Dienstag, 14. Juli 2026

Filmvorstellung: Perfect Days von Wim Wenders

Es kommt dieser Tage selten genug vor, dass ich mal mit vollem Interesse einen Film verfolge, und noch viel seltener, dass ich dann auch noch das Bedürfnis habe, diesen vorzustellen. „Perfect Days“ von Wim Wenders ist so ein Beispiel.

In dem Film von 2023 geht es um Hirayama, einen Mann schon etwas fortgeschrittenen Alters, der in Tokyo als Toilettenputzer arbeitet. Alleinstehend und recht wortkarg folgt sein Alltag einer immer wiederkehrenden Routine. In seiner schlichten Wohnung in einem recht altmodischen Teil Tokyos kümmert er sich um seine Bonsais und zieht sich vor der Tür eine Dose Kaffee aus einem Automaten, eh er zu seiner Arbeit in den modernen Teil der Stadt aufbricht. Nach getaner Arbeit besucht er manchmal eine Sportsbar, an den Wochenenden putzt er die Wohnung und kümmert sich um die Fotos, die er in seinen Pausen im Park mit einer analogen Kompaktkamera geschossen hat. Abends liest er gerne, oft japanische oder internationale Klassiker.

Was auf Außenstehende sehr bescheiden und vielleicht sogar ein bisschen traurig erscheinen mag, macht Hirayama jedoch ausgesprochen glücklich. Er ist zufrieden mit seinem Leben und erledigt seine Arbeit gewissenhaft, und es hätte ihn wohl nicht gestört, wenn sich an seiner Situation niemals irgendetwas geändert hätte.

Doch so läuft es natürlich nicht im Leben, und so kommt es auch für Hirayama immer mal wieder zu Situationen, die seinen Alltag stören. Manchmal handelt es sich dabei nur um Zufallsbegegnungen, die ein wenig Schwung in seinen Tagesablauf bringen und an denen er sich nicht stört, doch manchmal eben auch mehr. So steht eines Abends seine jugendliche Nichte vor der Tür, nachdem sie von Zuhause abgehauen ist und konfrontiert ihn so mit familiären Problemen, denen er sich wohl lieber nicht gestellt hätte. In einer anderen Situation kündigt sein unzuverlässiger junger Kollege plötzlich seine Arbeit und zwingt ihn so zu einem Haufen Überstunden oder ein fremder, kranker Mann zwingt ihn plötzlich dazu, sich mit seinen eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen. All diese Szenen sind vollkommen ruhig umgesetzt, es passieren keine großen Dramen oder ähnliches – und gerade darum zeigen sie umso schöner, wie sehr solch vermeintliche Kleinigkeiten es vermögen, Hirayamas Leben aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Generell lebt dieser Film von seiner genauen Beobachtungsgabe und der Darstellung kleiner Details. Hirayama spricht kaum, dennoch werden seine Gedanken und Gefühle den Zuschauern ganz deutlich vermittelt. Auch die Mimik des Hauptdarstellers Koji Yakusho trägt dazu bei, denn sie ist sehr lebhaft und spiegelt so die unterschiedlichsten Gefühle wider. Darum ist es auch – anders als bei so vielen neuen Filmen – so spannend, den Film genau zu betrachten. Die Erklärungen ergeben sich hier aus den Handlungen selbst, aus kleinen Szenen, Gesten und Gesichtsausdrücken. Das ist erfrischen in einer Zeit, in der Filme oft übermäßig lang erscheinen und jeden Schritt erklären, weil sie bewusst so gedreht werden, dass man sie auch neben der Handynutzung ‚konsumieren‘ kann.

Ich jedenfalls hatte große Freude an „Perfect Days“. Gäbe es mehr Filme, die so einen großen Wert auf die kleinen Dinge legten, würde ich wohl auch häufiger mal wieder bewusst zuschauen.


 

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