Dienstag, 21. Juli 2026

Trinkt aus, wir müssen gehen - Die Toten Hosen live in Köln

Vor 26 Jahren hatte ich das große Glück, Die Toten Hosen live sehen zu dürfen. Damals war ich noch ein Kind, und meine Eltern nahmen mich mit zu Rock am Ring. Dafür – heute kann ich es ja sagen – nahmen sie mich sogar einen Tag heimlich aus der Schule. Eine richtig große Sache also, und eine, die mich musikalisch sehr geprägt hat. Seitdem hatte ich die Hosen immer wiedersehen wollen, doch irgendwie hat es damit nie geklappt. Vor ein paar Jahren ist es mir dann endlich gelungen, Tickets für ein Konzert in der Düsseldorfer Tonhalle zu ergattern – dann kam jedoch Corona und die Tour wurde ersatzlos gestrichen. Nur einer von vielen Gründen, warum man mich niemals auch nur das kleinste bisschen Gutes über diese Zeit wird sagen hören. So viele verlorene Erlebnisse, so viele Enttäuschungen.

Manchmal wird am Ende das, was lange währt, aber doch noch gut. In meinem Fall bedeutet das, dass ich im letzten Vorverkauf Tickets für das Tote Hosen Konzert am vergangenen Samstag in Köln ergattern konnte. Falsche Stadt, könnte man jetzt anmerken, aber in manchen Fällen muss man eben Kompromisse eingehen. Und so kam es dann, dass ich mich an diesem Tag 26 Jahre nach der ersten Konzerterfahrung erneut zu einem Konzert der Hosen begeben durfte. Auch dieses Mal war wieder meine Mutter dabei – mein Vater, der vor einigen Jahren verstorben ist, hatte diese Chance leider nicht mehr.

Unsere Plätze fanden sich ziemlich weit hinten und ziemlich weit oben, was uns positiv betrachtet einen hervorragenden Ausblick über das komplette, ausverkaufte Rheinenergie Stadion bot. Von dort waren wir schon mit dabei, als das Konzert der ersten Vorband, 24/7 Diva Heaven begann. Die Schweizer All-Girl Band präsentierte dem Publikum musikalisch ein recht großes Repertoire. Einige der Stücke kamen klassisch punkig daher, doch die Einflüsse aus anderen Genres wie Grunge und sogar Rock’n’Roll waren ebenfalls zu hören.

Weiter ging es im Anschluss mit einem totalen Kontrastprogramm, den Punk-Urgesteinen von The Undertones. Die Herrschaften lieferten für mich eine wirkliche sehens- und hörenswerte Show ab, wobei ich mich persönlich besonders über „Teenage Kicks“ freute. Ich gebe zu, dass dies wirklich eine Band war, bei denen ich nicht damit gerechnet hätte, sie eines Tages einmal live zu sehen. Umso schöner, dass es nun doch so gekommen ist.

Als letzter Support standen schließlich noch alte Bekannte an. Von den Bühnenqualitäten der Beatsteaks hatte ich mich bereits vor einigen Jahren im Rahmen des Vainstream-Festivals eindrücklich überzeugen können, und auch der Auftritt am Samstag stand dem wieder in nichts nach. Nicht nur reihte sich Hit an Hit der Berliner aneinander, sie überzeugten auch mit unheimlich großer Bühnenpräsenz und brachten das Publikum so im Handumdrehen dazu, lautstark mitzusingen und auch sonst jeden Scheiß mitzumachen. Von der Setlist her blieben in meinen Augen auch absolut keine Wünsche übrig. Mein persönliches Highlight war aber natürlich mein Lieblingssong „Frieda und die Bomben“.

Im Anschluss wurde es dann trotz fast vierzig Minuten Umbaupause tatsächlich etwas stressig, gibt es doch in solchen Locations IMMER viel zu wenige Damentoiletten. Als dieser leider essenzielle Punkt endlich abgehakt werden konnte, blieb kaum noch Zeit für neue Getränke, und wie auch beim Einkaufen hatte man natürlich intuitiv die Schlange gewählt, bei der es auch noch am allerlangsamsten ging. So wurde sich dann schon zu den ersten Tönen des Intros durch die engen Reihen zurück zum eigenen Platz gekämpft. Meine Entschuldigung an alle, durch deren Handyvideos wir dabei laufen mussten, aber es ging nun einmal leider nicht anders: wir haben es genauso gehasst wie ihr.

Der Stress war dann jedoch schnell vergessen, denn die Toten Hosen lieferten vom ersten Moment an eine großartige Show ab. Zu meiner Überraschung gab es dabei relativ wenige Songs vom neuen Album, dafür aber einen richtig schönen Querschnitt durch die umfassende musikalische Geschichte der Band. Bei Klassikern wie „Hier kommt Alex“ oder „Bonnie & Clyde“ wurde dabei natürlich stets aus tausenden Kehlen lautstark mitgesungen, doch auch die ruhigeren Momente wie bei „Draußen vor der Tür“ wurden vom Publikum mit einem Meer aus Taschenlampen angemessen gewürdigt.

Einige Überraschungen hielt das Konzert ebenfalls bereit. So hatte man sich mit Wolfgang Niedecken einen wirklich illustren Gast eingeladen und so eindrücklich bewiesen, dass die Kluft zwischen Köln und Düsseldorf durchaus überwindbar ist. Außerdem hatte man ein Cover im Gepäck, welches großen Anklang beim Publikum fand, hat es doch in all den Jahren seit seinem Erscheinen nichts an Bedeutung eingebüßt – und so gab es dann wohl auch kaum jemanden, der bei „Schrei nach Liebe“ nicht aus tiefstem Herzen mitgesungen hätte. Ein persönliches Highlight für mich war außerdem mein Lieblingslied „Pushed Again“, welches mich einfach immer wieder berührt und gerade live eine unfassbare Wucht entfalten kann.

Auch die Bühne und die Show konnten sich an diesem Abend wirklich sehen lassen. Auf der ohnehin schon bunten, riesigen Bühne wurden während des Konzerts auf mehreren großen Bildschirmen im Hintergrund und an den Rändern wechselnde Bilder und Videos gezeigt. Mal sah man die Bandmitglieder, mal waren es zu den Songs passende Szenen. So oder so war immer viel los, was insbesondere für uns Zuschauer weiter hinten toll war, wo man die Bandmitglieder ja nun doch eher nur noch als kleine über die Bühne huschende Punkte wahrnehmen konnte. Doch selbst so war deutlich, wie viel Bewegung da während des gesamten Auftritts herrschte. Campino war noch nie jemand, der lange an einer Stelle stehen bleibt, und an diesem Bewegungsdrang hat sich anscheinend auch heute nichts geändert.

Nach zweieinhalb Stunden inklusive mehreren Zugaben fand der Auftritt dann aber leider doch so langsam sein Ende. Doch nur weil die Band mit dem Singen aufhören musste, galt das noch lange nicht für das Publikum. Ich jedenfalls landete in einem Bus nach Messe/Deutz, in dem die Party einfach fortgesetzt wurde. Songs wie „Zehn kleine Jägermeister“ und „Bayern“ hatten es an diesem Abend nicht in das Set der Band geschafft, also sang man sie auf dem Weg zum Bahnhof einfach gemeinsam. Auch für den Busfahrer war dies sicher mal eine etwas ungewöhnliche Tour, und mir wird sie sicher noch lange als ganz besonderer Abschluss eines richtig tollen Konzertabends in Erinnerung bleiben.

Da bleibt mir nur noch zu sagen: vielen Dank an die toten Hosen für dieses wundervolle Konzert, und für all die wunderbaren Jahren! 

Montag, 20. Juli 2026

Buchvorstellung: Our Sunny Days Band 2 von Jeong Seokchan

Worum es geht:

Ho lebt sich mit seiner Tochter weiterhin im Dorf ein und erhält dabei Haebeoms Unterstützung. Jedoch geht beiden der Kuss zwischen ihnen nicht aus dem Kopf. Während Haebeom sich zunächst noch unsicher ist, wie er diesen wohl einordnen soll, muss Ho sich eingestehen, dass er ein wenig Romantik in seinem Leben schon etwas vermisst hat. Spätestens, als die beiden zusammen die Sterne betrachten, wird ihnen jedoch beiden klar, dass hier wohl von Anfang an kein einmaliges Versehen vorlag.

