Sonntag, 19. Juli 2026

Buchvorstellung: Bis wir uns fanden von Ryousuke Nanasaki & Yoshi Tsukizuki

 

So sehr wir uns immer mit unseren liebsten Paaren aus Boys Love Mangas, Manhuas oder Webtoons freuen, so sehr ist den meisten von uns doch bewusst, dass es im wahren Leben in den meisten asiatischen Ländern ganz anders mit den Rechten Homosexueller aussieht, als diese Geschichten suggerieren. Auch Japan bildet da keine Ausnahme, gibt es doch bis heute keine einheitliche Regelung, welche gleichgeschlechtlichen Paaren die selben Rechte wie heterosexuellen Ehepartnern einräumen würde. Wie überall auf der Welt gibt es aber natürlich auch Menschen, die gegen diese Diskriminierung kämpfen, imd Ryousuke Nanasaki ist einer von ihnen. In seinem autobiografischen Roman "Bis wir uns fanden - Japans erstes schwules Ehepaar", welches 2022 im Hayabusa Verlag erschien, erzählt er seine Geschichte.

Und obwohl diese mit einem persönlichen Happy End - einer Hochzeitsfeier im Tsukiji Hongan-Ji im Jahr 2016 - endet, wird ziemlich deutlich, dass der Weg dorthin kein leichter war.

Ryousuke Nanasaki nimmt uns in seinen Ausführungen mit bis in seine frühsten Erinnerungen. Schonungslos ehrlich berichtet er von Ausgrenzungen in der Schule, weil seine Art als zu feminin empfunden wurde und seiner jugendlichen Angst, sich und anderen gegenüber seine Homosexualität einzugestehen. Er erinnert sich an erste Dating-Erfahrungen, die schönen und weniger schönen Momente erster Beziehungen und an den Moment, in dem er beschloss, sein Glück in die eigene Hand zu nehmen.

Der Erzählton ist dabei manchmal humorvoll und manchmal ernst, ganz wie auch seine Erfahrungen. So schmerzt es, zu verfolgen, wie Beziehungen daran scheitern, dass sich die Partner ihre eigenen Sexualität nicht eingestehen können oder wie die Gesellschaft selbst das Zusammenleben quasi unmöglich machen. Auf der anderen Seite gibt es da aber auch die schönen Momente: langjährige Freundschaften, zunehmende Akzeptanz oder auch der lang gehegte Kindheitswunsch, der schließlich im Erwachsenenalter endlich erfüllt wird.

Und diese Ausgewogenheit ist es meiner Meinung nach auch, die "Bis wir uns fanden" so lesenswert macht. Es ist ein Buch, welches die gesellschaftlichen Probleme nicht beschönigt, welches Frust und Wut und negative Gefühle zulässt. Doch es ist auch ein Buch von jemandem, der nicht aufgibt, der für sich selbst und andere kämpft und erleben darf, wie seine Bemühungen Stück für Stück Wirkung zeigen.

Auch wenn der Weg zur Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Paare noch lange nicht zu Ende ist, stimmt es einen doch positiv zu sehen, dass es Fortschritte gibt, und dass es Menschen gibt, die Tag für Tag daran arbeiten, dass es immer weiter voran geht.

Bis wir uns fanden - Japans erstes schwules Ehepaar | Ryousuke Nanasaki & Yoshi Tsukizuki | Hayabusa | Originalpreis: 14,00€ | Link zum Buch

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