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Montag, 11. Mai 2020

Auf zu neuen Ufern - das erste Piratenabenteuer in Zülpich

Ende August stand ein sehnsüchtig erwarteter Termin im Kalender, nämlich das erste Piratenabenteuer in Zülpich. Es handelte sich dabei quasi um die Nachfolgeveranstaltung des legendären Pirates Festivals im Jülicher Brückenkopfpark. Da jener sich leider als zu groß und zu teuer erwiesen hatte für eine Special Interest Veranstaltung dieser Art, musste das Festival einige Jahre pausieren. Umso größer war die Vorfreude auf das Comeback am neuen Austragungsort.


Aus diversen Gründen hatten wir für diese Erstauflage nur ein Ticket für den Samstag, angereist wurde aber dennoch schon am Freitag. Denn, das sei gesagt: die Anreise nach Zülpich ohne eigenes Auto ist schonmal ein Abenteuer für sich. Für mich ging es erst einmal mit dem Zug nach Düren, wo ich dann mit Sack und Pack einen Sprint sondergleichen hinlegen musste, um den nicht gerade großzügig fahrenden Bus nach Zülpich noch zu ergattern. Dem rücksichtsvollen Busfahrer sei Dank gelang es. Im Anschluss begann eine lange Rundfahrt durch die Gegend, leider ohne Durchsagen, weswegen ich echt froh war, an der richtigen Bushaltestelle auszusteigen. xD

Endlich angekommen, blieb Zeit durchzuatmen, denn meine Freundin kam erst ein wenig später mit dem Bus aus der anderen Richtung an. Gemeinsam ging es dann Richtung Zeltplatz, den wir dank der Hilfe eines zufällig vorbeikommenden Piraten auch sehr schnell fanden. Und schon beim Eingang zeigte sich: dies würde der angenehmste Festival-Campingplatz werden, den ich bisher erleben durfte. Alle, sowohl Helfer als auch Besucher waren super freundlich, die Stimmung war friedlich und entspannt. Kein asoziales übergroßes-Areal-Abstecken wie bei gewissen anderen Veranstaltungen, und Nachts konnte man sogar schlafen! Man hatte nicht einmal Bedenken, seine Wertsachen allein zu lassen, weil der Eingang immer besetzt war.

Da wir ja nun nur ein Ticket für den Samstag hatten, blieb uns nun einige freie Zeit. Das machte aber nichts, denn diese verging wie im Flug. Sogar für die Versorgung war durch einen nahgelegenen Supermarkt gesorgt. 

Blick auf das Gelände

Am Samstag wurde es dann endlich Zeit, das Gelände zu erobern. Dieses erwies sich im Vergleich zu seinem Vorgänger in Jülich zwar als ziemlich klein, erweckte dafür aber umso mehr den Eindruck eines gemütlichen Piratennests. Wir machten im Laufe des Tages so einige Spaziergänge über das Gelände, und immer gab es etwas Neues zu entdecken. Man kam ganz wunderbar ins Gespräch mit Händlern, Besuchern und Musikern, und irgendwann hatten wir plötzlich sogar ein ganz entzückendes Frettchen auf dem Arm! ♥ 

Auch die Besucher trugen ihren Teil bei zur großartigen Atmosphäre dieses Festivals. Die Menge an Gewandeten war extrem hoch, und die Leute kamen aus den verschiedensten Ländern. Man hörte die unterschiedlichsten Sprachen, es war fast wie in einer echten, quirligen Hafenstadt. 

Pyrolysis auf der Festungsbühne

Und musikalisch war der Tag natürlich ein Traum. An der gemütlichen Festungsbühne erlebten wir wunderbare, energiegeladene Auftritte von MacCabe & Kanaka sowie Pyrolysis und freuten uns den ganzen Tag wie Bolle auf den Abend mit der Swedish Pirate Armada. Man hatte sich nämlich ganz und gar nicht lumpen lassen und es möglich gemacht, zum ersten Mal auf deutschem Boden die drei großartigen schwedischen Piratenbands Stormfrun, Pat Razket und Ye Banished Privateers gemeinsam zu erleben. Was für eine Party, das schreit nach Wiederholung!

 Wie viele Piraten passen auf eine Bühne?

Nach so einem erlebnisreichen Tag schliefen wir natürlich hervorragend, und eh wir es uns versahen, war es schon Zeit für Abbau und Abreise. Diese erwies sich für mich als ziemliche Katastrophe - etwa fünf Stunden für 60 Kilometer sind selbst für erprobte ÖPNV-Nutzer heftig... ^^ Aber reden wir nicht weiter drüber.

Das Piratenabenteuer in Zülpich erwies sich für mich als eines der schönsten Festivals des vergangenen Jahres. Es war liebevoll gestaltet, stimmungsvoll und verfügte über ein absolut großartiges Programm. Man merkte deutlich, dass der Veranstalter sein Herzblut in diese Veranstaltung gesteckt hatte und dass es auch für das Publikum ein besonderer Termin im vollen August-Eventkalender war. 

Stockbrot, arrr!

In diesem Jahr (ja, ich rede von 2020) soll das Festival erneut stattfinden. Angesetzt ist es für das Wochenende vom 7.-9. August. Mit vergrößertem Gelände und verringerter Besucherzahl hofft man derzeit noch, nicht unter die aktuell geltenden Beschränkungen für Großveranstaltungen zu fallen. Ich hoffe sehr, dass das nicht nur ein schöner Traum bleibt (und endlich mal jemand den Arsch in der Hose hat, den Begriff 'Großveranstaltung' zu konkretisieren, damit die ohnehin schon gebeutelten Veranstalter wenigstens etwas Planungssicherheit erhalten!). Mein Ticket ist jedenfalls geordert, und das dieses Mal gleich für das ganze Wochenende.

Freitag, 30. August 2019

Stippvisite beim Das Schloss Rockt Festival in Münster

Es ist so eine Sache mit Münster. An weitaus mehr Wochenenden, als einem lieb sein kann, ist in dieser Stadt musikalisch einfach mal nichts auch nur annährend relevantes los. Und dann gibt es diese seltenen Daten, an denen man sich mehrfach teilen können müsste, um alles zu sehen, was einen interessiert. Der 21. Juni war in diesem Jahr ein solches Datum. Auf dem Platz vor dem Schloss lockte das jährlich stattfindende, kostenlose Open Air "Das Schloss Rockt", während Abends die Sputnikhalle mit einem Refused-Konzert lockte und im Gleis 22 die lokalen Legenden Muff Potter spielten. Kompromisse mussten also gemacht werden. Gut, dass das Festival vor dem Schloss lange vor den abendlichen Konzerten begann und so zumindest Zeit für einen kurzen Besuch ließ.

Festival vor schöner Kulisse: Das Schloss Rockt in Münster

Bei bestem Sommerwetter hatten sich schon zu Beginn der Veranstaltung um 17 Uhr einige Interessierte eingefunden, um den Auftritt der ersten Band des Festivals zu sehen. Los ging es mit Prism aus Münster. Die Band bezeichnet ihre Musik als Alternative Metal und nennt unter anderem Papa Roach als Einfluss. Das Ganze ließ sich auf jeden Fall gut anhören, auch wenn der Band an diesem Tag ihr Bassist abhanden gekommen war. Die Stimmung vor und auf der Bühne trübte das jedenfalls nicht.


Als zweite Band standen Devil's Balls auf dem Programm. Ebenfalls aus Münster, ging es hier musikalisch aber in einer ganz andere Richtung. Diese Herren hatten sich offensichtlich mit Leib und Seele dem klassische Hard Rock verschrieben und brachten dies live auch sehr überzeugend rüber. Ein großes Vergnügen, diese Band live zu sehen.


Umso bedauerlicher fand ich es, dass es für mich danach schon Abschied nehmen hieß. Die zwei weiteren Bands des Abends, Angelwings und die großartigen Lacrimas Profundere, konnte ich mir nicht mehr ansehen, weil ich mich am Abend für den Besuch des Refused-Konzerts in der Sputnikhalle entschieden hatte - später mehr dazu.

