Mittwoch, 4. März 2026

Buchvorstellung: The Paradise is in our Hands von Sai Asai

Worum es geht:

Früher waren Ryohei und Taro ein Paar, doch die Beziehung funktionierte nicht und seitdem pflegen die beiden eine Freundschaft mit gewissen Vorzügen - so zumindest die offizielle Version der Geschichte aus Ryoheis Sicht. Taro hingegen scheint diese Grenzen regelmäßig zu hinterfragen, was Ryohei immer wieder aus dem Konzept bringt. Doch ist es überhaupt möglich, eine bereits einmal zerbrochene Beziehung zu kitten und wieder richtig zusammenzufinden?

Meine Meinung:

Mit "The Paradise is in our Hands" legt Sai Sarai einen Einzelband vor, der sich stark mit Fragen wie Vertrauen und Kommunikation in einer Beziehung auseinandersetzt. Die Protagonisten Ryohei und Taro könnten charakterlich kaum unterschiedlicher sein. Während Ryohei sich nach Stabilität sehnt und diese in einem geregelten Leben sucht, ist Taro ein echter Freigeist, der sein Leben glücklich und unabhängig leben möchte. Obwohl ihre Beziehung schnell zerbricht, gelingt es ihnen nie so recht, sich voneinander zu lösen. Ryohei macht sich Sorgen um Taro, der stets unbedacht in den Tag zu leben scheint und Taro scheint einfach gar keine Absicht zu haben, Ryohei aus seinem Leben zu streichen. An dieser Situation hätte sich vielleicht auch nie etwas geändert, wenn nicht durch neue Entwicklungen im Umfeld der beiden Bewegung in ihre (nicht-)Beziehung gekommen wäre. Dies geschieht zunächst in der Form von Akira, einem jungen Mann aus Taros Theatergruppe, welcher sich ebenfalls in diesen verguckt hat, später dann auch durch Taros bewusste Entscheidung, Japan zu verlassen - zwei Anlässe, die Ryohei zwingen, sich richtig mit seinen Gefühlen und seinen Wünschen auseinanderzusetzen.

Zur Auflösung dieses Konflikts will ich an dieser Stelle gar nicht viel sagen, denn ein Blick in die gemeinsame Vergangenheit offenbart genauso wie die späteren Gespräche zwischen den beiden Überraschendes. Nur so viel sei gesagt: Ein Leben nach der Devise 'Communication is key' hätte auch in diesem Fall viele Sorgen verhindern können. ;)

Zum Zeichenstil gibt es absolut nichts zu kritisieren, dieser ist durchweg ansprechend zu betrachten. Inhaltlich bin ich mit dem Band jedoch leider nur bedingt warm geworden. Zu lange blieben die wahren Gedanken und Gefühle der Protagonisten unklar, zu knapp und konstruiert wirkte dafür im Vergleich die Auflösung des Konflikts. Der Geschichte hätte ein wenig mehr Länge, um die Charakter in ihrer Tiefe herauszuarbeiten, in meinen Augen deutlich gut getan. So ist "The Paradise is in our Hands" zwar kein schlechter, aber leider auch kein in irgendeiner Form herausragender Manga.

The Paradise is in our Hands | Sai Asai | Hayabusa | Originalpreis: 8,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 18 Jahren | Link zum Buch

Mittwoch, 25. Februar 2026

Filmvorstellung: Scarlet von Mamoru Hosoda

 

 

Am 24. Februar hatten Animefans die Chance, "Scarlet", den neuen Anime von Mamoru Hosoda, in den deutschen Kinos zu sehen. Mein Kino bot dabei zwei Vorstellungen an, eine in deutscher Synchronisation sowie eine im japanischen Original mit Untertiteln, wobei ich mich für die deutsche Version entschieden habe.

Doch worum geht es eigentlich in "Scarlet"? Im Zentrum der Geschichte steht die gleichnamige Protagonistin, welche als Prinzessin am dänischen Hof des 16. Jahrhunderts lebt. Sie ist ein glückliches Mädchen, welches von ihrem gutmütigen Vater König Amlet sehr geliebt wird. Als dann jedoch eines Tages ihr Onkel Claudius eine Verschwörung gegen Scarlets Vater in die Wege leitet, an deren Ende dieser hingerichtet wird, ändert sich ihr Leben schlagartig. Fortan kreisen ihre Gedanken nur noch um Rache. Sie erlernt den Schwertkampf und vertraut niemandem mehr. Doch bevor sie ihre Rachepläne in die Tat umsetzen kann, wird sie selbst das Ziel eines Giftanschlags und findet sich in der lebensfeindlichen Anderswelt wieder. Dort trifft sie auf den Rettungssanitäter Hijiri aus dem heutigen Japan und gemeinsam machen sie sich auf die Reise, um einen Weg an einen besseren Ort zu finden und um Scarlet doch noch ihre Rache zu ermöglichen.

Manchem Leser wird es schon aufgefallen sein: "Scarlet" greift inhaltlich Shakespeares Hamlet auf und schafft damit einer ganz eigene, moderne Interpretation. Im Zentrum steht das Rachemotiv, und wie beim klassischen Vorbild merkt man auch in dieser Variation des Stoffes bald, dass ein endloser Kreislauf von Rache niemals zu etwas gutem führen kann. Auch der ziemlich pazifistische Hijiri ist sich dessen bewusst, hat aber seine liebe Not, es Scarlet und ihren Zeitgenossen zu vermitteln, sodass die Zuschauer im Endeffekt der jungen Frau dabei folgen, wie sie ihre eigenen Antworten findet - und zwar auf die harte Tour.

Visuell ist Scarlets Reise dabei wirklich imposant umgesetzt. Obwohl ich persönlich eigentlich kein großer Fan offensichtlicher CGI-Animationen bin, komme ich nicht umhin, dass diese hier schon beeindruckend aussahen, und die Liebe zum Detail in vielen Szenen haben dazu geführt, dass ich mich an einigen Hintergründen gar nicht sattsehen konnte. Auch der Sound weiß zu überzeugen und die deutsche Synchronisation habe ich als hervorragend empfunden. 

Bedauerlicherweise konnte jedoch der Inhalt für mich nicht mit den anderen Aspekten mithalten. Scarlet bleibt fast den gesamten Film hindurch unverbesserlich naiv, was so gar nicht zu ihrem Misstrauen und ihrer Wut zu passen scheint, und ihre Gefühlsausbrüche sind an einigen stellen so over-the-top, dass es fast schon unfreiwillig komisch wirkt. Mit Hijiri sieht es leider nicht viel besser aus, wobei ich ihm noch anrechnen kann, dass seine Rolle die eines unverbesserlichen Idealisten ist und die Zuschauer sogar erfahren, dass er genau aus diesem Grund schon unter der mitunter schweren Last seines Jobs gelitten hat. Dass es am Ende dann zwischen den beiden geknistert haben soll, wirkt leider zusätzlich überflüssig und zeigt meines Erachtens nach eines der Hauptprobleme des Films auf: er will einfach zu viel. Er will zeigen, dass Rache keine Lösung ist, vermittelt am Ende aber eher, dass es schon okay ist, wenn dann eine Art göttliche Macht das Rache-Urteil vollstreckt. Er will eine starke Protagonistin präsentieren, die dann aber in den entscheidenden Momenten alles andere als stark ist sondern naiv und trotzig. Und dann will er auch noch eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen mit grundverschiedener Haltung zeigen, die in dieser Form weniger tragisch als von vorheherein zum Scheitern verurteilt wirkt. Was bleibt ist die Frage, was genau einem dieser Film nun eigentlich vermitteln wollte. Eine Frage, auf die ich ehrlich gesagt keine zufriedenstellende Antwort gefunden habe.

Für mich macht das "Scarlet" am Ende leider zu einem nur bedingt empfehlenswerten Film. Handwerklich gibt es nichts auszusetzen, und auch die deutsche Version finde ich wirklich großartig gelungen, aber inhaltlich ist es dem Film leider nicht gelungen, mich zu überzeugen.

Montag, 23. Februar 2026

Im Schlaf ans Ziel: ein Tagesausflug nach Wien mit dem Nachtzug

Wer mich kennt weiß: so pauschal bin ich verrückten Ideen nicht abgeneigt. Sogar ganz und gar nicht. So entstand dann wohl auch die Idee, an einem Freitag nach der Arbeit mit einer Freundin in Münster in den Nightjet zu steigen und am kommenden Tag in Wien wieder auszusteigen, um sich die österreichische Hauptstadt einmal anzuschauen. Und das genau für einen Tag, denn Abends sollte es mit dem gleichen Zug wieder zurückgehen.

