Montag, 5. Oktober 2026

Buchvorstellung: Lieb oder stirb Band 1 von Aoi Akashiro (Idee), Moromi Kouji (Skript), Shinya Murata (Komposition) und Nobuhiko Yanai (Zeichnungen)

Worum es geht:

Marie ist eine Prinzessin, die sich ihrer hohen Geburt nur allzu bewusst ist. Das einfache Volk ist ihr zuwider und sie nutzt ihren Status und ihr Geld, um sich alle attraktiven Männer des Landes Untertan zu machen. Dass sie sich so viele Frauen zum Feind macht, wird ihr erst klar, als sie eines Tages in einer Zeitschleife landet, in der sie immer wieder das gleiche Jahr durchleben muss, welches mit ihrem Tod unter der Guillotine endet. Um diesem grausamen Schicksal zu entkommen, ersinnt sie einen tollkühnen Plan: die feindlich gesinnten Damen müssen einfach nur ihrem Charme verfallen! Doch während Marie sich so nach und nach ihr eigenes Yuri-Harem aufbaut, stößt sie immer wieder auf ungeahnte Probleme.

Meine Meinung:

Der erste Band von "Lieb oder stirb" war wirklich mal etwas ganz anderes! Zunächst war ich mir nicht so sicher, ob ich mich für eine Yuri-Reihe mit so offensichtlichem Harems-Plot und Ecchi-Anteil würde erwärmen können, aber die Geschichte konnte mich mit viel Witz und dem doch recht speziellen Charme der Protagonistin Marie überraschend schnell für sich gewinnen.

Das Setting der Story spielt zwar in einer Fantasiewelt, hat mich beim Lesen jedoch stark an das absolutistische Frankreich erinnert. Dementsprechend ist unsere Protagonistin auch mehr als erstaunt, dass der Pöbel um sie herum es auf ihr Leben abgesehen hat - sie hat sich doch nur genau so verhalten, wie man es von einer Prinzessin erwartet?! Einsicht und Selbsterkenntnis sind da Fehlanzeige, doch zu ihrem Leidwesen lässt sie das Schicksal nicht so schnell vom Haken und zwingt sie, ihren eigenen Tod wieder und wieder zu erleben und mühsam herauszufinden, welche werten Damen aus ihrem Umfeld sie in ihren Yuri-Harem integrieren muss, um sich zu retten. Selbstverständlich ist dabei auch nicht jede einfach so zu überzeugen, sodass Marie einiges an Kreativität aufbringen muss.

Und ganz ehrlich: Maries Versuche, ihren Kopf auf den Schultern zu behalten, ihr wiederholtes Trial-and-Error Spiel und ihr immer tieferes Eintauchen in die Welt der Frauenliebe sind einfach nur urkomisch zu lesen. Hatte ich anfangs noch massive Bedenken, dass ihre Intentionen für immer unaufrichtig und nur zur Rettung der eigenen Haut verbleiben würden, so zerstreuten sich diese bereits im zweiten Kapitel mit dem klanghaften Namen "Ich habe eine furchtbare Abneigung gegen den männlichen Körper" mit mehr als nur einem tief empfundenen Lachen.

Der Auftakt von "Lieb oder stirb" wimmelt nur so von urkomischen Ideen und unerwarteten Wendungen, und ich hatte große Freude beim Lesen. Zeichnerisch hat mir der Band ebenfalls sehr gut gefallen. Die Darstellungen wirken ausdrucksstark und lebhaft und es gibt - auf dem deutschen Yuri-Markt ja doch eher selten - einiges an Fanservice.

Ist der Manga etwas für Leser, die auf der Suche nach einer klassischen Liebesgeschichte sind? Vermutlich nicht. Wer sich jedoch für Girls Love begeistern kann und mal etwas wirklich anderes mit viel Humor und dem einen oder anderen Augenzwinken lesen möchte, dem kann ich den Start der Reihe nur wärmstens ans Herz legen!

