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Dienstag, 30. Juni 2026

Buchvorstellung Yurijuni Challenge: A Lollypop or A Bullet von Kazuki Sakurabe und Igura Sugimoto

Ein Yuri, der kein Yuri ist - da kam mir für das letzte Thema der #yurijuni2026 Challenge von manga_no_tomodachi ein Titel in den Sinn, der mich schon beim ersten Lesen vor vielen Jahren sehr bewegt hat.

Die zweibändige Mini-Serie "A Lollypop or A Bullet" von Kazuki Sakurabe, basierend auf einem Roman von Igura Sugimoto, wurde hierzulande 2010 von EMA veröffentlicht und damals dem Genre Mystery zugeordnet. Beim näheren Hinschauen hat sie sich in meinen Augen jedoch vielmehr als lupenreine Tragödie entpuppt - mit einer Beziehung zwischen den beiden Protagonistinnen, die sich nicht einfach als Freundschaft fassen, aber auch sonst schwer kategorisieren lässt.

In dem Manga geht es um die dreizehnjährige Nagisa. Ihr Vater ist tot, ihr Bruder hat seit drei Jahren das Haus nicht verlassen und ihre Mutter versucht notdürftig, die Familie über Wasser zu halten. Diese Umstände haben dazu geführt, dass Nagisa schon in ihrem jungen Alter desillusioniert ist und davon träumt, endlich alt genug zu sein um zum Militär zu gehen und dort ihr eigenes Geld, welches sie "harte Munition" nennt, zu verdienen. Eines Tages kommt ein neues Mädchen an Nagisas Schule. Mokuzu ist wunderschön, aber auch exzentrisch und auf viele Arten seltsam - und aus irgendeinem Grund hat sie sich vorgenommen, dass ausgerechnet Nagisa ihre Freundin werden soll.

Lange will Nagisa nichts davon wissen. Irgendetwas an Mokuzu, die ständig Lügenmärchen erzählt, dass sie eigentlich eine Nixe sei, die sich eines Tages in Meeresschaum verwandeln und verschwinden würde, irritiert sie zutiefst. Auch denkt sie, dass Mokuzu, deren Vater ein berühmter Musiker ist, in einer derart anderen Welt lebt, dass die beiden einander niemals werden verstehen können - doch am Ende kommt es ganz anders. Je mehr Nagisa zu hinterfragen beginnt, desto mehr beginnt sie das Lügennetz, das Mokuzu um sich herum aufgebaut hat, zu durchschauen, und was dahinter zum Vorschein kommt, ist so viel grausamer als ihr eigenes Schicksal. Veruneinigungen aus dem Meer entpuppen sich als blaue Flecke, vermeintliche Respektlosigkeiten als Folge vergangener Verletzungen. Doch als die beiden Mädchen endlich beschließen, die Dinge in die eigene Hand zu nehmen, kommt ein Sturm auf, wie man ihn auf keiner Wetterkarte finden kann und schwemmt alle Hoffnung mit sich fort...

Was mir bei "A Lollypop or A Bullet" von Anfang an aufgefallen ist, ist die beklemmende Atmosphäre des Mangas. Nagisa ist kein glückliches Mädchen, aber sie ist so sehr mit ihrem eigenen Überleben beschäftigt, dass ihr lange nicht auffällt, dass es Mokuzu genauso geht. Als sie es schließlich erkennt, verändert das die Beziehung der beiden - doch sie bekommen keine Chance, herauszufinden, was aus ihnen hätte werden können. Vielleicht sind sie Freundinnen, vielleicht Schicksalsgenossinnen. Vielleicht ist da auch mehr, so fixiert wie Mokuzu auf Nagisa ist, und so fasziniert wie diese ihrerseits von der schönen neuen Mitschülerin mit dem Mund voller süßer Lügen ist. 

Was immer es ist oder hätte sein können, es bleibt am Ende der Fantasie überlassen, denn - daraus macht der Titel keinen Hehl - es gibt hier kein Happy End, denn im tiefsten Inneren ist der Manga vor allem ein Titel über Vernachlässigung und Misshandlung und über die schreckliche Machtlosigkeit von Kindern, denen die Stärke und Sicherheit ihres Umfeldes fehlt, sodass am Ende erst in einer Katastrophe enden muss, damit sich etwas ändert.

Als ich diesen Manga vor mittlerweile sechszehn Jahren zum ersten Mal gelesen habe, war ich noch ziemlich jung und fand ihn wirklich beklemmend. Aus heutiger Sicht kann ich viele der Dinge, die von Anfang an angedeutet werden, besser einschätzen, finde ihn jedoch sowohl thematisch als auch von der Umsetzung noch immer sehr intensiv.

Wer mit den doch schwereren Themen kein Problem hat, dem würde ich den Titel wärmstens ans Herz legen. 

A Lollypop or A Bullet | Kazuki Sakuraba & Igura Sugimoto | Egmont Manga | Genre: Mystery | Originalpreis: 7,50€ 

Sonntag, 14. Juni 2026

Buchvorstellung: Der Duft von Rosen in schlaflosen Nächten von Daisuke


Worum es geht:

Seit einem Polizeieinsatz, der gründlich schief gelaufen ist, leidet Koyama an Schlafstörungen. Auf die Empfehlung eines Vorgesetzten hin sucht er darum den Hypnotiseur Henderson auf, der mit einem einzigartigen Rosenduft arbeitet und schnell Erfolge in Koyamas Behandlung erzielt. Abseits der Therapie bleibt es jedoch schwierig für den jungen Polizisten. Als wäre es nicht genug, dass er Arbeit und kleine Missgeschicke anzieht wie ein Magnet, hält auch noch ein spektakulärer Kriminalfall die Wache in Aufruhr. Ein Phantomdieb, der nur die Superreichen bestiehlt und Koyama immer wieder durch die Finger gleitet, lässt ihm einfach keine Ruhe.

Meine Meinung:

"Der Duft von Rosen in schlaflosen Nächten" war für mich ein typischer Coverkauf, denn ich war sofort ganz hingerissen von der sinnlichen Szene auf dem Titel, der farbigen Illustration am Anfang und den beiden wunderschönen Extras, einem kleinen Shikishi und einer Postkarte.

Umso überraschter war ich dann, dass der Manga inhaltlich eine ganz andere Richtung einschlägt. Dafür, dass es Hendersons Job ist, Menschen beim Einschlafen zu helfen, ist sein Charakter doch ziemlich - sagen wir mal - kantig. Er mag kleine Provokationen, anzügliche Witze und Grenzüberschreitungen. Mit anderen Worten: er bringt den geradlinigen und rechtschaffenen Koyama vom ersten Moment an auf die Palme. Trotzdem ist die Anziehung zwischen den beiden gegenseitig. Während Henderson Koyamas unkomplizierten Charakter (und seine körperlichen Vorzüge) schätzt, wird Koyama beinahe magisch von Hendersons Duft angezogen. Von Liebe kann hier zwar meiner Meinung nach von keiner der beiden Seiten aus gesprochen werden, aber der Ansatz, dass Gegensätze sich anziehen, wird dafür doch ziemlich lebhaft verfolgt. 

Die Zeichnungen waren für mich nicht unansprechend, aber unerwartet unruhig im Vergleich zu dem, was die Farbillustrationen suggerieren. Im Grunde passt das jedoch gar nicht so schlecht zur Story, denn durch die Handlungsstränge rund um den Phantomdieb gibt es in dem Einzelband auch einiges an Action.

Mit einem Fazit tue ich mich nach der Lektüre dieses Mangas aber irgendwie doch ein bisschen schwer. Schlecht war er definitiv nicht, aber deutlich anders, als ich es vom Artwork her vermutet hätte, und der Rahmen eines relativ schmalen Einzelbandes war vielleicht auch einfach nicht genug, um der Geschichte, die ja gewissermaßen zwei Handlungsstränge verfolgt, den nötigen Raum zur Entfaltung zu geben. So bleibt am Ende beides - Beziehung und Kriminalfall - nur vage und unzureichend angerissen. Eine Fortsetzung könnte hier definitiv gewinnbringend sein.

