Dienstag, 28. April 2026

Buchvorstellung: Die Verwandlungen der Füchsin von Yang Zhi

Der Band wurde mir vom Chinabooks-Verlag im Rahmen einer Leserunden-Verlosung bei Lovelybooks zur Verfügung gestellt - vielen lieben Dank dafür, ich habe mich sehr darüber gefreut!

Worum es geht:

Viele Legenden ranken sich um Fuchsgeister. So sollen sie die magische Fähigkeit besitzen, sich in exakt die Person zu verwandeln, nach der sich ein Mensch am meisten sehnt. Durch die so entstehenden Bindungen gewinnen sie an Stärke und können sich mit etwas Glück zu neunschwänzigen Füchsen entwickeln. Sind ihre Bindungen zu den Menschen stark genug, können sie sogar vollständig zu Menschen werden.

Im Zentrum von "Die Verwandlungen der Füchsen" stehen zwei Füchsinnen, die beide nach ihrem ganz eigenen Weg zum Glück suchen. Die alte, weiße Füchsin wünscht sich nichts mehr, als von einem menschlichen Partner so geliebt zu werden, wie sie wirklich ist, während die junge Rotfüchsin sich in der Welt der Menschen mit Fleiß und Intelligenz einen Namen machen möchte. Eine Zeit lang sieht es so aus, als kämen beide ihrem Ziel näher - doch Fuchsgeister haben keinen einfachen Stand unter den Menschen, und gerade die junge Rotfüchsin muss irgendwann erkennen, dass sie in ihrem jugendlichen Übermut nicht ganz so weise war, wie so von sich selbst dachte.

Meine Meinung:

Fuchsgeister sind bekanntermaßen Meister der Täuschung - und so wäre es auch nur allzu leicht, sich von der niedlichen und farbenfrohen Optik des Covers von Yang Zhis "Die Verwandlungen der Füchsin" täuschen zu lassen und zu denken, dass einen hier eine leichtherzige Lektüre erwartet. 

Dabei sieht die Realität ganz anders aus, greift die Geschichte um die junge Rotfüchsin und ihre große Schwester mit dem weißen Fell doch zahlreiche existenzielle und philosophische Fragen auf und regt zum Nachdenken an.

Der Manhua, der sich als eine Art moderne Version der klassichen chinesischen Geschichtensammlung "Liao Zhai Zhiyi" versteht, stellt die junge Rotfüchsin vor einige Herausforderungen, die wir auch als Menschen nur zu gut aus dem Prozess des Erwachsenwerdens kennen: die Suche nach dem eigenen Weg durch das Abwenden von den Lehren der Familie, die jugendliche Selbstüberschätzung, das schmerzhafte Lernen aus Fehlschlägen.

Doch auch Fragen nach dem "richtigen" Leben spielen hier eine Rolle: gibt es so etwas überhaupt, und streben wir eigentlich nach Glück oder nicht doch nach der Anerkennung der Gesellschaft um uns herum? Und auch die Fähigkeit der Fuchsgeister, den Menschen ihre Wünsche vor Augen zu führen, erweist sich bisweilen als zweischneidiges Schwert. So gibt es da die Familie, die sich nur allzu willens der Illusion hingibt, ihr Sohn sei gar nicht tot, als die Rotfüchsin sich ihnen in seiner Form zeigt, und auch den jungen Studenten, der sich selbst nicht eingestehen kann, dass sein Herz sich nach einem stattlichen Mann und nicht nach einer zarten Frau sehnt, wie die Gesellschaft es von ihm erwartet.

Die Füchse selbst stehen diesen Problemen der Menschen lange neutral gegenüber und nehmen erst einmal keine moralischen Wertungen vor. Für sie zählt nur die Verbindung mit den Menschen, aus der sie ihre Kraft ziehen. Die menschliche Gesellschaft selbst lernen sie erst mit der Zeit zu verstehen, und dieser Prozess ist mitunter sehr schmerzhaft.

So ahnt man als Leser im Gegensatz zur jungen Füchsin irgendwann auch, dass man sich womöglich geradewegs auf dem Weg zur Klimax einer großen Tragödie befindet - und ist am Ende sehr dankbar, dass der Manhua dennoch ein hoffnungsvolles Ende für einen bereithält. 

Erzählt wird die Geschichte der beiden Füchsinnen in durchgehend farbigen, ausdrucksstarken Bildern, bei denen der Humor nicht auf der Strecke bleibt. Auf über 200 Seiten erhält die Story dabei genug Raum, sich zu entfalten und die beiden unterschiedlichen, aber sympathischen Füchsinnen wachsen einem schnell ans Herz. Vom Text her erzählt der Band, was erzählt werden muss, ohne dabei überladen zu wirken und lässt oft auch einfach die Zeichnungen für sich sprechen. 

Das Buch selbst ist wie vom Chinabooks-Verlag wieder eine Freude für Liebhaber gedruckter Comics. Ein fester Einband, dickes Papier und ein schöner, klarer Druck sorgen für ein gutes Gefühl beim Lesen. Die Übersetzung von Eva Lüdi Kong lässt ebenfalls keine Wünsche offen. Begriffe und Begebenheiten, die westlichen Lesern unbekannt sein könnten, werden in kurzen Fußnoten erklärt und helfen beim Verständnis.

Das alles zusammen macht Yang Zhis "Die Verwandlungen der Füchsin" für mich zu einem wirklich gelungenen Manhua mit außergewöhnlicher Thematik, an dem ich beim Lesen große Freude hatte. Wer sich für fernöstliche Legenden begeistern kann und offen ist für eine moderne, philosophische Betrachtung solcher Stoffe, sollte unbedingt einmal einen Blick riskieren.

Die Verwandlungen der Füchsin | Yang Zhi | Chinabooks Verlag | Originalpreis: 19,00€ | Genre: Drama, Fantasy | Link zum Buch

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