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Samstag, 28. Februar 2015

Buchvorstellung: Else Ury - Nästhäkchen und ihre Puppen

Autor: Else Ury
Titel: Nästhäkchen und ihre Puppen
Erschienen: 1910er Jahre

Heute möchte ich einmal einen Klassiker der deutschen Kinderliteratur vorstellen, nämlich den ersten Band von Else Urys zehnbändiger "Nästhäkchen"-Reihe. Das Buch ist im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erschienen und heute wohl wie die gesamte Reihe nur noch in stark editierter Ausgabe erhältlich, bei der unter anderem die Sprache an eine modernere Leserschaft angepasst wurde. Bei dieser Rezension hier beziehe ich mich aber nicht auf diese überarbeitete Ausgabe, da meine Version des Buchs aus dem 1920er Jahren stammt.

In "Nästhäkchen und ihre Puppen" lernt der Leser die kleine Annemarie Braun, von ihren Eltern liebevoll Lotte gerufen, kennen. Sie lebt zusammen mit ihren Eltern, den zwei großen Brüdern Klaus und Hans, Kindermädchen und anderem Hauspersonal in Berlin in der Nähe des Tiergartens.

Zu Beginn der Geschichte ist das kleine Mädchen sechs Jahre alt und hält ihr Umfeld ganz schön auf Trab mit ihrer quirligen Art und ihren drolligen Einfällen. Ihre Tage verbringt sie meist damit, mit ihrem Fräulein im Tiergarten Spazieren zu gehen und eine treusorgende Puppenmutter zu sein. Erst später kommt sie auch ab und zu mal raus, als sie mit ihrem Bruder Klaus zu Verwandten in die Ferien fährt oder als sie in den Kindergarten kommt, weil man sie zu Hause so gar nicht mehr zu beschäftigen weiß.

Es handelt sich bei "Nästhäkchen und ihre Puppen" um ein klassiches Kinderbuch für kleine Mädchen mit vielen kleinen Episoden aus dem normalen Leben. Große Abenteuer sucht man hier (wie im normalen Leben) eher vergebens. Trotzdem fängt man schnell an, das kleine Nästhäkchen mit seiner manchmal ungewollt frechen Art liebzugewinnen und freut sich darauf, ihren eher idyllischen Alltag weiterzuverfolgen.

Obwohl das Buch nun schon hundert Jahre "auf dem Buckel" hat, habe ich die Sprache an keiner Stelle als schwer verständlich empfunden. Vielmehr vertrete ich die Ansicht, dass eine sprachliche Überarbeitung dem Buch nur an Charme rauben kann. - Die "Nästhäkchen"-Reihe lässt sich schon rein inhaltlich nicht in die heutige Zeit übertragen (welches kleine Mädchen lebt schon heute noch dauerhaft mit seinem Kindermädchen in einem Zimmer?), warum sollte man es da also bei der Sprache versuchen? In der ursprünglichen Version wirkt das Buch herrlich nostalgisch und macht das Lesen so zu einer Freude für alle, die wie ich Kinderbuchklassiker gerade deswegen lieben, weil sie in Zeiten längst vergangener Kindheiten entführen.

Ich jedenfalls hatte große Freude an "Nästhäkchen und ihre Puppen" und habe sofort im Anschluss mit großer Vorfreude den zweiten Band der Reihe, "Nästhäkchens erstes Schuljahr" hervorgeholt, weil ich so gerne wissen wollte, wie es in Lottes Leben weitergeht. Wer also irgendwo eine alte Ausgabe eines der Nesthäkchen-Bücher in die Finger kriegt und nostalgische Kinderbücher mag, sollte unbedingt einmal einen Blick riskieren. Es lohnt sich.

Meine Bewertung:

♥♥♥♥
[4/5]

Donnerstag, 18. September 2014

Buchrezension: Frances Hodgson Burnett - A Little Princess

Autor: Frances Hodgson Burnett
Titel: A Little Princess [deutsch: Sara, die kleine Prinzessin]
Erschienen: 1888

Als die kleine Sara Crewe in das Londoner Mädchen-Internat von Fräulein Minchin kommt, erscheint sie den anderen Schülerinnen zunächst wie eine wahre Prinzessin. Ihr Vater, der in Indien zu Geld gekommen ist, wünscht sich nur das Beste für seine kleine Tochter und verfügt, dass ihr alle Wünsche erfüllt werden sollen. Die Schulleiterin Fräulein Minchin heißt dies zwar nicht gut, erkennt aber die Chance auf Prestige, die sich ihrem Internat durch die neue Schülerin bietet und macht das junge Mädchen trotz ihrer offensichtlichen Abneigung gegen sie zur Vorzeigeschülerin. Dies weckt selbstverständlich den Neid einiger anderer Schülerinnen, doch die meisten kommen nicht umhin, das intelligente, freundliche Mädchen mit der lebhaften Fantasie in ihr Herz zu schließen.
Doch Saras Schicksal wendet sich auf einen Schlag, als ihr Vater in Indien stirbt und seine Tochter scheinbar mittellos zurücklässt. Fräulein Minchin sieht ihre Gelegenheit, sich des verhassten Mädchens zu entledigen und Sara verliert alles. Fortan muss sie sich unter unwürdigen Bedingungen als Haushaltshilfe in der Schule verdingen und in einer kalten Kammer unter dem Dach leben. Das einzige, was ihr in dieser Situation hilft, ist ihre Fantasie. Mit Hilfe der Vorstellung, sie sei eine wahre Prinzessin, kämpft sie sich durch den Alltag und versucht, ihre Tugenden und Hoffnungen auf keinen Fall zu verlieren, bis eines Tages ihre Fantasien Wirklichkeit zu werden scheinen...

Frances Hodgson Burnett's "A Little Princess" ist ein Kinder/Jugendbuch aus dem Jahre 1888. Ich habe es als Erwachsener zum ersten Mal gelesen und war trotzdem hin und weg. Sara, die Hauptperson der Geschichte, ist ein wirklich bemerkenswertes Mädchen. Sie ist klug, höflich und verfügt über eine blühende Fantasie. Obwohl sie alles bekommen kann, was sie möchte und es gewöhnt ist, von allen mit Respekt behandelt zu werden, ist sie niemals überheblich oder betrachtet andere als minderwertig. Man muss sie einfach gern haben. Entsprechend leidet man auch mit ihr, als sie plötzlich mittellos dasteht und so viel schlechtes erdulden muss.

Das Buch ist eindeutig für eine weibliche Leserschaft konzipiert, handelt es sich doch um eine ganz klassische Prinzessinnengeschichte. Obwohl mehr als 100 Jahre alt, ist das Buch meiner Meinung nach auch im englischen Original gut verständlich. Mir hat es mit meinen 25 Jahren wirklich Freude bereitet, "A Little Princess" zu lesen, ich habe die Geschichte förmlich verschlungen und wollte das Buch zwischendurch gar nicht mehr aus der Hand legen. Meine Ausgabe war zudem noch mit wunderschönen Illustrationen von Tasha Tudor versehen, die es auch noch zu einem wahren Augenschmaus gemacht haben. Alle, die sich für schöne Kinderbuchklassiker erwärmen können, sollten diesem Buch unbedingt eine Chance geben!

