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Samstag, 27. Juli 2019

Konzertbericht: Enter Shikari in Köln

Wie ich ja schon vor einiger Zeit berichtet habe, habe ich mich auf dem vergangenen Vainstream Festival in Münster ziemlich heftig in die britische Post-Hardcore Band Enter Shikari verguckt. Entsprechend aufgekratzt war ich, als im Sommer dann eine Deutschland-Tour angekündigt wurde und sich herausstellte, dass der Halt in Köln sogar noch an einem denkbar perfekten Samstag Abend stattfinden sollte. So überredete ich kurzerhand meine ahnungslose Freundin mich zu begleiten. Zum Glück sagte sie auch ohne Kenntnis der Band schnell zu (wofür ich sehr dankbar bin, denn das ist nicht selbstverständlich ♥), sodass wir Mitte August noch Tickets ergattern konnten, bevor das Konzert kurze Zeit später ausverkauft meldete.

Acht Monate lange Wartezeit später war es dann so weit und wir begaben uns am 13. April nach Köln. Die Parkplatzsuche gestaltete sich als beschwerlich, sodass wir uns nach mehreren vergeblichen Runden durch Ehrenfeld schließlich auf eines der teuren Parkhäuser einließen. Trotzdem liefen wir noch eine ganze Weile bis zur Live Music Hall und auch die Garderobe fraß nochmal einiges an Zeit. Zum Glück hatten wir Verzögerungen mit eingeplant und enterten so die Halle quasi zeitgleich mit den ersten Tönen des Supports Flash Forward, der irgendwie vor der offiziellen Anfangszeit begann. Obwohl es während des Auftritts der Band folglich noch nicht sehr voll war, vermochte sie doch das anwesende Publikum zu fesseln und kam insgesamt sehr sympathisch rüber.


Mit As It Is gab es später sogar noch einen zweiten Support. Als die britische Band um Sänger Patty Walters die Bühne betrat, fühlte ich mich optisch doch sehr an die große Zeit des Emos vor etwa 15 Jahren erinnert und musste ziemlich herzlich lachen, als der Frontmann sich und seine Mannen augenzwinkernd mit den Worten "We're a band called My Chemical Romance" ankündigte. Offenbar war ich wohl nicht der erste, dem die Ähnlichkeit zwischen dem heutigen Patty Walters und dem damaligen Gerard Way irgendwie recht deutlich ins Auge stachen. Auch eine musikalische Ähnlichkeit ließ sich nicht ganz leugnen. Die Musik von As It Is war eingängig, die Show fesselnd - für mich eine schöne musikalische Neuentdeckung!


Dann war es auch schon Zeit für den Headliner des Abends. Objektiv betrachtet dauerte der Bühnenumbau gar nicht so lange, aber man merkte bald die erwartungsvolle Spannung, die sich im ganzen Publikum breitmachte und die das Warten qualvoll lang erschienen ließ. Umso ekstatischer war der Jubel, als Enter Shikari dann endlich die Bühne betraten. Als die Band loslegte, war das Publikum von der ersten Sekunde an voll dabei. Bis in die hinteren Reihen wurde getanzt, gemosht, gesungen und es gab wohl niemanden, den die Energie dieses Auftritts kalt gelassen hätte. Die Setlist war extrem vielseitig, sowohl neue Fans als auch Freunde der Musik aus den Anfangstagen der Band kamen auf ihre Kosten. Das hymnische, perfekt zum Mitsingen geeignete "The Sights" war ebenso vertreten wie Klassiker a la "Mothership" und "Sorry, You're Not A Winner". Extrem tanzbare Nummern wie "Rabble Rouser", "...Meltdown" oder "Anaesthesist" waren genauso dabei wie ruhige Töne in Stücken wie "Gap In The Fence" oder dem von mir heiß und innig geliebten "Airfield". Auch die Band ging auf der Bühne sichtlich ab, Sänger Rou Reynolds zerschmiss beim Tanzen sogar sein Glas und schnitt sich daran, worauf man ihm zu seiner Enttäuschung nur noch ein Neues aus Plastik geben wollte, was für einige Erheiterung um ihn herum sorgte.

Obwohl Enter Shikari ein wirklich langes, ausgefülltes Set spielten, kam das Ende mal wieder viel zu schnell. Doch natürlich ließ das aufgeheizte Publikum die Band nicht ohne Zugabe verschwinden. Zunächst kam Sänger Rou alleine zurück auf die Bühne und gab eine Soloversion von "Take My Country Back" zum Besten, die dem Song eine ganz andere Grundstimmung verpasste als der Albumversion. Im Anschluss kamen aber auch seine Bandkollegen noch einmal zurück, um sich schließlich mit den beiden Hits "Juggernauts" und "Live Outside" endgültig zu verabschieden.


Vollkommen verschwitzt, ziemlich aufgekratzt und glücklich zerstreute sich die Menge langsam. Wer noch nicht genug hatte, machte sich auf den Weg zum nahegelegenen Club YUCA, wo sich Enter Shikari im Anschluss noch die Ehre eines DJ-Sets ihres Shikari Sound Systems gaben. Für uns jedoch endete der Abend an dieser Stelle, schließlich stad noch eine längere Heimfahrt bevor. Das Konzert, das Enter Shikari an diesem Abend gegeben haben, werde ich jedenfalls nicht so schnell vergessen und es hat, wenn das überhaupt noch möglich ist, nur dazu geführt, dass ich diese Band noch mehr schätzen gelernt habe. Hoffentlich dauert es nicht so lange bis zur nächsten Tour, denn da möchte ich unbedingt wieder dabei sein!

Sonntag, 28. Oktober 2018

Münster kann auch laut - das Vainstream Rockfest

In diesem Jahr habe ich mir nach langer Zeit einmal wieder den Besuch eines (verhältnismäßig) großen Festivals gegönnt. Eigentlich habe ich es ja eher mit den kleineren, weniger vollen Festivals, aber das Line Up beim diesjährigen Vainstream Rockfests am 30. Juni in Münster war dann doch einfach unwiderstehlich. Also verließ ich meine kleine Mittelalter-Komfortzone und machte mich ganz alleine auf den Weg zum ausverkauften Haverkamp, um dort auch mal wieder meiner Leidenschaft für härtere Klänge nachkommen zu können. Freundlicherweise durfte ich mich einmal wieder bei einer Freundin in der Stadt einquartieren, und so konnte der Spaß für mich auch schon mit der ersten Band losgehen, die um 9:45 Uhr auf der Bühne stand. 

Stray From The Path erinnerten mich (auch wenn sie das wohl nicht mehr so gerne hören, haha) deutlich an Rage Against The Machine, waren aber auf jeden Fall ein guter Opener und brachten einiges an Energie mit auf die Bühne.

Das Vainstream ist ein Festival ohne Pausen, die zwei großen und die eine kleiner Bühne wurden also immer nahtlos aneinander anschließend bespielt. Als zweite Band standen dann um kurz nach 10 Blessthefall auf dem Programm, die ich vorher nicht kannte und die somit meine Neuentdeckung dieses Tages wurde. Der eher melodische Post-Hardcore der Amerikaner gefiel mir wirklich ausgesprochen gut, während ich mit den beiden Bands danach - Any Given Day sowie Lionheart eher weniger anfangen konnte und die Zeit für einen Rundgang über das Gelände nutzte. Zu dieser Zeit ging das auch noch ziemlich gut, während es im Laude des Tages dann immer enger auf dem ausverkauften Festival wurde. 


Bei den großartige Bury Tomorrow stand ich dann aber wieder aufmerksam vor der Bühne und genoss das tolle Konzert, während ich mir Neck Deep von etwas weiter hinten an einem der wenigen hartumkämpften Schattenplätze anhörte.


Im Anschluss stand auf der etwas abseits liegenden, kleinen Throwdown-Stage ein weiteres, heiß ersehntes Konzert auf dem Plan: Modern Life Is War. Hier wurde ich auch nicht enttäuscht, die Band hat live noch mehr Power als auf den Studioaufnahmen, und der Lautstärkepegel der kleinen Bühne hatte es auch noch wirklich in sich. Für mich ein absoluter Höhepunkt des Vainstreams in diesem Jahr! 


