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Sonntag, 15. Dezember 2019

Der letzte Tag in Oslo - Abschied von Norwegen

Eh wir uns versahen war schon die Zeit gekommen von Oslo Abschied zu nehmen. Da unser Schiff zurück jedoch erst am frühen Nachmittag ablegte, blieb uns noch ein guter halber Tag. Diesen nutzten wir für einen Besuch des Rathauses.

Von weitem betrachtet macht dieses Gebäude, in dem jedes Jahr der Friedensnobelpreis verliehen wird, optisch zugegebenermaßen eher wenig her. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Geht man näher heran und nimmt vielleicht auch noch an einer der Führungen teil, lässt sich nämlich einiges entdecken.

 Die astronomische Uhr am Osloer Rathaus

An der Außenseite des Gebäudes wären da vor allem die prachtvolle astronomische Uhr sowie die 16 Holzreliefs von Dagfin Werensiold zu erwähnen. Dieses "Yggdrasilfrisen" genannte Kunstwerk hat es mir besonders angetan, da es auf sehr ansprechende Art und Weise Szenen aus der nordischen Mytholgie darstellt. Ich hätte Stunden damit verbringen können, mir die farbenfrohen Werke anzusehen!

 Die Schwanenjungfrauen an der Fassade des Osloer Rathauses

Auch das innere des Rathauses verleitet zum Staunen. Hinein kommt man leider nur im Rahmen einer öffentlichen Führung, diese ist jedoch kostenlos und findet je nach Andrang auch mehrfach in der Stunde statt. Da meine Mutter kein Norwegisch spricht, stellten wir uns für die internationale, englische Führung an - und hatten das Pech, dass sich kurz darauf eine kleine spanische Reisegruppe zu uns gesellte. Unser anscheinend spanischer Guide war entzückt und änderte die Sprache der Führung per Mehrheitsbeschluss spontan in Spanisch um. Uns und einer chinesischen Familie, die mit uns gewartet hatte, wurde gesagt, wir sollten doch auf die nächste Führung warten. Das sah jedoch keiner von uns ein, denn wir hatten alle schon eine ganze Weile gewartet, als die Reisegruppe zu uns stieß. Also gingen wir im Endeffekt mit den Spaniern hinein und nahmen in Kauf, das Innere des Gebäudes nur zu betrachten und auf die Erläuterungen zu verzichten - schließlich sprach keiner von uns Spanisch... So beeindruckend das Innere des Rathauses dann mit seinen riesigen Wandmalereien auch war, muss ich zugeben, dass mich der Vorfall doch ziemlich ärgerte.

 Teil einer Wandmalerei im Osloer Rathaus

Danach war es aber wirklich Zeit, sich zum Fähranleger zu begeben und für die Rückfahrt einzuchecken. Nachdem wir unsere Kabine bezogen hatten, machten wir uns gleich auf den Weg nach draußen, um Oslo nach und nach in der Ferne verschwinden zu sehen und einige letzte Blicke auf die schöne, norwegische Landschaft zu erhaschen. Außerdem entdeckten wir im Vorbeifahren noch einen interessanten historischen Ort, nämlich die Festungsinsel Oscarsborg. Diese Mitte des 19. Jahrhunderts fertiggestellte Festung diente noch im zweiten Weltkrieg die Zufahrt nach Oslo und wirkt wie ein bedrohliches Relikt einer zum Glück vergangenen Zeit.

 Ein letzter Blick auf Oslo, inklusive Holmenkollen

Krönender Abschluss des Tages war dann ein wunderschöner Sonnenuntergang auf dem offenen Meer. Das war mal ein so beeindruckender Anblick, dass man dafür gerne den eisigen Wind in Kauf genommen hat!

 Eine wunderschöne Nacht auf dem Meer

Als wir dann am nächsten Morgen aufwachten, waren wir schon längst wieder in Deutschland. Ich bin aber sicher, dass das nicht unser letzter Besuch in Norwegen oder auch nur in Oslo gewesen sein wird. Es hätte noch so unendlich viel mehr zu sehen gegeben, und so vieles Neues entsteht gerade in der Stadt, dass sich in ein paar Jahren schon wieder ganz andere Dinge werden erleben lassen. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen. ♥

Sonntag, 24. November 2019

Kultur, Geschichte und ein wenig Shopping in Oslo

Eh wir uns versahen, war auch schon unser letzter, ganzer Tag in Oslo angebrochen. Und dabei gab es doch noch so viel zu sehen!

Nach dem Frühstück machten wir uns zunächst auf den Weg zum Friedhof Vår Frelsers Gravlund, um dort die Gräber großer norwegischer Persönlichkeiten wie Henrik Ibsen, Bjørnsterne Bjørnson oder Edvard Munch zu besuchen. Unser Besuch wurde dabei abenteuerlicher als erwartet, da wir anscheinend den Großkampftag der Friedhofsgärtner erwischt hatten. Den Rasensprengern auszuweichen erwies sich als ziemliche Herausforderung. Zum Glück war es nicht kalt an diesem Tag, sodass es nicht so viel ausmachte, wenn man doch mal nicht mehr rechtzeitig ausweichen konnte. :D

 Auf Vår Frelsers Gravlund ruhen die ganz Großen der norwegischen Kulturgeschichte

Danach ging es zurück ins Zentrum, wo ein Besuch der Festung Akershus auf dem Programm stand. Die ursprünglich aus dem Mittelalter stammende Burg, die über eine lange und wechselhafte Geschichte verfügt, liegt direkt am Oslofjord und ist sowohl von außen als auch von innen eine Besichtigung wert. Im Inneren gibt es eine Ausstellung, die den Besuchern einen Einblick in das adlige Leben in der Festung in vergangenen Zeiten gewährt. Draußen kann man den Blick auf den Fjord genießen, Kanonen bestaunen oder der Wachablösung zusehen. 

 Aufstieg zur Festung Akershus

Am Tag unseres Ausflugs hatten wir sogar besonderes Glück: da es sich um den Geburtstag der norwegischen Königin Sonja handelte, konnten wir mit erleben, wie zu ihren Ehren Salutschüsse abgefeuert wurden - eine ganz schön laute Angelegenheit!

 Geschichte hautnah: historische Einrichtung in der Festung Akershus

Auch ein kurzer Besuch im kulturhistorischen Museum durfte nicht fehlen. Dort war kurz zuvor die neue Ausstellung "Vikingr" eröffnet wurden, in der es einige der schönsten wikingerzeitlichen Funde Norwegens zu besichtigen gab, darunter der Gjermundbu Helm und eines der berüchtigten Ulfberht-Schwerter. Es handelte sich zwar um keiner besonders große Ausstellung, doch sie bestach eindeutig durch die schöne Auswahl an Ausstellungsstücken. Das kulturhistorische Museum selbst verfügt jedoch noch über eine ganze Menge anderer Ausstellungen. Zu meinem großen Bedauern war die, welche mich am Meisten interessiert hätte - nämlich die Ausstellung zum norwegischen Mittelalter - aber leider zur Zeit unseres Besuchs gerade geschlossen. Gleiches galt bedauerlicherweise für die Nationalgalerie, die bald ein neues Zuhause erhalten soll und bis dahin ganz geschlossen bleibt.

Doch auch so gab es noch mehr als genug zu sehen. Was natürlich beim Besuch eines Landes mit Königshaus nicht fehlen darf, ist ein Besuch des Königlichen Schlosses. So machten auch wir uns am Nachmittag auf zu dem prächtigen Gebäude mit seinem beeindruckenden Vorplatz samt dem einladenden Park. Auf eine der geführten Touren ins innere des Schlosses verzichteten wir jedoch.

Stets gut besucht: das königliche Schloss

Stattdessen machten wir uns lieber wieder auf ins Getümmel der Einkaufsstraßen. Schließlich galt es ja noch, ein paar Andenken zu erstehen, Mitbringsel für die Zuhause Gebliebenen auszusuchen und Postkarten zu schreiben. Kurz mit einem Hot Dog gestärkt, konnte der Einkaufstrip losgehen. Souvenirs findet man dabei eigentlich an jeder Ecke und in jeder Preisklasse, und vom Kuschelelch über das Wikingerschiff bis hin zum obligatorischen Troll ist da auch für jeden Geschmack etwas dabei. Mir persönlich war es aber auch wichtig, die Chance zu ergreifen, etwas norwegische Musik und Literatur mit nach Hause bringen zu können. Wer es schon einmal probiert hat, weiß, dass das von Deutschland aus kein leichtes und schon gar kein günstiges Unterfangen ist. Dabei landeten wir irgendwann im Plattenladen Råkk & Rålls, einem richtigen Paradies für Musik-Nerds wie mich. Ich hätte dort Stunden über Stunden verbringen und mich durch das riesige Second Hand Angebot an Tonträgern jeglicher Art wühlen können, aber aus Zeitgründen beschränkte ich mich dann doch auf nur etwa eine Dreiviertelstunde. :P Mein neuer musikalischer Schatz seitdem: "Metropolis" von Seigmen - genau die CD, die ich gesucht hatte! ♥ An Büchern brachte ich auch einiges mit nach Hause, aber mein Favorit ist eindeutig eine schön gebundene Ausgabe der "Haugtussa" von Arne Garborg. Es wird sich mir nie erschließen, warum sich außerhalb Norwegens scheinbar niemand je so recht für diesen wunderschönen Gedichtzyklus erwärmen konnte...

Mit ziemlich vollen Einkaufstaschen ging unser letzter Tag in Oslo schließlich zu Ende. Doch zum Glück legte unsere Fähre zurück erst am nächsten Nachmittag ab. So blieb uns immerhin noch ein halber Tag für weitere Entdeckungen in Oslo.

Freitag, 15. November 2019

Expedition ins ewige Eis: Das Frammuseum in Oslo

Der nächste, vorletzte Halt unserer großen Museumstour durch Bygdøy führte uns ins Frammuseum. Benannt ist das Museum nach dem berühmten Forschungsschiff Fram, welches ab seiner Fertigstellung 1893 für gut zwanzig Jahre für norwegische Polarexpeditionen genutzt wurde. Eng verbunden ist es mit dem Namen des Polarforscher Fridtjof Nansen. Bis heute ist es das Holzschiff, das auf den höchsten Breitengraden der Welt fuhr, da es so konzipiert wurde, dass es dem Packeis stand halten konnte und zudem über eine sehr gute Isolierung verfügte. Seit Mitte der 30er Jahre kann das Schiff von der Öffentlichkeit im Frammuseum besichtigt werden, es bildet das Herzstück der Ausstellung und mit seiner gewaltigen Größe einen beeindruckenden Anblick.

 Schon architektonisch spannend: das Frammuseum in Oslo

Besonders spannend ist dabei, dass das Schiff auch von innen besichtigt werden kann - Originales Interieur inklusive! So dringt man als Besucher tief in das Innere des Schiffes vor und erhält so einen tiefen Eindruck vom Leben auf dem Schiff. Einen Blick in die Kombüse kann man dabei ebenso werfen wie in die einfachen bis zu den komfortablen Kojen der verschiedenen Besatzungsmitglieder. Man erfährt sehr anschaulich, wo und wie die Mannschaft ihre Freizeit verbrachte, wie und was gespeist wurde und sogar, wie man die Weihnachtstage feierte. 