Der Duft von Rosen in schlaflosen Nächten | Daisuke | Egmont Manga | Originalpreis: 9,50€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 18 Jahren| Link zum Buch

Dienstag, 21. April 2026

Buchvorstellung: Sinken oder Schwimmen von Shikke

Worum es geht:

Oka, Mao, Kadoi und Hasumoto besuchen gemeinsam die technische Oberschule und sind gut befreundet. Als Kadoi und Hasumoto plötzlich verkünden, jetzt ein Paar zu sein, weckt das bei Mao Neugier und er versucht, Oka zu überzeugen, dass die beiden es doch auch einmal miteinander probieren könnten - sehr zu dessen großer Irritation. 

Meine Meinung:

Ich gestehe: dieser Manga ist nur auf meiner Leseliste gelandet, weil ich Shikke als Mangaka hoch schätze. Thematisch hatte ich hier meine Zweifel, denn Tropes wie 'everyone is gay' und 'Ich steh eigentlich gar nicht auf Männer, aber...' sind meiner Erfahrung nach eine schwierige Angelegenheit und überzeugen mich am Ende oft nicht. Leider war das auch hier der Fall.

Doch zunächst einmal zu den positiven Seiten dieses schmalen Einzelbandes. Neben der Optik wären da besonders die Charaktere zu nennen, die trotz des begrenzten Raums alle die Möglichkeit erhalten, ihre eigene Perönlichkeit zu zeigen. Der Ton zwischen den vier Jungs ist locker und humorvoll, die Sprache angenehm alltäglich. Auch die Beziehung zwischen Kadoi und Hasumoto fand ich schön dargestellt, ganz besonders auch, wie die beiden ihren Freunden gegenüber damit umgehen und wie sich durch die Veränderung nichts an ihrer Freundschaft, jedoch durchaus an der Beziehung zwischen Mao und Oka ändert. 

Eigentlich also viel Potenzial, was meiner Ansicht nach jedoch leider ungenutzt bleibt, denn Mao ist in seinem nun folgendem scheinbar unbedarften Bestreben, Oka rumzukriegen, so forsch, dass es mir beim Lesen fast schon unangenehm war. Was immer da zwischen den beiden passiert ist, habe ich nicht als natürliche Beziehungsentwicklung wahrgenommen, und so wirkte auch die Beziehung, die am Ende dabei herauskam, auf mich irgendwie unglaubwürdig.

Neben der Hauptstory (samt einer recht expliziten Zugabe) enthält der Band noch eine unabhängige Kurzgeschichte über zwei Jungs, die als Kinder befreundet waren, einander dann aus den Augen verloren haben und sich im Studium wiedertreffen. Trotz der Kürze hat mir diese Story gut gefallen, hat sie doch interessante Fragen darüber aufgeworfen, wie gut zwei Menschen, die einander einmal  nahe zu stehen glaubten, sich eigentlich wirklich kennen und wie sehr sich die Beziehungen zwischen Kindern doch von denen zwischen Erwachsenen unterscheiden.

Zusammenfassend lässt mich "Sinken oder Schwimmen" etwas ratlos dastehen. Weder fand ich die Lektüre empörend schlecht, noch bin ich wirklich beeindruckt. Vermutlich einfach kein Band für mich. Schade, aber manchmal passt es halt einfach nicht.

Sinken oder Schwimmen | Shikke | Egmont Manga | Originalpreis 8,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 18 Jahren | Link zum Buch

Samstag, 14. Februar 2026

Buchvorstellung: Strawberry Love von Irono

Worum es geht:

Sara ist Studentin und möchte später Lehrerin werden. Als ihr Großvater sich ein Bein bricht, zögert sich trotzdem kein bisschen, an den Ort ihrer Kindheit aufs Land zurückzukehren, um auf der Erdbeerfarm ihrer Familie auszuhelfen. Dort lernt sie den 13 Jahre älteren Minori kennen, der ihr die Grundlagen des Erdbeeranbaus beibringen soll. Die anfängliche Schüchternheit dem stattlichen, scheinbar etwas mürrischen Mann gegenüber weicht bald, als die beiden einander besser kennenlernen, und schließlich verlieben sie sich. Doch kann eine Beziehung bei so einem großen Altersunterschied Bestand haben?

Meine Meinung:

Die vierbändige Serie "Strawberry Love" von Irono war für mich eines der Romance-Highlights des vergangenen Jahres. Dabei war ich zunächst ähnlich skeptisch wie das Paar des Mangas selbst: kann das funktionieren zwischen dem verträumten Mädchen, welches gefühlt gerade erst die Schule hinter sich gebracht hat und dem wortkargen Typen, dessen ganzes Leben sich um seine Erdbeeren zu drehen scheint? Es kann, und zwar ganz wunderbar und voller süßer Momente!

Zu verdanken ist das den in meinen Augen wirklich gut geschriebenen Charakteren. Sara ist zwar jung und unerfahren, doch auch willensstark und sich ihrer Schwächen durchaus bewusst. Sie denkt viel nach und hat berechtigte Zweifel, verliert jedoch ihre Träume und Wünsche nicht aus den Augen und zeigt eine ebenso beeindruckende wie auch realistische Charakterentwicklung. Minori hingegen steht in seinem Alter natürlich schon viel fester im Leben, doch auch er entwickelt sich an Saras Seite weiter und wird auch das eine oder andere Mal aus seiner Komfortzone geworfen, was durchaus amüsant zu lesen ist. Und das Beste: die beiden existieren in diesem Manga nicht im luftleeren Raum. Sie haben Freunde und Familie, die alle ihre eigenen Gedanken und Gefühle haben und die Welt von "Strawberry Love" erfrischend lebendig für eine doch relativ kurze Serie machen.

Für mich hat die Serie in jedem Fall alles, was eine gute Liebesgeschichte ausmacht. Ein interessantes Setting - auch wir Leser lernen mit Sara einiges über den Erdbeeranbau in Japan - sympathische Charaktere, humorvolle und süße Momente und eine glaubwürdige Charakterentwicklung. Unnötiges Drama gibt es kaum, dafür den einen oder anderen ziemlich realistischen Stein, den einen das Leben nunmal so gerne in den Weg legt und den es dann eben zu beseitigen gilt. Ich denke, bei einem Blick auf das Cover des letzten Bandes wird auch ohne größere Spoiler relativ deutlich, dass die beiden hier nicht der Typ Mensch sind, welcher sich von so etwas unterkriegen lassen würde.

Strawberry Love (abgeschlossen in 4 Bänden) | Irono | Egmont Manga | Originalpreis: 8,00€ pro Band | Genre: Romance | Empfohlen ab 14 Jahren | Link zum ersten Band 

Montag, 9. Februar 2026

Buchvorstellung: heimkehren und neu anfangen von Cocomi

Worum es geht:

Mitsuomi ist ein junger Mann, der durch seine impulsive und zu ehrliche Art im Leben oft aneckt. Dies hat auch dazu geführt, dass er seinen Bürojob in Tokyo verloren hat und in sein kleines, abgelegenes Heimatdorf zurückgekehrt ist. Doch auch hier läuft es nicht besser: durch sein scharfes Mundwerk kann er auch dort keinen Job behalten, und selbst sein Vater traut ihm nicht zu, das Familiengeschäft zu übernehmen. Der größte Lichtblick in seinem Alltag sind die Besuche seines Nachbarn Yamato. Dieser ist das komplette Gegenteil von Mitsuomi - mit seiner herzlichen und positiven Art mag ihn scheinbar jeder, und im Gegensatz zu allen anderen stört er sich auch nicht an Mitsuomis harrschen Worten. Doch je näher sie sich kommen, desto deutlicher wird es für Mitsuomi, dass auch Yamato sehr klar definierte Grenzen hat, an denen vorbei kein Weg zu seinem Herzen zu führen scheint.

Meine Meinung:

"heimkehren und neu anfangen" von Cocomi ist ein eher ruhiger Manga über zwei junge Männer, die trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere voll auf einer Wellenlänge liegen und einander nach und nach ganz natürlich näher kommen. Die ganze Zeit über sind beide füreinander da und geben einander unausgesprochen das, was sie am meisten brauchen. So gibt Yamato Mitsuomi durch kleine Aufgaben, die er ihm immer wieder anvertraut, das Gefühl, nützlich zu sein und nicht immer zu scheitern während Mitsuomi der einzige ist, der sich wirklich bemüht zu erfahren, was für Gefühle hinter Yamatos stets lächelnder Fassade stecken. 

Es gibt hier also keine großen Dramen, sondern nur zwei Menschen auf der Suche nach ihrem Platz im Leben, und ihnen dabei zuzusehen, wie sie diesen für sich finden habe ich als unheimlich schön empfunden. Besonders gut hat mir dabei gefallen, wie die Veränderungen in der Beziehung der beiden gezeigt wurden. Hier gibt es keine großen Liebeserklärungen, und das muss auch gar nicht sein, denn ihre Gefühle sprechen aus jeder Geste ebenso wie aus den kleinen und großen Wünschen, die sie für ihre gemeinsame Zukunft haben. Denn mal ehrlich: was kann es schon romantischeres geben, als sich sogar an einem einzelnen grauen Haar des Partners zu erfreuen, weil es den ersten Schritt zum gemeinsam alt werden markiert? Wenn man mich fragt, nicht viel. ;)

heimkehren und neu anfangen | Cocomi | Egmont Manga | Neupreis 8,00€ | Empfohlen ab 14 Jahren | Genre: Boys Love | Link zum Buch

Samstag, 10. Januar 2026

Buchvorstellung: There Is No Love Wishing Upon a Star Band 2 von Shinoa

Worum es geht?

Eri kommt nicht wirklich mit der Tatsache klar, dass ihre beste Freundin Fuyuki nun in einer Beziehung ist. Zusammen mit Kurukawa ist diese ganz anders als mit ihr, und ihr geht auch das alte Versprechen, dass Fuyuki immer ihre Nummer Eins bleiben wolle, nicht aus dem Kopf. Dennoch bemüht sie sich, ihre Freundin zu unterstützen. Fuyuki auf der anderen Seite gibt alles, um Kyo zu helfen, Eri glücklich zu machen, obwohl auch sie unter der Beziehung ihrer besten Freundin leidet. Und Kurokawa? Steht zwischen den beiden und beobachtet die Tragödie in Echtzeit.

Meine Meinung:

Im zweiten Band von "There Is No Love Wishing Upon a Star" wiegen die Gefühle sämtlicher Protagonisten schwer. Eri ist verunsichert von den Veränderungen zwischen ihr und Fuyuki und kann sich emotional kaum auf ihre Beziehung mit Kyo einlassen während Fuyuki so hart kämpft, um ihre Gefühle für Eri zu unterdrücken, dass man fast fühlt, wie es ihr die Brust zuschnürt. Der Band enthüllt auch ein wenig über Fuyukis feste Freundin Kurokawa und was überhaupt zur Beziehung zwischen den beiden geführt hat. Ich möchte niemanden spoilern, aber eines kann man sagen: niemand hier ist glücklich damit, wie die Dinge stehen, und ein Ausweg scheint nicht in Sicht.

Während im ersten Band gefühlt eher Fuyukis Gefühle im Mittelpunkt standen, lernen wir im zweiten Band auch Eris Sichtweise aus ihrer eigenen Perspektive besser kennen. Auf mich hat sie dabei den Eindruck einer eher unsicheren Person gemacht, die sich ihrer eigenen Wünsche und auch der Gefühle der Menschen um sie herum gar nicht richtig bewusst ist. Gepaart mit ihrer Eigensinnigkeit macht sie es sich und allen anderen nicht immer leicht, und Fuyuki war in der Vergangenheit anscheinend die einzige, die mit diesen Charakterzügen erfolgreich umgehen konnte. So ist es auch kein Wunder, dass die Veränderungen um sie herum sie verunsichern.

Kurokawa ist ebenfalls ein sehr interessanter Charakter und ich hatte den Eindruck, dass ihre eigenen Motive ebenso wie ihre wirklichen Gefühle hier noch ziemlich stark im Dunkeln bleiben. In jedem Fall hat sie keine einfache Position in dem aufgewühlten Beziehungsgeflecht um Fuyuki und Eri herum.

Während man bei vielen Mangas, die sich um Beziehungen drehen, oft schon eine ziemlich konkrete Idee hat, worauf eine Geschichte hinausläuft, ist dies für mich bei "There Is No Love Wishing Upon a Star" auch nach dem zweiten Band noch gar nicht so klar. Ein Happy End sehe ich aktuell für keine der Figuren, doch vieles ist auch einfach noch extrem vage, sodass ich schon sehr gespannt bin, in welche Richtung sich die Story genau bewegen wird.

Der Zeichenstil hat es mir auch in diesem Band wieder von der ersten Seite an angetan. Sie sind durch und durch sanft und ansprechend, und besonders zarten Farben von Cover, Farbseite sowie Bonus-Miniprint (nur in der ersten Auflage) sind echte Hingucker. 

Das alles zusammen macht diesen Titel für mich aktuell zu einem echten Genre-Highlight. Wer auch einmal eine traurige Geschichte um unerwiderte Liebe und unterdrückte Gefühle vertragen kann, sollte unbedingt mal einen Blick riskieren. 

There Is No Love Wishing Upon a Star Band 2 | Shinoa | Egmont Manga | Neupreis 8,50€ | Empfohlen ab 14 Jahren | Genre: Girls Love | Link zum Buch

 

Sonntag, 28. Dezember 2025

Buchvorstellung: Nagahama to Be, or Not to Be von Scarlet Beriko

Worum es geht:

Nagisa und Issa wachsen im beschaulichen Nagahama auf. Sie gehen zusammen zur Schule, schlagen gemeinsam die Zeit tot und genießen ihre Jugend. Wenn es nach Nagisa geht, könnte das auch für immer so bleiben, doch eines Tages wird Issa von einer Frau angesprochen, die seltsam vertraut mit ihm umgeht. Der Gedanke, dass sie seine Freundin sein könnte, geht ihm danach nicht mehr aus dem Kopf.

Meine Meinung:

"Nagahama to Be, or Not to Be" ist eine sanfte Coming-of-Age Story, an der ich beim Lesen große Freude hatte. Das Erzähltempo ist ruhig, es gibt keine dramatischen Wendungen und der Umgang der beiden Protagonisten miteinander ist locker, leicht und süß.

Sowohl Nagisa als auch Issa befinden sich in einer Phase des Umbruchs in ihrem Leben, und während der eher pragmatische Issa diese scheinbar mühelos meistert, tut sich der ziemlich unangepasste Nagisa etwas schwer damit, für sich herauszufinden, was er eigentlich von seinem Leben möchte. Auch die Beziehung der beiden verändert sich, was ihnen durchaus auch bewusst ist. Hier hat mir besonders gefallen, wie natürlich diese Veränderung zu passieren scheint, nachdem sie sich ihrer Gefühle füreinander erst einmal bewusst geworden sind.

Auch den Zeichenstil von Scarlet Beriko war für mich ein echtes Highlight. Das Charakterdesign der beiden sehr unterschiedlichen Jungs fand ich äußerst ansprechend, und insbesondere Nagisa verfügt über eine sehr lebhafte Mimik, die seine ganze Bandbreite an Gefühlen wunderbar wiederspiegelt. 

Während der Manga komplett ohne explizite Szenen auskommt, suchen Nagisa und Issa dennoch immer wieder auf zarte Art und Weise Körperkontakt. Von zaghaften Berührungen der Hände über verspielte Umarmungen, die dann in Küsse übergehen ist alles dabei, und die Darstellung war für mich dabei immer so liebevoll und voller schöner Details, dass ich von manchen dieser Panels gar nicht genug kriegen konnte!

Das alles zusammen hat "Nagahama to Be, or Not to Be" für mich zu einem richtigen Wohlfühlmanga gemacht, denn es sind oft gerade die ruhigen und unaufgeregten Titel, die sich ihren Weg in mein Herz bahnen. Dies ist diesem Werk schon beim ersten Lesen vorbehaltlos gelungen.

Nagahama to Be, or Not to Be | Scarlet Beriko | Egmont Manga | Originalpreis: 8,50 € |  Empfohlen ab 14 Jahren | Genre: Boys Love | Link zum Buch

Samstag, 27. Dezember 2025

Buchvorstellung: Wie die Stille des Ozeans von Kuzu Saitou

Worum es geht:

Obwohl Sena und Shu sich schon seit der Schulzeit kennen, sprechen sie lange kein Wort miteinander. Erst zwei Jahre nach ihrem Abschluss treffen sie sich am kalten Wintermeer wieder und entwickeln daraufhin eine ganz besondere Beziehung zueinander, die jedoch keiner von beiden in Worte zu packen vermag. Als Sena bei einem tragischen Unfall Teile seines Gedächtnisses verliert, stehen sie plötzlich wieder am Anfang und Shu ist unsicher, wie er damit umgehen soll.

Meine Meinung:

"Wie die Stille des Ozeans" von Kuzu Saitou ist ein leiser und melancholischer Manga über zwei Menschen, denen das Schicksal scheinbar eine zweite Chance für ihr Glück gibt, die sich damit jedoch schwertun. Den Lesern erschließt sich die Beziehung zwischen den beiden dabei erst Stück für Stück durch Shus Erinnerungen, wobei bald klar wird, dass die Situation zwischen ihnen bereits vor Senas Unfall nicht ganz einfach war. Obwohl sie viel Zeit miteinander verbringen und ihre Verbindung irgendwann die Grenzen von Freundschaft überschreitet, sind sie unfähig, über ihre Gefühle zu sprechen. Insbesondere Shu hat Angst zu hinterfragen, was Sena eigentlich zu ihm hinzieht, und ihn plagen Zweifel, ob eine Beziehung wirklich richtig ist. Senas Gedächtnisverlust liefert ihm da den perfekten Vorwand so zu tun, als wäre nie etwas zwischen ihnen gewesen. Doch lassen sich ihre Gefühle wirklich so einfach auslöschen?

Mich konnte der Manga mit seiner stillen Art der Darstellung überzeugen. Sowohl Shu als auch Sena fühlen sich zwar zueinander hingezogen, sind sich aber unsicher, ob ihre Gefühle wirklich der Liebe entspringen oder eher der Angst vor Einsamkeit. Auch tragen sie beide die Folgen ihrer jeweiligen familiären Hintergründe mit sich herum, die sie geprägt haben und bis in ihre Gegenwart hinein beeinflussen. Es geht hier also um Fragen und Konflikte, die sich nicht über Nacht lösen lassen, und genau das zeigt der Manga auch anschaulich durch den Fokus auf Introspektion und Erinnerungen.

Zeichnerisch war ich von dem Titel ebenfalls sehr angetan. So legt die Mangaka großen Wert auf die Darstellung von Gesichtsausdrücken und Gesten wie Berührungen. Immer wieder steht auch das Wintermeer im Mittelpunkt, welches beide Protagonisten mit seiner Weite und dem Versprechen auf Freiheit und Raum zum Atmen magisch anzieht und welches für wunderschöne Hintergründe bei entscheidenden Szenen sorgt.

Mir hat der Manga in jedem Fall einen schönen, ruhigen Leseabend zwischen den Jahren beschert, und ich kann ihn jedem weiterempfehlen, der einen Titel sucht, bei dem weniger Action als Stimmung und Emotionen im Mittelpunkt stehen.

Wie die Stille des Ozeans | Kuzu Saitou | Egmont Manga | Originalpreis 8,00 € | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 16 Jahren | Link zum Buch

Freitag, 7. November 2025

Buchvorstellung: There Is No Love Wishing Upon a Star Band 1 von Shinoa

Worum es geht:

Fuyuki, Eri und Kyo sind schon seit ihrer Kindheit befreundet, doch es gibt etwas, was Fuyuki nicht erzählen kann: sie ist schon lange in ihre beste Freundin verliebt. Als Eri und Kyo schließlich ein Paar werden und auch noch versuchen, dies vor ihr zu verschweigen, macht dies die ohnehin schmerzhafte Situation für Fuyuki nur noch schlimmer. Doch Eris Wohl steht für sie noch immer an erster Stelle, also beschließt sie, etwas zu tun, um Abstand zwischen sich und ihre beiden engsten Freunde zu bringen.

Meine Meinung:

Der erste Band von "There Is No Love Wishing Upon a Star" beginnt stark. In ruhigen Tönen und zarten Bildern präsentiert Shinoa die Geschichte von Fuyukis unerwiederter Liebe zu ihrer besten Freundin. Nach und nach lernen die Leser die beiden jungen Frauen besser kennen, erfahren mehr über ihre Vorgeschichte und ihre Charaktere und beginnen, die Beziehung der Beiden besser zu verstehen.

Sowohl Fuyuki als auch Eri wirken dabei vielschichtig und glaubwürdig, und beide haben mit ihren ganz eigenen Problemen zu kämpfen. So ist es wirklich schmerzlich zu sehen, wie Fuyuki ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse stets zurückstellt, obwohl sie unter den Konsequenzen leidet, während die zunächst scheinbar immer fröhliche Eri insgeheim mit großen Selbstzweifeln und der ständigen Angst, anzuecken und allein zurückzubleiben, kämpft.

Das Ende des Bandes und die Konsequenzen, die Fuyuki aus der Situation zieht, haben mich wirklich überrascht und ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte im zweiten Band, welcher vergangenen Monat erschienen ist, weitergehen wird. Aktuell sind auf der Seite des Verlags vier Bände gelistet, die Serie scheint jedoch noch nicht abgeschlossen zu sein.

Schnell sein lohnt sich bei "There Is No Love Wishing Upon a Star" übrigens: der ersten Auflage liegt in beiden bisher erschienenen Bänden ein wunderschöner Miniprint bei!

There Is No Love Wishing Upon a Star Band 1 | Shinoa | Egmont Manga | Neupreis 8,50€ | Empfohlen ab 14 Jahren | Genre: Girls Love | Link zum Buch

Sonntag, 2. November 2025

Buchvorstellung: Car Crush 1 von Deme Kingyobachi

Worum geht es?

Chiba ist Fahrlehrer und überaus beliebt bei seinen Schülern. So ist es schon häufiger vorgekommen, dass einer seiner Schützlinge sich in ihn verliebt hat, was jedoch nie ein Problem war, da er diesen stets mit professioneller Distanz zu begegnen wusste. Als ihm ein gutaussehender, aber sehr nervöser Mann als neuer Schüler zugeteilt wird, weckt dieser jedoch Chibas Interesse. Warum macht es den Eindruck, als würde dieser ihn bereits kennen? Durch einen Zufall kommen die Beiden außerhalb der Fahrschule ins Gespräch und die Chemie zwischen ihnen scheint zu stimmen - doch vieles bleibt zunächst unausgesprochen. Wird es ihnen gelingen, diese Hürde zu überwinden?

Meine Meinung: 

"Car Crush" Band 1 von Deme Kigyobachi war für mich ein sehr starker Manga. Das Setting in einer Fahrschule war interessant und erfrischend, da es einen ungewöhnlichen Einblick in diesen Berufszweig gegeben hat, der sich anscheinend ganz schön von dem unterscheidet, den wir hierzulande erleben. Die größte Stärke lag für mich jedoch in der Art, wie Chiba und sein Schüler Yaotome einander begegnen, da diese auf mich sehr realistisch und typisch für die japanische Gesellschaft wirkte. Lange Zeit steht zwischen den beiden Charakteren eine extreme, höfliche Distanz, geboren aus der Tatsache, dass sie in einer professionellen Lehrer-Schüler Beziehung stehen, aber auch aus gesellschaftlichen Konventionen. So hält Chiba seine Sexualität selbst gegenüber seinen engsten Kollegen geheim während Yaotome wesentliche Details zu seiner Arbeit als Mangaka verschweigt. Beide machen es sich so nicht leicht, einander offen zu begegnen und schleichen lange umeinander herum, ohne klar und deutlich zu signalisieren, was sie zueinander hinzieht.

Die Art, wie die Story erzählt wird, ist dabei durchgehend süß und humorvoll. Es fällt nicht schwer, die beiden Protagonisten lieb zu gewinnen und mitzufiebern, wie sich ihre Beziehung entwickeln wird. Auch die Zeichnungen sind meinem Empfinden nach sehr ansprechend. Nur wer Spice sucht, wird hier enttäuscht werden, denn der Fokus liegt eindeutig auf der Story und der Charakterentwicklung, sodass der Band auch für Genre-Neulinge bestens geeignet ist.

Ein zweiter Band ist bereits angekündigt, doch leider muss sich der geneigte Leser hier noch in Geduld üben. Aktuell ist dieser nämlich erst für den kommenden Herbst gelistet.

Car Crush Band 1 | Deme Kingyobachi | Egmont Manga | Neupreis 8,50 € |  Empfohlen ab 14 Jahren | Genre: Boys Love | Link zum Buch