Donnerstag, 30. Juli 2026

Konzertbericht: Cara auf Burg Wilhelmstein

Wie gut das Sommerprogramm auf Burg Wilhelmstein in diesem Jahr ist, zeigt sich für mich sehr eindrücklich daran, dass ich nur drei Tage nach dem wunderbaren Faun-Konzert am Sonntag erneut den Weg dorthin gefunden habe. An diesem Tag hatte sich nämlich die Folkband Cara angekündigt.

Das Wetter konnte an diesem Abend als durchaus Irisch bezeichnet werden. Immer mal wieder gab es kurze Schauer, und der Wind pustete uns gut durch. Ein Glück, dass weite Teile der Bühne überdacht sind, sodass dies wohl niemanden weiter störte.

Als das Konzert dann begann, gab es eh besseres zu tun, als sich um Kleinigkeiten wie das Wetter zu kümmern.

Die Musikerinnen und Musiker von Cara, die mit ihrem Celtic Folk schon seit vielen Jahren die Welt bereisen, hatten an diesem Abend ihr neues Album "Our Ship Is Ready" dabei, welches dann auch im Zentrum des Sets stand. Thematisch ging es also um die unterschiedlichsten Dinge, die man gemeinhin so mit Schiffen verbinden kann: Reisen, Aufbrüche, aber auch Abschiede. Es gab fröhliche Tunes und nachdenkliche, eine Ballade über einen weit gereisten Mann und eine Frau, die sich ein Schiff schnappt und die halbe Welt umsegelt, um mit ihm das Glück zu finden ("Lord Bateman") oder aber auch eine Hommage an das Lieblingshotel der Band ("Tucholsky Reels").

Im zweiten Teil des Sets gab es für uns außerdem noch eine große Überraschung. Am Merchstand der Band konnte man an einem Gewinnspiel teilnehmen, bei dem man gegen Abgabe seiner E-Mailadresse einen Beutel der Band gewinnen konnte. Der Blick meiner Mutter, die mich an diesem Abend begleitete, war wirklich Gold wert, als ihr Name dann tatsächlich als Gewinnerin aufgerufen wurde! Ein richtig schöner Zufall, über den wir uns sehr gefreut haben. 

Insgesamt empfand ich die Stimmung während des Konzerts durchgehend als sehr gut. Man merkte der Band an, dass sie die Location mögen, und auch das gut durchmischte Publikum schien großen Spaß zu haben und klatschte gerne mit, sodass es wohl gar kein Wunder war, dass Cara am Ende nicht ohne Standing Ovations und Rufen nach mehreren Zugaben verabschiedet wurden.

Diesen Wünschen kamen die Musiker auch gerne nach, und mit "I Will Not Say Goodbye" fand das Konzert schließlich einen wirklich schönen und inhaltlich sehr passenden Ausklang. 

Für mich war es an diesem Abend das zweite Livekonzert, welches ich von Cara erleben durfte, und ich würde mich sehr freuen, wenn es nicht das letzte bleiben würde. 

Mittwoch, 29. Juli 2026

Buchvorstellung: Little Women von nev

Worum es geht:

Die Familie March hat es nicht leicht. Seit der Vater in den Krieg ziehen musste, müssen die Mutter und ihre vier Töchter sich ganz allein um alles kümmern – nicht immer ein leichtes Unterfangen im Amerika des 19. Jahrhunderts. Ein Glück für die vier ganz unterschiedlichen Mädchen, dass ihre Mutter mit ihrer sanften Art und großen Weitsicht immer für sie da ist. Und dann sind da ja auch noch der Nachbarsjunge Laurie und sein strenger, aber gerechter Großvater, welche die fröhliche Familie ebenfalls schnell in ihre Herzen schließen.

Meine Meinung:

Mit „Little Women“, oder auch „Eine fröhliche Familie“, unter welchem Namen der Titel hierzulande ebenfalls bekannt ist, bringt uns Tokyopop einen Klassiker der amerikanischen Literatur in Mangaform. Der Titel basiert auf dem gleichnamigen Roman der Autorin Louisa May Alcott und folgt den kleinen und großen Abenteuern der lebensfrohen Jo March und ihrer drei Schwestern zur Zeit des Sezessionskrieges.

Die Geschichte lebt dabei in meinen Augen von der liebevoll ausgearbeiteten Darstellung der March-Familie und ihres Umfeldes. Hauptfigur ist die burschikose Jo, die zweitälteste der Schwestern. Sie verfügt über jede Menge Energie und eine sehr lebhafte Vorstellungskraft und träumt davon, Schriftstellerin zu werden. Ihre große Schwester Meg tut dagegen alles, um eine feine Dame zu werden und in die höhere Gesellschaft aufgenommen zu werden, während sich die jüngere und sehr schüchterne Beth gerne um andere und den Haushalt kümmert und die Musik liebt. Nesthäkchen Amy hingegen macht es ihrer Familie nicht immer leicht mit ihrem Eigensinn, sodass die Mutter der vier Mädchen es nicht immer leicht hat, die Harmonie in der Familie zu wahren.

Die Abenteuer der Protagonistinnen spielen sich in ihrem Lebensalltag ab und bilden ein schönes Zeugnis der Zeit, in welcher die Geschichte spielt. Von unschuldigen Spielen auf dem Dachboden über seltene soziale Anlässe und Sorgen und Probleme des Krieges begleiten wir die Mädchen eine Zeit lang auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden. Auch Themen wie die schwierige erste Liebe, Krankheit oder Familienstreitigkeiten werden angesprochen, sodass der Titel eine schöne Balance aus leichten und ernsten Themen wahrt.

Wie bereits erwähnt, beruht der Manga auf einem Roman, den ich persönlich sehr liebe. Umso mehr freut es mich, dass der Manga die wichtigsten Elemente und Botschaften des Buches aus meiner Sicht sehr gut aufnimmt und umsetzt. 1868, als Louisa May Alcott mit "Little Women" den ersten Teil ihrer Serie über Jo und ihre Schwestern veröffentlichte, waren Bücher für junge Frauen mit starken Frauenfiguren noch lange keine Selbstverständlichkeit, und hier haben wir gleich fünf dieser Figuren. Denn obwohl sie sich insgesamt eher im Hintergrund hält, darf auch die Rolle der Mutter hier nicht unterschätzt werden, ist es doch ihr ausdrückliches Ziel, ihre Kinder zu guten, aber vor allem auch glücklichen Frauen zu erziehen - davon, die Mädchen eines Tages möglichst erfolgreich zu verheiraten, wie in dieser Zeit gesellschaftlich sehr üblich, will sie so gar nichts hören. 

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs: Jo spricht sich in diesem ersten Teil ziemlich entschieden gegen eine Heirat aus, und wäre es nach der Autorin gegangen, wäre sie auch unverheiratet geblieben. Dass sie in der Fortsetzung doch noch einen Mann ehelicht, ist nur eine Folge öffentlichen Drucks und ein schönes Beispiel dafür, wie die damalige Lebenswirklichkeit für unabhängige Frauen aussah. Konsequenterweise betont der Roman jedoch immer wieder, dass sie nicht gerade in der Rolle als Hausfrau aufgeht.

Doch zurück zum Manga: in der neuen Ausgabe kommt dieser mit hübscher I Love Shojo Card und in Vollfarbe daher, was wirklich sehr ansprechend ist. Ergänzt wurde er außerdem um ein ausführliches Nachwort, welches den Lesern den Kontext der Geschichte noch einmal näher bringen soll sowie um einige Literaturempfehlungen zu Werken anderer Schriftstellerinnen sowie Büchern mit weiblichen Hauptfiguren, bei denen man sich noch etwas Leseinspiration holen kann. Wie es im Jahr 2026 J.K. Rowling in die Liste inspirierender Schriftstellerinnen schaffen konnte, erschließt sich mir jedoch leider nicht. Hier hätte es doch so viele andere Möglichkeiten gegeben - spontan kämen mir Lucy Maud Montgomery (Anne mit den roten Haaren) oder Selma Lagerlöf (Nils Holgersson) in den Sinn, die mit ihren Werken sowohl die Jugendliteratur als durch Umsetzungen auch den Manga- und Animebereich geprägt haben - und die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Falls dem einen oder anderen von euch der Titel nun aber übrigens ohnehin schon bekannt vorkommt: "Little Women" erschien bereits vor einigen Jahren im Rahmen der Manga-Bibliothek, damals unter dem alternativen Titel "Eine fröhliche Familie" als schickes Hardcover, dafür aber in schwarz-weiß.

In welcher Form auch immer, für mich ist und bleibt der Titel eine Herzensangelegenheit, und ich habe mich sehr über die Möglichkeit gefreut, ihn nun noch einmal in dieser schönen farbigen Version genießen zu dürfen. Fans klassischer Kinderbücher und sympathischer sowie starker Frauenfiguren sollten, sofern nicht längst geschehen, unbedingt einmal einen Blick riskieren!

Little Women | nev | Tokyopop | Originalpreis: 18,00€ | Empfohlen ab 13 Jahren | Genre: Drama | Link zum Buch 

Dienstag, 28. Juli 2026

Die Gacha-Woche 20.-26.Juli

Genhin Impact:

Die Motivation war diese Woche nicht sehr hoch. Das Schieß-Event war ganz kurzweilig, aber ansonsten habe ich nicht viel getan.

Honkai Star Rail:

Natürlich wurde der Erzählstrang um Blade erstmal abgebrochen, als es so richtig spannend wurde, und jetzt hänge ich wieder da und bin nicht sonderlich motiviert. Die Fate Collab winkt ebenfalls nur so mäßig enthusiastisch. Habe bisher noch nicht einmal den ersten Teil abgeschlossen, obwohl mit Aventurine meine Lieblingsfigur eine Rolle spielt, aber ich war einfach zu angepisst von der billigen Entscheidung, als Setting einen verdammten Stummfilm zu wählen, was ja sicher auch gaaaaar nichts mit den Schwierigkeiten rund um die Fate Voice Actor zu tun hatte. 

Reverse 1999:

Im Endeffekt musste ich mich echt ranhalten, um das Enigma-Event noch rechtzeitig abzuschließen, fand es aber wirklich sehr gut gemacht. Was mich dann aber enttäuscht hat, war, dass es keine richtige Story zu Enigma gab sondern nur ein Minispiel, was inhaltlich fast nichts zu erzählen hatte. Als nächstes steht dann auch schon die Atomic Hearts Collab an. Leider verbinde ich damit gar nichts, also werde ich mich wohl einfach überraschen lassen.  

Montag, 27. Juli 2026

Buchvorstellung: Redeem Band 1 von Scarlet Beriko

Worum es geht:

Als Chiakis Partner Kuon vor dessen Augen von einem Auto erfasst wird und in seinen Armen stirbt, wird dieser von Verzweiflung gepackt und wacht plötzlich zehn Jahre früher wieder in seinem Kinderzimmer auf. Körperlich wieder ein kleiner Junge, besitzt dieser Chiaki jedoch alle Erinnerungen an sein erwachsenes Ich. Ohne groß nachzudenken nimmt er Kontakt zu Kuon auf. Doch nicht nur glaubt ihm dieser kein Wort, er ist auch so ganz anders als der Kuon, den Chiaki vor seinem Zeitsprung kannte. Wie soll es ihm so nur gelingen, sein Vertrauen zu gewinnen und ihn in der Zukunft zu retten?

Meine Meinung:

Scarlet Beriko in Vollfarbe? Count me in! Aber ich muss auch zugeben: hätte ich nicht vollstes Vertrauen in das Können und den Stil dieser Mangaka, ich weiß nicht, ob diese Geschichte jemals in meinen Händen gelandet wäre. Die Ausgangssituation ist nämlich durchaus speziell, haben wir durch Chiakis Sprung in die Vergangenheit doch einen ziemlich fragwürdigen Age Gap. Obwohl geistig natürlich noch immer erwachsen, befindet er sich nun nämlich wieder im Körper seines Fünftklässler-Ichs, während sein Partner Kuon bereits erwachsen ist und als Tierarzt arbeitet.

Zum Glück begegnet besagter Kuon den Annäherungsversuchen durch Chiaki aber auch angemessen distanziert, sodass dieser sich bald mit der Frage beschäftigen muss, wie er seinem zukünftigen Partner begegnen möchte, wenn er ihm helfen will. Denn dazu ist er fest entschlossen: nicht nur möchte er seine Liebe zurückgewinnen, er möchte auch wissen, was genau es ist, das den Vergangenheits-Kuon so düster und bitter und ganz anders als den Partner, an den er sich aus ihrer Beziehung erinnert, hat werden lassen. Seine ersten Versuche bleiben dabei, vor allem durch seine unüberlegte und impulsive Art, nämlich ziemlich erfolglos.