Lieb oder stirb Band 1 | Aoi Akashiro (Idee), Moromi Kouji (Skript), Shinya Murata (Komposition) und Nobuhiko Yanai (Zeichnungen) | Loewe Manga | Originalpreis: 8,50€ | Genre: Girls Love | Empfohlen ab 16 Jahren | Link zum Buch

Sonntag, 4. Oktober 2026

Buchvorstellung: Blitzlicht in der Dunkelheit von Nojico Hayakawa

Worum es geht:

Arata ist schon ewig in seinen Kindheitsfreund Miyamoto verliebt, hat sich aufgrund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit jedoch niemals getraut ihm dies zu sagen. Stattdessen leidet er lieber still und hört immer wieder mit an, wie diverse Mädchen dem beliebten Sportass einen Antrag machen. Obwohl Miyamoto stets mit der Begründung, bereits verliebt zu sein, ablehnt, kommt es Arata nicht in den Sinn, dass er als Junge jemals eine Chance haben könnte, seinem Freund anders als durch seine geliebte Kamera nah sein zu dürfen - bis er eines Tages beim Lauschen ertappt wird und beginnt, in Miyamotos Worten eine unerwartete Wahrheit zu entdecken...

Meine Meinung:

Mit "Blitzlicht in der Dunkelheit" von Nojico Hayakawa versüßt uns Hayabusa diesen schönen Spätsommer mit einem sanften Einzelband über scheinbar unerwiderte Liebe und die Ängste des Erwachsenwerdens.

Im Zentrum der Geschichte steht Arata, ein etwas kratzbürstiger junger Mann, der bei seinen Mitschülern für seine Fotos bekannt und beliebt ist. Dies geht sogar so weit, dass er einen regelrechten Markt um sich herum aufgebaut hat und dabei hauptsächlich verliebte Mitschülerinnen mit Bildern ihrer Crushes versorgt. Seine wahre Fotoleidenschaft gilt jedoch immer nur dem einen Modell, seinem Kindheitsfreund Miyamoto. 

Miyamoto ist stets gut gelaunt, sportlich und offen, jedoch manchmal auch ein wenig schwer von Begriff, und Arata hält es für ausgeschlossen, dass er als Junge jemals eine Chance bei ihm haben könnte. Dennoch lehnt sein beliebter Freund sämtliche Liebesgeständnisse ab mit der Begründung, bereits verliebt zu sein. Dies bleibt Arata ein Rätsel, bis es eines Tages nach einem dieser von ihm belauschten Geständnisse zu einer Konfrontation zwischen ihnen kommt und er einen unerwarteten Einblick in Miyamotos echte Gefühle bekommt.

Doch mit diesen veränderten Bedingungen ändert sich auch die Beziehung der beiden, und Arata fällt es nicht leicht, damit umzugehen. Erlebnisse in der Vergangenheit haben zu Unsicherheiten geführt, und auch sonst hat er Probleme, seine eigenen Gefühle zuzulassen. Miyamoto auf der anderen Seite scheint völlig unbedarft, beweist jedoch im Umgang mit Arata deutlich mehr Feingefühl, als irgendjemand ihm zugetraut hätte.

Für mich hat der Manga vor allem von der Dynamik der beiden Hauptfiguren gelebt - Gegensätze ergänzen sich manchmal eben doch ganz hervorragend! Dabei hat es mir sehr gut gefallen, dass keiner von ihnen komplett in die typischen Schablonen gepresst wurde. Arata ist kratzbürstig und macht sich durch sein Zerdenken sämtlicher möglicher Probleme gerne das Leben schwer, aber er wird dabei niemals in die Rolle des einsam leidenden Tsunderes gedrängt. Miyamoto hingegen wirkt auf den ersten Blick zwar fast ein wenig einfältig, beweist wenn es darauf ankommt jedoch großen Scharfsinn, wenn es um die Gefühle der Menschen, die ihm wichtig sind, geht.

Zeichnerisch ist der Manga eher schlicht gehalten, dafür erhält die Geschichte aufgrund der Seitenanzahl und der Menge an Gesprächen viel Raum, um sich zu entfalten. Passend zur Altersempfehlung ab 14 Jahren bleibt der körperliche Aspekt der Beziehung deutlich im Hintergrund, was in diesem Szenario voller Unsicherheiten zwischen den Protagonisten aber auch einfach sehr passend wirkt.

Mir hat "Blitzlicht in der Dunkelheit" einen wirklich schönen Lesenachmittag bereitet. Wer auf der Suche nach einem Boys Love Einzelband ist, der den Fokus auf die Beziehungsentwicklung legt und gerne auch mal ein paar Worte mehr liest, wird hier einen wirklich schönen Titel finden.

Blitzlicht in der Dunkelheit | Nojico Hayakawa | Hayabusa Manga | Originalpreis: 9,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 14 Jahren | Link zum Buch 

Dienstag, 15. September 2026

Buchvorstellung: Little Mushroom 3 von Yi Shi Si Zhou (Story) und Yuchi Jinze, MaoMao Tou (Art)

Worum es geht: 

An Zhes zwielichtige Bekanntschaften bringen ihn direkt ins Visier des Inquisitors und damit ins Gefängnis, wo er einen Mann, der sich "Poet" nennt, trifft. Durch diesen lernt er viele Dinge über die für ihn neue Welt der Menschen, über die öffentlich niemand spricht. Eh er die Möglichkeit bekommt, das neue Wissen zu nutzen um seine Spore wiederzufinden, stürzt ein Angriff von mutierten Würmern alles ins Chaos. Plötzlich geht es für alle nur noch ums Überleben...

Meine Meinung: 

Die Story nimmt ganz schön an Fahrt auf im dritten Band von "Little Mushroom". Nachdem der Inquisitor lange eher eine lauernde Bedrohung in An Zhes Leben war, bindet das Schicksal ihn nun näher an den geheimnisvollen Mann. Als Leser merkt man dabei natürlich deutlich, wie atypisch das Verhalten des kleinen Pilzes für einen vermeintlichen Menschen ist und fragt sich unweigerlich: kann das lange gut gehen in der Präsenz des Mannes, dem keine Mutation entgeht?

Doch beiden bleibt wenig Zeit, sich über solche Fragen Gedanken zu machen, denn durch einen Angriff von mutierten Würmern gerät der ganze menschliche Stützpunkt in Gefahr. Hier können wir den Inquisitor erstmals so richtig in Aktion sehen, was eine interessante neue Perspektive auf ihn eröffnet. 

So überschlagen sich in diesem Band die Ereignisse nicht nur für An Zhe und das Erzähltempo zieht ordentlich an. Das ist spannend zu lesen und verstärkt noch einmal die ohnehin schon düstere und dystopische Stimmung der Reihe. 

Trotz der grauen Welt, in der An Zhe sich bewegt, bleiben die Zeichnungen auch in dieser Fortsetzung optisch wieder sehr ästhetisch ansprechend.

Für mich bleibt "Little Mushroom" ein toller Titel, bei dem ich am Ende eines jeden Bandes wieder denke, wie gespannt ich auf die Fortsetzung bin. Beim dritten Band hat sich dieser Eindruck durch die spannenden Ereignisse nur noch einmal verstärkt!

Little Mushroom Band 2 |  Yi Shi Si Zhou (Story) und Yuchi Jinze, MaoMao Tou (Art) | Manlin Verlag | Originalpreis: 18,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 14 Jahren | Link zum Buch 

Sonntag, 13. September 2026

[Werbung] Buchvorstellung: The Golden Forest 1 von Yoon S-Rie, Gyeonji & Ryuhwa


 [Werbung: Leseexemplar wurde im Rahmen einer Lovelybooks-Leserunde kostenlos bereit gestellt!] 

Worum es geht: 

Reniae hatte es nie leicht im Leben. Als Sklavin des Goldenen Waldes empfängt sie im Alter von sechs Jahren den Segen der Göttin Inanna, der ihr selbst fortan zum Fluch wird. Ihre Schönheit macht sie für Männer unwiderstehlich, während gleichzeitig jeder, der sich ihr bedrohlich nähert, sein plötzliches Ende findet. Um ihrem Schicksal zu entkommen, flieht Reniae als Mann verkleidet in den eisigen Norden, wo sie sich einer Bande ruchloser Grabräuber anschließt. Als sie dort den schwer verletzten Nordländer Kun aufliest und unter ihren Schutz stellt, droht ihre Fassade zu zerbröckeln und ihrer beider Leben gerät in Gefahr.