Die Voraussetzungen für unsere Reise waren dabei ein wenig heikel. Am Tag zuvor hatte es in Österreich unerwartet starke Schneefälle gegeben, die Teile des Verkehrnetzes lahmgelegt hatten. Ein wenig Nervosität war also schon da - doch zu unserer großen Freude klappte alles super und wir kamen mit kaum Verspätung am Morgen im Wiener Hauptbahnhof an. 


Die Fahrt selbst war dabei auf jeden Fall ein Erlebnis. Wir hatten uns unter den verschiedenen Möglichkeiten für die Mini Cabin entschieden, die ideal für eine Reise zu zweit ist, da man zwei Kabinen nebeneinander buchen kann, welche sich dank einer Schiebetür auf Kopfhöhe verbinden lassen. So konnte man sich wunderbar unterhalten, nachts dann aber auch seine Ruhe haben. Ansonsten hat mich das ganze ein wenig an ein Capsule Hotel erinnert: man krabbelt von hinten in seine Kabine hinein, kann dort dann sitzen und liegen und die Tür hinter sich zuziehen, als würde man sich in einem Schrank verstecken, was eigentlich ganz lustig war. Beim Platz muss man natürlich ein paar Abstriche machen. Die Liegefläche ist lang genug, um sich auszustrecken, aber nicht besonders breit. Wer (wie ich) gerne etwas seitlich ausgestreckt oder mit angewinkelten Beinen schläft, kommt hier schnell an Grenzen. Für eine Nacht war das aber durchaus machbar. Und schonmal zur Entwarnung: weder meine Freundin noch ich sind besonders schmal. Es passt trotzdem, keine Angst. ;) An die Gepäckaufbewahrung ist ebenfalls gedacht: Kleinere Taschen und Schuhe lassen sich bequem in Schließfächern verstauen, die zu den Kabinen gehören, und unter der Matraze ist ebenfalls noch Platz, etwas zu lagern. Eine Steckdose und einen kleinen Tisch gibt es natürlich ebenfalls, und auch an ein kleines Frühstück mit Marmeladenbrötchen und Kaffee oder Tee ist gedacht. Einziges Manko auf unserer Hinfahrt: die sanitären Anlagen in unserem Abteil waren kaputt. Zwar war es nicht so furchtbar weit bis zum nächsten Wagen, aber morgens hat man am Andrang natürlich sehr stark gemerkt, dass da Kapazitäten gefehlt haben. Auf dem Rückweg war dann aber zum Glück wieder alles gut.

Frisch aus dem Schlafzug stand uns dann immerhin ein Tag im noch immer schneebedeckten Wien zur Verfügung. Aufgrund der knappen Zeit entschieden wir uns dafür, das Geld für ein Hop on Hop Off Busticket zu kaufen und uns einen Überblick aus dem Bus zu verschaffen. Rückblickend würde ich das bei meinem nächsten Besuch anders machen. Die Taktung dieser Busse ist zumindest im Winter nicht besonders gut, und die Infos aus dem Audioguide fanden wir jetzt auch nicht immer besonders spannend. Als wir irgendwann am Prater standen und dort fast eine Stunde auf den nächsten Bus hätten warten müssen, sind wir darum auf den Wiener Nahverkehr umgestiegen. Das war nicht nur deutlich günstiger, es hat uns auch ermöglicht, viele Ziele ganz frei und zeitnah zu besichtigen.

Natürlich reicht ein Tag bei weitem nicht aus, um eine so große Stadt wie Wien mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten und historischen Gebäuden ganz zu entdecken, aber wir haben unser Bestes gegeben. Belvedere, die Gegend um die Hofburg, der Prater und der Stephansdom waren nur einige unserer Ziele. Zum Abschluss meines kleinen Reiseberichtes habe ich hier einfach mal ein paar Impressionen zusammengestellt:


 



 


Würde ich eine solche Reise rückblickend noch einmal machen? Auf jeden Fall, wobei ich in dem Fall wohl doch mindestens eine Übernachtung in der Stadt einplanen würde, um nicht ständig das Gefühl zu haben, unter Zeitdruck zu stehen. Überhaupt hat mir Wien so gut gefallen, dass ich mir dort auch noch einmal einen längeren Aufenthalt vorstellen könnte. Die Stadt hat wirklich viel zu bieten, und ich würde mich freuen, noch das eine oder andere davon etwas ausführlicher erkunden zu dürfen!

Donnerstag, 19. Februar 2026

Buchvorstellung: Mein Leben als Moppelkatze - Wie ich auf Samtpfoten das Herz des Herzogs stahl Band 1 von otori, Ema Okadachi & Kou Kusaka

Worum es geht:

Trotz ihrer Position als Tochter des Vizegrafen hat es Lady Marie nicht leicht, denn im Gegensatz zu ihrer bildhübschen Halbschwester Emilia ist sie eine eher introvertierte Büchernärrin und steht darum in ihrem Umfeld immer nur an zweiter Stelle. Gutmütig wie sie ist, hätte sie sich damit sicher auch abgefunden, doch leider gönnt ihr ihre Schwester nicht den kleinsten Funken Glück und spannt ihr erst den Verlobten aus und verwandelt sie dann zu allem Überfluss auch noch in eine Katze. In diesem ungewohnten Körper auf sich selbst gestellt, wird Marie schließlich ausgerechnet vom gefürchteten Herzog Reinhardt, seines Zeichens ihr neuer möglicher Ehekadidat, entdeckt und aufgenommen - der zumindet in ihrer Katzenform er ein überraschend großes Herz für sie zeigt.

Meine Meinung:

Als Katzenliebhaber konnte ich an einem Manga mit dem Titel "Mein Leben als Moppelkatze" wirklich unmöglich vorbeigehen - eine Entscheidung, die ich nicht bereut habe!

Marie entpuppt sich sehr schnell als sympathische Protagonistin, mit der man sich gut identifizieren kann. Sie ist gutmütig, aber alles andere als dumm und sich außerdem sehr darüber im Klaren, dass sie die optischen und charakterlichen Standards, die an eine Frau in ihrer Position gestellt werden, nicht erfüllt. Dennoch wünscht sie sich natürlich ein glückliches Leben und gibt stets ihr Bestes, hat den hinterhältigen Attacken ihrer Schwester jedoch nichts entgegenzusetzen.

Und auch als Katze scheint ihr Pech zunächst kein Ende zu nehmen, denn natürlich verwandelt Emilia sie nicht in ein niedliches Schmusekätzchen, welches von allen gemocht wird. Ganz im Gegenteil: als "Chiffon" ist sie moppelig und struppelig und tollpatschig, was die meisten Menschen, die sie trifft veranlasst, ihr mit Ablehnung oder Spott zu begegnen. 

Nur einer scheint das ganz anders zu sehen. Herzog Reinhardt, der Marie ein Heiratsangebot gemacht hatte, nachdem sie von ihrem ursprünglichen Verlobten verlassen worden war, betrachtet Chiffon als durch und durch entzückendes Geschöpf und bietet ihr, die er als nassen und dreckigen Streuner aufgelesen hat, ein Luxusleben in seinem großzügigen Anwesen. 

Zunächst ist Marie unsicher, wie sie mit der Situation umgehen soll, denn Reinhardt hat einen wahrlich schlechten Ruf als kaltblütiger und schlechter Mann, der sie die Ehe mit ihm hatte fürchten lassen, doch in ihrer Rolle als Katze lernt sie ihn bald von einer ganz anderen Seite kennen. Und natürlich kommt da bald auch die unausweichliche Frage auf: wäre es wirklich so schlimm gewesen, diesen Mann zu heiraten? Doch was für Spielräume hat sie als Katze überhaupt noch, um ihn besser kennenzulernen?

So folgen wir also Maries Katzenleben an der Seite von Herzog Reinhardt, und die Kombination aus felinem Körper und menschlichen Gedanken führt wirklich zu den komischsten Situationen. Da gibt es Erkundungsexpeditionen, die an Stummelbeinen scheitern und genossene Streicheleinheiten und kulinarische Vorlieben, die bei Maries menschlicher Seite zu einem schlechten Gewissen führen.

Optisch ist das Ganze ebenfalls sehr ansprechend. Da die Story in adeligen Kreisen einer Fantasiewelt spielt, sind Setting und Outfits ziemlich opulent gewählt, was bei den klaren Zeichnungen wirklich schön anzusehen ist. Und ich persönlich halte es ja auch voll mit Herzog Reihardt, dass Chiffon mit ihrem einzigartigen Knautschgesicht eher süß als alles andere ist, aber Schönheit liegt ja bekanntermaßen stets im Auge des Betrachters.

Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr darauf, Maries Leben als Moppelkatze weiter zu verfolgen und bin gespannt, ob sie und Reihardt das Glück finden werden, welches sie beide suchen und verdienen. Und wenn auch ihr auf der Suche nach einer charmanten Story in phantastischem Setting seid, kann ich euch nur wärmstens empfehlen, dem ersten Band von "Mein Leben als Moppelkatze" eine Chance zu geben!

Mein Leben als Moppelkatze - Wie ich auf Samtpfoten das Herz des Herzogs stahl Band 1 | otori (Artwork), Ema Okadachi (Story) & Kou Kusaka (Character Design) | Altraverse | Originalpreis: 5,00€ (ab 01.08.2026 7,00€) | Genre: Fantasy | Empfohlen ab 13 Jahren | Link zum Buch

Montag, 16. Februar 2026

Buchvorstellung: Can You Kiss Me First? von Yamayade


Worum es geht:

Ueno und Kanda arbeiten in der gleichen Firma. Bei Außenstehenden erwecken sie den Eindruck, einander nicht besonders nahe zu stehen, obwohl sie privat eigentlich gut befreundet sind. Kanda schläft sogar regelmäßig bei Ueno, da ihn in dessen Nähe seine üblichen Schlafstörungen weniger plagen. Doch obwohl Ueno Kanda sehr mag, hat er gemischte Gefühle, denn er steht auf Männer und hat in der Vergangenheit bereits einmal eine wichtige Person in seinem Leben infolge seiner Gefühle verloren. Um nicht wieder in eine solche Situation zu geraten, bemüht er sich um Abstand und verweist Kanda sehr deutlich in die Friendzone - bis dieser sich irgendwann nicht mehr mit diesem Arrangement zufrieden geben möchte.

Meine Meinung:

Mit "Can You Kiss Me First?" von Yamayade liefert uns Tokyopop einen einfühlsamen BL Einzelband, dessen Lektüre ich sehr genossen habe. Ueno und Kanda sind beide sehr sympathische Protagonisten, die sich gerade aufgrund ihrer charakterlichen Unterschiede gut ergänzen. Während Ueno eher distanziert ist und sich unwohl dabei fühlt, Dinge aus seinem Privatleben zu teilen, gelingt es Kanda mit seiner offenen Art nach und nach, sich einen Platz in seinem Leben zu erobern, ohne dabei übermäßig aufdringlich zu wirken. Sein Interesse an Ueno ist aufrichtig, und das spürt dieser auch. 

Doch auch Kanda ist nicht immer der Sonnenschein und Star seiner Abteilung, als den ihn viele sehen. Aufgrund seiner schwierigen familiären Situation, für die er sich sehr schämt, leidet er unter massiven Schlafstörungen, die nur in Uenos Nähe besser zu werden scheinen. Dennoch dauert es einige Zeit, bis er sich darüber klar wird, warum Ueno für ihn so besonders ist - und als es dann so weit ist, sind beide Männer mit der Situation ziemlich überfordert.

Und hier gelingt dem Manga, was bei Einzelbänden gar nicht so einfach ist: er gibt den beiden die nötige Zeit, ihre Gefühle zu verstehen und den Konflikt zu überwinden ohne dabei überstürzt so wirken. Die Leser lernen sowohl Uenos als auch Kandas Sicht der Dinge kennen und bekommen einen Einblick in die Erlebnisse und Gefühle, die ihre Charaktere geformt haben, wobei übertriebene Dramen und unpassende Intimitäten erfreulicherweise ausbleiben.

Den Zeichenstil habe ich dabei durchgehend als ansprechend empfunden. Während Ueno meist ein ziemliches Pokerface hat, kann man Kanda jedes Gefühl vom Gesicht ablesen, was zu ziemlich niedlichen Szenen führt. Passend zum Titel des Bandes waren außerdem die Kussszenen eine wahre Freude, ganz zu schweigen von Uenos Umarmungen. So sagt Kanda, dass er in dem Moment, in dem Ueno ihn zum ersten Mal fest in die Arme schloss das Gefühl hatte, dass dieser ihn mit seinem ganzen Körper begehrte - und das sieht man dieser Szene und ebenso einer späteren auch so sehr an, dass ich mich wirklich lange in diesen einzelnen Panels verlieren konnte, weil sie so unfassbar schön waren.

Ich denke, ihr merkt es schon: "Can You Kiss Me First?" hat mir hervorragend gefallen, und ich kann den Manga allen empfehlen, die ein Herz für eher ruhige BL Titel haben, bei denen die emotionale Entwicklung im Vordergrund stehen. Für mich jedenfalls war der Titel ein totaler Volltreffer. 

Can You Kiss Me First? | Yamayade | Tokyopop | Originalpreis: 10,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 16 Jahren | Link zum Buch 

Samstag, 14. Februar 2026

Buchvorstellung: Irgendwo auf dieser Welt, jenseits aller Karten Band 1 von Nikke Taino

Worum es geht:

Eigentlich ist Shin nur auf der Suche nach einem Abenteuer und Wissen über einen scheinbar weißen Fleck auf der Landkarte, als er das Reich Oraie betritt. Vor Ort wird er dann jedoch mit einer gefährlichen Realität konfrontiert: in dem abgeschotteten Land, dem noch ein ferner Nachhall ehemaligen Glanzes anhaftet, wütet eine gefährliche Lungenseuche, und wer es einmal betreten hat, darf es nie wieder verlassen. Der junge Regent Mustia sieht Shins Potenzial, welches in seiner Neugier und seinem fremden Wissen liegt, und nimmt ihn in seine Familie auf. Dort lernt er auch None kennen, dessen Liebe zu Mustia keine Grenzen zu kennen scheint und der bereitwillig sein Leben für diesen geben würde - eine Entscheidung, die er nicht akzeptieren möchte.

Meine Meinung: 

"Irgendwo auf dieser Welt, jenseits aller Karten" entführt seine Leser in eine orientalisch anmutende Fantasiewelt, welche mich ebenso wie den Protagonisten Shin schnell in ihren Bann zu schlagen vermochte. 

Obwohl Shin von Mustias "Familie" herzlich empfangen wird, braucht es nicht lange um zu verstehen, dass in Oraie vieles nicht in Ordnung ist. Vom einstigen Wohlstand des Reiches ist aufgrund der Lungenseuche nicht mehr viel übrig, und die rückschrittliche Wissenschaft und Medizin des Landes haben dieser Herausforderung nichts entgegenzusetzen. Auch der zwar noch sehr junge, aber dennoch clevere Mustia scheint sich bei Shins Ankunft diesem Schicksal beinah ergeben zu haben, wagt es dann jedoch letzten Endes doch, seine Hoffnung in den Fremden zu setzen.

Verübeln kann man ihm das nicht, ist Shin doch ein wahrlich interessanter Charakter. Er ist nicht nur mutig und intelligent sondern bringt mit seiner offenen und manchmal etwas unorthodoxen Denkweise frischen Wind in das fast im Stillstand befindliche Reich. Dies betrifft auch die Gedanken der dort lebenden Menschen, allen voran wohl Mustias Diener None. Dieser ist seinem Herren mehr als nur ein wenig zugetan, kann sein daraus resultierendes Verlangen jedoch lange Zeit nicht stillen, ist Mustia doch ein Kind und noch dazu körperlich geschwächt. So ist es schließlich Shin, der einschreitet, und None seine Körperlichkeit vor Augen führt.

Intime Szenen stehen in dem ab 16 Jahren empfohlenen Band zwar nicht im Vordergrund, aber sie existieren und haben mir persönlich gerade dadurch, dass vieles nur angedeutet wurde, sehr gut gefallen. Bei dem sauberen, ästhetischen Zeichenstil, der nicht nur die Schönheit der Körper sondern auch die der fremdländischen Kleidung und des Schmucks würdigt, hat es einfach besonders großen Spaß gemacht zu betrachten, wie Shin sich None voll und ganz widmet und ihn die empfindlichen Zonen seines Körpers spüren lässt.