Und dann sind da noch die anderen Probleme, denen sich Chiaki plötzlich stellen muss. Durch sein Alter muss er ganz schön kreativ werden, will er sich frei bewegen, und sein strenger und scheinbar ziemlich kontrollsüchtiger großer Bruder ist da auch keine große Hilfe.

Nach dem ersten Band habe ich tatsächlich noch keinen wirklichen Plan, welche Richtung diese Geschichte wohl einschlagen wird, aber mein Interesse ist geweckt. Wird es Chiaki gelingen, Kuon zu helfen, und wie? Gibt es einen Grund für die Zeitreise an genau diesen Punkt der Vergangenheit? Kann es für die beiden wirklich eine Zukunft geben? Hinzu kommt, dass der Webtoon in Vollfarbe im typischen Scarlet Beriko Stil natürlich eine echte Augenweide ist. Für eine klare Empfehlung ist es in meinen Augen noch ein wenig früh, aber ich werde den Titel auf jeden Fall neugierig im Auge behalten.

Redeem - Unsere Ewigkeit Band 1 | Scarlet Beriko | C. Lines Verlag | Originalpreis: 15,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 14 Jahren | Link zum Buch

Sonntag, 26. Juli 2026

25 Jahre Faun - Jubiläumskonzert auf Burg Wilhelmstein

Jeder, der mich kennt oder diesem Blog schon länger folgt, weiß wohl, dass es keine Band gibt, die mich in den letzten mehr als fünfzehn Jahren so sehr geprägt hat wie Faun. Auf einem Faun-Konzert habe ich eine wichtige Freundin kennengelernt und durch die Musik der Band bin ich tiefer in die Mittelalter- und Pagan Folk Szene eingestiegen, habe unzählige Geschichten entdeckt und wurde auch sonst in vielerlei Hinsicht tief geprägt. Ich glaube nicht, dass ich ohne diese Band die Person wäre, die ich heute bin, und dafür bin ich ihnen wirklich dankbar.

Viel hat sich in dieser Zeit verändert, sowohl in der Szene als auch in meinem eigenen Leben, und so habe ich heute nicht einmal mehr annährend so oft die Gelegenheit, Faun live zu sehen, wie das noch vor einigen Jahren der Fall war. Umso kostbarer ist es dann, wenn sich doch noch einmal die Gelegenheit ergibt, so wie am vergangenen Donnerstag auf der Burg Wilhelmstein in Würselen, wo Faun im Zuge ihrer Tour zum 25. Bandjubiläum Halt machten.

Obwohl die Burg gar nicht so weit erntfernt liegt von dem Ort, an dem ich aufgewachsen bin, war es für mich der erste Besuch der dortigen Freilichtbühne. Der erste Eindruck war dafür gleich ein sehr positiver: was für eine perfekte Kulisse für ein Faun-Konzert! Die Location hatte für mich genau die richtige Größe, und das Ambiente der Bühne direkt an der Burgruine war einfach hervorragend geeignet für die romantischen und mystischen Klänge der Band.

Das ausverkaufte Konzert begann pünktlich, eine Vorband gab es an diesem Abend nicht. Faun benötigten dennoch nicht lange, das auffällig bunt gemischte Publikum zum enthusiastischen Mitmachen zu bewegen. Die historische Kulisse hatte offensichtlich nicht nur das Interesse von Fans und Szenegängern geweckt. Auch Familien und ältere Paare hatten sich eingefunden, und nicht wenige von ihnen sah man im Laufe des Abends ihre Garderobe um ein neues Faun-Shirt erweitern, was wohl sehr für die Überzeugungskraft des Auftritts sprach.

Zu Ehren des feierlichen Anlasses boten Faun einen spannenden Querschnitt durch ihr mittlerweile ein Vierteljahrhundert gewachsenes Repertoire. "Diese kalte Nacht" begeisterte gleich zu Beginn viele Besucher. Durch den kommerziellen Erfolg war es wohl das Lied, was vor einigen Jahren eine ganze Reihe von neuen Menschen auf die Musik der Band aufmerksam gemacht hatte, und viele von ihnen waren offenbar gekommen um zu bleiben. Doch auch Fans der ersten Stunde kamen an diesem Abend voll auf ihre Kosten. So wurden auch lange nicht gehörte Stücke wie das "Tagelied" dargeboten, und mit dem "König von Thule" gab es sogar einen kleinen Ausflug zum allerersten Album der Band.

Auch zeigte die Band eindrücklich, wie facettenreich ihre Musik ist. Tanzbare Stücke wie "Wind und Geige" oder auch "Rhiannon" rissen die Zuschauer von ihren Plätzen in die Gänge, um dort zu tanzen, doch auch die ruhigen Momente durften durch Stücke wie "Tanz über die Brücke" oder auch eine sehr reduzierte Akkustik-Version von "Federkleid", welche dem Stück ein ganz neues Gewand gab, glänzen. Mit einem Text von Shakespeare wurde zudem auch ein Lied dargeboten, welches es bisher noch auf keinen Tonträger der Band geschafft hatte.

Wie immer bei Faun waren auch die Ansagen zwischen den Songs wieder überaus charmant. Kleine Anekdoten zu den Stücken brachten dem Publikum die Entstehungsgeschichte der Lieder näher, während zwischendurch auch munter mit den Leuten gescherzt wurde, was für viele Lacher sorgte.

Es ist wirklich faszinierend: obwohl ich Faun seit meinem ersten Live-Erlebnis im Jahre 2009 unzählige Male gesehen und zahlreiche Mitgliederwechsel miterlebt habe, haben ihre Konzerte für mich bis heute nichts von ihrem Zauber verloren. So war es auch an diesem Abend in Würselen wieder eine große Freude für mich, dabei sein zu dürfen. Vielen Dank für die vielen schönen gemeinsamen Jahre - auf dass es gerne noch einmal 25 weitere werden mögen!

Dienstag, 21. Juli 2026

Buchvorstellung: Paket für dich von Rinteku

Worum es geht:

Für Izumi gibt es nichts Schöneres, als sich nach getaner Arbeit seinen Hobbys zu widmen – Games und Sammelfiguren. Auf Karriere hat er nicht wirklich Bock, auf andere Menschen auch nicht, weswegen er seine Sachen auch immer online kauft. Es gibt da jedoch eine Ausnahme zu seinem Desinteresse anderen gegenüber: Tsuchiya, der Paketbote, der immer seine Lieferungen bringt. Diesen findet Izumi extrem cool – doch wie soll ein Nerd wie er es schaffen, dass sich ein sportlicher Typ wie Tsuchiya für ihn interessiert?

Meine Meinung:

Paket für dich“ hat ja schon direkt zur Ankündigung großes Interesse geweckt, weil es von Mangaka Rinteku stammt, die auch hinter der (absolut zurecht) hochgelobten Reihe „Sag’s mit den Händen“ steht. Anders als bei dieser handelt es sich bei „Paket für dich“ jedoch um einen abgeschlossenen Einzelband, bei dem auch eine viel leichtere Thematik im Fokus steht.

Ist das ein Nachteil? Absolut nicht, man sollte es jedoch vielleicht im Hinterkopf behalten, um diesen süßen Manga unvoreingenommen genießen zu können. Dann erwartet einen hier nämlich eine kurzweilige Geschichte über einen jungen Mann, der sich verliebt und dadurch zum ersten Mal den Drang verspürt, etwas an sich zu verändern, um seinem Crush näher kommen zu können. Da solche Veränderungen jedoch wie wir alle wissen selten über Nacht geschehen, Izumi aber eher ungeduldig veranlagt ist und auch noch zum Grübeln neigt, führt dies zu allerlei komischen Situationen. Und als wäre das alles nicht schon schwierig genug für ihn, findet er irgendwann auch noch heraus, dass Tsuchiya tatsächlich eigentlich ganz anders ist, als er ihn sich in seinem wilden Köpfchen ausgemalt hatte! Ein neuer Grund zum Grübeln, oder vielleicht doch vielmehr Anlass genug, sich endlich etwas zu entspannen?

Einen besonderen Charme hatte in dem Manga für mich vor allem der Kontrast zwischen Izumis und Tsuchiyas Perspektiven. Während ersterer alles zerdenkt, versteht letzterer die Welt nicht mehr, sieht er doch die Probleme, die Izumi überall zu finden meint, überhaupt nicht. Entgegen dem Bild, was sich Izumi von ihm gemacht hat, ist er nämlich eigentlich ein eher schlichtes Gemüt – die beiden haben also ziemlich kontrastierende Charaktere, ergänzen sich gerade dadurch jedoch ganz hervorragend.

Neben der namensgebenden Story enthält der Band noch eine weitere Kurzgeschichte namens „Der wahre Grund, warum wir nicht beliebt sind“, die ich trotz ihrer Kürze durch ihre spezielle ‚Moral‘ durchaus amüsant fand.

Insgesamt war „Paket für dich“ in meinen Augen ein unterhaltsamer und süßer Einzelband, mit dem man wunderbar einen entspannten Nachmittag verbringen konnte.

Paket für dich | Rinteku | Loewe Manga | Originalpreis: 8,50€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 14 Jahren | Link zum Buch

Trinkt aus, wir müssen gehen - Die Toten Hosen live in Köln

Vor 26 Jahren hatte ich das große Glück, Die Toten Hosen live sehen zu dürfen. Damals war ich noch ein Kind, und meine Eltern nahmen mich mit zu Rock am Ring. Dafür – heute kann ich es ja sagen – nahmen sie mich sogar einen Tag heimlich aus der Schule. Eine richtig große Sache also, und eine, die mich musikalisch sehr geprägt hat. Seitdem hatte ich die Hosen immer wiedersehen wollen, doch irgendwie hat es damit nie geklappt. Vor ein paar Jahren ist es mir dann endlich gelungen, Tickets für ein Konzert in der Düsseldorfer Tonhalle zu ergattern – dann kam jedoch Corona und die Tour wurde ersatzlos gestrichen. Nur einer von vielen Gründen, warum man mich niemals auch nur das kleinste bisschen Gutes über diese Zeit wird sagen hören. So viele verlorene Erlebnisse, so viele Enttäuschungen.

Manchmal wird am Ende das, was lange währt, aber doch noch gut. In meinem Fall bedeutet das, dass ich im letzten Vorverkauf Tickets für das Tote Hosen Konzert am vergangenen Samstag in Köln ergattern konnte. Falsche Stadt, könnte man jetzt anmerken, aber in manchen Fällen muss man eben Kompromisse eingehen. Und so kam es dann, dass ich mich an diesem Tag 26 Jahre nach der ersten Konzerterfahrung erneut zu einem Konzert der Hosen begeben durfte. Auch dieses Mal war wieder meine Mutter dabei – mein Vater, der vor einigen Jahren verstorben ist, hatte diese Chance leider nicht mehr.

Unsere Plätze fanden sich ziemlich weit hinten und ziemlich weit oben, was uns positiv betrachtet einen hervorragenden Ausblick über das komplette, ausverkaufte Rheinenergie Stadion bot. Von dort waren wir schon mit dabei, als das Konzert der ersten Vorband, 24/7 Diva Heaven begann. Die Schweizer All-Girl Band präsentierte dem Publikum musikalisch ein recht großes Repertoire. Einige der Stücke kamen klassisch punkig daher, doch die Einflüsse aus anderen Genres wie Grunge und sogar Rock’n’Roll waren ebenfalls zu hören.

Weiter ging es im Anschluss mit einem totalen Kontrastprogramm, den Punk-Urgesteinen von The Undertones. Die Herrschaften lieferten für mich eine wirkliche sehens- und hörenswerte Show ab, wobei ich mich persönlich besonders über „Teenage Kicks“ freute. Ich gebe zu, dass dies wirklich eine Band war, bei denen ich nicht damit gerechnet hätte, sie eines Tages einmal live zu sehen. Umso schöner, dass es nun doch so gekommen ist.

Als letzter Support standen schließlich noch alte Bekannte an. Von den Bühnenqualitäten der Beatsteaks hatte ich mich bereits vor einigen Jahren im Rahmen des Vainstream-Festivals eindrücklich überzeugen können, und auch der Auftritt am Samstag stand dem wieder in nichts nach. Nicht nur reihte sich Hit an Hit der Berliner aneinander, sie überzeugten auch mit unheimlich großer Bühnenpräsenz und brachten das Publikum so im Handumdrehen dazu, lautstark mitzusingen und auch sonst jeden Scheiß mitzumachen. Von der Setlist her blieben in meinen Augen auch absolut keine Wünsche übrig. Mein persönliches Highlight war aber natürlich mein Lieblingssong „Frieda und die Bomben“.

