Worum es geht:
Nachdem Joachims Versuch, sich von Jürgen zu trennen, kein allzu großer Erfolg war, ist er noch immer gefesselt in dessen Wohnung eingesperrt. In dieser Zeit wird er nicht so recht schlau aus Jürgen, aber ebenso wenig aus sich selbst. Während Jürgen im einen Moment gnadenlos mit seinem Körper umgeht, kümmert er sich schon kurz darauf wieder liebevoll um ihn - und obwohl es im Rahmen seiner Möglichkeiten liegen sollte, versucht Joachim nicht einmal ernsthaft, zu entkommen...
Meine Meinung:
Nach der krassen Wendung im letzten Band war ich mehr als gespannt, wie es in "The Big Apple" zwischen Joachim und Jürgen weitergeht. Nach der Lektüre kann ich noch immer nicht viel mehr sagen als: es ist kompliziert.
Ein wenig Kommunikation würde den beiden wirklich gut tun, denn auch am Ende dieses Bandes wissen wir noch immer nichts darüber, wer Jürgen eigentlich wirklich ist, und Jürgen fragt sich wahrscheinlich noch immer sehr ratlos, was wohl in Joachims Kopf vorgeht.
Zumindest auf letztere Frage erhalten wir als Leser aber eine Antwort. Nicht nur kennen wir Joachims berufliches Dilemma, wir lernen auch mehr über seine Gefühle, als er sich in einer Rückblende an den Beginn seiner Beziehung zu Jürgen erinnert.
Joachim ist kein einfacher Charakter, und sein Leben hat nicht nur ein paar vereinzelte problematische Baustellen sondern gleicht eher dem Schienennetz der deutschen Bahn (sorry, es ist der verbitterte Pendler in mir). Bei Jürgen findet er vieles von dem, was er sucht - vermutlich ohne selbst so recht zu verstehen, was das eigentlich ist und warum er sich eigentlich danach sehnt. Jürgen selbst bleibt jedoch ein Buch mit sieben Siegeln. Seine Gefühle für den anderen sind nicht zu übersehen, doch seine besitzergreifende Art ist zumindest mal besorgniserregend.
Die Story abseits der Beziehung der beiden Männer macht leider auch im dritten Band kaum Fortschritte - dafür ist man hier noch immer viel zu sehr miteinander beschäftigt, und das ausschweifend auch im körperlichen Sinne. Da die Darstellung aber wirklich, wirklich gelungen ist, kann ich nicht einmal von mir behaupten, dass es mich sonderlich gestört hat, zumal der alles entscheidende Tag für Joachim nun wirklich unmittelbar bevorzustehen scheint.
Bei "The Big Apple" ist für mich damit also tatsächlich etwas der Fall, was mir heutzutage nur noch sehr selten passiert: ich habe auch nach drei Bänden keinen wirklichen Plan, wohin diese Story eigentlich will, aber es nervt mich nicht, sondern hält mich im Gegenteil so richtig bei der Stange. Dass mich insbesondere Joachim als Charakter (und auch optisch, ich will's nicht leugnen) so auf ganzer Linie anspricht (ich mag meine Jungs ein wenig traurig und leidend), trägt da sicherlich auch einen guten Teil zu bei.
Ich bleibe also vorerst bei meiner Leseempfehlung. Wer mit den genannten Themen fein ist und bei expliziten Szenen nicht zimperlich, sollte gerne mal einen Blick riskieren.
The Big Apple Band 3 | Harusari (Story) & Hodot (Zeichnungen) | Panini Toon | Originalpreis: 16,00€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 18 Jahren | Link zum Buch

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