Posts mit dem Label Schweden werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Schweden werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 23. April 2016

Filmvorstellung: Johan und der Federkönig

Wie bereits erwähnt, habe ich dieses Wochenende recht spontan etwas mehr Zeit als gedacht. So kam ich dann gestern Abend auch dazu, mir auf Super RTL die Ausstrahlung des schwedisch-dänischen Animationsfilms "Johan und der Federkönig" anzusehen. Da ich nordischen Filmen selten widerstehen kann, folgt an dieser Stelle nun eine kleine Rezension.

In "Johan und der Federkönig" (Originaltitel: Resan till Fjäderkungens rike) geht es um das Kaninchenjunge Johan. Zusammen mit seinen Eltern lebt er ein glückliches Kaninchenleben, bis eines Tages der Federkönig kommt und seine kranke Mutter holt. Aus Angst, der Federkönig könne zurückkommen, flieht Johans Vater mit ihm auf das Meer - denn es gibt nichts, was der Federkönig so sehr fürchtet wie das Wasser. 

Doch Johan vermisst seine Mutter unheimlich. Als er eines Tages alleine auf dem Schiff ist und einen Notruf von Bill, dem unbekannten Vertrauten seines Vaters, auffängt, der vom Federkönig bedroht wird, macht er sich ganz allein auf den Weg. Er will in das Reich des Federkönigs und dort seine Mutter suchen und sie wieder nach Hause zurückholen.

Regisseur Esben Toft Jacobsen nährt sich mit dem Kinderfilm "Johan und der Federkönig" einem für dieses Genre schwierigen Thema, dem des Verlustes eines geliebten Angehörigen. Der kleine Johan setzt in dem Film alle Hebel in Bewegung, um seine Mutter aus dem Reich des Federkönigs zurückzuholen - muss aber am Ende einsehen, dass manche Dinge einfach unmöglich sind. 

Trotz des ernsten Themas ist der Film überwiegend heiter, die hintergründige Botschaft vielleicht nicht für jedes Kind gleich erkennbar (der Film hat in Deutschland eine FSK Freigabe ab 6 Jahren). Die Charaktere sind alle niedlich gestaltet, wirken mit ihren langen, dünnen Gliedern aber auch gleichzeitig lustig. Besonders die Hauptfigur Johan schließt man als Zuschauer mit seiner naiv-frechen Art schnell ins Herz. 

Mir jedenfalls hat dieser Film, der in Schweden als erster einheimischer 3D-Animationsfilm überhaupt erschien, insgesamt recht gut gefallen. Über die 3D-Effekte kann ich nichts sagen, jedoch wusste der Film durch seine Geschichte, die Charaktere und die Grafik auch ganz ohne diese zu überzeugen. "Johan und der Federkönig" bietet gute Unterhaltung für die ganze Familie. Wer mal einen Blick auf einen nicht-amerikanischen Animationsfilm werfen will, sollte hier ruhig mal einen Blick riskieren.

Trailer:


Mittwoch, 16. März 2016

Buchvorstellung: Die Engelsfors-Trilogie

Vor einiger Zeit hatte ich ja angekündigt, meine Buchrezensionen weitestgehend nur noch über lovelybooks zu veröffentlichen und dann hier zu verlinken. Das möchte ich auch so beibehalten, aber ab und an - so wie heute - werde ich auch nochmal eine Ausnahme machen. Heute nämlich möchte ich kein einzelnes Buch, sondern eine Trilogie vorstellen. Eine Trilogie, die zu den besten zählt, welche ich in der letzten Zeit in die Finger bekommen habe.

Es geht um die "Engelsfors-Trilogie" von Sara B. Elfgren und Mats Strandberg. In Deutschland wurde die Trilogie im Dressler-Verlag veröffentlicht, sowohl als Hardcover - als auch als Taschenbuchausgabe. Ursprünglich stammt die Jugend-Fantasy-Reihe aus Schweden. 

Die Engelsfors-Trilogie besteht aus den drei Bänden "Zirkel", "Feuer" und "Schlüssel". Alle drei Bände erzählen eine fortlaufende Geschichte, man sollte also in jedem Fall mit dem ersten Band "Zirkel" beginnen.

Nun aber zum Inhalt: Engelsfors ist ein ziemlich tristes, schwedisches Städtchen, da sind sich auch die jugendlichen Protagonisten der Reihe einig. Das ist am Anfang neben der Tatsache, dass sie die selbe Schule besuchen, auch die einzige Gemeinsamkeit, die sie zu verbinden scheint. Minoo ist super intelligent und in der Schule stets die Beste, Freunde hat sie jedoch keine. Rebecka wird von den meisten ihrer Mitschüler für ihr scheinbar perfektes Leben beneidet. In Vanessas Leben dreht sich alles um ihren Freund Wille und um wilde Parties mit ihren besten Freundinnen. Linnea wird von den meisten für einen Freak gehalten und kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass sie ihr Leben wohl nie in den Griff kriegen wird. Für die pummelige Anna Karin ist das Schulleben eine Tortur, da sie schon seit Jahren gemobbt wird. Und Ida, das typische Pferdemädchen, ist eine von ihren ärgsten Peinigern.

Plötzlich beginnen seltsame Geschehnisse Engelsfors zu treffen. Elias, ein weiteres Mobbingopfer von Ida und Linneas bester Freund, begeht auf der Schultoilette Selbstmord. Doch Linnea zweifelt von Anfang an daran, dass Elias freiwillig sein Leben beendet hat. Als eines Nachts ein blutroter Mond über Engelsfors auftaucht, gerät das Leben der sechs so unterschiedlichen Mädchen endgültig aus den Fugen. Sie erfahren, dass die Welt kurz vor dem Untergang steht und dass nur sie etwas daran ändern können.

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite, so habe ich die Lektüre der Engelsfors-Trilogie empfunden. Das Autorenduo Sara B. Elfgren und Mats Strandberg versteht es wunderbar, in ihrer ersten gemeinsamen Reihe das Beste aus Fantasy und Jugendbuch zu kombinieren und daraus eine wahrhaft fesselnde Story zu entwickeln. Sechs Hauptpersonen mögen auf den ersten Blick zwar viel erscheinen, aber die Bücher werden ihnen allen gerecht und sie ermöglichen den Lesern außerdem Einblicke aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Erzählperspektive wechselt Kapitel für Kapitel von einem der Mädchen zum nächsten. Im ersten Band dauert es dadurch natürlich eine Weile, bis man den vollen Durchblick hat, aber dann wird es durch die Perspektivwechsel nur umso spannender.

Eine große Stärke der Reihe liegt für mich auch wirklich darin, dass den Charakteren so viel Zeit gewidmet wird. Es geht nicht immer nur um die große Sache - also eben um die Frage, wie man die Welt retten kann - sondern auch um ganz alltägliche Teenager-Probleme. Alle haben dabei mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen und vieles ist nicht so, wie es am Anfang zu sein scheint. Auch sind die Charaktere der Mädchen zum Glück nicht statisch. Sie alle entwickeln sich weiter, wachsen an ihren Aufgaben und erhalten neue Einblicke in ihre eigenen Persönlichlichkeiten.

Für mich jedenfalls ist die Engelsfors-Trilogie eine absolute Leseempfehlung. Eine spannendes, gut geschriebene Jugendbuchreihe mit einer guten Fantasy-Story, die mir hervorragend gefallen hat.

In Schweden ist der erste Band "Zirkel" auch bereits erfolgreich verfilmt wurden. Es würde mich so unglaublich freuen, wenn es der Film auch auf den deutschen Markt schaffen würde. Hier gibt es noch einen Trailer zum Film - natürlich in Schwedisch:


Dienstag, 23. Februar 2016

Schwedische Leckereien: Chokladbollar

Neulich überkam mich einmal wieder die Lust, mich etwas in der Küche auszutoben. Zum Backen reichte die Zeit jedoch nicht mehr recht und so entschied ich mich dazu, einmal ein in Schweden sehr beliebtes Rezept auszuprobieren.

Chokladbollar - also Schokoladenbällchen - kennt dort jedes Kind. Und kinderleicht herzustellen sind sie auch noch!

Zutaten:

Ca. 225 g  Haferflocken
150 g Zucker
Ca. 100 g weiche Butter
1 Päckchen Vanillezucker
4 EL Kakaopulver
50 ml kalter Kaffee
Kokosflocken (zum Wälzen)

***

Zubereitung:

Die Zubereitung ist denkbar einfach: Alle Zutaten mit Ausnahme der Kokosflocken werden vermischt, bis eine feste, aber noch gut mit den Händen zu bearbeitende Masse entsteht. Von dieser Masse nimmt man dann jeweils eine kleine Menge und formt zwischen seinen Händen kleine Bällchen daraus. Diese wälzt man dann in den Kokosflocken - fertig sind die schwedischen Schokoladenbällchen!

Am besten schmecken die Bällchen, wenn man sie einige Zeit vor dem Verzehr zubereitet, so dass sie noch etwas durchziehen können. Außerdem sollte man sie kühl lagern, da sie dann etwas fester werden und sich besser anfassen lassen.

Smaklig måltid und Guten Appetit!

Mittwoch, 16. Dezember 2015

Schwedisch Backen: Lussekatter

Hoppla - da habe ich doch glatt vergessen, das für Sonntag versprochene Rezept für Lussekatter (Luciakatzen) tatsächlich auch zu veröffentlichen. Darum wird es nun heute etwas verspätet nachgereicht.

Zutaten:

400 g Mehl
Hefe (Angaben auf der Packung für die Menge beachten)
120 g Zucker
75 g Butter
ca. 200 ml Milch (lauwarm)
Safran (ein paar Fäden oder bis zu einem Päckchen Pulver)
1 Prise Salz
1 Eigelb zum Bestreichen
Je 2 Rosinen pro Katze

***

Zubereitung:

Zuerst erwärmt man ein wenig Milch mit einer Prise Zucker und löst dann den Safran in dieser auf. Möchte man Safranfäden statt Pulver benutzen, zerstößt man den Safran im Mörser. Die Menge an verwendeten Safran passt man am Besten dem eigenen Geschmack an. Unsere Lussekatter sind nicht so gelb, weil wir relativ wenig Safran verwenden, da meine Mutter von größeren Mengen Kopfschmerzen bekommt. Am besten testet man ein wenig herum.

Als nächstes geht es an den Hefeteig. Verwendet man wie wir Frischhefe, muss man diese natürlich erst einmal in etwas lauwarmer (keinesfalls zu warmer!) Milch mit einer Prise Zucker ansetzen. Das fertige Gemisch gibt man dann zum Mehl und gibt im Anschluss Zucker, Butter und Salz dazu. Zuletzt wird nach und nach die lauwarme Milch eingerührt. 

Der fertige Teig muss nun erstmal ruhen. Am besten stellt man ihn mit einem Küchenhandtuch zugedeckt an einen schön warmen Ort. Im Winter bietet sich dafür die Nähe der Heizung an.

Ist der Teig sichtlich aufgegangen, kann man sich ans Formen der Luciakatzen machen. Dafür knetet man den Teig nochmal kurz durch. Für jede Katze nimmt man nun etwa eine Handvoll Teig, formt sie zu einer Rolle (etwa 20 cm lang) und legt aus dieser ein enges "S" auf ein mit Backpapier bedecktes Backblech.

Anschließend legt man noch zwei Rosinen auf jedes der Gebäckstücke - eine oben und eine unten in die Biegung der "S"-förmigen Katzen. Zu guter Letzt streicht man die Teigstücke noch mit dem verquirlten Eigelb ein.

Die so fertig vorbereiteten Katzen müssen nun noch einmal zugedeckt ruhen, bevor sie bei circa 225°C für 7-10 Minuten in den Backofen wandern. Am besten serviert man sie noch warm zum Nachmittagskaffee, denn so sind sie am leckersten!

Sonntag, 13. Dezember 2015

Das Luciafest in Schweden

Heute möchte ich mich in meinem Blog mit einem schwedischen Fest beschäftigen. Immer am 13. Dezember wird nämlich dort und teilweise auch in den anderen nordischen Ländern das Luciafest begangen.

Wie der Name schon zeigt, steht das Fest im Zeichen der heiligen Lucia. Diese soll Ende des 3. Jahrhunderts in Syrakus in Italien gelebt haben und im Jahr 304 dort den Märtyrertod erlitten haben. Ihr Name bedeutete "Die Leuchtende", was sehr gut zum heutigen Brauchtum der Luciafeierlichkeiten in Schweden passt, welches hierzulande auch gerne als schwedisches Lichterfest bezeichnet wird. 

Das Datum, an welchem Lucia gefeiert wird, stammt noch aus der Zeit vor der gregorianischen Kalenderreform. Damals war der 13. Dezember der kürzeste Tag des Jahres, also die Wintersonnenwende. Auch wenn das Fest heute als Heiligenfeiertag begangen wird, kann man also von älteren Wurzeln ausgehen, die im Zusammenhang mit Mittwinterfeierlichkeiten standen.

Ursprünglich wohl nur ein lokaler Brauch, ist Lucia heute in Schweden ein allerorts sehr wichtiger und populärer Feiertag, zu dem ein ganzer Haufen eigene Traditionen gehört. So gibt es quasi überall Feste mit Lucia-Umzügen. Kindergärten, Schulen, Altenheime, Städte, Dörfer - sie alle wählen ihre eigene Lucia, welche den Festumzug mit weißen Gewand, rotem Band um die Taille und Lichterkranz auf dem Kopf anführt. Ihr folgt eine Prozession aus weiteren Mädchen mit Kerzen, sterntragenden Jungen,Wichteln und anderen Gestalten wie Pfefferkuchenmännern. Auf ihrem Weg singen sie traditionelle Lucia-Lieder, allen voran natürlich den hierzulande eher als italienisches Volkslied bekannten Klassiker Santa Lucia.

Auch gebacken wird an Lucia etwas ganz besonderes, nämlich die so genannten Lussekatter (Luciakatzen), ein sehr leckeres, durch Safran gelbes Hefegebäck, welches von der Form grob einem "S" ähnelt und traditionell mit zwei Rosinen dekoriert wird. Auch ich werde dieses Gebäck heute wie in jedem Jahr mit meiner Mutter zusammen backen, ein Rezept folgt dann im Laufe des Tages.

Bei Erwachsenen gehört oft auch Glögg, ein skandinavischer Gewürz-Glühwein, zum Luciafest. Ein besonders deutlicher Unterschied zum deutschen Glühwein besteht darin, dass Glögg klassisch mit Mandeln und Rosinen versetzt wird. Zum Geschmack kann ich leider nichts sagen, da ich keinen Alkohol trinke und entsprechend nie welchen probiert habe. Vielleicht schaffe ich es dieses Jahr aber einmal, eine alkoholfreie Version auszuprobieren. Dann werde ich berichten. :)

Zum Abschluss habe ich noch ein kleines Video herausgesucht, welches sich dem schwedischen Luciafest auf humorvolle Weise annähert. Viel Vergnügen damit!


Donnerstag, 10. Dezember 2015

Rückblick: Mein Auslandssemester in Schweden, Teil 1 - Växjö

So, nun habe ich mich also dazu entschlossen, mich auch mal an einem Throwback Thursday Beitrag zu versuchen. Statt nur ein Bild zu posten, wie es ja meistens der Fall ist, möchte ich aber lieber etwas schreiben. Wahrscheinlich sogar so viel, dass ich dafür mehr als nur einen Beitrag erstellen werde. Und zwar möchte ich in dieser neuen Rubrik ein paar Worte über mein Auslandssemester in Schweden verlieren, welches ich im Herbst und Winter 2013 gemacht habe.

Ja, damals gab es diesen Blog schon, wenn auch auf blog.de, welches in ein paar Tagen endgültig seine Pforten schließen wird. Und ein paar kümmerliche Beiträge habe ich damals auch geschrieben. Allerdings haben sie nur einen Bruchteil meiner Erlebnisse in dieser Zeit abgedeckt. Bilder gab es sogar überhaupt keine, obwohl ich natürlich Hunderte geschossen habe. Ich kann im Nachhinein nicht mehr so genau sagen, warum ich so wenig gebloggt habe. Wahrscheinlich bin ich einfach nicht dazu gekommen. Schließlich galt es, sich einzuleben, neue Kontakte zu knüpfen, einigermaßen fleißig zu studieren, Land und Leute zu entdecken und ab und an auch wirklich schlimmes Heimweh zu verspüren. Vielleicht ist ein bisschen Abstand auch gar nicht so verkehrt. Einiges werde ich heute wohl deutlich anders bewerten als während meines Auslandssemesters. Darum möchte ich nun, fast zwei Jahre später, noch einmal auf diese Zeit zurückblicken.

In diesem ersten Teil der Serie, die ihr gerade lest, soll es erst einmal um die Stadt gehen, in der ich mein Auslandssemester verbracht habe. Das kleine Växjö dürfte nicht gerade vielen Menschen hierzulande bekannt sein. Die Stadt mit ihren knapp 61.000 Einwohnern liegt im südschwedischen Småland – genau, das ist der Teil Schwedens, wo auch die Geschichten von Astrid Lindgren gerne spielen und bewirbt sich selbst gerne als die grünste Stadt Europas. Die dortige Universität hört auf den schönen Namen Linnéuniversitetet und besitzt einen weiteren Standort in Kalmar. Mehr möchte ich heute zu dieser Universität noch gar nicht verraten, denn darum soll es in einem der nächsten Beiträge gehen.

Obwohl nicht überwältigend groß, gibt es in Växjö eine ganze Reihe von Sehenswürdigkeiten. Zunächst wäre da einmal die Domkirche, an deren Fassade sich ein Runenstein finden lässt, der Tyke Vikings Sten. Dieser Stein wurde im 19. Jahrhundert entdeckt. Damals war er in die Chorwand der Kirche eingemauert. Wie meistens auf solchen Runensteinen, erinnert auch dieses Exemplar an einen Toten, einen gewissen Gunnar, Sohn von Grim und empfiehlt Gott dessen Seele an. Entgegen der landläufigen Meinung stammen die meisten Runensteine nämlich aus christlichen Zeiten. Auftraggeber des Steines war eine Person mit Namen Tyke, nach der dieser Stein auch benannt wurde.

Doch auch das Innere der Kirche ist einen Besuch wert, findet man dort neben einer sehr schönen Orgel auch eine wirklich großartige Skulptur, die auf den Namen Ljusträd hört und von Erik Höglund und Lars Larsson gemacht wurde. Ich persönlich finde sie wunderschön und würde die Kirche allein schon wegen ihr gerne noch einmal besuchen.

Domkirche, Ljusträd und Tyke Vikings Sten

Auch über zwei sehr sehenswerte Museen verfügt Växjö. Eines davon ist das Smålands Museum, welches auch das schwedische Glasmuseum beherbergt. Das Smålands Museum selbst beschäftigt sich mit der Geschichte der Region und ist dabei sehr vielseitig. Archäologische Funde finden ebenso Platz wie Kunst, außerdem gibt es eine große Münzsammlung. Insbesondere für die jüngere Vergangenheit wurde eine Vielzahl an Gegenständen gesammelt, die sich in spannend arrangierten Vitrinen bestaunen lassen und bei denen man immer wieder etwas Neues entdecken kann. Das Glasmuseum hingegen zeigt – der Name lässt es ja schon erahnen – Glaswaren aus schwedischer Herstellung. Växjö gehört schließlich nicht umsonst zu der Region Schwedens, die man das Glasreich nennt. Glasbläserei hat hier eine lange Tradition und die teils sehr künstlerischen Glaswaren im klaren skandinavischen Design sind allerseits beliebte Mitbringsel.

Das zweite Museum, welches man in Växjö findet, ist das Utvandrarnas Hus – das Haus der Auswanderer. Dieses Museum beschäftigt sich mit einem wichtigen Thema der schwedischen Geschichte, nämlich der Auswanderungswelle, die das Land Mitte des 19. Jahrhunderts ergriff. Etwa 1,5 Millionen Schweden verließen damals ihr Heimatland, um vor Armut und Elend nach Amerika zu fliehen. Mitte des 20. Jahrhunderts nahm sich ein bekannter schwedischer Schriftsteller dieses Themas in mehreren Romanen an. Sein Beitrag gilt als so wichtig, dass im Utvandrarnas Hus ein eigener Raum für ihn und seine Werke eingerichtet wurde. Die Rede ist von Vilhelm Moberg, dessen Romane zwar teilweise ins Deutsche übersetzt, jedoch sämtlich vergriffen sind.
Museum Utvandrarnas Hus und Windmühle auf dem Außengelände

Mich persönlich hat der Besuch im Utvandrarnas Hus sehr beeindruckt, denn das Museum begnügt sich nicht damit, Zahlen und Fakten zu der Auswanderungswelle zu geben, sondern geht sehr stark auch auf Einzelfälle ein, berichtet von konkreten Auswanderungsgeschichten, mit denen man sich gut identifizieren kann. Einen Besuch kann ich also nur wärmstens empfehlen.

An dieser Stelle möchte ich meinen heutigen Rückblick beenden. Natürlich waren dies noch längst nicht alle Sehenswürdigkeiten Växjös, doch die anderen müssen noch etwas warten. Für sie habe ich andere Pläne.

Ich hoffe, euch hat meine kleine Stadtvorstellung gefallen. Nächste Woche plane ich, mich der Universität und dem Studium dort zu widmen. Da wird es dann also auch etwas persönlicher, denn ich werde von meinen eigenen Erfahrungen berichten.

Würde mich freuen, wenn ihr dranbleibt.

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Nordisch backen: Finnische Stäbchen

Die Aventszeit ist für mich einfach die perfekte Zeit, um Plätzchen zu backen. Neben den Klassikern wie Vanillekipferln und Ausstechplätzchen wollte ich in diesem Jahr auch mal etwas anderes ausprobieren und stieß dabei auf ein Rezept mit dem schönen Namen Finnische Stäbchen.

Vom Namen sollte man sich nicht täuschen lassen. Bei Finnischen Stäbchen handelt es sich um ein Rezept, welches in Schweden verbreitet ist. Dort heißen die Plätzchen Finska Pinnar. Ob es sie in Finnland auch gibt und wie sie dort heißen, konnte ich leider nicht herausfinden.


Zutaten:

300 g Mehl
200 g Butter
75 g Zucker
50 g gemahlene Mandeln
Bittermandelaroma (ein paar Tropfen)
1 Ei
Zucker zum Bestreuen

 ***

Zubereitung:

Zuerst werden Butter und Zucker in einer Rührschüssel schaumig geschlagen. Dann fügt man Mehl, Mandeln und das Bittermandelaroma hinzu und verknetet alles zu einem schönen Teig. Dieser muss dann für mindestens eine halbe Stunde kalt gestellt werden.

Der gekühlte Teig wird dann etwa 1/2 cm dick ausgerollt und in Stäbchen von ca. 5 cm Länge und 1 cm Breite geschnitten. Diese legt man auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech. Den Ofen kann man an dieser Stelle schonmal auf 175°C vorheizen.

Als nächstes wird das Ei mit einer Gabel verquirlt und jedes Stäbchen mit dieser Masse eingepinselt und mit Zucker bestreut. Hierbei ist mir aufgefallen, dass in deutschen Rezepten in aller Regel Kristallzucker verwendet wird, werden bei schwedischen Rezepten oft Hagelzucker der Vorzug gegeben wird. Ich habe mich in diesem Fall für die deutsche Variante entschieden.

Die nun fertig vorbereiteten Stäbchen kommen schließlich für etwa 10 Minuten in den vorgeheizten Ofen. Man muss ein wenig aufpassen, wann die Plätzchen fertig sind, da sie nicht wirklich braun werden (bzw.: werden sie braun, sind sie eigentlich schon zu lange im Ofen).

***

Bei mir und meiner Familie sind die Finnischen Stäbchen sehr gut angekommen. Es sind sehr zarte und leckere Plätzchen, die wunderbar in die Weihnachtszeit passen. Ich werde sie sicherlich mehr als nur dieses eine Mal backen.

Mittwoch, 9. September 2015

Schwedische Küche: Janssons Versuchung

Vorletztes Wochenende ist es passiert: Mich überkam die Lust, etwas in der Küche auszuprobieren. Da mich zudem auch noch ziemlich das Fernweh gepackt hatte (und auch bisher nicht wieder losgelassen hat), sollte es etwas Schwedisches werden.

Also wurden die Kochbücher gewälzt und die Entscheidung fiel schließlich auf einen Klassiker der schwedischen Küche: Janssons Frestelse oder zu Deutsch Janssons Versuchung.

Bei dem Gericht handelt es sich um einen Kartoffel-Anchovis Auflauf, der in Schweden traditionell zum Weihnachtsessen gehört, jedoch auch rund um das Jahr gegessen wird. 
Und ich gestehe: gegessen hatte ich Janssons Frestelse bisher nur als Fertigprodukt während vergangener Schwedenaufenthalte. Höchste Zeit also, sich einen vernünftigen Überblick zu verschaffen, wie das ganze als echte Hausmannskost schmeckt!
Janssons Frestelse - von oben betrachtet :D


Zutaten:

6-8 Kartoffeln (je nach Größe)
2 Zwiebeln
125g Anchovisfilet (in Ölmarinade)
200 ml Sahne
Semmelbrösel und Butter zum Gratinieren


Zubereitung:

Zunächst werden die Kartoffel geschält, in Stifte geschnitten und für eine Weile in ein Wasserbad gelegt. Während die Kartoffeln ziehen, kann man sich schonmal an die Zwiebeln wagen. Auch diese werden geschält und geschnitten und dann in der Pfanne kurz angebraten.

Die Anchovisfilets werden aus ihrer Marinade geholt, die Marinade dabei aber aufgehoben - die brauchen wir später noch. 

Als nächstes benötigt man eine nicht zu niedrige Auflaufform. Deren Boden wird mit der Hälfte der Kartoffelstifte bedeckt, darauf kommen dann die Zwiebeln und schließlich die Anchovisfilets. Mir persönlich waren diese so, wie sie aus dem Glas kamen, zu groß, weswegen ich sie vorher etwas zerpflückt habe. Das Ganze wird dann noch mit den restlichen Kartoffeln bedeckt und mit der Hälfte der Sahne und der Anchovis-Marinade bedeckt und je nach Geschmack mit etwas Pfeffer gewürzt. Salzen ist nicht nötig, die Anchovisfilets bringen genug Salz mit!

Der Auflauf kommt nun in den auf 200°C vorgeheizten Ofen. Die Backzeit beträgt ca. 50-60 Minuten. Nach etwa der Hälfte der Zeit werden noch der Rest der Sahne und der Anchovismarinade hinzugefügt, außerdem erhält der Auflauf noch eine Schicht aus Semmelbröseln und Butterflöckchen. Fertig ist Janssons Versuchung!

***

Mir persönlich hat der Auflauf total gut geschmeckt, allerdings würde ich beim nächsten Mal vermutlich nicht mehr die ganze Anchovis-Marinade verwenden, da diese (zumindest die von mir verwendete) wirklich sehr salzig und auch ziemlich ölig war. Trotzdem bin ich mir sehr sicher, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein wird, dass ich diesen leckeren Auflauf gemacht habe!

Von Janssons Frestelse existieren übrigens auch verschiedene Alternativen wie Karlssons Frestelse, für das anstelle von Anchovisfilets Bücklinge verwendet werden. Und auch wer partout keinen Fisch mag, muss nicht auf eine Variation dieses Gerichts verzichten - dafür sorgt die fisch-freie Variante Svenssons Frestelse. :)

Montag, 7. September 2015

Bandvorstellung: Stormfrun

Beim gerade vergangenen Pirates-Festival haben die Schweden von Ye Banished Privateers ein wenig die Werbetrommel gerührt für eine weitere Piratenband aus ihrem Heimatland: Stormfrun.

Mein Interesse war geweckt, die Recherche ergab Folgendes: Stormfrun kommen aus Eskilstuna und machen laut ihrer Homepage seit 10 Jahren gemeinsam Musik. Es ist ihr Ziel, die Geschichte des 17. & 18. Jahrhunderts aus der Sicht einer Piratenmannschaft zum Leben zu erwecken. Dafür beschäftigen sie sich auch selbst eingehend mit dieser Geschichte und nähen ihre eigene Kleidung. Auf der (leider nur schwedischen) Homepage der Band gibt es auch einige informative weiterführende Links zur Zeit der Piraten.

Stormfrun spielen Folk, und zwar sowohl traditionelle Lieder als auch eigene Stücke. Die Texte sind in Englisch und Schwedisch gehalten. Die Band hat auch schon eine CD veröffentlicht. Als Hörprobe möchte ich euch ihr Video zum Song "Djävlar från Havet" (für weiteres Textverständnis die Untertitel aktivieren :P) nicht vorenthalten:


Also ich kann mich jedenfalls der Meinung der Privateers nur anschließen, dass auch Stormfrun unbedingt einmal für den einen oder anderen Auftritt nach Deutschland eingeladen werden sollten! ;)

Freitag, 19. Juni 2015

Ein paar Worte zum Thema Mittsommer

Heute wird es von mir mal wieder einen etwas länger ausgearbeiteten und hoffentlich auch informativen Blogeintrag geben. Anlass und Thema ist dieses Wochenende, an dem in den nordischen, aber auch den baltischen Staaten das Mittsommerfest begangen wird. Als Skandinavist liegt mir dieses Fest natürlich auch als Deutscher am Herzen, wenn es auch leider hierzulande eher weniger gefeiert wird.

Die Tradition des Mittsommerfestes ist schon sehr alt, sie reicht bis in vorchristliche Zeiten zurück. Auch heute noch sind zahlreiche Bräuche und Aberglauben mit dem Fest verbunden. Für die Menschen war Mittsommer schon immer eine bedeutsame Zeit, markiert sie doch den Höhepunkt des Sommers. Besonders in Norden geht die Sonne um diese Jahreszeit in den so genannten weißen Nächten kaum unter. Das Mittsommerfest bildet den Höhepunkt dieser Entwicklung, gefeiert wird die kürzeste Nacht des Jahres. Im Anschluss werden die Tage wieder kürzer und die Nächte länger. Mittsommer markiert also die Sommersonnenwende.

Es ist also eigentlich kein Wunder, dass sich zahllose Legenden um diese Nacht ranken. So besteht in Schweden bis heute der Brauch, dass junge, unverheiratete Mädchen in der Mittsommernacht sieben verschiedene wilde Blumen, die sie zuvor schweigend auf sieben unterschiedlichen Wiesen gesammelt haben, unter ihr Kopfkissen legen um zu erfahren, wen sie einmal heiraten werden. Auch dem Morgentau, der nach der Mittsommernacht gesammelt wurde, wurden lange besondere und heilsame Kräfte nachgesagt.

Hierzulande verbinden die meisten Menschen das Mittsommerfest vorwiegend mit Schweden. Dort wird das Fest unter dem Namen Midsommar begangen und zählt zu den wichtigsten Festen überhaupt. Gefeiert wird immer an dem Wochenende zwischen dem 20. und dem 26. Juni, wobei der Freitag (Midsommarafton) kein offizieller Feiertag ist. Trotzdem sind die Städte an diesem Tag in der Regel ziemlich ausgestorben – Midsommar wird nämlich meist mit Freunden und Familie auf dem Land gefeiert.

Zu einer schwedischen Mittsommerfeier gehört auch die Majstång, ein mit Blumen und Bändern geschmückter Baumstamm, der am Freitag aufgestellt wird. Um diesen wird dann an Midsommar getanzt. Ein bekanntes Lied, zu dem getanzt wird, trägt zum Beispiel den Titel "Små grodorna" (Die kleinen Frösche). Beim Tanzen macht man die Bewegungen von Fröschen nach, was natürlich ziemlich lustig aussieht.

Einen sehr unterhaltsamen Einblick in die schwedischen Mittsommerfeierlichkeiten bietet übrigens dieses Video mit dem schönen Titel "Swedish Midsummer for Dummies". ;)


 
In Dänemark und Norwegen hören die Mittsommerfeierlichkeiten auf den Namen Sankt Hans. Der Name rührt vom Zeitpunkt der Feierlichkeiten her. Diese finden nämlich am Abend vor dem Johannistag am 23. Juni statt. Hier hat das Mittsommerfest also eine größere christliche Beeinflussung erfahren als in Schweden. Zum Fest gehört in Norwegen und Dänemark ein großes Feuer, in Dänemark wird in diesem oft eine Strohhexe verbrannt.

Auch in Finnland gehören Feuer zum Mittsommerfest dazu. Dort wird das Fest unter dem Namen Juhannus gefeiert – auch dies eine Anlehnung an den Tag Johannes des Täufers. Gefeiert wird am gleichen Datum wie in Schweden.

Interessant ist, dass in Finnland die ursprünglichen Traditionen des Mittsommerfestes gut überliefert sind. So war das Fest früher unter den Namen Vakkajuhla (Korbfest) und Ukon juhla bekannt. Der letzte Name zeigt, dass es zu Ehren des Gottes Ukko gefeiert wurde. Bei Ukko handelt es sich um den Hochgott der finnischen Mythologie, er war für Ernte, Wetter und Donner zuständig.
Ein sehr ästhetisches Video zu den mythischen Mittsommerbräuchen in Finnland gibt es hier:



Visit Finland - White Night Magic from Timo Kaukolampi on Vimeo.