Silverstein, Terror und The Bronx waren alle nicht unbedingt in meinem Interesse und wurden so zum Mittagessen und für eine weitere kleine Schattenpause mit Slusheis genutzt. Es war an diesem Samstag einfach höllisch heiß, und alle Bühnen standen in der prallen Sonne, da waren solche Auszeiten einfach notwendig. Ansonsten hatten die Veranstalter aber auch gut vorgesorgt: in den vorderen Reihen wurde ordentlich Wasser gespritzt, außerdem durfte man ein 1-Liter-Tetrapak Wasser oder Saft mit auf das Gelände bringen und sich auch Wasser bei den Waschbecken an den Toiletten abzapfen. So ließ sich das Wetter problemlos überstehen.

Beim Konzert von Sondaschule erwischte ich dann leider einen schlechten Platz mit Nachbarn, die sich die ganze Zeit so laut unterhielten, dass es das Konzert übertönte. Warum sich solche Leute nicht einfach nach hinten stellen, werde ich wohl nie verstehen, aber sei's drum. Stick To Your Guns, Asking Alexandria und Touché Amoré schaute ich mir dann auch eher nebenher an, während danach ein ganzer Block von Konzerten anstand, die mich überhaupt erst zu diesem Festivalbesuch bewegt hatten.

Los ging es mit Enter Shikari. Diese hatte ich bereits bei meinem letzten Besuch auf dem Vainstream vor einigen Jahren live gesehen, als gut befunden - und dann irgendwie nie weiter verfolgt. Das änderte sich dann mit diesem Auftritt schlagartig. Was für eine Energie, und wie großartig die Stücke vom aktuellen Album "The Spark"! Die nächsten Wochen habe ich quasi nichts anderes mehr gehört, und bei der kommenden Deutschandtour werde ich in Köln auch mit dabei sein, worauf ich mich jetzt schon freue. ♥


Gleich am Anfang ging es dann mit Boysetsfire weiter, die ich schon seit vielen Jahren hatte live sehen wollen. Nie hatte es klappen wollen, aber an diesem Tag war es dann endlich so weit. Meine hohen Erwartungen wurden zum Glück auch nicht enttäuscht. Es wurde ein sehr schöner Auftritt mit einer hervorragenden Stimmung im Publikum. Überall wurde lautstark mitgesungen, insbesondere natürlich bei den Klassikern wie "Empire".


Nach Boysetsfire stand mit Kadavar nochmal eine Band auf dem Programm, die meinem Geschmack nicht so sehr entsprach und ich nutze die Zeit, mir einen guten Platz für den Rest des Abends zu suchen. 

Auf den folgenden Auftritt von Casper war ich auch schon im Vorfeld sehr gespannt gewesen. Obwohl Hip Hop in etwa 99 Prozent der Fälle so gar nicht Meins ist, mag ich die Musik von Casper eigentlich sehr. Allerdings hatte ich bis daher noch nie ein Konzert dieses Genres gesehen, das mich überzeugen konnte. Das sollte sich an diesem Tag dann aber endlich ändern. Ich hatte große Freude an diesem Auftritt, und weite Teile des Publikums schienen ähnlich zu empfinden. Die Stimmung war von Anfang an gut, wurde aber im Laufe des Konzerts sogar immer besser. Viele waren textfest und der Umstieg vom Moshen zum Bouncen fiel nicht besonders schwer.


Als vorletzte Band betraten nach Casper schließlich Bullet For My Valentine die Bühne. Obwohl ich die Band musikalisch wirklich nicht schlecht finde (wobei traurigerweise mein Hauptaugenmerk bis heute auf dem 2005er Debüt "The Poison" liegt), konnten mich die Waliser live nicht wirklich mitreißen. Der Bühnenaufbau war beeindruckend, die Show eher so gar nicht. Das ganze wirkte ziemlich professionell und leidenschaftslos runtergespielt. Für mich ziemlich unerwartet die Enttäuschung des Tages.

Der Abschluss des Festivaltages konnte mich dann aber wieder versöhnlicher stimmen. Auch die Beatsteaks waren eine jener Band, die ich schon lange gerne mal live sehen wollte, erzählt man sich doch auch nur gutes über ihre Bühnenqualitäten. Und der Ruf ist nicht unbegründet: In kürzester Zeit hatte die Band das Publikum voll in der Hand, und die Setlist mit Titeln aus allen Schaffensphasen der Bandgeschichte sollte wohl alle zufriedengestellt haben. Ein großartiger Abschluss für einen wunderbaren Festivaltag in Münster!