Posts mit dem Label Sonderausstellung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sonderausstellung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 28. Oktober 2022

Pest! - Von einer Sonderausstellung mit unerwartet aktuellem Bezug

Was für ein überaus hohes Maß an Aktualität das Thema ziemlich bald gewinnen würde, hätte sich wohl auch im LWL Museum für Archäologie in Herne niemand vorstellen können, als man dort die im Herbst 2019 eröffnete Sonderausstellung "Pest!" vorbereitete.

 


  Denn es ist doch so: denkt man an den schwarzen Tod, so kommen einem unweigerlich Bilder an das ach so finstere Mittelalter, katastrophale hygienische Bedingungen und in ihrer ganzen Naivität fast schon tragisch sinnlose Gegenmaßnahmen wie Pestmasken und angeblich abwehrende Kräutermischungen in den Sinn. Ein ähnliches Szenario in der heutigen Zeit? Unvorstellbar. Umso mulmiger wurde einem dann nicht einmal ein Jahr nach Eröffnung der Ausstellung, als sich die Geschichte plötzlich zu wiederholen schien. Corona hatte uns alle überrascht, und weder unser modernes Verständnis für Hygiene, noch die Wissenschaft, konnte einer globalen Pandemie Einhalt gebieten. Selbst teils gefährliche Aberglauben im Kampf gegen die Krankheit ließen nicht lange auf sich warten - ich erinnere nur an die Schlagzeilen, dass Menschen sich beim Trinken von Bleichmittel die Kehlen verätzt hatten, weil sie glaubten, es helfe gegen Corona...

Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, dass die Pest-Ausstellung in Herne auf reges Interesse stieß und - nachdem sie eine Zeit lang aufgrund der Corona-Maßnahmen geschlossen bleiben musste - letzten Endes sogar bis Ende 2020 verlängert wurde.


 

Doch was gab es eigentlich zu sehen? Einen überaus umfassenden und spannenden Überblick über die Geschichte der Pest, und das aus den verschiedensten Blickwinkeln. Natürlich wurde geklärt, was die Pest eigentlich ist und was ein scheinbar kleiner Erreger wie Yersinia Pestis alles anrichten kann. Es wurde den Frage nachgegangen, wo sich die frühsten Erwähnungen von Pestausbrüchen finden und wie der Erreger sich über die ganze Welt verbreitete, aber auch auf die allgemein nicht so bekannte Tatsache eingegangen, dass es bis heute immer wieder Ausbrüche der Krankheiten gibt - so gab es beispielsweise 2020 noch Fälle in der Mongolei. Äußerst interessant war aber auch die Beschäftigung mit den Auswirkungen, welche die Pest auf das Leben der Menschen und die Kultur hatte.Von der Suche nach Sündenböcken, die ganze Bevölkerungsgruppen in Unheil stürzen konnte bis zu mittelalterlichen Memento Mori-Darstellungen entfaltete sich dabei ein äußerst interessantes Bild, wie tief Pest-Ausbrüche das Leben der Menschen immer wieder zu beeinflussen vermochten. Mir persönlich hat auch der Exkurs zur Repräsentation der Pest in aktuellen Medien äußerst gut gefallen - ein sehr atmosphärischer Einblick in das Videospiel "A Plague Tale" inklusive.

Moderne Ausstellungen leben jedoch natürlich nicht von ihrem Inhalt allein, sondern auch immer von der Art der Darstellung, und auch in diesem Aspekt war der Besuch der Pest-Ausstellung in Herne eine große Freude. Das Verhältnis zwischen gebotenen Informationen und aufschlussreichem und spannenden Anschauungsmaterial war sehr gut gelungen, und dazu gab es auch noch den einen oder anderen wirklich tollen Eyecatcher wie eine Wand mit 300 Pestmasken, die eigens für die Ausstellung gebastelt wurden.

Zum Abschluss (nach einem Rundgang durch die immer wieder sehr zu empfehlende Dauerausstellung des Museums, versteht sich) durfte natürlich auch ein kleiner Abstecher in den Museumsshop nicht fehlen, wo es mit "Pest im Pott" sogar ein Spiel zur Ausstellung gab. Und auch ein Plüsch-Pesterreger und eine Minzdose mit Dr. Schnabel durften noch einziehen. Manch einer mag solches Merchandising makaber finden, doch was soll ich sagen. Meinen Geschmack trifft es genau und ich habe eben gerne immer das eine oder andere Andenken an schöne Ausflüge.

 


Da ich aktuell mit meinen Posts massiv zurückhänge, hier noch einmal der Hinweis, dass die Ausstellung in Herne leider längst beendet ist. Dies ist einfach eine sehr späte Zusammenfassung meines eigenen Besuchs. ;)

Samstag, 14. November 2020

Besuch der Sonderausstellung William Turner - Horror and delight in Münster

Wenn man sich diesen Blog hier so ansieht, könnte man manchmal meinen, ich interessiere mich nur für Popkultur jeglicher Art. Das stimmt so aber eigentlich gar nicht, eigentlich mag ich auch ganz andere Dinge. Kunst zum Beispiel. Und genau darum habe ich im Januar auch eine Freundin überredet, mit mir ins Museum zu gehen. Ich hätte es mir nämlich ernsthaft übel genommen, wenn ich die Chance auf einen Besuch der Turner-Ausstellung in Münster hätte verstreichen lassen.

Mit einer großen Werbeoffensive war sie angekündigt worden, die Ausstellung "Turner. Horror and Delight." im LWL Museum für Kunst und Kultur mitten in der Münsteraner Innenstadt. Vom 8. November 2019 bis zum 26. Januar diesen Jahres zog es Kunstbegeisterte nach Münster - und davon nicht zu wenige. Alle wollten die Ausstellung um den englischen Maler sehen, der auch über 150 Jahre nach seinem Tod noch international bekannt ist für seine einzigartigen Darstellungen von Licht.

So erwartete uns auch, obwohl wir uns schon früh auf den Weg gemacht hatten, eine recht ordentliche Schlange im Museum. Ein Schließfach zu finden war gar nicht so einfach, und nach dem Anstehen für die Tickets konnten wir uns gleich noch einmal anstellen, um später in die Ausstellung zu dürfen. Nach etwa einer halben Stunde Wartezeit auf der Treppe durften wir sie schließlich betreten, die heiligen Hallen der Turner-Sonderausstellung, in der wir beide trotz unserer mittlerweile 30+ Jahren den Altersdurchschnitte an diesem Tag doch noch deutlich senkten. Ich schiebe das mal darauf, dass es sich um einen Arbeitstag handelte.

Ich persönlich finde, dass sich das Warten an jenem Tag aber auch durchaus gelohnt hat. Highlights waren für mich ganz klar die Gemälde mit ihrer einzigartigen Darstellung von Licht und wie dieses die verschiedensten Landschaften und Szenarien zu beeinflussen weiß. Das in echt direkt vor sich zu sehen, war noch einmal etwas ganz anderes, als es nur in einem Bildband zu betrachten.

Doch die Ausstellung hatte noch einiges mehr zu bieten und gewährte auch Einblicke in weniger bekannte Seiten von William Turner. Biografische Infos, Hintergründe zu den Bildern, Skizzen - dies alles ließ die Besucher das Werk des Malers von anderen Seiten sehen und war auf ganzer Linie interessant.

Da wir an keiner Führung teilnahmen, konnten wir die Ausstellung ganz in unserem eigenen Tempo erkunden und waren so auch eine ganze Weile unterwegs. Danach waren wir schon ziemlich gesättigt an Eindrücken, ließen es uns aber doch nicht nehmen, wenigstens noch einen kleinen Abstecher in die Mittelalter-Abteilung des Museums zu machen. Wenn man so viele Mittelaltermärkte besucht wie wir, ist das doch irgendwie Ehrensache. ;) 

Das Museum selbst hätte danach auch noch einiges mehr zu entdecken gehabt und außerhalb der Sonderausstellung war auch nicht viel los, war es schließlich ein Tag unter der Woche, aber irgendwann waren wir einfach nicht mehr aufnahmefähig. Also machten wir uns auf den Weg nach draußen, wo wir zu unserer Überraschung feststellten, dass die Warteschlange mittlerweile draußen, über eine Straße und mehrere Gebäude weit fast bis zur Johannisstraße stand. Unglaublich, ein solcher Andrang im beschaulichen Münster!

Mir hat unser Besuch in der Ausstellung "Turner. Horror and delight." jedenfalls ausgesprochen gut gefallen und ich würde mich sehr freuen, wenn nach diesem riesigen Erfolg das LWL Museum für Kunst und Kultur in Zukunft öfter mal den großen Malern vergangener Zeiten Ausstellungen widmen würde und so ein bisschen Kunstgeschichte nach NRW holen würde. Offenbar bin ich ja nicht allein damit, vergangenen Stilepochen bei Weitem mehr abgewinnen zu können als der zeitgenössischen Malerei. Das mag mich vielleicht zum Banausen machen, aber damit kann ich eigentlich ganz gut leben. :P

PS: Die Chance zum Besuch der besagten Ausstellung ist nun natürlich verstrichen, aber wer jetzt doch ein bisschen Interesse an William Turner entwickelt hat, dem kann ich den Film "Mr. Turner - Meister des Lichts" ans Herz legen, der sich einfühlsam und in schönen Bildern dem Leben des Künstlers widmet und dabei auch den Widerwillen thematisiert, der ihm für seine angeblich "profane" Kunst schon zu Lebzeiten von den Kunstkritikern seiner Zeit entgegenschlug: