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Sonntag, 13. September 2026

[Werbung] Buchvorstellung: The Golden Forest 1 von Yoon S-Rie, Gyeonji & Ryuhwa


 [Werbung: Leseexemplar wurde im Rahmen einer Lovelybooks-Leserunde kostenlos bereit gestellt!] 

Worum es geht: 

Reniae hatte es nie leicht im Leben. Als Sklavin des Goldenen Waldes empfängt sie im Alter von sechs Jahren den Segen der Göttin Inanna, der ihr selbst fortan zum Fluch wird. Ihre Schönheit macht sie für Männer unwiderstehlich, während gleichzeitig jeder, der sich ihr bedrohlich nähert, sein plötzliches Ende findet. Um ihrem Schicksal zu entkommen, flieht Reniae als Mann verkleidet in den eisigen Norden, wo sie sich einer Bande ruchloser Grabräuber anschließt. Als sie dort den schwer verletzten Nordländer Kun aufliest und unter ihren Schutz stellt, droht ihre Fassade zu zerbröckeln und ihrer beider Leben gerät in Gefahr.

Meine Meinung:

Götter, Mythen und der harte Kampf ums Überleben - das ist die Welt, in der Reniae lebt und in die uns der Auftakt von "The Golden Forest" entführt. Auf über 250 vollständig farbigen Seiten lassen die Zeichnungen von Ryuhwa die Story von Yoon So-Rie und Gyeonji auf eindrucksvolle Art und Weise lebendig werden und bauen mit viel Liebe zum Detail eine aufwändige Fantasy-Welt auf, die ihre Leser in den Bann zieht und Lust auf mehr macht.

Der Band legt dabei ausgesprochen großen Wert auf das Worldbuilding und scheut sich auch nicht, dabei für einen Webtoon viel Text zu verarbeiten. Das muss er jedoch auch bei all den Aspekten, die er den Lesern näher bringen will. 

Im Zentrum der Geschichte steht die junge Reniae, deren Leben trotz eines göttlichen Segens nicht gerade vom Glück gezeichnet ist. Als wir sie kennenlernen ist sie eine entlaufene Sklavin, die sich im eisigen Winter in den Bergen des Nordlandes versteckt, getarnt als Mann und in der Gesellschaft einer Bande ehrloser Banditen. Dass sie selbst anders ist als dieser ruchlose Haufen zeigt sich, als sie im Schneesturm den verletzten Kun aufliest. Obwohl er zu den verfeindeten Nordländern gehört, nimmt sie sich seiner an und pflegt ihn gesund, was sie immer wieder in große Schwierigkeiten bringt. 

Ihre Motive für diesen scheinbar selbstlosen Akt der Nächstenliebe scheinen dem Geretteten zunächst unklar, zumal Reniae sich diese nicht einmal selbst eingestehen will, doch auch Kuns Gedanken und Handlungen sind ihr unbegreiflich. Zu unterschiedlich sind sie beide, was auch mit den Umständen ihres Lebens zusammenhängt. 

Der Manhwa geht an dieser Stelle einen recht unkonventionellen Weg, diese stark abweichenden Wertevorstellungen und Denkweisen zu erläutern, indem er tief in die Mythologie der Welt abtaucht, in der Reniae und Kun leben. So beschäftigt sich ein bedeutsamer Teil des ersten Bandes gar nicht mit den Protagonisten, sondern kreiert einen eigenen Schöpfungsmythos, der sich lose an der sumerischen Mythologie orientiert. Dies allein beantwortet zwar noch nicht viele Fragen, doch bei der Bedeutung, die der Glaube - mehr oder weniger freiwillig - in den Lebenswegen von Kun und Reniae spielt, kann man schon erahnen, dass an dieser Stelle irgendwann Fäden zusammenlaufen und Rätsel entschlüsselt werden.

Auffällig war beim Lesen der große Kontrast zwischen den Szenen, die Reniaes Alltag schildern und denen, die sich mit dem Göttlichen beschäftigen. Während das Leben der Protagonistin in schlichten, dunklen Farben gezeichnet wird, blüht die Darstellung bei der Mythologie regelrecht auf. Mir haben diese Szenen besonders gut gefallen, zeigen sie doch anschaulich, wie viele Liebe in die Ausarbeitung dieses Aspekts der Erzählung gesteckt wurde.

Insgesamt überzeugt die gesamte Aufmachung des Buches. Nicht nur liegt der Band dank des dicken Papiers sehr gut in der Hand, mit den goldenen Verzierungen auf dem Cover ist er auch rein optisch ein echter Hingucker.

Auch die Übersetzung von Alexandra Dickmann konnte mich überzeugen, was bei der großen Menge an Text auch wirklich wichtig ist. Alles liest sich flüssig und verständlich und trägt so zu einem guten Erzählfluss bei.

Für mich war der erste Band von "The Golden Forest" somit ein vielversprechender Auftakt. Wer auf der Suche nach einer Fantasy-Geschichte ist, die großen Wert auf den Aufbau der eigenen Welt legt und in deren Zentrum eine starke Protagonistin steht, darf hier gerne einmal einen Blick riskieren. Ich jedenfalls bin gespannt, auf welche Wege des Schicksal Reniae und Kun noch verschlagen wird und wie sich der Segen der Göttin noch auf ihre Leben auswirken wird. Denn ganz im Stile alter Mythen ahnt man hier schon, dass der Wille der Götter durchaus grausam sein kann und sich nicht immer ganz so eindeutig interpretieren lässt, wie es vielleicht auf den ersten Blick den Anschein hat.

The Golden Forest 1 | Yoon So-Rie (Story Webnovel), Gyeonji (Story Webtoon) & Ryuhwa (Zeichnungen) | Manhwa Cult | Originalpreis: 18,00€ | Genre: Fantasy | Empfohlen ab 16 Jahren | Link zum Buch

Montag, 7. September 2026

[Werbung] Buchvorstellung: Der Einsiedlersommer von Anne Sverdrup-Thygeson

 

 

[Werbung: Leseexemplar wurde im Rahmen einer Lovelybooks-Leserunde kostenlos bereit gestellt!]

Worum es geht:

Nach einem schweren Schicksalsschlag nimmt die Biologin Eva einen Sommerjob weit draußen in der norwegischen Natur an. In einem kleinen Städtchen in Vestfold ist ein in Norwegen als ausgestorben geltender Käfer, der Eremit, aufgetaucht, und Eva soll diesen nun suchen und dabei gleich die Wälder kartieren. Was eigentlich eine persönliche Auszeit werden sollte, entwickelt jedoch bald eine ganz eigene Dynamik, als die Forscherin die Einheimischen mit ihren ganz eigenen Ansichten und Problemen kennenlernt. Unter ihnen ist auch Evas neue Nachbarin Olga. In der etwas exzentrischen alten Dame findet Eva nicht nur eine gute Freundin, sie wird ganz ungewollt auch in die Angelegenheiten des Ortes mit hineingezogen, der eng mit Olgas Familiengeschichte verbunden ist. Als dann auch noch wirtschaftliche Interessen die einzigartige Natur bedrohen, muss sie sich entscheiden, ob sie sich weiter nur als außenstehende Besucherin betrachten oder sich für ihre neue Freundin und die einzigartige Landschaft, die sie so schnell lieben gelernt hat, einsetzen möchte.

Meine Meinung:

Der Roman „Der Einsiedlersommer“ der norwegischen Schriftstellerin und Professorin für Naturschutzbiologie Anne Sverdrup-Thygeson entführt seine Leser tief in die skandinavische Natur. Riesige, unberührte Wälder und unwegsame Landschaften abseits der Zivilisation sind nämlich der vorübergehende Arbeitsplatz der Protagonistin Eva, die sich dort auf die Suche nach einem seltenen Käfer begeben soll. Osmoderma eremita, der Eremitenkäfer, galt in Norwegen eigentlich als ausgestorben, bis eine zufällige Sichtung mitten in einer kleinen Stadt in Vestfold plötzlich für Aufregung unter Naturschützern sorgt. Als die Kommune dann jemanden sucht, der dieser Sichtung auf den Grund geht, lässt sich Eva nicht zweimal bitten. Ihre Motive sind jedoch nicht allein beruflicher Natur. Nach einem persönlichen Schicksalsschlag braucht sie Abstand von ihrem alten Leben – und wo ließe sich der besser finden als auf einsamen Wanderungen in der norwegischen Natur?

Es dauert jedoch nicht lange, bis die enthusiastische Forscherin feststellen muss, dass im vermeintlichen Paradies nicht nur die erhoffte Ruhe auf sie wartet. Durch die Begegnung mit ihrer neuen Nachbarin Olga, einer exzentrischen, alten Dame, die ihr komplettes Leben in der Gegend verbracht hat, wird Eva in deren Familiengeschichte verwickelt, die geprägt ist von unausgesprochenen Geheimnissen, während mit Hallvard ein Mann in ihr Leben tritt, zu dem sie sich auf unerklärliche Weise hingezogen fühlt. Und auch ihr Job erweist sich bald als schwieriger, als es zunächst den Anschein machte, denn nicht nur die Naturschützer haben ein Interesse an den Schätzen der lokalen Natur. Die Gegend beherbergt nämlich nicht nur seltene Tiere und Pflanzen, sondern auch ein großes Vorkommen an dem begehrten Gestein Larvikit. Während Eva also immer tiefer in die Angelegenheiten ihrer vorübergehenden Heimat gezogen wird, muss sie einige wichtige Entscheidungen treffen und dazu noch einen Weg finden, mit den noch frischen, eigenen Wunden ihrer Seele umzugehen.

Mich hat „Der Einsiedlersommer“ vom ersten Moment an durch seinen spannenden Aufbau und den guten Lesefluss überzeugt. Verschiedene Themen werden in dem Roman geschickt verflochten und ergeben erst langsam, Stück für Stück, ein komplettes Bild. Im Zentrum der Geschichte stehen dabei – anders, als der Titel vermuten lassen könnte – zwei Frauen, Eva und Olga. Auf den ersten Blick könnten die beiden kaum unterschiedlicher sein: die eine jung und wissbegierig, die andere alt und abgeklärt. Und trotzdem ist da etwas, was die beiden zueinander hinzieht und was ihnen ermöglichst, sich einander zu öffnen und eine Freundschaft aufzubauen. Nicht immer geht es dabei ganz harmonisch zu, denn beide sind auf ihre ganz eigene Art stur, doch genau deswegen gelingt es ihnen wohl auch, gemeinsam zu wachsen und Dinge anzugehen, die zuvor unmöglich schienen. So scheut sich Eva nicht, unbequeme Fragen zu stellen und bringt dabei Dinge ans Licht, die sonst vielleicht mit Olga gestorben wären und zwingt sie mit ihrer direkten Art immer wieder aus ihrer Komfortzone. Auf der anderen Seite hilft Olga aber auch Eva, ihren Weg wiederzufinden und weist sie auch hin und wieder in ihre Schranken, was diese manchmal auch wirklich bitter nötig hat.

