Freitag, 11. Oktober 2013

Buchrezension: Mikael Niemi - Fallvatten

Autor: Mikael Niemi
Titel: Fallvatten [biser keine deutsche Übersetzung vorhanden]
Erschienen: 2013
Sprache: Schwedisch

Der nordschwedische Schriftsteller Mikael Niemi, vielen sicher als Autor von "Populärmusik aus Vittula" bekannt, hat vor einiger Zeit einen neuen Roman veröffentlicht. Da ich mich ja derzeit in Schweden befinde, hatte ich das Glück, diesen bereits lesen zu können.
Inhaltlich geht das Buch in eine ganz andere Richtung als seine bisherigen Veröffentlichungen. In Schweden wird "Fallvatten" unter dem Label Thriller vermarktet, ich würde aber vielleicht eher von einem Katastrophenroman sprechen.
Die Handlung ist, wie bei Niemi üblich, in Nordschweden angesetzt. Das nördliche Norrland wird von einem unheimlich nassen Herbst heimgesucht, es regnet seit Wochen ohne Unterlass. Trotzdem verläuft das Leben am Luleälv, dem großen Fluss der die Gegend durchzieht, in geregelten Bahnen. Der Leser lernt verschiedene Personen kennen, darunter einen samischen Autonarren, einen Hubschrauberpiloten, den der Lebensmut verlassen hat und eine von ihrem Beruf frustrierte Kunstlehrerin. Als plötzlich der Damm eines Kraftwerks bricht, ändert sich vom einen auf den anderen Augenblick alles für diese Menschen. Plötzlich sind die alten Probleme verschwunden und ein Kampf um das bloße Überleben beginnt.
Mich hat "Fallvatten" von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Viele der Charaktere, die Niemi beschreibt, sind - wie man es von ihm gewohnt ist - ziemlich eigen. Mit einigen von ihnen kann man sich identifizieren, mit anderen nicht. Die Sprache ist gewohnt angenehm zu lesen und auch der Humor kommt nicht zu kurz, soweit das in einem Roman dieses Genres eben drin ist. Vor allem aber gelingt es dem Autor, die Handlung durchgehend spannend zu halten. Es fiel mir manchmal wirklich schwer, das Buch aus der Hand zu legen um mich anderen nötigen Beschäftigungen zu widmen. Wieder einmal konnte mich Mikael Niemi vollständig überzeugen und ich wünsche mir wirklich, dass dieses Buch seinen Weg auf den deutschen Markt finden wird!

Meine Wertung:

♥♥♥♥♥
[5/5]

[PS vom 05.10.2015: Mittlerweile hat dieses Buch natürlich längst seinen Weg auf den deutschen Markt gefunden. Es hört hierzulande auf den Titel "Die Flutwelle".]

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Mein Auslandssemester, Teil 5

Lange habe ich nichts mehr geschrieben, was im Wesentlichen daran liegt, dass außerhalb der virtuellen Welt einiges los war.
Während in Deutschland das neue Semester gerade erst anfängt, habe ich letzte Woche schon meinen ersten Kurs mit einer Abschlussprüfung (hoffentlich erfolgreich) abgeschlossen. Gestern hat der zweite Kurs angefangen.
Ich weiß noch immer nicht so recht, was ich von diesem schwedischen System halten soll. Jedes Thema wird in 5 Wochen abgehakt, dann folgt ein neuer Kurs mit anderen Themen. So ging es in meinem ersten Kurs um Geografie und Archäologie in Schweden, und im neuen Kurs ist das Thema Geschichte und Religion. Irgendwie hatte ich aber am Ende des ersten Kurses das Gefühl, alles nur angerissen zu haben. Diesen Monat habe ich deutlich mehr Vorlesungen als bisher, also wird sich zeigen, ob das bei diesem Kurs anders sein wird.
Auch die Prüfungen verlaufen anscheinend etwas anders als von zu Hause gewohnt. An der Tür des Prüfungsraums muss man sich in eine Liste eintragen und bekommt dann einen Platz zugewiesen, während der Prüfung werden dann die Ausweise, die auf dem Tisch zu liegen haben begutachtet um die Identität zu überprüfen. Die Prüfung selber war auf vier Stunden angelegt und zur Hälfte als Open Book exam angelegt - die Kursliteratur durfte also mitgebracht und verwendet werden.

Ansonsten ist hier so langsam der Alltag eingekehrt. Für diesen Kurs und ein groß angelegtes Projekt bin ich im Moment gut beschäftigt, viel muss gelesen und recherchiert werden. Draußen hat der Herbst Einzug gehalten und die Bäume leuchten in allen Farben. Das Wetter ist dabei meist ziemlich gut, oft ist es sogar richtig sonnig, was anscheinend eher untypisch für die Gegend ist - angeblich ist die Niederschlagsquote eine der höchsten in Südschweden. In genau zehn Tagen ist die Hälfte meiner Zeit hier schon vorbei, vor Weihnachten geht es nach Hause, mit dem Zug. Das wird sicher ein Gewalttrip, aber ich freue mich doch schon, meine Leute zu Hause alle wiederzusehen! :)

Sonntag, 15. September 2013

Bonjour Tristesse - Der erste Regentag

Was für ein deprimierender Sonntag!
Der Wettergott hatte wohl was gegen meinen Plan, heute mal wieder ein bisschen rauszugehen - es regnet seit heute Morgen in einer Tour :( Na dann, herzlich Willkommen, lieber Herbst...

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass mir die Wochenenden im Moment sehr zuwider sind... Ich habe hier niemanden, mit dem ich sie verbringen könnte und meine Freunde in Deutschland sind natürlich unterwegs und haben Spaß. Wäre ich zu Hause, dann wäre auch ich dabei.
Unter der Woche kann ich wenigstens mit ihnen chatten, aber am Wochenende - Flaute. Die drei Monate, die noch vor mir liegen, scheinen mir in solchen Zeiten unendlich lang zu sein. Ob das noch besser wird?

Ich habe schon seit Jahren nicht mehr so viel zu Hause gesessen, Zeit im Internet verschwendet, Musik gehört, gelesen oder erinfach nur aus dem Fenster gestarrt. Und das ist auch kein Zustand, den ich jemals vermisst habe oder, wenn es vorbei ist, vermissen werde. Ich habe gerne mal meine Ruhe und bin alleine, aber das ist zu viel des "Guten"!

Wie ich mich noch in diesem Jahr über so manches "langweilige" Wochenende, das ich einfach ohne besondere Unternehmungen bei meiner Familie verbracht habe, geärgert habe - und wie ich mich jetzt danach sehne, so ein Wochenende zu haben...

So schnell können sich die Dinge ändern.

Samstag, 14. September 2013

Växjö - Eine kleine Vorstellung

Heute habe ich mir vorgenommen, die Stadt Växjö, in der ich im Moment lebe, einmal vorzustellen.
Växjö liegt im südlichen Teil Schwedens und gehört zur historischen Provinz Småland. Außerdem ist sie die Hauptstadt des schwedischen "län" (eine Provinz) Kronoberg. Zusammen mit der weiter östlich gelegenen Stadt Kalmar bildet sie den Standort für die Linné-Universität. In der Stadt leben ca. 60.000 Menschen, von denen die Studenten keinen unerheblichen Teil ausmachen. Sie zählt mit dieser Einwohnerzahl noch zu den 20 größten Städten Schwedens (Nur mal so zum Vergleich: In Münster, wo ich vorher gelebt habe, beträgt die Einwohnerzahl mittlerweile fast 300.000 Menschen - man muss in Schweden eben in ganz anderen Dimensionen denken). Die Stadt liegt außerdem im "Glasreich" Schwedens, einer Gegend, die für die Herstellung hochwertiger und künstlerischer Glasgegenstände bekannt ist. Zahlreiche Stücke sind im ansässigen Smålands-Museum zu bewundern. 

Neben eben jenem Smålands-Museum gibt es hier noch das "Utvandrarnas Hus", ein Museum, das sich mit der Geschichte schwedischer Auswanderung vor allem nach Amerika beschäftigt. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Schlossruine Kronoberg, das Schloss Teleborg und die Domkirche, an deren Außenmauer man einen Runenstein bewundern kann. Auch das Innere des Doms ist sehenswert, besonders der "Ljusträd", eine wunderschöne Glasskulptur. Aber von den Sehenswürdigkeiten will ich ein anderes Mal genaueres berichten. 

Wer weniger an Kultur, dafür mehr an Natur interessiert ist kommt in Växjö auch nicht zu kurz: Es gibt in der Stadt mehrere öffentliche Parks und Gärten jeder Größe und für jeden Geschmack. Außerdem ist die Stadt von zahlreichen schönen Seen und mehreren Naturschutzgebieten umgeben. Wer gerne wandert oder Fahrrad fährt, für den gibt es auch einen gekennzeichneten Weg, der einmal um die Stadt herumführt und dabei möglichst naturnah bleibt. 

Växjö wirbt für sich selbst mit dem Slogan, die grünste Stadt Europas zu sein. Dies bezieht sich auf die Arbeit der Stadt auf dem Gebiet des Umweltschutzes. Seit Jahrzehnten arbeitet man daran, einer möglichst "grünen" Zukunft entgegenzugehen - und eine Vielzahl an Umweltpreisen und Auszeichnungen sprechen für den Erfolg dieser Bestrebungen. 

