Aus Anlass des Erscheinens eines neuen Bandes habe ich mir vorgenommen, "I hear the sunspot" einen Reread zu geben, um nach der langen Pause wieder gut reinzukommen. Da bot es sich dann natürlich auch an, gleich ein paar Gedanken zum Manga festzuhalten.
Worum es geht:
Tachi braucht dringend einen Job. Durch einen Zufall lernt er Kohei kennen, einen schwerhörigen Kommilitonen. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut - im übertragenen wie auch im wörtlichen Sinn, denn durch Tachis laute Stimme kann Kohei ihn trotz seiner Beeinträchtigung gut verstehen. Bald kommen sie überein, dass Tachi Kohei bei den Mitschriften seiner Vorlesungen hilft, jeweils gegen ein gemeinsames Essen. Trotzdem ist es nicht immer ganz einfach zwischen ihnen - besonders nicht, als Kohei tiefere Gefühle für Tachi entwickelt, sich aufgrund seiner Schwerhörigkeit jedoch nicht traut, sich diese auch einzugestehen.
Meine Meinung:
Diese Rezension bezieht sich auf die ersten zwei Bände, welche sich mit der Beziehung zwischen Kohei und Tachi beschäftigen und hierzulande unter dem Titel "I hear the sunspot", im zweiten Band noch ergänzt durch den Zusatz "Die Theorie des Glücks" vertrieben wurden.
Bei den beiden Protagonisten ist eindeutig das Motto 'Gegensätze ziehen sich an' angesagt. Tachi könnte man zu Beginn schon leicht vorwerfen, ein wenig einfältig zu sein, doch man könnte es auch aus Koheis Perspektive betrachten, der sich im Umgang mit seinen Menschen ziemlich schwer tut und in Tachi einen unvoreingenommenen und offenen Freund findet. Dennoch tut er sich lange schwer damit, Tachi in sein Leben zu lassen. Durch seine Schwerhörigkeit hat er sich nach und nach immer mehr aus der Welt der Hörenden zurückgezogen, kann sich jedoch gleichzeitig nicht so richtig mit anderen Menschen in seiner Situation identifizieren, weil er seine Beeinträchtigung erst seit der Mittelschulzeit hat und außerdem im Gegensatz zu vielen anderen noch über einen Rest an Hörvermögen verfügt. Gefühlt steht er so zwischen zwei Welten, ohne sich einer davon wirklich zugehörig zu fühlen.
Ganz anders geht es da Tachi, der sich durch seine Begegnung mit Kohei langsam zu verändern beginnt. Während er sich zuvor eher hat treiben lassen, gibt ihm der Einblick in Koheis Welt endlich ein Ziel für sein Leben: er möchte seinen Freund besser verstehen, und als das bedeutet, die Probleme zu verstehen, mit denen dieser im Alltag einer hörenden Welt konfrontiert ist, möchte er aktiv etwas daran ändern.
Den Umgang mit Koheis Schwerhörigkeit habe ich beim Lesen als Besonderheit und auch Stärke des Mangas empfunden. Man lernt viel über das Thema und über die Probleme von Menschen mit Beeinträchtigungen der Hörfähigkeit in Japan, und ich habe die Erzählweise dabei als ebenso informativ wie auch feinfühlig betrachtet.
Auf der Beziehungsebene ist der Manga an dieser Stelle dafür noch deutlich sperriger. Es gibt zahlreiche Missverständnisse, die sich durch richtige Kommunikation hätten verhindern lassen können und eine weibliche Antagonistin, die unsympathischer dargestellt wird, als es die Umstände meiner Meinung nach erfordert hätten. Doch der Manga hat auch seine schönen Momente, in denen die beiden Protagonisten sich näher kommen und besser verstehen lernen dürfen und die mich doch etwas über diese Schwächen hinweggetröstet haben.
Der Zeichenstil lässt für mich hingegen auch abseits der wunderschönen Farbillustrationen keine Wünsche offen und passt gut zum ruhigen Charakter des Mangas. Positiv empfunden habe ich auch, dass beide Bände, insbesondere aber der zweite, wirklich sehr dick sind und der Story damit viel Raum lassen, sich zu entfalten. Überstürzte Entwicklungen sucht man hier also glücklicherweise vergebens.
Alles in allem habe ich "I hear the sunpot" auch beim erneuten Lesen als soliden Auftakt empfunden, der mich trotz einiger unnötiger Mini-Dramen motiviert hat, der Geschichte von Tachi und Kohei weiter zu folgen, auch wenn ich die Stärken zu diesem Zeitpunkt eher in der Thematik rund um Koheis Schwerhörigkeit sowie in Tachis Suche nach seinem Ziel im Leben als in der Beziehungsdynamik der beiden sehen würde.
I hear the sunspot | Y. Fumino | Carlsen Manga | Originalpreis: 7,99€ & 9,99€ | Genre: Boys Love | Empfohlen ab 15 Jahren | Link zum Buch

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