Trotzdem war es schön, wenigstens einen Teil vom "Das Schloss Rockt" Festival mitbekommen zu haben. Wo sich in Münster endlich so ein attraktives, noch dazu kostenloses Open Air etabliert hat, möchte man das doch nicht ganz verpassen. Nächstes Jahr geht es hoffentlich mit unvermindert spannendem Line Up weiter!

Donnerstag, 16. Februar 2017

Rückblick Winter Castlefest 2016

Irgendwie haben mich momentan die Schreibfaulheit und eine hartnäckige Erkältung voll im Griff. Darum hinke ich nun irgendwie richtig massiv hinterher mit den Dingen, über die ich eigentlich noch so hatte schreiben wollen. Zeit, der liegen gebliebenen Arbeit den Kampf anzusagen!

Kurz vor Weihnachten (ich sagte ja, es ist massiv) ergab sich relativ spontan ein Tagesausflug zum Winter Castlefest. Eigentlich ist der Weg ins niederländische Lisse ja ein bisschen weit für einen solchen spontan-Tagestrip, aber das Line Up war so gut, dass wir diesen Umstand gekonnt ignorierten und am Samstag einfach fuhren. Und was für ein Glück, dass wir das getan haben!

 Ein bisschen merkwürdig war es schon, das uns in den mittlerweile recht zahlreichen Jahren, die wir das sommerliche Castlefest schon besuchen so vertraute Gelände plötzlich im tiefsten Winter wiederzusehen. Doch das Glücksgefühl ließ trotz leichten Nebels nicht lange auf sich warten, denn die Castlefest-Stimmung war zweifelsohne da.

Wir erreichten das Festivalgelände ziemlich pünktlich zu Beginn des ersten Konzertes. Dieses wurde von Sowulo im warmen Zelt gegeben. Die Konzerte sollten sich fortan den ganzen Tag ziemlich nahtlos auf jener Bühne im Zelt und einer kleinen Freiluft-Bühne abwechseln. Während dieses ersten Konzerts fiel es mir noch ziemlich schwer, mich auf das Geschehen auf der Bühne zu konzentrieren, sodass ich Sowulo irgendwie eher gehört als gesehen habe. Doch da war eben noch zu viel Neues um mich herum, Eindrücke wollten gesammelt werden und das Zelt in Augenschein genommen werden. Trotzdem habe ich das Konzert von Sowulo als sehr schön in Erinnerung, die Band heizte dem Publikum ordentlich ein und präsentierte dabei auch gleich das eine oder andere neue Stück. Schließlich hatten sie sich das Winter Castlefest zum Release-Termin ihres neuen, zweiten Albums "Sol" auserkoren, welches gleich nach dem Konzert Einlass in meine Musiksammlung fand.

Die kurze Konzertpause nach dem Auftritt von Sowulo nutzten wir, um uns den Rest des Geländes ein erstes Mal näher anzusehen. Ein erster Rundgang war relativ schnell bewerkstelligt, umfasst das Areal doch nur einen Bruchteil der Fläche des großen Castlefests im August.

Im Anschluss konnten wir uns dann wieder im Zelt aufwärmen und dabei die Klänge von Shireen genießen. Auch die spielten einiges bisher unveröffentlichtes Material, welches große Lust auf das in Arbeit befindliche erste Album der Band machte.


Ohne Pause ging es nach dem Auftritt von Shireen draußen mit Virelai weiter, die wir natürlich nicht verpassen wollten. Es war schon eine ganze Weile her, dass man die Band auf einem Castlefest erleben durfte und sie waren von uns schmerzlich vermisst worden. Hier bot sich auch die erste tolle Gelegenheit zu tanzen, wie man eben nur auf einem Festival wie dem Castlefest tanzen kann. Angeführt von Sängerin Mia tanzten wir gefühlt eine Viertelstunde in großen Kreisen und Schleifen über das Gelände. Anstrengend, aber auch superspaßig!
Virelai

Wieder ohne Pause fingen im Zelt Seed mit ihrem Set an, bei denen wir aber leider eine Auszeit nehmen mussten. Irgendwann muss man nunmal auch grundlegende menschliche Bedürfnisse befriedigen, und schon am frühen Nachmittag vor Hunger umfallen wäre doch irgendwie dumm gewesen ;) Während Seed also im Zelt sicher einen tollen Auftritt hinlegten (ich habe keinen Grund daran zu zweifeln, durfte ich mich von den Live-Qualitäten der Band doch zuletzt wenige Monate zuvor auf dem Sommer Castlefest überzeugen), begaben wir uns zum Frying Dutchman.

Danach ging es dann aber mit voller Energie weiter, als auf der Außenbühne Asynje spielten. Wenn es eine Band gibt, deren Abwesenheit beim Castlefest mich in den vergangenen Jahren richtig, richtig hart getroffen hat, dann war es die von Asynje. Denn diese Band passt einfach zu diesem Festival, als wären sie füreinander geschaffen worden. Insbesondere den Song "Viking Party Polka" verbinde ich so stark mit dem Castlefest und er weckt jedesmal so schöne Erinnerungen, dass ich am liebsten sofort anfangen würde, durch den Raum zu tanzen, wenn ich ihn höre. Notfalls auch durchs Zugabteil, wenn ich ihn eben unterwegs höre. :P
Jedenfalls wurde natürlich auch dieses Asynje-Konzert ein absolutes Highlight des Tages, zumal Sängerin Nanna in einer ganz - nennen wir es mal "speziellen" - Laune war und so abging, dass selbst ihre Bandkollegen aufrichtig erstaunt wirkten.

Asynje

Das anschließende Konzert von The Dolmen sahen wir auch nicht ganz komplett, denn es wurde Zeit, dem Auto einen Besuch abzustatten um die mittlerweile gesammelten Einkäufe zu verstauen. Zu der Sowulo-CD hatten sich nämlich in der Zwischenzeit noch CDs von Trolska Polska, Asynje und The Dolmen sowie ein Castlefest-Geburtstagskalender gesellt. Die Bands hatten sich wahrlich nicht lumpen lassen, was neue Veröffentlichung pünktlich zum Winter Castlefest anging! Das Finale des Konzerts bekamen wir zum Glück aber doch noch mit, und es ließ mich ein wenig bedauern, den Rest verpasst zu haben. Aber so ist das nunmal, wenn es den ganzen Tag quasi keine Pausen im Line-Up gibt, und wir hatten wirklich lange überlegt, welche Auftritte wir "opfern" würden und uns mit Seed und The Dolmen schweren Herzens für die beiden entschieden, die wir schon im August gesehen hatten.


Mittlerweile war es draußen vollständig dunkel geworden. Als letzte Band auf der Außenbühne spielten Trolska Polska ihre einzigartigen Trollklänge. Die Dänen hatten sich dabei gleich ganz kompromisslos entschieden, ihr ebenfalls gerade erschienenes zweites Album "Untold Tales" komplett vorzustellen und gar keine alten Stücke zu spielen. Das Konzept ging auf, Band und Publikum hatten sichtlich Spaß beim imitieren von Trolltänzen- und Geräuschen.

Die gute Stimmung wurde dann gleich weiter ins Zelt getragen, wo Rastaban ihren Auftritt hatten. Die Belgier bewiesen wieder einmal, dass sie eine super Liveband sind, und brachten das Publikum ordentlich zum tanzen. Ich freute mich an diesem Tag bereits darauf, dass ich die Band keine zwei Wochen später bei ihrem ersten Deutschland-Konzert auf dem Mittelalterlichen Lichter-Weihnachtsmarkt in Dortmund würde wiedersehen dürfen.

Nach dem Konzert gab es dann tatsächlich mal eine Spielpause, die wir für einen weiteren Besuch beim Frying Dutchman nutzen (ist sehr lecker da, aber das kulinarische Angebot war bedauerlicherweise auch wirklich etwas arg klein, sodass sich die Alternativen in Grenzen hielten). Danach suchten wir uns einen Platz für das Yule-Ritual.

