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Dienstag, 14. Juli 2026

Filmvorstellung: Perfect Days von Wim Wenders

Es kommt dieser Tage selten genug vor, dass ich mal mit vollem Interesse einen Film verfolge, und noch viel seltener, dass ich dann auch noch das Bedürfnis habe, diesen vorzustellen. „Perfect Days“ von Wim Wenders ist so ein Beispiel.

In dem Film von 2023 geht es um Hirayama, einen Mann schon etwas fortgeschrittenen Alters, der in Tokyo als Toilettenputzer arbeitet. Alleinstehend und recht wortkarg folgt sein Alltag einer immer wiederkehrenden Routine. In seiner schlichten Wohnung in einem recht altmodischen Teil Tokyos kümmert er sich um seine Bonsais und zieht sich vor der Tür eine Dose Kaffee aus einem Automaten, eh er zu seiner Arbeit in den modernen Teil der Stadt aufbricht. Nach getaner Arbeit besucht er manchmal eine Sportsbar, an den Wochenenden putzt er die Wohnung und kümmert sich um die Fotos, die er in seinen Pausen im Park mit einer analogen Kompaktkamera geschossen hat. Abends liest er gerne, oft japanische oder internationale Klassiker.

Was auf Außenstehende sehr bescheiden und vielleicht sogar ein bisschen traurig erscheinen mag, macht Hirayama jedoch ausgesprochen glücklich. Er ist zufrieden mit seinem Leben und erledigt seine Arbeit gewissenhaft, und es hätte ihn wohl nicht gestört, wenn sich an seiner Situation niemals irgendetwas geändert hätte.

Doch so läuft es natürlich nicht im Leben, und so kommt es auch für Hirayama immer mal wieder zu Situationen, die seinen Alltag stören. Manchmal handelt es sich dabei nur um Zufallsbegegnungen, die ein wenig Schwung in seinen Tagesablauf bringen und an denen er sich nicht stört, doch manchmal eben auch mehr. So steht eines Abends seine jugendliche Nichte vor der Tür, nachdem sie von Zuhause abgehauen ist und konfrontiert ihn so mit familiären Problemen, denen er sich wohl lieber nicht gestellt hätte. In einer anderen Situation kündigt sein unzuverlässiger junger Kollege plötzlich seine Arbeit und zwingt ihn so zu einem Haufen Überstunden oder ein fremder, kranker Mann zwingt ihn plötzlich dazu, sich mit seinen eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen. All diese Szenen sind vollkommen ruhig umgesetzt, es passieren keine großen Dramen oder ähnliches – und gerade darum zeigen sie umso schöner, wie sehr solch vermeintliche Kleinigkeiten es vermögen, Hirayamas Leben aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Generell lebt dieser Film von seiner genauen Beobachtungsgabe und der Darstellung kleiner Details. Hirayama spricht kaum, dennoch werden seine Gedanken und Gefühle den Zuschauern ganz deutlich vermittelt. Auch die Mimik des Hauptdarstellers Koji Yakusho trägt dazu bei, denn sie ist sehr lebhaft und spiegelt so die unterschiedlichsten Gefühle wider. Darum ist es auch – anders als bei so vielen neuen Filmen – so spannend, den Film genau zu betrachten. Die Erklärungen ergeben sich hier aus den Handlungen selbst, aus kleinen Szenen, Gesten und Gesichtsausdrücken. Das ist erfrischen in einer Zeit, in der Filme oft übermäßig lang erscheinen und jeden Schritt erklären, weil sie bewusst so gedreht werden, dass man sie auch neben der Handynutzung ‚konsumieren‘ kann.

Ich jedenfalls hatte große Freude an „Perfect Days“. Gäbe es mehr Filme, die so einen großen Wert auf die kleinen Dinge legten, würde ich wohl auch häufiger mal wieder bewusst zuschauen.


 

Montag, 8. Juli 2019

Filmvorstellung: Weil Du nur einmal lebst - die Toten Hosen auf Tour

Ende März lockte mich einmal wieder ein Film mit Musikschwerpunkt in das lokale Kino. Dieses Mal handelte es sich um die Tourdokumentation "Weil Du nur einmal lebst - die Toten Hosen auf Tour" von der Regisseurin Cordula Kablitz-Post. Sie hatte die Düsseldorfer zuvor auf deren großer Laune der Natur-Tour begleitet.

Im Gegensatz zu anderen musikalischen Specials, die man in den letzten Jahren im Kino sehen konnte (ich sage nur Rammstein und Muse), bekamen die Zuschauer mit "Weil Du nur einmal lebst" keinen reinen Konzertmitschnitt zu sehen, sondern eine richtige Dokumentation. Zwar gab es natürlich auch immer wieder kürzere Auschnitte aus den Auftritten der Toten Hosen, aber im Fokus stand vielmehr das Tourleben selbst. Das ergab einen interessanten Einblick für alle Fans, die das Geschehen auf einer Tour ja in aller Regel nur von dem Platz vor der Bühne aus kennen.

Die Band wurde dabei sowohl in den schönen als auch den schwierigeren Momenten einer solch riesigen Reise gezeigt. So konnte man mal mit den Mitgliedern lachen, bekam jedoch auch mal ziemlich ungefiltert den Stress und die schlechte Laune mit, als Campino mitten in der Tour einen Hörsturz erlitt, wobei die Fortsetzung der Tour eine Zeit lang auf der Kippe stand. Auch ein nostalgischer Ausflug ins Berliner SO36, einer wichtigen Location in der Geschichte des deutschen Punks sowie das fulminante Tourfinale in Argentinien durfte man so miterleben und ein bisschen von der Stimmung einfangen.

Immer wieder kamen die Mitglieder der Band zu verschiedenen Themen zu Wort, was sowohl interessant als auch unterhaltsam war. Campino erwies sich in manchen Situationen als kleine Diva, beispielsweise bei der Kleiderwahl vor einem Auftritt, was ihn aber irgendwie noch sympathischer wirken ließ als ohnehin schon. Alles in allem konnte man fast gar nicht anders, als die Band danach noch ein kleines Stück lieber zu mögen als ohnehin schon. Außerdem befiel einen fast zwangsläufig dieses unbändige Bedürfnis, endlich mal wieder selbst ein Konzert der Toten Hosen zu besuchen - mein letzter und leider bisher auch einziger Besuch ist allerdings auch schon sage und schreibe neunzehn Jahre her, da wird es also ohnehin mal wieder Zeit. ;)

Mir persönlich hat "Weil Du nur einmal lebst - die Toten Hosen auf Tour" jedenfalls ausgesprochen gut gefallen. Der Film war unterhaltsam und hat einem als Fan ganz neue Eindrücke und Perspektiven in die Band und das Leben auf Tour gewährt. Einziger Kritikpunkt: mich hätte es gefreut, wenn zwischendurch auch mal das eine oder andere Lied von der Tour komplett gezeigt worden wäre statt nur in eher kurzen Auszügen. Allerdings hätte das vermutlich den üblichen Rahmen einer Kinovorführung gesprengt, betrug die Laufzeit doch so schon beinah zwei Stunden.

Mein Fazit für Fans und alle, die es werden möchten: unbedingt mal reinschauen. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon auf das Release fürs Heimkino.

Trailer:


Dienstag, 11. Dezember 2018

Filmvorstellung: Muse - Drones World Tour

Ich bin kein regelmäßiger Kinogänger, und so musste 2018 auch erst mehr als das halbe Jahr vergehen, bis es mich zum ersten Mal in einen Kinosaal zog. Anlass war die Ausstrahlung des Konzertfilmes "Drones World Tour" von Muse am 12. Juli. 

Nach Rammstein hatte nun also auch die britische Rockband Muse ihre Live Performance festgehalten und in Form eines Kinofilms festgehalten. Eine schöne Möglichkeit für alle, die dabei waren, sich noch einmal zurückzuerinnern. Aber auch für Leute wie mich, die so einen Einblick in die Bühnenshow der Band bekommen. Und was soll ich sagen: ich für meinen Teil war ziemlich beeindruckt von dem, was Muse da auf die Beine gestellt hatten! 

Der Sound im Kino ließ wenig zu wünschen übrig, auch die Lautstärke war angemessen. Doch richtig faszinierend waren die Bilder, die das Konzerterlebnis vor den Augen entstehen ließen. Was Muse den Besuchern auf der Drones World Tour 2015/16 darboten, war offensichtlich lange kein schnödes Rockkonzert mehr, sondern ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk - und dieses ließ sich auch ganz hervorragend für die große Kinoleinwand festhalten.

In eineinhalb Stunden gab es einen guten Querschnitt durch das langjährige und vielseitige Schaffen der Band zu hören, verschiedene Kameras hielten das Geschehen aus den unterschiedlichsten Winkeln fest und ließen die Show so plastisch vor den Augen der Kinobesucher entstehen. Gelegentliche Schwenks ins Publikum vermittelten auch einen guten Einblick in die offensichtlich großartige Stimmung bei den Auftritten.

Als ich nach Ende der Vorführung das Kino verließ, hatte ich jedenfalls plötzlich unbändige Lust, mal wieder ein Muse-Konzert zu besuchen. Und ich wette, dass es nicht nur mir so ging, denn aus zahlreichen Autos tönten beim Verlassen des Parkplatzes die vertrauten Klänge des einen oder anderen Stücks der Band. Da kann man nur sagen: Ziel erreicht, setzen, sehr gut!


Samstag, 22. April 2017

Filmvorstellung - Rammstein: Paris

So, es wird Zeit, dass ich mich endlich an die so lange liegen gebliebenen Artikel aus dem letzten Monats mache. Beginnen möchte ich heute Abend mit einem ganz besonderen Kinobesuch.

Am 24. März habe ich in Aachen eine von drei Vorstellungen des Konzertfilms "Rammstein: Paris" besucht. So ganz genau wusste ich vorher nicht, was mich da eigentlich erwarten würde, aber ich war gespannt.

Schon vor Einlass hatte sich im Foyer des kleinen Aachener Kinos Eden Palast an diesem Freitagabend eine recht ansehnliche Menge Menschen versammelt. Das Publikum war dabei ziemlich gemischt, sowohl alterstechnisch als auch optisch. Junge Männer in Rammstein-Shirts traf man ebenso an wie eher gewöhnlich aussehnde Besucher zwischen 16 und 66. Ich selber war ja auch mit meiner Mutter da, die schon lange ein großer Rammstein-Fan ist. 