Meine Meinung:

Wie süß kann die Beziehung zwischen zwei gestandenen Männern eigentlich dargestellt werden, ohne dabei in irgendeiner Form kitschig und unglaubwürdig zu werden? "Our Sunny Days" setzt die Messlatte zur Beantwortung dieser Frage ganz schön hoch!

Auch im zweiten Band ist es wieder eine Freude, Ho und Haebeom dabei zuzuschauen, wie sie einander näher kommen. Liebevoll und voller Witz erzählt der Webtoon davon, wie Ho sich mit Haebeoms Hilfe weiter in die Dorfgemeinschaft mit ihren Eigenheiten einfindet und wie Haebeom ihm und der kleinen Rotznase zunehmend ein Pfeiler in ihrem neuen Leben wird. 

Diesmal bekommt Ho jedoch auch einen tieferen Einblick in die Verantwortung, die auf den Schultern seines neuen Freundes lastet. Wie an so vielen Orten auf der Welt ist auch die Bevölkerung in seinem neuen Heimatdorf alt, und Haebeom nutzt sowohl seinen Einfluss als auch seine Körperkraft, um zu helfen, wo er kann. Da er mit dieser Aufgabe so lange alleine war, kommt er gar nicht auf die Idee, sich eine Pause zu gönnen oder Hilfe anzunehmen. So ist es dann sehr schön zu sehen, dass Ho ihm zeigt, dass er auf seine Unterstützung bauen kann und er auch bereit ist, dies anzunehmen.

Da ist es dann wohl auch kein Wunder mehr, dass sie sich näher kommen - und was hatte ich für eine riesige Freude daran, dies zu lesen! Obwohl beide sich eigentlich sicher sind, was sie wollen, sind sie sich gleichzeitig so unsicher, ob es dem jeweils anderen auch so geht, was zu einigen witzigen, aber auch zuckersüßen Interaktionen führt. Und als *es* dann zwischen ihnen passiert? Nun, da tritt der Webtoon eindrücklich den Beweis an, wie man eine solche Szene gleichzeitig respektvoll, verspielt und ästhetisch ansprechend umsetzen kann. Ganz ehrlich: bei diesem Thema bin ich pingelig und lese gerne nur quer, wenn es mich nicht anspricht, hier aber war ich vom Anfang bis zum Ende voll dabei.

Auch die Fortsetzung war für mich wieder ein absolutes Highlight. Das Setting, die Story und die Charaktere - hier stimmt einfach alles. Klare Empfehlung für alle, die gerne eine wirklich schöne Liebesgeschichte über zwei erwachsene Charaktere lesen möchten, die beide mitten im Leben stehen, Verantwortung tragen und deren Kosmos folglich nicht nur umeinander kreist.

Our Sunny Days Band 2 | Jeong Seokchan | Papertoons | Originalpreis: 18,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 16 Jahren | Link zum Buch 

Die Gacha-Woche 13.-19. Juli

Diese Woche bin ich tatsächlich nur sehr wenig zum Spielen gekommen, darum fällt der Rückblick auch ziemlich knapp aus. 

Epic 7:

Nachdem ich seit Jahren erfolglos hinter Relikt Violet her war, konnte ich ihn mir nun dank der Shop-Währung durch ein Duplikat von Ruele des Lichts endlich aus dem entsprechenden Shop schnappen.

Genshin Impact:

Stagniere ein wenig in der neuen Sumeru Archon Quest - mein Hassgegner (die Wüste) schafft es jedes Mal wieder, meine Motivation zu dämpfen. War es wirklich nötig, mich durch einen Tempel zu hetzen, in dem hinter jeder Ecke die gleichen Monster lauerten? Minutenlang? Storytechnisch hab ich kaum Fortschritte gemacht, weil mich danach die Lust verlassen hatte. ^^

Honkai: Star Rail:

Endlich bei dem Part der Story angekommen, in dem der Fokus auf Blade liegt. Mein Interesse ist geweckt. Trotzdem bleibe ich dabei, dass das Storywriting bei dem Spiel seit der zweiten Hälfte von Amphoreus (seit dem Teil mit Hysilens und Cerydra) massiv schlechter geworden ist. Alles wird unnötig in die Länge gezogen und verliert sich immer wieder in absolut irrelevanten und vor allem auch uninteressanten Details.

Love & Deepspace:

Von Optimierung hat Infold auch einfach noch nichts gehört. Musste das Spiel deinstallieren und neu aufspielen, weil das blödsinnig große Update sowas um die Hälfte meines kompletten Handyspeichers haben wollte. Und wofür das ganze, wenn es doch nach dem Debakel nicht einmal neue Story gibt? 

Reverse 1999:

Wie üblich bin ich spät dran mit dem Event, aber mittlerweile auch fast durch. Grafisch total interessant umgesetzt, und ich mag Enigma als Charakter wirklich gerne! Außerdem total faszinierend, die eigene Sprache in einem ansonsten englisch synchroniserten Spiel zu hören. Ich liebe das Spiel ja für seine Voice Acting Entscheidungen. Höre auch sehr gerne Name Day auf meinem Home Screen zu, wenn er mir etwas auf Russisch erzählt, obwohl ich kein Wort verstehe. :D

Wuthering Waves:

Jingran ist nun offiziell als spielbare Figur vorgestellt. Zeit, sich reinzuhängen und Wünsche zu sammeln! 

Sonntag, 19. Juli 2026

Buchvorstellung: Bis wir uns fanden von Ryousuke Nanasaki & Yoshi Tsukizuki

 

So sehr wir uns immer mit unseren liebsten Paaren aus Boys Love Mangas, Manhuas oder Webtoons freuen, so sehr ist den meisten von uns doch bewusst, dass es im wahren Leben in den meisten asiatischen Ländern ganz anders mit den Rechten Homosexueller aussieht, als diese Geschichten suggerieren. Auch Japan bildet da keine Ausnahme, gibt es doch bis heute keine einheitliche Regelung, welche gleichgeschlechtlichen Paaren die selben Rechte wie heterosexuellen Ehepartnern einräumen würde. Wie überall auf der Welt gibt es aber natürlich auch Menschen, die gegen diese Diskriminierung kämpfen, imd Ryousuke Nanasaki ist einer von ihnen. In seinem autobiografischen Roman "Bis wir uns fanden - Japans erstes schwules Ehepaar", welches 2022 im Hayabusa Verlag erschien, erzählt er seine Geschichte.

Und obwohl diese mit einem persönlichen Happy End - einer Hochzeitsfeier im Tsukiji Hongan-Ji im Jahr 2016 - endet, wird ziemlich deutlich, dass der Weg dorthin kein leichter war.

Ryousuke Nanasaki nimmt uns in seinen Ausführungen mit bis in seine frühsten Erinnerungen. Schonungslos ehrlich berichtet er von Ausgrenzungen in der Schule, weil seine Art als zu feminin empfunden wurde und seiner jugendlichen Angst, sich und anderen gegenüber seine Homosexualität einzugestehen. Er erinnert sich an erste Dating-Erfahrungen, die schönen und weniger schönen Momente erster Beziehungen und an den Moment, in dem er beschloss, sein Glück in die eigene Hand zu nehmen.

Der Erzählton ist dabei manchmal humorvoll und manchmal ernst, ganz wie auch seine Erfahrungen. So schmerzt es, zu verfolgen, wie Beziehungen daran scheitern, dass sich die Partner ihre eigenen Sexualität nicht eingestehen können oder wie die Gesellschaft selbst das Zusammenleben quasi unmöglich machen. Auf der anderen Seite gibt es da aber auch die schönen Momente: langjährige Freundschaften, zunehmende Akzeptanz oder auch der lang gehegte Kindheitswunsch, der schließlich im Erwachsenenalter endlich erfüllt wird.

Und diese Ausgewogenheit ist es meiner Meinung nach auch, die "Bis wir uns fanden" so lesenswert macht. Es ist ein Buch, welches die gesellschaftlichen Probleme nicht beschönigt, welches Frust und Wut und negative Gefühle zulässt. Doch es ist auch ein Buch von jemandem, der nicht aufgibt, der für sich selbst und andere kämpft und erleben darf, wie seine Bemühungen Stück für Stück Wirkung zeigen.

Auch wenn der Weg zur Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Paare noch lange nicht zu Ende ist, stimmt es einen doch positiv zu sehen, dass es Fortschritte gibt, und dass es Menschen gibt, die Tag für Tag daran arbeiten, dass es immer weiter voran geht.

Bis wir uns fanden - Japans erstes schwules Ehepaar | Ryousuke Nanasaki & Yoshi Tsukizuki | Hayabusa | Originalpreis: 14,00€ | Link zum Buch

Freitag, 17. Juli 2026

Buchvorstellung: Touched by Twilight Band 1 von Yukiaki Uno

Worum es geht:

Shen Feng wächst als jüngster Sohn einer angesehenen Familie auf und blickt stets zu seinem Mentor Xiao Xing auf. Als sich eines Tages die beiden Familien gegeneinander wenden, verschont Shen Feng Xiao Xings Leben, doch ihre Wege trennen sich. Jahrzehnte später treffen sie einander wieder, und Shen Feng muss feststellen, dass seine Gefühle für Xiao Xing in all der Zeit nicht verschwunden sind.

Meine Meinung:

Als großer Danmei-Fan konnte ich "Touched by Twilight" nicht einfach ignorieren, spielt der Manga doch in einer an chinesische Xianxia-Stories erinnernden Welt der Kultivierung. Dabei habe ich jedoch schnell festgestellt, dass der Band trotz der ähnlichen Thematik einen ganz anderen Erzählton aufweist.

Die Story verfolgt zwei Zeitstränge. Im ersten ist Shen Feng noch ein Kind, welches seinem Mentor Xiao Xing nacheifert. Diese Zeit lernen wir ganz zu Beginn und später durch gelegentliche Rückblicke etwas näher kennen. Im Zentrum steht jedoch die Zeit etwa fünfzig Jahre später. Shen Feng ist nun ein junger Mann und Xiao Xing körperlich ebenbürtig. Sein ehemaliger Mentor ist ihm aber entfremdet, lebt er doch seit dem Streit ihrer beider Familien ein zurückgezogenes Leben als Apotheker.

Ich gestehe: Die Dynamik zwischen den beiden Männern habe ich ab diesem Zeitpunkt als etwas merkwürdig empfunden. Plötzlich war da keine Spur mehr von der Mentor/Schüler Beziehung von zuvor, und auch der Konflikt und die jahrzehntelange Trennung schien kaum eine Rolle zu spielen. Shen Fengs Gefühle Xiao Xing gegenüber wirkten rein körperlich, hin und wieder durchsetzt mit Erinnerungen an seine Kindheit, in der Xiao Xing sich um ihn gekümmert hatte. Der Manga hat da in meinen Augen bisher keinen besonders guten Job gemacht, eine tiefere Verbindung zwischen ihnen darzustellen.

Die Geschichte selbst weist zumindest etwas Potenzial für Spannung auf, scheint es doch um Macht und politische Intrigen innerhalb der Shen-Familie zu gehen. Hier muss aber noch die Zukunft zeigen, wie gut dieser Strang verfolgt wird und wohin sich der Inhalt bewegt.

Optisch ist der Band solide und kommt ziemlich seitenstark daher. In der ersten Auflage liegt außerdem eine der hübschen SNS Karten bei.

Inhaltlich bin ich bisher leider noch nicht so wirklich überzeugt, werde der Story jedoch mit dem zweiten Band auf jeden Fall noch eine Chance geben, sich zu entwickeln. Da die Serie aktuell als noch nicht abgeschlossen gilt, setze ich meine Hoffnung auf eine solide Fortsetzung, in der hoffentlich auch die Beziehung zwischen den beiden Protagonisten für mich nachvollziehbarer wird als das momentan der Fall ist.

Touched by Twilight Band 1 | Yukiaki Uno | Hayabusa | Originalpreis: 9,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 14 Jahren | Link zum Buch

Mittwoch, 15. Juli 2026

Buchvorstellung: Schnee & Tinte 3 von Miyuki Unohana

 

Worum es geht:

Freya ist entschlossen, ihre Angelegenheiten zu regeln und dafür ihre Familie zu besuchen, doch sie hat auch fürchterliche Angst davor. Neneo möchte ihr beistehen, kann dies als verurteilter Verbrecher aber nicht als ihr Freund. Mit Halberts Hilfe entwickeln sie einen Plan, der Neneo zu Freyas Bodyguard macht und begeben sich so in die Höhle des Löwen.

Meine Meinung:

Stand im letzten Band Neneo mit seiner tragischen Backstory im Fokus, so ist es diesmal Freya, die im Mittelpunkt steht. Wir erfahren mehr darüber, was zwischen ihr und ihrer Familie vorgefallen ist und lernen ihre Ängste dadurch erst richtig zu verstehen. Doch auch ihre Schwester Anna erhält Gelegenheit, sich vorzustellen und zeigt, dass die Familiengeschichte auch sie entscheidend geprägt hat.

Neneo gibt sein Bestes, Freya zu unterstützen und ihr ihre Unsicherheiten zu nehmen, stößt aufgrund seiner Position als verurteilter Mörder jedoch oft an seine Grenzen. Beide sind unglücklich mit der Situation, erhalten aber Hilfe von Halbert, der gewohnt clever einen Plan ersinnt, dank dem Freya, die bekanntlich keinerlei Talent für das Geschäftliche besitzt und deren Menschenkenntnis leider bisweilen etwas zu wünschen lässt, sich doch nicht alleine zu ihrer ihr so feindselig gesonnenen Familie begeben muss.

Überhaupt bleiben die drei auch in diesem Band wieder ein unschlagbares Trio und man hat das Gefühl, dass es hauptsächlich Halbert ist, der hier die Fäden in der Hand hält und sie zu Gunsten des Paares bewegt – und das alles stets gut gelaunt und souverän, gerade vor dem Hintergrund, dass er doch Freyas verschmähter Verlobter ist.

Auch der Einblick in die Perspektive von Freyas Schwester ist spannend, zeigt er uns doch die Geschichte der Familie aus einem ganz anderen Blickwinkel und macht deutlich, dass hier nichts nur schwarz oder weiß ist. Sowohl Freya als auch ihre Schwester sind in gewissen Maße Opfer ihrer Familie, finden jedoch sehr unterschiedliche Ansätze, mit dieser Situation umzugehen.

Für mich war der dritte Band von „Schnee & Tinte“ eine starke Fortsetzung, welche uns endlich mehr Einblick in die Geschichte der weiblichen Hauptfigur und ihre Hintergründe gewährt, welche zum Zerwürfnis mit ihrer Familie geführt haben. Ich bin schon gespannt, wie Freya sich in dieser Lage schlagen wird und hoffe, dass sie als Person und auch in ihrer Beziehung zu Neneo gestärkt aus dieser Situation hervorgehen wird.

Schnee & Tinte Band 3 | Miyuki Unohana | Altraverse | Originalpreis: 7,00€ | Genre: Romance | Empfohlen ab 15 Jahren | Link zum Buch

Dienstag, 14. Juli 2026

Buchvorstellung: I hear the sunspot von Y. Fumino

Aus Anlass des Erscheinens eines neuen Bandes habe ich mir vorgenommen, "I hear the sunspot" einen Reread zu geben, um nach der langen Pause wieder gut reinzukommen. Da bot es sich dann natürlich auch an, gleich ein paar Gedanken zum Manga festzuhalten.


Worum es geht:

Tachi braucht dringend einen Job. Durch einen Zufall lernt er Kohei kennen, einen schwerhörigen Kommilitonen. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut - im übertragenen wie auch im wörtlichen Sinn, denn durch Tachis laute Stimme kann Kohei ihn trotz seiner Beeinträchtigung gut verstehen. Bald kommen sie überein, dass Tachi Kohei bei den Mitschriften seiner Vorlesungen hilft, jeweils gegen ein gemeinsames Essen. Trotzdem ist es nicht immer ganz einfach zwischen ihnen - besonders nicht, als Kohei tiefere Gefühle für Tachi entwickelt, sich aufgrund seiner Schwerhörigkeit jedoch nicht traut, sich diese auch einzugestehen.

Meine Meinung:

Diese Rezension bezieht sich auf die ersten zwei Bände, welche sich mit der Beziehung zwischen Kohei und Tachi beschäftigen und hierzulande unter dem Titel "I hear the sunspot", im zweiten Band noch ergänzt durch den Zusatz "Die Theorie des Glücks" vertrieben wurden.

Bei den beiden Protagonisten ist eindeutig das Motto 'Gegensätze ziehen sich an' angesagt. Tachi könnte man zu Beginn schon leicht vorwerfen, ein wenig einfältig zu sein, doch man könnte es auch aus Koheis Perspektive betrachten, der sich im Umgang mit seinen Menschen ziemlich schwer tut und in Tachi einen unvoreingenommenen und offenen Freund findet. Dennoch tut er sich lange schwer damit, Tachi in sein Leben zu lassen. Durch seine Schwerhörigkeit hat er sich nach und nach immer mehr aus der Welt der Hörenden zurückgezogen, kann sich jedoch gleichzeitig nicht so richtig mit anderen Menschen in seiner Situation identifizieren, weil er seine Beeinträchtigung erst seit der Mittelschulzeit hat und außerdem im Gegensatz zu vielen anderen noch über einen Rest an Hörvermögen verfügt. Gefühlt steht er so zwischen zwei Welten, ohne sich einer davon wirklich zugehörig zu fühlen.

Ganz anders geht es da Tachi, der sich durch seine Begegnung mit Kohei langsam zu verändern beginnt. Während er sich zuvor eher hat treiben lassen, gibt ihm der Einblick in Koheis Welt endlich ein Ziel für sein Leben: er möchte seinen Freund besser verstehen, und als das bedeutet, die Probleme zu verstehen, mit denen dieser im Alltag einer hörenden Welt konfrontiert ist, möchte er aktiv etwas daran ändern.

Den Umgang mit Koheis Schwerhörigkeit habe ich beim Lesen als Besonderheit und auch Stärke des Mangas empfunden. Man lernt viel über das Thema und über die Probleme von Menschen mit Beeinträchtigungen der Hörfähigkeit in Japan, und ich habe die Erzählweise dabei als ebenso informativ wie auch feinfühlig betrachtet.

Auf der Beziehungsebene ist der Manga an dieser Stelle dafür noch deutlich sperriger. Es gibt zahlreiche Missverständnisse, die sich durch richtige Kommunikation hätten verhindern lassen können und eine weibliche Antagonistin, die unsympathischer dargestellt wird, als es die Umstände meiner Meinung nach erfordert hätten. Doch der Manga hat auch seine schönen Momente, in denen die beiden Protagonisten sich näher kommen und besser verstehen lernen dürfen und die mich doch etwas über diese Schwächen hinweggetröstet haben.

Der Zeichenstil lässt für mich hingegen auch abseits der wunderschönen Farbillustrationen keine Wünsche offen und passt gut zum ruhigen Charakter des Mangas. Positiv empfunden habe ich auch, dass beide Bände, insbesondere aber der zweite, wirklich sehr dick sind und der Story damit viel Raum lassen, sich zu entfalten. Überstürzte Entwicklungen sucht man hier also glücklicherweise vergebens.

Alles in allem habe ich "I hear the sunpot" auch beim erneuten Lesen als soliden Auftakt empfunden, der mich trotz einiger unnötiger Mini-Dramen motiviert hat, der Geschichte von Tachi und Kohei weiter zu folgen, auch wenn ich die Stärken zu diesem Zeitpunkt eher in der Thematik rund um Koheis Schwerhörigkeit sowie in Tachis Suche nach seinem Ziel im Leben als in der Beziehungsdynamik der beiden sehen würde.

I hear the sunspot | Y. Fumino | Carlsen Manga | Originalpreis: 7,99€ & 9,99€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab  15 Jahren | Link zum Buch