Am Tag nach dem Heidevolk-Konzert ging es zu einer Freundin nach Münster, und von dort war es am Sonntag nur noch ein Katzensprung nach Osnabrück, wo zum wiederholten Male ein MittelalterSpectaculum stattfand.
An mehreren Stellen im Zoo wurde zu diesem Zweck ein kleiner Mittelaltermarkt aufgebaut und es gab ein Programm mit Musikern und Gauklern. Beim Standort der Bühne war natürlich darauf geachtet worden, dass diese nicht zu nah an den Tiergehegen stand. Diese wurden also keinem übermäßigen, zusätzlichen Stress ausgesetzt. Die Konzerte fanden zudem auch unverstärkt statt. Zu unserer großen Freude zählten zum musikalischen Programm auch wieder Obscuratis, deren Auftritte wir am Tag unseres Besuches natürlich fleißig besuchten.
Heimspiel im Zoo: Obscuratis aus Osnabrück
Doch natürlich verbrachten wir nicht den gesamten Tag auf dem Mittelaltermarkt, sondern nutzen auch die Gelegenheit, einen ausgiebigen Rundgang durch den Osnabrücker Zoo zu unternehmen, den wir zu diesem Zeitpunkt schon eine ganze Weile nicht mehr besucht hatten. Eigentlich eine Schande, denn es handelt sich um einen wirklich schönen Zoo, der auch mit Bus und Bahn gut zu erreichen ist.
Hier gibt es jetzt eigentlich auch gar nicht mehr so viele Worte zu erzählen, stattdessen lasse ich abschließend lieber ein paar Impressionen aus dem Zoo für sich sprechen:
Wunderschön: Paradieskranich
Schlummernder Polarfuchs - wie niedlich kann man denn bitte im Schlaf aussehen? ♥
Die Hudson Bay Wölfe beim Mittagschlaf
Neugieriges Rußköpfchen
Zeit fürs Mittagessen
Auch ohne den Mittelaltermarkt wäre es sicher kein Problem gewesen, den ganzen Tag im Osnabrücker Zoo zu verbringen, denn es gab viel zu entdecken. Die Gehege der Tier waren geräumig und vielseitig gestaltet und - wie man sieht - oftmals auch sehr fotofreundlich gestaltet. Wir hatten jedenfalls viel Spaß bei unserem Besuch.
Eigentlich kann man mich mit Stadtfesten ja jagen - zu viele "normale" Menschen in Hochstimmung auf zu engem Raum. Bei der traditionellen Maiwoche in Osnabrück hatte man in diesem Jahr jedoch auch einen sehr interessanten Anlaufpunkt für Menschen wie mich geschaffen - mehr als reizvolles Musikprogramm inklusive. So kam es dann auch, dass ich mich am Donnerstag Nachmittag mit einer Freundin auf den Weg machte, einen ganzen Abend auf der Maiwoche zu verbringen.
Es galt pünktlich zu sein, denn noch vor Beginn des regulären Musikprogramms sollte es einen Rekordversuch geben. Es ging um nichts weniger als den Weltrekord für die meisten tanzenden Menschen mit Augenklappen. Mehr als 250 Menschen galt es dafür an einem normalen Werktag vor der Bühne zu versammeln. Nicht ganz ohne, doch zum Glück standen Mr. Hurley & die Pulveraffen Pate bei der ganzen Aktion und schafften es, mehr als 300 Menschen rechtzeitig vor die Bühne zu holen. Dem Anlass entsprechend hatten die drei Piratenbrüder sich sogar richtig in Schale geschmissen, sodass sie sogleich in einer Mischung aus Piratenoutfit und bestem Sonntagsstat die Siegesurkunde vom Rekodinstitut für Deutschland entgegennehmen konnten.
Im Anschluss ging es dann auch gleich mit dem Musikprogramm weiter, welches an diesem Tag von der Kilkenny Band eröffnet wurde. Die vier Jungs sorgten mit Irish Folk in einer Mischung aus bekannten Traditionals und eigenen Songs schnell für gute Stimmung beim Publikum, und auch das Wetter lud endlich einmal wieder zum draußen Feiern ein. Alles sehr gut für die junge Band, die den Tag für Videoaufnahmen nutze.
Jascha und Raphael von der Kilkenny Band
Nach einer durch technische Probleme etwas längeren Umbaupause betraten schließlich die Mittelalter-Rocker von Reliquiae die Bühne. Die Osnabrücker waren ganz kurzfristig für Svenson eingesprungen, die ihren Auftritt auf der Maiwoche hatten canceln müssen.
Durch den verspäteten Beginn fiel das Konzert von Reliquiae leider deutlich kürzer als geplant aus - ein richtig guter Auftritt war es dennoch. Die Band präsentierte einige Lieder von ihrem erst vor Kurzem erschienenen neuen Studioalbum "Winter", aber auch einige wenige ältere Stücke, darunter als klassischen Rausschmeißer das White Stripes Cover zu "Seven Nation Army".
Svea von Reliquiae
Mittlerweile war es früher Abend geworden und der Platz vor der Bühne füllte sich zusehends, bevor mit Mr. Hurley & die Pulveraffen die letzte Band des Abends ihr Intro anspielte. Wie eigentlich erfahrungsgemäß immer, gelang es der Band sehr schnell, das Publikum in Feierwut zu versetzen. Auf eine Nachfrage zeigte sich dann auch, dass sie für weite Teile der Meute vor der Bühne keine unbekannten waren. Dennoch ist davon auszugehen, dass die drei Jungs an diesem Abend wieder so manchen neuen Fan dazugewinnen konnten - so war es beispielsweise ein schöner Anblick, nach dem Konzert zwei Damen im Rentenalter glücklich mit einem "Fetten Beutel" aus dem Merch-Sortiment der Band von Dannen ziehen zu sehen. Mr. Hurley & die Pulveraffen wissen einfach weit über jegliche Szenegrenzen hinaus zu überzeugen. Ich habe jetzt schon das Gefühl, dass es zumindest in Osnabrück, der Heimatstadt der Band, kaum noch jemanden gibt, der nicht zumindest den Text zu "Blau wie das Meer" kennen würde.
Der einäugige Morgan von Mr. Hurley & die Pulveraffen
Um 22 Uhr war der Spaß an diesem Abend dann leider schon vorbei. Es wäre sehr schön, wenn sich die Timezone-Bühne bei der Osnabrücker Maiwoche auch in den kommenden Jahren etablieren würde und mit einem ähnlich gutem Programm locken würde. Ich für meinen Teil wäre jederzeit wieder gerne dabei!
Nun, da habe ich aber wirklich etwas rumgetrödelt mit meinem Bericht zum alljährlichen Osterkonzert in der Osnabrücker Lagerhalle. Eineinhalb Wochen ist es nun schon wieder her, dass Reliquiae zu ihrem für uns mittlerweile schon zur Tradition gewordenen Konzert am Ostersamstag eingeladen hatten. Und diesmal gab es sogar doppelt Grund zum Feiern: Mit einem neuen Reliquiae-Album feierte sich das Osterfest doch gleich noch viel schöner!
Wer ein Fest zu feiern hat, der lädt sich natürlich auch Gäste ein. Das hatten auch Reliquiae in diesem Jahr wieder getan. Waldkauz und Trollfaust waren der Einladung gefolgt und spielten an diesem Abend für das Publikum auf.
Eröffnet wurde der Konzertabend durch Waldkauz. Die junge Pagan Folk-Gruppe brachte mit ihren tanzbaren Klängen schnell Bewegung ins Publikum. Sie spielten Songs ihres bisher einzigen Albums, hatten jedoch auch neues Material im Gepäck, darunter "Mati Syra Zemlya", ein slawisches Stück, das dazu aufruft, sein Leben bewusst und mit allen Sinnen zu erleben. Besagtes Stück wird am 15. April sogar als Single veröffentlicht werden - zunächst nur in Downloadform, später aber wohl auch als physischer Tonträger. Weiterhin nicht fehlen im Set der Band durfte "Heiden unserer Zeit", zu dem Waldkauz weite Teile des Publikums zum lautstarken Mitsingen motivieren konnten.
Ihr neues Merchandise hatte die Band auch mitgebracht, sodass nun seit Ostersonntag ein schönes Waldkauz-Poster meine Wand ziert. ♥
Hörprobe:
Als die Damen und Herren von Waldkauz schließlich die Bühne verließen, hatte sich die gute Laune bereits im ganzen Publikum ausgebreitet. Gespannt betrachtete man den aufwändigen Bühnenaufbau, der dem Auftritt der zweiten Band des Abends vorausging. Trollfaust lieferten dann vor einem massigen Stahlgestell auf der Bühne ein Konzert ab, das in krassem Kontrast zum Auftritt ihrer Vorgänger Waldkauz stand. Bei den Trollen regierten Dudelsäcke und Trommeln. Und eine Männlichkeit, die manch zartem Wesen in der ersten Reihe ein wenig Angst zu machen schien, wie wir amüsiert beim Blick um uns herum feststellten. Mit Trollfaust ließ es sich ausgezeichnet feiern und gröhlen, und auch die Füße mussten nie still stehen. Und wer hätte sich schon nicht gefreut, von der Band zum Abschluss als mittelmäßiges Publikum gelobt zu werden! ;)
Hörprobe:
Trollfaust verließen die Bühne, wieder wurde umgebaut, und schon war die Zeit für die letzte Band des Abends gekommen. Reliquiae hatten sich schick gemacht für ihren Auftritt. Das Mittelalter war da optisch von der Bühne verschwunden - recht passend, da mit den neuen Stücken auch eindeutig die Rockelemente das Ruder übernommen hatten. Reliquiae präsentierten viele Stücke von ihrem neuen Album "Winter", welches vor Ort sogar schon erstanden werden konnte - offizielles Release ist erst am kommenden Freitag (08.04). Der dichte, rockige Sound mit den mittelalterlichen Akzenten wusste dabei auf ganzer Linie zu überzeugen. Außerdem machte es großen Spaß zu sehen, wie Sänger Bastus in den jeweiligen Stücken aufging und einen ganzen Haufen an fast schon theatralischer Ausdruckskraft in seine Darbietungen legte. Mich persönlich überzeugten an diesem Abend von den neuen Stücken besonders "Schwefelholz" sowie "Flucht".
Natürlich hatten aber auch ein paar ältere Stücke ihren Weg in das Set von Reliquiae gefunden, darunter der allseits beliebte "Sisyphos." Das Publikum wirkte allgemein begeistert vom Auftritt der Band und ließ sie natürlich nicht ohne Zugabe gehen.
Hörprobe:
Allen Protesten zum Trotz ging der Konzertabend dann aber doch irgendwann einmal zu Ende. Wir machten uns auf den Weg zum Bahnhof, verirrten uns dabei zum x-ten Mal (Osnabrück, ich hasse dich!) und verpassten beinah unsere Zug nach Hause. In der Nacht wurden dann die Uhren umgestellt, weswegen ich mich auf der Fahrt zum elterlichen Osteressen am nächsten Tag auch irgendwie mehr tot als lebendig fühlte. Wert war das dieser tolle Abend aber trotzdem alle Male. Und ich erwarte, dass wir uns nächstes Jahr alle an der selben Stelle wiedersehen - schöne Traditionen soll man schließlich beibehalten!
Dass es um Ostern herum in Osnabrück interessant wird für Freunde mittelalterlicher Musik hat ja nun durch das alljährliche Osterkonzert in der Lagerhalle (Bericht folgt) schon seit einigen Jahren Tradition. In diesem Jahr wurde das Osnabrücker Osterwochenende jedoch bereits am Donnerstag von einem anderen Konzert eröffnet. Mr. Hurley & die Pulveraffen hatten im Rosenhof zum Abschlusskonzert ihrer ersten eigenen Tour geladen und sich dabei zur Unterstützung ihre Freunde von Versengold eingeladen. Die Besucher erwartete so ein Abend mit folkiger Doppel-Headlinershow.
Was für einen Status Mr. Hurley & die Pulveraffen in ihrer Heimatstadt mittlerweile genießen, wurde an diesem Abend bereits vor dem Einlass deutlich. Bis um die nächste Straßenecke standen die wartenden Fans vor dem ausverkauften Rosenhof. Viele waren im Piratenoutfit angereist und überall in der Schlange hörte man die typischen "Ach ja? Komma her!"-Rufe, die mittlerweile jedes Konzert der Band begleiten.
Es dauerte eine ganze Weile, bis alle Besucher Einlass in das ehemalige Kino gefunden hatten, dann aber war es brechend voll in der Halle. Die Lokalmatadore von Mr. Hurley & die Pulveraffen eröffneten schließlich das Konzert. In voller Konzertlänge boten sie dem Publikum das Programm ihrer Aggroshanty-Tour dar. Dabei gab es natürlich viele Songs der aktuellen Platte "Voodoo" zu hören, doch auch neues Material hatten sie mitgebracht. Außerdem hatten sie sich Gäste mitgebracht und wurden von diesen an ihren Blasinstrumenten tatkräftig bei "Die Legende von Daisy Jones" und "Nüchtern" unterstützt.
War die Stimmung im Publikum von Anfang an gut gewesen, so gab es als die ersten Töne des Bandklassikers "Blau wie das Meer" ertönten kein Halten mehr. Es schien niemanden in der Halle zu geben, der dieses Lied nicht mitsingen konnte und es nicht auch aus vollem Hals tat. Doch auch im ruhigsten Moment des Konzerts, bei der Ballade "Abschiedslied", bewies das Publikum Klasse und hörte weitestgehend ruhig zu. Wer die Band öfters live gesehen hat, der weiß, dass dem leider absolut nicht immer so ist.
Hörprobe:
Obwohl Mr. Hurley & die Pulveraffen ja ein ganzes, langes Set spielten, ging der Auftritt gefühlt sehr schnell vorbei. In der folgenden Umbaupasue leerte sich der Raum ein wenig, doch viele schienen auch gleich stehen zu bleiben oder sich gute Plätze für das bevorstehende Versengold-Konzert zu suchen.
Auch die mittlerweile sieben Jungs von Versengold spielten an diesem Abend ein volles Set. Für sie war der Auftritt Teil ihrer aktuellen Zeitlos-Tour. Im Gegensatz zu ihren Kollegen von den Pulveraffen hatte für sie die Tour jedoch gerade erst begonnen. Versengold präsentierten sich dem Publikum gewohnt voller Energie und guter Laune, und diese gute Laune war ansteckend. Im Publikum ging es immer wilder zu, es wurde getanzt und gesprungen was das Zeug hält. Neben den Songs ihres aktuellen Studioalbums "Zeitlos" spielten Versengold auch Bandklassiker wie "Paules Beichtgang", "DreyWeyber" oder "Im Namen des Folkes". Mit "Wem? Uns!" und "Halunken betrunken" waren sogar zwei Lieder ihres schon einige Jahre zurückliegenden Räuberalbums "Dreck am Stecken" mit im Programm.
Wieder kam es einem viel zu früh vor, als das Konzert schließlich auf sein Ende zuging. Dass dieses Ende nun tatsächlich gekommen war, wurde einem erst widerwillig bewusst, als Versengold ihr traditionelles Abschiedslied anstimmten. Mit diesem ging ein wundervoller Konzertabend vorbei.
Hörprobe:
Die Lust auf mehr war geweckt, und da war es gut zu wissen, dass es bereits zwei Abende später mit dem traditionellen Osterkonzert in der Lagerhalle weitergehen würde. Doch das ist eine Geschichte für einen anderen Post. ;)
Letzten Samstag war es endlich an der Zeit, die Konzertsaison 2016 zu eröffnen. Aus diesem Anlass ging es einmal wieder nach Osnabrück. Im Westwerk gastierten Vroudenspil im Rahmen ihrer "FaulerZauber"-Tour. Unterstützt wurden sie dabei von der Kilkenny Band.
Man kann nicht leugnen, dass sich zum angekündigten Einlass nur ein unerwartet kleines Publikum im Westwerk eingefunden hatte. Man munkelte, Schlagwörter wie "Blitzeis" könnten dafür verantwortlich gewesen sein. Da der Konzertbeginn sich letztlich jedoch etwas nach hinten verschob, trudelten zum Glück doch noch einige Leute ein, bis die Kilkenny Band die Bühne betrat.
Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich die Kilkenny Band zuletzt live sehen durfte und ich war doch sehr gespannt auf das neue, vor kurzem erst veränderte Line-Up. Überraschenderweise spielte die Band jedoch nur zu dritt, Geiger Raphael konnte leider nicht anwesend sein. Trotzdem brachte die Band auch in reduzierter Besetzung das Publikum gut in Stimmung mit ihrem Irish Folk. Zu hören gab es natürlich allerhand Traditionals, aber auch noch einiges anderes. So bewies die Kilkenny Band, dass sich ein klassisches Stück wunderbar folkig spielen lässt und präsentierte eine wirklich großartige Version von Julie Fowlis' "Touch The Sky" - vielen sicher in guter Erinnerung aus dem Pixar-Streifen "Merida". Überhaupt überzeugte die angenehme und kräftige Stimme des neuen Sängers Dennis auf ganzer Linie.
Hörprobe:
Die Kilkenny Band hinterließ für Vroudenspil ein Publikum in bester Feierlaune. So lobte auch Sänger Ratz bald die Motivation der kleinen Meute, die tapfer vor der Bühne stand und sang, sprang, tanzte und auch sonst zu allem Blödsinn bereit war.
Vroudenspil spielten an diesem Abend wie erwartet viele Songs ihrer neuen Platte "Fauler Zauber", ließen jedoch auch die Klassiker nicht zu kurz kommen. Natürlich wurde auch der Geburtstag von Bandmitglied Petz gebührend mit einem Liedchen und Luftballons gefeiert.
Bei Songs wie "Spilmannsweise" konnten natürlich weite Teile des Publikums mitsingen, doch sogar bei den ganz neuen Songs entdeckte ich schon einiges an Textfestigkeit um mich herum. Die neuen Songs kamen live auch sehr gut rüber und wurden sehr gefeiert. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass die Leute, die sich an diesem Samstagabend eingefunden hatten ihre verhältnismäßig kleine Anzahl durch ein richtig großes Engagement wieder wettmachten. Auch die Band machte den Eindruck, als hätten sie Spaß und gemeinsam wurde es ein wirklich guter Abend.
Leider ereilte meine Freundin und mich wieder einmal das alte Schicksal der ÖPNV-Nutzer und wir mussten ein paar Minuten vor Ende des Konzerts gehen. Das letzte, was wir sahen, war ein auf Wunsch der Band gemütlich auf dem Boden vor der Bühne sitzendes Publikum. Ein schöner letzter Eindruck an einem ingesamt sehr gelungenen Abend. An alle, die nicht da waren, bleibt nur zu sagen: ihr habt wirklich was verpasst!
Nach einer für meine Verhältnisse recht langen
Pause war ich am Samstag endlich wieder unterwegs, um ein Festival zu
besuchen. Dieses Mal führte mich mein Weg auf das Fairytale Festival nach Osnabrück.
Neugierig, aber auch ein wenig skeptisch, machte ich mich gegen
Mittag auf den Weg. Warum die Skepsis? Nun, im Vorfeld ging es da
ziemlich rund. Eigentlich hatte die Mittelalter-Comedy Band Feuerschwanz
auftreten sollen - einer der Hauptgründe für mich und meine Begleitung,
das Festival besuchen zu wollen. Allerdings wurde die Band dann
kurzfristig wieder ausgeladen, wegen ihrer angeblich sexistischen Texte.
Über den Vorfall und die anschließende Schlammschlacht zwischen Fans
und Gegnern der Band hatte ich in den vergangenen Wochen berichtet: Hier und hier.
Wir beschlossen jedenfalls, das Festival trotz allem zu besuchen, es aber ruhig angehen zu lassen. Die ersten Bands (Jon Sun, x-sidaz und Fenster auf Kipp) sahen wir darum nicht und auch von der All-Girl Punkband Biestig bekamen wir nur noch die letzten Töne mit.
Los ging es für uns dann erst mit den Benuts, die
eine Stunde lang ziemlich tanzbare Skamucke präsentierten. Trotzdem
musste ich feststellen, dass diese Musikrichtung mich auf Dauer einfach
nicht zu fesseln vermag.
Wir nutzten die Zeit darum weitestgehend, um das kleine Gelände,
den Schlossinnenhof der Universität in Osnabrück zu erkunden.
Kulinarisch gab es für uns von exotischen Mittelaltermarkt-Essensständen
verwöhnte Menschen wenig Neues zu bieten, aber es gab eine gewisse
Auswahl und man wurde zu sehr fairen Preisen satt. Ansonsten gab es noch
einige Infostände und natürlich Merchandisestände der auftretenden
Bands.
Radio Havanna
19:30 Uhr betraten dann Radio Havanna eine der
beiden abwechselnd bespielten Bühnen. Das war eine der Bands, auf die
ich im Vorfeld richtig gespannt war, und ich wurde nicht enttäuscht. Die
vier Jungs präsentierten deutschsprachigen Punkrock mit richtig guten
Texten und lehrten mich, dass ein Bengalo auch am hellichten Tag richtig
übel blendet. :D
Reliquiae
Direkt im Anschluss ging es auf der anderen Bühne mir Reliquiae
weiter. Die Osnabrücker Mittelalterrocker waren spontan für die
ausgeladenen Feuerschwänze eingesprungen und heizten dem Publikum
ordentlich ein. Unsere vorherigen Befürchtungen, ob eine einsame
Mittelalterband in dem ansonsten ziemlich punklastigen Line-Up bestehen
könnte, erwiesen sich zum Glück als mehr als unbegründet. Reliquiae wurden richtig abgefeiert und konnten an diesem Tag sicher dem Einen oder Anderen ein ganz neues Genre näherbringen.
Als vorletzte Band des Tages traten schließlich Unzucht
auf. Auch der Auftritt der Dark Rocker war im Vorfeld ziemlich
kontrovers diskutiert worden, spielt die Band doch einen Song mit dem
Titel "Kleine geile Nonne", der die Warnleuchten der
Sexismus-Polizei schrillen ließ. Sie wurden aber dann zum Glück doch
nicht auch noch ausgeladen und dankten es mit einer großartigen Show.
Unzucht
Eine der großen Fragen für uns beim Auftritt von Unzucht war ja, ob sie "Kleine geile Nonne"
nun spielen würden oder nicht. Es machte mich dann auch sehr glücklich,
als schließlich tatsächlich die unverkennbaren ersten Töne des Songs
erklangen. Und Unzucht beließen es nicht dabei: Sie widmeten den Song ihren geschassten Kollegen von Feuerschwanz
und verteilten einige Shirts der Band im Publikum. Sänger "Der Schulz"
hielt außerdem während des ganzen Songs die Flagge mit dem Feuerschwanz-Drachen.
Ein Statement, das bei allen anwesenden Feuerschwanzfans sehr gut
ankam. Im Anschluss warf er die Flagge dann auch noch ins Publikum, wo
sie von einem glücklichen Fan gefangen wurde. Wer sich dafür
interessiert, was im Anschluss passierte, dem empfehle ich das PS dieses
Artikels. Aus meinem Festivalreview möchte ich diese Geschichte nämlich
ganz gerne heraushalten.
Headliner des Festivals waren schließlich Jaya The Cat.
Da ich viel von den Livequalitäten der Band, die ihre Musikrichtung als
"Drunk Reggae" bezeichnet, gehört hatte und mich gerne selbst davon
überzeugen wollte, blieben wir noch bis zum Beginn des Konzertes. Leider
mussten wir dann beide sehr schnell feststellen, dass das definitiv
nicht unsere Musik ist und traten den Heimweg an.
Insgesamt war das Fairytale Festival ein sehr
gelungenes Erlebnis für mich. Viele verschiedene Musikrichtungen zogen
viele verschiedene Menschen an, die alle friedlich miteinander feierten.
Jede Band fand ihr Publikum, keine Band wurde von Fans der anderen
Bands angefeindet (ich habe da schon anderes erlebt). Bedauert habe ich
nur, dass sowohl meine Freundin als auch ich ihre guten Kameras zu Hause
gelassen haben, da wir auf eine Anfrage die Auskunft bekommen hatten,
Kameras, die potenziell kommerzielle Fotos schießen könnten, seien nicht
gestattet. Diese Formulierung war so schwammig, dass ich mich nicht
traute, meine Kamera mitzunehmen, obwohl es sich bei ihr um kein
professionelles Modell handelt. Vor Ort liefen dann jedoch an allen
Ecken Leute mit Spiegelreflexkameras rum, während ich jetzt mit den
ziemlich mäßigen Bildern meiner zehn Jahre alten Kompaktkamera leben
muss. Shit happens.
Zum Abschluss: Das leider notwendige PS oder die Sache mit der Flagge:
Wie ich ja oben erwähnte, verschenkten Unzucht eine Flagge ihrer Kollegen von Feuerschwanz.
Der Fänger hatte jedoch nur kurz Grund, sich über sein Glück zu freuen,
da ihm die Flagge noch am Abend wieder gestohlen wurde. Und zwar von
"AktivistInnen", die daraufhin ein ganz tolles, unheimlich subversives
Foto mit dem Diebesgut machten und ein Statement über Indymedia
veröffentlichten. Ich überlasse es jedem selbst, sich ein Bild zu
diesem hoffentlich letzten Akt im Drama um den Auftritt einer Band zu
machen, die Osnabrück in den vergangenen Jahren mehrfach friedlich
bespielte...
Vor einigen Tagen hatte ich ja bereits berichtet, dass beim nächsten Monat in Osnabrück stattfindenden Fairytale Musikfestival mit Feuerschwanz einer der Headliner spontan ausgeladen wurde.
Grund für die kurzfristige Ausladung der Band waren Vorwürfe der
autonomen Referate des Asta der Uni Osnabrück, die Band verbreite
sexistische und frauenfeindlicheTexte. Konkret bezog man sich dabei wohl
hauptsächlich auf das Lied "Wunsch ist Wunsch", bei dem es um
den Beischlaf mit einer Fee (sic!) geht. Die Kritiker/innen
interpretierten den Songtext als Ausdruck einer
Vergewaltigungsphantasie. Ich möchte an dieser Stelle eigentlich nicht
nochmal darauf eingehen, wie man einen Text mit einem so offenkundig
nicht ernst gemeinten Text für bare Münze nehmen kann. Auch spare ich
mir den Einwand, dass die Fee bei Feuerschwanz-Konzerten
meiner Erinnerung nach immer von einem Mann dargestellt werden. Wie
sich herausgestellt hat, prallt jegliche Kritik an dem albernen Vorgehen
der Veranstalter ohnehin ungehört ab.
Für die einen ist es schlicht lustiger Klamauk, für die anderen aber offenbar Sexismus: Feuerschwanz mit "Wunsch ist Wunsch"
In der lebhaften Diskussion, die sich an die Bekanntgabe der Absage von Feuerschwanz
anschloss meinten viele der Verteidiger der Band mit offensichtlicher
Ironie, dass man bei diesem Vorgehen ja wohl ganz eindeutig auch die
Band Unzucht mit ihrem Track "Kleine geile Nonne" nicht hätte einladen dürfen.
Da hatte man wohl nicht mit der kompletten Humorlosigkeit der Feuerschwanz-Kritiker gerechnet, denn nun steht besagte Band tatsächlich auf einer Prüfliste, man halte sie für "nicht unproblematisch" (NOZ). Auch alle anderen Künstler sollen nun auf ihre Texte überprüft werden. Die Farce geht also in eine neue Runde.
Feuerschwanz haben sich mittlerweile selbst zu den Geschehnissen geäußert und zeigen sich verständlicherweise ziemlich überrascht. Stephanie Pracht, Pressesprecherin der Band und vielen auch als Mitglied der Band unter dem Künstlernamen Johanna von der Vögelweide bekannt äußerte sich gegenüber der neuen Osnabrücker Zeitung wie folgt:
Alles, was wir machen, war und ist immer mit einem
Augenzwinkern zu sehen. Wir waren immer der Meinung, dass unser
Auftreten stets so überzogen gezeichnet ist, dass die Satire darin
unmöglich zu übersehen sein könnte. Im Bezug auf den Asta der Uni
Osnabrück ist dies wohl leider nicht der Fall.
Am 13. Juni findet in Osnabrück das kostenlose Fairytale Festival des Astas der dortigen Uni statt. Angekündigt wurde ein ziemlich buntes Line Up, bei dem neben Bands wie Jaya The Cat, Radio Havanna oder Unzucht eben auch Mittelalterliches von Feuerschwanz geboten werden sollte.
Letztere wurden nun kurz nach Bekanntgabe des Line-Ups gleich
wieder ausgeladen. Unter den Studenten war Kritik laut geworden, der
Band wurde Sexismus vorgeworfen und Proteste im Falle eines Auftretens
angekündigt.
Feuerschwanz selber zeigten sich
verständlicherweise überrascht und versprach ein Statement zu der
Angelegenheit zu veröffentlichen. Auf der Facebookseite des Festivals
liefern sich unterdessen Fans und Gegner der Band eine heftige
Diskussion.
Ich persönlich halte die Ausladung der Band für ein ziemliches
Armutszeugnis. Auf Wikipedia findet man als Beschreibung für den Stil
von Feuerschwanz "Mittelalter Folk Comedy", und das
trifft den Kern auch eigentlich ziemlich gut. Hier wieden sämtliche
Klischees über das Mittelalter aufs Korn genommen und dabei wird man
auch gerne mal anzüglich. Weil es lustig ist. Humor ist eben nicht immer
auf dem Niveau politischen Kabaretts. Dass dabei niemand Textzeilen wie
"Bück dich Fee" ernst meint, sollte eigentlich jedem mit einem Körnchen
gesunden Menschenverstand klar sein. Bisher hatte ich auch immer den
Eindruck, dass es auch jedem klar ist. Denn wer das Ernst nimmt und die
Band dafür anfeindet, dem ist meiner Ansicht nach nicht mehr zu helfen.
So sieht für mich fehlgerichtete und übertrieben Political Correctness
in Reinstform aus.
Als gäbe es nicht genug Themen in diesem Land, bei denen es für
Feministinnen und Feministen, Antisexisten und Antisexistinnen (na, war
das PC genug?), die gerne aktiv werden mögen, sinnvoll wäre, Präsenz zu
zeigen und zu protestieren. Aber nein, da genießt man lieber den
zweifelhaften Erfolg, eine harmlose Band von einem Festival Line-Up
gekickt zu haben und damit einem ganzen Haufen Fans ans Bein gepisst zu
haben. Herzlichen Glückwunsch. Zum Glück sind wir es in der
Mittelalterszene ja gewohnt, pauschal mit diversen negativen Attributen
versehen zu werden. Sind wir nun nicht nur kindisch, dumm, ungewaschen,
rechtsradikal und was ich nicht noch alles schon gelesen habe, sondern
eben auch noch sexistisch. Manch eine(r) macht sich die Welt eben gerne
so, wie sie ihm oder ihr gefällt.
Den Platz von Feuerschwanz nimmt nun übrigens die Osnabrücker Mittelalterband Reliquiae ein. Viele Feuerschwanz-Fans
haben trotz des würdigen Ersatzes bereits verkündet, das Festival von
nun an meiden zu wollen. Eine Freundin und ich planen weiterhin den
Besuch, schon alleine wegen Reliquiae, die ja nichts für den ganzen Ärger können. Und möglicherweise wird meine Freundin an dem Tag ja rein zufällig ihr Feuerschwanz-Hoodie tragen und damit vielleicht nicht alleine sein... :D
Übrigens, möchten sich die christlichen Univerbände nun vielleicht auch noch einmischen und Unzucht vom Festival kicken? Schließlich haben die einen Song namens "Kleine geile Nonne".
Oder wäre das nicht gar auch noch ein Anliegen für die feministisch
Engagierten Osnabrücks? Geht hier doch schließlich auch um die Würde der
Frau. ;)
Mittlerweile hat es sich zu einer schönen, jedes
Jahr wiederkehrenden Tradition entwickelt, dass in der Osnabrücker
Lagerhalle am Ostersamstag ein Osterkonzert veranstaltet wird. Ein
Event, dass auch an diesem ersten Wochenende im April zahlreiche
Mittelalterfreunde anlockte. Auf dem Programm standen in diesem Jahr Metusa und Reliquiae.
Beim Betreten der Lagerhalle erwartete die auf den Einlass wartenden
Fans jedoch erst einmal eine Überraschung, die sich sehr bald als
ziemlich unschön herausstellen sollte: Im Restaurantbereich der
Lagerhalle, von dem aus eine Tür in den Konzertsaal führt, wurde Public
Viewing veranstaltet. Die Begeisterung meiner Begleitung und mir hielt
sich von Anfang an in Grenzen. Keine von uns beiden interessiert sich
für Fußball, dafür verfügen wir beide über zahlreiche negative
Erfahrungen mit den Fans dieser Sportart. An diesem Abend sollte sich zu
diesen Erfahrungen eine weitere gesellen.
Wir reihten uns brav in die Schlange für den Einlass ein, und jene,
die nach uns kamen, taten natürlich dasselbe. Plötzlich fielen einige
Reihen hinter uns böse Worte: Einer der Fußballfans fühlte sich durch
die Einlassschlange gestört, er konnte die Leinwand nicht mehr sehen.
Das meinte er dem Mädchen, welches ihm im Weg war zeigen zu müssen,
indem er ihr erst sagte, sie solle nach draußen verschwinden und sie
dann an den Schultern aus dem Weg zu schieben versuchte. Er hielt das
mit all seiner Unfreundlichkeit für sein gutes Recht, weil er ja
bezahlte habe. Klar, wir alle natürlich nicht, oder wie? ^^ Sie
verschwand ein wenig nach hinten und ein Mann nahm ihren Platz ein. Es
kam, wie es klischeehaft kommen musste, und der Fußballfan wurde
handgreiflich. Beinah kam es zu einer Schlägerei zwischen ihm und dem
Konzertbesucher, den er sich packte und anschrie mit den Worten, er habe
doch freundlich gefragt. Nun, seine Definition von "freundlich" muss
sich gravierend von der in unserer Warteschlange unterscheiden. Auf der
anderen Seite des Raumes gab es übrigens noch eine andere Leinwand, er
hätte das Problem also auch einfach lösen können, indem er sich
umgedreht und auf diese geschaut hätte... Aber offenbar legen gewisse
Fußballfans großen Wert darauf, alle negativen Attribute, mit denen man
sie gerne versieht, auch immer wieder aufs Neue zu bestätigen.
Irgendwann war es dann zum Glück endlich so weit und die Tür zur
Konzertlocation öffnete sich. Ab da ging es endlich bergauf mit dem
Abend. Als erste der beiden Bands betraten die Osnabrücker Reliquiae
die Bühne. Für die war es an diesem Abend ein Auftritt mit einem ganz
besonderen Anlss: Es war die Abschiedsshow ihres Schlagzeugers Zsolt,
der die Band von Anfang an begleitet hatte. Um diese Zeit noch einmal
Revue passieren zu lassen, spielte die Band an diesem Abend nicht nur
Songs ihres aktuellen Albums "Pandora", sondern auch eine recht große Anzahl des Vorgängers "Audi Vide Tace". Außerdem gaben sie erste vielversprechende musikalische Einblicke in ihr bald erscheinendes, neues Album "Winter".
Zsolts Abschied während des Konzertes war dann auch
wirklich bewegend für alle Anwesenden. Sogar seine Familie war
anwesend, um ihm nach seinem letzten Songs Blumen und herzförmige
Luftballons zu überreichen. Für ihn übernahm dann sein Nachfolger Lasko die Drumsticks. Am Ende des Auftritts jedoch tauchte Zsolt
noch einmal kurz auf, um sich und Reliquiae mit ein paar sicher bald
legendären Worten von der Bühne zu verabschieden: Die Kuh machte muh,
das Schaf macht mäh, ihr saht gerade Reliquiae ;)
Hörprobe:
Nicht lange, nachdem Reliquiae die Bühne verlassen hatten, betrat McRogan
dieselbe, um das Publikum für einige Minuten mit seinem Stepptanz zu
unterhalten und irisches Flair in die Halle zu bringen. Die Leute
unterstützten ihn dabei fleißig mit ihrem Klatschen.
Nach der Umbaupause ging es dann weiter mit der zweiten Band des Abends: Metusa. Auch die gaben alles und unterhielten das Publikum mit ihren größten Hits. Etwas ältere Stücke wie "Tanz", "Piratenseele" und "Fünf Nächte" fehlten da ebenso wenig wie Stücke vom aktuellen Album. Bei "Hüter der Meere"
ließ die Band im Publikum sogar einen aufblasbaren Wal kreisen, den in
Bewegung zu halten allen Anwesenden sichtlich Spaß bereitete.
Richtig großartig wurde es, als Sänger Dominik Reliqiaue als die beste Band Osnabrücks lobte und kurz darauf Schlagzeuger Henne nach vorne trat um einzuwenden, dass er ja Mr. Hurley & die Pulveraffen viel toller fände, nur um daraufhin von Dominik von der Bühne gejagt zu werden. Zum Scherz rief Dominik dann nach einem Schlagzeger von Reliquiae als Ersatz, woraufhin tatsächlich Zsolt auf die Bühne gestolpert kam und prompt engagiert wurde, das nächste Lied mit ihnen zu spielen. Kurzzeitig verfügte Metusa dann sogar über eine Drei-Mann-Rhytmussektion, als er sowohl von Henne als auch von Dominik unterstützt wurde.
Ich muss ja gestehen, dass ich bei Metusa lange mit dem Weggang von Sängerin Anja
gehadert habe. Dadurch war eine Lücke entstanden, die zunächst nicht
füllbar zu sein schien. Wer die großartige Interaktion, die auf der
Bühne zwischen ihr und Frontmann Dominik herrschte, miterlebt hat, weiß sicher, wovon ich spreche. An diesem Abend konnten mich Metusa jedoch endlich wieder ähnlich begeistern wie früher, worüber ich mich sehr gefreut habe.
Hörprobe:
Leider konnten wir den Auftritt von Metusa jedoch
nur bis zum letzten Lied vor der Zugabe verfolgen, danach mussten wir
uns auf den Weg zum Bahnhof begeben. Da beide Bands an diesem Abend ein
volles Set spielten (es handelte sich also quasi um eine
Doppelheadlinershow), war es spät geworden und den letzten Zug wollten
wir auf keinen Fall verpassen - schließlich fuhr der nächste erst am
kommenden Morgen und es galt, in der Lage zu sein, den Ostersonntag für
alle zufriedenstellend mit der Familie zu verbringen.
Trotz des unglücklichen Starts war es ein sehr schöner Abend und ich
hoffe, dass uns die Tradition der Osnabrücker Osterkonzerte noch lange
erhalten bleiben wird.
Wie in letzter Zeit fast jedes Wochenende hat es mich auch am
vergangenen Samstag wieder nach Osnabrück verschlagen. Dort machten an
jenem Tag Feuerschwanz im Rahmen ihrer "Auf's Leben!"
Tour in der Lagerhalle halt. Nachdem das gleichnamige neue Album
durchaus gelungen ist und die Band dieses Jahr bedauerlicherweise nicht
das MPS bespielen wird ein guter Grund, einmal vorbeizuschauen.
Los ging es jedoch erst einmal mit dem Support, den uns ebenfalls nicht unbekannten Freibeutern von Vroudenspil.
Zu Beginn ihres Auftritts hatte man den Eindruck, dass viele der
anwesenden Menschen die Band noch nicht kannten. Dennoch gelang es den
Damen und Herren recht schnell, das Publikum auf ihre Seite zu bekommen
und die Stimmung stieg von Lied zu Lied. Die Band - nicht wie gewohnt
mit Kraken, sondern mit Flosse am Schlagzeug - bot einen schönen
Querschnitt durch ihr bisheriges, immerhin schon drei Alben umfassendes
Werk, wobei Songs wie "In der Halle des Dattelschnapskönigs" und "Reise nach Tortuga" nicht fehlen durften. Vroudenspil
lieferten eine solide Liveshow und entließen das Publikum am Ende
stimmungstechnisch perfekt für den weiteren Abend vorbereitet.
Nach der üblichen Umbaupause ging es dann weiter mit dem Hauptact des Abends, Feuerschwanz. Gespielt wurden an diesem Abend neben Liedern der neuen Platte wie "Blöde Frage, Saufgelage" und "Zuckerbrot und Peitsche" auch einige Klassiker wie "Hurra Hurra die Pest ist da" oder "Wir lieben Dudelsack". Und Feuerschwanz
ließen sich auch wahrlich nicht lumpen, was ihre Show anging. Da wurde
eine dracheneifömige Metmaschine aufgefahren, der Hauptmann hüllte sich
in ein überlebensgroßes Ohr und Prinz Hodenherz stürmte als Druide
verkleidet die Bühne. Auch eine tanzende Mieze durfte natürlich nicht
fehlen. Auch das Publikum wurde stets eingebunden: So wurde eine
Besucherin zur Jungfer, deren Aufgabe es war, dem Werben Hodis nicht
nachzugeben und ein sehr glücklich wirkender junger Mann wurde seines
Oberteils beraubt und stattdessen mit Matrosenmütze und Surfbrett ins
Publikum zum Crowdsurfen zurückgeschickt. Man kann also mit Fug und
Recht behaupten, dass Feuerschwanz ein Spektakel boten, das
seinesgleichen noch sucht.
Positiv aufgefallen an diesem Abend ist aber auch, dass die Band es
schafft, auch ernste Momente in ihre Show zu integrieren - keine leichte
Sache für eine Band mit dem Ruf, eine der Mittelalter-Party-Bands
schlechthin zu sein. Mit "Auf Wiederseh'n" bewies die Band dies
eindrücklich, als er das ruhige und melancholische Stück seiner
verstorbenen Mutter widmete und das Publikum während des ganzen Stückes
andächtig ohne Zwischenrufe lauschte - etwas, was heute ja durchaus
keine Selbstverständlichkeit (mehr?) zu sein scheint.
Irgendwann neigte sich dann natürlich auch dieses schöne Konzert seinem Ende entgegen, wobei keiner leugnen kann, dass Feuerschwanz
selbst den Abschied pompös zelebrierten. Die Band konnte mich an diesem
Abend mal wieder restlos von ihren Qualitäten als Liveband überzeugen.
Wer eine gute Show und eine gute Party sucht, ist hier definitiv an der
richtigen Stelle. Ich freue mich schon auf das nächste Mal!
Vor genau einer Woche verschlug es mich wieder ins Westwerk nach Osnabrück. Dort spielten an diesem Abend Mr. Hurley & die Pulveraffen ihr zweites Pre-Release-Konzert zum neu erscheinenden, dritten Album "Voodoo". Das erste Konzert hatte einen Tag vorher an gleicher Stelle stattgefunden. Dieser Tag war bei mir aber schon für Rapalje ausgebucht gewesen.
Eigentlich gab es an diesem Samstag sogar ein Doppelrelease zu feiern, denn auch die Vorband Ganaim hatte gerade ihr Debütalbum "Ceol ón Mhuileann" veröffentlicht.
Das Westwerk war schon ziemlich gut gefüllt, als Ganaim die Bühne betraten. Da die Band noch neu ist, werde ich sie kurz vorstellen. Ganaim sind im Kern zwei Leute, nämlich Pínto (Gesang, Gitarre & Bodhrán) und Saskia
(Geige & Gesang). Der Name Pínto könnte dem einen oder anderen auf
diesem Blog schon einmal begegnet sein, da er mit seiner Band Versengold
hier schon mehrfach Erwähnung gefunden hat. Für das Livekonzert in
Osnabrück holte sich die Band außerdem noch Unterstützung von Irish Folk
Musiker Cornelius Bode.
Ganaim boten als Einstimmung auf den Rest des
Abends ihre Interpretationen traditioneller Folksongs aus diversen
keltisch geprägten Ländern. Mit dabei waren Klassiker mit Gesang wie "Are You Sleeping Maggie" und "I'll Tell Me Ma",
aber auch Tänze wie ein Andro und ein Jig. Mir persönlich haben die
Interpretationen dieser Stücke durch die Bank alle sehr gut gefallen und
ich hatte von Beginn an den Gedanken, dass es schön wäre, die Band
eines Tages mal bei einer Balfolk-Veranstaltung zu sehen - oder einfach
bei einem der zahlreichen keltisch angehauchten Festivals in den
Niederlanden, bei denen die allgemeinen Balfolk-Skills weit ausgeprägter
sind als im schnöden Deutschland. Dann würde sich auch sehr schnell der
von der Band bedauerte Zustand, noch nie ein getanztes Andro erlebt zu
haben, erledigen. Der Auftritt der Band war jedenfalls durch und
durch sympathisch, gerne mehr davon für mich. Vielleicht sieht man sich
ja bald einmal wieder!
Hörprobe:
Nach einer Pause ging es dann weiter mit dem Hauptact des Abends, den lokalen Größen von Mr. Hurley & die Pulveraffen.
Die begannen ihr Konzert an jenem Abend mit einer Panne: nach dem Intro
ging es zwar wie geplant nahtlos mit dem ersten Song, "Leinen los!"
vom neuen Album, weiter - doch leider war die Gitarre nicht zu hören.
Da es ja ihr eigenes Konzert war und kein Zeitdruck herschte, taten wir
alle so, als wäre nichts gewesen, und fingen noch einmal von vorne an. Im kommenden Set gab es dann viel neues zu hören, da der Schwerpunkt auf den Songs des neuen Tonträgers "Voodoo" lag. Buckteeth Bannock erzählte die Geschichte von seinem "Taljenblock", Mr. Hurley informierte in "Haken an der Sache" über die Tücken der bei Piraten so beliebten Hakenhand und der einäugige Morgan bewies in dem wirklich großarrrrtigen "Nüchtern",
dass wahre Freibeuter nicht immer betrunken sein müssen - ein Lied ganz
nach meinem Geschmack! Gemeinsam wurden dann noch die Vorzüge von "Booty Island" erörtert und auch schon live erprobte Stücke wie "Urlaub" und "Schrumpfkopf im Rumtopf" fanden ihren Platz im Set.
Wie das nunmal leider so ist, neigt sich auch die schönste
Piratenparty einmal ihrem Ende zu. So war es auch an diesem Abend, doch
natürlich nicht ohne eine ordentliche Zugabe. Bei "Geißel der See" und "Blau wie das Meer"
tanzte und gröhlte wohl geschlossen das komplette Publikum mit (außer
den nervigen Typen mittleren Alters hinter uns, die das ganze wohl beim
Kauf der Tickets mit ner Ballermannfete verwechselt hatten. Dieser
Seitenhieb musste jetzt einfach mal sein).
Zum Abschluss holte uns die Band dann mit dem ruhigen "Abschiedslied"
wieder auf den nicht immer nur schönen Boden der Tatsachen zurück, als
sie das Lied ihrem im vergangenen Jahr bei einem Autounfall verstorbenen
Tontechniker Jojo widmeten. Es war der mehr als würdige Ausklang eines
insgesamt wunderschönen Abends.
Hurra, die konzertfreie Pause, die bei mir seit Weihnachten
geherrscht hat, hatte am vergangenen Freitag endlich ein Ende. An diesem
Tag nämlich gaben sich Rapalje (wie eigentlich immer einmal im Jahr) die Ehre, die Osnabrücker Lagerhalle zu bespielen.
In weiser Voraussicht, dass es voll werden würde, waren wir
rechtzeitig vor Einlass da. Dies stellte sich in mehrfacher Hinsicht als
gute Entscheidung heraus. Zunächst einmal trafen wir so noch vor
Einlass auf Morti von der Osnabrücker Mittelalterband Reliquiae,
der uns für den kommenden Tag mit der Mission, Flyer bei einem anderen
Konzert zu verteilen, betraute. Und dann bekamen wir bei Einlass auch
genau den Platz in der Halle, auf den wir es abgesehen hatten: Außen
rechts an der Wand, auf der ersten Stufe nach oben. Da sieht man gut und
hat in der Regel seine Ruhe. Das sollte sich auch an diesem Tag wieder
bewahrheiten.
Rapalje gliederten ihr Set wieder in zwei Teile mit
einer Pause in der Mitte. Der erste Teil des Sets war von eher ruhigen
Liedern geprägt, jedoch spielten sie dort auch schon die meisten Lieder,
von denen wir so sehr hofften, dass sie sie spielen würden. Für mich
besonders erfreulich waren "Caledonia", mein absoluter Rapalje-Lieblingssong, sowie "Wat zullen we drinken". Meine Begleitung erfreute sich sehr daran, das gleich zu Beginn "Hearts of Steel" gespielt wurde. Wir konnten also beide schon in der Mitte des Konzertes zufrieden sein.
Doch auch die zweite Hälfte bot noch einmal gute Unterhaltung. Zunächst bewiesen Rapalje
hier auch noch einmal eindrücklich, dass sie auch menschlich sehr
sympathisch sind, als sie von der Bühne aus einer Besucherin, die sonst
schon hätte gehen müssen, eine Mitfahrgelegenheit nach Hause
organisierten.
Musikalisch gab es dann natürlich auch in der zweiten Halbzeit Celtic
Folk vom feinsten, wobei dieser Teil mir lebhafter und tanzbarer vorkam.
Klassiker wie "Are Ye Sleeping Maggie" oder "Raggle Taggle Gypsy" wurden ebenso gespielt wie das wunderschöne niederländische Stück "De stad Amsterdam",
welches ich schon so lange nicht gehört hatte. Am Ende zog die Band
dann wieder mitsamt ihren Instrumenten in den Vorraum, um dort das
Publikum noch ein wenig weiter zu unterhalten.
Wir machten uns dann so langsam auf den Heimweg, bekamen den letzte
Zug nach Hause jedoch ohne Hast und Eile. So ging ein schöner
Konzertabend vorbei und mir wurde wieder einmal bewusst, wie sehr ich Rapalje
als Liveband schätze. Ihre Konzerte sind für Fans keltischer Folkmusik
und all jene, die einfach gerne zu guter Musik feiern und tanzen wollen,
eine klare Empfehlung. Ich hoffe, man sieht sich auch im kommenden Jahr
wieder zu einem netten Abend in der Lagerhalle!
Ursprünglich hatte es nur eine einzigartige Aktion sein sollen, als die drei Piratenbrüder von Mr. Hurley & die Pulveraffen
an Ostern ein Plankrock-Konzert veranstalteten. Doch die Resonanz auf
die rockige Version ihres Programms war einfach zu gut, so dass sie
beschlossen, nachzulegen.
Vor einigen Tagen brachte die Band nun eine EP unter dem Titel "Plankrock"
heraus. Und um diese Ereignis gebührend zu feiern, setzten sie ziemlich
spontan noch ein Release-Konzert in ihrem heimathafen, dem karibischen
Osnabrück an. Die Zweifel, ob man so spontan das angemietete Westwerk
würde füllen können, erwiesen sich dabei sehr schnell als unbegründet:
Weniger als eine Stunde nach Öffnung des Vorverkaufs waren alle 250
Tickets weg und es wurde sogar noch ein Zusatzkonzert gebucht, welches
nach dem gestrigen Abend vermutlich auch restlos ausverkauft sein wird.
Denn was da gestern geboten wurde, sollte man sich wirklich nicht
entgehen lassen und ich kann mir gut vorstellen, dass einige der
Besucher auch den Zusatztermin wahrnehmen werden!
Aber von Anfang an: Schon eine halbe Stunde vor dem Einlass hatte
sich eine größere Gruppe Fans am etwas abgelegenen Veranstaltungsort
eingefunden. Bis zu Einlassbeginn war daraus sogar eine sehr ansehnliche
Schlange geworden.
So wurde den Herren von Kapeiken an jenem Abend das
Glück zuteil, schon vor einem komplett gefüllten Saal aufspielen zu
können. Und sie wussten diese Chance auch bestens zu nutzen. Schon nach
dem grandios witzigen ersten Song hatten sie das Publikum in der Hand,
und daran sollte sich auch im Verlauf des Auftritts nicht mehr ändern.
Die deutschen Texte waren alle herrlich kreativ und oft zum wegwerfen
komisch und zahlreiche Mitsing-Passagen banden das Publikum wunderbar
ein. Ein Höhepunkt war da sicher, als die ganze Halle eher laut als
schön versuchte, wie Dudelsäcke zu klingen, welche die Band mit der eher
minimalistischen Instrumentierung nicht dabei hatte. Ich denke, wir im
Publikum haben die Sache ganz gut geregelt ;)
Als Hörprobe gibt es hier dann mal das Eröffnungsstück des Abends:
Leider hat die Band bisher noch nichts veröffentlicht, was ein
aufmerksamer Zuhörer auch gleich lautstark und ziemlich zutreffend mit
dem empörten Ausruf "Ihr hättet heute reich werden können!" quittierte.
Auf jeden Fall eine Band, die im Auge zu behalten es lohnt!
Nach einer Pause enterten dann Mr. Hurley & die Pulveraffen
die Bühne. Unterstützt wurden Mr. Hurley, Buckteeth Bannock und der
einäugige Morgan dabei, wie schon an Ostern, von drei weiteren Musikern
in Affenkostümen, die für den nötigen "Wums" hinter dem Rockset sorgten.
Wie üblich bei den Pulveraffen ließ die gute Stimmung nicht lange
auf sich warten. Man kann wohl getrost davon ausgehen, dass alle
Anwesenden die Texte der Band kannten und dass ein Großteil sie auch
inbrünstig mitgröhlte. Natürlich wurden alle Hits der Band gespielt, von
Klassikern wie "Auf den Captain" und "Blau wie das Meer" bis zu ziemlich neuen Stücken wie "Die Ballade von Daisy Jones"
war alles dabei. Sogar zwei bisher unveröffentlichte Stücke waren
dabei, darunter ein absolut großartiges Lied über die Probleme eines
chinesischen Piraten. Letzteres habe ich einfach mal gleich als Hörprobe
ausgewählt:
Da bleibt nur zu sagen: Es war gut, dass aus dem Plankrock-Konzept
letztlich doch mehr geworden ist als eine einmalige Sache. Das ganze war
nämlich auch dieses Mal wirklich ein riesengroßer Spaß! Immer mehr
davon! :D
Am 25. September beehrten die Herren von Lord Of The Lost einmal wieder eine meiner bevorzugten Konzertstädte - Osnabrück!
Musste letztes Mal noch der kleine Bastard Club herhalten, zog man
dieses Mal jedoch mit der Lagerhalle in ein deutlich größeres Venue um.
Dieses war zum Glück auch an diesem trüben Donnerstagabend recht gut
besucht.
Eröffnet wurde der Konzertabend von Rabia Sorda.
Ich war vorher einmal wieder gänzlich ahnungslos und unvorbereitet, so
dass ich auch erst im Nachhinein erfuhr, dass es sich dabei um das
Soloprojekt von Erk Aicrag von Hocico
handelt (Mein erster Gedanke: ach, darum kam der mir optisch irgendwie
bekannt vor xD). Entsprechend wurde es recht laut und elektrisch, mit
Industrial - aber auch teils deutlichen Punkeinflüssen.
Leider konnte mich persönlich das ganze bis zum Ende nicht wirklich
mitreißen, insbesondere den (Schrei?Kreisch?)Gesang fand ich nach einer
Weile ziemlich anstrengend, allerdings ist diese Richtung auch ganz
allgemein wirklich nicht mein bevorzugtes Musikgenre.
Aber dass man mich jetzt nicht falsch versteht: Der Auftritt selbst war
nicht schlecht - das ganz bestimmt nicht, und die drei Herren gaben auf
der Bühne wirklich Gas. Es ist eben nur...tja...nennt mich gerne einen
Banausen, aber man kann eben nicht alles mögen ;)
Genug der Worte zum Support - kommen wir jetzt endlich zum Hauptact des Abends. Lord Of The Lost
betraten die Bühne, als man gerade anfing wegen der Länge der
Umbaupause quängelig werden zu wollen, also zum perfekten Zeitpunkt! :D
Eigentlich wusste ich ja, was mich erwartet, hatte ich die Band doch
schon vorher zweimal gesehen. Aber diesmal war es ungelogen noch besser
als die Male zuvor. Die Band gab vom ersten Moment an alles, machten mit
ihren Posen die anwesenden Fotografen glücklich und mit der Musik und
den teilweise großartigen Ansagen zu Themen wie Ville Valo-Postern über
dem Bett der Freundin auch das gesamte, erwartungsgemäß überwiegend
weibliche, Publikum.
Und dieses Publikum ging ab, wie es das Osnabrücker Publikum immer tut, bei bekannten Songs wie "Dry The Rain" wurde kräftigst mitgesungen.
Überhaupt ließ die Setlist (zumindest von meiner Seite aus) kaum Wünsche offen: "Die Tomorrow", "Black Lolita", "Sex On Legs", "Credo" - alles dabei.
Umso trauriger waren wir nicht-Osnabrücker, als wir das Konzert
schon vor der ersten Zugabe verlassen mussten, um den letzten Zug
Richtung Heimstatt zu erwischen - aber was soll man machen? Die Party
ging ohne uns sicher noch eine ganze Weile weiter, aber wir trösteten
uns mit dem Gedanken, dass es schon bis zu diesem Zeitpunkt ein super
schöner Abend gewesen war. Und mit dem Gedanken: beim nächsten Mal sind
wir wieder mit dabei!
Vor etwas mehr als einer Woche führte eine
spontan nötig gewordene Änderung der Wochenendpläne dazu, dass ich mit
einer Freundin einen Tag lang auf der Straße der Megalithkultur
unterwegs sein durfte. Wir hatten diesen Plan schon lange im Hinterkopf,
konnten jedoch nie einen passenden Termin finden.
Die Straße der Megalithkultur:
Für alle, die noch nie von der Straße der Megalithkultur gehört
haben: Es handelt sich um eine 330 km lange Erlebnisstraße in
Niedersachsen. Sie beginnt im Süden im Osnabrücker Land und schlängelt
sich dann bis hinauf nach Oldenburg. Entlang der Route gibt es 33
Stationen, auf denen über 70 Großsteingräber aus der Jungsteinzeit
besichtigt werden können. Auch einige Grabhügel aus der Bronze- und
Eisenzeit sind als Etappen verzeichnet. Die einzelnen Gräber sind
ausgeschildert, meistens mit auf den ersten Blick eher unauffällig
wirkenden kleinen, braunen Schildern. Weiß man aber erst einmal, wonach
man suchen muss, findet man die Schilder und die meisten Megalithanlagen
eigentlich problemlos, ansonsten kann man sich auf der Homepage der
Straße der Megalithkultur auch die GPS-Daten zu den einzelnen Zielen
herunterladen oder den Reiseführer zur Route bestellen. Auch eine
Radroute ist entlang des Weges ausgeschildert. An den von uns
besichtigten Anlagen fanden sich zudem durchgehend Infotafeln, die einen
über die Geschichte der Gräber aufklärten.
Unser Ausflug beschränkte sich auf das Osnabrücker Umland. Dort
haben wir an diesem Tag 5 Megalithanlagen besucht, von denen jedoch
nicht alle zur Straße der Megalithkultur gehören. Informationen zu
diesen Anlagen haben wir auf der wunderbaren Seite stonepages.de
gefunden. Auf der Seite sind eine Unmenge von Megalithanlagen in ganz
Europa zu finden, oft auch mir Informationen und Anfahrtsbeschreibungen.
Interessierte sollten der Seite unbedingt mal einen Besuch abstatten.
Den Link findet ihr am Ende dieses Berichts.
Nun möchte ich jedenfalls einmal die von uns besuchten Anlagen vorstellen:
Großsteingrab Schölerberg:
Der erste Halt auf unserer Tour befand sich mitten in Osnabrück, in
unmittelbarer Nähe zum Zoo. Vom Großsteingrab Schölerberg/Nahne ist
heute leider nicht mehr viel übrig, nur noch ein paar Steine ragen ein
wenig aus dem Boden uns zeigen an, wo sich das Grab einst befunden hat.
Stattdessen "ziert" den Platz nun ein Kriegerdenkmal, welches aus den
Deckteinen der Anlage gebaut wurde. Der Bau wurde im 19. Jahrhundert
zesrtört. Aufzeichnungen zufolge war das Grab um 1840 noch vorhanden,
galt 30 Jahre später dann aber als verschwunden.
Greteschersteine:
Die Greteschersteine liegen im gleichnamigen Teil Osnabrücks und
gehören zur ersten Station auf der Straße der Megalithkultur. In älteren
Aufzeichnungen kennt man sie auch unter den Namen Hermannssteine oder
Dicke Steine. Die Anlage liegt auf einer Anhöhe am Belmer Bach. Wie
viele Megalithanlagen waren auch sie schon häufiger von Vandalismus in
Form von Graffitis oder Einritzungen betroffen. Trotzdem sind ist die
imposante Anlage mit ihrer schönen Lage einen Besuch wert und lädt zu
einer längeren Pause ein.
Teufelssteine:
Ebenfalls zur ersten Etappe der Straße der Megalithkultur gehören
die Teufelssteine. Sie liegen mitten im Industriegebiet Teufelsheide und
sind von den Gretescher Steinen bequem zu Fuß aus zu erreichen. Wenn
man durch die Teufelsheide marschiert, kann man sich kaum vorstellen, wo
zwischen all dem Beton eine Megalithanlage stehen soll. Folgt man
jedoch der Ausschilderung, landet man urplötzlich auf einer schönen,
kleinen mit Bäumen umstandenen Lichtung mitten im Industriegbiet. Dort
stehen die Teufelssteine, auch Lehzensteine genannt. Bei unserem Besuch
hatte leider ein respektloser Mitbrüger den größten Deckstein mit einem
wirklich auffälligen und extrem hässlichen Liebesbeweis in Form eines
Graffitis beschmiert...
Sundermannsteine:
Unser nächster Halt gehörte wieder nicht zur Straße der
Megalithkultur, aber in so unmittelbarer Nähe unserer Route, dass sich
ein Besuch anbot. Die Sundermannsteine liegen sehr einfach zu finden
direkt an der Straße zwischen Gretesch und Belm. Erhalten ist ein Teil
der Kammer. Bei einer Ausgrabung im 19. Jahrhundert wurden auf dem
Gebiet der Steine zahlreiche Grabbeigaben gefunden, darunter
Feuersteinklingen, Perlen aus Bernstein, ein durchbohrter Tierzahn und
zahlreiche Tongefäße.
Großsteingrab Jeggen:
Das Großsteingrab Jeggen bildet die zweite Station der Straße der
Megalithkultur. Es liegt südlich von Jeggen und ist in gutej, gepfelgten
Zustand. Für mich war es an diesem Tag das vielleicht faszinierendste
Grab, das wir besichtigt haben. Mitten in der Anlage wächst eine alte
Eiche. Diese hat ihr Leben lang gelernt, mit den Steinen um sie herum
auszukommen und heute sind beide fest miteinander verschmolzen, was
einen wirklich faszinierenden Anblick bietet. Auch bei dieser Anlage
wurden im Rahmen von Ausgrabungen verschiedene Gegenstände aus der
Jungsteinzeit gefunden.
An dieser Stelle endet unser Tagestrip auf den Spuren der
Megalithanlagen. Zwar haben wir uns noch eine ganze Weile in der Gegend
aufgehalten, da wir die Anlagen Dübberort I und II sowie die Slopsteine
besichtigen wollten, mussten jedoch irgendwann aufgeben, da diese für
uns nicht auffindbar waren und die Nacht langsam näherrückte.
Ich bin aber sicher, dass dies nicht unser letzter Ausflug zu den Spuren der Jungsteinzeit bleiben wird.
In den letzten Tagen war es etwas still hier. Bei dem schönen Wetter
habe ich es einfach bevorzugt, meine Zeit lesend und gärtnernd draußen
zu verbringen. Da die Pflicht mich gestern aber wieder zurück in mein
garten-und balkonloses Studentenzimmerchen rief, kann ich den heutigen
Tag wunderbar nutzen, um mal wieder etwas zu schreiben. Setzen wir also
den Konzertmarathon 2014 fort:
19. April: Versengold & Mr. Hurley und die Pulveraffen, Lagerhalle Osnabrück
Mittlerweile ist es schon so etwas wie eine Tradition geworden, das
mittelalterliche Osterkonzert in Osnabrück. In diesem Jahr waren es die
Osnabrücker von Mr. Hurley & die Pulveraffen, die zusammen mit Versengold das feierwütige Volk in die Lagerhalle lockten. Beide Bands spielten dabei gleichberechtigt ein volles Set.
Die Eröffnung des Abends übernahmen Mr. Hurley & die Pulveraffen.
Die drei Brüder spielten zu diesem Anlass aber ausnahmweise nicht
allein: Für ihr bis dato einzigartiges Plankrock-Konzert holten die drei
sich Unterstützung in Form von Schlagzeug, Gitarre und Bass. Die
Gastmusiker ließen sich dabei auch nicht lumpen lassen und enterten die
Bühne in Ganzkörper-Affenkostümen. Der Sound war also an diesem Abend
etwas rockiger als sonst, aber noch immer hochgradig tanzbar, was bei
Songs wie dem "Plankentanz" auch anschaulich vom Publikum
bewiesen wurde. Man kann wirklich nur hoffen, dass die Pulveraffen das
Konzert, welches sie aufgenommen haben, wirklich eines schönen Tages auf
CD brennen und das dies nicht das einzige Plankrock-Konzert der Band
bleiben wird!
Hörprobe vom Auftritt gefällig?
Der Name des youtube-Accounts ist hier übrigens Programm: Bei den
"Pirateneltern" handelt es sich wirklich um die Eltern der drei Jungs,
die das Konzert auf Video gebannt haben :D
Nach den Pulveraffen bereiteten sich Versengold auf ihren Auftritt vor. Sie hatten das Osterkonzert in ihre "Auf in den Wind"-Tour
integriert, bei der sie ihr gleichnamiges neues Album vorstellten. Es
gelang ihnen dabei bestens, die gute Stimmung in der Halle
aufrechtzuerhalten. Gespielt wurde eine schöne Mischung aus neuen und
alten Songs der Band. Mitsingstücke wie "Wem?Uns!" durften
dabei ebenso fehlen wie das Titelstück des neuen Albums, welches mit
Unterstützung einer Gastmusikerin und eines Publikumschors gespielt
wurde. Mit "Vom Zauber des Wildfräuleins" fand auch eine der
wunderschönen, aber leider oft vom Publikum verschmähten Balladen der
Band seinen Weg in das Set. Daneben standen natürlich auch die
zahlreichen, extrem tanzbaren Instrumentalstücke und Parts, bei denen es
einem doch sehr schwerfällt, die Beine stillzuhalten. Kann man sich
einen besseren Weg vortstellen, das Osterwochenende zu begehen?
21. März: Saltatio Mortis (Support: Metusa), Hyde Park Osnabrück
Im März machten Saltatio Mortis im Rahmen ihrer "Das schwarze IXI"-Tour
halt im Hyde Park. Nicht dem großen in London, sonderen dem etwas
kleineren, dem etwas Abseits gelegenen in Osnabrück. Obwohl das Ding mit
öffentlichen Verkehrmitteln eher mäßig gut zu erreichen (bzw. vor allem
Nachts zu verlassen) ist, war dies ein guter Anlass, sich doch einmal
wieder dorthin zu begeben.
Als wir die Location knapp eine Stunde vor Einlass erreichten, wartete wie gewöhnlich bei Saltatio Mortis
schon eine stattliche Schlnage vor der Halle. Viele waren trotz der
eher winterlichen Temperaturen erstaunlich leicht bekleidet - da gilt
wohl das Motto "Wer schön sein will, muss leiden". Dafür, dass es in der
Warteschlange nicht langweilig wurde, sorgte unter anderem Dominik, der
Sänger der Supportband Metusa, der überall, wo er auftaucht, für Action
sorgt. Für den youtube-Kanal von Metusa bewegte er sich mit einer
Kamera durch die Wartenden und erforschte mit dieser sogar, was es wohl
unter den Schottenröcken einiger junger männlicher Besucher zu sehen
gab.
Als dann alle drin waren und Metusa ihren Auftritt
absolvierten, war es in der Halle schon gerammelt voll. Die Jungs und
Mädels um Frontsau Dominik aka Domenicus der Saitenreiter präsentierten
an diesem Abend ihr neues Album "Zahn der Zeit". Für mich war
es auch ihr erstes richtiges Konzert in der neuen Besetzung nach dem
Weggang von Dudelsack-und Flötenspielerin Anja. Obwohl mir das Konzert
durchaus gut gefallen hat, kann man doch nicht leugnen, welch große
Lücke Anja mit ihrem Ausstieg hinterlassen hat und es wird für mich noch
eine ganze Weile dauern, bis ich mich an die neue Besetzung gewöhnt
habe. Aber das ist vermutlich nur ganz natürlich. Von den neuen Songs
blieb mir besonders das fröhlich zum Mitsingen geeignete "Gemeinsam" im Gedächtnis.
Hier wie üblich eine kleine Hörprobe der Band:
Nach Metusa hieß es dann Bühne frei für die Headliner: Saltatio Mortis.
Diese mussten an diesem Abend wie auch an den anderen Terminen der Tour
in unvollständiger Besetzung auftreten, da Schlagzeuger Jean während
einer Probe am Beginn der Tour ins Krankenhaus eingeliefert werden
musste. Sein Fehlen hörte man natürlich, doch die Band machte aus der
schwierigen Situation das Beste und rockte, was das Zeug hält. In der
Halle wurde es bald auch unerträglich heiß und eng, was auch mein
einziger Minuspunkt an diesem Abend war.
Falls jemand die Band wirklich noch nicht kennen sollte, folgt auch hier nochmal ein kleiner Appetizer:
Am Ende waren alle verschwitzt und zufrieden und meine Begleitung
und ich machten uns auf den Heimweg. Schon am nächsten Abend sollte der
Konzertspaß weitergehen...
22. März: Punch'n'Judy, The Muddy Echoes & die B.R.U.T.. Consol 4, Gelsenkirchen
Nicht einmal 24 Stunden später machten wir uns also auf den Weg ins Ruhrgebiet. Anlass unseres Besuchs war ein Konzert von Punch'n'Judy.
Die Location war mal etwas ungewöhnlich für unsere Verhältnisse, eine
Art Jugendzentrum in einem ehemaligen Zechengebäude. Und es passiert ja
auch nicht aller Tage, dass man in einem Venue vor Beginn des Konzerts
darauf hingewiesen wird, nicht in den Flur zu kotzen oder in der
Umgebung wild zu pinkeln... Wie dem auch sei: Bevor Punch'N'Judy die Bühne entern durften, warteten zunächst noch zwei andere Bands auf uns.
Eröffnet wurde der Abend von "Die B.R.U.T.", einem
spontan ins Leben gerufenem Projekt einiger Lokalgrößen (so sagte man
uns), die wir als ortsfremde natürlich nicht kannten. Das traf textlich
jetzt nicht so ganz mein Geschmack, musikalisch war es eine
ungewöhnliche Mischung aus Deutschpunk mit ausgedehnten
Metal-Gitarrenriff-Parts.
Es folgten The Muddy Echoes, eine lokale Indie
Pop/Rock Band, die durchaus angenehm zu hören waren. Leider machte bei
ihnen der Sound an einigen Stellen ganz schöne Mucken, was den Hörgenuss
etwas dämpfte.
Zum Abschluss kamen dann die von uns lange erwarteten Punch'n'Judy.
Musikalisch ging es hier nochmal in eine ganz andere Richtung, welche
die Band selbst Crossover-Folk nennt. Die Band hatte eine ordentliche
Anzahl an Fans mitgebracht, so dass die Stimmung von Anfang an super war
und alle bei Band-Hits wie dem "Koboldkönig" oder "Grace O'Malley" mitsingen konnte. Schon alleine dieser Auftritt machte den ganzen Weg nach Gelsenkirchen mehr als lohnenswert!
Da seit letztem Jahr auch ein offizielles Video der Band existiert,
welches passender Weise auch noch genau in der Location aufgenommen
wurde, in der das von mir besuchte Konzert stattfand, möchte ich euch
auch dieses nicht vorenthalten: