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Montag, 20. Juli 2020

Sackpfeifen am Affenfelsen: Das Mittelalter Spectaculum im Osnabrücker Zoo

Am Tag nach dem Heidevolk-Konzert ging es zu einer Freundin nach Münster, und von dort war es am Sonntag nur noch ein Katzensprung nach Osnabrück, wo zum wiederholten Male ein Mittelalter Spectaculum stattfand. 


An mehreren Stellen im Zoo wurde zu diesem Zweck ein kleiner Mittelaltermarkt aufgebaut und es gab ein Programm mit Musikern und Gauklern. Beim Standort der Bühne war natürlich darauf geachtet worden, dass diese nicht zu nah an den Tiergehegen stand. Diese wurden also keinem übermäßigen, zusätzlichen Stress ausgesetzt. Die Konzerte fanden zudem auch unverstärkt statt. Zu unserer großen Freude zählten zum musikalischen Programm auch wieder Obscuratis, deren Auftritte wir am Tag unseres Besuches natürlich fleißig besuchten. 

Heimspiel im Zoo: Obscuratis aus Osnabrück

Doch natürlich verbrachten wir nicht den gesamten Tag auf dem Mittelaltermarkt, sondern nutzen auch die Gelegenheit, einen ausgiebigen Rundgang durch den Osnabrücker Zoo zu unternehmen, den wir zu diesem Zeitpunkt schon eine ganze Weile nicht mehr besucht hatten. Eigentlich eine Schande, denn es handelt sich um einen wirklich schönen Zoo, der auch mit Bus und Bahn gut zu erreichen ist.

Hier gibt es jetzt eigentlich auch gar nicht mehr so viele Worte zu erzählen, stattdessen lasse ich abschließend lieber ein paar Impressionen aus dem Zoo für sich sprechen:

Wunderschön: Paradieskranich

Schlummernder Polarfuchs - wie niedlich kann man denn bitte im Schlaf aussehen? ♥

Die Hudson Bay Wölfe beim Mittagschlaf

Neugieriges Rußköpfchen

Zeit fürs Mittagessen

Auch ohne den Mittelaltermarkt wäre es sicher kein Problem gewesen, den ganzen Tag im Osnabrücker Zoo zu verbringen, denn es gab viel zu entdecken. Die Gehege der Tier waren geräumig und vielseitig gestaltet und - wie man sieht - oftmals auch sehr fotofreundlich gestaltet. Wir hatten jedenfalls viel Spaß bei unserem Besuch.

Montag, 23. Mai 2016

Wir sind Augenklappen-Weltmeister! - Die Maiwoche in Osnabrück

Eigentlich kann man mich mit Stadtfesten ja jagen - zu viele "normale" Menschen in Hochstimmung auf zu engem Raum. Bei der traditionellen Maiwoche in Osnabrück hatte man in diesem Jahr jedoch auch einen sehr interessanten Anlaufpunkt für Menschen wie mich geschaffen - mehr als reizvolles Musikprogramm inklusive. So kam es dann auch, dass ich mich am Donnerstag Nachmittag mit einer Freundin auf den Weg machte, einen ganzen Abend auf der Maiwoche zu verbringen. 

Es galt pünktlich zu sein, denn noch vor Beginn des regulären Musikprogramms sollte es einen Rekordversuch geben. Es ging um nichts weniger als den Weltrekord für die meisten tanzenden Menschen mit Augenklappen. Mehr als 250 Menschen galt es dafür an einem normalen Werktag vor der Bühne zu versammeln. Nicht ganz ohne, doch zum Glück standen Mr. Hurley & die Pulveraffen Pate bei der ganzen Aktion und schafften es, mehr als 300 Menschen rechtzeitig vor die Bühne zu holen. Dem Anlass entsprechend hatten die drei Piratenbrüder sich sogar richtig in Schale geschmissen, sodass sie sogleich in einer Mischung aus Piratenoutfit und bestem Sonntagsstat die Siegesurkunde vom Rekodinstitut für Deutschland entgegennehmen konnten.

Im Anschluss ging es dann auch gleich mit dem Musikprogramm weiter, welches an diesem Tag von der Kilkenny Band eröffnet wurde. Die vier Jungs sorgten mit Irish Folk in einer Mischung aus bekannten Traditionals und eigenen Songs schnell für gute Stimmung beim Publikum, und auch das Wetter lud endlich einmal wieder zum draußen Feiern ein. Alles sehr gut für die junge Band, die den Tag für Videoaufnahmen nutze.

Jascha und Raphael von der Kilkenny Band

Nach einer durch technische Probleme etwas längeren Umbaupause betraten schließlich die Mittelalter-Rocker von Reliquiae die Bühne. Die Osnabrücker waren ganz kurzfristig für Svenson eingesprungen, die ihren Auftritt auf der Maiwoche hatten canceln müssen. 
Durch den verspäteten Beginn fiel das Konzert von Reliquiae leider deutlich kürzer als geplant aus - ein richtig guter Auftritt war es dennoch. Die Band präsentierte einige Lieder von ihrem erst vor Kurzem erschienenen neuen Studioalbum "Winter", aber auch einige wenige ältere Stücke, darunter als klassischen Rausschmeißer das White Stripes Cover zu "Seven Nation Army".
Svea von Reliquiae

Mittlerweile war es früher Abend geworden und der Platz vor der Bühne füllte sich zusehends, bevor mit Mr. Hurley & die Pulveraffen die letzte Band des Abends ihr Intro anspielte. Wie eigentlich erfahrungsgemäß immer, gelang es der Band sehr schnell, das Publikum in Feierwut zu versetzen. Auf eine Nachfrage zeigte sich dann auch, dass sie für weite Teile der Meute vor der Bühne keine unbekannten waren. Dennoch ist davon auszugehen, dass die drei Jungs an diesem Abend wieder so manchen neuen Fan dazugewinnen konnten - so war es beispielsweise ein schöner Anblick, nach dem Konzert zwei Damen im Rentenalter glücklich mit einem "Fetten Beutel" aus dem Merch-Sortiment der Band von Dannen ziehen zu sehen. Mr. Hurley & die Pulveraffen wissen einfach weit über jegliche Szenegrenzen hinaus zu überzeugen. Ich habe jetzt schon das Gefühl, dass es zumindest in Osnabrück, der Heimatstadt der Band, kaum noch jemanden gibt, der nicht zumindest den Text zu "Blau wie das Meer" kennen würde.
Der einäugige Morgan von Mr. Hurley & die Pulveraffen

Um 22 Uhr war der Spaß an diesem Abend dann leider schon vorbei. Es wäre sehr schön, wenn sich die Timezone-Bühne bei der Osnabrücker Maiwoche auch in den kommenden Jahren etablieren würde und mit einem ähnlich gutem Programm locken würde. Ich für meinen Teil wäre jederzeit wieder gerne dabei!

Mittwoch, 6. April 2016

Konzertbericht: Osterkonzert in Osnabrück

Nun, da habe ich aber wirklich etwas rumgetrödelt mit meinem Bericht zum alljährlichen Osterkonzert in der Osnabrücker Lagerhalle. Eineinhalb Wochen ist es nun schon wieder her, dass Reliquiae zu ihrem für uns mittlerweile schon zur Tradition gewordenen Konzert am Ostersamstag eingeladen hatten. Und diesmal gab es sogar doppelt Grund zum Feiern: Mit einem neuen Reliquiae-Album feierte sich das Osterfest doch gleich noch viel schöner!

Wer ein Fest zu feiern hat, der lädt sich natürlich auch Gäste ein. Das hatten auch Reliquiae in diesem Jahr wieder getan. Waldkauz und Trollfaust waren der Einladung gefolgt und spielten an diesem Abend für das Publikum auf.

Eröffnet wurde der Konzertabend durch Waldkauz. Die junge Pagan Folk-Gruppe brachte mit ihren tanzbaren Klängen schnell Bewegung ins Publikum. Sie spielten Songs ihres bisher einzigen Albums, hatten jedoch auch neues Material im Gepäck, darunter "Mati Syra Zemlya", ein slawisches Stück, das dazu aufruft, sein Leben bewusst und mit allen Sinnen zu erleben. Besagtes Stück wird am 15. April sogar als Single veröffentlicht werden - zunächst nur in Downloadform, später aber wohl auch als physischer Tonträger. Weiterhin nicht fehlen im Set der Band durfte "Heiden unserer Zeit", zu dem Waldkauz weite Teile des Publikums zum lautstarken Mitsingen motivieren konnten. 
 Ihr neues Merchandise hatte die Band auch mitgebracht, sodass nun seit Ostersonntag ein schönes Waldkauz-Poster meine Wand ziert. ♥

Hörprobe:


Als die Damen und Herren von Waldkauz schließlich die Bühne verließen, hatte sich die gute Laune bereits im ganzen Publikum ausgebreitet. Gespannt betrachtete man den aufwändigen Bühnenaufbau, der dem Auftritt der zweiten Band des Abends vorausging. Trollfaust lieferten dann vor einem massigen Stahlgestell auf der Bühne ein Konzert ab, das in krassem Kontrast zum Auftritt ihrer Vorgänger Waldkauz stand. Bei den Trollen regierten Dudelsäcke und Trommeln. Und eine Männlichkeit, die manch zartem Wesen in der ersten Reihe ein wenig Angst zu machen schien, wie wir amüsiert beim Blick um uns herum feststellten. Mit Trollfaust ließ es sich ausgezeichnet feiern und gröhlen, und auch die Füße mussten nie still stehen. Und wer hätte sich schon nicht gefreut, von der Band zum Abschluss als mittelmäßiges Publikum gelobt zu werden! ;)