Meine Meinung:

Götter, Mythen und der harte Kampf ums Überleben - das ist die Welt, in der Reniae lebt und in die uns der Auftakt von "The Golden Forest" entführt. Auf über 250 vollständig farbigen Seiten lassen die Zeichnungen von Ryuhwa die Story von Yoon So-Rie und Gyeonji auf eindrucksvolle Art und Weise lebendig werden und bauen mit viel Liebe zum Detail eine aufwändige Fantasy-Welt auf, die ihre Leser in den Bann zieht und Lust auf mehr macht.

Der Band legt dabei ausgesprochen großen Wert auf das Worldbuilding und scheut sich auch nicht, dabei für einen Webtoon viel Text zu verarbeiten. Das muss er jedoch auch bei all den Aspekten, die er den Lesern näher bringen will. 

Im Zentrum der Geschichte steht die junge Reniae, deren Leben trotz eines göttlichen Segens nicht gerade vom Glück gezeichnet ist. Als wir sie kennenlernen ist sie eine entlaufene Sklavin, die sich im eisigen Winter in den Bergen des Nordlandes versteckt, getarnt als Mann und in der Gesellschaft einer Bande ehrloser Banditen. Dass sie selbst anders ist als dieser ruchlose Haufen zeigt sich, als sie im Schneesturm den verletzten Kun aufliest. Obwohl er zu den verfeindeten Nordländern gehört, nimmt sie sich seiner an und pflegt ihn gesund, was sie immer wieder in große Schwierigkeiten bringt. 

Ihre Motive für diesen scheinbar selbstlosen Akt der Nächstenliebe scheinen dem Geretteten zunächst unklar, zumal Reniae sich diese nicht einmal selbst eingestehen will, doch auch Kuns Gedanken und Handlungen sind ihr unbegreiflich. Zu unterschiedlich sind sie beide, was auch mit den Umständen ihres Lebens zusammenhängt. 

Der Manhwa geht an dieser Stelle einen recht unkonventionellen Weg, diese stark abweichenden Wertevorstellungen und Denkweisen zu erläutern, indem er tief in die Mythologie der Welt abtaucht, in der Reniae und Kun leben. So beschäftigt sich ein bedeutsamer Teil des ersten Bandes gar nicht mit den Protagonisten, sondern kreiert einen eigenen Schöpfungsmythos, der sich lose an der sumerischen Mythologie orientiert. Dies allein beantwortet zwar noch nicht viele Fragen, doch bei der Bedeutung, die der Glaube - mehr oder weniger freiwillig - in den Lebenswegen von Kun und Reniae spielt, kann man schon erahnen, dass an dieser Stelle irgendwann Fäden zusammenlaufen und Rätsel entschlüsselt werden.

Auffällig war beim Lesen der große Kontrast zwischen den Szenen, die Reniaes Alltag schildern und denen, die sich mit dem Göttlichen beschäftigen. Während das Leben der Protagonistin in schlichten, dunklen Farben gezeichnet wird, blüht die Darstellung bei der Mythologie regelrecht auf. Mir haben diese Szenen besonders gut gefallen, zeigen sie doch anschaulich, wie viele Liebe in die Ausarbeitung dieses Aspekts der Erzählung gesteckt wurde.

Insgesamt überzeugt die gesamte Aufmachung des Buches. Nicht nur liegt der Band dank des dicken Papiers sehr gut in der Hand, mit den goldenen Verzierungen auf dem Cover ist er auch rein optisch ein echter Hingucker.

Auch die Übersetzung von Alexandra Dickmann konnte mich überzeugen, was bei der großen Menge an Text auch wirklich wichtig ist. Alles liest sich flüssig und verständlich und trägt so zu einem guten Erzählfluss bei.

Für mich war der erste Band von "The Golden Forest" somit ein vielversprechender Auftakt. Wer auf der Suche nach einer Fantasy-Geschichte ist, die großen Wert auf den Aufbau der eigenen Welt legt und in deren Zentrum eine starke Protagonistin steht, darf hier gerne einmal einen Blick riskieren. Ich jedenfalls bin gespannt, auf welche Wege des Schicksal Reniae und Kun noch verschlagen wird und wie sich der Segen der Göttin noch auf ihre Leben auswirken wird. Denn ganz im Stile alter Mythen ahnt man hier schon, dass der Wille der Götter durchaus grausam sein kann und sich nicht immer ganz so eindeutig interpretieren lässt, wie es vielleicht auf den ersten Blick den Anschein hat.

The Golden Forest 1 | Yoon So-Rie (Story Webnovel), Gyeonji (Story Webtoon) & Ryuhwa (Zeichnungen) | Manhwa Cult | Originalpreis: 18,00€ | Genre: Fantasy | Empfohlen ab 16 Jahren | Link zum Buch

Montag, 7. September 2026

[Werbung] Buchvorstellung: Der Einsiedlersommer von Anne Sverdrup-Thygeson

 

 

[Werbung: Leseexemplar wurde im Rahmen einer Lovelybooks-Leserunde kostenlos bereit gestellt!]

Worum es geht:

Nach einem schweren Schicksalsschlag nimmt die Biologin Eva einen Sommerjob weit draußen in der norwegischen Natur an. In einem kleinen Städtchen in Vestfold ist ein in Norwegen als ausgestorben geltender Käfer, der Eremit, aufgetaucht, und Eva soll diesen nun suchen und dabei gleich die Wälder kartieren. Was eigentlich eine persönliche Auszeit werden sollte, entwickelt jedoch bald eine ganz eigene Dynamik, als die Forscherin die Einheimischen mit ihren ganz eigenen Ansichten und Problemen kennenlernt. Unter ihnen ist auch Evas neue Nachbarin Olga. In der etwas exzentrischen alten Dame findet Eva nicht nur eine gute Freundin, sie wird ganz ungewollt auch in die Angelegenheiten des Ortes mit hineingezogen, der eng mit Olgas Familiengeschichte verbunden ist. Als dann auch noch wirtschaftliche Interessen die einzigartige Natur bedrohen, muss sie sich entscheiden, ob sie sich weiter nur als außenstehende Besucherin betrachten oder sich für ihre neue Freundin und die einzigartige Landschaft, die sie so schnell lieben gelernt hat, einsetzen möchte.

Meine Meinung:

Der Roman „Der Einsiedlersommer“ der norwegischen Schriftstellerin und Professorin für Naturschutzbiologie Anne Sverdrup-Thygeson entführt seine Leser tief in die skandinavische Natur. Riesige, unberührte Wälder und unwegsame Landschaften abseits der Zivilisation sind nämlich der vorübergehende Arbeitsplatz der Protagonistin Eva, die sich dort auf die Suche nach einem seltenen Käfer begeben soll. Osmoderma eremita, der Eremitenkäfer, galt in Norwegen eigentlich als ausgestorben, bis eine zufällige Sichtung mitten in einer kleinen Stadt in Vestfold plötzlich für Aufregung unter Naturschützern sorgt. Als die Kommune dann jemanden sucht, der dieser Sichtung auf den Grund geht, lässt sich Eva nicht zweimal bitten. Ihre Motive sind jedoch nicht allein beruflicher Natur. Nach einem persönlichen Schicksalsschlag braucht sie Abstand von ihrem alten Leben – und wo ließe sich der besser finden als auf einsamen Wanderungen in der norwegischen Natur?

Es dauert jedoch nicht lange, bis die enthusiastische Forscherin feststellen muss, dass im vermeintlichen Paradies nicht nur die erhoffte Ruhe auf sie wartet. Durch die Begegnung mit ihrer neuen Nachbarin Olga, einer exzentrischen, alten Dame, die ihr komplettes Leben in der Gegend verbracht hat, wird Eva in deren Familiengeschichte verwickelt, die geprägt ist von unausgesprochenen Geheimnissen, während mit Hallvard ein Mann in ihr Leben tritt, zu dem sie sich auf unerklärliche Weise hingezogen fühlt. Und auch ihr Job erweist sich bald als schwieriger, als es zunächst den Anschein machte, denn nicht nur die Naturschützer haben ein Interesse an den Schätzen der lokalen Natur. Die Gegend beherbergt nämlich nicht nur seltene Tiere und Pflanzen, sondern auch ein großes Vorkommen an dem begehrten Gestein Larvikit. Während Eva also immer tiefer in die Angelegenheiten ihrer vorübergehenden Heimat gezogen wird, muss sie einige wichtige Entscheidungen treffen und dazu noch einen Weg finden, mit den noch frischen, eigenen Wunden ihrer Seele umzugehen.

Mich hat „Der Einsiedlersommer“ vom ersten Moment an durch seinen spannenden Aufbau und den guten Lesefluss überzeugt. Verschiedene Themen werden in dem Roman geschickt verflochten und ergeben erst langsam, Stück für Stück, ein komplettes Bild. Im Zentrum der Geschichte stehen dabei – anders, als der Titel vermuten lassen könnte – zwei Frauen, Eva und Olga. Auf den ersten Blick könnten die beiden kaum unterschiedlicher sein: die eine jung und wissbegierig, die andere alt und abgeklärt. Und trotzdem ist da etwas, was die beiden zueinander hinzieht und was ihnen ermöglichst, sich einander zu öffnen und eine Freundschaft aufzubauen. Nicht immer geht es dabei ganz harmonisch zu, denn beide sind auf ihre ganz eigene Art stur, doch genau deswegen gelingt es ihnen wohl auch, gemeinsam zu wachsen und Dinge anzugehen, die zuvor unmöglich schienen. So scheut sich Eva nicht, unbequeme Fragen zu stellen und bringt dabei Dinge ans Licht, die sonst vielleicht mit Olga gestorben wären und zwingt sie mit ihrer direkten Art immer wieder aus ihrer Komfortzone. Auf der anderen Seite hilft Olga aber auch Eva, ihren Weg wiederzufinden und weist sie auch hin und wieder in ihre Schranken, was diese manchmal auch wirklich bitter nötig hat.

Auch die Natur ist ein wiederkehrendes Thema im Roman, und obwohl ich mir gewünscht hätte, dass diesem Aspekt noch etwas mehr Raum eingeräumt worden wäre, fand ich den generellen Umgang mit dem Thema doch gelungen. Der Eremit, ein eher unscheinbarer Käfer, wird hier zum Streitthema, das eine ganze Gemeinde spaltet und fundamentale Fragen nach dem Stellenwert von Naturschutz stellt. Kann ein Käfer genug Sympathie wecken, um Menschen für den Wert der Natur um sie herum zu sensibilisieren? Wie findet man einen Kompromiss zwischen Naturschutz und wirtschaftlichen Interessen? Da wir der Geschichte aus Evas Perspektive folgen, ist es für die Leser quasi unmöglich, den Wert der Natur nicht zu erkennen. Es ist unverkennbar, wie sehr diese die Wälder liebt, und die lebhaften Naturbeschreibungen machen auch sehr gut greifbar, woher diese Liebe stammt. Andererseits macht der Roman es sich aber auch nicht so einfach und präsentiert uns in Form von Hallvard auch die andere Seite: die Probleme einer wirtschaftlich schwachen Region und die Schönheit des unter den Wäldern schlummernden Gesteins. Ganz wie im wahren Leben ist eben selten etwas einfach nur schwarz oder weiß.

Zu guter Letzt taucht Anne Sverdrup-Thygeson in „Der Einsiedlersommer“ aber auch noch tief in die norwegische Geschichte ein, wo noch ganz andere Wunden als die vom Tagebau in der Landschaft schlummern. Im Fall von Olga zeigt sich dabei deutlich, wie tief solche Wunden gehen können und wie sie ein ganzes Leben, vielleicht sogar das Schicksal einer ganzen Familie, prägen können.

Für mich war der Roman eine Lektüre, die ich von der ersten Seite an sehr gerne gelesen habe. Nicht immer war ich mit den Taten der Protagonistin Eva einverstanden – ganz im Gegenteil hat mich ihr eigensinniger und manchmal wirklich egoistischer Charakter regelmäßig fast in den Wahnsinn getrieben - stets habe ich jedoch mit ihr mitgefiebert, als sie sich in den Wäldern und Bergen auf die Suche nach dem Eremiten gemacht hat und sich voller Leidenschaft für die Natur um sie herum eingesetzt hat. Das Herzstück für mich war jedoch am Ende die spannende Lebensgeschichte Olgas, dem die Leser hier gemeinsam mit Eva und der alten Dame selbst auf den Grund gehen durften und die so stark geprägt war von der Zeit und dem Ort ihres Lebens.

Wer sich für Frauenschicksale, Familiengeheimnisse und lebhafte Naturschilderungen begeistern kann, findet in diesem Roman eine lohnenswerte Ergänzung für die eigene Leseliste.

Der Einsiedlersommer |  Anne Sverdrup-Thygeson | dtv | Originalpreis: 23,00€ | Link zum Buch

Buchvorstellung: Love Bullet Band 1 von inee


Worum es geht: 

Die fünfzehnjährige Koharu stirbt bei einem Unfall, ohne zuvor jemals verliebt gewesen zu sein. Dieser Umstand qualifiziert sie, eine Cupid zu werden: mit schwerer Bewaffnung macht sie sich gemeinsam mit ihren Kolleginnen daran, Menschen mit ihrer speziellen Liebes-Munition zu treffen und sie so möglichst erfolgreich zu verkuppeln. Doch aller Anfang ist schwer, und das gilt ganz besonders, wenn die erste Person ausgerechnet die ehemals beste Freundin ist, die Koharu nur Minuten vor ihrem Tod ein Liebesgeständnis gemacht hat...

Meine Meinung: 

"Love Bullet" startet rasant. Eh wir viel über Koharu und ihren Job als Cupid wissen, werden wir schon in die internen Kämpfe zwischen ihr und ihren geflügelten Kolleginnen geworfen. Abseits der Blicke der Lebenden geht es da ganz schön zur Sache, als die Frage, welches Paar das beste Match ergibt, mit Pistolen und Granaten ausdiskutiert wird - immer jedoch mit einem zwinkernden Auge, denn die Munition der Cupids trifft ihre Ziele zwar mitten ins Herz, jedoch nur im emotionalen Sinn. Werden zwei Menschen getroffen, wenn sie einander anschauen, fliegen zwischen ihnen im Idealfall die Funken! 

Für unsere Hauptfigur ist das alles jedoch noch ziemlich fremd. Während sie zu Lebzeiten erfolgreich und leidenschaftlich ihre Klassenkameraden verkuppelt hat, kommen ihr nun Zweifel: sie selbst war nie verliebt und hat noch nicht einmal die Gefühle bemerkt, die ihre beste Freundin für sie hegte - mit welchem Recht soll sie sich da nun in die Liebesdinge fremder Leute einmischen? Doch bietet ihr der Job auch eine lohnende Perspektive: sammelt sie durch ihre Kuppelversuche genug gutes Karma, darf sie ins Leben zurückkehren und so vielleicht doch noch all das erleben, was ihr durch ihren vorzeitigen Tod genommen wurde...

Obwohl "Love Bullet" auch als Yuri-Titel auf sich aufmerksam macht, steht zumindest im ersten Band ganz klar die Action im Vordergrund. Die Cupids und ihre Arbeitsmethoden sind sehr unterschiedlich, doch die Jagd nach erfolgreichen Matches macht sie zu Rivalinnen. Die Kämpfe zwischen ihnen sind dabei sehr lebhaft und haben einen humorvollen Charakter.

Trotzdem hat der Band auch seine ruhigen Momente, besonders, wenn es um Koharu geht. Sie hadert noch sehr mit ihrem Schicksal, und insbesondere ihr erster Job fällt ihr nicht leicht, denn für ihre einst beste Freundin Aki ist das Leben nach ihrem Tod ganze fünf Jahre weiter gegangen, wobei sie ihre Gefühle für die verstorbene Freundin nie ganz ablegen konnte. 

Alles in allem fand ich den ersten Band von "Love Cupid" einen interessanten Auftakt. Die Story verbindet gekonnt Spannung, Humor und auch ein paar ernstere Töne und schafft so ein Setting, welches Leser aus den verschiedensten Genres ansprechen dürfte. Ich bin darum nun sehr gespannt, ob die Reihe diese gute Balance auch in Zukunft wird halten können oder ob sich ein klarer Schwerpunkt zeigen wird. Fürs erste freue ich mich auf jeden Fall darauf, Koharus Weg weiter zu verfolgen.

Love Bullet Band 1 | inee | Altraverse | Originalpreis: 10,00€ | Genre: Action | Empfohlen ab 15 Jahren | Link zum Buch

Dienstag, 25. August 2026

Buchvorstellung: Schneeengel Band 1 von Haruka Chizu

Worum es geht:

Muku hat es nicht leicht im Leben: seit dem Tod ihres Vaters kümmert sie sich rund um die Uhr um die Pflege ihres Großvaters. Für eigene Wünsche und Träume bleibt da keine Zeit. Bewegung kommt erst in ihr Leben, als ihr lange verloren geglaubter Kindheitsfreund Yuto wieder auftaucht und ihr zeigt, dass es einen anderen Weg geben kann.

Meine Meinung:

Man ahnt es kaum bei dem fluffigen Design des Covers, doch hinter dem ersten Band von "Schneeengel" von Haruka Chizu steckt thematisch ganz schön harte Kost! 

Im Zentrum der Geschichte steht Muku. Als Kind war sie ein richtiger Wildfang, doch mit dem Tod ihres Vaters ändert sich ihr Leben abrupt, zwingt ihre Familie sie doch in die Rolle der Pflegerin für ihren bettlägerigen Großvater. Über Jahre stellt sie so ihre eigenen Bedürfnisse zurück, und als wir sie treffen, ist sie gerade mal einundzwanzig Jahre alt, aber schon einfach nur noch desillusioniert und ausgebrannt.

Dass nichts an dieser Situation normal ist, versteht sie erst langsam, als ihr ehemaliger Kindheitsfreund Yuto wieder in ihr Leben tritt. Er gibt ihren negativen Gefühlen, die sie nie so recht einordnen konnte, einen Namen und erklärt ihr, dass sie ein so genannter "Young Carer" ist - also eine junge Person, die sich im Haushalt um die Pflege eines Angehörigen kümmert. Als die Situation mit ihrer Familie sich zuspitzt, nehmen er und sein Bruder Muku sogar mit zu sich nach Hause, wo sie ein wenig Abstand gewinnen und ihre Lage besser verstehen kann.

Und Mukus Lage verdient wirklich eine nähere Betrachtung und wirft schlimme Fragen über ihre Rolle in der eigenen Familie auf. Neben einer extrem passiven Mutter und einer in allen Belangen unentschlossenen Schwester besteht ihre Familie seit dem Tod des Vaters vor allem aus der manipulativen Großmutter, und ganz ehrlich: wer solche Verwandten hat, braucht wirklich keine Feinde mehr! Die Großmutter setzt voll auf Schuldgefühle und führt besonders Muku immer wieder ihre Minderwertigkeit vor Augen. Besonders perfide finde ich dabei Vorwürfe, dass die junge Frau dumm sei, während ihre erzwungene Pfleger-Tätigkeit es ihr einfach unmöglich gemacht hatte, sich der Schule im ausreichenden Maße zu widmen, sodass ihre Bildung auf der Strecke blieb.

Doch wie das nun einmal so ist, fällt Muku die Vorstellung, mit ihrer Familie zu brechen, nicht leicht. Die Gefühle von Schuld und Pflicht sitzen tief, und Yuto, der gerade erst wieder in ihr Leben getreten ist, ist ihr im Grunde genauso fremd geworden wie sie ihm. Trotzdem ist es eindeutig, dass sein Auftauchen etwas in Muku bewegt, und ich bin schon sehr gespannt, ob es den beiden mit vereinten Kräften gelingen wird, den Weg in eine bessere Zukunft zu finden - denn auch Yuto wirkt nicht wirklich zufrieden mit seinem derzeitigen Leben, auch wenn die Details da noch im Verborgenen liegen.

Ich habe den ersten Band von "Schneeengel" als starken Auftakt empfunden. Von einer Liebesgeschichte ist der Manga aktuell noch weit entfernt, dafür überzeugt er mit einer ernsten Thematik, die mir so im Mangabereich auch noch nicht begegnet ist und die mich sehr neugierig gemacht hat. Ich bleibe gerne dran und freue mich darauf zu erfahren, wie der Manga das Thema bearbeitet und ob Muku und Yuto einander eine Stütze in ihrem Leben sein können - oder gar mehr.

Schneeengel Band 1 | Haruka Chizu | Loewe Manga | Originalpreis: 8,00€ | Genre: Romance | Empfohlen ab 12 Jahren | Link zum Buch