Dieses wurde 2016 von Taloch Jameson, dem Sänger von The Dolmen geleitet, der auch in seiner englischen Heimat in derartigen Zeremonien aktiv ist und das Ritual zu einem ganz besonderen, unvergesslichen Erlebnis machte. Ganz dicht bei uns stand eine Gruppe junger Leute, die ziemlich negativ auffielen, weil sie das Ganze offensichtlich für einen dummen Scherz hielten. Kaum hatte Taloch jedoch mit der Zeremonie begonnen, wurden auch sie ganz still. Jeder lauschte seinen Worten, die - obwohl nicht laut - im ganzen Publikum verstanden werden konnten. Wie beeindruckend es schließlich war, als plötzlich die ganze versammelte Menschenmenge schwieg. Und was für eine Kraft sie dann entwickelte, als alle gemeinsam anhoben zu summen und schließlich zu rufen! Das waren wirklich ein paar magische Minuten für alle Versammelten.

Leider blieb nicht viel Zeit, um ganz in Ruhe den Gedanken und Gefühlen nachzuhängen, die eine solche Zeremonie in einem auslöst, folgte doch sogleich das letzte Konzert des Festivaltages. Dieses wurde von den wunderbaren Euzen gespielt. Wie üblich klebten meine (und sicherlich nicht nur meine) Augen förmlich das ganze Konzert über auf Sängerin Maria, die einfach eine sagenhafte Ausstrahlung und Bühnenpräsenz besitzt. Das großartige Outfit, dass sie trug (entworfen von Annicke, der Sängerin von Shireen) fing ebenfalls die Blicke der Leute ein.
Es wurde ein wundervoller Ausklang für einen durch und durch schönen Festivaltag. Die Musik von Euzen lud zum tanzen und singen und sich einfach nur wohlfühlen ein. Viel zu schnell ging der Auftritt dann auch seinem Ende entgegen und es wurde Zeit, sich zu verabschieden von diesem wundervollen Ort mit all seinen wundervollen Menschen.


Wir sehen uns im August, liebes Castlefest. Und vielleicht sehen wir uns dann ja auch nochmal im Dezember. Und ganz vielleicht dann auch nicht nur für einen Tag. Mal schauen, was die Zeit für Möglichkeiten eröffnet! ♥

Freitag, 27. Mai 2016

Rocken gegen den Regen - Zu Besuch auf dem Das Schloss Rockt Festival in Münster

Es gibt viele schlechte Witze über das innige Verhältnis der Stadt Münster zum Regen. An Tagen wie vergangenem Freitag ist man fast schon geneigt, ihnen Glauben zu schenken. So hatte sich der Tag, für den die zweite Edition des Das Schloss Rockt-Festivals angedacht war, schon vom frühen Morgen an bedeckt, jedoch immerhin weitestgehend trocken gezeigt. Dies änderte sich freilich ziemlich genau um 17 Uhr. Dann begann pünktlich das Festival - und der Regen setzte ein.

Doch wie bereits erwähnt, ist man in Münster solche Wetterkapriolen ja gewöhnt, und so hatte sich glücklicherweise trotzdem eine gute Schar hartgesottener Musikfans eingefunden, um vor der schönen Kulisse des Schlosses mit den vier eingeladenen Bands zu feiern. Und das wie bereits im vergangenen Jahr umsonst und draußen.

Den Beginn machten dabei Daughters' Desire aus Siegen. Die fünf Jungs servierten dem Publikum satten Hardrock / Heavy Metal Sound inklusive den dazugehörigen Posen und kamen damit auch sehr gut an. Dass sie Lust auf diesen Auftritt hatten, merkte man ihnen von Anfang an deutlich an, und diese Lust übertrug sich auch schnell auf das Publikum. Sänger Daniele gelang es sogar, das traditionell etwas verhaltene Münsteraner Publikum dazu zu bewegen, sich nach jedem Lied, welches ihnen gefiel, drei Schritte auf die Bühne zu zu bewegen - mit dem Resultat, dass der anfangs noch klaffende Zurückhaltungs-Graben zwischen Band und Publikum innerhalb weniger Minuten geschlossen werden konnte.
Daughters' Desire

Hatte sich der Regen während des Auftritts von Daughters' Desire noch recht gnädig erwiesen, fing es pünktlich zum Konzertbeginn der Münsteraner von Spin My Fate an wie aus Eimern zu schütten. Vor der Bühne störte das jedoch zum Glück kaum jemanden - und es wäre auch wirklich eine Schande gewesen, diesen Auftritt zu verpassen! Spin My Fate, die ihre Musik selbst irgendwo zwischen Rock und Metal verorten, jedoch eindeutig auch den einen oder anderen Tropfen Punk im Blut haben, rockten das Schloss nämlich im wahrsten Sinne des Wortes. Der energiegeladene, abwechslungsreiche Sound der Band wusste auf ganzer Linie zu überzeugen und auch die Spielfreude der vier Jungs kam an.
Spin My Fate

Zwei Bands - nämlich Summery Mind und Infinite Horizon - sollten an diesem Abend bis 22 Uhr noch die Bühne auf dem Schlossplatz beehren. Für mich ging das Festival aber leider schon nach dem Auftritt von Spin My Fate zu Ende, denn mehrere noch bevorstehende Stunden Zugfahrt quer durch NRW ließen mir keine andere Wahl. Trotzdem hat es mir sehr gut gefallen beim Das Schloss Rockt-Festival. Es wäre schön zu hören, wenn das Festival fortgesetzt würde und damit im kommenden Jahr in die dritte Runde gehen würde. Für Münsters eher bescheidene härtere Musikszene wäre ein solches großes, jährliches Umsonst & Draußen - Festival in jedem Fall ein großer Gewinn!

Montag, 24. August 2015

Totgesagte leben länger - das Wurmstock Festival in Übach-Palenberg

Das war vielleicht eine nette Überraschung, als im Stadtbild des kleinen Örtchens Übach-Palenberg im Juli plötzlich Plakate auftauchten, die für das Wurmstock Festival 2015 warben. Als Jugendlicher bildete dieses kleine Festival einen festen jährlichen Termin in meinem Kalender, bis es eines Jahres (war es 2007?) plötzlich verschwand. Als ich alt genug war, darauf zu stoßen, wurde es schon nicht mehr wie zu Beginn in Übach-Palenberg sondern im Nachbarort Geilenkirchen veranstaltet und bot dort lokalen Bands ein Podium. Galatea, die Schülerband meines Gymnasiums waren eigentlich immer mit dabei. Ebenso die Übacher Punkband Rigids und manchmal auch Cyrcus aus Heinsberg. Bis auf letztere sind heute alle in die Untiefen der Musikgeschichte entschwunden, aber die guten Erinnerungen bleiben.

Doch zurück ins Jahr 2015: Am 9. August war es also so weit und das Wurmstock-Festival ertlebte seine Wiederbelebung in der Klangmuschel im Naherholungsgebiet der Stadt Übach-Palenberg. Ein Veranstaltungsort nur etwa zehn Minuten Laufweg von meiner Haustür entfernt -  dass das zum Pflichttermin wurde, ist wohl kein Wunder. Also kramte ich mein altes Wurmstock T-Shirt aus dem hintersten Winkel des Schrankes und machte mich zu 15 Uhr auf den Weg.

Das Wurmstock hatte sich bei seiner Wiederbelebung ein wenig verändert. Veranstalter waren heute wie damals die Jusos, doch in diesem Jahr schloss sich das Festival einem Familienfest der SPD an. Entsprechend gemischt war das Publikum: Familien mit kleinen Kindern, ältere Menschen, die das schöne Wetter ins Naherholungsgebiet verschlagen hatte, Ausflügler aus den benachbarten Niederlanden. Nur an klassischem jungen Festivalpublikum, die so ein Festival eigentlich anziehen sollte, war eher wenig zu sehen.

Das Herzstück des diesjährigen Wurmstock Festivals bildete außerdem ein Band Contest. Bis auf die letzten zwei auftretenden Bands nahmen alle anwesenden Bands daran teil. Zu gewinnen gab es einen Aufenthalt im Tonstudio, gesponsert vom örtlichen Café Seetreff. Jede Band hatte 30 Minuten Spielzeit, die Entscheidung für den Sieger wurde von einer Jury getroffen. Leider wurde nicht weiter darauf eingegangen, wer in dieser Jury saß und nach welchen Kriterien sie ihre Entscheidung troffen.

Eröffnet wurde das Festival von The Bro. Die drei Herren waren die ältesten Teilnehmer, doch für ihre Band war es wohl das allererste Konzert. Sie präsentierten dem Publikum klassische Blues Rock Musik.
The Bro in der Klangmuschel

Weiter ging es mit Queen's Revenge, einer jungen Alternative Rock Band mit Sängerin. Diese hatten an jenem Tag eindeutig die meisten Fans mitgebracht. Es wurde richtig laut und voll vor der Bühne. Ich war wenig verwundert, dass sie am Ende den Band Contest für sich entscheiden konnten. Musikalisch waren sie zwar nicht meine absoluten Favoriten des Tages, aber sie strahlten wirklich Spielfreude aus und vermochten es, das Publikum mitzureißen!
Queen's Revenge

Es folgte die Band mit dem großartigsten Bandnamen des Tages: Abschaumbad! Begeistert von diesem Namen hoffte ich, dass die drei Jungs auch musikalisch würden mithalten können. Und das konnten sie. Bei Abschaumbad gab es Deutschpunk ohne große Schnörkel und mit einer gehörigen Portion Humor. Die drei kamen einfach total sympathisch rüber und sorgten mit Musik, Ansagen und T-Shirt Verlosung für den einen oder anderen Lacher. Keine Ahnung, was die Coesfelder nach Übach-Palenberg verschlagen hat, aber ich war froh, dass sie da waren!
Abschaumbad

Einen weniger langen Anfahrtsweg hatten die Wegberger von Against Stagnation, die im Anschluss spielten. Die vier Jungs lieferten ein ziemlich solides Rock-Metal Gemisch ab, dem ich persönlich auch gute Siegeschancen für den Band Contest attestiert hätte.
Against Stagnation

Mittlerweile war der Nachmittag schon fortgeschritten und die Reihen der Familienfestbesucher hatten sich bereits etwas gelichtet. Als nächstes angekündigt wurden Devastor aus Aachen. Bandname und Logo schrien nach härteren Tönen, doch als die Band aufbaute, war die Irritaion erst einmal groß. Bunte Hemden? Ein Fronter im One Piece Shirt? Was passiert jetzt? (Und wo hat der das coole Shirt her? :P) Es stellte sich heraus, dass die Band nur ihr Outfit ein wenig an den familienfreundlichen Anlass angepasst hatte. Harte Töne gab es zum Glück trotzdem. Mir gefielen Devastor richtig gut, meine Mutter, die auch mal kurz vorbeigeschaut hatte, schlugen sie jedoch in die Flucht. :D Im Anschluss an den Auftritt verschenkte die Band dann sogar noch einige ihrere CDs. Ich danke an dieser Stelle noch einmal recht herzlich für mein Exemplar!
Devastor

Es blieb auch weiterhin laut. Als letzte Band des Contests traten Never Back Down aus Heinsberg an. Denen klaue ich ihre Genre-Eigenbezeichnung jetzt einfach mal von ihrer facebook-Seite: Melodic Hardcore with Beatdown influences. So. Never Back Down gefielen mir ebenfalls ziemlich gut. Auf der Bühne bot besonders der Fronter vollen Einsatz und stand gefühlt keine Sekunde still.
Never Back Down

Die Jury zog sich nun zu ihren Beratungen zurück, während dem Publikum mit Sleepers eine weitere Band geboten wurde. Ein wenig misstrauisch beäugte ich den Aufbau der Kölner: Warum zur Hölle wurde das Mikro des Frontmanns vor die Bühne gestellt? Und warum hatte das Mikro überhaupt so ein langes Kabel? Wie sich herausstellen sollte, bestritt der Sänger der Band den Auftritt tatsächlich vor der Bühne. Anfangs drehte er dem Publikum dabei ziemlich häufig den Rücken zu, was ich nicht so optimal fand, aber im Lauf des Auftritts bewegte er sich immer mehr in das Publikum, ließ die Menschen über das Mikrokabel springen, als er sich durch die Menge bewegte und forderte Zuschauer durch Hinhalten des Mikros zum Mitsingen auf. Das Ganze war hochgradig faszinierend, zudem traf die Musik wirklich einen Nerv bei mir. Sleepers waren mit ihrem Melodic Hardcore definitiv mein musikalisches Highlight des Tages!
Sleepers

Als Sleepers fertig waren, wurden mit Queen's Revenge die Sieger des Band Contests gekürt. Glückwünsche wurden ausgeteilt, Erinnerungsfotos gemacht. Dann wurde die Bühne wieder frei gegeben für den letzten Act des Tages. Abgeschlossen werden sollte das Wurmstock Festival von Jiggz aus Aachen. Ich blieb noch kurz da, um wenigstens einmal reinzuhören, machte mich dann jedoch bald auf den Heimweg. Jiggz machen Rap, und das ist einfach eine Musikrichtung, für die ich mich nicht begeistern kann.

Mich würde es wirklich sehr freuen, wenn es gelingen würde, das Wurmstock Festival auch in Zukunft wieder regelmäßig durchzuführen. Ich wäre in jedem Fall dabei!

Hier geht es zur vollständigen Galerie!

Mittwoch, 12. August 2015

Castlefest Nachbericht Teil 6: Mehr als nur Musik

Da ich mich in den vergangenen Beiträgen hauptsächlich auf das Bühnenprogramm konzentriert habe, ist vielleicht der Eindruck entstanden, dass es sich beim Castlefest um ein reines Musikfestival handelt. Das kann ich nun aber so nicht stehen lassen, denn es wird dem Festival einfach nicht gerecht. Darum habe ich nun zum Abschluss noch einige nicht-musikalische Eindrücke gesammelt.

neben dem Bühnenprogramm gibt es auf dem Castlefest noch zahlreiche andere Sachen zu sehen, zu erleben und zu bestaunen. Es gibt Workshops, Lesungen, einen LARP-Bereich, ein kleines Steampunkdorf, und und und...

In diesem Jahr gab es sogar einen Wunschbaum, an den man seine Wünsche an bunten Bändern anhängen konnte. Die Art der Wünsche war ganz unterschiedlicher Natur. Von Keksen und Bier bishin zum Weltfrieden war eigentlich alles dabei. Auch ich konnte nicht widerstehen und habe eines angebracht. Was da drauf stand, bleibt aber geheim. ;)
 Der Wishing Tree

Außerdem gibt es Walking Acts wie Medusa, die in jedem Jahr Kostüme zu einem neuen Thema präsentieren. Dieses Mal wurde es dabei ziemlich echsenhaft grün:
Medusa

Aber auch die Besucher auf dem Castlefest zeigen gerne, was sie können - und viele können da einiges. Zahlreiche Leute sind mit Pois, Hula Hoops oder Kontaktjonglageausrüstung unterwegs, stellen sich irgendwo hin und legen einfach los:
Kontaktjonglage

Und natürlich wird getanzt, was das Zeug hält. In Deutschland ist man da ja meist etwas reservierter, aber beim Castlefest tanzt praktisch jeder. Das schöne dort ist ja auch: jeder kann tanzen, wie er möchte. Niemand wird sich daran stören oder lachen, wenn jemand nicht im Rhytmus tanzt oder sich sehr expressiv bewegt. Das macht Lust zuzugucken oder sogar mal mitzumachen, auch wenn man weiß, dass man eigentlich nicht besonders gut tanzen "kann". Davon könnte man sich hierzulande wirklich mal eine Scheibe abschneiden.
Überall tanzende Menschen!
Fächertanz

Aber auch für ernste Themen wie Umweltschutz ist auf dem Castlefest Raum: So gibt es beispielsweise die großartigen Greenthingz, eine Gruppe grüner Waldwesen, die dafür sorgen, dass kein Müll in der Gegend herumgeschmissen wird. Außerdem sind Greenpeace jedes Jahr vertreten. Neben einem Informationsstand gibt es immer zahlreiche Spendenboxen auf dem ganzen Gelände.

Großartig finde ich auch die Greenpeace-Aktion "Free Tree Hugs":


Die Möglichkeit, einen Baum zu umarmen, wird wirklich gerne genutzt und ich finde es einfach eine total schöne Idee. :)

Dieses Gesamtpaket aus guter Musik, entspannt miteinander feiernden Menschen und einer schier grenzenlosen "Sei-und-mach-was-du-willst"-Mentalität macht das Castlefest für mich zum schönsten Festival der Welt. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Mal!

Dienstag, 11. August 2015

Castlefest Nachbericht Teil 5: Der Sonntag musikalisch

Ein bisschen wehmütig wurde ich ja schon, als es am Sonntag morgen ans Packen ging und wir unser Bed & Breakfast verlassen mussten. Das Ende des Castlefests war plötzlich viel zu nah... Doch ein (wenn auch verhältnismäßig kurzer) Festivaltag lag ja zum Glück noch vor uns!

Los ging es mal wieder mit Kelten zonder Grenzen, zu deren Klängen trotz der frühen mittäglichen Stunde schon eifrig getanzt wurde. Leider gab es bei diesem frühen Set im wesentlichen Paartänze, ich musste mich also mit Zugucken begnügen. Bei Ketten - und Reihentänzen mache ich ja gerne mal mit, aber Paartänze sind nicht so meins, da schaue ich lieber nur zu... ^^
Tanzende bei Kelten zonder Grenzen

Im Anschluss statteten wir Theodor Bastard einen Besuch ab. Der Bandname stellte sich als etwas irreführend heraus, wir hatten halt irgendwie mit einem Theodor gerechnet, landeten dann aber bei einer vierköpfigen Band mit einer etwas entrückt wirkenden Sängerin. Überraschung geglückt. :D

Theodor Bastard machten aber in jedem Fall mal ziemlich interessante Musik, die zu beschreiben mir aber reichlich schwer fällt. Ziemlich experimentelle Sachen mit Ethno/World Music Einschlag. In jedem Fall spannend, wenn auch an mancher Stelle ein wenig irritierend. Auf jeden Fall eine Band, die ich persönlich im Auge behalten möchte.
Unerwartet - Theodor Bastard

Danach ließen wir uns wieder ein bisschen treiben, erledigten noch die letzten Einkäufe, schauten uns noch einmal gründlich um und landeten irgendwann bei den leicht verrückten Dänen von Trolska Polska. Da gab es eine Trollparty mit allem was dazu gehört. Es wurde sich über den Boden gerollt und dutzende Festivalgäste, die ihre Instrumente dabei hatten, durften auf der Bühne mitmusizieren.
Trolska Polska

Gegen Mittag besuchten wir noch einmal unseren heißgeliebten Stand von Vegetarisch in Berlin. Für mich gab es da an diesem Tag ein leckeres geröstetes Käse-Spinat Sandwich. Und mit den letzten Münzen wurde dann später noch ein leckerer Fruchtbecher erstanden. Super erfrischend mit selbst zusammengestelltem Obst.

Relativ entspannt von hinten genossen wir dabei Omnia, die sich mit Maria von Euzen eine Gastsängerin eingeladen hatten und später dann auch noch Drehleierunterstützung von Fieke van den Hurk bekamen. Natürlich spielte die Band zum Abschluss auch "Morrigan" und man findet wohl selten ein lauter mitschreiendes Publikum als das auf dem Castlefest. Festival und Songs gehören ja auch einfach zusammen, selbst wenn die Band das Lied mittlerweile auch anderswo regelmäßig spielt.
Omnia mit Unterstützung von Maria

Gleich nach Omnia machten wir uns noch ein letztes Mal auf den langen Weg zur kleinen Meadow Stage, um Triskilian zu sehen. Im schönsten Sonnenschein machten wir es uns auf der Wiese bequem,  lauschten den Folkklängen der Band und beobachteten die tanzenden Paare, die das Parkett vor der Bühne bevölkerten. Im Anschluss tätigte ich den letzten Musikkauf des Wochenendes und bin nun endlich stolzer Besitzer der wirklich großartigen CD "°neo".
Jule von Triskilian

Und plötzlich war es dann soweit: Das letzte Konzert des Castlefests 2015. Die Niederländer von Prima Nocta spielten auf der Hauptbühne klassische mittelalterliche Marktmusik im Stile von Corvus Corax. Eigentlich hatten wir das Konzert auch gar nicht bis zum Ende ansehen wollen, standen uns doch noch etliche Stunden Rückfahrt bevor. Aber dann musste noch dies und jenes erledigt werden und plötzlich war gar nicht mehr so viel Zeit bis zum Ende. Und außerdem hatte man ja von so einem interessanten Ritual während des letzten Konzerts gehört, das man schon ganz gerne mal sehen wollte...

Also blieben wir und sahen erstmalig den "Fruit Cocktail" live. Beim Castlefest hat es sich nämlich so eingebürgert, dass während des letzten Konzerts Mitglieder der Crew als Früchte verkleidet auf die Bühne kommen und stagediven. Und ich bin so froh, dass wir endlich einmal dageblieben sind, denn das Ganze war wirklich ein Heidenspaß! :D

Es gibt auch schon ein schönes Video davon:



Und das war es dann auch schon wieder, das Castlefest 2015. Jetzt heißt es wieder ein Jahr warten. Das Zimmer für nächstes Jahr ist schon reserviert. Wir kommen ganz bestimmt wieder! :)

Eine kleine Fortsetzung folgt noch! ;)

Montag, 10. August 2015

Castlefest Nachbericht Teil 3: Der Samstag musikalisch

Natürlich schafften wir es nicht, am Samstag schon um 10 Uhr auf dem Gelände zu sein. Das hätte aber auch keiner von uns wirklich erwartet. Tatsächlich mussten wir uns am Ende noch ziemlich beeilen, um rechtzeitig um 12 Uhr vor der Village Stage zu sein.

Dort spielten LEAF ihr einziges Konzert an diesem Castlefest-Wochenende. Und so ziemlich nichts auf der Welt hätte mich dazu gebracht, das zu verpassen, denn obwohl ich die Band schon seit einigen Jahren kenne und mag, hat es einfach nie geklappt, sie live zu sehen. Es war manchmal kurz davor, aber irgendwas kam dann doch dazwischen. Egal, das ist ja nun Vergangenheit. ^^

Gleich zu Beginn erwartete die Besucher die Ankündigung, dass sie gleich nicht nur LEAF, sondern auch noch Seed sehen würden. Das war für mich eine nette Überraschung. Aber los ging es jedenfalls mit LEAF, die neben Songs ihrer EP auch einiges von ihrem kommenden Album "Innri" vorstellten, welches leider ganz knapp zu spät fertig wurde, um beim Castlefest vorzuliegen. Das alles klang sehr vielversprechend und hat richtig meine Vorfreude auf das Album geweckt. Sängerin Kaat hat in der näheren Vergangenheit viel mit den Norwegern von Wardruna zusammengearbeitet - ein Einfluss, der bei den neuen Stücken durchaus hörbar war und sehr spannend klang.
Kaat von LEAF

Irgendwann verließ Kaat dann die Bühne und Seed begannen ihr Set. Im Gegensatz zu LEAF hatte ich diese bereits einmal live gesehen. Seitdem hatte sich aber auch bei ihnen einiges getan und sie hatten mit "Portal To Elfland" ein eigenes Album mit im Gepäck. Es wurde meine zweite musikalische Neuanschaffung dieses Wochenendes. Seed konnten mich nämlich auf ganzer Linie überzeugen mit ihrem Pagan Folk, der mal ruhig, mal heiter daherkam und Geschichten zu erzählen wusste, seien sie nun mit oder ohne Text.
Lars von Seed
 
Eine Pause war uns danach nicht vergönnt. Auf dem Weg zur großen Bühne blieben wir für ein paar Minuten an der Folk Stage hängen. Dort wurde ziemlich ausgelassen zu den Klängen von Omdulö getanzt, die sich dazu auch wirklich anboten. Für mich wurde die Band die persönliche musikalische Neuentdeckung des Festivals schlechthin und ich bedauere es sehr, dass es uns nicht gelang, ein ganzes Set anzusehen sondern nur dieses Bruchstück. Immerhin konnte ich am Sonntag beim Miroque-Stand noch eine CD der Band entdecken und mit nach Hause nehmen...
Florian von Omdulö

Irgendwann erreichten wir jedenfalls tatsächlich noch die Forest Stage, wo sich Trobar de Morte die Ehre gaben. Es war ein ziemlich ungewöhnlicher Anblick, Lady Morte einmal in Weiß zu sehen, kennt man die Band sonst doch eher in Tiefschwarz. :D
Daimoniel von Trobar de Morte

Im Anschluss hatten wir endlich einmal ein bisschen Zeit, um über das Gelände zu schlendern und uns all die schönen Dinge, die von den Händlern verkauft wurden anzusehen. Wer genug Geld hat, bekommt auf dem Castlefest wirklich alles, wonach sein Herz verlangen könnte. Mangafans kommen genauso auf ihre Kosten wie Steampunker und die Auswahl an Klamotten für LARP, Mittelalter, Gothic und natürlich Pagan Folk ist wirklich riesig. Da sich die Festivalsaison zu dieser Zeit auch schon langsam ihrem Ende zuneigt, findet man auch an vielen Ständen schon einen Ausverkauf. Mein Favorit diesbezüglich ist Lila Pixie, auch wenn dort in diesem Jahr leider ausnahmsweise mal keiner von uns fündig wurde.

Im Musikprogramm ließen wir uns dann ein bisschen hin und her treiben. Erst gab es nochmal ein bisschen Rastaban, dann statteten wir Stille Volk einen kurzen Besuch ab. Diese wussten uns aber beide nicht so recht zu überzeugen, weswegen wir uns zurück zur Hauptbühne treiben ließen - um doch ganz knapp die große Kissenschlacht von La Horde zu verpassen.

Trotzdem blieben wir da, denn La Horde waren wieder einmal großartig. Es gab eine Wall of Hugs und ich schloss mich einem riesigen Tanzkreis an, was ein Heidenspaß war. :D
Ein richtiges Highlight bei La Horde war auch wieder die Präsentation des Merchandisings. Die Band verkauft nämlich nicht nur schnöde T-Shirts, nein. Sie verkaufen Panties mit La Horde-Aufdruck. Und sie lieben es, diese auf der Bühne zu präsentieren. Oder präsentieren zu lassen. Oder auch einfach nur zu erwähnen, dass es sie gibt.
"We have panties!" - La Horde

Nach La Horde hatten wir wieder kein richtiges Ziel, dafür aber Hunger. Die Nahrungssuche führte uns zur Meadow Stage, wo The Frying Dutchman (Ich liebe diesen Namen. Wirklich! xD) Hamburger verkaufte. Für wen das jetzt öde und ordinär klingt: kein aufgetautes Halbfertigzeugs, sondern gut gewürzte, aus biologischem Fleisch gemachte Hamburger mit selbst gemachter Sauce und richtig gutem Burgerbrötchen. Ich kriege gerade beim Schreiben Hunger, wenn ich daran denke. :D

Wo wir dann schon einmal da waren, blieben wir auch noch eine Weile beim Konzert von Triskilian, bevor es dann höchste Zeit wurde, sich einen Platz zu sichern für den wichtigsten Programmpunkt auf dem Castlefest...

Fortsetzung folgt!

Sonntag, 9. August 2015

Castlefest Nachbericht Teil 2: Ein Highlight jagt das Nächste

Es gelang uns, pünktlich an der großen Forest Stage zu stehen, um den Beginn des Auftritts von The Dolmen mitzuerleben. Das hier war nämlich ein Konzert, welches ich um keinen Preis verpassen wollte. Mal davon abgesehen, dass The Dolmen sowieso eine tolle Band sind, gab es an jenem Tag noch zwei ganz besondere Anreize für den Konzertbesuch: The Dolmen hatten nämlich angekündigt, an diesem Tag eine Live-DVD aufnehmen zu wollen und sie hatten Besuch mitgebracht.

Menschen, die sich ein wenig in der Mittelalterszene bewegen, dürften die Besucherin sogar wiedererkennen:
Anja als Flötenspielerin bei The Dolmen

Anja Novotny war bis vor einiger Zeit festes Mitglied bei Metusa und viele waren traurig, als sie ging. Um so schöner, sie noch einmal auf einer Bühne wiederzusehen. Sie lieh The Dolmen auf dem Castlefest ihre Flötenkünste und wird wohl auch auf dem in vermutlich eher näherer Zukunft erscheinenen neuen Album der Band, welches auf den Titel "Nuada" hören soll, vertreten sein. Mich freut es. :)

The Dolmen lieferten ein großartiges Konzert ab und die Menge tobte sehr bald. Sie hätten sich sicher keinen besseren Ort für eine DVD-Aufnahme aussuchen können als das Castlefest. Die Band, die auf eine über zwanzigjährige Geschichte zurückblicken kann, präsentierte zur Feier des Anlasses auch selten gespielte, ältere Lieder aus ihrem Repertorie. Doch auch neuere und allseits bekannte und beliebte Songs wie "Rebel Fairy Fling", "The Islander" oder mein persönlicher Leibling "Dead Cats don't meow" fehlten nicht. Ich bin schon wirklich gespannt auf das fertige Werk!
Kayleigh Marchant, The Dolmen
 
Nach dem Dolmen-Konzert wurde es plötzlich auffällig leer auf dem Gelände, man konnte sich freier die Straßen mit den Ständen entlangbewegen, als man es sonst gewohnt ist. Woran das lag? Auf der Village Stage spielten Omnia. Und da das Castlefest und Omnia schon von jeher zusammengehören, will sich das kaum jemand entgehen lassen. Vor der Bühne war dann auch die Hölle los, weswegen wir lieber zur Folk Stage umschwänkten und ein wenig den Tänzern bei Kelten Zonder Grenzen zusahen. 

Zum letzten Auftritt des Abends standen wir dann aber wieder bereit an der Hauptbühne und bemühten uns sogar einmal um einen Platz in der ersten Reihe. Schließlich waren es die einzigartigen Euzen, die dort gleich spielen sollten!

Auch Euzen kamen in diesem Jahr mit neuem Album zum Castlefest. Das Werk trägt den Namen "Metamorph" und die Band präsentierte einige Songs aus diesem. 
Schon der Beginn des Konzertes war fulminant, als die Band "The Stage" spielte und dabei von einer atemberaubenden Lichtshow unterstützt wurde. Zuständig für das Licht zeigte sich bei ihrem Auftritt nämlich Kilian Keuchel, der auch das Licht für Faun macht.


Sängerin Maria zog während des Konzertes wieder einmal alle Blicke auf sich mit ihrer Ausstrahlung und Bühnenpräsenz. Auch ihr Kleid (Design: Marie-Louise Ridderberg) war ein echter Hingucker. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie viele Tausend Fotos an diesem Abend von ihr entstanden sind. ;)
Maria Franz, Euzen
 
Neben den neuen Songs wie "Wasted" oder "Phobia" spielten Euzen aber natürlich auch ältere Songs wie "Judged By" und die Konzertzeit ging viel zu schnell zu Ende. Schnell machten wir uns auf den Weg nach Hause. Am nächsten Tag sollte es auf dem Castlefest schon um 10 Uhr losgehen...

Fortsetzung folgt!

Mittwoch, 5. August 2015

Zurück auf dem schönsten aller Festivals - Das Castlefest Openings Concert

Das letzte Wochenende war ein lange herbeigesehntes. Man könnte sogar behaupten, dass ich es seit genau einem Jahr herbeigesehnt habe. Immer um den ersten August herum zu den Lughnasadh-Feierlichkeiten wird nämlich im niederländischen Lisse in der Nähe von Amsterdam das Castlefest veranstaltet.

In diesem Jahr feierte das Festval sein elfjähriges Bestehen, für uns war es der vierte Besuch. Obwohl das eigentliche Festival erst am Freitag beginnt, hatten wir uns in diesem wie auch schon im letzten Jahr entschieden, auch das Openings Concert am Donnerstag zu besuchen.

Nach einer ziemlich langen Anreise war ich bei der Ankunft reichlich müde, aber das verflog bald erstmal wieder. Zu schön war es, endlich wieder dort zu sein und die ersten Teile des Geländes zu erkunden sowie die ersten bekannten Gesichter wiederzusehen.

Auch das kulinarische Angebot rund um die große Hauptbühne wurde von uns schon einmal in Augenschein genommen, wobei wir glücklich feststellten, dass unser heißgeliebter Stand Vegetarisch in Berlin auch wieder vor Ort war. Der wurde dann auch gleich angesteuert und die ayurvedische Reispfanne getestet und als gut befunden. Es sollte nicht unser letzter Besuch bei diesem Stand werden.

Von der ersten Band bekamen wir bei all den Eindrücken noch relativ wenig mit. Die Niederländer von Scotch spielten ihren auf der Castlefest-Hoempage ziemlich passend als Party Folk beschriebene Musik und brachten die Leute ordentlich zum Tanzen.

Da ich an diesem Tag gar keine Fotos gemacht habe (zu müde, zu faul, zu beschäftigt damit, alles anzuschauen), werde ich diesen Beitrag mit Videos unterlegen. Das bietet sich an, da dank André Broens die ersten guten Videos dieses Tages bereits online sind:


Für den Hauptact des Tages bemühten wir uns dann aber doch einmal in Richtung Bühne. Als Afro Celt Sound System für das Castlefest angekündigt wurden, gerieten die Leute ganz aus dem Häuschen. Anscheinend herrschte nur bei uns allgemeine Unkenntnis der Band, die bereits seit 1995 elektronische Tanzbeats, Irischen Folk und traditionelle afrikanische Musik mixt und die einige Jahre überhaupt nicht live aufgetreten waren. Aber unsere Neugier war geweckt, und sie wurde nicht enttäuscht.

Das komplette Set von Afro Celt Sound System war spannend, abwechslungsreich und sehr, sehr tanzbar. Auf der Bühne passierten so viele Dinge, dass es nie langweilig wurde und selbst wenn ich mittlerweile unsäglich müde war, hätte ich um nichts in der Welt früher gehen mögen. Die Begeisterung im Publikum war insgesamt groß, auch zahlreiche der an den kommenden Tagen spielenden Bands feierten in der Menge mit.


Als das Konzert irgendwann zu Ende ging, machten wir uns direkt auf den Weg zu unserem Bed & Breakfast, wo ich in circa 2 Minuten auch schon eingeschlafen war. :D Am nächsten Tag sollte es schon wesentlich früher weitergehen. Doch davon später mehr....

Mittwoch, 17. Juni 2015

Sing und tanz auch ohne Feuerschwanz - das Fairytale Festival in Osnabrück

Nach einer für meine Verhältnisse recht langen Pause war ich am Samstag endlich wieder unterwegs, um ein Festival zu besuchen. Dieses Mal führte mich mein Weg auf das Fairytale Festival nach Osnabrück.

Neugierig, aber auch ein wenig skeptisch, machte ich mich gegen Mittag auf den Weg. Warum die Skepsis? Nun, im Vorfeld ging es da ziemlich rund. Eigentlich hatte die Mittelalter-Comedy Band Feuerschwanz auftreten sollen - einer der Hauptgründe für mich und meine Begleitung, das Festival besuchen zu wollen. Allerdings wurde die Band dann kurzfristig wieder ausgeladen, wegen ihrer angeblich sexistischen Texte. Über den Vorfall und die anschließende Schlammschlacht zwischen Fans und Gegnern der Band hatte ich in den vergangenen Wochen berichtet: Hier und hier.

Wir beschlossen jedenfalls, das Festival trotz allem zu besuchen, es aber ruhig angehen zu lassen. Die ersten Bands (Jon Sun, x-sidaz und Fenster auf Kipp) sahen wir darum nicht und auch von der All-Girl Punkband Biestig bekamen wir nur noch die letzten Töne mit.

Los ging es für uns dann erst mit den Benuts, die eine Stunde lang ziemlich tanzbare Skamucke präsentierten. Trotzdem musste ich feststellen, dass diese Musikrichtung mich auf Dauer einfach nicht zu fesseln vermag.

Wir nutzten die Zeit darum weitestgehend, um das kleine Gelände, den Schlossinnenhof der Universität in Osnabrück zu erkunden. Kulinarisch gab es für uns von exotischen Mittelaltermarkt-Essensständen verwöhnte Menschen wenig Neues zu bieten, aber es gab eine gewisse Auswahl und man wurde zu sehr fairen Preisen satt. Ansonsten gab es noch einige Infostände und natürlich Merchandisestände der auftretenden Bands.



 Radio Havanna

19:30 Uhr betraten dann Radio Havanna eine der beiden abwechselnd bespielten Bühnen. Das war eine der Bands, auf die ich im Vorfeld richtig gespannt war, und ich wurde nicht enttäuscht. Die vier Jungs präsentierten deutschsprachigen Punkrock mit richtig guten Texten und lehrten mich, dass ein Bengalo auch am hellichten Tag richtig übel blendet. :D



 Reliquiae

Direkt im Anschluss ging es auf der anderen Bühne mir Reliquiae weiter. Die Osnabrücker Mittelalterrocker waren spontan für die ausgeladenen Feuerschwänze eingesprungen und heizten dem Publikum ordentlich ein. Unsere vorherigen Befürchtungen, ob eine einsame Mittelalterband in dem ansonsten ziemlich punklastigen Line-Up bestehen könnte, erwiesen sich zum Glück als mehr als unbegründet. Reliquiae wurden richtig abgefeiert und konnten an diesem Tag sicher dem Einen oder Anderen ein ganz neues Genre näherbringen.

Als vorletzte Band des Tages traten schließlich Unzucht auf. Auch der Auftritt der Dark Rocker war im Vorfeld ziemlich kontrovers diskutiert worden, spielt die Band doch einen Song mit dem Titel "Kleine geile Nonne", der die Warnleuchten der Sexismus-Polizei schrillen ließ. Sie wurden aber dann zum Glück doch nicht auch noch ausgeladen und dankten es mit einer großartigen Show.



 Unzucht
  Eine der großen Fragen für uns beim Auftritt von Unzucht war ja, ob sie "Kleine geile Nonne" nun spielen würden oder nicht. Es machte mich dann auch sehr glücklich, als schließlich tatsächlich die unverkennbaren ersten Töne des Songs erklangen. Und Unzucht beließen es nicht dabei: Sie widmeten den Song ihren geschassten Kollegen von Feuerschwanz und verteilten einige Shirts der Band im Publikum. Sänger "Der Schulz" hielt außerdem während des ganzen Songs die Flagge mit dem Feuerschwanz-Drachen. Ein Statement, das bei allen anwesenden Feuerschwanzfans sehr gut ankam. Im Anschluss warf er die Flagge dann auch noch ins Publikum, wo sie von einem glücklichen Fan gefangen wurde. Wer sich dafür interessiert, was im Anschluss passierte, dem empfehle ich das PS dieses Artikels. Aus meinem Festivalreview möchte ich diese Geschichte nämlich ganz gerne heraushalten.

Headliner des Festivals waren schließlich Jaya The Cat. Da ich viel von den Livequalitäten der Band, die ihre Musikrichtung als "Drunk Reggae" bezeichnet, gehört hatte und mich gerne selbst davon überzeugen wollte, blieben wir noch bis zum Beginn des Konzertes. Leider mussten wir dann beide sehr schnell feststellen, dass das definitiv nicht unsere Musik ist und traten den Heimweg an.

Insgesamt war das Fairytale Festival ein sehr gelungenes Erlebnis für mich. Viele verschiedene Musikrichtungen zogen viele verschiedene Menschen an, die alle friedlich miteinander feierten. Jede Band fand ihr Publikum, keine Band wurde von Fans der anderen Bands angefeindet (ich habe da schon anderes erlebt). Bedauert habe ich nur, dass sowohl meine Freundin als auch ich ihre guten Kameras zu Hause gelassen haben, da wir auf eine Anfrage die Auskunft bekommen hatten, Kameras, die potenziell kommerzielle Fotos schießen könnten, seien nicht gestattet. Diese Formulierung war so schwammig, dass ich mich nicht traute, meine Kamera mitzunehmen, obwohl es sich bei ihr um kein professionelles Modell handelt. Vor Ort liefen dann jedoch an allen Ecken Leute mit Spiegelreflexkameras rum, während ich jetzt mit den ziemlich mäßigen Bildern meiner zehn Jahre alten Kompaktkamera leben muss. Shit happens.

Zum Abschluss: Das leider notwendige PS oder die Sache mit der Flagge:
 
Wie ich ja oben erwähnte, verschenkten Unzucht eine Flagge ihrer Kollegen von Feuerschwanz. Der Fänger hatte jedoch nur kurz Grund, sich über sein Glück zu freuen, da ihm die Flagge noch am Abend wieder gestohlen wurde. Und zwar von "AktivistInnen", die daraufhin ein ganz tolles, unheimlich subversives Foto mit dem Diebesgut machten und ein Statement über Indymedia veröffentlichten. Ich überlasse es jedem selbst, sich ein Bild zu diesem hoffentlich letzten Akt im Drama um den Auftritt einer Band zu machen, die Osnabrück in den vergangenen Jahren mehrfach friedlich bespielte...

Sonntag, 12. Oktober 2014

Ja ist's schon wieder Saisonende? - Das MPS in Borken

Am 20. September machte ich mich ein letztes Mal in diesem Jahr auf den Weg zu einer Veranstaltung des MPS - des Mittelalterlich Phantasie Spectaculums. Diesmal führte mich der Weg zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren wieder nach Borken.

Das MPS im Freizeitpark Pröbsting zählt zwar eigentlich zu den Terminen, bei denen meine Anreise gar nicht so lang ist - trotzdem hat es in den vergangenen Jahren nie sollen sein. 2010 bin ich zum ersten (und bis zu diesem jahr auch letzten) Mal da gewesen. Die Veranstaltung war zwar schön, doch erinnere ich mich heute am besten an die darauffolgende Nacht. Für meine Begleitung und mich war es damals das erste Mal, dass wir bei einem MPS gezeltet haben - und was waren wir unbedarft! Es war Mitte September und die Temperaturen fielen in der Nacht fast bis auf den Gefrierpunkt. Danach war ich erst einmal vom Camping im September geheilt :D
Dieses Jahr bot sich jedoch endlich einmal die Gelegenheit, der Veranstaltung ohne Übernachtung für einen Tagesausflug beizuwohnen.

Das Wetter war an jenem Septembertag sehr gnädig zu uns. Meine Jacke musste ich erst ziemlich spät in der Nacht beim Abschlusskonzert von Knasterbart anziehen. Aber bis dahin war es bei unserer Ankunft natürlich noch ein langer, erlebnisreicher Tag!

Ich muss zugeben, dass die Musik bis zum frühen Abend mal nicht unbedingt im Vordergrund stand. Die einzige Band, die ich mir da wirlich interessiert anschaute waren Versengold, die mich einfach jedes Mal wieder zu üerzeugen wissen. Ansonsten streiften wir mal hier, mal da vorbei, sahen ein wenig von der Kilkenny Band (und wussten da natürlich noch nicht, dass das auch die letzte Gelegenheit dazu sein sollte...), ein wenig Saltatio Mortis, ein wenig Mr. Hurley & die Pulveraffen.

Ansonsten vertrieben wir uns die Zeit eher mit anderen Dingen. So spielten wir zum Beispiel ziemlich viel Poi.
Konnte man Poi-Spieler zu Beginn meiner Mittelaltermarkt-Begeisterung in Deutschland noch eher selten antreffen, ist das mittlerweile ganz anders. Sobald wir irgendwo anfingen zu spielen, gesellten sich bald andere Spieler zu uns sowie auch Interessierte, die das gerne einmal ausprobieren wollten.

Als es Nachmittags zeitweise regnerisch wurde, machten wir uns langsam Gedanken über die Nahrungszufuhr. Dafür muss man wissen: Beim MPS hat man oft die Qual der Wahl, es gibt einfach zu viele Stände mit leckerem Essen. Dieses Mal stellte sich uns jedoch ein ganz ungewöhnliches Problem: All unsere Lieblingsessensstände waren nicht da! Viele von ihnen hätten wir vermutlich auf der am selben Wochenende stattfindenden Elf Fantasy Fair im niedertländischen Arcen entdecken können, aber da waren wir nunmal nicht. Dass sich diese beiden Events eigentlich jedes Jahr überschneiden ist übrigens eine wahre Schande - zu gerne möchte man sie eigentlich beide besuchen! =/
Eine Lösung für die Essensfrage fanden wir natürlich trotzdem: Es gab leckeres Stockbrot mit Schokolade, und später dann für mich noch eine Portion Dracheneier von der süßen Bude - beides super empfehlenswert! :)

Abends wurde es dann musikalisch richtig interessant für uns. Los ging es mit Omnia. Da es ja der letzte Termin der Saison war, entschieden wir uns, die Stunde Umbauzeit vor de, Set vor der Bühne zu verbringen, um vorne mit dabei zu sein. Die Stimmung da eben immer anders, als weiter hinten, wo die Leute stehen, die "nur mal schauen" wollen. Hinten ist dafpr natürlich die Bewegungsfreiheit größer, aber irgendwas ist halt immer. Überflüssig zu erwähnen, dass sich der Aufwand gelohnt hat!

Auch die nächste Umbaupause verbrachten wir vorne, denn im Anschluss spielten Faun auf der gleichen Bühne. Mit "Walpurgisnacht" und "Hymne der Nacht" spielte die Band zwei Stücke aus dem gerade erschienenen neuen Album "Luna", und beide wurden vom Publikum gut angenommen. Walpurgisnacht, zu dem die Band ja ein Video veröffentlicht hat (welches ich frevlerischer Weise noch gar nicht geteilt habe!), konnten viele auch schon mitsingen. Es war ein sehr schönes Faunkonzert (wobei eigentlich jedes Faun-Konzert sehr schön ist, hihi), aber ein bisschen wehmütig wurde man schon. Schließlich verabschiedet sich die Band nun in eine monatelange Konzertpause, bis sie im neuen Jahr mit "Luna" auf Tour gehen. Ich denke, da werden große Dinge auf uns zu kommen, auch wenn ich der Tour mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegensehe. Es steht für mich eigentlich fest, dass ich in Bielefeld und in Wuppertal dabei sein werde, und darauf freue ich mich natürlich. Was mich jedoch nicht freut ist das Wissen, dass ich nicht bei meiner Begleitung sitzen werde. Diese wird als Fotografin einen Platz vorne zugewiesen bekommen, während ich irgendwo ganz hinten aufschlagen werde, weil ich mir zweimal Tickets für die vorderen Plätze, die dieses Mal bis zu 50 Euro kosten werden, schlicht und ergreifend nicht leisten kann. So etwas kann die Vorfreude schon etwas trüben! :(

Hier nutze ich aber jetzt mal die Gelegenheit und teile das Walpurgisnacht-Video:



Aber nun zurück zum MPS, denn eine Sache stand nach Faun ja noch aus: Knasterbart! Eigentlich ist es sinnlos, große Worte zu dieser Band zu verlieren, man muss sie einfach erlebt haben, um zu begreifen, was da passiert. Es sei nur so viel verraten: Es gibt einen Grund dafür, dass ihre Konzerte selten vor Mitternacht überhaupt erst beginnen :D
Was ich vom Borkener Knasterbartkonzert nie, nie, nie vergessen werde (oder vielleicht besser: nie wieder werde vergessen können) ist der spontane Auftritt des - sagen wir mal diplomatisch - leicht angeheiterten William von Rapalje. Viele Leute fragen sich ja, was Schottenrockträger so unter ihren Röcken tragen. Ein ganzes Publikum kennt die Antwort nun, und viele hätten vermutlich lieber weiter in Ungewissheit gelebt - wir jedenfalls waren ganz froh, das Spektakel von etwas weiter hinten genießen zu dürfen ;)

Da man bei einem Knasterbart-Konzert nie so genau weiß, wann es endet und wir noch einen längeren Heimweg vor uns hatten, traten wir während der Zugabe den Rückzug an. Borken war wirklich ein würdiger Abschluss für die MPS-Saison 2014 und ich weiß jetzt schon, dass es mich schon bald wieder in den Fingern jucken wird und ich den Beginn der nächsten Saison, der dann noch in viel zu weiter Ferne liegen wird, sehnsüchtigst herbeisehnen werde. Schließlich gibt es nichts schöneres, als die Wochenenden zusammen mit Freunden draußen bei guter Musik und viel Spaß zu verbringen!