflegt ihn gesund, was sie immer wieder in große Schwierigkeiten bringt.
Ihre Motive für diesen scheinbar selbstlosen Akt der Nächstenliebe scheinen dem Geretteten zunächst unklar, zumal Reniae sich diese nicht einmal selbst eingestehen will, doch auch Kuns Gedanken und Handlungen sind ihr unbegreiflich. Zu unterschiedlich sind sie beide, was auch mit den Umständen ihres Lebens zusammenhängt.
Der Manhwa geht an dieser Stelle einen recht unkonventionellen Weg, diese stark abweichenden Wertevorstellungen und Denkweisen zu erläutern, indem er tief in die Mythologie der Welt abtaucht, in der Reniae und Kun leben. So beschäftigt sich ein bedeutsamer Teil des ersten Bandes gar nicht mit den Protagonisten, sondern kreiert einen eigenen Schöpfungsmythos, der sich lose an der sumerischen Mythologie orientiert. Dies allein beantwortet zwar noch nicht viele Fragen, doch bei der Bedeutung, die der Glaube - mehr oder weniger freiwillig - in den Lebenswegen von Kun und Reniae spielt, kann man schon erahnen, dass an dieser Stelle irgendwann Fäden zusammenlaufen und Rätsel entschlüsselt werden.
Auffällig war beim Lesen der große Kontrast zwischen den Szenen, die Reniaes Alltag schildern und denen, die sich mit dem Göttlichen beschäftigen. Während das Leben der Protagonistin in schlichten, dunklen Farben gezeichnet wird, blüht die Darstellung bei der Mythologie regelrecht auf. Mir haben diese Szenen besonders gut gefallen, zeigen sie doch anschaulich, wie viele Liebe in die Ausarbeitung dieses Aspekts der Erzählung gesteckt wurde.
Insgesamt überzeugt die gesamte Aufmachung des Buches. Nicht nur liegt der Band dank des dicken Papiers sehr gut in der Hand, mit den goldenen Verzierungen auf dem Cover ist er auch rein optisch ein echter Hingucker.
Auch die Übersetzung von Alexandra Dickmann konnte mich überzeugen, was bei der großen Menge an Text auch wirklich wichtig ist. Alles liest sich flüssig und verständlich und trägt so zu einem guten Erzählfluss bei.
Für mich war der erste Band von "The Golden Forest" somit ein vielversprechender Auftakt. Wer auf der Suche nach einer Fantasy-Geschichte ist, die großen Wert auf den Aufbau der eigenen Welt legt und in deren Zentrum eine starke Protagonistin steht, darf hier gerne einmal einen Blick riskieren. Ich jedenfalls bin gespannt, auf welche Wege des Schicksal Reniae und Kun noch verschlagen wird und wie sich der Segen der Göttin noch auf ihre Leben auswirken wird. Denn ganz im Stile alter Mythen ahnt man hier schon, dass der Wille der Götter durchaus grausam sein kann und sich nicht immer ganz so eindeutig interpretieren lässt, wie es vielleicht auf den ersten Blick den Anschein hat.
The Golden Forest 1 | Yoon So-Rie (Story Webnovel), Gyeonji (Story Webtoon) & Ryuhwa (Zeichnungen) | Manhwa Cult | Originalpreis: 18,00€ | Genre: Fantasy | Empfohlen ab 16 Jahren | Link zum Buch