Bis zum Beginn des Films verging nach dem Einlass aus unerfindlichen Gründen nochmal einiges an Zeit, aber das trübte die Vorfreude eigentlich kaum. Irgendwann ging es dann aber tatsächlich los, und ich muss sagen, dass dieser "Film" (so richtig will der Ausruck ja nun irgendwie nicht passen) wirklich nicht lange brauchte, um mich zu packen. Etwas mehr als 1 1/2 Stunden konnte man dann bildgewaltig auf der großen Kinoleinwand erleben, was Rammstein auf ihren Liveshows dem Publikum kredenzen. Regisseur Jonas Åkerlund hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet: Die Kamerawechsel ließen keine Langeweile aufkommen und man hatte nie das Gefühl, etwas zu verpassen. Das Mienenspiel von Sänger Till Lindemann stand dabei ebenso mal im Fokus wie die grandiosen Showeinlagen oder natürlich die fast schon legendäre Pyroshow der Band. Auch die Stimmung im Publikum wurde gut eingefangen. Was mich angeht, ließ auch die Songauswahl kaum Wünsche offen, mit einer guten Mischung sämtlicher Hits der Band. Mit "Frühling in Paris" wurde es am Ende für Rammstein-Verhältnisse sogar richtig romantisch. ;)

Am Anfang fand ich es noch etwas gewöhnungsbedürftig, ein Konzert auf der Kinoleinwand zu verfolgen. Irgendwie übertrug sich das Konzertfeeling ja, schon durch die beinah konzertwürdige Lautstärke, man wollte mit dem Kopf wippen und musste sich manchmal zusammenreißen, zwischen den Songs nicht mit dem Pariser Publikum zu applaudieren. 

Für mich war es in jedem Fall ein ziemlich gelungener Kinoabend, obwohl ich mich jetzt nicht unbedingt als Über-Fan der Band bezeichnen würde. Passen eigentlich ziemlich gut zusammen, Rammstein und die große Kinoleinwand.

Reinschauen:

Sonntag, 24. April 2016

Filmvorstellung: Die Legende von Sarila

Weil es vorgestern Abend so schön war auf Super RTL habe ich gestern Abend doch glatt noch einmal eingeschalten. Wieder stand ein Animationsfilm auf dem Programm, diesmal ein kanadischer. Es handelte sich dabei um den Film "Die Legende von Sarila" (Original: The Legend of Sarila / La Légende de Sarila) von Nancy Florence Savard aus dem Jahr 2013.

Bei "Die Legende von Sarila" war es besonders das Thema des Films, das mich neugierig werden ließ: Der Film spielt vor über 100 Jahren bei nordkanadischen Inuit, deren Dorf von einer Hungersnot bedroht wird. Die Abwege des Schamanen Croolik haben die Geister erzürnt, die dem Stamm daraufhin die Tiere zum Jagen genommen haben. Um die Tiere zurückzuholen und die Menschen vor dem Verhungern zu retten, wird eine Expedition zusammengestellt. Drei junge Inuit, ausgewählt von dem hinterlistigen Schamanen, sollen sich dafür auf den Weg in das legendäre Land Sarila machen. Croolik wählt für diese Expedition den jungen Waisen Markussi aus, der ihm schon lange ein Dorn im Auge ist, verfügt er doch offensichtlich über schamanische Fähigkeiten. Eher durch einen Zufall schließen sich der Reise auch Markussis bester Freund Poutulik und dessen Verlobte Apik mit ihrem zahmen Lemming an. Gemeinsam machen sie sich auf die gefährliche Reise, nicht ahnend, welche Hintergedanken Croolik eigentlich verfolgt und wie sehr dieses Abenteuer ihre Freundschaft noch auf die Probe stellen wird...

Mir hat "Die Legende von Sarila", der ursprünglich als 3D-Film gedreht wurde, ausgesprochen gut gefallen. Die Geschichte des Films war spannend, die Charaktere interessant. Man konnte gut verfolgen, wie Markussi, der Held des Films, langsam in seine Bestimmung als Schamane hineinwuchs und zunehmend die Bereitschaft entwickelte, die Verantwortung, die mit dieser Position einhergeht, anzunehmen. Auch Häuptlingssohn Poutulik und Apik, die insgeheim schon länger mit den althergebrachten Traditionen des Stammes haderte, gingen sichtlich gestärkt aus ihrem Abenteuer hervor. Für sie alle war die Reise nach Sarila auch eine Reise zu sich selbst, keiner von ihnen blieb als statischer Charakter auf der Strecke. Und auch der Schamane Croolik bleibt dem Zuschauer zum Glück nicht als durch und durch böser Stereotyp in Erinnerung, auch wenn man auf seine Beweggründe zugegebenermaßen noch etwas näher hätte eingehen können.

Ich habe "Die Legende von Sarila" als einen wirklich unterhaltsamen Animationsfilm erlebt. Der Film verfügt über eine spannende Abenteuergeschichte, sympathische Charaktere und auch einen Hauch einer Liebesgeschichte. Die für uns fremde Welt der Inuit mit ihren starken Traditionen, den Legenden und Geistern wird hier auf fantastische Art und Weise zum Leben erweckt. Untermalt wird das ganze darüber hinaus noch von einem wirklich zauberhaften Soundtrack von Olivier Auriol, Manuel Gasse und Elisapie Isaac. Ein Film, der wirklich großen Spaß macht!

Trailer:


Samstag, 23. April 2016

Filmvorstellung: Johan und der Federkönig

Wie bereits erwähnt, habe ich dieses Wochenende recht spontan etwas mehr Zeit als gedacht. So kam ich dann gestern Abend auch dazu, mir auf Super RTL die Ausstrahlung des schwedisch-dänischen Animationsfilms "Johan und der Federkönig" anzusehen. Da ich nordischen Filmen selten widerstehen kann, folgt an dieser Stelle nun eine kleine Rezension.

In "Johan und der Federkönig" (Originaltitel: Resan till Fjäderkungens rike) geht es um das Kaninchenjunge Johan. Zusammen mit seinen Eltern lebt er ein glückliches Kaninchenleben, bis eines Tages der Federkönig kommt und seine kranke Mutter holt. Aus Angst, der Federkönig könne zurückkommen, flieht Johans Vater mit ihm auf das Meer - denn es gibt nichts, was der Federkönig so sehr fürchtet wie das Wasser. 

Doch Johan vermisst seine Mutter unheimlich. Als er eines Tages alleine auf dem Schiff ist und einen Notruf von Bill, dem unbekannten Vertrauten seines Vaters, auffängt, der vom Federkönig bedroht wird, macht er sich ganz allein auf den Weg. Er will in das Reich des Federkönigs und dort seine Mutter suchen und sie wieder nach Hause zurückholen.

Regisseur Esben Toft Jacobsen nährt sich mit dem Kinderfilm "Johan und der Federkönig" einem für dieses Genre schwierigen Thema, dem des Verlustes eines geliebten Angehörigen. Der kleine Johan setzt in dem Film alle Hebel in Bewegung, um seine Mutter aus dem Reich des Federkönigs zurückzuholen - muss aber am Ende einsehen, dass manche Dinge einfach unmöglich sind. 

Trotz des ernsten Themas ist der Film überwiegend heiter, die hintergründige Botschaft vielleicht nicht für jedes Kind gleich erkennbar (der Film hat in Deutschland eine FSK Freigabe ab 6 Jahren). Die Charaktere sind alle niedlich gestaltet, wirken mit ihren langen, dünnen Gliedern aber auch gleichzeitig lustig. Besonders die Hauptfigur Johan schließt man als Zuschauer mit seiner naiv-frechen Art schnell ins Herz. 

Mir jedenfalls hat dieser Film, der in Schweden als erster einheimischer 3D-Animationsfilm überhaupt erschien, insgesamt recht gut gefallen. Über die 3D-Effekte kann ich nichts sagen, jedoch wusste der Film durch seine Geschichte, die Charaktere und die Grafik auch ganz ohne diese zu überzeugen. "Johan und der Federkönig" bietet gute Unterhaltung für die ganze Familie. Wer mal einen Blick auf einen nicht-amerikanischen Animationsfilm werfen will, sollte hier ruhig mal einen Blick riskieren.

Trailer:


Mittwoch, 16. März 2016

Buchvorstellung: Die Engelsfors-Trilogie

Vor einiger Zeit hatte ich ja angekündigt, meine Buchrezensionen weitestgehend nur noch über lovelybooks zu veröffentlichen und dann hier zu verlinken. Das möchte ich auch so beibehalten, aber ab und an - so wie heute - werde ich auch nochmal eine Ausnahme machen. Heute nämlich möchte ich kein einzelnes Buch, sondern eine Trilogie vorstellen. Eine Trilogie, die zu den besten zählt, welche ich in der letzten Zeit in die Finger bekommen habe.

Es geht um die "Engelsfors-Trilogie" von Sara B. Elfgren und Mats Strandberg. In Deutschland wurde die Trilogie im Dressler-Verlag veröffentlicht, sowohl als Hardcover - als auch als Taschenbuchausgabe. Ursprünglich stammt die Jugend-Fantasy-Reihe aus Schweden. 

Die Engelsfors-Trilogie besteht aus den drei Bänden "Zirkel", "Feuer" und "Schlüssel". Alle drei Bände erzählen eine fortlaufende Geschichte, man sollte also in jedem Fall mit dem ersten Band "Zirkel" beginnen.

Nun aber zum Inhalt: Engelsfors ist ein ziemlich tristes, schwedisches Städtchen, da sind sich auch die jugendlichen Protagonisten der Reihe einig. Das ist am Anfang neben der Tatsache, dass sie die selbe Schule besuchen, auch die einzige Gemeinsamkeit, die sie zu verbinden scheint. Minoo ist super intelligent und in der Schule stets die Beste, Freunde hat sie jedoch keine. Rebecka wird von den meisten ihrer Mitschüler für ihr scheinbar perfektes Leben beneidet. In Vanessas Leben dreht sich alles um ihren Freund Wille und um wilde Parties mit ihren besten Freundinnen. Linnea wird von den meisten für einen Freak gehalten und kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass sie ihr Leben wohl nie in den Griff kriegen wird. Für die pummelige Anna Karin ist das Schulleben eine Tortur, da sie schon seit Jahren gemobbt wird. Und Ida, das typische Pferdemädchen, ist eine von ihren ärgsten Peinigern.

Plötzlich beginnen seltsame Geschehnisse Engelsfors zu treffen. Elias, ein weiteres Mobbingopfer von Ida und Linneas bester Freund, begeht auf der Schultoilette Selbstmord. Doch Linnea zweifelt von Anfang an daran, dass Elias freiwillig sein Leben beendet hat. Als eines Nachts ein blutroter Mond über Engelsfors auftaucht, gerät das Leben der sechs so unterschiedlichen Mädchen endgültig aus den Fugen. Sie erfahren, dass die Welt kurz vor dem Untergang steht und dass nur sie etwas daran ändern können.

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite, so habe ich die Lektüre der Engelsfors-Trilogie empfunden. Das Autorenduo Sara B. Elfgren und Mats Strandberg versteht es wunderbar, in ihrer ersten gemeinsamen Reihe das Beste aus Fantasy und Jugendbuch zu kombinieren und daraus eine wahrhaft fesselnde Story zu entwickeln. Sechs Hauptpersonen mögen auf den ersten Blick zwar viel erscheinen, aber die Bücher werden ihnen allen gerecht und sie ermöglichen den Lesern außerdem Einblicke aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Erzählperspektive wechselt Kapitel für Kapitel von einem der Mädchen zum nächsten. Im ersten Band dauert es dadurch natürlich eine Weile, bis man den vollen Durchblick hat, aber dann wird es durch die Perspektivwechsel nur umso spannender.

Eine große Stärke der Reihe liegt für mich auch wirklich darin, dass den Charakteren so viel Zeit gewidmet wird. Es geht nicht immer nur um die große Sache - also eben um die Frage, wie man die Welt retten kann - sondern auch um ganz alltägliche Teenager-Probleme. Alle haben dabei mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen und vieles ist nicht so, wie es am Anfang zu sein scheint. Auch sind die Charaktere der Mädchen zum Glück nicht statisch. Sie alle entwickeln sich weiter, wachsen an ihren Aufgaben und erhalten neue Einblicke in ihre eigenen Persönlichlichkeiten.

Für mich jedenfalls ist die Engelsfors-Trilogie eine absolute Leseempfehlung. Eine spannendes, gut geschriebene Jugendbuchreihe mit einer guten Fantasy-Story, die mir hervorragend gefallen hat.

In Schweden ist der erste Band "Zirkel" auch bereits erfolgreich verfilmt wurden. Es würde mich so unglaublich freuen, wenn es der Film auch auf den deutschen Markt schaffen würde. Hier gibt es noch einen Trailer zum Film - natürlich in Schwedisch:


Mittwoch, 20. Mai 2015

Filmvorstellung: Mara und der Feuerbringer

Zum ersten Mal in diesem Jahr hatte ich mal wieder das dringende Bedürfnis, unbedingt einen Film im Kino sehen zu wollen. Es handelte sich dabei ungewöhnlicherweise sogar mal um einen deutschen Film. Einen deutschen Fantasyfilm, um ganz genau zu sein. Und dabei noch dazu eine Buchverfilmung. Manch einer mag jetzt ganz schnell weglesen wollen, doch das wäre unbegründet. Denn "Mara und der Feuerbringer" ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass so etwas durchaus funktionieren kann.

Aufmerksam geworden bin ich auf die Verfilmung des ersten Bandes von Tommy Krappweis' Fantasy-Buchreihe "Mara und der Feuerbringer" bereits im vergangenen Jahr auf der HobbitCon. Dort war ich eher zufällig in einer Bühnendiskussion mit Autor Krappweis und Rudolf Simek, einem der wohl bekanntesten Altskandinavisten Deutschlands, gelandet. Und ich war sehr angetan gewesen von dem, was ich sah und hörte. Eine Fantasygeschichte, in der sich alles um die nordische Mythologie dreht und in der ein Skandinavistik-Professor eine tragende Rolle inne hat - was bitte kann man sich als Skandinavistikstudent mehr wünschen? 

Entsprechend war die Freude groß, als endlich der Kinostart für Anfang April angekündigt wurde. Leider erfuhr die Freude bald einen kleinen Dämpfer, als sich herausstellte, dass der Film vielerorts als reiner Kinderfilm eingestuft wurde, und darum nur zu reichlich unschönen Zeiten gezeigt wurde. Bis es meiner Freundin und mir endlich gelungen war, einen geeigneten Termin zu finden, war knapp ein Monat seit Kinostart vergangen und das nächstgelegene Kino, dass den Film noch zeigte, lag in Dinslaken - 2 1/2 Stunden Zugfahrt von meinem Zuhause entfernt. That's life, und wozu habe ich denn ein NRW-Semesterticket, dachte ich mir und machte mich auf den Weg. So kam es dann, dass wir an einem schönen Montagmittag zu zweit und als einzige Besucher "Mara und der Feuerbringer" anschauen durften.

Worum geht es eigentlich in dem Film? Hauptperson ist die junge Mara Lorbeer, die es wahrlich nicht einfach hat. Sie wäre am liebsten ein ganz normales, möglichst unauffälliges Mädchen, muss sich jedoch ständig mit ihrer Mutter, die sich auf einem ziemlich heftigen Esoterik-Trip befindet herumschlagen. Außerdem plagen Mara ständig seltsame Tagträume von kämpfenden Menschen aus offenbar längst vergangenen Zeiten. Ganz schlechte Vorzeichen, wenn man doch einfach nur normal sein möchte... Richtig aus den Fugen gerät Maras welt, als eines Tages ein Zweig zu ihr spricht und ihr erzählt, sie sei eine Spákona und müsse die Welt vor dem Ragnarök bewahren, indem sie Loki daran hindert, sich aus seinem Gefängnis zu befreien. Vollkommen überfordert von der Situation beschließt Mara, sich Hilfe zu suchen und stüßt dabei auf den Münchener Skandinavistik-Professoren Dr. Reinhold Weissinger. Doch wie bringt man einen Mann der Wissenschaft dazu, einem so eine Geschichte zu glauben? Und wie bitte soll man als junges Mädchen, dass sich kaum gegen seine fiese Mitschülerin Larissa wehren kann, eigentlich gleich die ganze Welt vor dem Untergang retten? Den Gedanken an ein normales Leben kann Mara damit wohl erstmal aufgeben...

Zunächst einmal: Wie ich schon geschrieben habe, wurde "Mara und der Feuerbringer" leider von den Kinos als reiner Kinderfilm eingestuft. Ich halte das für Blödsinn. Meinen Beobachtungen nach herrschte an dem Film bereits vor Kinostart ein großes Interesse in Fantasyfankreisen, unter Mittelalterfreunden, Larpern, Reenactorn, Skandinavisten und, und, und. An vielen Stellen habe ich gelesen, dass man den Film sehr gerne im Kino gesehen hätte. Doch nicht jeder hat nun einmal das Glück wie meine Begleitung und ich, unter der Woche gegen Mittag ins Kino gehen zu können. Ehrlich gesagt hat so manch einer da vielleicht auch schlicht und ergreifend keine Lust zu. Durch die Einstufung als Kinderfilm wurde dem Film so meiner Meinung nach schon einiges an Erfolgspotenzial genommen, und das ist sehr schade. Es ist nämlich ein verdammt guter Film geworden. 

Ich bin wirklich kein Filmkenner, insbesondere von deutschen Schauspielern habe ich wenig Ahnung, aber die meisten Rollen in "Mara und der Feuerbringer" wurden mit Schauspielern besetzt, die selbst mir vorher schon bekannt waren. Hauptdarstellerin Lilian Prent war mir vorher noch unbekannt, konnte mich aber sofort überzeugen. Sie kommt in ihrer Rolle als Mara einfach unheimlich sympathisch rüber und ähnelt wirklich der Mara, die ich mir nach dem Lesen des Buches vorgestellt hatte. Esther Schweins spielt Maras Mutter, die einen mit ihrer Frauengruppe, den 'Wiccas von der Au' immer wieder sehr zu erheitern vermag und Loki kommt gespielt von Christoph Maria Herbst genauso listig rüber, wie man ihn sich aus den alten Sagenstoffen vorstellt. Selbst Billy Boyd, bekannt aus dem Herr der Ringe, hat einen kurzen Gastauftritt, ebenso wie Skandinavistikprofessor Rudolf Simek, der ganz offensichtlich ein Herz für Fantasy hat und mit dem Tommy Krappweis ja schon bei der Entstehung der Bücher zusammengearbeitet hatte.

Besonders begeistert hat mich aber Jan Josef Liefers als Prof. Dr. Weissinger. Gäbe es diesen Professor wirklich, er würde sich mit all seiner Schrulligkeit, der leichten Zerstreutheit und der uneingeschränkten Begeisertung für sein Fach wunderbar in unser Skandinavistik-Institut einfügen. Maras Gespräch mit ihm in seinem Büro über Hörnerhelme und Plastik-Wikingerschiffe zählt zu meinen absoluten Highlights im Film. :D

Für mich ist "Mara und der Feuerbringer" ein wirklich großartiger Film geworden, der Menschen aller Altersklassen begeistern kann. Kinder und Jugendliche können an dem Film genauso Freude haben wie alle, die sich in ihrer Frezeit mit der nordischen Mythologie, Mittelalter oder Fantasy beschäftigen. Der Umgang mit der nordischen Mythologie ist zudem erfrischend klischeefrei, die Götter erscheinen nicht wie Figuren aus Superheldencomics oder aus Wagners Operns. Sattdessen erfährt man, wenn man sich noch nie damit beschäftigt hat, tatsächlich einiges aus der Mythologie. Zum Beispiel von Loki, der das Fischernetz erfunden hat, von Thors Fischzug oder davon, wie man sich im wikingerzeitlichen Skandinavien das Entstehen von Erdbeben erklärt hat. Und es wäre bewiesen: es kann ihn wirklich geben, den guten, deutschen Fantasyfilm!

Ein kleiner Einblick in den Film und den ebenfalls sehr interessanten Soundtrack:


Freitag, 5. Dezember 2014

Buchvorstellung: Marko Leino - Wunder einer Winternacht

Autor: Marko Leino
Titel: Wunder einer Winternacht [Finnisches Original: Joulutarina]
Erschienen: 2007 [In Deutschland 2008]

Eigentlich bin ich ein bisschen spät dran mit dieser Buchvorstellung, aber da mir das Buch am Herzen liegt, möchte ich sie dennoch jetzt und hier veröffentlichen. Es ist nämlich so, dass es sich bei diesem wunderschönen finnischen Buch um einen Adventskalender handelt. Aber natürlich kann man es auch einfach so in der Weihnachtszeit lesen. :)

In "Wunder einer Winternacht" geht es um den kleinen Nikolas. Dieser lebt lange vor unserer Zeit glücklich und zufrieden mit seiner armen Fischerfamilie im hohen Norden Finnlands. Sein Schicksal ändert sich jedoch vom einen auf den anderen Tag, als seine Familie durch ein tragisches Unglück zu Tode kommt.
Der kleine Junge findet sich plötzlich als Waise wieder und in seinem ärmlichen Dorf gibt es keine Familie, die sich dauerhaft um den Jungen kümmern kann. Darum machen die Dorfbewohner einen ganz besonderen Plan: Jede Familie nimmt den Jungen fortan für ein Jahr zu sich. Jedes Jahr an Weihnachten muss Nikolas dann weiterziehen. Für die ihm entgegengebrachte Freundlichkeit bedankt sich der Junge stets mit einem kleinen Geschenk bei "seiner" Familie. Doch eines Tages nimmt der Tischlermeister Lisakki, vor dem alle Kinder im Dorf Angst haben, den Jungen mit zu sich in sein einsames Heim - das Ende für Nikolas' bescheidenes Glück?

"Wunder einer Winternacht" ist eine wunderschöne Weihnachtsgeschichte in 24 kurzen Kapiteln. Man kommt gar nicht umhin, den herzensguten Nikolas, der sich trotz aller Widrigkeiten seine Freundlichkeit bewahrt, ins Herz zu schließen. Man fühlt stets mit ihm, und einige Szenen in diesem Buch bringen mich bis heute jedes Jahr wieder zum schluchzen.
Für mich handelt es sich bei diesem Roman auch wirklich einmal um ein Buch für die ganze Familie: Sprache und Geschichte sind kindgerecht, aber auch für Erwachsene wunderbar lesbar. Man wähnt sich in einem modernen Märchen zur Entstehung des Weihnachtsfestes. 

Allen, die Weihnachten mögen und Freude an einem literarischen Adventskalender haben, möchte ich dieses wunderbare Buch deswegen wärmstens ans Herz legen. Ein Roman, der auch nach mehrmaligem Lesen immer wieder zu gefallen weiß!

Meine Wertung:
♥ ♥ ♥ ♥ ♥
[5/5]

P.S.:

Wer im allgemeinen Weihnachtsstress keine Zeit zum Lesen findet: "Wunder einer Winternacht" gibt es auch als Film, und das sogar auf deutsch. Das Buch um den kleinen Nikolas wurde in Finnland nämlich sehr erfolgreich und überaus sehenswert verfilmt. Hier einmal der deutsche Trailer:


Montag, 30. Juni 2014

Filmbesprechung: The Fairy Trail - Naturgeistern auf der Spur

Ich denke, es ist nach langer Pause mal wieder Zeit für eine Filmbesprechung. Bereits vor einer ganzen Weile ist mir zufällig die DVD zu dem Dokumentarfilm "The Fairy Trail - Naturgeistern auf der Spur" in die Hand gefallen. Gestern nun habe ich endlich die Muße dazu gefunden, mir diese Doku anzuschauen und nun habe ich das Bedürfnis, meine Erfahrung damit mit euch zu teilen.

Hier zunächst einmal der Trailer zum Film:


Doch worum geht es nun konkret? Wie der Titel schon sagt, beschäftigt sich der Film mit Naturgeistern, Elementarwesen, magischen Orten. Er entführt seine Zuschauer an besondere Plätze in der Natur und folgt anhand von Interviews Menschen, die auf die eine oder andere Weise fühlen, dass sie mit den diese Orte bevölkernden Wesen in Kontakt stehen.
Da ist der Märchenerzähler, der seit vielen Jahren zu Menschen geht, die Feenerscheinungen gehabt haben und ihre Geschichten sammelt. Der Immobilienmakler, der auf einem Grundstück, welches er verkaufen soll eine Nymphe entdeckt und das Grundstück daraufhin selbst ersteht und einen Hofladen eröffnet. Oder die Frau, die sich so auf ihre Lieblingspflanze einlassen kann, dass sie genau weiß, was diese wann braucht.
Sie alle und noch viele mehr kommen hier zu Wort, und was sie erzählen wird untermalt durch wunderschöne Bilder aus der Natur und an einigen Stellen auch durch zauberhafte Musik wie die von In Gowan Ring.

Wer nun nicht an die Existenz von Wesen wie Feen und Elfen glaubt oder glauben möchte, der wird sich nun sicher fragen, was dieser Film für ihn für einen Wert haben sollte. Doch hier geht es um viel mehr: Alle Menschen, die in dieser faszinierenden Dokumentation zu Wort kommen, verfügen über eine besondere Beziehung zur Natur. Sie versuchen, auf eine tiefere, bedeutendere Art mit dieser und dem Leben in ihr in Kontakt zu treten. Sie haben verstanden, wie wichtig es ist, der Stimme der Natur zu lauschen und nach ihren Bedürfnissen zu handeln - eine Fähigkeit, die in der heutigen Zeit wichtiger, aber leider auch seltener als je zuvor zu sein scheint. Sie sehnen sich nach einem Leben im Einklang mit der Natur, wo der Mensch die Natur nicht ausbeutet sondern wie alle anderen Wesen auf dieser Welt mit ihr im Einklang lebt und sind bereit, etwas dafür zu tun.

"The Fairy Trail" ist ein Film, der zum Nachdenken anregt. Er weckt den Wunsch in einem, die Natur intensiver als zuvor wahrzunehmen und zu versuchen, aktiv mit ihr in Kontakt zu treten. Und wer weiß: mit ein bisschen Glück gelingt es einem dabei ja sogar, selbst eines der zahlreichen Elemetarwesen zu spüren.

"The Fairy Trail - Naturgeistern auf der Spur" wurde von den Hamburger Filmemachern Till Gerhard und Britta Schmidtke gedreht. 2013 war der Dokumentarfilm für den Cosmic Cine Award nominiert. Die DVD kommt in schönem und umweltfreundlichen Pappoutfit daher. Englische und deutsche Untertitel sind vorhanden.

Montag, 12. November 2012

Filmbesprechung: Arne Dahl - Böses Blut

Titel: Arne Dahl: Böses Blut [Original: Ont Blod]
Regie: Mani Masserat
Erscheinungsjahr: 2012
Herkunftsland: Schweden

Rezension:

Bei der Verfilmung von Arne Dahls Roman "Böses Blut" handelt es sich um einen weiteren Fall für die A-Gruppe. Diese Spezialeinheit der Polizei mit ihren sehr unterschiedlichen und teils etwas eigentümlichen Ermittlern wird dieses Mal eingeschaltet, als ein schwedischer Literaturkritiker in den USA ermordet aufgefunden wird. Kurz vor seinem Rückflug nach Schweden wurde der Mann brutal hingerichtet. Der Mord, bei dem es anscheinend nur um das Flugticket ging, trägt die Handschrift des so genannten Kentucky-Mörders, der die USA vor mehr als einem Jahrzehnt in Angst und Schrecken versetzte, der aber längst für tot erklärt wurde.
Zunächst gelingt es der A-Gruppe nicht, den Täter, der das Flugticket des Kritikers benutzt ausfindig zu machen und so beginnen die Ermittlungen. Auch Schweden bleibt vor Morden des Killers nicht verschont und anfangs tappen die Ermittler ziemlich im Dunkeln. Paul Hjelm, der wieder im Zentrum des Films steht, muss sich zudem auch noch damit auseinandersetzen, dass sein pubertierender Sohn in die Kriminalität abzurutschen droht. Durch ein Foto kommt ihm schließlich jedoch eine gewagte Idee, welche die Ermittlungen entscheidend voranbringt und in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Polizisten, der die Ermittlungen bei den Taten des Kentucky-Mörders in den USA leitete, macht die A-Gruppe sich an die Lösung des Falles und gelangt dabei zu unerwarteten Erkentnissen...

Wie schon beim Vorgängerfilm "Misterioso" handelt es sich bei "Böses Blut" um einen spannenden Krimi rund um die Ermittler der A-Gruppe. Auch dieses Mal bleibt die Handlung nicht auf die zu lösenden Mordfälle beschränkt, sondern der Zuschauer erfährt auch wieder einiges über die privaten Probleme der Ermittler. So bleiben diese alle keine platten Statisten sondern ermöglichen eine Identifikation. Ein weiterer Pluspunkt des Films ist auch, dass die Handlung nicht vorhersehbar ist. Als Zuschauer bangt man bis zum Ende mit, was es mit dem Mörder uns seinem Motiv auf sich hat und ist dann durchaus überrascht, wenn man die Auflösung hört. Im Gegensatz zum ersten Film "Misterioso" fiel es mir bei "Böses Blut" jedoch an manchen Stellen schwer, der Handlung zu folgen und ich musste einige Male überlegen, wie die Dinge nun zusammenhängen. Da sich dies am Ende aber alles auflöste ist es nur ein kleiner Kritikpunkt in einem insgesamt sehr guten Film.

Meine Wertung:
♥♥♥♥
[4/5]

(Diese Besprechung bezieht sich auf die TV-Fassung, die am 11.11. im ZDF ausgestrahlt wurde. Ich erwähne dies, weil mir keine Informationen darüber vorliegen ob und in wiefern diese Fassung vielleicht gekürzt wurde.)

Montag, 5. November 2012

Filmbesprechung: Arne Dahl - Misterioso

Titel: Arne Dahl: Misterioso
Regie: Harald Hamrell
Erscheinungsjahr: 2011
Herkunftsland: Schweden

Rezension:

Paul Hjelm ist Polizeiinspektor in Stockholm. Mit seiner Frau und zwei Kindern lebt er ein recht geordnetes Leben, wobei es zwischen ihm und seiner Frau leicht zu kriseln scheint.
Als es zu einer Geiselname durch einen Asylbewerber, dem mit seiner Familie die Abschiebung droht kommt, handelt Hjelm gegen die Anweisungen. Er begibt sich selbst zu dem Geiselnehmer und ist am Ende gezwungen, diesen mit waffengewalt außer Gefecht zu setzen.
Eine Suspendierung scheint unausweichlich, doch erhält Hjelm in letzter Sekunden die Möglichkeit, sein Können in einer neu gegründeten Spezialeinheit unter Beweis zu stellen. Die A-Gruppe, wie die neue Einheit benannt wird, soll sich um die Auflösung einer Reihe von Morden an Managern aus der Finanzbranche kümmern.
Eine ganze Weile tappen die sechs sehr unterschiedlichen Ermittler ziemlich im Dunkeln. Während Hjelm einer Spur nachgeht, nach der alle Opfer Mitglieder eines bestimmten Ordens waren, gehen seine Kollegen ganz anderen Theorien nach. Einer glaubt an einen verrückten Einzeltäter während ein anderer auf den Spuren der Russenmafia bis nach Estland reist. Als an einem der Tatorte schließlich eine CD mit der seltenen Liveaufnahme eines Jazz-Stückes mit dem Titel "Misterioso" gefunden wird, scheint endlich eine heiße Spur gefunden und die einzelnen Linien laufen langsam zu einem vollständigen Bild der Ereignisse zusammen.

"Misterioso" bildet den Auftakt zur Verfilmung von Arne Dahls A-Gruppen-Serie. Von der Machart ist der Film ein ziemlich gewöhnlicher schwedischer Krimi. Interessant ist meines Erachtens nach nicht unbedingt der Kriminalfall an sich - auch wenn der letzten Endes mit einer doch überraschenden Auflösung daherkommt - sondern vor allem die Tatsache, dass der Zuschauer es hier nicht mit einem einzelnen Ermittler sondern mit einem Team zu tun hat.
Obwohl Paul Hjelm klar die Hauptperson des Filmes ist, wird auch der Schilderung der anderen Ermittler einiges an Platz gelassen. Ich kann mir vorstellen, dass dies in der Buchvorlage - die ich leider bisher nicht gelesen habe - in noch höherem Maß der Fall ist. In den zwei Stunden, die der Film läuft erfährt der Zuschauer einiges über die Besonderheiten der einzelnen Ermittler, ihre Probleme, Stärken und Schwächen.
All dies macht "Misterioso" zu einem guten, wenn auch nicht herausragenden schwedischen Krimi, der gut für einen gemütlichen Fernsehabend taugt. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil!

Meine Wertung:

♥♥♥
[3/5]

(Diese Besprechung bezieht sich auf die TV-Fassung, die am 04.11. im ZDF ausgestrahlt wurde. Ich erwähne dies, weil mir keine Informationen darüber vorliegen ob und in wiefern diese Fassung vielleicht gekürzt wurde.)