Ich muss zugeben, dass mir dieser Ruf Växjös als grüne Stadt vor meiner Ankunft nicht bekannt war, dass ich dies aber sehr interessant finde und gerne, wenn ich mich selbst noch einmal etwas näher informiert habe, noch einmal etwas darüber schreiben möchte.

Mittwoch, 11. September 2013

Mein Auslandssemester, Teil 4

Gestern hatte ich endlich meine erste Vorlesung, nachdem ich eine Woche lang ohne irgendwelche konkreten Verpflichtungen zu Hause gesessen habe oder in der Gegend rumgestromert bin.
Die Vorlesung war interessant, es ging im Wesentlichen um demographischen Wandel in Schweden. Morgen folgt noch eine Vorlesung, und das war es dann auch schon für diese Woche. Bis auf die umfangreiche Kursliteratur natürlich, die bis zum Abschlusstest des Teilkurses Anfang nächsten Monats gelesen sein muss.

Die letzte Woche war hart für mich. Ich fand es unheimlich frustrierend hier zu hocken und auf die erste Veranstaltung zu warten, wo ich doch noch niemanden kenne und also die meiste Zeit alleine war. Ich hatte Heimweh und habe mir ständig gedacht, dass ich lieber zu Hause wäre und mit meinen Freunden Spaß hätte. So konnte ich mich auch nicht recht motivieren, mich der Kursliteratur zu widmen oder sonst was sinnvolles zu machen. Seit Anfang der Woche ist es aber etwas besser. Ich habe mir eine Art Stundenplan gemacht und versuche täglich, etwas von der Kursliteratur zu lesen und ein bisschen Schwedisch zu üben. Ich glaube, dass diese gewisse Art von Routine mir hilft.

Mit dem schönen Wetter ist es leider vorbei. Es hat sich ganz schön abgekühlt und regnet viel. Eigentlich hatte ich heute in die Stadt gehen wollen, um neue Postkarten zu kaufen, aber das habe ich dann doch lieber verschoben. Hoffentlich ist es morgen was besser!

Donnerstag, 5. September 2013

Mein Auslandssemester, Teil 3

Heute bin ich seit genau einer Woche auf dem Campus und habe sämtliche Einführungsveranstaltungen hinter mir. Die richtigen Veranstaltungen beginnen - wenn ich nicht gerade aus planlosigkeit irgendwas verpasse, was mich auch nicht wirklich wundern würde - nächste Woche. Anscheinend ist es in Schweden üblich, dass man nur sehr wenige Veranstaltungen in der Uni hat, dafür aber sehr viel zu Hause in Eigenarbeit lesen muss. Nicht unbedingt praktisch, um mit den Leuten in Kontakt zu kommen...
Momentan fühle ich mich nicht besonders gut. Um ehrlich zu sein habe ich ziemliches Heimweh und zähle die Tage, bis ich nach Hause kann. Es ist nicht so, dass es hier irgendwie schrecklich wäre, im Gegenteil, alle sind sehr nett. Aber das ändert nichts daran, dass ich hier niemanden kenne und aus Erfahrung weiß, dass ich wegen meiner Schüchternheit gnadenlos schlecht darin bin, neue Leute kennen zu lernen. Und wenn ich gehofft habe, mich möglicherweise mit meiner Mitbewohnerin zusammentun zu können, so sollte ich diese Hoffnung wohl aufgeben. Sie verbringt den Großteil der Zeit mit ihrer Schwester, die auch hier studiert. Glück für sie, Pech für mich.

Momentan ist das Wetter hier super (wenn auch nicht ganz so warm wie zu Hause in Deutschland, habe ich mir sagen lassen) und ich verbringe möglichst viel Zeit draußen. Habe im umliegenden Naturreservat und an einem der nahen Seen schon einige Lieblingsstellen gefunden, zu denen ich im Moment täglich gehe. Ich setzte mich dann an den See und lese oder genieße den Ausblick von einem "Fågeltorn", also einem Vogelbeobachtungsplatz, von denen es hier zwei gibt, die einen Überblick über das Vogelschutzgebiet Skirvik erlauben. Viele Vögel sind schon auf dem Weg gen Süden, aber ein paar sieht man doch noch. Allen voran hat es mich gefreut, einige Kleiber zu sehen. Wollte mich schon eine Weile mal davon überzeugen können, ob diese Vögel wirklich kopfüber an Baumstämmen entlanglaufen können. Ja, sie können :)
Heute habe ich auch noch einen mir unbekannten Greifvogel beobachten können und mir gedacht, dass ich die Zeit hier dazu nutzen sollte rauszufinden, wie man verschiedene Greifvögel erkennt. Es interessiert mich, und die Gegend bietet sich nun wirklich an.
Generell finde ich die Tierwelt hier spannend. Es gibt hier Schlangen (auf jeden Fall Ringelnattern), riesige und wunderschöne Libellen und ziemliche viele Eichhörnchen. Vorher war mir im übrigen nicht bewusst, dass Eichhörnchen so einen Lärm machen, man hört sie meistens schon lange, bevor man sie in den Bäumen entdeckt...

Natürlich verbringe ich nicht einsiedlermäßig meine ganze Zeit im Wald (obwoh mir der Gedanke mitunter gar nicht so schlecht gefällt, nur die Internetverbindung würde mir doch arg fehlen). Ich war in der letzten Woche auch zweimal in Växjö, das erste Mal am Samstag, wo es mir aber eindeutig zu voll war, und dann gestern noch einmal. Gestern war ich auf der Suche nach einigen Dingen, so zum Beispiel Briefpapier und Postkarten. Ich habe nämlich nach vielen Jahren endlich wieder eine Brieffreundschaft begonnen und außerdem beschlossen, es mal mit Postcrossing zu versuchen. - Ich bin nunmal kein Partymensch (zumindest nicht für solche konventionellen Parties, wie sie nunmal am beliebtesten und verbreitetsten sind), und irgendwie muss ich mich ja auch beschäftigen. Da schien mir das ein schöner Schritt zu sein. Über schöne Post habe ich mich sowieso schon immer gefreut.
Jedenfalls habe ich bei meinem Ausflug in die Stadt viel mehr Postkarten gekauft, als ich eigentlich wollte, und 3 davon werde ich wohl für mich selbst behalten, weil sie so schön sind. Den Rest muss ich dann heute oder morgen zur Post bringen. Mal schauen, ob man mir dort den Gefallen tut, mir auf Schwedisch zu antworten, gestern in der Stadt hat es jedenfalls geklappt (ein kleiner Triumph!).
Die Suche nach einem brauchbaren Plattenladen verlief weniger gut. Zwar habe ich einen gefunden, aber er war offen gestanden ziemlich enttäuschend. Und ich wollte doch so viele schöne CDs kaufen! Dafür habe ich mit "Röde Orm" ein neues Buch erstanden, was ich gesucht hatte. Und ich bin immer wieder begeistert, wie günstig sowohl gebrauchte als auch neue Bücher hier zu haben sind...

Freitag, 30. August 2013

Mein Auslandssemester, Teil 2

Was für ein Tag! Ich bin ein bisschen platt... Habe heute fast den ganzen Tag in der Uni gesessen zwecks Orientierungsveranstaltung für Austauschstudenten. Informationen habe ich jetzt jedenfalls erstmal im Überfluss bekommen. Über Schweden, über die Universität in Växjö, über das Studium hier, Studentennationen und, und, und. So viele Infos muss ich jetzt erst einmal verdauen.
Gerade eben waren meine Eltern noch einmal hier um mich zu verabschieden. Morgen fahren sie zurück nach Deutschland und ich sehe sie bis Ende des Jahres nicht mehr. An Weihnachten fahre ich nach Hause, das habe ich mir fest vorgenommen. Egal, ob ich danach noch für knapp eine Woche Uni zurückkommen muss. Weihnachten möchte ich mit meiner Familie verbringen.
Morgen geht das Orientierungsprogramm weiter mit einer geführten Bustour durch Växjö. Das klingt deutlich spannender als wieder wie heute den ganzen Tag im Hörsaal zu verbringen. Danach besteht anscheinend die Möglichkeit, einen gemeinsamen, geführten Einkauftrip in einen lokalen Supermarkt zu unternehmen. Warum nicht :D
Abends findet dann eine riesen Party statt, auf der sich anscheinend alle riesig freuen. Allen guten Vorsätzen zutrotz glaube ich nicht, dass ich dort hingehen werde. Ich mach keine solchen Parties, besonders nicht so riesige, und die Musik (House) trifft auch ganz und gar nicht meinen Geschmack.Ich fürchte, da müsste ich mich schon hinquälen, und das sehe ich für einen Eintritt von umgerechnet über 20 Euro dann auch irgendwie nicht ein. ^^
Die nächste Woche scheint recht entspannt zu verlaufen. Angesetzt sind nur 3 Einführungsveranstaltungen für die Kurse, die ich gewählt habe.
Was ich heute noch so mache weiß ich nicht so recht. Um noch irgendwo spazieren zu gehen ist es schon was spät, außerdem schwirrt mir der Kopf. Ich bin es nicht gewohnt, so lange intensiv Englisch zu hören und zu sprechen, fürchte ich. Und überhaupt... eigentlich bin ich doch hergekommen, um mein Schwedisch zu verbessern! :D