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Montag, 22. Juni 2026

Buchvorstellung Yurijuni Challenge 2026: Citrus von Saburouta

Toxische Paare im Yuri-Bereich? Da stellt mich die #yurijuni2026 Challenge von manga_no_tomodachi ja ganz schön auf die Probe, denn das ist ein Thema, um das ich eigentlich in all meinen Genres immer einen großen Bogen mache. So fällt meine Wahl vermutlich auch dermaßen zahm aus, dass es echten Connaisseuren maximal ein müdes Lächeln ins Gesicht zaubert.

Nichtsdestotrotz: reden wir über "Citrus", einen Titel, der ja durchaus kontrovers betrachtet wird (zumindest auf Twitter und damit im amerikanischen Bereich beschleicht mich jedenfalls immer das Gefühl, die nächste Hexenverbrennung ist nicht weit, sobald jemand diesen Manga auch nur erwähnt. Aber die Leute dort sind ja auch noch einmal eine Kategorie für sich).

In Deutschland erschien die zehnbändige Reihe von Saburouta zwischen 2015 und 2019 bei Tokyopop, einen Anime gibt es ebenfalls. Im Zentrum der Story steht Yuzu, ein modisches, spontanes und manchmal etwas vorlautes Mädchen, welches durch die zweite Heirat ihrer Mutter in eine neue Stadt ziehen und die Schule wechseln muss. Sich in das neue Leben, das sie dort erwartet, einzufinden, fällt ihr schwer, eckt sie mit ihrem Stil und ihrem Charakter in der etablierten, konservartiven Mädchenschule doch extrem an. Und als wäre das nicht genug, stellt sich die strenge Schülersprecherin auch noch als ihre neue Schwester heraus. Mei und Yuzu geraten bei jeder sich bietenden Gelegenheit aneinander, doch irgendwie möchte Yuzu der wunderschönen, aber auch schwierigen Mei auch näher kommen - und das nicht nur im schwesterlichen Sinne!

Als ich "Citrus" vor einiger Zeit noch einmal quergelesen habe, ist mir erst so richtig aufgefallen, wie wild der Titel in einigen Punkten ist. Mit der (Stief-)Geschwister-Thematik hatte ich persönlich eigentlich nie ein großes Problem, aber so wirklich wholesome kann man die Beziehung der beiden Mädchen zumindest am Anfang nicht bezeichnen. Da wird auch schonmal fröhlich ohne Konsens übereinander hergefallen oder emotional Druck ausgeübt - und das alles in locker-leichtem Ton und mit zuckersüßen Zeichnungen.

Trotzdem kann ich nicht leugnen, dass mir der Titel gefallen hat, obwohl er soweit abseits meiner üblichen Präferenzen liegt. Vermutlich auch bedingt durch ihren Charakter, jagt in Yuzus Leben ein kleines Drama das nächste, sodass weder sie, noch die Leser je zur Ruhe kommen. Familiäre Konflikte, Eifersucht, schulische Probleme, psychische Ausnahmesituationen - alles dabei. Selten findet man so viel Action in einer Liebesgeschichte, was die Lektüre irgendwie immer spannend gehalten hat. 

Ich fand es in jedem Fall unterhaltsam, zu verfolgen, wie die beiden sehr ungleichen Mädchen immer wieder aneinander geraten, aber auch ihre eigenen Probleme überwinden und so menschlich wachsen. Wer eine wirklich tiefgründige Story sucht, ist hier meiner Meinung nach zwar an der falschen Stelle, aber wenn man mit einigen moralischen Zweifelhaftigkeiten (und einer absolut absurden Familiengeschichte) leben kann, kann man mit "Citrus" wirklich Spaß haben.

[PS: Fotos gibt es gerade leider nur mit Einschränkung, weil ich den zweiten Teil der Serie verliehen habe. Bin schon sehr auf das Fazit der aktuellen Leserin gespannt. Zwischenstand ist, dass die beiden sie auf die Palme bringen, was ich wirklich sehr gut nachvollziehen kann.]

Citrus | Saburouta | Toykopop | Originalpreis: 7,50€ | Genre: Girls Love | Empfohlen ab 15 Jahren | Link zum Buch

Freitag, 19. Juni 2026

Buchvorstellung Yurijuni Challenge 2026: Adachi & Shimamura


Gerade befinden wir uns bei der #yurijuni2026 Challenge von manga_no_tomodachi an einer Stelle, wo ich unheimlich gespannt auf die Beiträge bin. Gefragt wurde nämlich nach Yuri-Titeln, die auf dem deutschen Markt noch fehlen, und da ich zumindest im Manga-Bereich aktuell fast ausschließlich deutsche Lizenzen lese, denke ich, dass ich da einige neue spannende Sachen entdecken werde!

Bei meinen eigenen Überlegungen zu einem Yuri-Titel, der mir auf dem deutschen Markt noch fehlt, kam mir dann auch ausgerechnet ein Titel in einem Format in den Sinn, das es hierzulande ohnehin schwer zu haben scheint: nämlich eine Light Novel.

"Adachi and Shimamura" von Hitoma Iruma erscheint in Japan schon seit 2013, die englische Version bei Seven Seas ist im Jahre 2020 gestartet. Die Reihe läuft meines Wissens nach noch und umfasst bisher 13 Bände. Inhaltlich geht es um die beiden High School Schülerinnen Sakura Adachi und Hougetsu Shimamura, die sich eines Tages beim Schuleschwänzen kennenlernen. Die beiden sind fasziniert voneiander und werden bald beste Freundinnen, doch Adachi merkt schnell, dass ihre Gefühle für Shimamura tiefer gehen. Aus Unsicherheit traut sie sich jedoch zunächst nicht, dies auch anzusprechen.

Was ich an "Adachi and Shimamura" schätze, ist der angenehm ruhige Ton. Als Leser erlebt man den ganz normalen Schulalltag mit den beiden Mädchen, und bei der Länge der Serie erhält die Beziehung der beiden richtig viel Zeit, sich zu entwickeln. Der Erzählton hat dabei oft etwas angenehm humorvolles ohne gleich übertrieben zu wirken, was mir persönlich richtig gut gefallen hat. Für mich ist es einfach eine richtig schöne Slice of Life Yuri-Reihe im klassischen Schul-Setting. Nichts super-spektakuläres vielleicht, aber für mich eben genau die Art von Titel, die ich gerne mag, mit viel Slice of Life, Charakterentwicklung und Figuren, denen der Raum gegeben wird, sich zu entfalten und einem ans Herz zu wachsen.

Nun werde ich mich nicht der Illusion hingeben, dass die Light Novel eine große Chance auf dem deutschen Markt hätte, jedoch hat es mich immer gewundert, dass nicht spätestens nach dem Start des Animes zur Reihe vor sechs Jahren zumindest die Manga-Adaption lizensiert wurde. Diese habe ich persönlich noch nicht in der englischen Ausgabe gelesen, weil ich immer die vage Hoffnung hatte, sie könnte uns hier doch eines Tages einmal erreichen. Tja, wie heißt es so schön: die Hoffnung stirbt zuletzt?

Adachi and Shimamura | Hitoma Iruma (Story), Non, Shizue Kaneko, Raemz (Illustrationen) | Seven Seas | Originalpreis: ab 13,99$ | Genre: Yuri | Empfohlen ab 13 Jahren | Blick ins Buch

Dienstag, 16. Juni 2026

Buchvorstellung Yurijuni Challenge: Wir beide! von Milk Morinaga

Yuri-Mangas im Schul- oder Unisetting gibt es so einige, aber als ich darüber nachgedacht habe, welchen Titel ich gerne für die #yurijuni2026 Challenge von manga_no_tomodachi auswählen möchte, ist meine Wahl ziemlich schnell auf "Wir beide!" von Milk Morinaga gefallen.

Für mich - wie vermutlich für viele ältere deutsche Mangaleser - war dieser Titel damals (2012) der erste Berührungspunkt mit dem Girls Love Genre. Und was soll ich sagen? Ich war damals vollauf begeistert von dieser neuen Welt, die sich aufgetan hat! Umso schöner finde ich es, heute - ganze vierzehn Jahre später - nach meinem Reread für die Challenge sagen zu können: ich mag diese Reihe noch genauso gerne wie damals!

In "Wir beide!" geht es um Mariko, die so schüchtern und unauffällig ist, dass sie in der Schule keine wirklich engen Freunde hat. Dies ändert sich erst, als die lebhafte Akko sie anspricht. Durch die Freundschaft zu ihr ändert sich Marikos Leben sehr. Sie fängt an, sich für Mode und Trends zu interessieren und findet endlich Anschluss in ihrer Klasse. Obwohl sie den Grund lange nicht wirklich greifen kann, bleiben ihre Gefühle für Akko jedoch immer irgendwie anders als die für ihre anderen Freundinnen. Als sie eines Tages das Bedürfnis überkommt, Akko im Schlaf zu küssen, beginnt sie daran zu zweifeln, dass sie in dieser wirklich nur eine sehr enge beste Freundin sieht.

Was "Wir beide!" meiner Meinung nach von anderen Yuri-Titeln im Schulsetting abhebt ist die liebevoll-detaillierte Ausgestaltung des Alltags von Mariko und ihren Freundinnen. Die Schule als natürlicher Lebensmittelpunkt von Mädchen in diesem Alter nimmt großen Raum ein, doch auch ihre Freizeit wird immer wieder beleuchtet. Es wird geshoppt, angesagte Fast Food Ketten besucht und - mein persönlicher Favorit, weil so schön typisch für die Zeit, aus der der Manga stammt - Purikura gemacht und getauscht. So entsteht ein sehr dynamisches Bild einer Lebenswirklichkeit, um die herum sich die Geschichte von Mariko und Akko entwickeln kann.

Große Dramen sucht man hier vergeblich, auch wenn sich dies für die Protagonistinnen sicher ganz anders anfühlt. Gerade Mariko kann ihre Gefühle lange nicht richtig zuordnen und versucht sie zu unterdrücken, weil sie sie für falsch hält und Angst hat, Akko damit zu vertreiben und so ihre beste Freundin zu verlieren. Das führt irgendwann sogar so weit, dass sie ein Liebesgeständnis von einem Jungen annimmt mit der festen Absicht, sich schon irgendwann in ihn zu verlieben - ich denke, es zählt nicht als Spoiler, zu verraten, dass das natürlich nicht so furchtbar gut funktioniert. 

"Wir beide!" erzählt am Ende also mehr als nur eine Liebesgeschichte. Vielmehr habe ich es als eine Geschichte über das Erwachsenwerden gelesen. Einerseits fängt das Leben für die Mädchen gerade erst an und sie genießen es, sich selbst zu entdecken, andererseits ist Gefühlschaos nie fern. Entscheidungen für die berufliche Zukunft müssen getroffen werden, scheinbar enge Freundschaften bröckeln, sobald sich die Zusammenstellung der Klassen ändert - und dann ist da eben noch die Sache mit der Liebe, immer mit der konstanten Angst, irgendwas falsch zu machen und alles zu ruinieren. Es ist eine Reise in das Leben japanischer Teenager, thematisch zeitlos aber vom Setting her perfekt in die Zeit seiner Entstehung eingebunden. 

Vielleicht liegt es ein Stück weit einfach daran, dass ich zu eben jener Zeit (der Manga erschien in Japan ab 2006) selbst Teenager war, aber in jedem Fall habe ich bis heute große Freude an der Geschichte von Mariko und Akko, was den Manga bis heute zu einem Highlight des Genres macht.

Wir beide! | Milk Morinaga | Carlsen Manga | Originalpreis 6,95€ pro Band | Genre: Girls Love 

Sonntag, 14. Juni 2026

Buchvorstellung Yurijuni Challenge: Bloom Into You von Nio Nakatani

Für das nächste Thema der #yurijuni2026 Challenge von manga_no_tomodachi kamen aus meiner Sicht eine ganze Menge schöner, cozy Slice of Life Titel in Frage. Entschieden habe ich mich am Ende aber für "Bloom Into You" von Nio Nakatani.

In der achtbändigen Reihe geht es um Yu Koito, die neu auf der Oberschule ist. Durch romantische Mangas und Liebeslieder hat sie eine ziemlich konkrete Vorstellung davon, wie sich das mit der Liebe anfühlen sollte. Leider ist ihr selbst dieses Gefühl aber vollkommen fremd. Als sie zufällig die ältere Mitschülerin Nanami dabei beobachtet, wie sie ein Liebesgeständnis ablehnt denkt sie, dass sie endlich eine verwandte Seele gefunden hat. Dies stellt sich jedoch als Irrtum heraus, als Nanami ihr kurz darauf eröffnet, sich gerade in sie zu verlieben. Obwohl Yu ihre Gefühle zunächst nicht erwidern kann, akzeptiert sie diese, und durch die gemeinsame Arbeit im Schulkomitee kommen die beiden einander Stück für Stück näher. 

Dadurch, dass "Bloom Into You" lange eine der wenigen längeren Yuri-Reihen auf dem deutschen Markt war, hat mich der Titel wirklich lange begleitet und war für mich immer ein Garant für schöne und entspannte Lesemomente. Das Schulleben, zusammen mit Yus pragmatischem und unaufgeregten Charakter, haben einfach die perfekte Grundlage für eine richtig schöne Slice of Life Geschichte geliefert.

Und dann war da noch der Aspekt der Erwartungen, der mir besonders gut gefallen hat. Yus Erwartungen an die Liebe sind so konkret geformt durch das, was die Gesellschaft um sie herum daraus macht, durch überhöhte Erwartungen geboren aus Fiktionen und Träumen, dass sie beginnt, an sich selbst zu zweifeln. Und auch Nanami kämpft mit Erwartungen, und zwar sehr konkret mit denen, die ihr Umfeld und ultimativ auch sie selbst an sie stellen. Im Manga lernen beide nach und nach, diese Erwartungen zu verstehen und einzuordnen und ihre eigenen Schlüsse zu ziehen, was die Story gewissermaßen auch zu einer Coming-of-Age Geschichte macht. 

All das hat dazu beigetragen, dass mir die Lektüre von "Bloom Into You" sehr positiv im Gedächtnis geblieben ist. Wer eine ruhige Geschichte über das Erwachsen werden und das langsame Erblühen von Gefühlen lesen möchte, ist hier an der richtigen Stelle! 

Bloom Into You | Nio Nakatani | Carlsen Manga | Originalpreis: 6,99€ pro Band | Genre: Girls Love | Empfohlen ab 14 Jahren | Link zum Buch

Mittwoch, 10. Juni 2026

Buchvorstellung Yurijuni Challenge: Fragtime von Sato


Bei dem Thema "Fantastic Adventure" für die #YuriJuni2026 Challenge von manga_no_tomodachi habe ich mich mit der Auswahl eines passenden Titels doch etwas schwer getan, da ich meist Mangas in einem 'realen' Setting wähle. Nach reiflich Überlegung ist mir dann aber zumindest noch eine Reihe in den Sinn gekommen, bei der es zumindest einen fantastischen Anteil gibt, den man so in unserer Welt nicht finden würde.

In dem zweibändigen Manga "Fragtime" von Sato, welcher 2020 bei Tokyopop erschien, geht es um Moritani, die über eine besondere Fähigkeit verfügt: sie kann für etwa drei Minuten täglich die Zeit anhalten. Ursprünglich ihr Heilmittel gegen unangenehme, soziale Situationen, entdeckt Moritani jedoch bald auch die anderen Vorzüge dieser Besonderheit. Denn obwohl sie selbst zu schüchtern ist um mit anderen zu interagieren, interessieren sie die Geheimnisse ihrer Mitschüler sehr, und so deckt sie bald heimliche Affären und andere pikante Geheimnisse auf. Alles läuft auch ganz wunderbar, bis sie eines Tages beschließt, die stillstehende Zeit zu nutzen, um ihrer schönen und beliebten Mitschülerin Murakami unter den Rock zu schauen. Es wird der Moment, in dem sie nicht nur herausfindet, was für hübsche Unterwäsche Murakami trägt, sondern vor allem auch, dass sie gegen Moritanis Fähigkeit immun ist - und plötzlich verbindet die beiden Mädchen ein Geheimnis, das sie zu diesem Zeitpunkt beide noch nicht so richtig verstehen.

"Fragtime" ist eine unterhaltsame Girls Love Komödie im Schulsetting. Die beiden Protagonistinnen sind dabei totale Gegensätze und ziehen einander vermutlich genau aus diesem Grund an. Während Moritani still und ängstlich ist, hat Murakami eine überraschend wilde Seite, und die gemeinsame, stillstehende Zeit bietet ihr die Möglichkeit, diese auch auszuleben. Trotzdem bleibt die Beziehung der Mädchen anfangs eher oberflächlich. Dies ändert sich erst, als Moritanis Fähigkeit zu verschwinden beginnt und Unsicherheiten zu Tage kommen: kann es zwischen ihnen mehr geben als drei aufregende Minuten am Tag? Und wieso ist Murakami überhaupt die Ausnahme zu Moritanis Regel geworden?

Die Antworten auf diese Fragen werden in bester Schulmädchen-Dramen-Manier entdeckt, und das Spiel mit dem Risiko, am Ende der stillstehenden Zeit aufzufliegen, wird ein fester Bestandteil des Reizes ihrer schwindenden gemeinsamen Zeiten.

Insgesamt schlägt der Manga einen ziemlich lockeren Ton an, und ich gebe zu, dass mich die wiederkehrende Höschen-Thematik (von der ich - bei meiner Ehre - jetzt eigentlich wirklich kein großer Fan bin) tatsächlich an der einen oder anderen Stelle zum Lachen bringen konnte. Wer einen kurzweiligen Girls Love Titel mit besonderem Twist sucht, dem sei ein Blick auf "Fragtime" durchaus ans Herz gelegt. 

PS: Zu dem Manga gibt es übrigens auch einen etwa einstündigen Anime, der auf Crunchyroll zu finden ist. Da ich diesen selbst noch nicht gesehen habe, kann ich dazu aber leider nicht viel sagen.

Fragtime | Sato | Tokyopop | Originalpreis: 6,99€ pro Band | Genre: Girls Love | Empfohlen ab 15 Jahren | Link zum Buch

Montag, 8. Juni 2026

Buchvorstellung Yurijuni Challenge 2026 - Tears on my Pages: Wenn die Blüten Trauer tragen von Tokuwotsumu

Tears on my Pages - für dieses dritte Thema der #yurijuni2026 Challenge konnte es für mich nur einen Anwärter geben, denn ich kann mich nicht erinnern, jemals bei der Lektüre eines Mangas ähnlich viel geweint zu haben wie bei "Wenn die Blüten Trauer tragen".

In dem zweibändigen Werk von Tokuwotsumu geht es um Haruki, die vor fünf Jahren ihre Geliebte Sakura verloren hat. Seitdem hat das Leben für sie jede Freude verloren. Die Zeit des Frühlings, in der sich Sakuras Todestag jährt, ist dabei für sie sogar so schlimm, dass sie sich einen ganzen Monat Urlaub nimmt und sich ganz alleine zurückzieht. Dabei fällt ihr plötzlich auf, dass sie sich nicht mehr daran erinnern kann, wie Sakura gestorben ist. Als sie auf der Suche nach Antworten auf Sakuras 10-Jahres-Tagebuch stößt, welches diese nie abschließen konnte, erscheint ihre Geliebte plötzlich vor ihr - doch nur Haruki kann sie sehen. Gemeinsam beschließen die beiden, das fehlende zehnte Jahr in Sakuras Tagebuch auszufüllen.

Puh. Es ist gar nicht so einfach zu beschreiben was es ist, das "Wenn die Blüten Trauer tragen" so besonders macht ohne zu viel über den Inhalt zu verraten, aber ich werde es einmal versuchen. Ich denke, schon aus meiner Kurzbeschreibung geht recht deutlich hervor, dass es sich hier nicht um eine fluffige Liebesgeschichte handelt. Haruki und Sakura haben einander geliebt, und wir erhalten als Leser Einblicke in die schönen Momente, die sie geteilt haben, doch zu dem Zeitpunkt, an dem die Story spielt, ist Haruki allein zurückgeblieben. Bald wird deutlich, dass sie nicht nur trauert: sie ist vielmehr seit fünf Jahren wie eingefroren - unfähig, Sakuras Tod zu verarbeiten und auch unwillig, eine Zukunft ohne sie zu beginnen. Erst mit Hilfe des Tagebuchs ihrer Geliebten schafft sie es schließlich, sich Schritt für Schritt aus dieser Lethargie zu befreien.

Eigentlich bin ich beim Lesen von Mangas gar nicht so nah am Wasser gebaut, aber dieser Titel hat mich emotional auf so vielen Ebenen getroffen, dass ich kann nicht mehr zählen kann, wie oft ich geweint habe. Es geht um Verlust und Trauer, aber auch um Schuld und die Frage, wie man ohne diesen speziellen Menschen, den man verloren hat, weitermachen soll. Um Dinge, die man hätte tun sollen, als man noch die Chance hatte und um Fragen, die man zu Lebzeiten nicht gestellt hat, und bei denen man realisiert, dass man sie nun niemals mehr wird stellen können. Um sehr menschliche Themen, die wohl jeder, der schon einmal einen Menschen in seinem Umfeld verloren hat, irgendwie kennt.

Das alles ist schmerzhaft, sowohl für Haruki als auch für den Leser, aber es ist auch notwendig, um einen Abschluss zu finden. Und genau das ist eine weitere Stärke des Mangas: es gibt hier Hoffnung. Durch Sakuras 'Erscheinung' und das gemeinsame Tagebuch kommt wieder Bewegung in Harukis Leben, und Stück für Stück lernt sie so, ihre eigenen Gefühle zu verstehen und die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen.

"Wenn die Blüten Trauer tragen" ist kein leichter Stoff für Zwischendurch, aber ein unheimlich einfühlsamer und klug geschriebener Manga über eine Beziehung, der kein 'und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage' vergönnt war. Von meiner Seite eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, welche die durchaus schweren Themen händeln können.

Wenn die Blüten Trauer tragen | Tokuwotsumu | Hayabusa Verlag | Originalpreis: 10,00€ pro Band | Empfohlen ab 14 Jahren | Genre: Girls Love | Link zum Buch

Samstag, 6. Juni 2026

Buchvorstellung YuriYuni Challenge 2026 - A work of Art: Luminous Blue von Kiyoko Iwami

Für das zweite Thema der #yurijuni2026 Challenge von Manga no Tomodachi, 'A Work of Art', habe ich mich für die zweibändige Kurzserie "Luminous Blue" von Kiyoko Iwami entschieden, die 2020/21 bei Tokyopop erschienen ist. 

In dem Manga geht es um Kou, welche die Fotografie über alles liebt und beim Ausüben ihrer Leidenschaft schnell alles um sich herum vergisst. 

Wir lernen sie kennen, als sie ihre Schulzeit an der Aojima High beginnt - eine Schule mit einem ehemals berühmten Fotoclub, der nun aber vor dem Aus steht. Das einzig verbliebene Mitglied ist Hayama, die auch gleichzeitig Kous großes Vorbild ist. Ihr Foto von einem weinenden Mädchen hatte Kou dazu angespornt, sich überhaupt an der Aojima High zu bewerben.

Gleich an ihrem ersten Tag lernt Kou zwei Mädchen kennen, die kühle Schönheit Nene und die niedliche Amane. Die Synergie der beiden bei einem gemeinsamen Fotoshooting ist so groß, dass Kou gar nicht mehr damit aufhören kann, sie zusammen zu fotografieren - bis ihr Hayama anvertraut, dass die beiden in der Mittelschule ein Paar waren. 

Plötzlich werden die Sachen kompliziert für Kou. Sie macht sich Sorgen, die beiden in eine schmerzhafte Situation gezwungen zu haben, weiß bald aber auch nicht mehr, was sie von ihren eigenen Gefühlen für Nene halten soll. Und auch Hayama, die sich meist im Hintergrund hält, ist in Wirklichkeit viel mehr als nur eine Nebenfigur in dem sich entspinnenden Geflecht komplizierter Gefühle zwischen den vier Mädchen.

Obwohl der Grundton eher entspannt ist, erzählt "Luminous Blue" eine Geschichte nicht nur von den schönen Seiten der Liebe. Unerwiderte Gefühle, Eifersucht, Unsicherheit und Angst davor, verletzt zu werden spielen eine Rolle, und lange fragt man sich, ob es diesem Manga eigentlich gelingen kann, ein gutes Ende für alle zu finden. 

Was mir an dem Manga besonders gefallen hat war die Rolle, welche der Fotografie hier zuteil wird. Für jedes der Mädchen bedeutet sie etwas ganz anderes. Kou sieht die ganze Welt durch das Objektiv ihrer Kamera, braucht jedoch Zeit, um die Gefühle, die sie so einfängt, auch wirklich zu verstehen. Hayama hingegen nutzt ihre Fotos als Werkzeug, und die Wahrheiten, die sie mit ihnen vermittelt, sind schonungslos und für die betroffenen Leute oft schmerzhaft. Auch für Nene und Amane, welche es gewohnt sind, Fotomotive zu sein, könnte die Bedeutung von Fotografie kaum unterschiedlicher sein. Während Nene in den Fotos immer wieder mit ihren vermeintlichen Schwächen konfrontiert wird, bringen sie Amanes Gefühle regelrecht zum Strahlen.

Am Ende findet der Manga eine recht unkonventionelle Lösung für die Probleme der vier Mädchen, mit der ich beim Lesen so nicht gerechnet hatte. Vielleicht hat genau das aber dazu beigetragen, dass mir "Luminous Blue" so viel Anlass zum Nachdenken gegeben hat und mir deswegen auch nach Jahren sofort in den Sinn kam, als ich nach einem Girls Love Manga mit Kunst-Bezug gesucht habe. 

Luminous Blue| Kiyoko Iwami| Tokyopop | Originalpreis 6,99€ pro Band | Genre: Girls Love | Empfohlen ab 13 Jahren | Link zum Buch

Dienstag, 2. Juni 2026

Buchvorstellung YuriJuni2026 Challenge - My First Yuri - The Guy She Was Interested In Wasn't A Guy At All

Mit meiner ersten Wahl für die #YuriYuni2026 Challenge habe ich es mir nicht leicht gemacht. Mein persönlicher erster Yuri-Manga war schnell aus dem Rennen: um ihm wirklich gerecht zu werden, braucht es einen Reread meinerseits (es ist lange her!) und das konnte ich neben Arbeit und Dokomi so kurzfristig nicht leisten. Darum habe ich mich entschlossen, ihn für einen anderen Beitrag zu wählen und dieses erste Thema stattdessen ein wenig umzudenken.

Wenn ich jetzt, hier und heute jemandem einen allerersten Yuri-Titel empfehlen müsste, welcher wäre das dann? Nach diversen Überlegungen fiel meine Wahl schließlich auf "The Guy She Was Interested In Wasn't A Guy At All" von Sumiko Arai.

Warum? Ganz einfach: der Manga ist wohl der stylishste Yuri Titel, den ich je gelesen habe, er ist jetzt gerade für alle interessierten Leser ohne Einstiegshürden verfügbar und er hat sogar das, was ich in der Vergangenheit im Yuri-Bereich hierzulande eher selten gesehen habe - eine aktive Fanbase mit Fanart, Fanfic und allem, was das Fanherz, welches seine Favoriten gerne feiern möchte, sonst noch wünschen könnte!

Für die unter euch, die den Titel noch nicht kennen: Es geht um Aya, die in ihrer Klasse zu den coolen Mädchen gehört, jedoch ein etwas spezielles Hobby hat, mit dem sie ziemlich allein da steht: sie liebt alternative Musik, und das mit großer Leidenschaft. In ihrem Lieblingsplattenladen jobbt seit einiger Zeit ein mysteriöser Typ, der einfach alles hat, was Ayas Herz höher schlagen lässt: er ist charmant, cool und gleichzeitig zuvorkommend, und er liebt Musik genauso wie Aya. Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, ist, dass besagter "Typ" in Wirklichkeit ihre unscheinbare Klassenkammeraden Mitsuki Koga ist. Doch spielt es am Ende eigentlich überhaupt eine Rolle, ob der Mensch, in den man sich verguckt hat, Junge oder Mädchen ist?

"The Guy She Was Interested In Wasn't A Guy At All" erscheint in Deutschland bei Hayabusa und umfasst bisher drei Bände. Mich hat die Reihe einfach sofort in ihren Bann gezogen. Nicht nur ist der Manga mit seinen grünen Details visuell einzigartig, auch die Story ist einfach liebenswert, insbesondere wenn man sich wie die beiden Protagonistinnen für die Welt alternativer Musik begeistern kann. Die Bands und Songs und Playlists, die hier eine Rolle spielen, umfassen echte Titel, sodass der Manga quasi mit seinem eigenen Soundtrack kommt. Auch ist die Leidenschaft der Figuren für die Musik spürbar und ansteckend, ebenso wie ihre manchmal etwas komplizierten Gefühle für einander.

Erfindet der Titel das Rad neu? Wohl kaum, aber das macht auch nichts, bietet er doch trotzdem eine einfach schöne Yuri-Story über zwei junge Mädchen, die mit dem üblichen Chaos der Teenager-Zeit klarkommen und sich selbst, einander und ihren Platz in der Welt zu finden versuchen, und das in einem coolen und modernen Stil, der sich einfach hervorragend liest.

In meinen Augen ist die Reihe perfekt für Interessierte geeignet, die jetzt gerade auf der Suche nach einem Einstieg in die Welt des Yuri-Genres suchen, weswegen ich sie von Herzen für dieses erste Challenge-Thema empfehle! 

The Guy She Was Interested in Wasn't A Guy at All Band | Sumiko Arai |  Hayabusa | Neupreis 15,00 € | Empfohlen ab 14 Jahren | Genre: Girl's Love | Link zum Buch 

Sonntag, 3. Mai 2026

Buchvorstellung: This Monster Wants To Eat Me Band 2 von Sai Naekawa

Worum es geht:

Shiori fällt es weiterhin schwer, Hinakos Todessehnsucht zu verstehen, bis diese ihr mehr über ihre traumatische Vergangenheit offenbart. Mit dem neu gewonnenen Wissen gibt sie Hinako einen scheinbar paradoxen Rat: sie soll ihr Leben in vollen Zügen genießen, denn nur ein glücklicher Mensch entwickelt den perfekten Geschmack, nach dem Shiori sucht und der für sie die Grundvoraussetzung ist, Hinako wie abgemacht das Leben zu nehmen. Doch obwohl Hinako sich den Rat zu Herzen nimmt, wird die Lage zunehmend komplizierter, denn auch ihre beste Freundin Miko ist nicht das, was sie zu sein vorgibt...

Meine Meinung:

Es bleibt spannend und düster im zweiten Band von "This Monster Wants To Eat Me". Obwohl Shiori offensichtlich gefährlich ist, klammert sich Hinako an sie und ihr Versprechen, sehr zum Leidwesen ihrer besten Freundin Miko. Dass es zwischen Miko und Shiori Spannungen gibt, zeichnet sich ja schon seit dem ersten Zusammentreffen ab - wie tief diese reichen und woher sie rühren hat mich jedoch tatsächlich sehr erstaunt.

Auch in diesem Band bleibt die Atmosphäre wieder ein großes Highlight. Die Story ist beklemmend, und das merkt man den Zeichnungen und Interaktionen der Charaktere auch an. Neben dem offensichtlichen Interessenskonflikt zwischen Shiori und Miko wird eine weitere Frage zunehmend deutlicher: was passiert, wenn Hinako tatsächlich ihre Lebensfreude wiederfindet? Wird die Abmachung zwischen ihr und Shiori irgendwann zur Bedrohung? Und welche Rolle kann und wird Miko in dem gefährlichen Beziehungsgeflecht spielen?

Eigentlich bin ich kein großer Fan von Horror und Monstern, aber die subtile Art, in der die unheimlichen Momente dieser Geschichte einem unter die Haut kriechen, fesselt mich extrem. Das Girls Love-Label finde ich zu diesem Zeitpunkt der Erzählung noch ziemlich gewagt, doch ich bin schon sehr gespannt, inwieweit dieser Aspekt noch eine Rolle spielen wird.

Werde ich dran bleiben? Auf jeden Fall! Die Geschichte um die traumatisierte Hinako hat mich nämlich schon längst viel zu sehr in ihren Bann gezogen.

This Monster Wants To Eat Me Band 2 | Sai Naekawa | Tokyopop | Originalpreis: 7,50€ | Genre: Girls Love | Empfohlen ab 15 Jahren | Link zum Buch

Montag, 1. Dezember 2025

Buchvorstellung: The Guy She Was Interested in Wasn't a Guy at All Band 1 von Sumiko Arai

Worum es geht:

In der Schule gehört Aya zu den beliebten Mädchen, doch keine ihrer Freundinnen teilt ihre Leidenschaft für alternative Musik. In einem kleinen Plattenladen trifft sie jedoch auf einen Typen in schwarzen Klamotten, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Coole Ausstrahlung, makelloser Musikgeschmack und dann auch noch das Verhalten eines echten Prinzen - er hat es alles. Es gibt da nur ein Problem: der scheinbar perfekte Typ ist eigentlich Ayas unscheinbare Klassenkameradin Mitsuki.

Meine Meinung:

Wie lange bin ich dem ersten Band von "The Guy She Was Interested in Wasn't A Guy at All" von Sumiko Arai hinterhergelaufen. Es ist mir noch nie passiert, dass ein Yuri-Titel in meinen einschlägigen Läden so regelmäßig ausverkauft war wie dieser hier, sodass man wohl schon von einem kleinen Hype reden kann.

Und nach der Lektüre des Mangas würde ich sagen: total gerechtfertigt, denn mich hat dieser Band auch auf so vielen Ebenen angesprochen. 

Zunächst und vielleicht am offensichtlichsten ist da natürlich das Design des ursprünglich auf Twitter veröffentlichten Werks, welches mit den durchgehenden grünen Akzenten einfach cool aussieht.

Aber auch die Story steht da für mich bisher nicht dahinter zurück. Sicher erfindet sie das Rad nicht neu, aber das ändert nichts daran, dass sowohl die Charaktere als auch das Setting mich total angesprochen haben. Mitsuki fand ich dabei besonders cool. Optisch sowieso (ich fürchte, meine Jugend zur Hochzeit des Emo-Trends ist für immer in meine DNA eingraviert), aber auch von ihrer Art. Sie ist lässig und individuell, ohne es drauf anzulegen oder an die große Glocke zu hängen, und das macht sie unheimlich sympathisch. Aber auch Aya ist nicht das oberflächliche Girlie, das man im ersten Moment erwarten würde, und die Unterschiede zwischen den beiden ziehen sich wirklich gegenseitig an.

Und dann ist da natürlich noch das Setting: diese grenzenlose Begeisterung für alternative Musik, die beide teilen, springt beim Lesen für mich total über. Vielleicht hilft es da, dass ich mich damit generell stark identifizieren kann - wenn früher in der Schule von der mit dem Nirvana-Shirt die Rede war wusste jeder, dass ich gemeint war - aber für mich wirkte das einfach komplett glaubhaft, zumal viele der Bands und Lieder auch namentlich genannt wurden und man sich so quasi musikalisch in die entsprechenden Szenen versetzen kann.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hab diesen Manga geliebt und sehe mich schon sehr bald ausziehen, um auch die bereits erschienenen nächsten zwei Bände zu ergattern. Klare Leseempfehlung!

The Guy She Was Interested in Wasn't A Guy at All Band 1 | Sumiko Arai |  Hayabusa | Neupreis 15,00 € | Empfohlen ab 14 Jahren | Genre: Girl's Love | Link zum Buch