Hörprobe:


Trollfaust verließen die Bühne, wieder wurde umgebaut, und schon war die Zeit für die letzte Band des Abends gekommen. Reliquiae hatten sich schick gemacht für ihren Auftritt. Das Mittelalter war da optisch von der Bühne verschwunden - recht passend, da mit den neuen Stücken auch eindeutig die Rockelemente das Ruder übernommen hatten. Reliquiae präsentierten viele Stücke von ihrem neuen Album "Winter", welches vor Ort sogar schon erstanden werden konnte - offizielles Release ist erst am kommenden Freitag (08.04). Der dichte, rockige Sound mit den mittelalterlichen Akzenten wusste dabei auf ganzer Linie zu überzeugen. Außerdem machte es großen Spaß zu sehen, wie Sänger Bastus in den jeweiligen Stücken aufging und einen ganzen Haufen an fast schon theatralischer Ausdruckskraft in seine Darbietungen legte. Mich persönlich überzeugten an diesem Abend von den neuen Stücken besonders "Schwefelholz" sowie "Flucht".
Natürlich hatten aber auch ein paar ältere Stücke ihren Weg in das Set von Reliquiae gefunden, darunter der allseits beliebte "Sisyphos." Das Publikum wirkte allgemein begeistert vom Auftritt der Band und ließ sie natürlich nicht ohne Zugabe gehen. 

Hörprobe:


Allen Protesten zum Trotz ging der Konzertabend dann aber doch irgendwann einmal zu Ende. Wir machten uns auf den Weg zum Bahnhof, verirrten uns dabei zum x-ten Mal (Osnabrück, ich hasse dich!) und verpassten beinah unsere Zug nach Hause. In der Nacht wurden dann die Uhren umgestellt, weswegen ich mich auf der Fahrt zum elterlichen Osteressen am nächsten Tag auch irgendwie mehr tot als lebendig fühlte. Wert war das dieser tolle Abend aber trotzdem alle Male. Und ich erwarte, dass wir uns nächstes Jahr alle an der selben Stelle wiedersehen - schöne Traditionen soll man schließlich beibehalten!

Mittwoch, 30. März 2016

Konzertbericht: Mr. Hurley & die Pulveraffen und Versengold in Osnabrück

Dass es um Ostern herum in Osnabrück interessant wird für Freunde mittelalterlicher Musik hat ja nun durch das alljährliche Osterkonzert in der Lagerhalle (Bericht folgt) schon seit einigen Jahren Tradition. In diesem Jahr wurde das Osnabrücker Osterwochenende jedoch bereits am Donnerstag von einem anderen Konzert eröffnet. Mr. Hurley & die Pulveraffen hatten im Rosenhof zum Abschlusskonzert ihrer ersten eigenen Tour geladen und sich dabei zur Unterstützung ihre Freunde von Versengold eingeladen. Die Besucher erwartete so ein Abend mit folkiger Doppel-Headlinershow.

Was für einen Status Mr. Hurley & die Pulveraffen in ihrer Heimatstadt mittlerweile genießen, wurde an diesem Abend bereits vor dem Einlass deutlich. Bis um die nächste Straßenecke standen die wartenden Fans vor dem ausverkauften Rosenhof. Viele waren im Piratenoutfit angereist und überall in der Schlange hörte man die typischen "Ach ja? Komma her!"-Rufe, die mittlerweile jedes Konzert der Band begleiten.

Es dauerte eine ganze Weile, bis alle Besucher Einlass in das ehemalige Kino gefunden hatten, dann aber war es brechend voll in der Halle. Die Lokalmatadore von Mr. Hurley & die Pulveraffen eröffneten schließlich das Konzert. In voller Konzertlänge boten sie dem Publikum das Programm ihrer Aggroshanty-Tour dar. Dabei gab es natürlich viele Songs der aktuellen Platte "Voodoo" zu hören, doch auch neues Material hatten sie mitgebracht. Außerdem hatten sie sich Gäste mitgebracht und wurden von diesen an ihren Blasinstrumenten tatkräftig bei "Die Legende von Daisy Jones" und "Nüchtern" unterstützt. 
War die Stimmung im Publikum von Anfang an gut gewesen, so gab es als die ersten Töne des Bandklassikers "Blau wie das Meer" ertönten kein Halten mehr. Es schien niemanden in der Halle zu geben, der dieses Lied nicht mitsingen konnte und es nicht auch aus vollem Hals tat. Doch auch im ruhigsten Moment des Konzerts, bei der Ballade "Abschiedslied", bewies das Publikum Klasse und hörte weitestgehend ruhig zu. Wer die Band öfters live gesehen hat, der weiß, dass dem leider absolut nicht immer so ist.

Hörprobe:

 
Obwohl Mr. Hurley & die Pulveraffen ja ein ganzes, langes Set spielten, ging der Auftritt gefühlt sehr schnell vorbei. In der folgenden Umbaupasue leerte sich der Raum ein wenig, doch viele schienen auch gleich stehen zu bleiben oder sich gute Plätze für das bevorstehende Versengold-Konzert zu suchen.

Auch die mittlerweile sieben Jungs von Versengold spielten an diesem Abend ein volles Set. Für sie war der Auftritt Teil ihrer aktuellen Zeitlos-Tour. Im Gegensatz zu ihren Kollegen von den Pulveraffen hatte für sie die Tour jedoch gerade erst begonnen. Versengold präsentierten sich dem Publikum gewohnt voller Energie und guter Laune, und diese gute Laune war ansteckend. Im Publikum ging es immer wilder zu, es wurde getanzt und gesprungen was das Zeug hält. Neben den Songs ihres aktuellen Studioalbums "Zeitlos" spielten Versengold auch Bandklassiker wie "Paules Beichtgang", "Drey Weyber" oder "Im Namen des Folkes". Mit "Wem? Uns!" und "Halunken betrunken" waren sogar zwei Lieder ihres schon einige Jahre zurückliegenden Räuberalbums "Dreck am Stecken" mit im Programm.
Wieder kam es einem viel zu früh vor, als das Konzert schließlich auf sein Ende zuging. Dass dieses Ende nun tatsächlich gekommen war, wurde einem erst widerwillig bewusst, als Versengold ihr traditionelles Abschiedslied anstimmten. Mit diesem ging ein wundervoller Konzertabend vorbei. 

Hörprobe:

 
 Die Lust auf mehr war geweckt, und da war es gut zu wissen, dass es bereits zwei Abende später mit dem traditionellen Osterkonzert in der Lagerhalle weitergehen würde. Doch das ist eine Geschichte für einen anderen Post. ;)

Samstag, 30. Januar 2016

Konzertbericht: Vroudenspil in Osnabrück

Letzten Samstag war es endlich an der Zeit, die Konzertsaison 2016 zu eröffnen. Aus diesem Anlass ging es einmal wieder nach Osnabrück. Im Westwerk gastierten Vroudenspil im Rahmen ihrer "Fauler Zauber"-Tour. Unterstützt wurden sie dabei von der Kilkenny Band.

Man kann nicht leugnen, dass sich zum angekündigten Einlass nur ein unerwartet kleines Publikum im Westwerk eingefunden hatte. Man munkelte, Schlagwörter wie "Blitzeis" könnten dafür verantwortlich gewesen sein. Da der Konzertbeginn sich letztlich jedoch etwas nach hinten verschob, trudelten zum Glück doch noch einige Leute ein, bis die Kilkenny Band die Bühne betrat.

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich die Kilkenny Band zuletzt live sehen durfte und ich war doch sehr gespannt auf das neue, vor kurzem erst veränderte Line-Up. Überraschenderweise spielte die Band jedoch nur zu dritt, Geiger Raphael konnte leider nicht anwesend sein. Trotzdem brachte die Band auch in reduzierter Besetzung das Publikum gut in Stimmung mit ihrem Irish Folk. Zu hören gab es natürlich allerhand Traditionals, aber auch noch einiges anderes. So bewies die Kilkenny Band, dass sich ein klassisches Stück wunderbar folkig spielen lässt und präsentierte eine wirklich großartige Version von Julie Fowlis' "Touch The Sky" - vielen sicher in guter Erinnerung aus dem Pixar-Streifen "Merida". Überhaupt überzeugte die angenehme und kräftige Stimme des neuen Sängers Dennis auf ganzer Linie.

Hörprobe:


Die Kilkenny Band hinterließ für Vroudenspil ein Publikum in bester Feierlaune. So lobte auch Sänger Ratz bald die Motivation der kleinen Meute, die tapfer vor der Bühne stand und sang, sprang, tanzte und auch sonst zu allem Blödsinn bereit war.

Vroudenspil spielten an diesem Abend wie erwartet viele Songs ihrer neuen Platte "Fauler Zauber", ließen jedoch auch die Klassiker nicht zu kurz kommen. Natürlich wurde auch der Geburtstag von Bandmitglied Petz gebührend mit einem Liedchen und Luftballons gefeiert. 

Bei Songs wie "Spilmannsweise" konnten natürlich weite Teile des Publikums mitsingen, doch sogar bei den ganz neuen Songs entdeckte ich schon einiges an Textfestigkeit um mich herum. Die neuen Songs kamen live auch sehr gut rüber und wurden sehr gefeiert. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass die Leute, die sich an diesem Samstagabend eingefunden hatten ihre verhältnismäßig kleine Anzahl durch ein richtig großes Engagement wieder wettmachten. Auch die Band machte den Eindruck, als hätten sie Spaß und gemeinsam wurde es ein wirklich guter Abend.

Leider ereilte meine Freundin und mich wieder einmal das alte Schicksal der ÖPNV-Nutzer und wir mussten ein paar Minuten vor Ende des Konzerts gehen. Das letzte, was wir sahen, war ein auf Wunsch der Band gemütlich auf dem Boden vor der Bühne sitzendes Publikum. Ein schöner letzter Eindruck an einem ingesamt sehr gelungenen Abend. An alle, die nicht da waren, bleibt nur zu sagen: ihr habt wirklich was verpasst!

Hörprobe:


Mittwoch, 17. Juni 2015

Sing und tanz auch ohne Feuerschwanz - das Fairytale Festival in Osnabrück

Nach einer für meine Verhältnisse recht langen Pause war ich am Samstag endlich wieder unterwegs, um ein Festival zu besuchen. Dieses Mal führte mich mein Weg auf das Fairytale Festival nach Osnabrück.

Neugierig, aber auch ein wenig skeptisch, machte ich mich gegen Mittag auf den Weg. Warum die Skepsis? Nun, im Vorfeld ging es da ziemlich rund. Eigentlich hatte die Mittelalter-Comedy Band Feuerschwanz auftreten sollen - einer der Hauptgründe für mich und meine Begleitung, das Festival besuchen zu wollen. Allerdings wurde die Band dann kurzfristig wieder ausgeladen, wegen ihrer angeblich sexistischen Texte. Über den Vorfall und die anschließende Schlammschlacht zwischen Fans und Gegnern der Band hatte ich in den vergangenen Wochen berichtet: Hier und hier.

Wir beschlossen jedenfalls, das Festival trotz allem zu besuchen, es aber ruhig angehen zu lassen. Die ersten Bands (Jon Sun, x-sidaz und Fenster auf Kipp) sahen wir darum nicht und auch von der All-Girl Punkband Biestig bekamen wir nur noch die letzten Töne mit.

Los ging es für uns dann erst mit den Benuts, die eine Stunde lang ziemlich tanzbare Skamucke präsentierten. Trotzdem musste ich feststellen, dass diese Musikrichtung mich auf Dauer einfach nicht zu fesseln vermag.

Wir nutzten die Zeit darum weitestgehend, um das kleine Gelände, den Schlossinnenhof der Universität in Osnabrück zu erkunden. Kulinarisch gab es für uns von exotischen Mittelaltermarkt-Essensständen verwöhnte Menschen wenig Neues zu bieten, aber es gab eine gewisse Auswahl und man wurde zu sehr fairen Preisen satt. Ansonsten gab es noch einige Infostände und natürlich Merchandisestände der auftretenden Bands.



 Radio Havanna

19:30 Uhr betraten dann Radio Havanna eine der beiden abwechselnd bespielten Bühnen. Das war eine der Bands, auf die ich im Vorfeld richtig gespannt war, und ich wurde nicht enttäuscht. Die vier Jungs präsentierten deutschsprachigen Punkrock mit richtig guten Texten und lehrten mich, dass ein Bengalo auch am hellichten Tag richtig übel blendet. :D



 Reliquiae

Direkt im Anschluss ging es auf der anderen Bühne mir Reliquiae weiter. Die Osnabrücker Mittelalterrocker waren spontan für die ausgeladenen Feuerschwänze eingesprungen und heizten dem Publikum ordentlich ein. Unsere vorherigen Befürchtungen, ob eine einsame Mittelalterband in dem ansonsten ziemlich punklastigen Line-Up bestehen könnte, erwiesen sich zum Glück als mehr als unbegründet. Reliquiae wurden richtig abgefeiert und konnten an diesem Tag sicher dem Einen oder Anderen ein ganz neues Genre näherbringen.

Als vorletzte Band des Tages traten schließlich Unzucht auf. Auch der Auftritt der Dark Rocker war im Vorfeld ziemlich kontrovers diskutiert worden, spielt die Band doch einen Song mit dem Titel "Kleine geile Nonne", der die Warnleuchten der Sexismus-Polizei schrillen ließ. Sie wurden aber dann zum Glück doch nicht auch noch ausgeladen und dankten es mit einer großartigen Show.



 Unzucht
  Eine der großen Fragen für uns beim Auftritt von Unzucht war ja, ob sie "Kleine geile Nonne" nun spielen würden oder nicht. Es machte mich dann auch sehr glücklich, als schließlich tatsächlich die unverkennbaren ersten Töne des Songs erklangen. Und Unzucht beließen es nicht dabei: Sie widmeten den Song ihren geschassten Kollegen von Feuerschwanz und verteilten einige Shirts der Band im Publikum. Sänger "Der Schulz" hielt außerdem während des ganzen Songs die Flagge mit dem Feuerschwanz-Drachen. Ein Statement, das bei allen anwesenden Feuerschwanzfans sehr gut ankam. Im Anschluss warf er die Flagge dann auch noch ins Publikum, wo sie von einem glücklichen Fan gefangen wurde. Wer sich dafür interessiert, was im Anschluss passierte, dem empfehle ich das PS dieses Artikels. Aus meinem Festivalreview möchte ich diese Geschichte nämlich ganz gerne heraushalten.

Headliner des Festivals waren schließlich Jaya The Cat. Da ich viel von den Livequalitäten der Band, die ihre Musikrichtung als "Drunk Reggae" bezeichnet, gehört hatte und mich gerne selbst davon überzeugen wollte, blieben wir noch bis zum Beginn des Konzertes. Leider mussten wir dann beide sehr schnell feststellen, dass das definitiv nicht unsere Musik ist und traten den Heimweg an.

Insgesamt war das Fairytale Festival ein sehr gelungenes Erlebnis für mich. Viele verschiedene Musikrichtungen zogen viele verschiedene Menschen an, die alle friedlich miteinander feierten. Jede Band fand ihr Publikum, keine Band wurde von Fans der anderen Bands angefeindet (ich habe da schon anderes erlebt). Bedauert habe ich nur, dass sowohl meine Freundin als auch ich ihre guten Kameras zu Hause gelassen haben, da wir auf eine Anfrage die Auskunft bekommen hatten, Kameras, die potenziell kommerzielle Fotos schießen könnten, seien nicht gestattet. Diese Formulierung war so schwammig, dass ich mich nicht traute, meine Kamera mitzunehmen, obwohl es sich bei ihr um kein professionelles Modell handelt. Vor Ort liefen dann jedoch an allen Ecken Leute mit Spiegelreflexkameras rum, während ich jetzt mit den ziemlich mäßigen Bildern meiner zehn Jahre alten Kompaktkamera leben muss. Shit happens.

Zum Abschluss: Das leider notwendige PS oder die Sache mit der Flagge:
 
Wie ich ja oben erwähnte, verschenkten Unzucht eine Flagge ihrer Kollegen von Feuerschwanz. Der Fänger hatte jedoch nur kurz Grund, sich über sein Glück zu freuen, da ihm die Flagge noch am Abend wieder gestohlen wurde. Und zwar von "AktivistInnen", die daraufhin ein ganz tolles, unheimlich subversives Foto mit dem Diebesgut machten und ein Statement über Indymedia veröffentlichten. Ich überlasse es jedem selbst, sich ein Bild zu diesem hoffentlich letzten Akt im Drama um den Auftritt einer Band zu machen, die Osnabrück in den vergangenen Jahren mehrfach friedlich bespielte...

Montag, 25. Mai 2015

Streit um das Fairytale Festival geht in die nächste Runde

Vor einigen Tagen hatte ich ja bereits berichtet, dass beim nächsten Monat in Osnabrück stattfindenden Fairytale Musikfestival mit Feuerschwanz einer der Headliner spontan ausgeladen wurde. 

Grund für die kurzfristige Ausladung der Band waren Vorwürfe der autonomen Referate des Asta der Uni Osnabrück, die Band verbreite sexistische und frauenfeindlicheTexte. Konkret bezog man sich dabei wohl hauptsächlich auf das Lied "Wunsch ist Wunsch", bei dem es um den Beischlaf mit einer Fee (sic!) geht. Die Kritiker/innen interpretierten den Songtext als Ausdruck einer Vergewaltigungsphantasie. Ich möchte an dieser Stelle eigentlich nicht nochmal darauf eingehen, wie man einen Text mit einem so offenkundig nicht ernst gemeinten Text für bare Münze nehmen kann. Auch spare ich mir den Einwand, dass die Fee bei Feuerschwanz-Konzerten meiner Erinnerung nach immer von einem Mann dargestellt werden. Wie sich herausgestellt hat, prallt jegliche Kritik an dem albernen Vorgehen der Veranstalter ohnehin ungehört ab.

Für die einen ist es schlicht lustiger Klamauk, für die anderen aber offenbar Sexismus: Feuerschwanz mit "Wunsch ist Wunsch"

In der lebhaften Diskussion, die sich an die Bekanntgabe der Absage von Feuerschwanz anschloss meinten viele der Verteidiger der Band mit offensichtlicher Ironie, dass man bei diesem Vorgehen ja wohl ganz eindeutig auch die Band Unzucht mit ihrem Track "Kleine geile Nonne" nicht hätte einladen dürfen. 

 
Da hatte man wohl nicht mit der kompletten Humorlosigkeit der Feuerschwanz-Kritiker gerechnet, denn nun steht besagte Band tatsächlich auf einer Prüfliste, man halte sie für "nicht unproblematisch" (NOZ). Auch alle anderen Künstler sollen nun auf ihre Texte überprüft werden. Die Farce geht also in eine neue Runde.

Feuerschwanz haben sich mittlerweile selbst zu den Geschehnissen geäußert und zeigen sich verständlicherweise ziemlich überrascht. Stephanie Pracht, Pressesprecherin der Band und vielen auch als Mitglied der Band unter dem Künstlernamen Johanna von der Vögelweide bekannt äußerte sich gegenüber der neuen Osnabrücker Zeitung wie folgt:
Alles, was wir machen, war und ist immer mit einem Augenzwinkern zu sehen. Wir waren immer der Meinung, dass unser Auftreten stets so überzogen gezeichnet ist, dass die Satire darin unmöglich zu übersehen sein könnte. Im Bezug auf den Asta der Uni Osnabrück ist dies wohl leider nicht der Fall.
Quelle: NOZ

Es bleibt abzuwarten, wer am 13. Juni nun überhaupt noch auf der Bühne am Osnabrücker Schloss stehen darf...

Freitag, 22. Mai 2015

Sexismusvorwürfe gegen Feuerschwanz - Fairytale Festival lädt einen der Headliner aus

Am 13. Juni findet in Osnabrück das kostenlose Fairytale Festival des Astas der dortigen Uni statt. Angekündigt wurde ein ziemlich buntes Line Up, bei dem neben Bands wie Jaya The Cat, Radio Havanna oder Unzucht eben auch Mittelalterliches von Feuerschwanz geboten werden sollte.

Letztere wurden nun kurz nach Bekanntgabe des Line-Ups gleich wieder ausgeladen. Unter den Studenten war Kritik laut geworden, der Band wurde Sexismus vorgeworfen und Proteste im Falle eines Auftretens angekündigt.

Feuerschwanz selber zeigten sich verständlicherweise überrascht und versprach ein Statement zu der Angelegenheit zu veröffentlichen. Auf der Facebookseite des Festivals liefern sich unterdessen Fans und Gegner der Band eine heftige Diskussion.

Ich persönlich halte die Ausladung der Band für ein ziemliches Armutszeugnis. Auf Wikipedia findet man als Beschreibung für den Stil von Feuerschwanz "Mittelalter Folk Comedy", und das trifft den Kern auch eigentlich ziemlich gut. Hier wieden sämtliche Klischees über das Mittelalter aufs Korn genommen und dabei wird man auch gerne mal anzüglich. Weil es lustig ist. Humor ist eben nicht immer auf dem Niveau politischen Kabaretts. Dass dabei niemand Textzeilen wie "Bück dich Fee" ernst meint, sollte eigentlich jedem mit einem Körnchen gesunden Menschenverstand klar sein. Bisher hatte ich auch immer den Eindruck, dass es auch jedem klar ist. Denn wer das Ernst nimmt und die Band dafür anfeindet, dem ist meiner Ansicht nach nicht mehr zu helfen. So sieht für mich fehlgerichtete und übertrieben Political Correctness in Reinstform aus. 

Als gäbe es nicht genug Themen in diesem Land, bei denen es für Feministinnen und Feministen, Antisexisten und Antisexistinnen (na, war das PC genug?), die gerne aktiv werden mögen, sinnvoll wäre, Präsenz zu zeigen und zu protestieren. Aber nein, da genießt man lieber den zweifelhaften Erfolg, eine harmlose Band von einem Festival Line-Up gekickt zu haben und damit einem ganzen Haufen Fans ans Bein gepisst zu haben. Herzlichen Glückwunsch. Zum Glück sind wir es in der Mittelalterszene ja gewohnt, pauschal mit diversen negativen Attributen versehen zu werden. Sind wir nun nicht nur kindisch, dumm, ungewaschen, rechtsradikal und was ich nicht noch alles schon gelesen habe, sondern eben auch noch sexistisch. Manch eine(r) macht sich die Welt eben gerne so, wie sie ihm oder ihr gefällt. 

Den Platz von Feuerschwanz nimmt nun übrigens die Osnabrücker Mittelalterband Reliquiae ein. Viele Feuerschwanz-Fans haben trotz des würdigen Ersatzes bereits verkündet, das Festival von nun an meiden zu wollen. Eine Freundin und ich planen weiterhin den Besuch, schon alleine wegen Reliquiae, die ja nichts für den ganzen Ärger können. Und möglicherweise wird meine Freundin an dem Tag ja rein zufällig ihr Feuerschwanz-Hoodie tragen und damit vielleicht nicht alleine sein... :D

Der neuen Osnabrücker Zeitung war die ganze Geschichte übrigens auch schon einen Artikel wert, den ich an dieser Stelle mal verlinken werde:

Fairytale-Festival 2015: Sexismus? Asta der Uni Osnabrück lädt Band Feuerschwanz aus

Es möge sich nun jeder sein eigenes Bild machen.

Übrigens, möchten sich die christlichen Univerbände nun vielleicht auch noch einmischen und Unzucht vom Festival kicken? Schließlich haben die einen Song namens "Kleine geile Nonne". Oder wäre das nicht gar auch noch ein Anliegen für die feministisch Engagierten Osnabrücks? Geht hier doch schließlich auch um die Würde der Frau. ;)

Donnerstag, 16. April 2015

Konzertbericht: Osterkonzert in Osnabrück

Mittlerweile hat es sich zu einer schönen, jedes Jahr wiederkehrenden Tradition entwickelt, dass in der Osnabrücker Lagerhalle am Ostersamstag ein Osterkonzert veranstaltet wird. Ein Event, dass auch an diesem ersten Wochenende im April zahlreiche Mittelalterfreunde anlockte. Auf dem Programm standen in diesem Jahr Metusa und Reliquiae.

Beim Betreten der Lagerhalle erwartete die auf den Einlass wartenden Fans jedoch erst einmal eine Überraschung, die sich sehr bald als ziemlich unschön herausstellen sollte: Im Restaurantbereich der Lagerhalle, von dem aus eine Tür in den Konzertsaal führt, wurde Public Viewing veranstaltet. Die Begeisterung meiner Begleitung und mir hielt sich von Anfang an in Grenzen. Keine von uns beiden interessiert sich für Fußball, dafür verfügen wir beide über zahlreiche negative Erfahrungen mit den Fans dieser Sportart. An diesem Abend sollte sich zu diesen Erfahrungen eine weitere gesellen.

Wir reihten uns brav in die Schlange für den Einlass ein, und jene, die nach uns kamen, taten natürlich dasselbe. Plötzlich fielen einige Reihen hinter uns böse Worte: Einer der Fußballfans fühlte sich durch die Einlassschlange gestört, er konnte die Leinwand nicht mehr sehen. Das meinte er dem Mädchen, welches ihm im Weg war zeigen zu müssen, indem er ihr erst sagte, sie solle nach draußen verschwinden und sie dann an den Schultern aus dem Weg zu schieben versuchte. Er hielt das mit all seiner Unfreundlichkeit für sein gutes Recht, weil er ja bezahlte habe. Klar, wir alle natürlich nicht, oder wie? ^^ Sie verschwand ein wenig nach hinten und ein Mann nahm ihren Platz ein. Es kam, wie es klischeehaft kommen musste, und der Fußballfan wurde handgreiflich. Beinah kam es zu einer Schlägerei zwischen ihm und dem Konzertbesucher, den er sich packte und anschrie mit den Worten, er habe doch freundlich gefragt. Nun, seine Definition von "freundlich" muss sich gravierend von der in unserer Warteschlange unterscheiden. Auf der anderen Seite des Raumes gab es übrigens noch eine andere Leinwand, er hätte das Problem also auch einfach lösen können, indem er sich umgedreht und auf diese geschaut hätte... Aber offenbar legen gewisse Fußballfans großen Wert darauf, alle negativen Attribute, mit denen man sie gerne versieht, auch immer wieder aufs Neue zu bestätigen.

Irgendwann war es dann zum Glück endlich so weit und die Tür zur Konzertlocation öffnete sich. Ab da ging es endlich bergauf mit dem Abend. Als erste der beiden Bands betraten die Osnabrücker Reliquiae die Bühne. Für die war es an diesem Abend ein Auftritt mit einem ganz besonderen Anlss: Es war die Abschiedsshow ihres Schlagzeugers Zsolt, der die Band von Anfang an begleitet hatte. Um diese Zeit noch einmal Revue passieren zu lassen, spielte die Band an diesem Abend nicht nur Songs ihres aktuellen Albums "Pandora", sondern auch eine recht große Anzahl des Vorgängers "Audi Vide Tace". Außerdem gaben sie erste vielversprechende musikalische Einblicke in ihr bald erscheinendes, neues Album "Winter".

