Ich bin kein regelmäßiger Kinogänger, und so musste 2018 auch erst mehr als das halbe Jahr vergehen, bis es mich zum ersten Mal in einen Kinosaal zog. Anlass war die Ausstrahlung des Konzertfilmes "Drones World Tour" von Muse am 12. Juli.
Nach Rammstein hatte nun also auch die britische Rockband Muse ihre Live Performance festgehalten und in Form eines Kinofilms festgehalten. Eine schöne Möglichkeit für alle, die dabei waren, sich noch einmal zurückzuerinnern. Aber auch für Leute wie mich, die so einen Einblick in die Bühnenshow der Band bekommen. Und was soll ich sagen: ich für meinen Teil war ziemlich beeindruckt von dem, was Muse da auf die Beine gestellt hatten!
Der Sound im Kino ließ wenig zu wünschen übrig, auch die Lautstärke war angemessen. Doch richtig faszinierend waren die Bilder, die das Konzerterlebnis vor den Augen entstehen ließen. Was Muse den Besuchern auf der Drones World Tour 2015/16 darboten, war offensichtlich lange kein schnödes Rockkonzert mehr, sondern ein audiovisuelles Gesamtkunstwerk - und dieses ließ sich auch ganz hervorragend für die große Kinoleinwand festhalten.
In eineinhalb Stunden gab es einen guten Querschnitt durch das langjährige und vielseitige Schaffen der Band zu hören, verschiedene Kameras hielten das Geschehen aus den unterschiedlichsten Winkeln fest und ließen die Show so plastisch vor den Augen der Kinobesucher entstehen. Gelegentliche Schwenks ins Publikum vermittelten auch einen guten Einblick in die offensichtlich großartige Stimmung bei den Auftritten.
Als ich nach Ende der Vorführung das Kino verließ, hatte ich jedenfalls plötzlich unbändige Lust, mal wieder ein Muse-Konzert zu besuchen. Und ich wette, dass es nicht nur mir so ging, denn aus zahlreichen Autos tönten beim Verlassen des Parkplatzes die vertrauten Klänge des einen oder anderen Stücks der Band. Da kann man nur sagen: Ziel erreicht, setzen, sehr gut!
So, es wird Zeit, dass ich mich endlich an die so lange liegen gebliebenen Artikel aus dem letzten Monats mache. Beginnen möchte ich heute Abend mit einem ganz besonderen Kinobesuch.
Am 24. März habe ich in Aachen eine von drei Vorstellungen des Konzertfilms "Rammstein: Paris" besucht. So ganz genau wusste ich vorher nicht, was mich da eigentlich erwarten würde, aber ich war gespannt.
Schon vor Einlass hatte sich im Foyer des kleinen Aachener Kinos Eden Palast an diesem Freitagabend eine recht ansehnliche Menge Menschen versammelt. Das Publikum war dabei ziemlich gemischt, sowohl alterstechnisch als auch optisch. Junge Männer in Rammstein-Shirts traf man ebenso an wie eher gewöhnlich aussehnde Besucher zwischen 16 und 66. Ich selber war ja auch mit meiner Mutter da, die schon lange ein großer Rammstein-Fan ist.
Bis zum Beginn des Films verging nach dem Einlass aus unerfindlichen Gründen nochmal einiges an Zeit, aber das trübte die Vorfreude eigentlich kaum. Irgendwann ging es dann aber tatsächlich los, und ich muss sagen, dass dieser "Film" (so richtig will der Ausruck ja nun irgendwie nicht passen) wirklich nicht lange brauchte, um mich zu packen. Etwas mehr als 1 1/2 Stunden konnte man dann bildgewaltig auf der großen Kinoleinwand erleben, was Rammstein auf ihren Liveshows dem Publikum kredenzen. Regisseur Jonas Åkerlund hat hier wirklich ganze Arbeit geleistet: Die Kamerawechsel ließen keine Langeweile aufkommen und man hatte nie das Gefühl, etwas zu verpassen. Das Mienenspiel von Sänger Till Lindemann stand dabei ebenso mal im Fokus wie die grandiosen Showeinlagen oder natürlich die fast schon legendäre Pyroshow der Band. Auch die Stimmung im Publikum wurde gut eingefangen. Was mich angeht, ließ auch die Songauswahl kaum Wünsche offen, mit einer guten Mischung sämtlicher Hits der Band. Mit "Frühling in Paris" wurde es am Ende für Rammstein-Verhältnisse sogar richtig romantisch. ;)
Am Anfang fand ich es noch etwas gewöhnungsbedürftig, ein Konzert auf der Kinoleinwand zu verfolgen. Irgendwie übertrug sich das Konzertfeeling ja, schon durch die beinah konzertwürdige Lautstärke, man wollte mit dem Kopf wippen und musste sich manchmal zusammenreißen, zwischen den Songs nicht mit dem Pariser Publikum zu applaudieren.
Für mich war es in jedem Fall ein ziemlich gelungener Kinoabend, obwohl ich mich jetzt nicht unbedingt als Über-Fan der Band bezeichnen würde. Passen eigentlich ziemlich gut zusammen, Rammstein und die große Kinoleinwand.
Zum ersten Mal in diesem Jahr hatte ich mal wieder das dringende
Bedürfnis, unbedingt einen Film im Kino sehen zu wollen. Es handelte
sich dabei ungewöhnlicherweise sogar mal um einen deutschen Film. Einen
deutschen Fantasyfilm, um ganz genau zu sein. Und dabei noch dazu eine
Buchverfilmung. Manch einer mag jetzt ganz schnell weglesen wollen, doch
das wäre unbegründet. Denn "Mara und der Feuerbringer" ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass so etwas durchaus funktionieren kann.
Aufmerksam geworden bin ich auf die Verfilmung des ersten Bandes von Tommy Krappweis' Fantasy-Buchreihe "Mara und der Feuerbringer" bereits im vergangenen Jahr auf der HobbitCon. Dort war ich eher zufällig in einer Bühnendiskussion mit Autor Krappweis und Rudolf Simek,
einem der wohl bekanntesten Altskandinavisten Deutschlands, gelandet.
Und ich war sehr angetan gewesen von dem, was ich sah und hörte. Eine
Fantasygeschichte, in der sich alles um die nordische Mythologie dreht
und in der ein Skandinavistik-Professor eine tragende Rolle inne hat -
was bitte kann man sich als Skandinavistikstudent mehr wünschen?
Entsprechend war die Freude groß, als endlich der Kinostart für
Anfang April angekündigt wurde. Leider erfuhr die Freude bald einen
kleinen Dämpfer, als sich herausstellte, dass der Film vielerorts als
reiner Kinderfilm eingestuft wurde, und darum nur zu reichlich unschönen
Zeiten gezeigt wurde. Bis es meiner Freundin und mir endlich gelungen
war, einen geeigneten Termin zu finden, war knapp ein Monat seit
Kinostart vergangen und das nächstgelegene Kino, dass den Film noch
zeigte, lag in Dinslaken - 2 1/2 Stunden Zugfahrt von meinem Zuhause
entfernt. That's life, und wozu habe ich denn ein NRW-Semesterticket,
dachte ich mir und machte mich auf den Weg. So kam es dann, dass wir an
einem schönen Montagmittag zu zweit und als einzige Besucher "Mara und der Feuerbringer" anschauen durften.
Worum geht es eigentlich in dem Film? Hauptperson ist die junge Mara
Lorbeer, die es wahrlich nicht einfach hat. Sie wäre am liebsten ein
ganz normales, möglichst unauffälliges Mädchen, muss sich jedoch ständig
mit ihrer Mutter, die sich auf einem ziemlich heftigen Esoterik-Trip
befindet herumschlagen. Außerdem plagen Mara ständig seltsame Tagträume
von kämpfenden Menschen aus offenbar längst vergangenen Zeiten. Ganz
schlechte Vorzeichen, wenn man doch einfach nur normal sein möchte...
Richtig aus den Fugen gerät Maras welt, als eines Tages ein Zweig zu ihr
spricht und ihr erzählt, sie sei eine Spákona und müsse die Welt vor
dem Ragnarök bewahren, indem sie Loki daran hindert, sich aus seinem
Gefängnis zu befreien. Vollkommen überfordert von der Situation
beschließt Mara, sich Hilfe zu suchen und stüßt dabei auf den Münchener
Skandinavistik-Professoren Dr. Reinhold Weissinger. Doch wie bringt man
einen Mann der Wissenschaft dazu, einem so eine Geschichte zu glauben?
Und wie bitte soll man als junges Mädchen, dass sich kaum gegen seine
fiese Mitschülerin Larissa wehren kann, eigentlich gleich die ganze Welt
vor dem Untergang retten? Den Gedanken an ein normales Leben kann Mara
damit wohl erstmal aufgeben...
Zunächst einmal: Wie ich schon geschrieben habe, wurde "Mara und der Feuerbringer"
leider von den Kinos als reiner Kinderfilm eingestuft. Ich halte das
für Blödsinn. Meinen Beobachtungen nach herrschte an dem Film bereits
vor Kinostart ein großes Interesse in Fantasyfankreisen, unter
Mittelalterfreunden, Larpern, Reenactorn, Skandinavisten und, und, und.
An vielen Stellen habe ich gelesen, dass man den Film sehr gerne im Kino
gesehen hätte. Doch nicht jeder hat nun einmal das Glück wie meine
Begleitung und ich, unter der Woche gegen Mittag ins Kino gehen zu
können. Ehrlich gesagt hat so manch einer da vielleicht auch schlicht
und ergreifend keine Lust zu. Durch die Einstufung als Kinderfilm wurde
dem Film so meiner Meinung nach schon einiges an Erfolgspotenzial
genommen, und das ist sehr schade. Es ist nämlich ein verdammt guter
Film geworden.
Ich bin wirklich kein Filmkenner, insbesondere von deutschen Schauspielern habe ich wenig Ahnung, aber die meisten Rollen in "Mara und der Feuerbringer" wurden mit Schauspielern besetzt, die selbst mir vorher schon bekannt waren. Hauptdarstellerin Lilian Prent
war mir vorher noch unbekannt, konnte mich aber sofort überzeugen. Sie
kommt in ihrer Rolle als Mara einfach unheimlich sympathisch rüber und
ähnelt wirklich der Mara, die ich mir nach dem Lesen des Buches
vorgestellt hatte. Esther Schweins spielt Maras Mutter,
die einen mit ihrer Frauengruppe, den 'Wiccas von der Au' immer wieder
sehr zu erheitern vermag und Loki kommt gespielt von Christoph Maria Herbst genauso listig rüber, wie man ihn sich aus den alten Sagenstoffen vorstellt. Selbst Billy Boyd, bekannt aus dem Herr der Ringe, hat einen kurzen Gastauftritt, ebenso wie Skandinavistikprofessor Rudolf Simek, der ganz offensichtlich ein Herz für Fantasy hat und mit dem Tommy Krappweis ja schon bei der Entstehung der Bücher zusammengearbeitet hatte.
Besonders begeistert hat mich aber Jan Josef Liefers
als Prof. Dr. Weissinger. Gäbe es diesen Professor wirklich, er würde
sich mit all seiner Schrulligkeit, der leichten Zerstreutheit und der
uneingeschränkten Begeisertung für sein Fach wunderbar in unser
Skandinavistik-Institut einfügen. Maras Gespräch mit ihm in seinem Büro
über Hörnerhelme und Plastik-Wikingerschiffe zählt zu meinen absoluten
Highlights im Film. :D
Für mich ist "Mara und der Feuerbringer" ein wirklich
großartiger Film geworden, der Menschen aller Altersklassen begeistern
kann. Kinder und Jugendliche können an dem Film genauso Freude haben wie
alle, die sich in ihrer Frezeit mit der nordischen Mythologie,
Mittelalter oder Fantasy beschäftigen. Der Umgang mit der nordischen
Mythologie ist zudem erfrischend klischeefrei, die Götter erscheinen
nicht wie Figuren aus Superheldencomics oder aus Wagners Operns.
Sattdessen erfährt man, wenn man sich noch nie damit beschäftigt hat,
tatsächlich einiges aus der Mythologie. Zum Beispiel von Loki, der das
Fischernetz erfunden hat, von Thors Fischzug oder davon, wie man sich im
wikingerzeitlichen Skandinavien das Entstehen von Erdbeben erklärt hat.
Und es wäre bewiesen: es kann ihn wirklich geben, den guten, deutschen
Fantasyfilm!
Ein kleiner Einblick in den Film und den ebenfalls sehr interessanten Soundtrack: