Keita arbeitet als Journalist im Rotlichtmilieu in Kabukicho. Für seinen Bericht über den beliebtesten Gay Club des Viertels bucht er Hiromu, den beliebtesten Boy des Etablissements. Obwohl er mit Skepsis an die Nacht herangeht, da er bisher noch nie das Bedürfnis hatte, mit einem Mann zu schlafen, überzeugen ihn dessen Dienste schnell mehr als er erwartet hatte und er geht ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf. Kompliziert wird es, als die beiden sich kurze Zeit später im Rahmen eines von der Öffentlichkeit begleiteten Mitbewohner-Experiments wiedertreffen, denn abseits des Clubs zeigt Hiromu ihm die kalte Schulter.
Meine Meinung:
Ein Journalist, der lebendige Erfahrungsberichte aus Tokyos Nachtleben schreibt - schon allein das war für mich Anreiz genug, dem ersten Band von "Shinjuku 69 Heaven" eine Chance zu geben, denn wie allgmein bekannt ist, existiert das älteste Gewerbe der Welt in Japan offiziell gar nicht. Und so bucht auch Keita mit Hiromu erstmal einen Masseur, der jedoch allerhand zusätzliche Services anbietet, welche wir Leser schon nach wenigen Seiten so richtig genießen dürfen. Mangaka Unohana tobt sich dabei mit den beiden Jungs über mehrere Seiten detailliert und unzensiert aus, was bei dem ansprechenden Zeichenstil aber wohl zu niemandes Nachteil sein dürfte, der zu einem Werk dieses Genres greift.
So mitten ins Geschehen geworfen nimmt die eigentliche Geschichte von Keita und Hiromu dann erst im Anschluss so richtig Fahrt auf. Erfindet sie dabei inhaltlich das Rad neu? Sicher nicht. Macht sie trotzdem Spaß? Auf jeden Fall! Erleben dürfen wir die Story größtenteils aus Keitas Perspektive, der mit Hiromu sein homoerotisches Erwachen hat und ein bisschen überfordert ist, wie er damit umgehen soll. Obwohl er eigentlich nach dem festen Grundsatz arbeitet, sich mit niemandem aus dem Job einzulassen, zieht es ihn bald erneut in den Club und er möchte eigentlich auch gerne mehr über Hiromu erfahren. Dieser hat jedoch ganz andere Grundsätze und weigert sich, sich abseits der Arbeit auf jemanden einzulassen. Es prallen also verschiedene Vorstellungen aufeinander, und besonders für Keita verschwimmen die Grenzen zwischen Dienstleistung und Gefühlen. Durch das gezwungene Zusammenleben kommen die beiden sich dann zwangsläufig doch etwas näher, und es zeichnet sich ab, dass hinter Hiromus abweisenden Verhalten Gründe stecken, über die er jedoch noch nicht zu reden bereit ist, er Keita gegenüber aber vielleicht doch nicht so gleichgültig ist, wie er vorgibt.
So lässt einen das Ende des ersten Bandes dann auch gespannt auf die Fortsetzung zurück. Wird Keita es schaffen, zu Hiromu durchzudringen? Und was für eine Zukunft haben sie unter diesen Voraussetzungen in Kabukicho, wo es nun einmal nicht um echte Gefühle, sondern um käufliche Erlebnisse geht? Im März können wir es erfahren, denn dann soll der zweite Band von "Shinjuku 69 Heaven" erscheinen, welcher die kurze Serie abschließt.
Shinjuku 69 Heaven Band 1 | Unohana | Hayabusa | Originalpreis 8,00€ | Empfohlen ab 18 Jahren | Genre: Boys Love | Link zum Buch