Auch die Natur ist ein wiederkehrendes Thema im Roman, und obwohl ich mir gewünscht hätte, dass diesem Aspekt noch etwas mehr Raum eingeräumt worden wäre, fand ich den generellen Umgang mit dem Thema doch gelungen. Der Eremit, ein eher unscheinbarer Käfer, wird hier zum Streitthema, das eine ganze Gemeinde spaltet und fundamentale Fragen nach dem Stellenwert von Naturschutz stellt. Kann ein Käfer genug Sympathie wecken, um Menschen für den Wert der Natur um sie herum zu sensibilisieren? Wie findet man einen Kompromiss zwischen Naturschutz und wirtschaftlichen Interessen? Da wir der Geschichte aus Evas Perspektive folgen, ist es für die Leser quasi unmöglich, den Wert der Natur nicht zu erkennen. Es ist unverkennbar, wie sehr diese die Wälder liebt, und die lebhaften Naturbeschreibungen machen auch sehr gut greifbar, woher diese Liebe stammt. Andererseits macht der Roman es sich aber auch nicht so einfach und präsentiert uns in Form von Hallvard auch die andere Seite: die Probleme einer wirtschaftlich schwachen Region und die Schönheit des unter den Wäldern schlummernden Gesteins. Ganz wie im wahren Leben ist eben selten etwas einfach nur schwarz oder weiß.

Zu guter Letzt taucht Anne Sverdrup-Thygeson in „Der Einsiedlersommer“ aber auch noch tief in die norwegische Geschichte ein, wo noch ganz andere Wunden als die vom Tagebau in der Landschaft schlummern. Im Fall von Olga zeigt sich dabei deutlich, wie tief solche Wunden gehen können und wie sie ein ganzes Leben, vielleicht sogar das Schicksal einer ganzen Familie, prägen können.

Für mich war der Roman eine Lektüre, die ich von der ersten Seite an sehr gerne gelesen habe. Nicht immer war ich mit den Taten der Protagonistin Eva einverstanden – ganz im Gegenteil hat mich ihr eigensinniger und manchmal wirklich egoistischer Charakter regelmäßig fast in den Wahnsinn getrieben - stets habe ich jedoch mit ihr mitgefiebert, als sie sich in den Wäldern und Bergen auf die Suche nach dem Eremiten gemacht hat und sich voller Leidenschaft für die Natur um sie herum eingesetzt hat. Das Herzstück für mich war jedoch am Ende die spannende Lebensgeschichte Olgas, dem die Leser hier gemeinsam mit Eva und der alten Dame selbst auf den Grund gehen durften und die so stark geprägt war von der Zeit und dem Ort ihres Lebens.

Wer sich für Frauenschicksale, Familiengeheimnisse und lebhafte Naturschilderungen begeistern kann, findet in diesem Roman eine lohnenswerte Ergänzung für die eigene Leseliste.

Der Einsiedlersommer |  Anne Sverdrup-Thygeson | dtv | Originalpreis: 23,00€ | Link zum Buch

Buchvorstellung: Love Bullet Band 1 von inee


Worum es geht: 

Die fünfzehnjährige Koharu stirbt bei einem Unfall, ohne zuvor jemals verliebt gewesen zu sein. Dieser Umstand qualifiziert sie, eine Cupid zu werden: mit schwerer Bewaffnung macht sie sich gemeinsam mit ihren Kolleginnen daran, Menschen mit ihrer speziellen Liebes-Munition zu treffen und sie so möglichst erfolgreich zu verkuppeln. Doch aller Anfang ist schwer, und das gilt ganz besonders, wenn die erste Person ausgerechnet die ehemals beste Freundin ist, die Koharu nur Minuten vor ihrem Tod ein Liebesgeständnis gemacht hat...

Meine Meinung: 

"Love Bullet" startet rasant. Eh wir viel über Koharu und ihren Job als Cupid wissen, werden wir schon in die internen Kämpfe zwischen ihr und ihren geflügelten Kolleginnen geworfen. Abseits der Blicke der Lebenden geht es da ganz schön zur Sache, als die Frage, welches Paar das beste Match ergibt, mit Pistolen und Granaten ausdiskutiert wird - immer jedoch mit einem zwinkernden Auge, denn die Munition der Cupids trifft ihre Ziele zwar mitten ins Herz, jedoch nur im emotionalen Sinn. Werden zwei Menschen getroffen, wenn sie einander anschauen, fliegen zwischen ihnen im Idealfall die Funken! 

Für unsere Hauptfigur ist das alles jedoch noch ziemlich fremd. Während sie zu Lebzeiten erfolgreich und leidenschaftlich ihre Klassenkameraden verkuppelt hat, kommen ihr nun Zweifel: sie selbst war nie verliebt und hat noch nicht einmal die Gefühle bemerkt, die ihre beste Freundin für sie hegte - mit welchem Recht soll sie sich da nun in die Liebesdinge fremder Leute einmischen? Doch bietet ihr der Job auch eine lohnende Perspektive: sammelt sie durch ihre Kuppelversuche genug gutes Karma, darf sie ins Leben zurückkehren und so vielleicht doch noch all das erleben, was ihr durch ihren vorzeitigen Tod genommen wurde...

Obwohl "Love Bullet" auch als Yuri-Titel auf sich aufmerksam macht, steht zumindest im ersten Band ganz klar die Action im Vordergrund. Die Cupids und ihre Arbeitsmethoden sind sehr unterschiedlich, doch die Jagd nach erfolgreichen Matches macht sie zu Rivalinnen. Die Kämpfe zwischen ihnen sind dabei sehr lebhaft und haben einen humorvollen Charakter.

Trotzdem hat der Band auch seine ruhigen Momente, besonders, wenn es um Koharu geht. Sie hadert noch sehr mit ihrem Schicksal, und insbesondere ihr erster Job fällt ihr nicht leicht, denn für ihre einst beste Freundin Aki ist das Leben nach ihrem Tod ganze fünf Jahre weiter gegangen, wobei sie ihre Gefühle für die verstorbene Freundin nie ganz ablegen konnte. 

Alles in allem fand ich den ersten Band von "Love Cupid" einen interessanten Auftakt. Die Story verbindet gekonnt Spannung, Humor und auch ein paar ernstere Töne und schafft so ein Setting, welches Leser aus den verschiedensten Genres ansprechen dürfte. Ich bin darum nun sehr gespannt, ob die Reihe diese gute Balance auch in Zukunft wird halten können oder ob sich ein klarer Schwerpunkt zeigen wird. Fürs erste freue ich mich auf jeden Fall darauf, Koharus Weg weiter zu verfolgen.

Love Bullet Band 1 | inee | Altraverse | Originalpreis: 10,00€ | Genre: Action | Empfohlen ab 15 Jahren | Link zum Buch

Dienstag, 25. August 2026

Buchvorstellung: Schneeengel Band 1 von Haruka Chizu

Worum es geht:

Muku hat es nicht leicht im Leben: seit dem Tod ihres Vaters kümmert sie sich rund um die Uhr um die Pflege ihres Großvaters. Für eigene Wünsche und Träume bleibt da keine Zeit. Bewegung kommt erst in ihr Leben, als ihr lange verloren geglaubter Kindheitsfreund Yuto wieder auftaucht und ihr zeigt, dass es einen anderen Weg geben kann.

Meine Meinung:

Man ahnt es kaum bei dem fluffigen Design des Covers, doch hinter dem ersten Band von "Schneeengel" von Haruka Chizu steckt thematisch ganz schön harte Kost! 

Im Zentrum der Geschichte steht Muku. Als Kind war sie ein richtiger Wildfang, doch mit dem Tod ihres Vaters ändert sich ihr Leben abrupt, zwingt ihre Familie sie doch in die Rolle der Pflegerin für ihren bettlägerigen Großvater. Über Jahre stellt sie so ihre eigenen Bedürfnisse zurück, und als wir sie treffen, ist sie gerade mal einundzwanzig Jahre alt, aber schon einfach nur noch desillusioniert und ausgebrannt.

Dass nichts an dieser Situation normal ist, versteht sie erst langsam, als ihr ehemaliger Kindheitsfreund Yuto wieder in ihr Leben tritt. Er gibt ihren negativen Gefühlen, die sie nie so recht einordnen konnte, einen Namen und erklärt ihr, dass sie ein so genannter "Young Carer" ist - also eine junge Person, die sich im Haushalt um die Pflege eines Angehörigen kümmert. Als die Situation mit ihrer Familie sich zuspitzt, nehmen er und sein Bruder Muku sogar mit zu sich nach Hause, wo sie ein wenig Abstand gewinnen und ihre Lage besser verstehen kann.

Und Mukus Lage verdient wirklich eine nähere Betrachtung und wirft schlimme Fragen über ihre Rolle in der eigenen Familie auf. Neben einer extrem passiven Mutter und einer in allen Belangen unentschlossenen Schwester besteht ihre Familie seit dem Tod des Vaters vor allem aus der manipulativen Großmutter, und ganz ehrlich: wer solche Verwandten hat, braucht wirklich keine Feinde mehr! Die Großmutter setzt voll auf Schuldgefühle und führt besonders Muku immer wieder ihre Minderwertigkeit vor Augen. Besonders perfide finde ich dabei Vorwürfe, dass die junge Frau dumm sei, während ihre erzwungene Pfleger-Tätigkeit es ihr einfach unmöglich gemacht hatte, sich der Schule im ausreichenden Maße zu widmen, sodass ihre Bildung auf der Strecke blieb.

Doch wie das nun einmal so ist, fällt Muku die Vorstellung, mit ihrer Familie zu brechen, nicht leicht. Die Gefühle von Schuld und Pflicht sitzen tief, und Yuto, der gerade erst wieder in ihr Leben getreten ist, ist ihr im Grunde genauso fremd geworden wie sie ihm. Trotzdem ist es eindeutig, dass sein Auftauchen etwas in Muku bewegt, und ich bin schon sehr gespannt, ob es den beiden mit vereinten Kräften gelingen wird, den Weg in eine bessere Zukunft zu finden - denn auch Yuto wirkt nicht wirklich zufrieden mit seinem derzeitigen Leben, auch wenn die Details da noch im Verborgenen liegen.

Ich habe den ersten Band von "Schneeengel" als starken Auftakt empfunden. Von einer Liebesgeschichte ist der Manga aktuell noch weit entfernt, dafür überzeugt er mit einer ernsten Thematik, die mir so im Mangabereich auch noch nicht begegnet ist und die mich sehr neugierig gemacht hat. Ich bleibe gerne dran und freue mich darauf zu erfahren, wie der Manga das Thema bearbeitet und ob Muku und Yuto einander eine Stütze in ihrem Leben sein können - oder gar mehr.

Schneeengel Band 1 | Haruka Chizu | Loewe Manga | Originalpreis: 8,00€ | Genre: Romance | Empfohlen ab 12 Jahren | Link zum Buch

Buchvorstellung: Semantic Error Band 4 von Angy (Illustration) & J. Soori (Original)

Worum es geht:

Die Beziehung zwischen Jaeyoung und Sangwoo entwickelt sich erstaunlich gut, und das nicht nur (aber doch ziemlich eindeutig auch) körperlich. Gerade Sangwoo entdeckt unbekannte Seiten an sich selbst, als er beginnt, mehr über Jaeyoung erfahren zu wollen und ihn zu vermissen, sobald er nicht in seiner Nähe ist. Jaeyoung hat dafür mit ganz persönlichen Problemen zu kämpfen, als seine Familie ihn zu sich rufen lässt. Für ihn gleichen diese nämlich eher einem Rudel hungriger Hyänen als einer emotional verbundenen Gruppe von Menschen, auf die er sich verlassen kann…

Meine Meinung:

Obwohl es noch immer Missverständnisse gibt, läuft es im vierten Band von „Semantic Error“ weitestgehend harmonisch zwischen Jaeyoung und Sangwoo. Ein spannender Fokus liegt dabei auf Sangwoos Gefühlen, die dieser nur schwer zuordnen kann. Wenn Liebe zwischen zwei Männern irrational ist, wie soll er sich dann das merkwürdige Bedürfnis erklären, mehr über Jaeyoung zu erfahren? Und ist das, was er in Jaeyoungs Abwesenheit empfindet, tatsächlich Sehnsucht?

Jaeyoung kämpft währenddessen an einer ganz anderen Front, als er sich seiner unliebsamen Familie stellen muss. Und auch er stellt überraschend fest, dass Sangwoo an seiner Seite ihm da plötzlich ein willkommener Anker wäre.

Die Geschichte der beiden ungleichen jungen Männer ist und bleibt ein Highlight. Beide – ganz besonders jedoch Sangwoo – zeigen deutliche Charakterentwicklung, was sehr spannend zu verfolgen ist.

Auch zeichnerisch ist der Band wieder eine Freude. Es geht gut zur Sache zwischen den beiden, weswegen dieser Band im Gegensatz zu den ersten Bänden auch wieder eine Empfehlung ab 18 Jahren aufweist. Die Zeichnungen sind unzensiert und gut umgesetzt und das Verhältnis von Story und intimen Szenen fühlt sich stets gut ausgewogen an.

Ein Band wartet nun noch, dann geht die unkonventionelle Liebesgeschichte der beiden auch schon zu Ende. Ich zumindest freue mich schon riesig auf das Finale!

Semantic Error Band 4 | Angy (Illustration) & J. Soori (Original) | C.Lines | Originalpreis: 16,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 18 Jahren | Link zum Buch

Montag, 24. August 2026

Buchvorstellung: Sora & Hara von Asumiko Nakamura

 

Worum es geht:

Manabu Hara ist 37 Jahre alt und Musiklehrer an einer Jungenschule. Die Nächte verbringt er gerne in den Clubs seiner Stadt. In solch einem Club, genauer gesagt in einer Schwulenbar, ist es auch, dass er den erheblich jüngeren Sorano trifft, der genau sein Typ ist. Das Glück währt jedoch nicht lang, als Hara herausfindet, dass Sorano ausgerechnet Schüler an seiner Schule ist.

Meine Meinung:

Asumiko Nakamura-Wiederholungstäter wie ich werden die Hara, die Hauptfigur dieses Mangas, bereits aus „Dou Kyu Sei“ wiedererkennen, wo er ein Auge auf Musterschüler Sajo geworfen hatte. Dieses Mal steht er also im Zentrum des Geschehens, bleibt seiner Zuneigung für erheblich Jüngere jedoch treu.

Damit wären wir auch schon an dem Punkt, wo sich von selbst erklären sollte, dass „Sora & Hara“ kein Manga für Jedermann ist, denn es geht um eine Beziehung zwischen Lehrer und Schüler mit erheblichem Age Gap. Vielleicht bin ich bei dem Thema generell eher entspannt, auf jeden Fall mochte ich die Thematik und den Umgang damit in diesem Fall sehr gerne.

An seiner Anziehung zu Sorano kann Hara nichts ändern, doch sein Verständnis ändert sich stark, als er erfährt, dass dieser sein Schüler ist. Eine Beziehung ist für ihn damit tabu, gleichzeitig kommen aber auch die Erinnerungen an seinen schwierige Gefühle für Sajo hoch, die er offensichtlich noch nicht so richtig verarbeitet hat.

Natürlich hat er dabei aber die Rechnung aber auch ganz klar ohne Sorano gemacht. Dieser ist seinem Lehrer nämlich weiterhin sehr zugetan, auch als er erfährt, wer er ist. Und in seinem jugendlichen Übermut ist er ziemlich hartnäckig, bringt sich jedoch auch gerne mal unbewusst in gefährliche Situationen in der Welt der Erwachsenen, die ihm noch so fremd ist.

In meinen Augen stellt der Manga die nicht ganz unproblematische Beziehung der beiden sehr respektvoll und authentisch dar. Hara verleugnet seine Gefühle nicht, handelt jedoch stets verantwortungsvoll. Sorano erhält die Chance, emotional erwachsen zu werden und seine Gefühle besser einzuordnen. Ob die sich anbahnende Beziehung moralisch korrekt ist, steht nicht im Fokus. Weder wird damit als eine Form Fetisch gespielt, noch wird sie gewertet. Die Gefühle sind einfach da, und beide Protagonisten müssen lernen, damit umzugehen.

Mir hat die Story um Hara und Sora sehr gut gefallen, weil es ihr gelingt, schwierige Gefühle ruhig und nachvollziehbar darzustellen. Für Leser von „Dou Kyu Sei“ erweitert sie außerdem den Horizont der Serie, zumal Sajo hier auch noch einen für Hara bedeutsamen Auftritt bekommt. Der Manga ist somit sicher nicht für alle Leser geeignet, doch wenn man mit den behandelten Themen zurechtkommt, ist er eine echte Empfehlung.

Sora & Hara | Asumiko Nakamura | Manga Cult | Originalpreis: 14,00€ |  Genre: Boys Love | Empfohlen ab 15,00€ | Link zum Buch

Sonntag, 23. August 2026

Buchvorstellung: Honey Lemon Soda Band 1-10 von Mayu Murata

Worum es geht:

Uka Ishimori ist ein schüchternes und unscheinbares Mädchen, welches an der Mittelschule gemobbt wurde. An ihrer neuen Oberschule begegnet sie Kai Miura, der das komplette Gegenteil von ihr zu sein scheint. Mit seinen zitronengelben Haaren fällt er sofort ins Auge, außerdem ist er cool und nimmt kein Blatt vor den Mund. Trotz der Gegensätze kommen die beiden sich näher, und Uka beschließt, ihn sich zum Vorbild zu nehmen und aus ganzer Kraft ein bisschen mehr wie er zu werden und endlich Freunde zu finden. Es dauert jedoch nicht lange, bis aus freundschaftlichen Gefühlen mehr wird. Doch ist Uka auch stark genug, mit einem Jungen wie Kai eine Beziehung zu führen?

Meine Meinung:

Ich muss gestehen, dass ich ein wenig gebraucht habe, um mit „Honey Lemon Soda“ warm zu werden. Zwischenzeitlich habe ich sogar mal mit dem Gedanken gespielt, die Reihe nicht weiterzuverfolgen, doch mittlerweile bin ich doch überzeugt davon, dass es sich für mich lohnt, dran zu bleiben. Deswegen gibt es nun mein Zwischenfazit nach den ersten zehn Bänden.

Dass die Geschichte das Rad nicht neu erfindet, war wohl vom ersten Moment an klar. Schüchternes Mädchen trifft coolen Jungen, bewundert ihn und verliebt sich dann. Das Prinzip kennen wie aus anderen Reihen wie beispielsweise „Kimi Ni Todoke“. Warum dann trotzdem dranbleiben bei „Honey Lemon Soda“. Was mich angeht, weil die Story mittlerweile einen ganz eigenen, modernen Ton gefunden hat, der mich dann doch irgendwie anspricht.

Die Schule, in der sich Uka und Kai treffen, ist keine besonders gute Schule, die meisten Schüler haben folglich auch keine hohen Ambitionen. Es ist auch nicht die Schule, die Ukas Eltern sich für sie gewünscht haben – doch vermutlich ist es genau das Umfeld, was das ihr Leben lang rundum behütete Mädchen brauchte, um sich endlich selbst zu entfalten. Das Aufeinandertreffen von Ukas Welt und der Welt ihrer Altersgenossen fand ich darum bisher auch sehr interessant zu lesen. Von „Flow“ ist da plötzlich die Rede, und nichts könnte Uka wohl ferner liegen, als ein solches Konzept zu verstehen – und gerade deswegen gibt sie in ihrer ernsten Art alles, um das zu ändern und gewinnt so Stück für Stück ihre Mitschüler für sich, weil sie eben ist, wie sie ist.

Kai mochte ich am Anfang tatsächlich nicht besonders gut leiden. Er ist vorlaut, mürrisch und wirkt auf mich oft eher missgelaunt und von seinem Umfeld gelangweilt als cool. Trotzdem ist vielleicht auch eher genau der Mensch, auf den Uka gewartet hat, weil er sich nicht scheut, Dinge auszusprechen und sie nicht zu sehr verhätschelt, aber trotzdem auf Uka achtet. In den späteren Bänden zeichnet sich außerdem ab, dass auch Uka ihn verändert, und diese neue Seite, die er durch sie an sich entdeckt, gefällt mir gleich deutlich besser.

Stark finde ich auch den Umgang mit dem recht präsenten Thema Mobbing. Da sind zum einen die Rückblicke auf Ukas Mittelschulzeit, wo das Mobbing gegen sie ziemlich offen passiert ist und die Auswirkungen, die das bis heute auf sie hat. Da sind aber auch immer mal wieder kleine Momente in der jetzigen Zeit, unbedachte Kommentare von Mitschülern, Witze, die für Uka sicher nicht witzig sind und die zeigen, wie gemein Jugendliche in dem Alter sein können – teils sogar ungewollt und einfach nur unbedacht.

Obwohl auch solche schwereren Themen eine Rolle spielen, ist der Erzählton in „Honey Lemon Soda“ insgesamt doch eher locker. Es geht um das Schulleben, Freundschaften, die erste Liebe und Uka erlebt viele Dinge zum ersten Mal voller Begeisterung und Leichtigkeit. Ob Schulausflug, Sportfest oder Freizeitpark-Date, es macht Spaß, Uka durch diese Situationen zu folgen, und ich freue mich schon darauf zu erleben, wie sie und Kai sich noch entwickeln werden. Auch die ersten Nebenpärchen kündigen sich mittlerweile an.

Zeit zur Entwicklung gibt die Story ihnen allen jedenfalls genug: „Honey Lemon Soda“ endete in Japan vor Kurzem mit ganzen 31 Bänden. Wer bei Schüler-Romanzen also schnell die Geduld verliert, sollte sich den Einstieg vielleicht lieber zweimal überlegen. Wer sich aber mit Slow Burn im Schul-Setting anfreunden kann, möge gerne mal einen Blick riskieren.

Honey Lemon Soda (Band 1-10) | Mayu Murata | Tokyopop | Originalpreis: 7,50€ pro Band | Romance | Empfohlen ab 13 | Link zur Reihe

Samstag, 22. August 2026

Buchvorstellung: Little Mushroom Band 2 von Yi Shi Si Zhou (Story) und Yuchi Jinze, MaoMao Tou (Art)

Worum es geht:

An Zhe lernt Stück für Stück, sich an das Leben als Mensch in der Stadt zu gewöhnen, doch ihm begegnen damit immer wieder unerwartete Situationen und Gefahren. So trifft er auf alte Bekannte, an die er sich natürlich nicht aktiv erinnern kann und stellt fest, dass es zum Überleben eine wichtige Ressource namens „Geld“ braucht, für die er arbeiten muss. Natürlich bringt ein Grünschnabel wie er sich auch bei der Suche nach einer geeigneten Stelle beinahe in Teufels Küche, erhält jedoch unerwartet Hilfe. Doch wem kann er eigentlich vertrauen in einer düsteren Welt wie dieser?

Meine Meinung:

Little Mushroom“ überzeugt mich auch im zweiten Band wieder mit seiner gleichermaßen düsteren und spannenden Erzählweise. Die gedeckten Farben unterstreichen perfekt die dystopische Welt, in der An Zhe sich bewegt. Ständig hat man das Gefühl, dass Gefahren lauern – und der Manhua zeigt auch wieder an einigen Stellen, dass diese ganz real sind.

Lu Feng hingegen bleibt auch in diesem Band wieder rätselhaft. Ein dunkles Phantom, welches bedrohlich über der Stadt lauert, bereit, gnadenlos zuzuschlagen. Obwohl von ihm eine akute Gefahr für An Zhe ausgeht, kreuzen sich ihre Wege immer wieder, ohne dass etwas passiert. Ganz im Gegenteil, zeigt der Inquisitor sich ihm gegenüber erstaunlich hilfsbereit, sodass man sich unweigerlich fragt, ob das gut gehen kann.

Obwohl sich die Story nur sehr langsam voran wagt, liegt dem Manhua bisher eine ganz eigene Spannung inne, die einen beim Lesen fesselt. Hinzu kommen die wunderschönen Zeichnungen, denen es gelingt, An Zhe trotz des grauen Umfelds stets sanft und ein wenig hell, fast schon leuchtend erscheinen zu lassen. Ich werde die Serie darum gerne weiter verfolgen.

Little Mushroom Band 2 |  Yi Shi Si Zhou (Story) und Yuchi Jinze, MaoMao Tou (Art) | Manlin Verlag | Originalpreis: 18,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 14 Jahren | Link zum Buch

Mittwoch, 19. August 2026

Buchvorstellung: Nagahama to Be, or Not to Be 2nd Season von Scarlet Beriko

Worum es geht:

Das Leben fühlt sich perfekt an für Nagisa, nachdem sein Geliebter Issa endlich wieder von der See zurückgekehrt ist. Es gibt da nur ein Problem: so sehr er auch versucht, den Gedanken zu verdrängen - bald schon wird die Arbeit Issa wieder von ihm fort führen. Also gilt es, die gemeinsame Zeit optimal zu nutzen!

Meine Meinung:

Das Wiedersehen mit Nagisa und Issa fällt genauso stark aus wie erhofft. Besonders Nagisa erlebt in diesem Band ein wahres Wechselbad der Gefühle. Natürlich will er die Zeit mit Issa genießen, und zwar bitte so lang und perfekt wie möglich, aber gleichzeitig kann er den Gedanken daran, dass sein Freund bald aufs Meer zurückkehren wird, nicht verdrängen. Seinen Zwiespalt fand ich dabei sehr gut nachvollziehbar. Einerseits will er Issa nicht von der Arbeit, die dieser liebt abhalten, andererseits fürchtet er aber die Gefahren auf See und hat Angst davor, allein zurückzubleiben. Wie es so seine Art ist, will er Issa aber auch nicht mit seinen Sorgen belasten und leidet still. Doch hier zeigt sich gleichzeitig auch schön, wie sehr beide Jungs gewachsen sind - Kommunikation ist der Schlüssel, und die gelingt ihnen hier Stück für Stück wirklich gut. Richtig starke Rollen haben übrigens auch die Mütter der beiden - ihre Auftritte waren ein absolutes Highlight für mich!

Auch bei den Zeichnungen zeigt Scarlet Beriko wieder ihr ganzes Können. Die Gesichter sind unheimlich ausdrucksstark und spiegeln die Vielzahl an Emotionen wider, durch die unsere beiden Protagonisten im Laufe der Story gehen. Auch die intimen Szenen habe ich als unheimlich sinnlich empfunden, obwohl (oder vielleicht gerade weil) in dem Manga gemäß der Altersempfehlung ab 16 Jahren nicht immer alles gezeigt wird.

"Nagahama to Be, or Not to Be" bleibt auch in der zweiten Season ein kleines Boys Love Juwel für mich. Authentische Charaktere, wunderschöne Zeichnungen und eine ansprechende Story treffen hier aufeinander und verbinden sich zu einem Manga, der nicht nur Genre-Veteranen oder Fans der Mangaka in seinen Bann ziehen dürfte. Wer Coming-of-Age Stories im ruhigen Slice of Life Setting mag, wird hier seine Freude haben.

Nagahama to Be, or Not to Be 2nd Season | Scarlet Beriko | Egmont Manga | Originalpreis: 9,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 16 Jahren | Link zum Buch

Buchvorstellung: God Child von Kaori Yuki

Es gibt Geschichten, die begleiten einen eine lange Zeit. In meinem Fall ist „God Child“ eine solche Geschichte. Kennengelernt habe ich die Serie im Jahre 2003, als die Daisuki auf den Markt kam. Und ich war gleich begeistert. Kaori Yuki, die ich bereits von ihrer damals ebenfalls laufenden Reihe „Angel Sanctuary“ kannte, war meine Lieblingsmangaka, ich liebte den düsteren Zeichenstil und die morbiden Story-Elemente – eine Einschätzung, die ich offensichtlich nicht mit der Mehrheit der Daisuki-Leser teilte. Neben all den Liebesgeschichten fristete „God Child“ ein eher ungeliebtes Dasein, bis es dann eines Tages unabgeschlossen aus dem Heft genommen wurde.

Und da begann mein Dilemma: in meiner Kleinstadt-Jugend hatte ich keinen regelmäßigen Zugang zu Mangas, das Taschengeld war ebenfalls limitiert. Am Ende fehlten mir also Bände, was mich sehr lange gewurmt hat. Glücklicherweise ist man als Sammler ja auch immer ein kleines bisschen Jäger, sodass ich mir dieses Jahr endlich den lang gehegten Wunsch erfüllen und die Serie mit Gebrauchtbänden (und das zu humanen Preisen!) vervollständigen und sie in meinem Urlaub zum ersten Mal komplett und am Stück lesen konnte. Und was soll ich sagen: sie hat auch über zwanzig Jahre später für mich nichts von ihrem Zauber verloren!

Doch worum geht es überhaupt? Im Zentrum der dreizehn Bände umfassenden Geschichte steht der junge Count Cain Hargreaves. Seine noble Arroganz kann kaum verbergen, dass er kein sehr glücklicher Mann ist. Seine Familie gilt als seit Generationen verflucht, und so gilt auch er als eigensinniger Eigenbrötler, von dem man sich besser fernhält – gerade auch wegen seiner berüchtigten Expertise in Sachen tödlicher Gifte.

Als wir den Grafen kennenlernen, ist er jedoch nicht mehr ganz so allein wie in seiner tragischen Kindheit, denn an seiner Seite findet sich stets sein aufopferungsvoller Butler Riff. Die beiden teilen eine Beziehung, die sich schwer in Worte fassen lässt, die jedoch immer wieder den Neid anderer auf sich zieht, die Cain einen solch engen Vertrauten nicht gönnen. Später stößt mit der kleinen Merryweather auch noch Cains lebhafte Halbschwester dazu und sorgt dafür, dass Cains Einsamkeit endgültig der Vergangenheit angehört.

Es gibt jedoch jemanden, der Cain nicht einmal das kleinste Glück gönnt, und zwar ausgerechnet sein leiblicher Vater Alexis, der im Zusammenhang mit einer gefährlichen Geheimorganisation namens Delilah steht. Seine Motive bleiben lange ein Rätsel, doch die Gefahr, die von Delilah ausgeht, beschränkt sich nicht nur auf Cain und seine Verbündeten, sondern erstreckt sich auf ganz London. Der junge Count ist sich seiner Verantwortung, seinem Vater das Handwerk zu legen bewusst, doch wie soll er das mit seiner wenigen Unterstützung schaffen?

Eine so lange Serie in wenigen Worten zusammenzufassen, ist gar nicht so leicht – zumal sich in „God Child“ nicht immer alles um die Mainstory rund um Cains Kampf gegen Delilah dreht. Diese ist zwar wirklich extrem spannend und wartet immer wieder mit überraschenden Wendungen auf, den kompletten Charme des Mangas zeigt sie jedoch meiner Meinung nach nicht. Was ich persönlich an der Reihe besonders geliebt habe, waren die vielen kleinen Episoden, die nicht oder nur lose mit der Hauptstory verbunden waren.

So landet Cain nämlich immer wieder mehr oder weniger zufällig in düsteren Kriminalfällen. Mysteriöse Morde, die es zu klären gilt oder unerklärliche Vorkommnisse, die auf eine Auflösung warten – und das alles im herrlichen Setting des viktorianischen Londons!

Immer wieder gibt es außerdem Bezüge zu den für unsere heutige Zeit manchmal ziemlich grausam wirkenden Kinderreimen von „Mother Goose“, welche etwa aus der gleichen Zeit stammen, und der große Kontrast zwischen der scheinbaren Leichtigkeit dieser Reime und ihres düsteren Inhalts hat mich beim Lesen damals wie heute mit seiner Morbidität fasziniert.

Wer die Werke von Kaori Yuki kennt, weiß, dass sie bei der Darstellung viktorianisch inspirierter Mode brilliert. Rüschenkleider, aufwändige Frisuren mit Korkenzieherlocken – gerade bei der Ausarbeitung ihrer Frauen- und Mädchenfiguren scheut die Mangaka keinen Aufwand, und am Ende wartet stets ein traumhaftes Design, das irgendwo zwischen der tatsächlichen Epoche und Einflüssen von Gothic und Visual Kei Style seiner Zeit liegt.

Beachtlich in Sachen Optik und auch bei der Story ist übrigens die große Konsistenz der Story. „God Child“ ist nämlich über einen Zeitraum von über zehn Jahren entstanden, mit einer mehrjährigen Pause nach Band 5. Trotzdem weist die Geschichte meiner Meinung nach keinen störenden Bruch auf, selbst die inhaltliche Wiedereinführung in die Story nach der Pause geschieht so clever und behutsam, dass sie kaum auffällt.

Und für die unter euch, die die Reihe ebenfalls gelesen haben: können wir darüber sprechen, wie schön die Beziehung zwischen Cain und Riff ist? Ich liebe die beiden einfach, und ich liebe, was sie füreinander sind und finde die Beschreibung auf einer der letzten Seiten des Mangas einfach extrem passend – definitiv kein Dienstverhältnis, aber auch kein Liebesverhältnis. Irgendwie *mehr*, anders, nicht in Worte zu fassen. (Und nein, das ist kein Boys Love Titel, und Cain ist bei seinen Frauengeschichten kein Kind von Traurigkeit. Doch genau darum gibt es ja Fanfics).

Ich denke, es ist zu diesem Zeitpunkt bereits sehr deutlich geworden, dass „God Child“ eine klare Empfehlung von meiner Seite ist. Wer sich für unheimliche und düstere Geschichten erwärmen kann und auch mit tragischen und brutalen Inhalten umgehen kann, ist hier (wie auch bei den anderen Werken der Mangaka) bestens aufgehoben!

God Child | Kaori Yuki | Carlsen Manga | Buchausgabe vergriffen, E-Books verfügbar | Genre: Shojo, Mystery | Empfohlen ab 12 Jahren | Link zur Reihe

Montag, 17. August 2026

Buchvorstellung: There Is No Love Wishing Upon A Star Band 4 von Shinoa

Worum es geht:

Die Beziehung zwischen Eri und Kyo ist zwar nicht offiziell vorbei, doch zwischen den beiden herrscht seit ihrem Streit Funkstille. Fuyuki möchte, dass sich die beiden wieder vertragen und regt an, dass sie alle gemeinsam zum Sommerfest gehen. Doch statt feierlicher Atmosphäre und Feuerwerk gibt es bei dem Besuch nur eine Explosion der unterschiedlichsten Gefühle.

Meine Meinung:

Im vorletzten Band der Yuri-Reihe "There Is No Love Wishing Upon A Star" nimmt die Tragödie rund um die drei Kindheitsfreunde Eri, Fuyuki und Kyo weiter ihren Lauf. Gewohnt besorgt um das Glück ihrer unerwiderten Liebe Eri, bemüht sich Fuyuki, sie und Kyo wieder zusammenzubringen, doch der Plan scheitert grandios, sodass es auch noch zu einer Konfrontation zwischen den beiden jungen Frauen kommt, bei der Fuyuki ihre Gefühle nicht mehr im Griff behalten kann. Ob Freundschaft oder Liebe - danach scheint nichts mehr so zu sein, wie es einst war zwischen dem einst unzertrennlichen Trio.

Was für eine vertrakte Situation! Während Kyo sich dank eines wirklich dummen und unnötigen Fehltritts selbst ins Abseits katapultiert, schafft es Eri doch tatsächlich, Fuyuki dazu zu provozieren, ihre tiefsten Gefühle preiszugeben, ist dann erstmal mit dem Resultat überfordert, fasst am Ende dann aber anscheinend doch noch einen Entschluss, dessen Ergebnis uns der Band jedoch noch nicht verraten möchte. Klingt nach Drama und Chaos? Genau so hat es sich beim Lesen auch angefühlt!

Im Gegensatz zu den vorhergehenden Bänden, ist der vierte Band der Reihe passend zu den Gefühlen der Protagonisten ziemlich unruhig. Keiner genießt hier den Sommer, alle sind dazu viel zu sehr mit der Situation überfordert. So kommt es dann auch, dass das Sommerfest keine Kulisse für Romantik, sondern Schauplatz tiefer, herausbrechender Konflikte wird. Eine kleine Katastrophe reiht sich an die nächste, und wie am Ende irgendwer glücklich werden kann, scheint in der Tat maximal in den Sternen zu stehen - wenn die denn, anders als der Titel vermuten lässt, helfen können.

Ich muss ja sagen, dass ich den Herzschmerz in "There Is No Love Wishing Upon A Star" wirklich liebe. Lange haben die Figuren still gelitten, doch zunehmend sucht sich ihre Verzweiflung einen Weg nach draußen. Das ist für alle Beteiligten schmerzhaft, doch so werden endlich Dinge ausgesprochen, die schon viel zu lange ungesagt geblieben sind.

Was mir auch sehr gut gefällt: selbst so kurz vor dem Ende der Reihe konnte ich am Ende des vorletzten Bandes noch überhaupt nicht absehen, welche Art Abschluss einen hier wohl erwarten mag. Ein Happy End - zumindest für alle Beteiligten - scheint fast unmöglich. Was vermutlich auch der Grund ist, warum ich mich noch immer nicht getraut habe, den Abschluss zu lesen. 

Mein Fazit zum vierten Band: die Reihe bleibt stark. Wer eine ruhige Geschichte über unerwiderte Liebe und unausgesprochene Gefühle sucht, ist hier an der besten Adresse.

There Is No Love Wishing Upon A Star 4 | Shinoa | Egmont Manga | Originalpreis: 9,00€ | Genre: Girls Love | Empfohlen ab 14 Jahren | Link zum Buch

Sonntag, 16. August 2026

Buchvorstellung: Shoot Juliet Band 1 von Katsura Komachi

Worum es geht:

Akatsuki ist die Nummer zwei in einem angesagten Host Club. Da er noch neu im Geschäft ist, wendet er sich an die unangefochtene Nummer eins in der Hoffnung auf Tipps. Seine Hintergedanken sind dabei ziemlich offensichtlich: er selbst möchte diesen Platz einnehmen. Sehr zu Akatsukis Überraschung stimmt Juri, den im Club alle Juliet nennen, tatsächlich zu und lädt ihn zu sich nach Hause ein. Bald stellt sich jedoch heraus, dass auch Akatsuki nicht vor Juris Charme gefeit ist. Eh er es sich versieht, ist sein Interesse alles andere als nur noch beruflicher Natur.

Meine Meinung:

Ursprünglich angezogen von dem für mich unfassbar schönen Cover, freue ich mich umso mehr, dass der erste Band von "Shoot Juliet" mich auch inhaltlich auf ganzer Linie überzeugen konnte.

Da wäre zum einen der Einblick in die japanische Welt der Host Clubs, den ich hier als sehr ausführlich, ungeschont und realistisch betrachtet habe. Die Arbeit derer, die dort und teils auch im nicht ganz fremden Rotlichtmilieu ihr Geld verdienen wird nicht romantisiert: Nächte ohne Schlaf, übergriffige Kundinnen, der ständige Zwang zum Alkoholkonsum - hinter den Kulissen ist es alles andere als glamourös, auch wenn einem die Hosts im Club dies natürlich vermitteln wollen.

Und dann sind da natürlich die Charaktere. Akatsuki habe ich im ersten Moment nicht unbedingt aus Sympathieträger gesehen. Er ist jung und attraktiv und weiß das auch. Sein Ziel ist das schnelle Geld. Umso interessanter hat das sein Zusammentreffen mit Juri gemacht, der eine komplett andere Ausstrahlung hat. Ihm ist es wichtig, den perfekten Mann für seine Kundinnen zu spielen, uns seine Aura ist ebenso mysteriös wie melancholisch. Trotz dieser offensichtlichen Unterschiede lässt er sich auf Akatsuki ein, und bald verschwimmen die Grenzen zwischen beruflichem Austausch und sehr intimen Gefühlen. Was dabei in Juris Kopf vorgeht bleibt nicht nur für Akatsuki, sondern auch für die Leser zunächst einmal ein Rätsel.

Was mich an dem Band trotz des oft wirklich derben Umgangstons besonders in den Bann gezogen hat, war die Atmosphäre. Mangaka Katsura Komachi ist es meiner Meinung nach unglaublich gut gelungen, Juris einzigartige Ausstrahlung mit ihren Zeichnungen einzufangen, sodass man sich ebenso wenig wie die Kundinnen und Akatsuki seiner Anziehungskraft erwehren kann. 

Und am Ende des Bandes? Da ist noch vieles unklar, allem voran, welche Gefühle hier eigentlich echt sind und welche nicht. Doch genau das macht auch die Faszination aus. Ich jedenfalls sehne die Fortsetzung schon dringend herbei!

Shoot Juliet Band 1 | Katsura Komachi | Panini Manga | Originalpreis: 8,99€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 16 Jahren | Link zum Buch

Samstag, 15. August 2026

Buchvorstellung: Sakura, Saku - Liebe in voller Blüte 1-5 von Io Sakisaka

Worum es geht:

Saku ist ein eher unscheinbares Mädchen, welches sich in keinem Bereich besonders hervortut. Als ihr eines Tages in der Bahn schwindelig wird und sie ihre Tasche verliert, gibt ein Fremder diese für sie ab. Dieser kleine Akt der Freundlichkeit bewegt sie so sehr, dass sie den Entschluss fasst, sich zu verändern: zukünftig will auch sie ein Mensch sein, der anderen hilft und somit einen Unterschied macht! Gleichzeitig träumt sie aber auch davon, ihren "Rettenden Engel" zu finden - also den Jungen, der ihr die geliebte Tasche zurückgebracht hat. Da sie nur seinen Namen kennt, erweist sich dies jedoch als gar nicht so leicht, bis sie in der Schule Haruki, den kleinen Bruder des vermeintlichen Finders trifft. Dieser ist anfangs jedoch weder von Sakus Art besonders angetan, noch willig, ihr bei der Übermittlung ihrer Gefühle zu helfen. Als die beiden jedoch immer mehr miteinander zu tun bekommen, ist sich Saku ihrer Gefühle plötzlich ganz und gar nicht mehr sicher: Kann es sein, dass sie den schroffen Haruki mag?

Meine Meinung:

In den ersten fünf Bänden baut sich bei "Sakura, Saku - Liebe in voller Blüte" ein ganz schön komplexer Teenager-Gefühls-Komplex auf, in dessen Zentrum Protagonistin Saku steht. Sie ist ein fröhliches und überaus energiegeladenes Mädchen, das immer positiv denkt, darum manchmal jedoch auch etwas naiv wirkt und sich selbst im Weg steht. Ihr Gefühlschaos würde ich als alterstypisch betrachten: kann sie anfangs noch nicht wirklich trennen, ob ihre Gefühle für Harukis großen Bruder Liebe, Bewunderung oder Dankbarkeit sind, erkennt sie Harukis Bedeutung für ihr Leben lange gar nicht und möchte sie vielleicht auch gar nicht wahrhaben.

Denn - das ist ihr ganz großes Dilemma - sie möchte ja immer, das alle anderen glücklich sind. Und wenn sie ihr eigenes Glück dafür hinten anstellen muss, dann ist das eben so. Dass dieses Vorgehen oft alles andere als zielführend ist und in allerlei Missverständnissen gipfelt, muss man wohl kaum extra betonen.

Trotz der vielen kleinen Dramen empfinde ich "Sakura, Saku" bisher als sehr entspannte Lektüre. Das Erzähltempo ist langsam und dreht sich hauptsächlich um das Schul- und Alltagsleben von Saku und ihren Freunden. Unterstrichen wird diese ruhige Atmosphäre auch von den sanften Zeichnungen der Mangaka Io Sakisaka, die mich persönlich sehr ansprechen.

Überrascht hat mich die Rolle von Sakus bester Freundin Kotono. Nachdem diese eine Scheinbeziehung zu Haruki eingegangen ist, um sich vor ihrem aufdringlichen Exfreund zu schützen, erweckt es lange den Eindruck, dass sie in dieser Zeit tatsächlich Gefühle für ihn entwickelt und man sich dem klassischen Szenario nähert, in dem die Freundschaft auf die Probe gestellt wird, weil beide Mädchen den gleichen Jungen mögen - wahrlich nicht mein Lieblingstrope. Umso spannender fand ich, dass der Manga hier einen ganz anderen, im Shojo-Bereich meiner Meinung nach total untypischen Weg geht, frage mich jetzt jedoch auch, ob das Thema in Zukunft wohl noch einmal aufgegriffen wird oder ob dies ein unausgesprochenes Geheimnis bleibt, was für immer zwischen Saku und Kotono stehen muss.

Nach fünf Bänden hat der Manga seine Halbzeit überschritten - die japanische Version wurde 2023 mit neun Bänden abgeschlossen. Ich finde, dass das einen guten Zeitpunkt für ein Zwischenfazit bildet. Bisher mag ich die Reihe sehr. Sie erfindet zwar sicher das Genre nicht neu, hat mir aber schon einige wirklich entspannte Lesestunden bereitet. Ich könnte mir vorstellen, dass das Tempo für einige Leser arg langsam wirkt, wer jedoch wie ich Freude an solch ruhigen Liebesgeschichten hat und sich nicht am jungen Alter der Figuren und den entsprechend typischen Themen stört, findet hier eine schöne Lektüre.

Sakura, Saku - Liebe in voller Blüte (Band 1-5) | Io Sakisaka | Tokyopop | Originalpreis pro Band: 7,50€ | Genre: Romance | Empfohlen ab 13 | Link zum ersten Band

Freitag, 14. August 2026

Buchvorstellung: Mein Sommer mit dir 0 (Limited Edition) von Nagisa Furuya

Worum es geht:

Wataru und Chiharu sind beide große Filmenthusiasten. Im Sommer, nachdem Chiharu Wataru ganz unerwartet seine Liebe gestanden hat, begeben sich die beiden in gemeinsamen Ausflügen auf die Spuren der Drehorte ihrer liebsten Filme und kommen sich dabei Schritt für Schritt näher. Eh Wataru die Chance bekommt, auf Chiharus Gefühle zu reagieren, verschwindet dieser jedoch plötzlich aus der Stadt. Klar, dass Wataru das so nicht auf sich sitzen lassen kann!

Meine Meinung:

"Mein Sommer mit dir" beginnt tatsächlich dort, wo andere Mangas oft aufhören, nämlich mit der Liebeserklärung von Chiharu an seinen Freund und Mitschüler Wataru, die diesen doch ganz schön aus dem Gleichgewicht bringt. Er, der sich für überaus durchschnittlich hält, hätte solche Worte von einem attraktiven und beliebten Jungen wie Chiharu niemals erwartet und weiß anfangs kaum, wie er damit umgehen soll. Da er die gemeinsame Zeit mit Chiharu aber sehr schätzt, geht er nur zu gerne auf dessen Bitte ein, im Sommer gemeinsame Ausflüge zu verschiedenen Drehorten zu unternehmen.

Diese Ausflüge stehen nun im Zentrum des Mangas. Es sind nur kleine Roadtrips, Tagesausflüge zu den verschiedensten Orten, und doch bringen sie die beiden Jungs einander näher. Chiharu versteckt dabei seine Gefühle nicht und Wataru lässt sie zu, bleibt sich jedoch seiner eigenen Gefühle unsicher. Und eines Tages ist Chiharu dann verschwunden, hat still und heimlich den Wohnort und die Schule gewechselt und lässt Wataru und all die unausgesprochenen Dinge zurück.

Oft weiß man ja erst, was man hat, wenn man es verliert, und so ergeht es hier wohl auch Wataru, der durch den Schock auch endlich seine Selbstzweifel überwinden kann. Ein Glück, dass er Chiharu in ihrem gemeinsamen Sommer gut genug kennengelernt hat, um sich auf seine Spuren zu begeben

Mir hat "Mein Sommer mit dir" vom ersten Moment an sehr gut gefallen. Der Anfang hat mich wirklich überrascht, hat der Story dann aber auch eine ganz besondere Dynamik gegeben. Ich mochte sowohl Chiharus offenen Umgang mit seinen Gefühlen als auch Watarus Reaktion, die zwar von seiner Ratlosigkeit, niemals jedoch von Ablehnung geprägt war.

Und dann die Ausflüge der beiden. Ich liebe Mangas übers Reisen, und die Trips hier haben mir auch richtig tolles Gefühl von langen sonnigen Sommertagen voller kleiner Ereignisse gegeben.

Neben dem Band null enthält die Limited Edition noch das Zusatz-Booklet "You are the blue summer" mit zwei Kurzgeschichten. Die erste zeigt das wirklich süße Wiedersehen von Chiharu und Wataru zum Neujahr nach ihrem ersten gemeinsamen Sommer, die zweite bietet einen Rückblick auf ihren ersten gemeinsamen Schultag. Beide sind nicht lang, aber so schön ausgearbeitet, dass sie eine wirklich tolle Ergänzung zum Hauptband bieten.

Für mich also ein rundherum gelungener Start, und eine perfekte Lektüre für den Sommer!

Mein Sommer mit dir 0 | Nagisa Furuya | Tokyopop | Originalpreis: 12,50€ (Limited Edition mit Bonus-Booklet) | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 15 Jahren | Link zum Buch

Mittwoch, 12. August 2026

Buchvorstellung: Our Sunny Days Band 3 von Jeong Seokchan


Worum es geht:

Ho und Haebeom sind weiterhin sehr glücklich miteinander, doch die ersten Probleme lassen nicht lange auf sich warten. Als Hos kleine Tochter krank wird, ist niemand zur Stelle, um sie zum Arzt zu bringen – ein Auto muss also her. Im Gegensatz zu den übermotivierten Autohändlern ist es für Haebeom ganz selbstverständlich, dass er bei der Auswahl hilft! Und dann ist da noch die Sache mit den Dating-Apps: wieso bekommt Haebeom auf einmal so viele Anfragen, obwohl er sich doch nie bei einer angemeldet hatte? Nähere Ermittlungen ergeben, dass sich wohl nicht jeder einfach so mit seiner Beziehung zu Ho anfreunden kann oder will…

Meine Meinung:

Es hat wirklich nicht lange gedauert für „Our Sunny Days“, um sich für mich zu einem absoluten Lieblingstitel zu entwickeln, und diesem Status wird der Webtoon auch im dritten Band wieder voll und ganz gerecht. Die Beziehung von Ho und Haebeom ist und bleibt einfach zuckersüß, und es macht unheimlich großen Spaß, dem Alltag der beiden (und der kleinen Rotznase) zu folgen.

Was ich besonders liebe: Trotz des lockeren Tons ist die Geschichte zu keinem Zeitpunkt seicht oder oberflächlich. Das Dorfidyll, was sich einem zunächst zu präsentieren scheint, trügt nämlich. Viele der alten Bewohner brauchen Hilfe beim Leben, die Infrastruktur ist klassisch ländlich bescheiden und das Geld ist knapp, sodass Haebeom stets alle Hände voll zu tun hat, für alle zu sorgen. Auch Ho hat es nicht leicht. Er ist alleinerziehend und kann darum nicht arbeiten gehen, was auch ihn vor finanzielle Herausforderungen stellt. Umso schöner ist es zu sehen, wie gut die beiden einander unterstützen und wie glücklich sie miteinander sind.

Mit dem Dating-App-Zwischenfall kommt im dritten Band auch ein ganz neue Spannungselement in die Story, welchem die beiden in angenehm undramatischer Art begegnen, was aber gleichzeitig auch zeigt, dass eine Beziehung zwischen zwei Männern in der dörflichen Gemeinschaft durchaus Konfliktpotenzial birgt – wenn dieses auch aus unerwarteter Richtung kommt.

Our Sunny Days“ bleibt eine klare Empfehlung für alle, die eine echte Wohlfühl-Story suchen, bei welcher der Inhalt zwischen den süßen Momenten nicht auf der Strecke bleibt.

Our Sunny Days Band 3 | Jeong Seokchan | Papertoons | Originalpreis: 18,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 16 Jahren | Link zum Buch


Dienstag, 11. August 2026

Buchvorstellung: Isekai Office Worker 7 von Kazuki Irodori

Worum es geht:

Nachdem Sei Unstimmigkeiten bei der Ableitung der Energie der Gläubigen in der Kirche entdeckt hat, gilt es nun, Beweise zu liefern und den Schuldigen zu entlarven. Und auch sonst gibt es immer etwas zu tun für den Workaholic aus einer anderen Welt. Das Schulprojekt wird hervorragend angenommen und erfordert viele Lehrkräfte, und so langsam wird es auch Zeit, sich bei Alesh mit einem Geschenk erkenntlich zu zeigen.

Meine Meinung:

Lange habe ich mich auf die Fortsetzung von „Isekai Office Worker“ gefreut – nur um dann feststellen zu müssen, dass sich dieser siebte Band in weiten Teilen doch ein wenig nach einem Filler anfühlt. Zwar erhält der Kirchenskandal endlich seine Auflösung und wir bekommen auch einen kleinen Einblick in Seis Projekt, die Bildung in seiner neuen Heimat zu fördern, im Herzen ist der Band jedoch ein Rückblick – wenn auch aus ungewohnter Perspektive.

Das Rampenlicht gehört dieses Mal nämlich Norbert, der seine Sicht der Dinge auf die Ereignisse seit der Beschwörung der Heiligen Magd und ihres zunächst unliebsamen Anhängsels schildert. Das ist zwar einerseits interessant, weil es einem Norbert als Mensch näherbringt und einige Hintergründe erläutert, bringt die Story an sich aber kaum voran. Insbesondere die Beziehung zwischen Sei und Alesh gerät dabei ziemlich in den Hintergrund, was etwas schade ist, wäre es für Sei doch langsam wirklich an der Zeit, sich über seine Gefühle klar zu werden und auch eine Entscheidung in Bezug auf eine mögliche Rückreise in seine Heimatwelt zu treffen. Das Einzige, was Fans des Maincouples ein wenig trösten dürfte, ist eine wirklich süße Kurzgeschichte am Ende des Bandes, die es mir dafür aber umso mehr angetan hat.

Fans der Serie finden im siebten Band also wenig Neues, werden aber natürlich trotzdem in gewohnt hoher zeichnerischer Qualität bedient. Im nächsten Band darf es für mich dann aber doch gerne etwas mehr Inhalt haben.

Isekai Office Worker Band 7 |  Kazuki Irodori (Story), Wakatsu Yatsuki (Vorlage) & Kikka Ohashi (Charakterdesign) | Hayabusa Verlag | Originalpreis: 8,50€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 14 Jahren | Link zum Buch

Mittwoch, 29. Juli 2026

Buchvorstellung: Little Women von nev

Worum es geht:

Die Familie March hat es nicht leicht. Seit der Vater in den Krieg ziehen musste, müssen die Mutter und ihre vier Töchter sich ganz allein um alles kümmern – nicht immer ein leichtes Unterfangen im Amerika des 19. Jahrhunderts. Ein Glück für die vier ganz unterschiedlichen Mädchen, dass ihre Mutter mit ihrer sanften Art und großen Weitsicht immer für sie da ist. Und dann sind da ja auch noch der Nachbarsjunge Laurie und sein strenger, aber gerechter Großvater, welche die fröhliche Familie ebenfalls schnell in ihre Herzen schließen.

Meine Meinung:

Mit „Little Women“, oder auch „Eine fröhliche Familie“, unter welchem Namen der Titel hierzulande ebenfalls bekannt ist, bringt uns Tokyopop einen Klassiker der amerikanischen Literatur in Mangaform. Der Titel basiert auf dem gleichnamigen Roman der Autorin Louisa May Alcott und folgt den kleinen und großen Abenteuern der lebensfrohen Jo March und ihrer drei Schwestern zur Zeit des Sezessionskrieges.

Die Geschichte lebt dabei in meinen Augen von der liebevoll ausgearbeiteten Darstellung der March-Familie und ihres Umfeldes. Hauptfigur ist die burschikose Jo, die zweitälteste der Schwestern. Sie verfügt über jede Menge Energie und eine sehr lebhafte Vorstellungskraft und träumt davon, Schriftstellerin zu werden. Ihre große Schwester Meg tut dagegen alles, um eine feine Dame zu werden und in die höhere Gesellschaft aufgenommen zu werden, während sich die jüngere und sehr schüchterne Beth gerne um andere und den Haushalt kümmert und die Musik liebt. Nesthäkchen Amy hingegen macht es ihrer Familie nicht immer leicht mit ihrem Eigensinn, sodass die Mutter der vier Mädchen es nicht immer leicht hat, die Harmonie in der Familie zu wahren.

Die Abenteuer der Protagonistinnen spielen sich in ihrem Lebensalltag ab und bilden ein schönes Zeugnis der Zeit, in welcher die Geschichte spielt. Von unschuldigen Spielen auf dem Dachboden über seltene soziale Anlässe und Sorgen und Probleme des Krieges begleiten wir die Mädchen eine Zeit lang auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden. Auch Themen wie die schwierige erste Liebe, Krankheit oder Familienstreitigkeiten werden angesprochen, sodass der Titel eine schöne Balance aus leichten und ernsten Themen wahrt.

Wie bereits erwähnt, beruht der Manga auf einem Roman, den ich persönlich sehr liebe. Umso mehr freut es mich, dass der Manga die wichtigsten Elemente und Botschaften des Buches aus meiner Sicht sehr gut aufnimmt und umsetzt. 1868, als Louisa May Alcott mit "Little Women" den ersten Teil ihrer Serie über Jo und ihre Schwestern veröffentlichte, waren Bücher für junge Frauen mit starken Frauenfiguren noch lange keine Selbstverständlichkeit, und hier haben wir gleich fünf dieser Figuren. Denn obwohl sie sich insgesamt eher im Hintergrund hält, darf auch die Rolle der Mutter hier nicht unterschätzt werden, ist es doch ihr ausdrückliches Ziel, ihre Kinder zu guten, aber vor allem auch glücklichen Frauen zu erziehen - davon, die Mädchen eines Tages möglichst erfolgreich zu verheiraten, wie in dieser Zeit gesellschaftlich sehr üblich, will sie so gar nichts hören. 

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs: Jo spricht sich in diesem ersten Teil ziemlich entschieden gegen eine Heirat aus, und wäre es nach der Autorin gegangen, wäre sie auch unverheiratet geblieben. Dass sie in der Fortsetzung doch noch einen Mann ehelicht, ist nur eine Folge öffentlichen Drucks und ein schönes Beispiel dafür, wie die damalige Lebenswirklichkeit für unabhängige Frauen aussah. Konsequenterweise betont der Roman jedoch immer wieder, dass sie nicht gerade in der Rolle als Hausfrau aufgeht.

Doch zurück zum Manga: in der neuen Ausgabe kommt dieser mit hübscher I Love Shojo Card und in Vollfarbe daher, was wirklich sehr ansprechend ist. Ergänzt wurde er außerdem um ein ausführliches Nachwort, welches den Lesern den Kontext der Geschichte noch einmal näher bringen soll sowie um einige Literaturempfehlungen zu Werken anderer Schriftstellerinnen sowie Büchern mit weiblichen Hauptfiguren, bei denen man sich noch etwas Leseinspiration holen kann. Wie es im Jahr 2026 J.K. Rowling in die Liste inspirierender Schriftstellerinnen schaffen konnte, erschließt sich mir jedoch leider nicht. Hier hätte es doch so viele andere Möglichkeiten gegeben - spontan kämen mir Lucy Maud Montgomery (Anne mit den roten Haaren) oder Selma Lagerlöf (Nils Holgersson) in den Sinn, die mit ihren Werken sowohl die Jugendliteratur als durch Umsetzungen auch den Manga- und Animebereich geprägt haben - und die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Falls dem einen oder anderen von euch der Titel nun aber übrigens ohnehin schon bekannt vorkommt: "Little Women" erschien bereits vor einigen Jahren im Rahmen der Manga-Bibliothek, damals unter dem alternativen Titel "Eine fröhliche Familie" als schickes Hardcover, dafür aber in schwarz-weiß.

In welcher Form auch immer, für mich ist und bleibt der Titel eine Herzensangelegenheit, und ich habe mich sehr über die Möglichkeit gefreut, ihn nun noch einmal in dieser schönen farbigen Version genießen zu dürfen. Fans klassischer Kinderbücher und sympathischer sowie starker Frauenfiguren sollten, sofern nicht längst geschehen, unbedingt einmal einen Blick riskieren!

Little Women | nev | Tokyopop | Originalpreis: 18,00€ | Empfohlen ab 13 Jahren | Genre: Drama | Link zum Buch 

Montag, 27. Juli 2026

Buchvorstellung: Redeem Band 1 von Scarlet Beriko

Worum es geht:

Als Chiakis Partner Kuon vor dessen Augen von einem Auto erfasst wird und in seinen Armen stirbt, wird dieser von Verzweiflung gepackt und wacht plötzlich zehn Jahre früher wieder in seinem Kinderzimmer auf. Körperlich wieder ein kleiner Junge, besitzt dieser Chiaki jedoch alle Erinnerungen an sein erwachsenes Ich. Ohne groß nachzudenken nimmt er Kontakt zu Kuon auf. Doch nicht nur glaubt ihm dieser kein Wort, er ist auch so ganz anders als der Kuon, den Chiaki vor seinem Zeitsprung kannte. Wie soll es ihm so nur gelingen, sein Vertrauen zu gewinnen und ihn in der Zukunft zu retten?

Meine Meinung:

Scarlet Beriko in Vollfarbe? Count me in! Aber ich muss auch zugeben: hätte ich nicht vollstes Vertrauen in das Können und den Stil dieser Mangaka, ich weiß nicht, ob diese Geschichte jemals in meinen Händen gelandet wäre. Die Ausgangssituation ist nämlich durchaus speziell, haben wir durch Chiakis Sprung in die Vergangenheit doch einen ziemlich fragwürdigen Age Gap. Obwohl geistig natürlich noch immer erwachsen, befindet er sich nun nämlich wieder im Körper seines Fünftklässler-Ichs, während sein Partner Kuon bereits erwachsen ist und als Tierarzt arbeitet.

Zum Glück begegnet besagter Kuon den Annäherungsversuchen durch Chiaki aber auch angemessen distanziert, sodass dieser sich bald mit der Frage beschäftigen muss, wie er seinem zukünftigen Partner begegnen möchte, wenn er ihm helfen will. Denn dazu ist er fest entschlossen: nicht nur möchte er seine Liebe zurückgewinnen, er möchte auch wissen, was genau es ist, das den Vergangenheits-Kuon so düster und bitter und ganz anders als den Partner, an den er sich aus ihrer Beziehung erinnert, hat werden lassen. Seine ersten Versuche bleiben dabei, vor allem durch seine unüberlegte und impulsive Art, nämlich ziemlich erfolglos.

Und dann sind da noch die anderen Probleme, denen sich Chiaki plötzlich stellen muss. Durch sein Alter muss er ganz schön kreativ werden, will er sich frei bewegen, und sein strenger und scheinbar ziemlich kontrollsüchtiger großer Bruder ist da auch keine große Hilfe.

Nach dem ersten Band habe ich tatsächlich noch keinen wirklichen Plan, welche Richtung diese Geschichte wohl einschlagen wird, aber mein Interesse ist geweckt. Wird es Chiaki gelingen, Kuon zu helfen, und wie? Gibt es einen Grund für die Zeitreise an genau diesen Punkt der Vergangenheit? Kann es für die beiden wirklich eine Zukunft geben? Hinzu kommt, dass der Webtoon in Vollfarbe im typischen Scarlet Beriko Stil natürlich eine echte Augenweide ist. Für eine klare Empfehlung ist es in meinen Augen noch ein wenig früh, aber ich werde den Titel auf jeden Fall neugierig im Auge behalten.

Redeem - Unsere Ewigkeit Band 1 | Scarlet Beriko | C. Lines Verlag | Originalpreis: 15,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 14 Jahren | Link zum Buch

Dienstag, 21. Juli 2026

Buchvorstellung: Paket für dich von Rinteku

Worum es geht:

Für Izumi gibt es nichts Schöneres, als sich nach getaner Arbeit seinen Hobbys zu widmen – Games und Sammelfiguren. Auf Karriere hat er nicht wirklich Bock, auf andere Menschen auch nicht, weswegen er seine Sachen auch immer online kauft. Es gibt da jedoch eine Ausnahme zu seinem Desinteresse anderen gegenüber: Tsuchiya, der Paketbote, der immer seine Lieferungen bringt. Diesen findet Izumi extrem cool – doch wie soll ein Nerd wie er es schaffen, dass sich ein sportlicher Typ wie Tsuchiya für ihn interessiert?

Meine Meinung:

Paket für dich“ hat ja schon direkt zur Ankündigung großes Interesse geweckt, weil es von Mangaka Rinteku stammt, die auch hinter der (absolut zurecht) hochgelobten Reihe „Sag’s mit den Händen“ steht. Anders als bei dieser handelt es sich bei „Paket für dich“ jedoch um einen abgeschlossenen Einzelband, bei dem auch eine viel leichtere Thematik im Fokus steht.

Ist das ein Nachteil? Absolut nicht, man sollte es jedoch vielleicht im Hinterkopf behalten, um diesen süßen Manga unvoreingenommen genießen zu können. Dann erwartet einen hier nämlich eine kurzweilige Geschichte über einen jungen Mann, der sich verliebt und dadurch zum ersten Mal den Drang verspürt, etwas an sich zu verändern, um seinem Crush näher kommen zu können. Da solche Veränderungen jedoch wie wir alle wissen selten über Nacht geschehen, Izumi aber eher ungeduldig veranlagt ist und auch noch zum Grübeln neigt, führt dies zu allerlei komischen Situationen. Und als wäre das alles nicht schon schwierig genug für ihn, findet er irgendwann auch noch heraus, dass Tsuchiya tatsächlich eigentlich ganz anders ist, als er ihn sich in seinem wilden Köpfchen ausgemalt hatte! Ein neuer Grund zum Grübeln, oder vielleicht doch vielmehr Anlass genug, sich endlich etwas zu entspannen?

Einen besonderen Charme hatte in dem Manga für mich vor allem der Kontrast zwischen Izumis und Tsuchiyas Perspektiven. Während ersterer alles zerdenkt, versteht letzterer die Welt nicht mehr, sieht er doch die Probleme, die Izumi überall zu finden meint, überhaupt nicht. Entgegen dem Bild, was sich Izumi von ihm gemacht hat, ist er nämlich eigentlich ein eher schlichtes Gemüt – die beiden haben also ziemlich kontrastierende Charaktere, ergänzen sich gerade dadurch jedoch ganz hervorragend.

Neben der namensgebenden Story enthält der Band noch eine weitere Kurzgeschichte namens „Der wahre Grund, warum wir nicht beliebt sind“, die ich trotz ihrer Kürze durch ihre spezielle ‚Moral‘ durchaus amüsant fand.

Insgesamt war „Paket für dich“ in meinen Augen ein unterhaltsamer und süßer Einzelband, mit dem man wunderbar einen entspannten Nachmittag verbringen konnte.

Paket für dich | Rinteku | Loewe Manga | Originalpreis: 8,50€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 14 Jahren | Link zum Buch

Montag, 20. Juli 2026

Buchvorstellung: Our Sunny Days Band 2 von Jeong Seokchan

Worum es geht:

Ho lebt sich mit seiner Tochter weiterhin im Dorf ein und erhält dabei Haebeoms Unterstützung. Jedoch geht beiden der Kuss zwischen ihnen nicht aus dem Kopf. Während Haebeom sich zunächst noch unsicher ist, wie er diesen wohl einordnen soll, muss Ho sich eingestehen, dass er ein wenig Romantik in seinem Leben schon etwas vermisst hat. Spätestens, als die beiden zusammen die Sterne betrachten, wird ihnen jedoch beiden klar, dass hier wohl von Anfang an kein einmaliges Versehen vorlag.

Meine Meinung:

Wie süß kann die Beziehung zwischen zwei gestandenen Männern eigentlich dargestellt werden, ohne dabei in irgendeiner Form kitschig und unglaubwürdig zu werden? "Our Sunny Days" setzt die Messlatte zur Beantwortung dieser Frage ganz schön hoch!

Auch im zweiten Band ist es wieder eine Freude, Ho und Haebeom dabei zuzuschauen, wie sie einander näher kommen. Liebevoll und voller Witz erzählt der Webtoon davon, wie Ho sich mit Haebeoms Hilfe weiter in die Dorfgemeinschaft mit ihren Eigenheiten einfindet und wie Haebeom ihm und der kleinen Rotznase zunehmend ein Pfeiler in ihrem neuen Leben wird. 

Diesmal bekommt Ho jedoch auch einen tieferen Einblick in die Verantwortung, die auf den Schultern seines neuen Freundes lastet. Wie an so vielen Orten auf der Welt ist auch die Bevölkerung in seinem neuen Heimatdorf alt, und Haebeom nutzt sowohl seinen Einfluss als auch seine Körperkraft, um zu helfen, wo er kann. Da er mit dieser Aufgabe so lange alleine war, kommt er gar nicht auf die Idee, sich eine Pause zu gönnen oder Hilfe anzunehmen. So ist es dann sehr schön zu sehen, dass Ho ihm zeigt, dass er auf seine Unterstützung bauen kann und er auch bereit ist, dies anzunehmen.

Da ist es dann wohl auch kein Wunder mehr, dass sie sich näher kommen - und was hatte ich für eine riesige Freude daran, dies zu lesen! Obwohl beide sich eigentlich sicher sind, was sie wollen, sind sie sich gleichzeitig so unsicher, ob es dem jeweils anderen auch so geht, was zu einigen witzigen, aber auch zuckersüßen Interaktionen führt. Und als *es* dann zwischen ihnen passiert? Nun, da tritt der Webtoon eindrücklich den Beweis an, wie man eine solche Szene gleichzeitig respektvoll, verspielt und ästhetisch ansprechend umsetzen kann. Ganz ehrlich: bei diesem Thema bin ich pingelig und lese gerne nur quer, wenn es mich nicht anspricht, hier aber war ich vom Anfang bis zum Ende voll dabei.

Auch die Fortsetzung war für mich wieder ein absolutes Highlight. Das Setting, die Story und die Charaktere - hier stimmt einfach alles. Klare Empfehlung für alle, die gerne eine wirklich schöne Liebesgeschichte über zwei erwachsene Charaktere lesen möchten, die beide mitten im Leben stehen, Verantwortung tragen und deren Kosmos folglich nicht nur umeinander kreist.

Our Sunny Days Band 2 | Jeong Seokchan | Papertoons | Originalpreis: 18,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 16 Jahren | Link zum Buch