  Die Finnen begehen ihr Juhannus-Fest sehr ausgelassen, es wird viel getanzt und viel getrunken. Nach dem Fest berichten die finnischen Zeitungen stets, wie viele Menschen im jeweiligen Jahr ertrunken sind…

Auch Island kennt das Mittsommerfest. Dort wird unter dem Namen Jónsmessa gefeiert – der Name erinnert also ebenfalls an Johannes den Täufer. Dem Volksglauben nach sollen in dieser kürzesten Nacht des Jahres große mystische Kräfte am Werke sein. So heißt es, die Kühe könnten in dieser Nacht sprechen und die Robben menschliche Form annehmen. Die Feierlichkeiten scheinen in Island jedoch weitaus kleiner auszufallen als in den anderen nordischen Ländern.

Damit möchte ich meinen kleinen Exkurs zu den Mittsommerfeierlichkeiten im Norden beenden. Ich hoffe, ihr fandet es ein wenig interessant. Ich wünsche euch allen ein schönes Mittsommer-Wochenende, genießt die langen Tage, und vielleicht ist das Wetter bei euch ja sogar ein klein wenig besser als hier bei mir!

Zur Feier des Tages gab es bei mir übrigens eine selbstgemachte Erdbeertorte, denn was passt schon besser zu einer sommerlichen Feier als Erdbeeren? :D
 

Zum Abschluss noch ein kleiner sprachlicher Exkurs, wie man sich in den nordischen Ländern ein frohes Mittsommerfest wünschen kann:

SE: Glad Midsommar!
DK: Glædelig Sankt Hans!
NO: God Sankthans!
FI: Hyvää Juhannusta!
IS: Gleðilega Jónsmessu!

Sonntag, 8. Februar 2015

Buchvorstellung: Patrik Wirén - Revolten, Rörelsen, Refused

Heute gibt es von mir mal eine Buchvorstellung zu einem Buch, welches bedauerlicherweise nur in Schwedisch vorliegt. Das grenzt den Leserkreis natürlich ziemlich ein, aber eine Vorstellung liegt mir dennoch am Herzen. Und wer weiß, vielleicht findet das Buch ja doch mal seinen Weg zumindest ins Englische. Verdient wäre das jedenfalls.

Autor: Patrik Wirén Titel: Revolten Rörelsen Refused Erschienen: 2014 Sprache: Schwedisch, keine Übersetzung vorhanden

Bei "Revolten Rörelsen Refused" (wörtlich: Die Revolte, die Bewegung, Refused - klingt wie die meisten direkten Titelübersetzungen scheiße, ist aber schätzungsweise doch irgendwie recht informativ) handelt es sich im Kern um ein Sachbuch über die schwedische Hardcore-Punk-Band Refused, die in den 1990er Jahren den Namen des nordschwedischen Städtchens Umeå weit über die Landesgrenzen hinaus zu einem Begriff machten.

Gegründet Anfang der 90er von Dennis Lyxzén und David Sandström erspielte sich die Band mit einer Vielzahl wechselnder Mitglieder bei Hunderten Auftritten bald einen ausgezeichneten Ruf im ganzen Land und schließlich auch darüber hinaus: Touren in Europa und Amerika folgten, drei Alben wurden veröffentlicht, von denen das letzte, "The Shape Of Punk To Come", vielen bis heute als Meilenstein ihres Genres gilt.

Eine Bandbiografie also? Dies mag jetzt im ersten Moment nur für alle interessant klingen, die ohnehin Fans der Band sind - doch das wäre voreilig geurteilt. Beim Lesen zeigt sich nämlich sehr bald, dass "Revolten Rörelsen Refused" mehr ist als eine simple Biografie. Hier wird vielmehr das Bild einer ganzen Szene gezeichnet.

Refused standen damals nämlich keineswegs allein da mit dem, was sie taten. In der ganzen Stadt sprossen scheinbar plötzlich Hardcore-Bands aus dem Boden. Viele zeichneten sich durch ihre Radikalität aus, Straight Edge und Veganismus gehörten oft zum guten Ton. Umeå Hardcore wurde durch Namen wie Abhinanda, Final Exit oder eben Refused zu einer Art Zauberwort für Musikliebhaber auf der ganzen Welt.

In seinem Bucherstling "Revolten Rörelsen Refused" erzählt Autor Patrik Wirén auf gut 250 Seiten von dieser Entwicklung. Dafür hat er über viele Jahre Material gesammelt, Zeitungsartikel gewälzt und eine Vielzahl Beteiligter interviewt. Die Leser erfahren so, wie sich die Musikszene im Umeå der 90er Jahre entwickelte. Zu Wort kommen dabei Menschen mit den verschiedensten Standpunkten, unter ihnen natürlich Musiker, aber auch Leute, die anderweitig in die Szene involviert waren oder sich - wie im Falle eines Polizisten - zwangsläufig mit ihr beschäftigen mussten.

Besonders ausführlich kommen dann aber natürlich doch die Mitglieder von Refused zum Zug, von denen die meisten noch heute in der einen oder anderen Form musikalisch tätig sind. Als Fan von Refused und zahlreicher Bands, die später von deren Mitgliedern gegründet wurden, war dies für mich als Leser wirklich spannend. Besonders die letzte Zeit der Band, die ja schon in der von Gitarrist Kristofer Steen 2006 veröffentlichten Dokumentation "Refused are Fucking Dead" behandelt wurde, erfährt hier nochmal eine ebenso ausführliche wie erhellende Aufarbeitung. Besonders schön ist dabei, dass man die Ereignisse, die zum Ende der Band führten, aus den verschiedenen Sichtweisen aller Bandmitglieder verfolgen kann. Dabei entsteht mit unter der Eindruck einer wirklich beklemmenden Atmosphäre, bei der man sich fragt, wie die Band überhaupt so lange und so produktiv durchalten konnte.

Patrik Wirén ist mit "Revolten Rörelsen Refused" ein Sachbuch gelungen, dass einen in Buchform bisher unbeleuchteten Aspekt der Musikgeschichte behandelt. Das ganze ist natürlich ziemlich "Special Interest", aber welche Veröffentlichung im Bereich Punk/Hardcore ist das nicht? Mein Fazit wäre jedenfalls: Lohnenswerte Lektüre nicht nur für Hardcore-Refused-Fans, sondern auch für alle, die sich für schwedischen Punk/Hardcore oder auch Punk/Hardcore und Straight Edge im Allgemeinen interessieren. 

Meine Bewertung:

♥♥♥♥♥
[5/5]

Hörprobe:


Sonntag, 5. Oktober 2014

Buchrezension: Johanna Thydell - An der Decke leuchten die Sterne

Autor: Johanna Thydell
Titel: An der Decke leuchten die Sterne [schwedisches Original: I Taket Lyser Stjärnorna]
Erschienen: 2003 [Deutschland: 2005]

Im Zimmer der jungen Jenna leuchten die Sterne von der Decke, und unter einem von ihnen hat sie ein Gedicht mir ihren geheimsten Gedanken versteckt. Jennas Leben ist alles andere als leicht, denn neben den üblichen Problemen, die das Teenager-Alter nun einmal mit sich bringen muss sie ständig mit der Sorge um ihre schwer krebskranke Mutter leben.
Johanna Thydells Roman schildert in altersgerechter Sprache Jennas Leben, ihre Hoffnungen und Ängste. Dabei erfährt der Leser von Jennas erster Liebe Zacke, von den Problemen mit ihrer langjährigen besten Freundin Susanna sowie Jennas zwiespältigen Gefühlen zur beliebten Vicki, die sie lange beneidet, bis sie herausfindet, dass auch hinter deren strahlendem Auftreten ein ganzer Haufen Probleme und Ängste versteckt sind.

Das alles macht "An der Decke leuchten die Sterne" zu einem wunderbaren Jugendbuch, das aber auch ältere Leser durchaus noch zu berühren weiß. Man kann sich sehr schnell mit den vorkommenden Charakteren identifizieren und keiner von ihnen wirkt in irgendeiner Form flach oder starr. So entdeckt man selsbt unter der Fassade der scheinbar oberflächlichen Vicki schnell unheimlich viel mehr.

In Schweden wurde dieser Roman sogar mit dem August-Preis ausgezeichnet, dem wohl renomiertesten Literaturpreis des Landes. Seit einiger Zeit existiert auch eine Filmversion, die ihren Weg nach Deutschland leider bis heute noch nicht gefunden hat, in ihrem Herkunftsland jedoch ebenfalls äußerst erfolgreich war.

Es ist zu hoffen, dass dieser wirklich gute Roman auch in Deutschland noch auf das Interesse stoßen wird, das ihm eigentlich zusteht, versteht er es doch unheimlich gut, ein so ernstes Thema wie das einer Krebserkrankung in der eigenen Familie so bewegend und in für Jugendliche geeigneter Form zu behandeln.

Meine Wertung:

♥ ♥ ♥ ♥ ♥
[5/5]

Donnerstag, 18. September 2014

CD-Vorstellung: Ye Banished Privateers - The Legend Of Libertalia

[Kurze Vorbemerkung: Als großer Musikfan, der ich nun einmal bin, hatte ich schon lange die Idee im Hinterkopf, mich mal an der einen oder anderen Rezension in dem Bereich zu versuchen. Bisher habe ich mich dann aber doch nie rangetraut, weil es gar nicht so einfach ist, Musik mit Worten zu beschreiben. Ich bitte also um Nachsicht mit dieser meiner allerersten Rezension einer CD :D]

Interpret: Ye Banished Privateers
Titel: The Legend Of Libertalia
Erscheinungsdatum: 12. September 2014
Label: Totentanz

Tracklist:
1. Bring Out Your Dead | 2. You And Me And The Devil Makes Three | 3. Gangplank | 4. Lonely It Be | 5. Dead Man's Song | 6. Sticks And Stones | 7. Libertalia | 8. Ship Is Sinking | 9. Cat O'Nine | 10. Fisher Lass

Dieser Tage veröffentlicht die Piratenmeute von Ye Banished Privateers mit "The Legend Of Libertalia" ihr zweites Album. Und was für eines! - möchte ich schon einmal vorwegnehmen. 

Doch bevor wir zum Inhalt der CD kommen, hier erstmal ein paar Worte zur Band: Ye Banished Privateers stammen aus Umeå in Nordschweden. Mit 26 Mitgliedern, von denen mal diese und mal jene die Bühnen der Welt entern, kann man sie wohl zurecht als unkonventionelle Band bezeichnen. Musikalisch widmen sich die Damen und Herren - wer hätte es gedacht - der Piratenmusik. Geboten werden also Songs, die sich inhaltlich mit Piraterie und Seefahrt beschäftigen. Vom Stil her kommt man der Musik wohl am ehsten mit Tags wie "Folk" oder auch "Shanty" nah, ohne aber ganz den Kern der Sache zu treffen. Bei last.fm steht auch die Bezeichnung "Pirate Punk" hoch im Kurs, welche gar nicht mal so schlecht passt. 

Nach dem schon wirklich tollen, in Eigenproduktion veröffentlichten ersten Album "Songs and Curses" liegt nun also mit "The Legend Of Libertalia" der zweite Longplayer vor. Was sofort auffällt, ist der klangliche Unterschied. Durch die professionellere Produktion kommen die einzelnen Instrumente und Gesänge viel besser zur Geltung als zuvor. Aber auch die Songs sind einfach eine Wucht. Schon der Opener "Bring Out Your Dead" lädt augenblicklich zum mittanzen, mitpfeifen, mitsingen ein. Und wer dann schließlich beim titelgebenden Track des Albums "Libertalia" immernoch nicht das Bedürfnis verspürt, sich mit erhobenen Fäusten die Kehle aus dem Leib zu Brüllen, dem ist meiner Meinung nach wirklich nicht mehr zu helfen. Das Lied ist schon kein Ohrwurm mehr, das ist eine verdammte Hymne, arrr!

Verschnaufpausen in Form von langsamen Liedern gibt es auf dem neuen Album wenige, aber auch diese sind durchweg gelungen. Insbesondere den letzten Song "Fisher Lass" möchte ich in dem Fall nicht unerwähnt lassen. Das Lied erzählt eine herzzerreißend traurige Geschichte von einem Fischermädchen, das auf die Rückkehr ihres Geliebten von der See wartet und bildet den perfekten Abschluss für dieses rundherum gelungene Werk. Für mich so kurz nach Erscheinen eindeutig schon eines der besten Alben, denen ich dieses Jahr mein Ohr geliehen habe. Auf ein baldiges Wiedersehen auf deutschen Bühnen, liebe Privateers!

Meine Bewertung:

♥ ♥ ♥ ♥ ♥
[5/5]

Hörprobe:


Dienstag, 3. Juni 2014

Konzertbericht: INVSN in Solingen

Gestern Abend war für mich ein besonderer Abend. Ich bin ganz alleine nach Solingen gefahren, um dort ein Konzert in der Cobra anzuschauen. Normalerweise mache ich das ungerne, Konzerte machen gemeinsam einfach viel mehr Spaß als alleine. Aber der Anlass war in diesem Falle zu gut, als dass ich das hätte sausen lassen können und wollen. INVSN aus Umeå gaben sich nämlich die Ehre und spielten ihr einziges Clubkonzert im Westen des Landes.

Wer die Band noch nicht kennt, dem könnte an dieser Stelle tatsächlich mit etwas Namedropping geholfen werden. Am Mikro steht Dennis Lyxzén, allgemein bekannt auch als Sänger mehr oder weniger verflossener Bands wie Refused oder The (International) Noise Conspiracy. Wer eine der besagten Bands schon einmal live sehen durfte, der weiß an dieser Stelle, warum es sich immer lohnt ein Konzert zu besuchen, bei dem dieser Mann beteiligt ist. Trotzdem weitere Namen gefällig? INVSN hätten da noch Sara Almgren im Angebot, die in den vergangenen Jahren vor allem durch ihre Tätigkeit bei den großartigen Masshysteri auf sich aufmerksam gemacht hat. Und die Liste ließe sich für die restlichen Bandmitglieder beliebig erweitern. Aber lassen wir das.

Entstanden sind INVSN aus Dennis Lyxzéns Soloprojekt The Lost Patrol, welches sich bald zur Lost Patrol Band auswuchs, später in Invasionen umbennant wurde und unlängst dann in den auch für nicht-Schweden auszusprechenden Namen INVSN umgetauft wurde. Die Musik hat sich in all diesen Jahren stetig gewandelt und das, was INVSN heute spielen, bezeichnen sie selbst gerne als dystopischen Post-Punk - eine Beschreibung, die den Nagel ziemlich auf den Kopf trifft.

Doch zurück nach Solingen. Gegen 21 Uhr betrat erst einmal die Vorband Palace Fever die Bühne. Die Solingen Band präsentierten dem Publikum eine Dreiviertelstunde lang ihren Mix aus Rock mit Country-Anleihen.

Gleich im Anschluss betraten dann INVSN die Bühne und eröffneten ihr Set mit dem großartigen "#61". In dem folgenden etwas mehr als einstündigen Konzert präsentierten sie fast ihr komplettes erstes Album, außerdem die englische Version von "En Annan Slags Gud" vom letzten Invasionen-Album, welches nie auf Englisch veröffentlicht wurde. (Und ja, mich wundert immernoch, dass die Band niemanden gefunden hat, der das Album auf Englisch veröffentlichen wollte!) Zwischen den Songs gab es die für Dennis Lyxzén typischen, mal ernsten, mal unterhaltsamen Ansagen. Besonders angesprochen hat mich die Ansage zu "Distorted Heartbeat", in der er davon erzählt hat, wie es dir eines Tages klar wird, dass es nicht stimmt, wenn die Leute dir sagen: Wie du gerade lebst, das mit der Musik und alles, ist nur ne Phase, irgendwann wächst du da raus und kriegst dein Leben auf die Reihe. (Ich schätze, auf das Ende dieser "Phase" warten meine Eltern auch schon seit über 10 Jahren ^^) Besonders unterhaltsam gestaltete sich auch die Zugabe "The Hate". Obwohl die Bühne so klein war und Dennis sich entsprechend nur verhältnismäßig wenig bewegen konnte, war es ihm beim letzten Song irgendwie gelungen, seine Hose zu zerstören. Aus diesem Grund musste er den letzten Song mit einem langen Riss im Stoff auf der Innenseite des Oberschenkels bewältigen, was mein Nebenmann gleich mit den Worten "I can see your balls!" quittierte. :D

Viel zu schnell war das Konzert um 23 Uhr dann auch schon zu Ende, worüber ich trotzdem ganz froh war. So konnte ich mir noch ein Shirt am Merchstand holen und mich dann in aller Ruhe zum Bahnhof begeben. Kurz nach 1 Uhr strandete ich dann in Aachen am Hauptbahnhof, von wo in den nächsten zwei Stunden kein Entkommen war. Nachts als Frau alleine am Bahnhof, das ist in der Regel im besten Fall langweilig, oft aber auch unheimlich. Doch der Aufenthalt gestaltete sich dieses Mal ganz anders als ich erwartet hatte. Schon bald hatte ich Gesellschaft, man fühlte sich verpflichtet auf mich aufzupassen und ich wurde sogar zum Bahnsteig eskortiert. Ein bemerkenswerter Abschluss eines großartigen Konzertabends. 

INVSN für Anfänger:


Dienstag, 29. April 2014

Blog-Wiederbelebung

Genau 199 Tage ist es her, seit ich meinen letzten Post hier gemacht habe. So viel zu meinen guten Vorsätzen, das Bloggen dieses Mal regelmäßiger zu halten... Aber was soll's, manchmal kommt das Leben eben ein wenig anders. :)

Auf jeden Fall habe ich beschlossen, diesen Account wiederzubeleben und ihn in etwas anderer Form als vorher zu nutzen. Bisher hatte ich mir ja gedacht, dass es hier nur um Skandinavien gehen sollte und alles, was mir eben dazu einfällt. Nun ist es aber so, dass mich in meinem Leben auch ganz andere Dinge bewegen. Deswegen werde ich an dieser Stelle ab sofort über alles berichten, was mir persönlich gerade wichtig oder interessant scheint.

Zunächst aber möchte ich dann doch noch meinen Bericht über mein Auslandssemester zu Ende bringen: Ich bin mittlerweile schon längst wieder zu Hause und hatte mehr als genug Zeit, über meine Erfahrungen in Schweden nachzudenken. Es war alles in allem oft keine einfache Zeit für mich und ich habe erkannt, wie viel mir meine Freunde und meine Familie in Deutschland eigentlich bedeuten. Aber auch in Växjö habe ich viele tolle Leute kennengelernt, ohne die es mir sicher sehr viel schlechter ergangen wäre.
Obwohl ich insgesamt sehr froh bin, wieder zurück zu sein, ertappe ich mich manchmal dabei, wie ich gewisse Dinge in Växjö vermisse. Dazu zählt besonders die allgegenwärtige Natur, die Wälder und Seen überall um einen herum. Darum ist für mich auch sicher: ich werde so bald wie möglich nach Schweden zurückkehren. Diesmal jedoch nur als Urlauber, denn mein Leben findet hier in Deutschland statt, wo meine Familie und mein Freundeskreis sind. Sie alle möchte ich nicht noch einmal so lange vermissen müssen.

Freitag, 11. Oktober 2013

Buchrezension: Mikael Niemi - Fallvatten

Autor: Mikael Niemi
Titel: Fallvatten [biser keine deutsche Übersetzung vorhanden]
Erschienen: 2013
Sprache: Schwedisch

Der nordschwedische Schriftsteller Mikael Niemi, vielen sicher als Autor von "Populärmusik aus Vittula" bekannt, hat vor einiger Zeit einen neuen Roman veröffentlicht. Da ich mich ja derzeit in Schweden befinde, hatte ich das Glück, diesen bereits lesen zu können.
Inhaltlich geht das Buch in eine ganz andere Richtung als seine bisherigen Veröffentlichungen. In Schweden wird "Fallvatten" unter dem Label Thriller vermarktet, ich würde aber vielleicht eher von einem Katastrophenroman sprechen.
Die Handlung ist, wie bei Niemi üblich, in Nordschweden angesetzt. Das nördliche Norrland wird von einem unheimlich nassen Herbst heimgesucht, es regnet seit Wochen ohne Unterlass. Trotzdem verläuft das Leben am Luleälv, dem großen Fluss der die Gegend durchzieht, in geregelten Bahnen. Der Leser lernt verschiedene Personen kennen, darunter einen samischen Autonarren, einen Hubschrauberpiloten, den der Lebensmut verlassen hat und eine von ihrem Beruf frustrierte Kunstlehrerin. Als plötzlich der Damm eines Kraftwerks bricht, ändert sich vom einen auf den anderen Augenblick alles für diese Menschen. Plötzlich sind die alten Probleme verschwunden und ein Kampf um das bloße Überleben beginnt.
Mich hat "Fallvatten" von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Viele der Charaktere, die Niemi beschreibt, sind - wie man es von ihm gewohnt ist - ziemlich eigen. Mit einigen von ihnen kann man sich identifizieren, mit anderen nicht. Die Sprache ist gewohnt angenehm zu lesen und auch der Humor kommt nicht zu kurz, soweit das in einem Roman dieses Genres eben drin ist. Vor allem aber gelingt es dem Autor, die Handlung durchgehend spannend zu halten. Es fiel mir manchmal wirklich schwer, das Buch aus der Hand zu legen um mich anderen nötigen Beschäftigungen zu widmen. Wieder einmal konnte mich Mikael Niemi vollständig überzeugen und ich wünsche mir wirklich, dass dieses Buch seinen Weg auf den deutschen Markt finden wird!

Meine Wertung:

♥♥♥♥♥
[5/5]

[PS vom 05.10.2015: Mittlerweile hat dieses Buch natürlich längst seinen Weg auf den deutschen Markt gefunden. Es hört hierzulande auf den Titel "Die Flutwelle".]

Donnerstag, 10. Oktober 2013

Mein Auslandssemester, Teil 5

Lange habe ich nichts mehr geschrieben, was im Wesentlichen daran liegt, dass außerhalb der virtuellen Welt einiges los war.
Während in Deutschland das neue Semester gerade erst anfängt, habe ich letzte Woche schon meinen ersten Kurs mit einer Abschlussprüfung (hoffentlich erfolgreich) abgeschlossen. Gestern hat der zweite Kurs angefangen.
Ich weiß noch immer nicht so recht, was ich von diesem schwedischen System halten soll. Jedes Thema wird in 5 Wochen abgehakt, dann folgt ein neuer Kurs mit anderen Themen. So ging es in meinem ersten Kurs um Geografie und Archäologie in Schweden, und im neuen Kurs ist das Thema Geschichte und Religion. Irgendwie hatte ich aber am Ende des ersten Kurses das Gefühl, alles nur angerissen zu haben. Diesen Monat habe ich deutlich mehr Vorlesungen als bisher, also wird sich zeigen, ob das bei diesem Kurs anders sein wird.
Auch die Prüfungen verlaufen anscheinend etwas anders als von zu Hause gewohnt. An der Tür des Prüfungsraums muss man sich in eine Liste eintragen und bekommt dann einen Platz zugewiesen, während der Prüfung werden dann die Ausweise, die auf dem Tisch zu liegen haben begutachtet um die Identität zu überprüfen. Die Prüfung selber war auf vier Stunden angelegt und zur Hälfte als Open Book exam angelegt - die Kursliteratur durfte also mitgebracht und verwendet werden.

Ansonsten ist hier so langsam der Alltag eingekehrt. Für diesen Kurs und ein groß angelegtes Projekt bin ich im Moment gut beschäftigt, viel muss gelesen und recherchiert werden. Draußen hat der Herbst Einzug gehalten und die Bäume leuchten in allen Farben. Das Wetter ist dabei meist ziemlich gut, oft ist es sogar richtig sonnig, was anscheinend eher untypisch für die Gegend ist - angeblich ist die Niederschlagsquote eine der höchsten in Südschweden. In genau zehn Tagen ist die Hälfte meiner Zeit hier schon vorbei, vor Weihnachten geht es nach Hause, mit dem Zug. Das wird sicher ein Gewalttrip, aber ich freue mich doch schon, meine Leute zu Hause alle wiederzusehen! :)

Samstag, 14. September 2013

Växjö - Eine kleine Vorstellung

Heute habe ich mir vorgenommen, die Stadt Växjö, in der ich im Moment lebe, einmal vorzustellen.
Växjö liegt im südlichen Teil Schwedens und gehört zur historischen Provinz Småland. Außerdem ist sie die Hauptstadt des schwedischen "län" (eine Provinz) Kronoberg. Zusammen mit der weiter östlich gelegenen Stadt Kalmar bildet sie den Standort für die Linné-Universität. In der Stadt leben ca. 60.000 Menschen, von denen die Studenten keinen unerheblichen Teil ausmachen. Sie zählt mit dieser Einwohnerzahl noch zu den 20 größten Städten Schwedens (Nur mal so zum Vergleich: In Münster, wo ich vorher gelebt habe, beträgt die Einwohnerzahl mittlerweile fast 300.000 Menschen - man muss in Schweden eben in ganz anderen Dimensionen denken). Die Stadt liegt außerdem im "Glasreich" Schwedens, einer Gegend, die für die Herstellung hochwertiger und künstlerischer Glasgegenstände bekannt ist. Zahlreiche Stücke sind im ansässigen Smålands-Museum zu bewundern. 

Neben eben jenem Smålands-Museum gibt es hier noch das "Utvandrarnas Hus", ein Museum, das sich mit der Geschichte schwedischer Auswanderung vor allem nach Amerika beschäftigt. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Schlossruine Kronoberg, das Schloss Teleborg und die Domkirche, an deren Außenmauer man einen Runenstein bewundern kann. Auch das Innere des Doms ist sehenswert, besonders der "Ljusträd", eine wunderschöne Glasskulptur. Aber von den Sehenswürdigkeiten will ich ein anderes Mal genaueres berichten. 

Wer weniger an Kultur, dafür mehr an Natur interessiert ist kommt in Växjö auch nicht zu kurz: Es gibt in der Stadt mehrere öffentliche Parks und Gärten jeder Größe und für jeden Geschmack. Außerdem ist die Stadt von zahlreichen schönen Seen und mehreren Naturschutzgebieten umgeben. Wer gerne wandert oder Fahrrad fährt, für den gibt es auch einen gekennzeichneten Weg, der einmal um die Stadt herumführt und dabei möglichst naturnah bleibt. 

Växjö wirbt für sich selbst mit dem Slogan, die grünste Stadt Europas zu sein. Dies bezieht sich auf die Arbeit der Stadt auf dem Gebiet des Umweltschutzes. Seit Jahrzehnten arbeitet man daran, einer möglichst "grünen" Zukunft entgegenzugehen - und eine Vielzahl an Umweltpreisen und Auszeichnungen sprechen für den Erfolg dieser Bestrebungen. 

Ich muss zugeben, dass mir dieser Ruf Växjös als grüne Stadt vor meiner Ankunft nicht bekannt war, dass ich dies aber sehr interessant finde und gerne, wenn ich mich selbst noch einmal etwas näher informiert habe, noch einmal etwas darüber schreiben möchte.

Mittwoch, 11. September 2013

Mein Auslandssemester, Teil 4

Gestern hatte ich endlich meine erste Vorlesung, nachdem ich eine Woche lang ohne irgendwelche konkreten Verpflichtungen zu Hause gesessen habe oder in der Gegend rumgestromert bin.
Die Vorlesung war interessant, es ging im Wesentlichen um demographischen Wandel in Schweden. Morgen folgt noch eine Vorlesung, und das war es dann auch schon für diese Woche. Bis auf die umfangreiche Kursliteratur natürlich, die bis zum Abschlusstest des Teilkurses Anfang nächsten Monats gelesen sein muss.

Die letzte Woche war hart für mich. Ich fand es unheimlich frustrierend hier zu hocken und auf die erste Veranstaltung zu warten, wo ich doch noch niemanden kenne und also die meiste Zeit alleine war. Ich hatte Heimweh und habe mir ständig gedacht, dass ich lieber zu Hause wäre und mit meinen Freunden Spaß hätte. So konnte ich mich auch nicht recht motivieren, mich der Kursliteratur zu widmen oder sonst was sinnvolles zu machen. Seit Anfang der Woche ist es aber etwas besser. Ich habe mir eine Art Stundenplan gemacht und versuche täglich, etwas von der Kursliteratur zu lesen und ein bisschen Schwedisch zu üben. Ich glaube, dass diese gewisse Art von Routine mir hilft.

Mit dem schönen Wetter ist es leider vorbei. Es hat sich ganz schön abgekühlt und regnet viel. Eigentlich hatte ich heute in die Stadt gehen wollen, um neue Postkarten zu kaufen, aber das habe ich dann doch lieber verschoben. Hoffentlich ist es morgen was besser!

Donnerstag, 5. September 2013

Mein Auslandssemester, Teil 3

Heute bin ich seit genau einer Woche auf dem Campus und habe sämtliche Einführungsveranstaltungen hinter mir. Die richtigen Veranstaltungen beginnen - wenn ich nicht gerade aus planlosigkeit irgendwas verpasse, was mich auch nicht wirklich wundern würde - nächste Woche. Anscheinend ist es in Schweden üblich, dass man nur sehr wenige Veranstaltungen in der Uni hat, dafür aber sehr viel zu Hause in Eigenarbeit lesen muss. Nicht unbedingt praktisch, um mit den Leuten in Kontakt zu kommen...
Momentan fühle ich mich nicht besonders gut. Um ehrlich zu sein habe ich ziemliches Heimweh und zähle die Tage, bis ich nach Hause kann. Es ist nicht so, dass es hier irgendwie schrecklich wäre, im Gegenteil, alle sind sehr nett. Aber das ändert nichts daran, dass ich hier niemanden kenne und aus Erfahrung weiß, dass ich wegen meiner Schüchternheit gnadenlos schlecht darin bin, neue Leute kennen zu lernen. Und wenn ich gehofft habe, mich möglicherweise mit meiner Mitbewohnerin zusammentun zu können, so sollte ich diese Hoffnung wohl aufgeben. Sie verbringt den Großteil der Zeit mit ihrer Schwester, die auch hier studiert. Glück für sie, Pech für mich.

Momentan ist das Wetter hier super (wenn auch nicht ganz so warm wie zu Hause in Deutschland, habe ich mir sagen lassen) und ich verbringe möglichst viel Zeit draußen. Habe im umliegenden Naturreservat und an einem der nahen Seen schon einige Lieblingsstellen gefunden, zu denen ich im Moment täglich gehe. Ich setzte mich dann an den See und lese oder genieße den Ausblick von einem "Fågeltorn", also einem Vogelbeobachtungsplatz, von denen es hier zwei gibt, die einen Überblick über das Vogelschutzgebiet Skirvik erlauben. Viele Vögel sind schon auf dem Weg gen Süden, aber ein paar sieht man doch noch. Allen voran hat es mich gefreut, einige Kleiber zu sehen. Wollte mich schon eine Weile mal davon überzeugen können, ob diese Vögel wirklich kopfüber an Baumstämmen entlanglaufen können. Ja, sie können :)
Heute habe ich auch noch einen mir unbekannten Greifvogel beobachten können und mir gedacht, dass ich die Zeit hier dazu nutzen sollte rauszufinden, wie man verschiedene Greifvögel erkennt. Es interessiert mich, und die Gegend bietet sich nun wirklich an.
Generell finde ich die Tierwelt hier spannend. Es gibt hier Schlangen (auf jeden Fall Ringelnattern), riesige und wunderschöne Libellen und ziemliche viele Eichhörnchen. Vorher war mir im übrigen nicht bewusst, dass Eichhörnchen so einen Lärm machen, man hört sie meistens schon lange, bevor man sie in den Bäumen entdeckt...

Natürlich verbringe ich nicht einsiedlermäßig meine ganze Zeit im Wald (obwoh mir der Gedanke mitunter gar nicht so schlecht gefällt, nur die Internetverbindung würde mir doch arg fehlen). Ich war in der letzten Woche auch zweimal in Växjö, das erste Mal am Samstag, wo es mir aber eindeutig zu voll war, und dann gestern noch einmal. Gestern war ich auf der Suche nach einigen Dingen, so zum Beispiel Briefpapier und Postkarten. Ich habe nämlich nach vielen Jahren endlich wieder eine Brieffreundschaft begonnen und außerdem beschlossen, es mal mit Postcrossing zu versuchen. - Ich bin nunmal kein Partymensch (zumindest nicht für solche konventionellen Parties, wie sie nunmal am beliebtesten und verbreitetsten sind), und irgendwie muss ich mich ja auch beschäftigen. Da schien mir das ein schöner Schritt zu sein. Über schöne Post habe ich mich sowieso schon immer gefreut.
Jedenfalls habe ich bei meinem Ausflug in die Stadt viel mehr Postkarten gekauft, als ich eigentlich wollte, und 3 davon werde ich wohl für mich selbst behalten, weil sie so schön sind. Den Rest muss ich dann heute oder morgen zur Post bringen. Mal schauen, ob man mir dort den Gefallen tut, mir auf Schwedisch zu antworten, gestern in der Stadt hat es jedenfalls geklappt (ein kleiner Triumph!).
Die Suche nach einem brauchbaren Plattenladen verlief weniger gut. Zwar habe ich einen gefunden, aber er war offen gestanden ziemlich enttäuschend. Und ich wollte doch so viele schöne CDs kaufen! Dafür habe ich mit "Röde Orm" ein neues Buch erstanden, was ich gesucht hatte. Und ich bin immer wieder begeistert, wie günstig sowohl gebrauchte als auch neue Bücher hier zu haben sind...