Meine Wertung:

♥ ♥ ♥ ♥ ♥
[5/5]

Dienstag, 13. Mai 2014

Buchrezension: Thomas Jeier - Der Stein der Wikinger

Autor: Thomas Jeier
Titel: Der Stein der Wikinger
Erschienen: 2009
Sprache: Deutsch

Der junge Isländer Hakon erbeutet auf seinem ersten großen Raubzug als Wikinger bei einem Überfall auf ein Kloster ein kostbares Buch. Obwohl der Junge Nordmann nicht lesen kann, entwickelt das Buch eine ungeahnte Bedeutung für ihn, als er darin die Illustration einer wunderschönen, fremdartigen Frau entdeckt. Es scheint sein Schicksal zu sein, die schöne Fremde zu suchen. Für Hakon beginnt eine abenteuerliche Reise über die Färöer Inseln und Grönland bis in das sagenumwobene Vínland auf dem amerikanischen Kontinent.

Thomas Jeier hat mit "Der Stein der Wikinger" einen kurzweiligen Abenteuerroman für Kinder und Jugendliche geschaffen, der sich gut lesen lässt. Mir persönlich war die Handlung jedoch etwas zu simpel gestrickt. Der junge Hakon begegnet an jeder der Zwischenstationen auf seiner Reise gefährlichen Gegnern, denen er sich im Endeffekt im Kampf stellen muss, bevor er danach als siegreicher Kämpfer seine Suche fortsetzen kann. Die Kämpfe werden auch jedes Mal ausführlich geschildert, was natürlich weniger blutrünstig und explizit geschieht als in vielen historischen Romanen für Erwachsene, die sich dem Thema Wikinger widmen.
In einigen kurzen Kapiteln wird zudem noch die Geschichte des Indianermädchens Ayasha geschildert. Sie ist das Mädchen aus Hakons Buch und hat in ihren Träumen ebenfalls von der Existenz des jungen Isländers erfahren. Leider ist Ayashas Geschichte nur sehr kurz angerissen, was ihrem Charakter so gut wie keine Möglichkeit zur Entfaltung gibt.

Mein Fazit: Kurzweilige Abenteuergeschichte vor historischem Hintergrund.

Meine Wertung:

♥ ♥ ♥
[3/5]

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Buchrezension: Ragnar Hovland - Alfred der Bär und Samuel der Hund steigen aus dem Pappkarton

Autor: Ragnar Hovland
Titel: Alfred der Bär und Samuel der Hund steigen aus dem Pappkarton [Original: Bjørnen Alfred og hunden Samuel forlet pappkartongen]
Erschienen: 1993 [Deutschland: 2002]
Originalsprache: Nynorsk

Rezension:

Die beiden Plüschtiere Alfred und Samuel erwachen eines Tages in einem Pappkarton auf dem Dachboden. Zunächst wissen sie nicht, wie sie dorthin gekommen sind. Nur langsam kommt ihre Erinnerung zurück. Daran, dass es früher einmal einen kleinen Jungen gegeben hat, der sie lieb hatte und in dessen warmen Bett sie schlafen durften. Doch heute steht das Haus leer, von der Familie gibt es keine Spur mehr. So beschließen die beiden,ihren einstigen Besitzer zu suchen. Doch die Welt draußen ist gefährlich für zwei kleine Plüschtiere und so müssen die beiden gefährliche Situationen meistern und sind oftmals kurz davor ihre Suche aufzugeben, besonders dann, als die Erinnerung daran, wie sie in dem Pappkarton gelandet sind immer deutlicher wird...
Mit "Alfred der Bär und Samuel der Hund steigen aus dem Pappkarton" hat Ragnar Hovland ein wunderschönes Buch für Kinder geschaffen. Unterstützt wird die ohnehin schon schöne Geschichte von den niedlichen Illustrationen von Peter Schössow.
Auch als Erwachsener hat mir dieses Kinderbuch wegen seiner schönen Geschichte von zwei scheinbar nicht mehr gebrauchten Stofftieren und den zuckersüßen Illustrationen sehr gut gefallen. Es ist wohl auch kein Wunder, dass das Buch in seiner Originalausgabe mit dem neunorwegischen Kinderbuchpreis ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt wurde.
Unbedingt lesenswert!

Meine Wertung:

♥♥♥♥♥
[5/5]