Das einzige, womit ich bei dem Band dann nicht so richtig glücklich geworden bin, ist das Erzähltempo zum Ende der Story gewesen. Hier ging plötzlich alles sehr schnell, und obwohl es an sich schlüssig war, hätte ein wenig mehr Raum der Geschichte hier sicher gut getan.

Dennoch bin ich sehr gespannt, wie es mit der Geschichte um Shin in Zukunft noch weitergehen wird. Der Handlungsbogen in Oraie scheint abgeschlossen zu sein, doch man hat das Gefühl, dass dieser unkonventionelle Held noch die eine oder andere Überraschung in petto hat. Und sicherlich wartet auf ihn noch das eine oder andere romantische Abenteuer - irgendwo auf dieser Welt, jenseits aller Karten.

Irgendwo auf dieser Welt, jenseits aller Karten Band 1 | Nikke Taino | B-Love Manga | Originalpreis 12,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 16 Jahren | Link zum Buch 

Buchvorstellung: Strawberry Love von Irono

Worum es geht:

Sara ist Studentin und möchte später Lehrerin werden. Als ihr Großvater sich ein Bein bricht, zögert sich trotzdem kein bisschen, an den Ort ihrer Kindheit aufs Land zurückzukehren, um auf der Erdbeerfarm ihrer Familie auszuhelfen. Dort lernt sie den 13 Jahre älteren Minori kennen, der ihr die Grundlagen des Erdbeeranbaus beibringen soll. Die anfängliche Schüchternheit dem stattlichen, scheinbar etwas mürrischen Mann gegenüber weicht bald, als die beiden einander besser kennenlernen, und schließlich verlieben sie sich. Doch kann eine Beziehung bei so einem großen Altersunterschied Bestand haben?

Meine Meinung:

Die vierbändige Serie "Strawberry Love" von Irono war für mich eines der Romance-Highlights des vergangenen Jahres. Dabei war ich zunächst ähnlich skeptisch wie das Paar des Mangas selbst: kann das funktionieren zwischen dem verträumten Mädchen, welches gefühlt gerade erst die Schule hinter sich gebracht hat und dem wortkargen Typen, dessen ganzes Leben sich um seine Erdbeeren zu drehen scheint? Es kann, und zwar ganz wunderbar und voller süßer Momente!

Zu verdanken ist das den in meinen Augen wirklich gut geschriebenen Charakteren. Sara ist zwar jung und unerfahren, doch auch willensstark und sich ihrer Schwächen durchaus bewusst. Sie denkt viel nach und hat berechtigte Zweifel, verliert jedoch ihre Träume und Wünsche nicht aus den Augen und zeigt eine ebenso beeindruckende wie auch realistische Charakterentwicklung. Minori hingegen steht in seinem Alter natürlich schon viel fester im Leben, doch auch er entwickelt sich an Saras Seite weiter und wird auch das eine oder andere Mal aus seiner Komfortzone geworfen, was durchaus amüsant zu lesen ist. Und das Beste: die beiden existieren in diesem Manga nicht im luftleeren Raum. Sie haben Freunde und Familie, die alle ihre eigenen Gedanken und Gefühle haben und die Welt von "Strawberry Love" erfrischend lebendig für eine doch relativ kurze Serie machen.

Für mich hat die Serie in jedem Fall alles, was eine gute Liebesgeschichte ausmacht. Ein interessantes Setting - auch wir Leser lernen mit Sara einiges über den Erdbeeranbau in Japan - sympathische Charaktere, humorvolle und süße Momente und eine glaubwürdige Charakterentwicklung. Unnötiges Drama gibt es kaum, dafür den einen oder anderen ziemlich realistischen Stein, den einen das Leben nunmal so gerne in den Weg legt und den es dann eben zu beseitigen gilt. Ich denke, bei einem Blick auf das Cover des letzten Bandes wird auch ohne größere Spoiler relativ deutlich, dass die beiden hier nicht der Typ Mensch sind, welcher sich von so etwas unterkriegen lassen würde.

Strawberry Love (abgeschlossen in 4 Bänden) | Irono | Egmont Manga | Originalpreis: 8,00€ pro Band | Genre: Romance | Empfohlen ab 14 Jahren | Link zum ersten Band