Im Anschluss wurde es dann trotz fast vierzig Minuten Umbaupause tatsächlich etwas stressig, gibt es doch in solchen Locations IMMER viel zu wenige Damentoiletten. Als dieser leider essenzielle Punkt endlich abgehakt werden konnte, blieb kaum noch Zeit für neue Getränke, und wie auch beim Einkaufen hatte man natürlich intuitiv die Schlange gewählt, bei der es auch noch am allerlangsamsten ging. So wurde sich dann schon zu den ersten Tönen des Intros durch die engen Reihen zurück zum eigenen Platz gekämpft. Meine Entschuldigung an alle, durch deren Handyvideos wir dabei laufen mussten, aber es ging nun einmal leider nicht anders: wir haben es genauso gehasst wie ihr.

Der Stress war dann jedoch schnell vergessen, denn die Toten Hosen lieferten vom ersten Moment an eine großartige Show ab. Zu meiner Überraschung gab es dabei relativ wenige Songs vom neuen Album, dafür aber einen richtig schönen Querschnitt durch die umfassende musikalische Geschichte der Band. Bei Klassikern wie „Hier kommt Alex“ oder „Bonnie & Clyde“ wurde dabei natürlich stets aus tausenden Kehlen lautstark mitgesungen, doch auch die ruhigeren Momente wie bei „Draußen vor der Tür“ wurden vom Publikum mit einem Meer aus Taschenlampen angemessen gewürdigt.

Einige Überraschungen hielt das Konzert ebenfalls bereit. So hatte man sich mit Wolfgang Niedecken einen wirklich illustren Gast eingeladen und so eindrücklich bewiesen, dass die Kluft zwischen Köln und Düsseldorf durchaus überwindbar ist. Außerdem hatte man ein Cover im Gepäck, welches großen Anklang beim Publikum fand, hat es doch in all den Jahren seit seinem Erscheinen nichts an Bedeutung eingebüßt – und so gab es dann wohl auch kaum jemanden, der bei „Schrei nach Liebe“ nicht aus tiefstem Herzen mitgesungen hätte. Ein persönliches Highlight für mich war außerdem mein Lieblingslied „Pushed Again“, welches mich einfach immer wieder berührt und gerade live eine unfassbare Wucht entfalten kann.

Auch die Bühne und die Show konnten sich an diesem Abend wirklich sehen lassen. Auf der ohnehin schon bunten, riesigen Bühne wurden während des Konzerts auf mehreren großen Bildschirmen im Hintergrund und an den Rändern wechselnde Bilder und Videos gezeigt. Mal sah man die Bandmitglieder, mal waren es zu den Songs passende Szenen. So oder so war immer viel los, was insbesondere für uns Zuschauer weiter hinten toll war, wo man die Bandmitglieder ja nun doch eher nur noch als kleine über die Bühne huschende Punkte wahrnehmen konnte. Doch selbst so war deutlich, wie viel Bewegung da während des gesamten Auftritts herrschte. Campino war noch nie jemand, der lange an einer Stelle stehen bleibt, und an diesem Bewegungsdrang hat sich anscheinend auch heute nichts geändert.

Nach zweieinhalb Stunden inklusive mehreren Zugaben fand der Auftritt dann aber leider doch so langsam sein Ende. Doch nur weil die Band mit dem Singen aufhören musste, galt das noch lange nicht für das Publikum. Ich jedenfalls landete in einem Bus nach Messe/Deutz, in dem die Party einfach fortgesetzt wurde. Songs wie „Zehn kleine Jägermeister“ und „Bayern“ hatten es an diesem Abend nicht in das Set der Band geschafft, also sang man sie auf dem Weg zum Bahnhof einfach gemeinsam. Auch für den Busfahrer war dies sicher mal eine etwas ungewöhnliche Tour, und mir wird sie sicher noch lange als ganz besonderer Abschluss eines richtig tollen Konzertabends in Erinnerung bleiben.

Da bleibt mir nur noch zu sagen: vielen Dank an die toten Hosen für dieses wundervolle Konzert, und für all die wunderbaren Jahren!