 Zu groß für ein Foto: die Fram im Zentrum des Museums

Im Rest der Ausstellung, die auf drei Etagen rund um das Schiff verteilt ist, lässt sich zudem noch einiges über die Geschichte der norwegischen Polarforschung in Erfahrung bringen. Dabei kann man den Spuren der drei berühmten Polarforscher Fridtjof Nansen, Otto Sverdrup und Roald Amundsen folgen, aber auch insgesamt einiges über die Polarregionen und die Nautik vergangener Zeiten lernen.

 Fast könnte man glauben, die Mannschaft käme gleich zum Essen

Das Ganze wird dabei aber keineswegs nur trocken in Texten und Vitrinen vermittelt, es gibt auch einiges Spaßiges zum selber Ausprobieren und Erkunden. So kann man sich im virtuellen Schießen üben, ein Iglu betreten oder in einem heruntergekühlten Simulator sein eigenes kleines Polarabenteuer erleben ( auf gar keinen Fall entgehen lassen!). Seit einiger Zeit kann in einem separaten Teil des Museums zudem mit der Gjøa noch ein zweites Schiff besichtigt werden. Es handelt sich dabei um jenes Schiff, mit dem Roald Amundsen 1906 als erster Mensch die Nordwestpassage durchsegelte.

 Mit Liebe zum Detail: Vitrine mit Miniatur-Polarexpedition

Neben der ausführlichen Ausstellung laden im Frammuseum aber auch das urgemütliche Framheim Café sowie der Museumsshop zu längerem Verweilen ein. Letzterer verfügt über eine immense Anzahl an Publikationen zur Geschichte der Polarforschung in unterschiedlichen Sprachen. Wer also nach dem Besuch des Museums noch mehr erfahren möchte, wird hier definitiv fündig!

 Urgemütlich: das Museumscafé

Wir verbrachten an diesem Tag nur knapp über eine Stunde im Frammuseum, was leider nur für einen kurzen Einblick in die umfangreiche Sammlung reichte. Da der Tag aber nur eine begrenzte Anzahl Stunden hat und wir unbedingt noch ein weiteres, letztes Museum auf Bygdøy besichtigen wollten, mussten wir hier abkürzen. Ich persönlich würde dazu raten, für einen Besuch durchaus mindestens zwei bis drei Stunden einzuplanen. Ich jedenfalls habe mir fest vorgenommen, eines Tages noch einmal mit mehr Zeit zurückzukehren.

Donnerstag, 14. November 2019

Auf alten Pfaden wandeln: Das Vikingskipshuset in Oslo

Unser nächster Halt war das Vikingskipshuset, also das Wikingerschiffhaus. Auf den Besuch dieses Museums hatte ich mich als Skandinavist und auch als am Mittelalter und an Wikingern interessierter Mensch sehr gefreut. 


Das Vikingskipshuset mit seinem ungewöhnlichen architektonischen Grundriss zeigt die wohl bedeutendsten Schiffsfunde der Wikingerzeit, nämlich das 1867 entdeckte Tune-Schiff, das 1880 entdeckte Gokstad-Schiff sowie das 1904 entdeckte Oseberg-Schiff. Insbesondere die letzten beiden Schiffsfunde sollten wohl jedem Altskandinavisten ein Begriff sein. So diente das Gokstad-Schiff als Vorlage für zahlreiche Nachbauten, anhand derer die Hochseetauglichkeit der Wikingerschiffe bewiesen werden konnte. Das Oseberg-Schiff hingegen erlangte große Berühmtheit durch die enthaltene Grabkammer, in der die Überreste zweier wohl hochgestellter Frauen aus der Wikingerzeit sowie zahlreiche kostbare Grabbeigaben gefunden wurden.

Zuerst betrachteten wir natürlich ausgiebig die Herzstücke des Museums, also die Schiffe. Für deren Betrachtung wurde eine interessante Lösung gefunden. So kann man sich die Schiffe von mehreren erhöhten Aussichtspunkten von verschiedenen Seiten aus gut anschauen. 


Neben den Schiffen gibt es aber auch noch einige Vitrinen mit anderen Funden aus der Wikingerzeit. Dabei handelt es sich neben Grabbeigaben auch um große Ausstellungsstücke wie aufwändig verzierte Pferdekarren. Besonders schön sind aber meiner Ansicht nach die ausgestellten Galionsfiguren, detailreich verzierte, geschnitzte Drachenköpfe, die einst die Schiffe der Wikinger schmückten.


Dreimal in der Stunde wird außerdem der eine Flügel des Museums zu einem Kino. Dann wird der spannende Film "Vikingtiden lever" (dt: die Wikingerzeit lebt) gezeigt, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Hier kann man visuell das Leben eines Wikingerschiffes nachvollziehen, vom Bau über die Nutzung bis zu seinem Ende als königliches Schiffsgrab. Der Film ist spannend gemacht, nicht zu lang und an der Wand und der gewölbten Decke des Museums von überall aus gut zu sehen. Man fühlt sich schnell wirklich mittendrin im Geschehen.


Kein Museum kommt heute wohl noch ohne Museumsshop aus, und in dem des Vikingskipshuset habe ich persönlich mich wie im Paradies gefühlt. Natürlich gab es allerhand Nippes mit mehr oder weniger großem Wikingerbezug (obwohl ich für sowas ja auch echt offen bin), doch es gab auch wunderschöne, hochwertige Kunstgegenstände zu erwerben. Sogar Wardruna-CDs hatte man im Angebot. Außerdem verfügte der Shop über eine großartige Auswahl an Literatur zum Thema. Dabei gab es Bücher in diversen Sprachen, vom Kinderbuch bis zur wissenschatflich fundierten Abhandlung war für jeden Geschmack etwas mit dabei. Ich musste mich schon sehr zusammenreißen, um am Ende nur den Museumsführer "Die Wikingerschiffe in Oslo" von Thorleif Sjøvold mitzunehmen. Das Buch hat zwar schon ein paar Jahr auf dem Buckel (erschienen ist es Mitte der 80er Jahre), ist dafür aber auch nicht besonders teuer. Dafür bekommt man aber trotzdem eine fundierte, gut bebilderte Einführung in das Thema - und natürlich eine schöne Erinnerung an den Museumsbesuch.

Wir verbrachten in dem Museum samt Shop etwa eineinhalb Stunden. Im Anschluss gönnten wir uns in der Sonne vor dem Museum eine kleine Pause mit einem norwegischen Liebling, nämlich Waffeln mit Eis. Dann ging es auch schon weiter zum nächsten Museum. Wie gesagt: wir hatten an diesem Tag einiges vor!

Wer das Vikingskipshuset in seiner jetzigen Form sehen möchte, sollte sich übrigens etwas beeilen. Ein Neubau des Museum, größer als das jetzige und mit Ausstellung auch zu anderen Aspekten der Wikingerzeit ist schon lange geplant, wurde nun aber endgültig bewilligt. Bereits für 2024 oder 2025 ist derzeit die Eröffnung angedacht.  

Zum Abschluss gibts hier noch ein kleines Schmankerl: Wie ich schon erwähnte, gab es im Museumsshop sogar Wardruna-CDs zu kaufen. Kein Wunder eigentlich, schließlich gab die Band dort 2009 sogar ihr Debütkonzert. Davon gibt es sogar noch ein kleines Video auf Youtube zu finden: 


Mal ganz ehrlich: wer von uns wäre da, vor dieser wunderbaren Kulisse denn nicht gerne mit dabei gewesen? ♥

Mittwoch, 13. November 2019

Das alte Norwegen entdecken: Unterwegs im Norsk Folkemuseum in Oslo

Am Tag unserer Ankunft in Oslo passierte nicht mehr besonders viel. Wir machten lediglich einen kleinen Bummel durch unser Viertel sowie über die große Einkaufsstraße, deckten uns mit Lebensmitteln für den Urlaub sowie mit Tourismus-Broschüren ein, besorgten uns den Oslo-Pass und planten dann am Abend in unserer Wohnung ganz gemütlich den nächsten Tag.

An unserem ersten vollständigen Tag in Oslo machten wir uns dann mit dem Bus auf in Richtung Bygdøy. Auf dem Tagesprogramm standen: Museen, Museen und nochmal Museen! Davon gibt es auf Bygdøy nämlich eine ganze Menge, eines gefühlt spannender als das andere. 

Unser erster Stopp führte uns ins Norsk Folkemuseum, ein riesiges Freilichtmuseum, in dem man locker auch den ganzen Tag hätte verbringen können. Nach Landschaften gegliedert führt einen dieses Museum in die Vergangenheit Norwegens. Aus allen Teilen des Landes hat man für dieses Museum historische Gebäude abgebaut und auf der Halbinsel in Oslo wieder aufgebaut. 

 Die historischen Gebäude haben Platz, ihre Wirkung in der Landschaft zu entfalten

Dabei gibt es unheimlich viel zu entdecken: alte Bauernhäuser aus dem ganzen Land, eine kleine Poststation, eine Zahnarztpraxis geben Einblick in längst vergangene Lebenswelten, während in einer anderen Ecke des Museums eine Tankstelle sowie ein Mietshaus auf einen warten, wie man sie Mitte des vergangenen Jahrhunderts vermutlich noch in allen norwegischen Städten fand. Und auch die Samen, die indigene Bevölkerung der nordischen Länder, wurde nicht vergessen. Ihnen wurde eine interessante, kleine Ausstellung gewidmet.

 Kulturhistorische Gegenstände aus der Sami-Ausstellung

Das wohl unbestrittene Highlight eines Besuchs im Norsk Folkemuseum ist aber sicher die Stabkirche von Gol. Den Besuch einer dieser komplett aus Holz gebauten Kirchen sollte man sich bei einem Besuch in Norwegen doch wirklich nicht entgehen lassen, finden sich diese wunderschönen und architektonisch sehr besonderen Gebäude doch ausschließlich dort. 

 Stabkirche von Gol

Eine richtig schöne Sache ist auch, dass das Norsk Folkemuseum ein belebtes Freilichtmuseum ist. So konnten wir bei unserem Besuch Menschen in traditionellen Trachten bei der Feldarbeit zusehen und einer Tanzvorführung beiwohnen. Kleiner Bonus für den Faun-Fan in mir: so kam ich endlich einmal in den Genuss des Halling-Tanzes, den Stefan regelmäßig auf den Livekonzerten der Band beschreibt, fliegender Hut inklusive. ;)

 Belebtes Museum: allerorten trifft man auf Mitarbeiter in traditionellen Rollen

Da unsere Zeit in Oslo begrenzt war und wir uns für diesen Tag so einiges vorgenommen hatten, konnten wir bei unserem Besuch leider nicht alles im Norsk Folkemuseum sehen. Insbesondere so manche Ausstellung blieb dabei leider ein bisschen auf der Strecke. Wenn ich die Stadt eines Tages noch einmal besuche (was sicher passieren wird!), werde ich dem Museum sicher noch einmal einen Besuch abstatten. So aber ließen wir das Freilichtmuseum nach etwa drei Stunden hinter uns und machten uns auf den Weg zu unserem nächsten Ziel.

Selbst ganze Straßenzüge findet man im Norsk Folkemuseum!

Dienstag, 12. November 2019

Der Weg ist das Ziel: Die Reise nach Oslo

Der Sommer ist schon lange vorbei, draußen ist es nass und kalt geworden. Ein wunderbarer Zeitpunkt also, um in Erinnerungen noch einmal die schönste Zeit des Jahres aufleben zu lassen: den Urlaub! Meiner führte mich in diesem Jahr nach viel zu langer Zeit endlich einmal wieder in den hohen Norden, nach Oslo.

Los ging die Reise am späten Abend des 30. Juni. Das erste Stück der Reise, vom Westen NRWs aus bis Kiel, legten wir mit der Bahn zurück. Von dort ging es dann mit der Fähre weiter direkt nach Oslo.

 Leinen los und Kurs auf Oslo!

Die Zeiten für die Bahnfahrt hatten wir natürlich großzügig eingeplant, eine gewisse Nervosität blieb trotzdem. Baustellen pflasterten die Strecke, eine unserer ursprünglich gebuchten Bahnen fuhr deswegen erst gar nicht. Am Ende klappte aber trotzdem alles, und die nächtliche Fahrt fast alleine in alten Fernverkehrszügen gestaltete sich eigentlich recht angenehm. Damals waren die Sitze noch echt bequem und man kann sich auf ihnen wirklich gut ausstrecken. 

In Kiel angekommen blieb noch genug Zeit für ein Frühstück am Bahnhof. Es wäre sogar noch etwas Zeit gewesen, sich die Stadt anzusehen, aber mit Gepäck und bei Regen fanden wir die Aussicht dann doch nicht so verlockend. So waren wir dann auch überpünktlich am Ableger unserer Fähre und warteten dort mit unzähligen anderen Reisender auf das Beginnende Check-In. Und am Mittag konnte die Fahrt mit der Color Magic dann endlich losgehen. Es handelte sich um die erste derartige Fahrt für mich, auf einem Kreuzfahrtschiff mit Übernachtung.

 Auf Wiedersehen, Kiel! - die Reise beginnt

Und was soll ich sagen: ich war von Anfang an begeistert! Wir bezogen unsere Kabine, die auf der Hinfahrt sogar ein Fenster hatte, welches auf die Mitte des Schiffs zeigte. Man sah von dort also die Einkaufs- und Essmeile des wie eine kleine Stadt aufgebauten Kreuzers. Die Kabine war klein, aber gemütlich. Auf dem Fernseher ließ sich die Fahrt auf einer Live-Karte nachverfolgen und eine Kamera am Heck des Schiffes sendete Aufnahmen von draußen.

Als wir uns eingerichtet hatten, machten wir das Schiff unsicher. Wir besuchten den Duty Free Laden (nicht nur Norwegische, sondern auch Schwedische Süßigkeiten - da kamen Erinnerungen auf! :D), Souvenirlädchen und Boutiquen und aßen schließlich in der schiffseigenen Pizzeria zu Abend. Es gab Pizza mit Lachs, was echt sehr lecker war.

 Das Schiff beherbergte im Inneren eine ganze Stadt

Immer wieder zog es uns aber nach draußen, denn es war sehr schön, das Land hinter sich verschwinden zu sehen und dann irgendwann nur noch von Wasser umgeben zu sein. Allerdings hatten wir nicht damit gerechnet, wie kalt und windig es werden würde und waren eigentlich zu dünn angezogen. Die erste Erkenntnis dieser Reise war darum auch: die nächste Kreuzfahrt gen Norden nicht ohne Softshelljacke, und auch keinesfalls das Haargummi vergessen!

Auch die Nacht wurde spannend. Das Einschlafen zum leichten Brummen des Schiffes war wahrlich kein Problem, aber mitten in der Nacht wachten wir Beide quasi zeitgleich auf. Der Wind war wohl stärker geworden und wir hatten deutlich merkbaren Seegang. Keinem von uns wurde übel, aber es fühlte sich einfach seltsam an. Ich, die ich immer auf der Seite schlafe, hatte bei jeder Welle das Gefühl, gleich umzukullern. xD 

 Ein letzter Blick auf die Color Magic, die uns nach Oslo gebracht hatte

Das Frühstück wollten wir dann eigentlich in Oslo an Land einnehmen, aber da unser Schiff durch den nächtlichen Wetterumschwung eine deutliche Verspätung eingefahren hatte, machten wir uns doch wenigstens noch auf die Jagd nach einem Kaffee. Gegen Mittag erreichten wir dann schließlich doch endlich das Ziel unserer Reise. 

 Hell und gemütlich: unsere Unterkunft im Frogner House Apartment

Etwa eine Viertelstunde Fußweg vom Fähranleger und wir hatten unsere Unterkunft erreicht, eines der Frogner House Apartments. Nachdem wir dort eingecheckt und uns in dem geräumigen, skandinavisch-klar möblierten Zimmer eingerichtet hatten, konnte unser Oslo-Urlaub endlich so richtig beginnen!

Freitag, 19. Juni 2015

Ein paar Worte zum Thema Mittsommer

Heute wird es von mir mal wieder einen etwas länger ausgearbeiteten und hoffentlich auch informativen Blogeintrag geben. Anlass und Thema ist dieses Wochenende, an dem in den nordischen, aber auch den baltischen Staaten das Mittsommerfest begangen wird. Als Skandinavist liegt mir dieses Fest natürlich auch als Deutscher am Herzen, wenn es auch leider hierzulande eher weniger gefeiert wird.

Die Tradition des Mittsommerfestes ist schon sehr alt, sie reicht bis in vorchristliche Zeiten zurück. Auch heute noch sind zahlreiche Bräuche und Aberglauben mit dem Fest verbunden. Für die Menschen war Mittsommer schon immer eine bedeutsame Zeit, markiert sie doch den Höhepunkt des Sommers. Besonders in Norden geht die Sonne um diese Jahreszeit in den so genannten weißen Nächten kaum unter. Das Mittsommerfest bildet den Höhepunkt dieser Entwicklung, gefeiert wird die kürzeste Nacht des Jahres. Im Anschluss werden die Tage wieder kürzer und die Nächte länger. Mittsommer markiert also die Sommersonnenwende.

Es ist also eigentlich kein Wunder, dass sich zahllose Legenden um diese Nacht ranken. So besteht in Schweden bis heute der Brauch, dass junge, unverheiratete Mädchen in der Mittsommernacht sieben verschiedene wilde Blumen, die sie zuvor schweigend auf sieben unterschiedlichen Wiesen gesammelt haben, unter ihr Kopfkissen legen um zu erfahren, wen sie einmal heiraten werden. Auch dem Morgentau, der nach der Mittsommernacht gesammelt wurde, wurden lange besondere und heilsame Kräfte nachgesagt.

Hierzulande verbinden die meisten Menschen das Mittsommerfest vorwiegend mit Schweden. Dort wird das Fest unter dem Namen Midsommar begangen und zählt zu den wichtigsten Festen überhaupt. Gefeiert wird immer an dem Wochenende zwischen dem 20. und dem 26. Juni, wobei der Freitag (Midsommarafton) kein offizieller Feiertag ist. Trotzdem sind die Städte an diesem Tag in der Regel ziemlich ausgestorben – Midsommar wird nämlich meist mit Freunden und Familie auf dem Land gefeiert.

Zu einer schwedischen Mittsommerfeier gehört auch die Majstång, ein mit Blumen und Bändern geschmückter Baumstamm, der am Freitag aufgestellt wird. Um diesen wird dann an Midsommar getanzt. Ein bekanntes Lied, zu dem getanzt wird, trägt zum Beispiel den Titel "Små grodorna" (Die kleinen Frösche). Beim Tanzen macht man die Bewegungen von Fröschen nach, was natürlich ziemlich lustig aussieht.

Einen sehr unterhaltsamen Einblick in die schwedischen Mittsommerfeierlichkeiten bietet übrigens dieses Video mit dem schönen Titel "Swedish Midsummer for Dummies". ;)


 
In Dänemark und Norwegen hören die Mittsommerfeierlichkeiten auf den Namen Sankt Hans. Der Name rührt vom Zeitpunkt der Feierlichkeiten her. Diese finden nämlich am Abend vor dem Johannistag am 23. Juni statt. Hier hat das Mittsommerfest also eine größere christliche Beeinflussung erfahren als in Schweden. Zum Fest gehört in Norwegen und Dänemark ein großes Feuer, in Dänemark wird in diesem oft eine Strohhexe verbrannt.

Auch in Finnland gehören Feuer zum Mittsommerfest dazu. Dort wird das Fest unter dem Namen Juhannus gefeiert – auch dies eine Anlehnung an den Tag Johannes des Täufers. Gefeiert wird am gleichen Datum wie in Schweden.

Interessant ist, dass in Finnland die ursprünglichen Traditionen des Mittsommerfestes gut überliefert sind. So war das Fest früher unter den Namen Vakkajuhla (Korbfest) und Ukon juhla bekannt. Der letzte Name zeigt, dass es zu Ehren des Gottes Ukko gefeiert wurde. Bei Ukko handelt es sich um den Hochgott der finnischen Mythologie, er war für Ernte, Wetter und Donner zuständig.
Ein sehr ästhetisches Video zu den mythischen Mittsommerbräuchen in Finnland gibt es hier:



Visit Finland - White Night Magic from Timo Kaukolampi on Vimeo.

  Die Finnen begehen ihr Juhannus-Fest sehr ausgelassen, es wird viel getanzt und viel getrunken. Nach dem Fest berichten die finnischen Zeitungen stets, wie viele Menschen im jeweiligen Jahr ertrunken sind…

Auch Island kennt das Mittsommerfest. Dort wird unter dem Namen Jónsmessa gefeiert – der Name erinnert also ebenfalls an Johannes den Täufer. Dem Volksglauben nach sollen in dieser kürzesten Nacht des Jahres große mystische Kräfte am Werke sein. So heißt es, die Kühe könnten in dieser Nacht sprechen und die Robben menschliche Form annehmen. Die Feierlichkeiten scheinen in Island jedoch weitaus kleiner auszufallen als in den anderen nordischen Ländern.

Damit möchte ich meinen kleinen Exkurs zu den Mittsommerfeierlichkeiten im Norden beenden. Ich hoffe, ihr fandet es ein wenig interessant. Ich wünsche euch allen ein schönes Mittsommer-Wochenende, genießt die langen Tage, und vielleicht ist das Wetter bei euch ja sogar ein klein wenig besser als hier bei mir!

Zur Feier des Tages gab es bei mir übrigens eine selbstgemachte Erdbeertorte, denn was passt schon besser zu einer sommerlichen Feier als Erdbeeren? :D
 

Zum Abschluss noch ein kleiner sprachlicher Exkurs, wie man sich in den nordischen Ländern ein frohes Mittsommerfest wünschen kann:

SE: Glad Midsommar!
DK: Glædelig Sankt Hans!
NO: God Sankthans!
FI: Hyvää Juhannusta!
IS: Gleðilega Jónsmessu!

Mittwoch, 16. Januar 2013

Konzertkritik: Castlefest 2012

Am ersten Augustwochenende 2012 war es Zeit für meinen allerersten Besuch beim Castlefest - ein Moment, den ich schon lange herbeigesehnt hatte. Für die unter euch, die noch nie vom Castlefest gehört haben: Das muss sich ändern :D
Es handelt sich dabei um ein jährlich stattfindendes Musikfestival in Lisse, nahe Amsterdam - also in den Niederlanden. Jedoch ist es ein sehr besonderes Festival, das weitaus mehr als "nur" Musik zu bieten hat. Musikalisch finden sich viele Vertreter aus Folk und Mittelaltermusik (Pagan Folk ist hier ein gutes Stichwort - das Festival ist eng verknüft mit der niederländischen Band 'Omnia'), aber auch Worldmusic und experimentelle Sachen finden hier genug Raum und ein offenes Publikum. Insgesamt ist die Stimmung unter den Leuten sehr offen und freundlich, es wird viel getanz und es gibt unter den Besuchern viele schön kostimierte Menschen zu sehen. Wer sich darauf einlässt, kann hier wirklich in einer anderen Welt landen, bevölkert von den unterschiedlichsten Wesen :) Zum Festival gehört auch ein Ritual, nämlich die feierliche Verbrennung der Wicker-Figur, in diesem Jahr der WickerGaia, der die Besucher vorher persönliche Gegenstände, Speisen etc. geopfert haben. All diese Dinge machen das Castlefest in meinem Augen zu einem einzigartigen, ganz besonderem Festival und ich freue mich jetzt schon darauf, in 2013 dorthin zurückzukehren.
Doch was hat das alles jetzt mit dem Norden, also dem Thema dieses Blogs zu tun? Nun, unter den zahlreichen, internationalen Künstlern, die dort auftraten befanden sich auch einige aus dem hohen Norden, und um die soll es nun im Folgenden gehen. 

Eröffnet wurde der Reigen an nordischen Bands schon am Donnerstag beim Eröffnungskonzert mit den Norwegern von Wardruna. Leider konnte ich an diesem Tag selbst noch nicht anwesend sein, deswegen kann ich zu diesem Auftritt natürlich auch nichts sagen (nur so viel: Unter den Glücklichen, die da sein durfte, herrschte ziemliche Einigkeit, dass es genial war ;))
Wer sich jedoch lieber selbst ein Bild machen möchte, für den gibt es hier ein Video vom besagten Auftritt:


Am Samstag spielten dann die Dänen von Asynje auf. Asynje machen traditionellen skandinavischen Folk, gerne mit mittelalterlichen Elementen und Texten sowie unter Einsatz interessanter Instrumente. Gesungen wird auf Dänisch von Frontfrau Nanna. Das Ganze ist die meiste Zeit über sehr ruhig, ohne dabei aber langweilig zu werden. Und wie das Publikum an diesem Tag bewies, ist diese Art der Musik auch durchaus tanzbar und eignete sich richtig gut dafür, die vielleicht auch gerade erst auf dem Festival erworbenen Fertigkeiten im Balfolk (= Volkstümliche, Mittelalter-und Renaissance-Tänze, meist für größere Gruppen Tänzer in Reihen oder Kreisen) auszuprobieren :)

(Asynje)

Am Sonntag Nachmittag wurde es dann etwas experimenteller, als Euzen auf der großen Bühne auftraten. Die Musik von Euzen zu beschreiben ist nicht ganz einfach. Hier treffen die klassischen Instrumente von Bands aus unserer Zeit auf elektronische Elemente und den Gesang der charismatischen Sängerin Maria. Diese war in ihrem elfengleichen Kleid und durch ihre faszinierende Art sich auf der Bühne zu bewegen sowieso ständig im Mittelpunkt des Interesses und man hätte auch durchaus das ganze Konzert damit verbringen können, ihr zuzuschauen. Als dann auch noch bei einem Lied die wunderbare Beatrice Baumann die Bühne betrat, dürften wohl keine ästhetischen Wünsche mehr offen geblieben sein. Ihre Show mit Kontaktjonglage passte einfach perfekt zur Musik!

(Euzen)

Obwohl auch viele der anderen Künstler wunderbar waren, beende ich nun dieses Beitrag, da diese anderen Musiker eben leider nicht in den Rahmen passen, den ich mir in diesem Blog gesetzt habe. Ich hoffe trotzdem, dass der ein oder anderen neugierig geworden ist und sich die genannten Bands und vielleicht auch das Festival an sich einmal näher anschaut :)

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Konzertkritik: WDR 2 für eine Stadt in Dorsten

Am 30. Juni veranstaltete der WDR 2 in Dorsten, einer Stadt am Rande des Ruhrgebiets, ein großes Sommer Open Air, und das alles kostenlos. Die Stadt hatte sich zuvor gegen viele andere Mitbewerber in einem Voting durchsetzen können. Neben einigen mehr oder weniger großen Namen der deutschen Musikszene wie Rea Garvey und Stefanie Heinzmann fanden mit Katzenjammer und Morten Harket auch zwei norwegische Acts ihren Weg nach Dorsten. Und um die soll es in dieser Kritik auch im Wesentlichen gehen.
Eine Sache soll jedoch nicht unerwähnt bleiben: Als eifriger Besucher von Mittelaltermärkten ist mir der WDR in den letzten Jahren schon mehrfach negativ aufgefallen. Das Verhalten der Kamerateams war bei diesen Veranstaltungen regelmäßig ein Grund zum Ärgernis für die Besucher. Entsprechend skeptisch war ich dann auch dem WDR 2 als Veranstalter gegenüber. Und leider sollte sich meine Skepsis bestätigen: Waren meine Begleitung und ich am Vormittag bei Zeiten aufgebrochen, um beim mit Freude erwarteten Katzenjammer-Konzert ganz vorne mit dabei sein zu können, erwartete uns, kaum auf dem Konzertgelände angekommen, eine böse Überraschung. Es gab keine Möglichkeit für uns und viele andere Fans, nach vorne in den Bereich vor der Bühne zu gelangen. Dieser Bereich war allein Eltern mit Kindern vorbehalten, was von den Ordnern auch genaustens kontrolliert wurde. Nun, mit Mitte 20 haben wir noch keine eigenen Kinder vorzuweisen und der Ärger war groß, und das nicht nur bei uns. Drinnen war noch massig Platz und die Fans mussten trotzdem draußen bleiben. Herzlichen Dank dafür. Irgendwann fanden wir dann zum Glück doch noch einen Weg und schlüpften in einem unbeobachteten Moment durch eine kleine Lücke in der Absperrung nach vorne durch. So haben es im Endeffekt viele gemacht, den Gesamteindruck des Tages hat es trotzdem negativ beeinflusst.
Doch nun zu den Konzerten:

Katzenjammer:

Wer Katzenjammer kennt und sie schon einmal live gesehen hat weiß, dass die vier norwegischen Damen einfach gute Laune machen. Und dies gelang ihnen auch in Dorsten wieder problemlos, und das bei einem Publikum, in dem ein nicht unerheblicher Teil die Band vorher noch nicht oder kaum gekannt haben dürfte. Bald ließen sich viele zum Mitsingen animieren und nach dem Konzert wurde nicht mit Applaus gespart. Kein wunder, wirkten doch alle vier einmal wieder hochmotiviert und gut gelaunt und auch ihre Songs entbähren ja nicht einer gewissen Fröhlichkeit, der man sich kaum entziehen kann. Die sympathische Band dürfte an diesem sonnigen Nachmittag jedenfalls viele neue Freunde gewonnen haben.

Morten Haket:

Mit Morten Harket war noch ein weiterer norwegischer Künstler im Programm des Open Airs zu finden. Viele schienen extra angereist zu sein, um den ehemaligen Sänger der Popgruppe A-ha zu sehen und auch ich war neugierig. Leider hielt sich meine Begeisterung dann aber in Grenzen. Zwar mag ich die Stimme von Morten Harket, doch waren mir seine Solosongs unbekannt und ich wage nicht, sie zu beurteilen, da meine Begleitung und ich das Konzert nach etwa drei Songs verließen. Das lag zum einen daran, dass es einen Zug zu erwischen gab und die Shuttle-Busse zum Bahnhof zu nicht ganz klaren Zeiten fuhren und mit Überfüllung zu rechnen war, zum anderen aber auch am Sound des Konzertes: Der Bass war so dröhnend, dass es unangenehm war. Das ist etwas, was ich bei Konzerten gar nicht ertragen kann, davon bekomme ich sogar Bachschmerzen :D Vermutlich lag es auch daran, dass nicht nur wir während dieses Auftritts das Gelände verließen, was ja eigentlich sehr schade ist.

Buchrezension: Ragnar Hovland - Alfred der Bär und Samuel der Hund steigen aus dem Pappkarton

Autor: Ragnar Hovland
Titel: Alfred der Bär und Samuel der Hund steigen aus dem Pappkarton [Original: Bjørnen Alfred og hunden Samuel forlet pappkartongen]
Erschienen: 1993 [Deutschland: 2002]
Originalsprache: Nynorsk

Rezension:

Die beiden Plüschtiere Alfred und Samuel erwachen eines Tages in einem Pappkarton auf dem Dachboden. Zunächst wissen sie nicht, wie sie dorthin gekommen sind. Nur langsam kommt ihre Erinnerung zurück. Daran, dass es früher einmal einen kleinen Jungen gegeben hat, der sie lieb hatte und in dessen warmen Bett sie schlafen durften. Doch heute steht das Haus leer, von der Familie gibt es keine Spur mehr. So beschließen die beiden,ihren einstigen Besitzer zu suchen. Doch die Welt draußen ist gefährlich für zwei kleine Plüschtiere und so müssen die beiden gefährliche Situationen meistern und sind oftmals kurz davor ihre Suche aufzugeben, besonders dann, als die Erinnerung daran, wie sie in dem Pappkarton gelandet sind immer deutlicher wird...
Mit "Alfred der Bär und Samuel der Hund steigen aus dem Pappkarton" hat Ragnar Hovland ein wunderschönes Buch für Kinder geschaffen. Unterstützt wird die ohnehin schon schöne Geschichte von den niedlichen Illustrationen von Peter Schössow.
Auch als Erwachsener hat mir dieses Kinderbuch wegen seiner schönen Geschichte von zwei scheinbar nicht mehr gebrauchten Stofftieren und den zuckersüßen Illustrationen sehr gut gefallen. Es ist wohl auch kein Wunder, dass das Buch in seiner Originalausgabe mit dem neunorwegischen Kinderbuchpreis ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt wurde.
Unbedingt lesenswert!

Meine Wertung:

♥♥♥♥♥
[5/5]