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Dienstag, 18. Juli 2017

Zwischen Wikingern und Piraten - Die Role Play Convention 2017 in Köln

Dieses Jahr habe ich zum zweiten Mal der Role Play Convention in Köln einen Besuch abgestattet. Nachdem ich bereits im Vorfeld eingehend das Programm studiert habe, fiel die Entscheidung, die Convention in diesem Jahr am Samstag zu besuchen.

Um die bei Conventions gerne üblichen Einlasschlangen zu umgehen, fuhr ich nicht gleich zur Eröffnung hin. Eine Strategie, die sich auch dieses Mal wieder bewährte. So dauerte es höchstens zwei Minuten, bis ich die recht ausführliche Taschenkontrolle hinter mich gebracht hatte und mit der Erkundung der Messehalle beginnen konnte.

Zunächst drehte ich eine ausführliche Runde durch die Haupthalle mit all ihren Händlern und Künstlern, später stattete ich dann auch der stets etwas leereren unteren Halle, die aber schon wegen einiger interessanter Künstler, die dort ihre Stände hatten, einen Abstecher wert war.

Viel Zeit verbrachte ich aber an diesem Tag wirklich damit, mir verschiedene, spannende Programmpunkte anzusehen. Los ging es dabei für mich um 13 Uhr im Lesecafé von Feder & Schwert, wo Tommy Krappweis aus seinem Buch "Ghostsitter 4 - Schreck im Spiegelkabinett" las und zwischendurch auch die eine oder andere unterhaltsame Anekdote zur Entstehung des Buches und der Bedeutung guter Lektoren und verständnisvoller Verlage zum Besten gab.

Gut gefüllte Lesung von Tommy Krappweis

Gleich im Anschluss spurtete ich zum ersten Mal an diesem Tag nach draußen, wo es neben einem kleinen Mittelaltermarkt die große Outdoor-Bühne gibt. Auf der spielten nämlich noch ein paar Minuten Punch'n'Judy. Den Großteil des Sets hatte ich natürlich verpasst, aber ich kam gerade richtig, um noch "Koboldkönig" zu hören, einen meiner Lieblingssongs der Band.

Punch'n'Judy

Danach blieb ein wenig Zeit zur Erkundung des Mittelaltermarkts, wo ich eine Zeit lang beim Auftritt von Brigada Pirata hängen blieb, einer italienischen Piratenband, die sehr sympathisch rüberkamen und gut Stimmung machte. Um 15 Uhr ging es dann aber auch schon wieder zurück ins Lesecafé, was bei der draußen herrschenden Hitze aber eigentlich auch ganz angenehm war. Dort lasen Bernhard Hennen und Robert Corvus aus der Phileasson-Saga und gaben sich dabei sehr amüsante Wortgefechte. Robert Corvus brachte die anwesenden Zuhörer dann auch noch dazu, mit ihm gemeinsam einen spontanen Chor zu bilden, der gemeinsam das Lied "König der Meere" trällerte - quasi ein Drunken Sailor in der speziellen Phileasson-Version.

Brigada Pirata

Schon um 17 Uhr ging es dann weiter im Programm, diesmal mit einem Vortrag von Tommy Krappweis und Rudolf Simek, einem der wohl bekanntesten Skandinavisten des deutschsprachigen Raumes. Bekanntlich hatte sich zwischen dem Autoren und dem Wissenschaftler eine enge Zusammenarbeit entwickelt, als Tommy Krappweis an seinen "Mara und der Feuerbringer"-Romanen gearbeitet hatte (die übrigens - jubel! - fortgesetzt werden). Und eben über diese Zusammenarbeit berichteten die beiden nun in diesem Vortrag, der unter dem schönen Titel "Götter, Gags und Fantasy - Wissenschaft und Fantasy in 'Mara und der Feuerbringer'" stand. Das konnte ich mir als Skandinavist und Fantasy-Fan doch unmöglich entgehen lassen - eine Einschätzung, die wohl viele teilten, passten doch die Interessierten gar nicht alle in den kleinen Workshop-Raum. Die Menschen saßen auf allen Stühlen, hockten davor und standen in mehreren Reihen dahinter, und trotzdem blieben noch ein paar vor der Tür.

Der Workshopraum war eindeutig zu klein für die vielen Interessenten beim Vortrag von Tommy Krappweis und Rudolf Simek

Der Vortrag wurde dann aber auch wirklich großartig, verstehen es doch sowohl Tommy Krappweis als auch Rudolf Simek hervorragend, interessant und kurzweilig zu erzählen. Man erfuhr viel darüber, wie die Zusammenarbeit der beiden recht unterschiedlichen Männer zustande kam und sich entwickelte und die kleinen, nicht gemeinen Seitenhiebe, die sich die beiden über die ganze Zeit gegenseitig zuwarfen, brachten das Publikum häufig richtig heftig zum lachen.

Nach dem Vortrag rückte das Ende dieses schönen Tages auf der RPC so langsam und allmählich in Sichtweite. Es wurde Zeit, ein paar letzte kleine Einkäufe zu machen und sich mit einem leckeren Milchshake bewaffnet wieder in die knallende Sonne vor der Bühne zu wagen. Um 18:45 Uhr begann da nämlich das Konzert von Jan Hegenberg, welches für mich den perfekten Abschluss dieses schönen Convention-Tages bildete. Im Gegensatz zum Vorjahr konnte ich dieses Jahr - Spotify sei dank - auch endlich mitsingen. Wie toll es einfach klingt, wenn das ganze Publikum bei Songs wie "Die Horde rennt" mitsingt - und wie dumm du dir vorkommst, wenn du selber davon vorher noch nie gehört hast :P Gut, diese Bildungslücke wurde jedenfalls im Laufe des letzten Jahres behoben, und an diesem Samstag konnte dann auch endlich der schreckliche Makel beseitigt werden, keine Jan Hegenberg CD zu besitzen.

Jan Hegenberg

Mit diesem Konzert ging also mein Tag auf der Role Play Convention 2017 zu Ende. Meine Ausgaben hielten sich dabei sogar mal im Rahmen, die wahre Eskalation erfolgte dann erst eine Woche später bei der Dokomi, haha. Doch davon berichte ich natürlich später in einem eigenen Post mehr. ;)

Mittwoch, 20. Mai 2015

Filmvorstellung: Mara und der Feuerbringer

Zum ersten Mal in diesem Jahr hatte ich mal wieder das dringende Bedürfnis, unbedingt einen Film im Kino sehen zu wollen. Es handelte sich dabei ungewöhnlicherweise sogar mal um einen deutschen Film. Einen deutschen Fantasyfilm, um ganz genau zu sein. Und dabei noch dazu eine Buchverfilmung. Manch einer mag jetzt ganz schnell weglesen wollen, doch das wäre unbegründet. Denn "Mara und der Feuerbringer" ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass so etwas durchaus funktionieren kann.

Aufmerksam geworden bin ich auf die Verfilmung des ersten Bandes von Tommy Krappweis' Fantasy-Buchreihe "Mara und der Feuerbringer" bereits im vergangenen Jahr auf der HobbitCon. Dort war ich eher zufällig in einer Bühnendiskussion mit Autor Krappweis und Rudolf Simek, einem der wohl bekanntesten Altskandinavisten Deutschlands, gelandet. Und ich war sehr angetan gewesen von dem, was ich sah und hörte. Eine Fantasygeschichte, in der sich alles um die nordische Mythologie dreht und in der ein Skandinavistik-Professor eine tragende Rolle inne hat - was bitte kann man sich als Skandinavistikstudent mehr wünschen? 

Entsprechend war die Freude groß, als endlich der Kinostart für Anfang April angekündigt wurde. Leider erfuhr die Freude bald einen kleinen Dämpfer, als sich herausstellte, dass der Film vielerorts als reiner Kinderfilm eingestuft wurde, und darum nur zu reichlich unschönen Zeiten gezeigt wurde. Bis es meiner Freundin und mir endlich gelungen war, einen geeigneten Termin zu finden, war knapp ein Monat seit Kinostart vergangen und das nächstgelegene Kino, dass den Film noch zeigte, lag in Dinslaken - 2 1/2 Stunden Zugfahrt von meinem Zuhause entfernt. That's life, und wozu habe ich denn ein NRW-Semesterticket, dachte ich mir und machte mich auf den Weg. So kam es dann, dass wir an einem schönen Montagmittag zu zweit und als einzige Besucher "Mara und der Feuerbringer" anschauen durften.

Worum geht es eigentlich in dem Film? Hauptperson ist die junge Mara Lorbeer, die es wahrlich nicht einfach hat. Sie wäre am liebsten ein ganz normales, möglichst unauffälliges Mädchen, muss sich jedoch ständig mit ihrer Mutter, die sich auf einem ziemlich heftigen Esoterik-Trip befindet herumschlagen. Außerdem plagen Mara ständig seltsame Tagträume von kämpfenden Menschen aus offenbar längst vergangenen Zeiten. Ganz schlechte Vorzeichen, wenn man doch einfach nur normal sein möchte... Richtig aus den Fugen gerät Maras welt, als eines Tages ein Zweig zu ihr spricht und ihr erzählt, sie sei eine Spákona und müsse die Welt vor dem Ragnarök bewahren, indem sie Loki daran hindert, sich aus seinem Gefängnis zu befreien. Vollkommen überfordert von der Situation beschließt Mara, sich Hilfe zu suchen und stüßt dabei auf den Münchener Skandinavistik-Professoren Dr. Reinhold Weissinger. Doch wie bringt man einen Mann der Wissenschaft dazu, einem so eine Geschichte zu glauben? Und wie bitte soll man als junges Mädchen, dass sich kaum gegen seine fiese Mitschülerin Larissa wehren kann, eigentlich gleich die ganze Welt vor dem Untergang retten? Den Gedanken an ein normales Leben kann Mara damit wohl erstmal aufgeben...

Zunächst einmal: Wie ich schon geschrieben habe, wurde "Mara und der Feuerbringer" leider von den Kinos als reiner Kinderfilm eingestuft. Ich halte das für Blödsinn. Meinen Beobachtungen nach herrschte an dem Film bereits vor Kinostart ein großes Interesse in Fantasyfankreisen, unter Mittelalterfreunden, Larpern, Reenactorn, Skandinavisten und, und, und. An vielen Stellen habe ich gelesen, dass man den Film sehr gerne im Kino gesehen hätte. Doch nicht jeder hat nun einmal das Glück wie meine Begleitung und ich, unter der Woche gegen Mittag ins Kino gehen zu können. Ehrlich gesagt hat so manch einer da vielleicht auch schlicht und ergreifend keine Lust zu. Durch die Einstufung als Kinderfilm wurde dem Film so meiner Meinung nach schon einiges an Erfolgspotenzial genommen, und das ist sehr schade. Es ist nämlich ein verdammt guter Film geworden. 

Ich bin wirklich kein Filmkenner, insbesondere von deutschen Schauspielern habe ich wenig Ahnung, aber die meisten Rollen in "Mara und der Feuerbringer" wurden mit Schauspielern besetzt, die selbst mir vorher schon bekannt waren. Hauptdarstellerin Lilian Prent war mir vorher noch unbekannt, konnte mich aber sofort überzeugen. Sie kommt in ihrer Rolle als Mara einfach unheimlich sympathisch rüber und ähnelt wirklich der Mara, die ich mir nach dem Lesen des Buches vorgestellt hatte. Esther Schweins spielt Maras Mutter, die einen mit ihrer Frauengruppe, den 'Wiccas von der Au' immer wieder sehr zu erheitern vermag und Loki kommt gespielt von Christoph Maria Herbst genauso listig rüber, wie man ihn sich aus den alten Sagenstoffen vorstellt. Selbst Billy Boyd, bekannt aus dem Herr der Ringe, hat einen kurzen Gastauftritt, ebenso wie Skandinavistikprofessor Rudolf Simek, der ganz offensichtlich ein Herz für Fantasy hat und mit dem Tommy Krappweis ja schon bei der Entstehung der Bücher zusammengearbeitet hatte.

Besonders begeistert hat mich aber Jan Josef Liefers als Prof. Dr. Weissinger. Gäbe es diesen Professor wirklich, er würde sich mit all seiner Schrulligkeit, der leichten Zerstreutheit und der uneingeschränkten Begeisertung für sein Fach wunderbar in unser Skandinavistik-Institut einfügen. Maras Gespräch mit ihm in seinem Büro über Hörnerhelme und Plastik-Wikingerschiffe zählt zu meinen absoluten Highlights im Film. :D

Für mich ist "Mara und der Feuerbringer" ein wirklich großartiger Film geworden, der Menschen aller Altersklassen begeistern kann. Kinder und Jugendliche können an dem Film genauso Freude haben wie alle, die sich in ihrer Frezeit mit der nordischen Mythologie, Mittelalter oder Fantasy beschäftigen. Der Umgang mit der nordischen Mythologie ist zudem erfrischend klischeefrei, die Götter erscheinen nicht wie Figuren aus Superheldencomics oder aus Wagners Operns. Sattdessen erfährt man, wenn man sich noch nie damit beschäftigt hat, tatsächlich einiges aus der Mythologie. Zum Beispiel von Loki, der das Fischernetz erfunden hat, von Thors Fischzug oder davon, wie man sich im wikingerzeitlichen Skandinavien das Entstehen von Erdbeben erklärt hat. Und es wäre bewiesen: es kann ihn wirklich geben, den guten, deutschen Fantasyfilm!

Ein kleiner Einblick in den Film und den ebenfalls sehr interessanten Soundtrack: