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Donnerstag, 30. Juli 2026

Konzertbericht: Cara auf Burg Wilhelmstein

Wie gut das Sommerprogramm auf Burg Wilhelmstein in diesem Jahr ist, zeigt sich für mich sehr eindrücklich daran, dass ich nur drei Tage nach dem wunderbaren Faun-Konzert am Sonntag erneut den Weg dorthin gefunden habe. An diesem Tag hatte sich nämlich die Folkband Cara angekündigt.

Das Wetter konnte an diesem Abend als durchaus Irisch bezeichnet werden. Immer mal wieder gab es kurze Schauer, und der Wind pustete uns gut durch. Ein Glück, dass weite Teile der Bühne überdacht sind, sodass dies wohl niemanden weiter störte.

Als das Konzert dann begann, gab es eh besseres zu tun, als sich um Kleinigkeiten wie das Wetter zu kümmern.

Die Musikerinnen und Musiker von Cara, die mit ihrem Celtic Folk schon seit vielen Jahren die Welt bereisen, hatten an diesem Abend ihr neues Album "Our Ship Is Ready" dabei, welches dann auch im Zentrum des Sets stand. Thematisch ging es also um die unterschiedlichsten Dinge, die man gemeinhin so mit Schiffen verbinden kann: Reisen, Aufbrüche, aber auch Abschiede. Es gab fröhliche Tunes und nachdenkliche, eine Ballade über einen weit gereisten Mann und eine Frau, die sich ein Schiff schnappt und die halbe Welt umsegelt, um mit ihm das Glück zu finden ("Lord Bateman") oder aber auch eine Hommage an das Lieblingshotel der Band ("Tucholsky Reels").

Im zweiten Teil des Sets gab es für uns außerdem noch eine große Überraschung. Am Merchstand der Band konnte man an einem Gewinnspiel teilnehmen, bei dem man gegen Abgabe seiner E-Mailadresse einen Beutel der Band gewinnen konnte. Der Blick meiner Mutter, die mich an diesem Abend begleitete, war wirklich Gold wert, als ihr Name dann tatsächlich als Gewinnerin aufgerufen wurde! Ein richtig schöner Zufall, über den wir uns sehr gefreut haben. 

Insgesamt empfand ich die Stimmung während des Konzerts durchgehend als sehr gut. Man merkte der Band an, dass sie die Location mögen, und auch das gut durchmischte Publikum schien großen Spaß zu haben und klatschte gerne mit, sodass es wohl gar kein Wunder war, dass Cara am Ende nicht ohne Standing Ovations und Rufen nach mehreren Zugaben verabschiedet wurden.

Diesen Wünschen kamen die Musiker auch gerne nach, und mit "I Will Not Say Goodbye" fand das Konzert schließlich einen wirklich schönen und inhaltlich sehr passenden Ausklang. 

Für mich war es an diesem Abend das zweite Livekonzert, welches ich von Cara erleben durfte, und ich würde mich sehr freuen, wenn es nicht das letzte bleiben würde. 

Dienstag, 21. Juli 2026

Trinkt aus, wir müssen gehen - Die Toten Hosen live in Köln

Vor 26 Jahren hatte ich das große Glück, Die Toten Hosen live sehen zu dürfen. Damals war ich noch ein Kind, und meine Eltern nahmen mich mit zu Rock am Ring. Dafür – heute kann ich es ja sagen – nahmen sie mich sogar einen Tag heimlich aus der Schule. Eine richtig große Sache also, und eine, die mich musikalisch sehr geprägt hat. Seitdem hatte ich die Hosen immer wiedersehen wollen, doch irgendwie hat es damit nie geklappt. Vor ein paar Jahren ist es mir dann endlich gelungen, Tickets für ein Konzert in der Düsseldorfer Tonhalle zu ergattern – dann kam jedoch Corona und die Tour wurde ersatzlos gestrichen. Nur einer von vielen Gründen, warum man mich niemals auch nur das kleinste bisschen Gutes über diese Zeit wird sagen hören. So viele verlorene Erlebnisse, so viele Enttäuschungen.

Manchmal wird am Ende das, was lange währt, aber doch noch gut. In meinem Fall bedeutet das, dass ich im letzten Vorverkauf Tickets für das Tote Hosen Konzert am vergangenen Samstag in Köln ergattern konnte. Falsche Stadt, könnte man jetzt anmerken, aber in manchen Fällen muss man eben Kompromisse eingehen. Und so kam es dann, dass ich mich an diesem Tag 26 Jahre nach der ersten Konzerterfahrung erneut zu einem Konzert der Hosen begeben durfte. Auch dieses Mal war wieder meine Mutter dabei – mein Vater, der vor einigen Jahren verstorben ist, hatte diese Chance leider nicht mehr.

Unsere Plätze fanden sich ziemlich weit hinten und ziemlich weit oben, was uns positiv betrachtet einen hervorragenden Ausblick über das komplette, ausverkaufte Rheinenergie Stadion bot. Von dort waren wir schon mit dabei, als das Konzert der ersten Vorband, 24/7 Diva Heaven begann. Die Schweizer All-Girl Band präsentierte dem Publikum musikalisch ein recht großes Repertoire. Einige der Stücke kamen klassisch punkig daher, doch die Einflüsse aus anderen Genres wie Grunge und sogar Rock’n’Roll waren ebenfalls zu hören.

Weiter ging es im Anschluss mit einem totalen Kontrastprogramm, den Punk-Urgesteinen von The Undertones. Die Herrschaften lieferten für mich eine wirkliche sehens- und hörenswerte Show ab, wobei ich mich persönlich besonders über „Teenage Kicks“ freute. Ich gebe zu, dass dies wirklich eine Band war, bei denen ich nicht damit gerechnet hätte, sie eines Tages einmal live zu sehen. Umso schöner, dass es nun doch so gekommen ist.

Als letzter Support standen schließlich noch alte Bekannte an. Von den Bühnenqualitäten der Beatsteaks hatte ich mich bereits vor einigen Jahren im Rahmen des Vainstream-Festivals eindrücklich überzeugen können, und auch der Auftritt am Samstag stand dem wieder in nichts nach. Nicht nur reihte sich Hit an Hit der Berliner aneinander, sie überzeugten auch mit unheimlich großer Bühnenpräsenz und brachten das Publikum so im Handumdrehen dazu, lautstark mitzusingen und auch sonst jeden Scheiß mitzumachen. Von der Setlist her blieben in meinen Augen auch absolut keine Wünsche übrig. Mein persönliches Highlight war aber natürlich mein Lieblingssong „Frieda und die Bomben“.

Im Anschluss wurde es dann trotz fast vierzig Minuten Umbaupause tatsächlich etwas stressig, gibt es doch in solchen Locations IMMER viel zu wenige Damentoiletten. Als dieser leider essenzielle Punkt endlich abgehakt werden konnte, blieb kaum noch Zeit für neue Getränke, und wie auch beim Einkaufen hatte man natürlich intuitiv die Schlange gewählt, bei der es auch noch am allerlangsamsten ging. So wurde sich dann schon zu den ersten Tönen des Intros durch die engen Reihen zurück zum eigenen Platz gekämpft. Meine Entschuldigung an alle, durch deren Handyvideos wir dabei laufen mussten, aber es ging nun einmal leider nicht anders: wir haben es genauso gehasst wie ihr.

Der Stress war dann jedoch schnell vergessen, denn die Toten Hosen lieferten vom ersten Moment an eine großartige Show ab. Zu meiner Überraschung gab es dabei relativ wenige Songs vom neuen Album, dafür aber einen richtig schönen Querschnitt durch die umfassende musikalische Geschichte der Band. Bei Klassikern wie „Hier kommt Alex“ oder „Bonnie & Clyde“ wurde dabei natürlich stets aus tausenden Kehlen lautstark mitgesungen, doch auch die ruhigeren Momente wie bei „Draußen vor der Tür“ wurden vom Publikum mit einem Meer aus Taschenlampen angemessen gewürdigt.

Einige Überraschungen hielt das Konzert ebenfalls bereit. So hatte man sich mit Wolfgang Niedecken einen wirklich illustren Gast eingeladen und so eindrücklich bewiesen, dass die Kluft zwischen Köln und Düsseldorf durchaus überwindbar ist. Außerdem hatte man ein Cover im Gepäck, welches großen Anklang beim Publikum fand, hat es doch in all den Jahren seit seinem Erscheinen nichts an Bedeutung eingebüßt – und so gab es dann wohl auch kaum jemanden, der bei „Schrei nach Liebe“ nicht aus tiefstem Herzen mitgesungen hätte. Ein persönliches Highlight für mich war außerdem mein Lieblingslied „Pushed Again“, welches mich einfach immer wieder berührt und gerade live eine unfassbare Wucht entfalten kann.

Auch die Bühne und die Show konnten sich an diesem Abend wirklich sehen lassen. Auf der ohnehin schon bunten, riesigen Bühne wurden während des Konzerts auf mehreren großen Bildschirmen im Hintergrund und an den Rändern wechselnde Bilder und Videos gezeigt. Mal sah man die Bandmitglieder, mal waren es zu den Songs passende Szenen. So oder so war immer viel los, was insbesondere für uns Zuschauer weiter hinten toll war, wo man die Bandmitglieder ja nun doch eher nur noch als kleine über die Bühne huschende Punkte wahrnehmen konnte. Doch selbst so war deutlich, wie viel Bewegung da während des gesamten Auftritts herrschte. Campino war noch nie jemand, der lange an einer Stelle stehen bleibt, und an diesem Bewegungsdrang hat sich anscheinend auch heute nichts geändert.

Nach zweieinhalb Stunden inklusive mehreren Zugaben fand der Auftritt dann aber leider doch so langsam sein Ende. Doch nur weil die Band mit dem Singen aufhören musste, galt das noch lange nicht für das Publikum. Ich jedenfalls landete in einem Bus nach Messe/Deutz, in dem die Party einfach fortgesetzt wurde. Songs wie „Zehn kleine Jägermeister“ und „Bayern“ hatten es an diesem Abend nicht in das Set der Band geschafft, also sang man sie auf dem Weg zum Bahnhof einfach gemeinsam. Auch für den Busfahrer war dies sicher mal eine etwas ungewöhnliche Tour, und mir wird sie sicher noch lange als ganz besonderer Abschluss eines richtig tollen Konzertabends in Erinnerung bleiben.

Da bleibt mir nur noch zu sagen: vielen Dank an die toten Hosen für dieses wundervolle Konzert, und für all die wunderbaren Jahren! 

Dienstag, 28. Oktober 2025

Ein magischer Abend - Faun in der Tonhalle in Düsseldorf

Gar nicht so einfach war es am 23. Oktober, die Tonhalle in Düsseldorf zu erreichen, wo sich an diesem Abend Faun im Zuge ihrer Hex-Tour die Ehre gaben. Die Bahn betreibt auf der Strecke, die wir dorthin hätten nehmen müssen, schon seit Wochen etwas, was Arbeitsverweigerung nahekommt, und auf den Autobahnen sah es dank des ersten Herbststurmes, der an diesem Tag über das Land fegte, auch kaum besser aus. 

So erreichten wir unser Ziel leider auch erst verspätet - aber glücklicherweise nicht zu spät, um wenigstens noch einen Teil des Auftritts von Pettersson & Fredriksson sehen zu dürfen. Die beiden Schweden eröffneten den Abend mit traditionellen nordischen Klängen und Instrumenten, was einen schönen Einstieg bedeutete.

 

Deutlich weniger ruhig ging es dann im Anschluss mit Ye Banished Privateers weiter. Obwohl die schwedischen Piraten alte Bekannte sind, bot die Tonhalle ein wirklich ungewöhnliches Setting für ihren Auftritt. Ein wenig merkwürdig war es, den Songs der Band sitzend in dieser wirklich schönen Location zu lauschen, doch musikalisch konnten sie auf ganzer Linie überzeugen. Besonders schön zu sehen war aber, dass viele Besucher an diesem Abend ihre erste Begegnung mit der Band zu haben schienen und man am Applaus und Lachen live mitverfolgen konnte, wie sie diese Menschen für sich gewinnen konnten.

Nach einer Umbaupause, die wie im Flug zu vergehen schien, war es dann auch schon Zeit für Faun. Und was soll ich sagen? Auch nach mehr als 15 Jahren (ja, so lange ist mein erstes Faun-Konzert mittlerweile schon her) vermag es diese Band noch jedes Mal, mich zu verzaubern. Die Songs des neuen und meiner Meinung nach sehr starken Albums "Hex" standen natürlich im Zentrum und konnten mich auch live überzeugen. Da wäre zum Beispiel "Lament", bei dem das Publikum aufgefordert war, im Refrain ihre Stimmen zu leihen, was dem ohnehin schon sehr würdevollen Stück noch einmal mehr Stimmung verlieh. Oder aber die Ballade "Lady Isobel", in der ich mich jedes Mal wieder verlieren könnte.

 

Doch auch ältere Stücke, viele von ihnen langjährige Publikumslieblinge, durften nicht fehlen. Titel wie "Wind und Geige", "Alba" oder auch "Rhiannon" haben dabei in all den Jahren nichts von ihrer Magie verloren.

Auch der Aufbau der Bühne hat mir sehr gut gefallen. Faun hat für diese Tour nicht auf eine große Show gesetzt, aber die stilvolle Bühnendeko bot zusammen mit der wie immer makellosen Lichtshow der Band (und dem Nebel, den ich nicht missen möchte, auch wenn wir bis heute beschwören, dass er nicht mehr so gut wie früher riecht) das perfekte Setting für diesen wunderschönen Konzertabend.

Wie immer wenn es schön ist, ging natürlich auch dieser herrliche Auftritt gefühlt viel zu schnell vorüber. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Mal! 

Montag, 31. März 2025

10 krasse Jahre - Männi Jubiläumskonzert in Aachen

Ein bisschen schwerfällig kommt es dieses Jahr in Schwung, mein Konzertjahr. Ende März und erst das zweite Konzert des Jahres? Sowas hätte es früher nicht gegeben - umso schlimmer, dass ich mich beinahe dagegen entschieden hätte, das Männi-Jubiläumskonzert am 29. März im Musikbunker in Aachen zu besuchen. Die Freundin keine Zeit, das Geld nach Umzug knapp, wäre es nicht also vernünftiger, nicht...

Gut, dass ich Vernunft auch nach über 36 Lebensjahren noch wunderbar ignorieren kann. Als ich da also so friedlich am Bahnhof stand und auf meinen wie üblich verspäteten Zug nach Hause wartete, sah ich eine Story im guten, alten Facebook. Noch ein einzelnes Ticket übrig für den Abend. Wenn das kein Zeichen ist? Also, kurzentschlossen zugeschlagen - und meinem Solo-Konzertabend stand nichts mehr im Weg.

Eröffnet wurde der Abend von Trustgod Simon mit ganz klassischem Deutschpunk. Musikalisch geradeheraus und mit Texten, die mir das ein oder andere Grinsen entlocken konnten ergab das einen vielversprechenden Start in den Abend.

Weiter ging es dann mit Pastor Gerald, deren Musik auf der Seite des Labels mit dem interessanten Begriff "Filigranpunk" beschrieben wird. Da lag durchaus einiges an Energie in der Musik mit dem weiblichen Frontgesang, und die Texte regten zum Nachdenken an. Wer nach diesem Auftritt noch immer nicht in Stimmung für den Abend war, dem war wohl einfach nicht mehr zu helfen.

Und danach war es dann auch schon Zeit für den Hauptact des Abends. Männi feierte bei diesem Heimspiel im Aachener Musikbunker 10 abgefuckte krasse Jahre, und der ausverkaufte Bunker feierte begeistert mit. Dabei gab es einen wunderbaren Querschnitt durch das gesamte Schaffen des Künstlers - angefangen bei der ersten EP "Wille aus Beton" bis zum erst im vergangenen Jahr erschienenen neuen Tonträger "Das fröhliche Album".

Doch natürlich gehören zu so einem großen Geburtstag auch Gäste, und davon gab es an diesem Abend einige. Unterschiedlichste Wegbegleiter wurden da auf die Bühne gebeten, um ein Lied gemeinsam zu performen, und dazu gab es Anekdoten aus dem Leben und (Tour-)Alltag von Musiker & Band, was einfach unheimlich interessant und sympathisch war. Zum Abschluss durften dann sogar nochmal alle zusammen auf die Bühne - ein herrlich buntes Chaos und sicherlich auch eines der vielen Highlights dieses Abends, der mir generell lange in lebhafter und schöner Erinnerung bleiben wird.

Als ich schließlich nach dem Konzert verschwitzt und glücklich den Musikbunker verließ, war ich extrem froh, dass ich mich für den Besuch entschieden hatte, auch ohne Begleitung. Hat mich daran erinnert, dass es gut ist, manchmal einfach über den eigenen Schatten zu springen, so lang der auch sein mag.

In diesem Sinne: auf die nächsten 10 krassen Jahre!

Sonntag, 19. Januar 2025

Mit Folk ins neue Jahr - die Kilkenny Band in Nordwalde

Ein Jahr ohne Livemusik ist ein verschwendetes Jahr - warum also unnötig lange warten, auch dieses noch junge Jahr mit einem Konzertbesuch zu eröffnen? Frei nach diesem Motto machte ich mich am 11. Januar mit einer Freundin auf den Weg an einen Ort, den keine von uns zuvor besucht hatte, und an den es uns ohne diesen schönen Anlass wohl auch nie verschlagen hätte: die evangelische Christuskirche in Nordwalde. Dort spielte an jenem Abend vor ausverkauftem Haus nämlich die Kilkenny Band.

Die Kirche war nach einem Spaziergang durch die Stadt bald gefunden und auch der Einlass lief erfreulich schnell ab. Niemand musste lange in der Kälte stehen, und schöne Sitzplätze waren auch schnell gefunden. Als dann auch noch eine nette Zufallsbekanntschaft mit dem Nebenmann die Wartezeit bis zum Konzertbeginn wie im Fluge vergehen ließ, stand einem wunderbaren Konzertabend nichts mehr im Weg.

Die Kilkenny Band sind schon lange keine Neulinge im Bereich der Irish Folk Musik mehr, und auch wir hatten in der Vergangenheit bereits einige Male die Ehre, sie live zu erleben. Dies ist jedoch schon einige Jahre her, und auch eine Kirche als Location war für uns eine Premiere, bot jedoch einen perfekten Rahmen für das Konzert. Die Akustik war hervorragend, und auch optisch bot die kleine Kirche eine sehr schöne Kulisse.

Musikalisch gab es an dem Abend einen ebenso interessanten wie breit gefächerten Querschnitt durch das Repertoire der Band. Eigene Stücke waren ebenso dabei wie traditionelle Melodien und Stücke anderer Folk-Musiker, welche die Musiker in ihrem Werdegang beeinflusste haben - bei einem Spektrum von den Pogues bis zu Reinhard Mey gab es dort wirklich die eine oder andere Überraschung. Natürlich war auch das Publikum gefragt, Hände und Stimmen zum Einsatz zu bringen und den Auftritt tatkräftig zu unterstützen, was man aber ohnehin kaum jemandem zweimal sagen musste. Dies führte zu wirklich schönen Augenblicken, wie beispielsweise als der ganze Kirchenraum gemeinsam die erste Strophe von "Sag mir wo die Blumen sind" anstimmte.

Ein wirkliches Highlight des Abends waren für mich neben der Musik aber auch die Ansagen der Musiker. Da man es sich bei dieser Tour zum Ziel gesetzt hatte, die eigenen musikalischen Wurzeln zu würdigen, stellten die vier Bandmitglieder in zum Teil heiteren, zum Teil sehr persönlichen Episoden vor, was sie einst zum Folk geführt hat oder was bestimmte Lieder und Melodien ihnen bedeuten. Dies gab einem gleich noch einmal eine ganz neue Perspektive auf die Musik, und es machte mehr als deutlich, wie sehr alle hier lieben, was sie tun.

Da war es dann auch kein Wunder, dass das Publikum die Band am Ende nicht ohne Zugabe gehen ließ und sich noch mit Standing Ovations für den überaus gelungenen Konzertabend bedankte. Zum Glück hatte die Kilkenny Band da aber bereits Neuigkeiten, welche das Bedauern über das Ende des Konzerts ein wenig zu mildern vermochten: der nächste Auftritt in der Kirche von Nordwalde ist bereits gesichert. Wer möchte, kann sich am exakt gleichen Tag in einem Jahr, also am 11. Januar 2026, erneut zu einem Kirchenkonzert einfinden. Nicht unwahrscheinlich, dass auch wir vielleicht wieder mit dabei sein werden.

Dienstag, 7. Januar 2025

Musikalischer Jahresabschluss 2024 - Rapalje in Wilhelmshaven

2024 war konzerttechnisch betrachtet kein gutes Jahr für mich. Finanziell und auch terminlich lange stark eingeschränkt, musste die Zahl der Konzertbesuche drastisch zurückgeschraubt werden. Eine frustrierende Angelegenheit für jemanden wie mich, der seit seiner Teenagerzeit eher auf dem Zahnfleisch hingekrochen wäre als die Chance auf einen schönen Konzertabend zu verpassen.

Da war es dann folglich auch eine tolle Sache, als eine Freundin einen letzten jährlichen Konzertbesuch vorschlug. Etwas besonderes sollte es sein, vielleicht auch ein bisschen verrückt. Und so fiel die Wahl am Ende auf den Auftritt von Rapalje im Pumpwerk in Wilhelmshaven.

Ein Ausflug in die Stadt war schon vor Jahren angedacht gewesen, wurde jedoch am Ende wie so vieles durch Corona vereitelt. Am 28. Dezember war es dann aber tatsächlich so weit. Morgens setzte ich mich mit meinem Deutschlandticket in den Zug, nach etwa drei Stunden gesellte sich meine Freundin zu mir, und nach nur *hüstel hüstel* knapp sieben Stunden Fahrt - und ohne Verspätung! - kamen wir in Wilhelmshaven an.

Das Wetter war - sagen wir mal - nordisch. Die Luft war auch ohne Regen nass und es hing bald ein recht ansehnlicher Nebel über dem Wasser. Doch noch vor Nacht und Nebel gelang es uns, einen Blick auf unsere Unterkunft zu erhaschen. Auch hier hatten wir uns etwas Feines überlegt. Kein schnödes Hotel, nein nein. Ein Schiff sollte es sein. Die Arcona, um genau zu sein. Das ehemalige Marinewohnschiff aus den Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts wurde erst vor kurzem zu einem Hostel umgebaut und lud uns ein zu einer Nacht in besonderem Ambiente.

Nach einem unkomplizierten, telefonischen Check-In konnten wir auch schnell unsere Kabinen beziehen und waren sehr angetan. Der schllichte und stilechte Charme wusste zu überzeugen, und die Betten wurden gleich getestet und als gemütlich befunden. 

Hungrig nach der langen Anreise stand als nächstes die Nahrungssuche auf dem Programm. Hier fiel unsere Wahl auf ein kleines, asiatisches Restaurant, das Asia Gia Bao. Auch dieses entpuppte sich schnell als richtig gute Entscheidung. Das Lokal selbst war gemütlich, das Personal unheimlich freundlich und das Essen superlecker!

So gestärkt war es dann endlich Zeit für den eigentlichen Höhepunkt des Abends, das Konzert. Kurz nach Einlass erwartete uns zunächst einmal eine eher unschöne Überraschung: eine lange, lange, überaus bewegungslose Schlange vor dem Pumpwerk. Eher mürrisch standen wir also eine ganze Weile in der Kälte, eh es dann endlich nach drinnen ging. Die Sitzplätze waren zu diesem Zeitpunkt leider bereits besetzt, was meiner von Rückenproblemen geplagten Begleitung eher weniger gefiel. Zum Glück fanden wir aber noch ein lauschiges Treppchen gleich neben der Bühne, wo sie sich zwischendurch hinsetzen konnte. So stand einem gelungenen Konzertabend nichts mehr im Weg.

Und ein gelungener Konzertabend wurde es. Begrüßt wurden wir von Marcel Dunker, der es mit der von ihm dargebotenen Mischung aus Folk Klassikern und anderen Evergreens in kürzester Zeit schaffte, das Publikum zum Mitsingen zu animieren. Bei so viel Bühnenpräsenz und Begeisterung war es für den Musiker offensichtlich gar kein Problem, die Bühne ganz allein mit seiner Gitarre zu erobern und die Zuhörer auch für den Rest des Abends gut anzuheizen.

Nach der üblichen Umbaupasue betraten dann mit den Niederländern von Rapalje die Headliner des Abends die Bühne, und eigentlich ist es gar nicht nötig, hier viele Worte zu verlieren, denn wer sich grob in "meinen" Kreisen bewegt, dem sind die Herren keine Unbekannten. Und so lieferten Rapalje natürlich auch an diesem Abend wieder eine erstklassige Show ab - unterhaltsame Ansagen und die Klärung der Frage, was Mann so unter dem Kilt trägt inklusive. Musikalisch gab es einen guten Querschnitt durch das große Repertoire der Band, der vom Publikum am Ende mit nicht enden wollenden 'Zugabe'-Rufen belohnt wurde. Und auch dieser Wunsch war Rapalje Befehl - in Teilen bereits umgezogen kamen sie schließlich tatsächlich noch ein letztes Mal auf die Bühne zurück, um ihre absolut herrliche Version von "The Wild Rover" zum Besten zu geben!

Bestens gelaunt verließen wir nach diesem schönen Abend das Pumpwerk, mit dem für uns neuen Wissen, dass es sich bei diesem Wilhelmshavener Jahresendkonzert um eine Art wiederkehrende Tradition handelt. Zum Glück bot die Rückfahrt am folgenden Tag mehr als genug Zeit, Gedanken darüber zu spinnen, ob man selbst dies nicht auch zu einer neuen Tradition entwickeln könnte... Mir scheint, da könnte es noch eine Fortsetzung geben, zwischen Rapalje, Wilhelmshaven und uns.

Mittwoch, 14. August 2024

Zurück zu den Anfängen - das Anno 1238 in Telgte

Mittelaltermärkte sind in meinem persönlichen Jahr leider lange nicht mehr so dicht gesät wie noch in vor-Corona Zeiten, doch umso mehr hat es mich gefreut, dass am vergangenen Wochenende ein Ausflug zu einer für mich ganz besonderen Location anstand.

Diejenigen von uns, die sich schon länger in der Szene tummeln, werden mit dem Namen des kleinen, westfälischen Städtchens Telgte vertraut sein. Ich habe dort (damals noch unter anderem Veranstalter) vor über fünfzehn Jahren mein erstes Faun-Konzert erlebt und viele Winter lang Wind und Wetter vor kleinen Bretterbühnen getrotzt. Entsprechend traurig war ich, als die Location um die Planwiese zu Telgte nach und nach aufgegeben wurde - und umso erfreuter, dass andere Veranstalter sie dann wieder für sich entdeckten.


Am vergangenen Wochenende war es dann also tatsächlich wieder so weit und mit dem Anno 1238 hielt das Mittelalter Einzug - und ich durfte am Sonntag mit dabei sein.

Und was soll ich sagen: es war ein herrlicher Tag! Eine Orientierung auf dem Gelände war nicht schwer, denn der Aufbau erinnerte an alte Zeiten, wobei jedoch besonders positiv auffiel, dass das Verhältnis von Ständen und Platz äußerst angemessen war. Es gab viel zu sehen, doch nirgendwo drängelten sich die Aufbauten so dicht an dicht, dass es zu Engstellen gekommen wäre. Auch dem Heerlager-Bereich wurde ausreichend Platz eingeräumt, was zu einer entspannten Atmosphäre führte, die einen gerne dort entlang schlendern ließ.


Das Programm konnte sich ebenfalls sehen lassen. Musikalisch waren mein persönliches Highlight Kupfergold, die mit ihren lebhaften Melodien und den gewitzten Texten das Publikum zu begeistern wissen, wo immer sie aufschlagen. Doch auch für Fans klassischer Marktmusik war dank der Spielleute Comes Vagantes gesorgt. Wer es fantastischer mochte, war bei Seinerzeit gut aufgehoben, und wer seinen Ohren bei einem Gang über das Gelände folgte, der konnte dort mit Glück auf das Duo Fjorden treffen.


Doch auch abseits der Musik wurde natürlich einiges geboten. Neben einem breiten kulinarischen Angebot konnte sich der geneigte Gast beispielsweise im Axtwerfen versuchen oder der Hitze des Wochenendes mit einem Besuch im Badezuber entkommen. Wem die Füße schwer wurden, den lockte ein gemütlich eingerichtetes Shisha-Zelt, oder aber er konnte eine Runde mit der von drei Pferden gezogenen Postkutsche machen.


 Auch für die jungen Besucher war gesorgt. Ein Handkarrussel, Kinder-Ritterturniere und die Auftritte zahlreicher Gaukler sorgten dafür, dass keine Langeweile aufkommen konnte, und kulinarisch fantasievoll angepasste Erfrischungen wie Frostwasser (der moderne Mensch neigt dazu, es Slush-Eis zu nennen) verhinderten, dass irgendwer, egal welchen Alters, bei knapp 30° C zur Diva werden musste.


So verlebte ich also, wie auch viele andere an diesem wunderschönen, sonnigen Sonntag, einen überaus unterhaltsamen und spannenden Tag auf dem Anno 1238 in Telgte. Da ich mittlerweile nicht mehr in der Nähe lebe und mir eine lange Heimfahrt bevorstand, hieß es leider gefühlt viel zu früh wieder Abschied nehmen. Ich hoffe jedoch sehr, dass dies nicht mein letzter Besuch auf diesem absolut sehenswerten Mittelaltermarkt gewesen sein wird!

Freitag, 24. September 2021

Was lange währt - Goethes Erben in Übach-Palenberg

Es gibt sie, diese Bands, die einen ein Leben lang begleiten und dabei stets einen besonderen Platz im Herzen einnehmen. Goethes Erben sind für mich eine solche Band. 

Meine erste Begegnung ist lange her, irgendwann um 2001. Im Musikfernsehen entdecke ich "Glasgarten", die Single mit Peter Heppner. Ich bin fasziniert, doch lange bleibt mir nur, aus der Ferne zu staunen. Ich bin damals um die dreizehn Jahre alt und lebe in Übach-Palenberg. Konzerte in Bochum, Köln oder Oberhausen? Bloße Fantasien. Irgendwann werde ich erwachsen, verlasse die verschlafene Kleinstadt, doch der musikalische Fokus verschiebt sich, die Freunde finden sich in ganz anderen Szenen. Alte Favoriten geraten zwar nicht in Vergessenheit, doch es tut sich auch nichts in diese Richtung. Und dann, ganz plötzlich, ist sie da, die Ankündigung: Goethes Erben in der Rockfabrik Übach-Palenberg. Meine Zeit scheint doch noch gekommen.

Doch dann sieht es zunächst so aus, als würde sich auch dieser Traum wieder zerschlagen. Das Konzert ist ursprünglich für 2000 angekündigt, Corona kommt dazwischen. Zum Glück machen gelockerte Maßnahmen ein Nachholen im Jahr darauf möglich. Reduzierte Besucheranzahl, feste Bestuhlung, wir alle erinnern uns an die Kompromisse. Aber immerhin: es passiert - und es wird ein Abend, der mir bis heute viel bedeutet.

Eröffnet wird der Abend von einem alten Bekannten: Matt Howden (Sieben), den ich bereits vor vielen Jahren auf einem Konzert von Faun lieben lernen durfte. Auch zu diesem Anlass überzeugte er - grundsympathisch wie immer - wieder durch seine faszinierenden Engagements und seine Energie.

Und dann natürlich Goethes Erben. Manchmal kann die Realität ja nicht mit den Erwartungen und Hoffnungen mithalten, doch manchmal werden diese sogar noch übertroffen - und dieser Auftritt war genau so ein Fall. Oswald Henkes Präsenz auf der Bühne ist unfassbar, und ich hatte rückblickend den Eindruck, an seinen Lippen geklebt zu haben, während das Konzert wie im Fluge verging. Auch die Auswahl der Lieder ließ für mich keine Wünsche übrig, wobei ich mich "Nichts bleibt wie es war" und "Kopfstimme" ganz besonders über zwei meiner Favoriten gefreut habe.

Eh ich mich versah, war dann jedoch auch schon alles vorbei - eben wie immer, wenn es gerade besonders schön ist. Trotzdem denke ich bis heute gerne zurück an diesen Abend, der für mich wirklich ein Lichtblick in einer ansonsten sehr trostlosen Zeit war, und auch irgendwie ein Beweis, dass manchmal - wenn auch spät - doch noch alles gut wird.

***Dieser Beitrag wurde am 01.11.2025 verfasst, jedoch der Übersichtlichkeit und dem Tagebuch-Charakter dieses Blogs halber in die Zeit des Erlebnisses zurückdatiert.*** 

Samstag, 11. September 2021

Nerds aller Welten vereinigt euch - das Annotopia 2021 in Lüdinghausen

Eine weitere Veranstaltung, die in 2021 den Corona-Auflagen standhalten und stattfinden durfte, war das wunderbare Annotopia in Lüdinghausen. Und es war genau so eine Zuflucht, wie man sie zu jener Zeit brauchte - ein großes Nerd-Klassentreffen, wo einfach jeder auf seine Kosten kam. Sei es Fantasy, Sci-Fi, Steampunk, Cyberpunk oder Reenactment jeglicher Epoche oder Gegend der Welt, beim Annotopia sind einfach alle willkommen und haben zusammen Spaß. Und so war es auch im September 2021. 

Ein Highlight ist dabei immer die große Parade, bei der sich die verschiedenen Gruppen vorstellen. Leider sind mir an diesem Tag nur wenige schöne Bilder gelungen. Ob es daran liegt, dass ich etwas aus der Übung war oder ob ich da schon meine neue Kamera hatte, mit der ich leider so gar nicht zufrieden bin, kann ich gar nicht mehr so genau sagen. Ein paar kleine Impressionen habe ich trotzdem einmal ausgewählt.

 
 

Ich freue mich in jedem Fall sehr, dass es dem zu dieser Zeit noch sehr jungen Festival gelungen ist, diese schwere Zeit gut zu überstehen und dass es bis heute wächst und gedeiht. Wenn ihr die Gelegenheit habt, stattet der Veransatltung unbedingt einen Besuch ab! 

 ***Dieser Beitrag wurde am 27.12.2025 verfasst, jedoch der Übersichtlichkeit und dem Tagebuch-Charakter dieses Blogs halber in die Zeit des Erlebnisses zurückdatiert.***   

Samstag, 14. August 2021

Schwere See - das Piratenabenteuer in Vlatten

 Wer diesen Blog verfolgt - falls das überhaupt irgendwer tut *hust hust* - weiß, dass ich immer zu positiver Berichterstattung neige. Das liegt weder daran, dass ich dazu gezwungen werde (dieser Blog wird nicht gesponsort, ich berichte hier nur über Veranstaltungen, zu denen ich Tickets selbst erworben habe und kann folglich ganz unvoreingenommen schreiben, was ich denke), noch daran, dass ich extrem leicht zufriedenzustellen wäre. Nein, es ist eher so, dass ich es bei Veranstaltungen, die mir im Nachhinein absolut nicht nennenswert erscheinen vorziehe zu schweigen. Passiert selten, aber halt schon hin und wieder, und wenn ich nichts Konstruktives darüber zu sagen habe, halte ich halt ganz die Klappe.

Warum ich das schreibe? Nun, weil ich mich mit dem Bericht zum Piratenabenteuer 2021 ein wenig schwer tue.

Ich habe das Piratenabenteuer erlebt, als es noch Pirates hieß und in Jülich stattfand, ebenso wie den Umzug nach Zülpich, und ich verbinde viele schöne Erinnerungen mit der Veranstaltung, der man immer angemerkt hat, dass sie ein Liebhaberprojekt ist. Ein weiterer Umzug, diesmal nach Heimbach-Vlatten, war darum für mich auch kein Ausschlusskriterium. Kleiner als zuvor? Das muss schließlich nicht per se schlecht sein, denn 'klein' heißt bei Veranstaltungen mit speziellem Thema wie dieser oft auch 'intim' und verspricht eine besondere Atmosphäre. So war auch hier viel Szenepublikum anwesend, was für mich immer ein ziemlicher Wohlfühlfaktor ist. (Das mit den interessierten Tagesgästen ist für mich ein wenig wie mit Touristen: man braucht sie, aber so richtig mögen tun sie doch eigentlich die wenigsten Einheimischen. ;)) Auch die Campsite war wohl mit Abstand die entspannteste, die ich in meinem mittlerweile doch recht langem Leben als Festivalgänger erleben durfte, mit guter Stimmung und viel gegenseitiger Rücksichtnahme.

Auch am Programm gab es im Grunde wenig auszusetzen: Es war sicher nicht leicht, in diesen unsicheren Zeiten ein Line-Up zusammenzustellen, darunter Top-Namen der Szene, alte und neue Bekannte wie Ye Banished Privateers, Punch'n'Judy oder Pyrolysis. Es dürfte auch nicht leicht gewesen sein, dass die Region kurze Zeit zuvor von der verheerenden Flutkatastrophe getroffen wurde - Schäden an der Cutlass Taverne, in der ein Teil der Veranstaltung stattfand, inklusive - hier wurde zweifelsohne hart gearbeitet, um all das so kurzfristig überhaupt möglich zu machen.

Wo lag also das Problem? Kurz gesagt: organisatorisch lief hier vieles leider einfach nicht rund. Spielpläne für die Bands sowie generell aktuelle Infos lagen online nicht vor, und die teilweise auf dem Gelände vorzufindenen Pläne - auf Tafeln geschrieben oder ausgedruckt - stimmten oft nicht. Es gab viel Leerlauf, den man nicht wirklich nutzen konnte, zumal das Angebot an Ständen leider nicht sehr groß war. Mehrere Stunden gingen außerdem mal eben flöten, weil es Gerüchte gab, dass der für den Einlass unerlässliche Corona-Test nicht für das ganze Wochenende reichen würde. Vlatten verfügte jedoch über keine Teststelle, sodass ein Ausflug nach Zülpich nötig wurde - am Wochenende ohne Auto in der ziemlich abgelegenen Region eine wahre Freude mit dem Bus, Umstieg und Wartezeiten inklusive. Am Ende wäre es vermutlich doch nicht notwendig gewesen, doch niemand wusste etwas oder hatte eine Idee, wer etwas wissen konnte, sodass die Teststelle ein Festival-Treff wurde, denn sicher ist schließlich sicher. Vor der großen Bühne gab es dann auch noch ein seltsames Vereinzelungssystem, das niemand so recht zu verstehen schien und welches mitunter viel Zeit kostete. Für ein nicht gerade günstiges Festival eines Veranstalters mit jahrelanger Erfahrung fand ich die Organisation und Kommunikation offen gestanden ziemlich enttäuschend, doch schieben wir es wie alles auf die fragwürdigen Umstände dieser Zeit und hoffen, dass wir solche Maßnahmen einfach nie wieder brauchen werden.

Was dann aber an Konzerten und Programm lief, war wie gewohnt hochklassig und ein großer Spaß. Man merkte, dass alle Beteiligten gerne tun, was sie tun, und dass es für alle schön war, endlich mal wieder raus zu kommen, auf einer Bühne zu stehen, zusammen zu feiern - zeitübliches Hygienekonzept natürlich immer inklusive.

Ich hoffe, mein Bericht wirft jetzt keinen zu negativen Eindruck auf die ganze Sache, denn das ist definitiv nicht meine Absicht. Beim nächsten und bislang letzten Piratenabenteuer 2022 war ich leider aus finanziellen Gründen nicht dabei (das Kreuz meines aktuellen Lebens, haha...haaaa), doch sollte sich die Möglichkeit ergeben, gebe ich der Veranstaltung unter regulären Bedingungen liebend gerne nochmal eine Chance, weil ich weiß, mit wie viel Herzblut die Beteiligten bei der Sache sind und man das auch immer spürt. Es wäre eine Schande, wenn so ein Projekt ausgerechnet an organisatorischen Problemen kränkeln müsste.

***Dieser Beitrag wurde am 26.02.2024 verfasst, jedoch der Übersichtlichkeit und dem Tagebuch-Charakter dieses Blogs halber in die Zeit des Erlebnisses zurückdatiert.***

Samstag, 10. Juli 2021

Folk auf Bierbänken - das Hock Rock Borken

 Wie schon erwähnt, war das Jahr 2021 veranstaltungstechnisch eher eine Art schwarzes Loch als alles andere. Dies änderte sich erst im Juli dank des Veranstalters des allseits bekannten Mittelalterlich Phantasie Spectaculum, dem es irgendwie am Ende doch noch gelungen war, ein Konzept zu entwickeln, welches von den Behörden während der Corona-Zeit abgenommen wurde - die Geburt das Hoch Rock.

Dafür ging es zurück auf ein Gelände, welches für die regulären MPS-Versnatltungen zu diesem Zeitpunkt bereits zu klein geworden war: nach Borken, an den Pröbstingsee. Mit stark limitierter Besucherzahl, Maskenpflicht und Kleingruppen-Bestuhlung an Bierzeltgarnituren hatte die Veranstaltung vom Ambiente natürlich nicht den üblichen phantastischen Charme eines MPS-Events, doch ich erinnere mich noch sehr genau, wie absolut glücklich es mich damals machte, endlich überhaupt einmal wieder raus zu dürfen und live Musik zu genießen!

Hinzu kam, dass das Line-Up einfach gewaltig war. Meine Freundin und ich entschieden uns damals für einen Besuch am ersten Veranstaltungstag, weil die Musikauswahl dort perfekt auf uns zugeschnitten war. Als es dann endlich so weit war und der Spaß losging, störte sich auch niemand mehr an dem eher unsommerlichen, kühl-nassen Wetter.


Eröffnet wurde das Festival von Shireen. Die niederländische Band, die ihre Musik selbst als Witchpop bezeichnet, war keine unbekannte für uns, hatte jedoch an diesem Tag das erste Mal die Ehre, sich dem deutschen MPS-Publikum vorzustellen. Mit ihrer ziemlich einzigartigen Musik und der wie gewohnt fesselnden Live-Performance brauchten sie auch nicht lange, auch dieses Publikum in ihren Bann zu ziehen.


Weiter ging es nach einer Umbaupause dann mit Faun, die wie immer einen absolut magischen Auftritt hinlegten. Für die Band war es damals selbst das erste Konzert nach neun Monaten Corona-Zwangspause, und für die Fans war es zudem die erste Möglichkeit überhaupt, Adaya, die der Band im Vorjahr beigetreten war, live auf einem Festival zu erleben. Da ist es doch kein Wunder, dass sowohl Band als auch Publikum mehr als enthusiastisch waren - doch obwohl es schwer fiel, die eigenen Beine zu bändigen, wurde sich an das Gebot gehalten, das Konzert nur im Sitzen zu genießen.


Headliner an diesem Abend waren dann zu guter Letzt Versengold. Auch ihnen merkte man an, wie viel Freude es ihnen machte, endlich wieder vor Publikum spielen zu dürfen, und die feierliche Stimmung übertrug sich auch auf das Publikum - vielleicht konnte man nicht tanzen, dafür aber umso lauter mitsingen!

Viel zu früh ging dann ein wunderschöner Abend auch schon wieder zu Ende. Leider erfuhren wir genau an diesem Tag auch, dass das ursprünglich zur Durchführung freigegebene Castlefest in den Niederlanden wegen neuer behördlicher Anordnungen kurzfristig abgesagt werden musste - ein trauriger Reminder, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch sehr weit von allem entfernt waren, was man als 'Normalität' hätte bezeichnen mögen.

***Dieser Beitrag wurde am 22.02.2024 verfasst, jedoch der Übersichtlichkeit und dem Tagebuch-Charakter dieses Blogs halber in die Zeit des Erlebnisses zurückdatiert.***

Samstag, 19. September 2020

Party im Strandkorb - Metfest in Mönchengladbach

Viel ging nicht in Sachen Konzerten während der Corona-Zeit, aber was ging hab ich immer gerne mitgenommen. Ein besonders schönes Beispiel für die Kreativität von Künstlern und Veranstaltern in dieser schweren Zeit war sicherlich das Strandkorb Open Air in Mönchengladbach. Als dort dann nur einen Tag nach meinem Geburtstag zum Metfest geladen wurde, habe ich natürlich nicht lange gezögert.

Das Konzept der Veranstaltung war wie ich finde ziemlich genial. Ich habe zwar schon einmal darüber berichtet, aber da es schon eine ganze Weile her ist, hier nochmal in aller Kürze: Im Zuschauerraum wurden Strandkörbe aufgestellt, jeweils für zwei Personen. Diese konnten auch nur im Doppelpack gebucht werden. Während des Konzerts verbachte man die Zeit dann in oder maximal stehend vor seinem Strandkorb. Getränke wurden online bestellt und in eine Kühlbox am Korb gestellt oder während der Veranstaltung gebracht. Auf dem Weg zu den sanitären Anlagen herrschte natürlich Maskenpflicht und der Einlass wurde durch strikte Verteilung auf mehrere Eingänge maximal entzerrt. Es war ein super Konzept ffür diese schwierige Zeit (jedoch vermutlich nur durch großzügige Sponsoren wirklich tragbar). Und ein Zeichen, dass nicht jeder den Kultursektor damals einfach vergessen hat.

 

Schattenmann
 

Jedenfalls standen an diesem Abend für das Metfest drei Bands auf dem Programm. Eröffnen durften Schattenmann, die dem Publikum mit den wohl härtesten Klängen des Abends ordentlich einheizten.

Weiter ging es dann folkig, aber auch ein bisschen punkig mit The O’Reillys and the Paddyhats, die ebenfalls einen sehr guten Job machten und dafür sorgten, dass viele sich von ihren zugegebenermaßen gemütlichen Strandkorb-Sitzen erhoben, um sich ordentlich zur Musik bewegen zu können.

 

The O’Reillys and the Paddyhats
 

Doch ein Metfest wäre natürlich kein Metfest ohne Feuerschwanz, und die bewiesen an diesem Abend einmal wieder, was für eine großartige Liveband sie sind. So ein Feuerschwanz-Konzert ist ja in der Regel ein ziemlich kontaktfreudiges Erlebnis, und die Nähe macht manchmal auch einiges an Stimmung aus. Doch der Band gelang es an diesem Abend absolut mühelos, das weiträumig über die Strandkörbe verteilte Publikum mitzureißen. Die Atmosphäre war schon nach kürzester Zeit wirklich hervorragend, und was die Leute durch die verhältnismäßig kleine Zahl nicht in der Masse erreichen konnten, machten sie durch ihr Stimmvolumen wieder wett. Es wurde lautstark mitgesungen, geklatscht und man war allgemein für jede Idee von der Bühne zu haben.

Wie es sich nunmal mit guten Konzerten verhält, ging auch dieses gefühlt viel zu schnell vorüber, bleibt jedoch noch lange Zeit später eine der schönsten Erinnerungen an eine insgesamt weniger schöne Zeit.



***Dieser Beitrag wurde am 25.05.2023 verfasst, jedoch der Übersichtlichkeit und dem Tagebuch-Charakter dieses Blogs halber in die Zeit des Erlebnisses zurückdatiert.***

Freitag, 21. Oktober 2016

Neues Video: Wardruna - Raido

In der letzten Zeit habe ich mich hier wieder etwas rar gemacht, es ist aber auch einfach nicht allzu viel passiert, worüber es sich zu berichten gelohnt hätte.

Heute jedoch sehe ich mal wieder einen Anlass, etwas Kleines zu schreiben, denn heute erscheint endlich das neue Wardruna-Album. Ich möchte darum noch einmal auf meine Rezension verweisen, aber vor allem auch darauf aufmerksam machen, dass Wardruna vor etwa zwei Wochen ein wunderschönes Video zum neuen Song "Raido" veröffentlicht haben.

Ich wünsche viel Spaß mit dem Video und empfehle nochmal wärmstens, dem großartigen neuen Album ein Ohr zu leihen!


Am Wochenende gibt es dann auch endlich mal wieder was Längeres von mir zu lesen - versprochen!

Dienstag, 12. Juli 2016

Neues Video: Waldkauz - Mati Syra Zemlya

Hallo zusammen! Ja, ich lebe noch - oder zumindest so halb. Da wurde es letzte Woche endlich doch mal so richtig sommerlich und ich habe mir natürlich gleich eine hübsche Bronchitis eingefangen und durfte das Wochenende zu Hause verbringen. Ist ja auch nicht so, dass ich was anderes vorgehabt hätte. Das MPS in Bückeburg inklusive Konzert meiner Lieblingsband Faun zum Beispiel :'(

Da Jammern aber bekanntlich auch nichts ändert, widme ich mich jetzt dem Thema dieses Posts. Das ist nämlich viel schöner und erfreulicher. Die ganz entzückenden Jungs und Mädels von Waldkauz haben nämlich gestern ihr allererstes Musikvideo veröffentlicht. Und weil es so wunderschön geworden ist, möchte ich es auch niemandem vorenthalten:


Der Songs selbst - "Mati Syra Zemlya" - ist auch schon eine ganze Weile als Download erhältlich, wird aber bald auch als Single in CD-Form erscheinen - inklusive diesem wundervollen Video. Ich jedenfalls freu mich drauf! ♥

Mittwoch, 15. Juni 2016

Das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in Dortmund - erstes Wochenende

Eigentlich hatte ich ja geplant, beide Wochenenden, an denen das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in diesem Jahr in Dortmund gastierte, auch komplett vor Ort zu verbringen. Doch in der Woche vor dem ersten Termin ging ich zunehmend von diesem Gedanken ab.

So ziemlich jeden Tag gingen in NRW Unwetter nieder - auch Dortmund blieb davon während der Aufbauarbeiten nicht verschont. Die Vorstellung, mit meinem altersschwachen Zelt in einem Unwetter zu landen, gefiel mir nun aber ganz und gar nicht und so entschloss ich mich, es am ersten Wochenende bei einem Tagestrip zu belassen.

Gesagt, getan, machte ich mich also am 04. Juni auf den Weg in den Fredenbaumpark. Sicherheitshalber inklusive Regencape und ohne Kamera - um letztlich festzustellen, dass das schlechte Wetter das MPS an diesem Tag verschonen sollte. :D 

So wurde es jedenfalls ein ziemlich entspannter Tag und mein Bericht wird etwas kürzer als gewohnt ausfallen. Die anwesenden Bands wie Mr. Hurley & die Pulveraffen und Celtica wurden weitestgehend von lauschigen Sitzplätzen aus bewundert, nur für Versengold bequemte ich mich Nachmittags einmal direkt vor die Bühne. 

Natürlich wurde auch über den Markt geschlendert. Aus dem kulinarischen Angebot entschied ich mich an diesem Tag erstmals seit langem wieder für eine leckere Käsebrezel vom Brez'n Bäcker - und frage mich, warum ich die vorher so lange nicht mehr gegessen habe, war sie doch in meinen Marktanfängen sowas wie mein Grundnahrungsmittel, lecker, günstig und sättigend, wie sie ist. Später gab es dann kurz vorm Abschied vom Markt noch ein süßes Stockbrot. Beim MPS könnte man eben, wenn man wollte, den halben Tag mit Essen verbringen. :D

Kurz nach 20 Uhr endete mein Tag auf dem MPS in Dortmund dann leider auch schon und ich machte mich glücklich und zufrieden auf den Heimweg. Am nächsten Wochenende sollte es weitergehen und da würde ich dann auch länger mit dabei sein.

Dienstag, 14. Juni 2016

CD-Vorstellung: Reidar Jensen - Silent Travelling

So, da ich gleich Richtung Uni muss, gibt es auch heute nur einen kurzen Beitrag von mir. Vor kurzem durfte ich zu meiner großen Freude einmal wieder etwas für das Online-Portal jarwinbenadar schreiben. Diesmal handelte es sich um eine CD-Vorstellung zur aktuellen EP des norwegischen Singer-Songwriters Reidar Jensen. Zur Rezension gelang ihr hier:


Viel Spaß damit! :)

Donnerstag, 2. Juni 2016

Wenn ich jetzt nur mal reich wäre - Green Hell Yardsale 2016

Es war eine recht spontane Idee, sich am einzigen noch freien Tag des verlängerten letzten Wochenendes nach Münster zu begeben, um den Green Hell Yardsale zu besuchen. Stundenlang in Plattenkisten wühlen und nebenbei auch noch drei Konzerte geboten bekommen - das war dann einfach unwiderstehlich. :D Eine Freundin hatte sich ebenfalls spontan bereit erklärt, mitzukommen und so machten wir uns gegen halb drei auf die Suche nach dem Lager, in dem das Ganze stattfinden sollte. 

Dieses war auch schnell gefunden, bis zum Beginn der Konzerte blieb noch Zeit und wir stürzten uns erst einmal ins Getümmel an den Ständen. Zugegebenermaßen: das Durchstöbern der Plattenkisten hätte mehr Spaß gemacht, wenn ich nicht eine so notorische pleite durch die Gegend rennende Person wäre, aber sei's drum - irgendwann, wenn ich mal groß bin... :P

Den Anfang bei den Konzerten machten dann schließlich NO°RD aus Münster und Dortmund. Hier gab es deutschsprachigen Punkrock mit (so weit ich sie vor Ort verstehen konnte) sehr hörenswerten Texten. Mir hat es gefallen, meiner Begleitung leider die Erkenntnis gebracht, dass Punk wohl wirklich nicht ihre Musik ist. Folglich blieb ich den Rest des Nachmittags allein zurück. Ich danke dennoch für den mutigen Versuch! xD

Nach kurzer Pause ging es dann weiter mit Meraine. Lange kein so lautes Konzert mehr erlebt, wobei ich mich nicht unbedingt auf die Lautstärke der Musikanlage sondern die durch und durch laute und dichte Art der Musik beziehe, die einen komplett in sich aufzusaugen schien. Ein cooles Gefühl, wie ich es zuletzt vor einigen Jahren bei Envy erleben durfte. Als musikalische Referenz für Meraine wurden von Green Hell unter Anderem die großartigen Fjørt genannt, was es zumindest stellenweise auch ganz gut trifft. Aber am besten einfach selber reinhören, es lohnt sich!

Zur dritten und letzten Band des Abends muss ich wohl nicht viele erklärende Worte verlieren, und vermutlich war ich auch nicht der einzige Anwesende, der ursprünglich vor allem wegen den Kölnern von KMPFSPRT angereist war. Die lieferten dann auch einen großartigen Auftritt ab, obwohl Sänger Richard mit einer richtig fetten Erkältung zeitweise besorgniserregend so wirkte, als könne er jeden Moment einfach umfallen.


Viel zu schnell war das Ganze dann auch schon wieder vorbei und ich schaffte es tatsächlich noch zum Bahnhof, bevor sich der zuvor größtenteils herrschende Sonnenschein plötzlich in einen richtig fiesen Regenguss verwandelte. 

Es war jedenfalls sehr schön beim diesjährigen Green Hell Yardsale. Hoffentlich komme ich nächstes Mal mit mehr Geld wieder. :D

Mittwoch, 1. Juni 2016

Neues Video: Garmarna - Nåden

Es ist wieder soweit: bereits zum dritten Mal kommen die schwedischen Folk-Pioniere von Garmarna nun schon mit einem Video zu ihrem aktuellen Album "6" um die Ecke. Diesmal handelt es sich um das Video zum Song "Nåden". Regie führte Daniel Bäckström. 

Übrigens, falls es jemandem entgangen sein sollte: Das Album "6" ist mittlerweile auch in Deutschland regulär erhältlich!


Freitag, 27. Mai 2016

Rocken gegen den Regen - Zu Besuch auf dem Das Schloss Rockt Festival in Münster

Es gibt viele schlechte Witze über das innige Verhältnis der Stadt Münster zum Regen. An Tagen wie vergangenem Freitag ist man fast schon geneigt, ihnen Glauben zu schenken. So hatte sich der Tag, für den die zweite Edition des Das Schloss Rockt-Festivals angedacht war, schon vom frühen Morgen an bedeckt, jedoch immerhin weitestgehend trocken gezeigt. Dies änderte sich freilich ziemlich genau um 17 Uhr. Dann begann pünktlich das Festival - und der Regen setzte ein.

Doch wie bereits erwähnt, ist man in Münster solche Wetterkapriolen ja gewöhnt, und so hatte sich glücklicherweise trotzdem eine gute Schar hartgesottener Musikfans eingefunden, um vor der schönen Kulisse des Schlosses mit den vier eingeladenen Bands zu feiern. Und das wie bereits im vergangenen Jahr umsonst und draußen.

Den Beginn machten dabei Daughters' Desire aus Siegen. Die fünf Jungs servierten dem Publikum satten Hardrock / Heavy Metal Sound inklusive den dazugehörigen Posen und kamen damit auch sehr gut an. Dass sie Lust auf diesen Auftritt hatten, merkte man ihnen von Anfang an deutlich an, und diese Lust übertrug sich auch schnell auf das Publikum. Sänger Daniele gelang es sogar, das traditionell etwas verhaltene Münsteraner Publikum dazu zu bewegen, sich nach jedem Lied, welches ihnen gefiel, drei Schritte auf die Bühne zu zu bewegen - mit dem Resultat, dass der anfangs noch klaffende Zurückhaltungs-Graben zwischen Band und Publikum innerhalb weniger Minuten geschlossen werden konnte.
Daughters' Desire

Hatte sich der Regen während des Auftritts von Daughters' Desire noch recht gnädig erwiesen, fing es pünktlich zum Konzertbeginn der Münsteraner von Spin My Fate an wie aus Eimern zu schütten. Vor der Bühne störte das jedoch zum Glück kaum jemanden - und es wäre auch wirklich eine Schande gewesen, diesen Auftritt zu verpassen! Spin My Fate, die ihre Musik selbst irgendwo zwischen Rock und Metal verorten, jedoch eindeutig auch den einen oder anderen Tropfen Punk im Blut haben, rockten das Schloss nämlich im wahrsten Sinne des Wortes. Der energiegeladene, abwechslungsreiche Sound der Band wusste auf ganzer Linie zu überzeugen und auch die Spielfreude der vier Jungs kam an.
Spin My Fate

Zwei Bands - nämlich Summery Mind und Infinite Horizon - sollten an diesem Abend bis 22 Uhr noch die Bühne auf dem Schlossplatz beehren. Für mich ging das Festival aber leider schon nach dem Auftritt von Spin My Fate zu Ende, denn mehrere noch bevorstehende Stunden Zugfahrt quer durch NRW ließen mir keine andere Wahl. Trotzdem hat es mir sehr gut gefallen beim Das Schloss Rockt-Festival. Es wäre schön zu hören, wenn das Festival fortgesetzt würde und damit im kommenden Jahr in die dritte Runde gehen würde. Für Münsters eher bescheidene härtere Musikszene wäre ein solches großes, jährliches Umsonst & Draußen - Festival in jedem Fall ein großer Gewinn!

Mittwoch, 6. April 2016

Konzertbericht: Osterkonzert in Osnabrück

Nun, da habe ich aber wirklich etwas rumgetrödelt mit meinem Bericht zum alljährlichen Osterkonzert in der Osnabrücker Lagerhalle. Eineinhalb Wochen ist es nun schon wieder her, dass Reliquiae zu ihrem für uns mittlerweile schon zur Tradition gewordenen Konzert am Ostersamstag eingeladen hatten. Und diesmal gab es sogar doppelt Grund zum Feiern: Mit einem neuen Reliquiae-Album feierte sich das Osterfest doch gleich noch viel schöner!

Wer ein Fest zu feiern hat, der lädt sich natürlich auch Gäste ein. Das hatten auch Reliquiae in diesem Jahr wieder getan. Waldkauz und Trollfaust waren der Einladung gefolgt und spielten an diesem Abend für das Publikum auf.

Eröffnet wurde der Konzertabend durch Waldkauz. Die junge Pagan Folk-Gruppe brachte mit ihren tanzbaren Klängen schnell Bewegung ins Publikum. Sie spielten Songs ihres bisher einzigen Albums, hatten jedoch auch neues Material im Gepäck, darunter "Mati Syra Zemlya", ein slawisches Stück, das dazu aufruft, sein Leben bewusst und mit allen Sinnen zu erleben. Besagtes Stück wird am 15. April sogar als Single veröffentlicht werden - zunächst nur in Downloadform, später aber wohl auch als physischer Tonträger. Weiterhin nicht fehlen im Set der Band durfte "Heiden unserer Zeit", zu dem Waldkauz weite Teile des Publikums zum lautstarken Mitsingen motivieren konnten. 
 Ihr neues Merchandise hatte die Band auch mitgebracht, sodass nun seit Ostersonntag ein schönes Waldkauz-Poster meine Wand ziert. ♥

Hörprobe:


Als die Damen und Herren von Waldkauz schließlich die Bühne verließen, hatte sich die gute Laune bereits im ganzen Publikum ausgebreitet. Gespannt betrachtete man den aufwändigen Bühnenaufbau, der dem Auftritt der zweiten Band des Abends vorausging. Trollfaust lieferten dann vor einem massigen Stahlgestell auf der Bühne ein Konzert ab, das in krassem Kontrast zum Auftritt ihrer Vorgänger Waldkauz stand. Bei den Trollen regierten Dudelsäcke und Trommeln. Und eine Männlichkeit, die manch zartem Wesen in der ersten Reihe ein wenig Angst zu machen schien, wie wir amüsiert beim Blick um uns herum feststellten. Mit Trollfaust ließ es sich ausgezeichnet feiern und gröhlen, und auch die Füße mussten nie still stehen. Und wer hätte sich schon nicht gefreut, von der Band zum Abschluss als mittelmäßiges Publikum gelobt zu werden! ;)

Hörprobe:


Trollfaust verließen die Bühne, wieder wurde umgebaut, und schon war die Zeit für die letzte Band des Abends gekommen. Reliquiae hatten sich schick gemacht für ihren Auftritt. Das Mittelalter war da optisch von der Bühne verschwunden - recht passend, da mit den neuen Stücken auch eindeutig die Rockelemente das Ruder übernommen hatten. Reliquiae präsentierten viele Stücke von ihrem neuen Album "Winter", welches vor Ort sogar schon erstanden werden konnte - offizielles Release ist erst am kommenden Freitag (08.04). Der dichte, rockige Sound mit den mittelalterlichen Akzenten wusste dabei auf ganzer Linie zu überzeugen. Außerdem machte es großen Spaß zu sehen, wie Sänger Bastus in den jeweiligen Stücken aufging und einen ganzen Haufen an fast schon theatralischer Ausdruckskraft in seine Darbietungen legte. Mich persönlich überzeugten an diesem Abend von den neuen Stücken besonders "Schwefelholz" sowie "Flucht".
Natürlich hatten aber auch ein paar ältere Stücke ihren Weg in das Set von Reliquiae gefunden, darunter der allseits beliebte "Sisyphos." Das Publikum wirkte allgemein begeistert vom Auftritt der Band und ließ sie natürlich nicht ohne Zugabe gehen. 

Hörprobe:


Allen Protesten zum Trotz ging der Konzertabend dann aber doch irgendwann einmal zu Ende. Wir machten uns auf den Weg zum Bahnhof, verirrten uns dabei zum x-ten Mal (Osnabrück, ich hasse dich!) und verpassten beinah unsere Zug nach Hause. In der Nacht wurden dann die Uhren umgestellt, weswegen ich mich auf der Fahrt zum elterlichen Osteressen am nächsten Tag auch irgendwie mehr tot als lebendig fühlte. Wert war das dieser tolle Abend aber trotzdem alle Male. Und ich erwarte, dass wir uns nächstes Jahr alle an der selben Stelle wiedersehen - schöne Traditionen soll man schließlich beibehalten!