Zsolts Abschied während des Konzertes war dann auch wirklich bewegend für alle Anwesenden. Sogar seine Familie war anwesend, um ihm nach seinem letzten Songs Blumen und herzförmige Luftballons zu überreichen. Für ihn übernahm dann sein Nachfolger Lasko die Drumsticks. Am Ende des Auftritts jedoch tauchte Zsolt noch einmal kurz auf, um sich und Reliquiae mit ein paar sicher bald legendären Worten von der Bühne zu verabschieden: Die Kuh machte muh, das Schaf macht mäh, ihr saht gerade Reliquiae ;)

Hörprobe:


Nicht lange, nachdem Reliquiae die Bühne verlassen hatten, betrat McRogan dieselbe, um das Publikum für einige Minuten mit seinem Stepptanz zu unterhalten und irisches Flair in die Halle zu bringen. Die Leute unterstützten ihn dabei fleißig mit ihrem Klatschen.

Nach der Umbaupause ging es dann weiter mit der zweiten Band des Abends: Metusa. Auch die gaben alles und unterhielten das Publikum mit ihren größten Hits. Etwas ältere Stücke wie "Tanz", "Piratenseele" und "Fünf Nächte" fehlten da ebenso wenig wie Stücke vom aktuellen Album. Bei "Hüter der Meere" ließ die Band im Publikum sogar einen aufblasbaren Wal kreisen, den in Bewegung zu halten allen Anwesenden sichtlich Spaß bereitete.

Richtig großartig wurde es, als Sänger Dominik Reliqiaue als die beste Band Osnabrücks lobte und kurz darauf Schlagzeuger Henne nach vorne trat um einzuwenden, dass er ja Mr. Hurley & die Pulveraffen viel toller fände, nur um daraufhin von Dominik von der Bühne gejagt zu werden. Zum Scherz rief Dominik dann nach einem Schlagzeger von Reliquiae als Ersatz, woraufhin tatsächlich Zsolt auf die Bühne gestolpert kam und prompt engagiert wurde, das nächste Lied mit ihnen zu spielen. Kurzzeitig verfügte Metusa dann sogar über eine Drei-Mann-Rhytmussektion, als er sowohl von Henne als auch von Dominik unterstützt wurde.

Ich muss ja gestehen, dass ich bei Metusa lange mit dem Weggang von Sängerin Anja gehadert habe. Dadurch war eine Lücke entstanden, die zunächst nicht füllbar zu sein schien. Wer die großartige Interaktion, die auf der Bühne zwischen ihr und Frontmann Dominik herrschte, miterlebt hat, weiß sicher, wovon ich spreche. An diesem Abend konnten mich Metusa jedoch endlich wieder ähnlich begeistern wie früher, worüber ich mich sehr gefreut habe.

Hörprobe:


Leider konnten wir den Auftritt von Metusa jedoch nur bis zum letzten Lied vor der Zugabe verfolgen, danach mussten wir uns auf den Weg zum Bahnhof begeben. Da beide Bands an diesem Abend ein volles Set spielten (es handelte sich also quasi um eine Doppelheadlinershow), war es spät geworden und den letzten Zug wollten wir auf keinen Fall verpassen - schließlich fuhr der nächste erst am kommenden Morgen und es galt, in der Lage zu sein, den Ostersonntag für alle zufriedenstellend mit der Familie zu verbringen.

Trotz des unglücklichen Starts war es ein sehr schöner Abend und ich hoffe, dass uns die Tradition der Osnabrücker Osterkonzerte noch lange erhalten bleiben wird.

Freitag, 3. April 2015

Konzertbericht: Feuerschwanz in Osnabrück

Wie in letzter Zeit fast jedes Wochenende hat es mich auch am vergangenen Samstag wieder nach Osnabrück verschlagen. Dort machten an jenem Tag Feuerschwanz im Rahmen ihrer "Auf's Leben!" Tour in der Lagerhalle halt. Nachdem das gleichnamige neue Album durchaus gelungen ist und die Band dieses Jahr bedauerlicherweise nicht das MPS bespielen wird ein guter Grund, einmal vorbeizuschauen.

Los ging es jedoch erst einmal mit dem Support, den uns ebenfalls nicht unbekannten Freibeutern von Vroudenspil. Zu Beginn ihres Auftritts hatte man den Eindruck, dass viele der anwesenden Menschen die Band noch nicht kannten. Dennoch gelang es den Damen und Herren recht schnell, das Publikum auf ihre Seite zu bekommen und die Stimmung stieg von Lied zu Lied. Die Band - nicht wie gewohnt mit Kraken, sondern mit Flosse am Schlagzeug - bot einen schönen Querschnitt durch ihr bisheriges, immerhin schon drei Alben umfassendes Werk, wobei Songs wie "In der Halle des Dattelschnapskönigs" und "Reise nach Tortuga" nicht fehlen durften. Vroudenspil lieferten eine solide Liveshow und entließen das Publikum am Ende stimmungstechnisch perfekt für den weiteren Abend vorbereitet.

Nach der üblichen Umbaupause ging es dann weiter mit dem Hauptact des Abends, Feuerschwanz. Gespielt wurden an diesem Abend neben Liedern der neuen Platte wie "Blöde Frage, Saufgelage" und "Zuckerbrot und Peitsche" auch einige Klassiker wie "Hurra Hurra die Pest ist da" oder "Wir lieben Dudelsack". Und Feuerschwanz ließen sich auch wahrlich nicht lumpen, was ihre Show anging. Da wurde eine dracheneifömige Metmaschine aufgefahren, der Hauptmann hüllte sich in ein überlebensgroßes Ohr und Prinz Hodenherz stürmte als Druide verkleidet die Bühne. Auch eine tanzende Mieze durfte natürlich nicht fehlen. Auch das Publikum wurde stets eingebunden: So wurde eine Besucherin zur Jungfer, deren Aufgabe es war, dem Werben Hodis nicht nachzugeben und ein sehr glücklich wirkender junger Mann wurde seines Oberteils beraubt und stattdessen mit Matrosenmütze und Surfbrett ins Publikum zum Crowdsurfen zurückgeschickt. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass Feuerschwanz ein Spektakel boten, das seinesgleichen noch sucht. 

Positiv aufgefallen an diesem Abend ist aber auch, dass die Band es schafft, auch ernste Momente in ihre Show zu integrieren - keine leichte Sache für eine Band mit dem Ruf, eine der Mittelalter-Party-Bands schlechthin zu sein. Mit "Auf Wiederseh'n" bewies die Band dies eindrücklich, als er das ruhige und melancholische Stück seiner verstorbenen Mutter widmete und das Publikum während des ganzen Stückes andächtig ohne Zwischenrufe lauschte - etwas, was heute ja durchaus keine Selbstverständlichkeit (mehr?) zu sein scheint.

Irgendwann neigte sich dann natürlich auch dieses schöne Konzert seinem Ende entgegen, wobei keiner leugnen kann, dass Feuerschwanz selbst den Abschied pompös zelebrierten. Die Band konnte mich an diesem Abend mal wieder restlos von ihren Qualitäten als Liveband überzeugen. Wer eine gute Show und eine gute Party sucht, ist hier definitiv an der richtigen Stelle. Ich freue mich schon auf das nächste Mal!

Hörprobe:


Samstag, 28. Februar 2015

Konzertbericht: Mr. Hurley & die Pulveraffen in Osnabrück

Vor genau einer Woche verschlug es mich wieder ins Westwerk nach Osnabrück. Dort spielten an diesem Abend Mr. Hurley & die Pulveraffen ihr zweites Pre-Release-Konzert zum neu erscheinenden, dritten Album "Voodoo". Das erste Konzert hatte einen Tag vorher an gleicher Stelle stattgefunden. Dieser Tag war bei mir aber schon für Rapalje ausgebucht gewesen.

Eigentlich gab es an diesem Samstag sogar ein Doppelrelease zu feiern, denn auch die Vorband Ganaim hatte gerade ihr Debütalbum "Ceol ón Mhuileann" veröffentlicht. 

Das Westwerk war schon ziemlich gut gefüllt, als Ganaim die Bühne betraten. Da die Band noch neu ist, werde ich sie kurz vorstellen. Ganaim sind im Kern zwei Leute, nämlich Pínto (Gesang, Gitarre & Bodhrán) und Saskia (Geige & Gesang). Der Name Pínto könnte dem einen oder anderen auf diesem Blog schon einmal begegnet sein, da er mit seiner Band Versengold hier schon mehrfach Erwähnung gefunden hat. Für das Livekonzert in Osnabrück holte sich die Band außerdem noch Unterstützung von Irish Folk Musiker Cornelius Bode.

Ganaim boten als Einstimmung auf den Rest des Abends ihre Interpretationen traditioneller Folksongs aus diversen keltisch geprägten Ländern. Mit dabei waren Klassiker mit Gesang wie "Are You Sleeping Maggie" und "I'll Tell Me Ma", aber auch Tänze wie ein Andro und ein Jig. Mir persönlich haben die Interpretationen dieser Stücke durch die Bank alle sehr gut gefallen und ich hatte von Beginn an den Gedanken, dass es schön wäre, die Band eines Tages mal bei einer Balfolk-Veranstaltung zu sehen - oder einfach bei einem der zahlreichen keltisch angehauchten Festivals in den Niederlanden, bei denen die allgemeinen Balfolk-Skills weit ausgeprägter sind als im schnöden Deutschland. Dann würde sich auch sehr schnell der von der Band bedauerte Zustand, noch nie ein getanztes Andro erlebt zu haben, erledigen.
Der Auftritt der Band war jedenfalls durch und durch sympathisch, gerne mehr davon für mich. Vielleicht sieht man sich ja bald einmal wieder!

Hörprobe:


Nach einer Pause ging es dann weiter mit dem Hauptact des Abends, den lokalen Größen von Mr. Hurley & die Pulveraffen. Die begannen ihr Konzert an jenem Abend mit einer Panne: nach dem Intro ging es zwar wie geplant nahtlos mit dem ersten Song, "Leinen los!" vom neuen Album, weiter - doch leider war die Gitarre nicht zu hören. Da es ja ihr eigenes Konzert war und kein Zeitdruck herschte, taten wir alle so, als wäre nichts gewesen, und fingen noch einmal von vorne an.
Im kommenden Set gab es dann viel neues zu hören, da der Schwerpunkt auf den Songs des neuen Tonträgers "Voodoo" lag. Buckteeth Bannock erzählte die Geschichte von seinem "Taljenblock", Mr. Hurley informierte in "Haken an der Sache" über die Tücken der bei Piraten so beliebten Hakenhand und der einäugige Morgan bewies in dem wirklich großarrrrtigen "Nüchtern", dass wahre Freibeuter nicht immer betrunken sein müssen - ein Lied ganz nach meinem Geschmack! Gemeinsam wurden dann noch die Vorzüge von "Booty Island" erörtert und auch schon live erprobte Stücke wie "Urlaub" und "Schrumpfkopf im Rumtopf" fanden ihren Platz im Set.

Wie das nunmal leider so ist, neigt sich auch die schönste Piratenparty einmal ihrem Ende zu. So war es auch an diesem Abend, doch natürlich nicht ohne eine ordentliche Zugabe. Bei "Geißel der See" und "Blau wie das Meer" tanzte und gröhlte wohl geschlossen das komplette Publikum mit (außer den nervigen Typen mittleren Alters hinter uns, die das ganze wohl beim Kauf der Tickets mit ner Ballermannfete verwechselt hatten. Dieser Seitenhieb musste jetzt einfach mal sein).

Zum Abschluss holte uns die Band dann mit dem ruhigen "Abschiedslied" wieder auf den nicht immer nur schönen Boden der Tatsachen zurück, als sie das Lied ihrem im vergangenen Jahr bei einem Autounfall verstorbenen Tontechniker Jojo widmeten. Es war der mehr als würdige Ausklang eines insgesamt wunderschönen Abends.

Hörprobe:


Freitag, 27. Februar 2015

Konzertbericht: Rapalje in Osnabrück

Hurra, die konzertfreie Pause, die bei mir seit Weihnachten geherrscht hat, hatte am vergangenen Freitag endlich ein Ende. An diesem Tag nämlich gaben sich Rapalje (wie eigentlich immer einmal im Jahr) die Ehre, die Osnabrücker Lagerhalle zu bespielen.

In weiser Voraussicht, dass es voll werden würde, waren wir rechtzeitig vor Einlass da. Dies stellte sich in mehrfacher Hinsicht als gute Entscheidung heraus. Zunächst einmal trafen wir so noch vor Einlass auf Morti von der Osnabrücker Mittelalterband Reliquiae, der uns für den kommenden Tag mit der Mission, Flyer bei einem anderen Konzert zu verteilen, betraute. Und dann bekamen wir bei Einlass auch genau den Platz in der Halle, auf den wir es abgesehen hatten: Außen rechts an der Wand, auf der ersten Stufe nach oben. Da sieht man gut und hat in der Regel seine Ruhe. Das sollte sich auch an diesem Tag wieder bewahrheiten.

Rapalje gliederten ihr Set wieder in zwei Teile mit einer Pause in der Mitte. Der erste Teil des Sets war von eher ruhigen Liedern geprägt, jedoch spielten sie dort auch schon die meisten Lieder, von denen wir so sehr hofften, dass sie sie spielen würden. Für mich besonders erfreulich waren "Caledonia", mein absoluter Rapalje-Lieblingssong, sowie "Wat zullen we drinken". Meine Begleitung erfreute sich sehr daran, das gleich zu Beginn "Hearts of Steel" gespielt wurde. Wir konnten also beide schon in der Mitte des Konzertes zufrieden sein. 

Doch auch die zweite Hälfte bot noch einmal gute Unterhaltung. Zunächst bewiesen Rapalje hier auch noch einmal eindrücklich, dass sie auch menschlich sehr sympathisch sind, als sie von der Bühne aus einer Besucherin, die sonst schon hätte gehen müssen, eine Mitfahrgelegenheit nach Hause organisierten.
Musikalisch gab es dann natürlich auch in der zweiten Halbzeit Celtic Folk vom feinsten, wobei dieser Teil mir lebhafter und tanzbarer vorkam. Klassiker wie "Are Ye Sleeping Maggie" oder "Raggle Taggle Gypsy" wurden ebenso gespielt wie das wunderschöne niederländische Stück "De stad Amsterdam", welches ich schon so lange nicht gehört hatte. Am Ende zog die Band dann wieder mitsamt ihren Instrumenten in den Vorraum, um dort das Publikum noch ein wenig weiter zu unterhalten.

Wir machten uns dann so langsam auf den Heimweg, bekamen den letzte Zug nach Hause jedoch ohne Hast und Eile. So ging ein schöner Konzertabend vorbei und mir wurde wieder einmal bewusst, wie sehr ich Rapalje als Liveband schätze. Ihre Konzerte sind für Fans keltischer Folkmusik und all jene, die einfach gerne zu guter Musik feiern und tanzen wollen, eine klare Empfehlung. Ich hoffe, man sieht sich auch im kommenden Jahr wieder zu einem netten Abend in der Lagerhalle!

Hörprobe:


Sonntag, 23. November 2014

Konzertbericht: Mr. Hurley & die Pulveraffen in Osnabrück

Ursprünglich hatte es nur eine einzigartige Aktion sein sollen, als die drei Piratenbrüder von Mr. Hurley & die Pulveraffen an Ostern ein Plankrock-Konzert veranstalteten. Doch die Resonanz auf die rockige Version ihres Programms war einfach zu gut, so dass sie beschlossen, nachzulegen.

Vor einigen Tagen brachte die Band nun eine EP unter dem Titel "Plankrock" heraus. Und um diese Ereignis gebührend zu feiern, setzten sie ziemlich spontan noch ein Release-Konzert in ihrem heimathafen, dem karibischen Osnabrück an. Die Zweifel, ob man so spontan das angemietete Westwerk würde füllen können, erwiesen sich dabei sehr schnell als unbegründet: Weniger als eine Stunde nach Öffnung des Vorverkaufs waren alle 250 Tickets weg und es wurde sogar noch ein Zusatzkonzert gebucht, welches nach dem gestrigen Abend vermutlich auch restlos ausverkauft sein wird. Denn was da gestern geboten wurde, sollte man sich wirklich nicht entgehen lassen und ich kann mir gut vorstellen, dass einige der Besucher auch den Zusatztermin wahrnehmen werden!

Aber von Anfang an: Schon eine halbe Stunde vor dem Einlass hatte sich eine größere Gruppe Fans am etwas abgelegenen Veranstaltungsort eingefunden. Bis zu Einlassbeginn war daraus sogar eine sehr ansehnliche Schlange geworden.

So wurde den Herren von Kapeiken an jenem Abend das Glück zuteil, schon vor einem komplett gefüllten Saal aufspielen zu können. Und sie wussten diese Chance auch bestens zu nutzen. Schon nach dem grandios witzigen ersten Song hatten sie das Publikum in der Hand, und daran sollte sich auch im Verlauf des Auftritts nicht mehr ändern. Die deutschen Texte waren alle herrlich kreativ und oft zum wegwerfen komisch und zahlreiche Mitsing-Passagen banden das Publikum wunderbar ein. Ein Höhepunkt war da sicher, als die ganze Halle eher laut als schön versuchte, wie Dudelsäcke zu klingen, welche die Band mit der eher minimalistischen Instrumentierung nicht dabei hatte. Ich denke, wir im Publikum haben die Sache ganz gut geregelt ;)

Als Hörprobe gibt es hier dann mal das Eröffnungsstück des Abends:



Leider hat die Band bisher noch nichts veröffentlicht, was ein aufmerksamer Zuhörer auch gleich lautstark und ziemlich zutreffend mit dem empörten Ausruf "Ihr hättet heute reich werden können!" quittierte. Auf jeden Fall eine Band, die im Auge zu behalten es lohnt!

Nach einer Pause enterten dann Mr. Hurley & die Pulveraffen die Bühne. Unterstützt wurden Mr. Hurley, Buckteeth Bannock und der einäugige Morgan dabei, wie schon an Ostern, von drei weiteren Musikern in Affenkostümen, die für den nötigen "Wums" hinter dem Rockset sorgten.

Wie üblich bei den Pulveraffen ließ die gute Stimmung nicht lange auf sich warten. Man kann wohl getrost davon ausgehen, dass alle Anwesenden die Texte der Band kannten und dass ein Großteil sie auch inbrünstig mitgröhlte. Natürlich wurden alle Hits der Band gespielt, von Klassikern wie "Auf den Captain" und "Blau wie das Meer" bis zu ziemlich neuen Stücken wie "Die Ballade von Daisy Jones" war alles dabei. Sogar zwei bisher unveröffentlichte Stücke waren dabei, darunter ein absolut großartiges Lied über die Probleme eines chinesischen Piraten. Letzteres habe ich einfach mal gleich als Hörprobe ausgewählt:



Da bleibt nur zu sagen: Es war gut, dass aus dem Plankrock-Konzept letztlich doch mehr geworden ist als eine einmalige Sache. Das ganze war nämlich auch dieses Mal wirklich ein riesengroßer Spaß! Immer mehr davon! :D

Dienstag, 28. Oktober 2014

Konzertbericht: Lord Of The Lost in Osnabrück

Am 25. September beehrten die Herren von Lord Of The Lost einmal wieder eine meiner bevorzugten Konzertstädte - Osnabrück!
Musste letztes Mal noch der kleine Bastard Club herhalten, zog man dieses Mal jedoch mit der Lagerhalle in ein deutlich größeres Venue um. Dieses war zum Glück auch an diesem trüben Donnerstagabend recht gut besucht.

Eröffnet wurde der Konzertabend von Rabia Sorda. Ich war vorher einmal wieder gänzlich ahnungslos und unvorbereitet, so dass ich auch erst im Nachhinein erfuhr, dass es sich dabei um das Soloprojekt von Erk Aicrag von Hocico handelt (Mein erster Gedanke: ach, darum kam der mir optisch irgendwie bekannt vor xD). Entsprechend wurde es recht laut und elektrisch, mit Industrial - aber auch teils deutlichen Punkeinflüssen.
Leider konnte mich persönlich das ganze bis zum Ende nicht wirklich mitreißen, insbesondere den (Schrei?Kreisch?)Gesang fand ich nach einer Weile ziemlich anstrengend, allerdings ist diese Richtung auch ganz allgemein wirklich nicht mein bevorzugtes Musikgenre.
Aber dass man mich jetzt nicht falsch versteht: Der Auftritt selbst war nicht schlecht - das ganz bestimmt nicht, und die drei Herren gaben auf der Bühne wirklich Gas. Es ist eben nur...tja...nennt mich gerne einen Banausen, aber man kann eben nicht alles mögen ;)

Genug der Worte zum Support - kommen wir jetzt endlich zum Hauptact des Abends. Lord Of The Lost betraten die Bühne, als man gerade anfing wegen der Länge der Umbaupause quängelig werden zu wollen, also zum perfekten Zeitpunkt! :D
Eigentlich wusste ich ja, was mich erwartet, hatte ich die Band doch schon vorher zweimal gesehen. Aber diesmal war es ungelogen noch besser als die Male zuvor. Die Band gab vom ersten Moment an alles, machten mit ihren Posen die anwesenden Fotografen glücklich und mit der Musik und den teilweise großartigen Ansagen zu Themen wie Ville Valo-Postern über dem Bett der Freundin auch das gesamte, erwartungsgemäß überwiegend weibliche, Publikum.
Und dieses Publikum ging ab, wie es das Osnabrücker Publikum immer tut, bei bekannten Songs wie "Dry The Rain" wurde kräftigst mitgesungen.
Überhaupt ließ die Setlist (zumindest von meiner Seite aus) kaum Wünsche offen: "Die Tomorrow", "Black Lolita", "Sex On Legs", "Credo" - alles dabei. 

Umso trauriger waren wir nicht-Osnabrücker, als wir das Konzert schon vor der ersten Zugabe verlassen mussten, um den letzten Zug Richtung Heimstatt zu erwischen - aber was soll man machen? Die Party ging ohne uns sicher noch eine ganze Weile weiter, aber wir trösteten uns mit dem Gedanken, dass es schon bis zu diesem Zeitpunkt ein super schöner Abend gewesen war. Und mit dem Gedanken: beim nächsten Mal sind wir wieder mit dabei!

Hörprobe:


Montag, 2. Juni 2014

Ausflugstipp: Die Straße der Megalithkultur

Vor etwas mehr als einer Woche führte eine spontan nötig gewordene Änderung der Wochenendpläne dazu, dass ich mit einer Freundin einen Tag lang auf der Straße der Megalithkultur unterwegs sein durfte. Wir hatten diesen Plan schon lange im Hinterkopf, konnten jedoch nie einen passenden Termin finden.

Die Straße der Megalithkultur:

Für alle, die noch nie von der Straße der Megalithkultur gehört haben: Es handelt sich um eine 330 km lange Erlebnisstraße in Niedersachsen. Sie beginnt im Süden im Osnabrücker Land und schlängelt sich dann bis hinauf nach Oldenburg. Entlang der Route gibt es 33 Stationen, auf denen über 70 Großsteingräber aus der Jungsteinzeit besichtigt werden können. Auch einige Grabhügel aus der Bronze- und Eisenzeit sind als Etappen verzeichnet. Die einzelnen Gräber sind ausgeschildert, meistens mit auf den ersten Blick eher unauffällig wirkenden kleinen, braunen Schildern. Weiß man aber erst einmal, wonach man suchen muss, findet man die Schilder und die meisten Megalithanlagen eigentlich problemlos, ansonsten kann man sich auf der Homepage der Straße der Megalithkultur auch die GPS-Daten zu den einzelnen Zielen herunterladen oder den Reiseführer zur Route bestellen. Auch eine Radroute ist entlang des Weges ausgeschildert. An den von uns besichtigten Anlagen fanden sich zudem durchgehend Infotafeln, die einen über die Geschichte der Gräber aufklärten.

Unser Ausflug beschränkte sich auf das Osnabrücker Umland. Dort haben wir an diesem Tag 5 Megalithanlagen besucht, von denen jedoch nicht alle zur Straße der Megalithkultur gehören. Informationen zu diesen Anlagen haben wir auf der wunderbaren Seite stonepages.de gefunden. Auf der Seite sind eine Unmenge von Megalithanlagen in ganz Europa zu finden, oft auch mir Informationen und Anfahrtsbeschreibungen. Interessierte sollten der Seite unbedingt mal einen Besuch abstatten. Den Link findet ihr am Ende dieses Berichts.

Nun möchte ich jedenfalls einmal die von uns besuchten Anlagen vorstellen:

Großsteingrab Schölerberg:

Der erste Halt auf unserer Tour befand sich mitten in Osnabrück, in unmittelbarer Nähe zum Zoo. Vom Großsteingrab Schölerberg/Nahne ist heute leider nicht mehr viel übrig, nur noch ein paar Steine ragen ein wenig aus dem Boden uns zeigen an, wo sich das Grab einst befunden hat. Stattdessen "ziert" den Platz nun ein Kriegerdenkmal, welches aus den Deckteinen der Anlage gebaut wurde. Der Bau wurde im 19. Jahrhundert zesrtört. Aufzeichnungen zufolge war das Grab um 1840 noch vorhanden, galt 30 Jahre später dann aber als verschwunden.



Greteschersteine:

Die Greteschersteine liegen im gleichnamigen Teil Osnabrücks und gehören zur ersten Station auf der Straße der Megalithkultur. In älteren Aufzeichnungen kennt man sie auch unter den Namen Hermannssteine oder Dicke Steine. Die Anlage liegt auf einer Anhöhe am Belmer Bach. Wie viele Megalithanlagen waren auch sie schon häufiger von Vandalismus in Form von Graffitis oder Einritzungen betroffen. Trotzdem sind ist die imposante Anlage mit ihrer schönen Lage einen Besuch wert und lädt zu einer längeren Pause ein.


Teufelssteine:
 Ebenfalls zur ersten Etappe der Straße der Megalithkultur gehören die Teufelssteine. Sie liegen mitten im Industriegebiet Teufelsheide und sind von den Gretescher Steinen bequem zu Fuß aus zu erreichen. Wenn man durch die Teufelsheide marschiert, kann man sich kaum vorstellen, wo zwischen all dem Beton eine Megalithanlage stehen soll. Folgt man jedoch der Ausschilderung, landet man urplötzlich auf einer schönen, kleinen mit Bäumen umstandenen Lichtung mitten im Industriegbiet. Dort stehen die Teufelssteine, auch Lehzensteine genannt. Bei unserem Besuch hatte leider ein respektloser Mitbrüger den größten Deckstein mit einem wirklich auffälligen und extrem hässlichen Liebesbeweis in Form eines Graffitis beschmiert...


Sundermannsteine:

Unser nächster Halt gehörte wieder nicht zur Straße der Megalithkultur, aber in so unmittelbarer Nähe unserer Route, dass sich ein Besuch anbot. Die Sundermannsteine liegen sehr einfach zu finden direkt an der Straße zwischen Gretesch und Belm. Erhalten ist ein Teil der Kammer. Bei einer Ausgrabung im 19. Jahrhundert wurden auf dem Gebiet der Steine zahlreiche Grabbeigaben gefunden, darunter Feuersteinklingen, Perlen aus Bernstein, ein durchbohrter Tierzahn und zahlreiche Tongefäße.


Großsteingrab Jeggen:
Das Großsteingrab Jeggen bildet die zweite Station der Straße der Megalithkultur. Es liegt südlich von Jeggen und ist in gutej, gepfelgten Zustand. Für mich war es an diesem Tag das vielleicht faszinierendste Grab, das wir besichtigt haben. Mitten in der Anlage wächst eine alte Eiche. Diese hat ihr Leben lang gelernt, mit den Steinen um sie herum auszukommen und heute sind beide fest miteinander verschmolzen, was einen wirklich faszinierenden Anblick bietet. Auch bei dieser Anlage wurden im Rahmen von Ausgrabungen verschiedene Gegenstände aus der Jungsteinzeit gefunden.


An dieser Stelle endet unser Tagestrip auf den Spuren der Megalithanlagen. Zwar haben wir uns noch eine ganze Weile in der Gegend aufgehalten, da wir die Anlagen Dübberort I und II sowie die Slopsteine besichtigen wollten, mussten jedoch irgendwann aufgeben, da diese für uns nicht auffindbar waren und die Nacht langsam näherrückte.

Ich bin aber sicher, dass dies nicht unser letzter Ausflug zu den Spuren der Jungsteinzeit bleiben wird.

Straße der Megalithkultur

stonepages.de

Dienstag, 20. Mai 2014

Das Konzertjahr 2014, Teil 5

In den letzten Tagen war es etwas still hier. Bei dem schönen Wetter habe ich es einfach bevorzugt, meine Zeit lesend und gärtnernd draußen zu verbringen. Da die Pflicht mich gestern aber wieder zurück in mein garten-und balkonloses Studentenzimmerchen rief, kann ich den heutigen Tag wunderbar nutzen, um mal wieder etwas zu schreiben. Setzen wir also den Konzertmarathon 2014 fort:

19. April: Versengold & Mr. Hurley und die Pulveraffen, Lagerhalle Osnabrück

Mittlerweile ist es schon so etwas wie eine Tradition geworden, das mittelalterliche Osterkonzert in Osnabrück. In diesem Jahr waren es die Osnabrücker von Mr. Hurley & die Pulveraffen, die zusammen mit Versengold das feierwütige Volk in die Lagerhalle lockten. Beide Bands spielten dabei gleichberechtigt ein volles Set.

Die Eröffnung des Abends übernahmen Mr. Hurley & die Pulveraffen. Die drei Brüder spielten zu diesem Anlass aber ausnahmweise nicht allein: Für ihr bis dato einzigartiges Plankrock-Konzert holten die drei sich Unterstützung in Form von Schlagzeug, Gitarre und Bass. Die Gastmusiker ließen sich dabei auch nicht lumpen lassen und enterten die Bühne in Ganzkörper-Affenkostümen. Der Sound war also an diesem Abend etwas rockiger als sonst, aber noch immer hochgradig tanzbar, was bei Songs wie dem "Plankentanz" auch anschaulich vom Publikum bewiesen wurde. Man kann wirklich nur hoffen, dass die Pulveraffen das Konzert, welches sie aufgenommen haben, wirklich eines schönen Tages auf CD brennen und das dies nicht das einzige Plankrock-Konzert der Band bleiben wird!
Hörprobe vom Auftritt gefällig?

 
Der Name des youtube-Accounts ist hier übrigens Programm: Bei den "Pirateneltern" handelt es sich wirklich um die Eltern der drei Jungs, die das Konzert auf Video gebannt haben :D

Nach den Pulveraffen bereiteten sich Versengold auf ihren Auftritt vor. Sie hatten das Osterkonzert in ihre "Auf in den Wind"-Tour integriert, bei der sie ihr gleichnamiges neues Album vorstellten. Es gelang ihnen dabei bestens, die gute Stimmung in der Halle aufrechtzuerhalten. Gespielt wurde eine schöne Mischung aus neuen und alten Songs der Band. Mitsingstücke wie "Wem?Uns!" durften dabei ebenso fehlen wie das Titelstück des neuen Albums, welches mit Unterstützung einer Gastmusikerin und eines Publikumschors gespielt wurde. Mit "Vom Zauber des Wildfräuleins" fand auch eine der wunderschönen, aber leider oft vom Publikum verschmähten Balladen der Band seinen Weg in das Set. Daneben standen natürlich auch die zahlreichen, extrem tanzbaren Instrumentalstücke und Parts, bei denen es einem doch sehr schwerfällt, die Beine stillzuhalten. Kann man sich einen besseren Weg vortstellen, das Osterwochenende zu begehen?

Das sind Versengold:


Montag, 12. Mai 2014

Das Konzertjahr 2014, Teil 3

21. März: Saltatio Mortis (Support: Metusa), Hyde Park Osnabrück

Im März machten Saltatio Mortis im Rahmen ihrer "Das schwarze IXI"-Tour halt im Hyde Park. Nicht dem großen in London, sonderen dem etwas kleineren, dem etwas Abseits gelegenen in Osnabrück. Obwohl das Ding mit öffentlichen Verkehrmitteln eher mäßig gut zu erreichen (bzw. vor allem Nachts zu verlassen) ist, war dies ein guter Anlass, sich doch einmal wieder dorthin zu begeben.

Als wir die Location knapp eine Stunde vor Einlass erreichten, wartete wie gewöhnlich bei Saltatio Mortis schon eine stattliche Schlnage vor der Halle. Viele waren trotz der eher winterlichen Temperaturen erstaunlich leicht bekleidet - da gilt wohl das Motto "Wer schön sein will, muss leiden". Dafür, dass es in der Warteschlange nicht langweilig wurde, sorgte unter anderem Dominik, der Sänger der Supportband Metusa, der überall, wo er auftaucht, für Action sorgt. Für den youtube-Kanal von Metusa bewegte er sich mit einer Kamera durch die Wartenden und erforschte mit dieser sogar, was es wohl unter den Schottenröcken einiger junger männlicher Besucher zu sehen gab.

Als dann alle drin waren und Metusa ihren Auftritt absolvierten, war es in der Halle schon gerammelt voll. Die Jungs und Mädels um Frontsau Dominik aka Domenicus der Saitenreiter präsentierten an diesem Abend ihr neues Album "Zahn der Zeit". Für mich war es auch ihr erstes richtiges Konzert in der neuen Besetzung nach dem Weggang von Dudelsack-und Flötenspielerin Anja. Obwohl mir das Konzert durchaus gut gefallen hat, kann man doch nicht leugnen, welch große Lücke Anja mit ihrem Ausstieg hinterlassen hat und es wird für mich noch eine ganze Weile dauern, bis ich mich an die neue Besetzung gewöhnt habe. Aber das ist vermutlich nur ganz natürlich. Von den neuen Songs blieb mir besonders das fröhlich zum Mitsingen geeignete "Gemeinsam" im Gedächtnis.

Hier wie üblich eine kleine Hörprobe der Band:


Nach Metusa hieß es dann Bühne frei für die Headliner: Saltatio Mortis. Diese mussten an diesem Abend wie auch an den anderen Terminen der Tour in unvollständiger Besetzung auftreten, da Schlagzeuger Jean während einer Probe am Beginn der Tour ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Sein Fehlen hörte man natürlich, doch die Band machte aus der schwierigen Situation das Beste und rockte, was das Zeug hält. In der Halle wurde es bald auch unerträglich heiß und eng, was auch mein einziger Minuspunkt an diesem Abend war.

Falls jemand die Band wirklich noch nicht kennen sollte, folgt auch hier nochmal ein kleiner Appetizer:


Am Ende waren alle verschwitzt und zufrieden und meine Begleitung und ich machten uns auf den Heimweg. Schon am nächsten Abend sollte der Konzertspaß weitergehen...

22. März: Punch'n'Judy, The Muddy Echoes & die B.R.U.T.. Consol 4, Gelsenkirchen

Nicht einmal 24 Stunden später machten wir uns also auf den Weg ins Ruhrgebiet. Anlass unseres Besuchs war ein Konzert von Punch'n'Judy. Die Location war mal etwas ungewöhnlich für unsere Verhältnisse, eine Art Jugendzentrum in einem ehemaligen Zechengebäude. Und es passiert ja auch nicht aller Tage, dass man in einem Venue vor Beginn des Konzerts darauf hingewiesen wird, nicht in den Flur zu kotzen oder in der Umgebung wild zu pinkeln... Wie dem auch sei: Bevor Punch'N'Judy die Bühne entern durften, warteten zunächst noch zwei andere Bands auf uns.

Eröffnet wurde der Abend von "Die B.R.U.T.", einem spontan ins Leben gerufenem Projekt einiger Lokalgrößen (so sagte man uns), die wir als ortsfremde natürlich nicht kannten. Das traf textlich jetzt nicht so ganz mein Geschmack, musikalisch war es eine ungewöhnliche Mischung aus Deutschpunk mit ausgedehnten Metal-Gitarrenriff-Parts.

Es folgten The Muddy Echoes, eine lokale Indie Pop/Rock Band, die durchaus angenehm zu hören waren. Leider machte bei ihnen der Sound an einigen Stellen ganz schöne Mucken, was den Hörgenuss etwas dämpfte.

Zum Abschluss kamen dann die von uns lange erwarteten Punch'n'Judy. Musikalisch ging es hier nochmal in eine ganz andere Richtung, welche die Band selbst Crossover-Folk nennt. Die Band hatte eine ordentliche Anzahl an Fans mitgebracht, so dass die Stimmung von Anfang an super war und alle bei Band-Hits wie dem "Koboldkönig" oder "Grace O'Malley" mitsingen konnte. Schon alleine dieser Auftritt machte den ganzen Weg nach Gelsenkirchen mehr als lohnenswert!

Da seit letztem Jahr auch ein offizielles Video der Band existiert, welches passender Weise auch noch genau in der Location aufgenommen wurde, in der das von mir besuchte Konzert stattfand, möchte ich euch auch dieses nicht vorenthalten: