Donnerstag, 20. Februar 2025

Buchvorstellung: I Can't Stand Another Night Alone von Yoh Matsumoto

Heute möchte ich euch einen Manga im Nachkriegszeit-Setting vorstellen, der mein Interesse geweckt hat.

Bei I Can't Stand Another Night Alone handelt es sich um einen Boys Love Manga, welcher im Japan der 50er Jahre spielt. Das Land hat gerade den Krieg verloren und die amerikanischen Besatzungskräfte beherrschen das Bild in den Straßen.

In dieser Zeit arbeitet der junge Mann Seishiro - von allen nur Sei genannt - in einem Kabarett, einer extra für die amerikanischen Soldaten eingerichteten Vergnügungsanstalt. Er wirkt dabei ziemlich rast - und ziellos. Tagsüber zweifelt er daran, ob dieser Alltag wirklich alles sein kann, was das Leben ihm zu bieten hat, die Nächte verbringt er mit wechselnden weiblichen Bekanntschaften.

Die Veränderung, welche er sich so sehr zu wünschen scheint, kommt dann in unerwarteter Form in sein Leben, als der ehemalige amerikanische Soldat Jim im Kabarett auftaucht. Jim entspricht nicht dem gängigen Klischee, welches in Japan über die Amerikaner herrscht. Er ist sanft und freundlich und hat durch seine Begeisterung an der japanischen Kultur fließend Japanisch gelernt - und er zeigt ein unerwartetes Interesse daran, Sei näher kennenzulernen.

Der Einzelband von Yoh Matsumoto beleuchtet die sich entwickelnde Beziehung der beiden Männer, und was insbesondere für Sei anfangs nur als Möglichkeit gesehen wird, seinem tristen Leben zu entfliehen, entwickelt sich bald zu einer echten Bindung. Doch welche Zukunft gibt es für die Beiden in einer Zeit, in der gleichgeschlechtliche Paare sich in der Öffentlichkeit verstecken müssen? Und was passiert, wenn die Besatzungszeit endet?

Mir hat der Manga I Can't Stand Another Night Alone sehr gut gefallen. Obwohl es sich nur um einen Einzelband mit limitiertem Raum für die Story handelt, wird das außergewöhliche Setting gut genutzt und bleibt nicht nur dekoratives Beiwerk. Der Zeitgeist und die besonderen Umstände nach dem Krieg prägen sowohl die Handlung als auch die Denkweise der Charaktere. Dass Jim, welcher im überaus christlichen Amerika jener Zeit aufgewachsen ist, seine Homosexualität sein Leben lang versteckt hat, ist dabei ebenso glaubwürdig wie Seis Zwiespalt zwischen den Wünschen seiner sehr traditionellen japanischen Familie und seinen eigenen Zielen. Auch die Behandlung schwieriger Themen wie das Verhältnis zwischen Kriegsgewinner und Kriegsverlierer sowie den Umgang mit Kriegstraumata halte ich für sehr gelungen.

Die zeichnerische Umsetzung passte in meinen Augen ebenfalls sehr gut ins Gesamtbild. I Can't Stand Another Night Alone erzählt eine realistische Liebesgeschichte vor einem eher harschen Hintergrund, folglich sucht man in der Darstellung typische Fluff- und Bishonen-Elemente vergebens. Trotzdem sind die Darstellungen der Figuren stets gut ausgearbeitet und sehr ansprechend.

Natürlich wäre Boys Love nicht Boys Love, wenn wir nicht auch noch über *das* Thema reden würden: Bei I Can't Stand Another Night Alone handelt es sich um einen Manga, der für Leser ab 18 Jahren empfohlen wird, und der Hayabusa Verlag bewertet ihn auf seiner eigenen Spice-Skala mit 3 von 4 Flammen. Also ja, die beiden Protagonisten werfen einander nicht nur zärtliche Blicke zu, und der Manga ist zudem komplett unzensiert. Ich persönlich empfand die einschlägigen Szenen dabei als ansprechend umgesetzt und habe mich gefreut, dass sie sich in ihrer Anzahl und Platzierung gut in das Gesamtwerk einfügten. 

Das alles zusammen macht I Can't Stand Another Night Alone von Yoh Matsumoto in meinen Augen zu einem überaus soliden Einzelband, an dem Freunde des Genres, die auf der Suche nach einer etwas ungewöhnlichen und reiferen Story sind, ihre Freude haben werden.

In der Erstauflage kommt der Manga übrigens mit einer der beliebten SNS Cards-Cards, die ich persönlich ja sehr liebe, da sich mit ihnen so schöne Fotos machen lassen.

Dienstag, 11. Februar 2025

Buchvorstellung: Heaven Official's Blessing Band 4

(Auch für den vierten Band von STARembers wunderschöner Manhua-Umsetzung von "Heaven Official's Blessing" hatte ich erneut die große Ehre, im Rahmen einer lovelybooks-Leserunde ein Rezensionsexemplar zu erhalten. Vielen Dank an den Chinabooks-Verlag für diese Chance!)

Im vierten Band von STARembers "Heaven Official's Blessing" wird es düster. Xie Lian und seine Begleiter dringen weiter in die Geheimnisse des Halbmond-Reiches ein. Auf der Suche nach dem wohltätigen Mondkraut, dem einzigen Gegengift gegen den ansonsten tödlichen Biss der Skorpionschlange, betreten sie die Ruinen einer lange untergegangenen Stadt und geraten in höchste Gefahr, als sie in die Fänge des Generals jenes Reiches geraten, welcher dort seit mehr als zweihundert Jahren sein Unwesen treibt und sie den Seelen seiner toten Soldaten opfern möchte.

Von der Leichtigkeit der vorherigen Bände ist in Band 4 von "Heaven Official's Blessing" nur wenig zu spüren, dafür packt die Leser nun die spannungsgeladene Story. Im Fokus steht hier ganz klar das Geheimnis um das untergegangene Halbmond-Reich, das sich langsam entfaltet. Ein zorniger Geister-General und eine verhasste Staatspräzeptorin sind dabei nur zwei der Figuren, die Licht ins Dunkel bringen. Auch Xie Lians Vergangenheit scheint eine Rolle zu spielen, während sich im Falle von San Lang die Zeichen verdichten, dass dieser junge Mann definitiv nicht ist, wer oder was er zu sein vorgibt.

Stand in den ersten Bänden der Reihe noch viel Worldbuilding und Charaktereinführung im Vordergrund, so beginnt in diesem Band die Story, ihre wahre Tiefe zu entfalten. STARember gelingt es dabei auf eindrückliche Weise, diese ebenso spannend wie gut nachvollziehbar zu erzählen. Stück für Stück und aus verschiedenen Perspektiven baut sich so für die Leser ein Gesamtbild auf, was im Halbmond-Reich passiert sein könnte, wobei man sich stets bewusst ist, dass einem noch zu viele Puzzleteile fehlen, um die ganze Lösung zu finden. Kein Wunder, wenn man dann am Ende des Bandes sehnsüchtig auf die Fortsetzung wartet!

Zeichnerisch stehen dieses Mal wie bereits eingangs erwähnt dunkle Farben im Vordergrund, die das gefährliche Setting wirkungsvoll in Szene setzen. Doch auch die Beziehungen der Figuren zueinander werden zum Glück keineswegs vernachlässigt. So war mein persönliches Highlight beim Lesen tatsächlich ein scheinbar simpler Dialog zwischen Xie Lian und San Lang am Boden des tiefen Schlundes des Halbmond-Reiches. Natürlich werde ich diesen jetzt nicht spoilern, aber so viel sei gesagt: Xie Lian mag vielleicht arglos genug sein, nicht immer die "richtigen" Fragen zu stellen, aber seine Antwort an San Lang ist Beweis genug, dass er die richtigen Antworten in seinem Herzen trägt. ♥

Wie schon die anderen Bände der Reihe kann sich natürlich auch Band 4 von "Heaven Official's Blessing" auch wieder gut im Bücherregal sehen lassen. Papier, Druck und Farben sind gewohnt hochwertig, und auch einige schöne Postkarten/Miniprints sind wieder als Extra mit dabei. Lesbar ist das Ganze dank der wieder einmal sehr guten Übersetzung von Marc Hermann auch bestens. Diejenigen unter uns mit den schlechten Augen (so wie der Autor dieser Rezension, für den das langsam ein Thema wird, hüstel hüstel) freuen sich zudem über eine Schriftgröße und Schriftart, die auch bei nicht optimalen Lichtverhältnissen keiner Leselupe bedürfen.

So bleibt mir nun, wie schon bei den vorherigen Rezensionen, nur zu sagen: Comics im asiatischen Fantasy-Settings sind euer Ding? Gebt "Heaven Official's Blessing" eine Chance. Boys Love Slow Burn ist euer Ding? Ihr seid hier richtig. Ihr seid einfach neugierig auf einen ästhetisch ansprechenden Manhua mit einer ebenso spannenden wie phantasievollen Story und einer wirklich wunderschönen Liebesgeschichte? Dies könnte euer Titel werden!

Und auch das Warten auf den nächsten Teil dürfte für alle, die wie ich die Fortsetzung herbeisehnen, bald ein Ende haben: "Heaven Official's Blessing" Band 5 soll bereits am 15. März erscheinen.

 Weiterführende Links:

Chinabooks Verlag

lovelybooks

 

Samstag, 1. Februar 2025

Buchvorstellung: Heaven Official's Blessing Band 3

(Bereits zum dritten Mal darf ich mich beim Chinabooks Verlag und bei lovelybooks für die Bereitstsellung des Rezensionsexemplars und die Teilnahme an der Leserunde bedanken!)

Das Jahresende gab Anlass zum Feiern für Fans der Danmei-Reihe "Heaven Official's Blessing", denn der Chinabooks Verlag brachte nicht nur einen, sondern gleich ganze zwei neue Bände des Manhuas auf den deutschen Markt. Und auch für mich gab es Grund zur Freude, denn erneut durfte ich beide Bände im Rahmen der lovelybooks-Leserunden besprechen. Hier lest ihr nun meine Meinung zu Band 3.

Auch im dritten Band der Reihe bekommt Xie Lian keine Ruhe, um sich dem dringend nötigen Wiederaufbau der Kastanienklause zu widmen, neue Anhänger zu gewinnen und seine himmlischen Schulden zurückzubezahlen. Stattdessen kommt es zu ganz schönem Trubel, als plötzlich Nan Feng und Fu Yao auftauchen. Ihre eigentliche Aufgabe - Xie Lian bei seiner Reise zum Halbmond-Pass zu unterstützen - ist für die beiden Streithähne allerdings in dem Moment vergessen, in dem sie San Lang entdecken. Wer ist dieser verdächtige und hochnäsige junge Mann nur, und was will er vom arglosen Xie Lian? So beginnt eine aufregende Reise in die lebensfeindliche Wüste, voller Gefahren und Rätsel, deren Ausmaße sich die Truppe am Anfang noch nicht einmal im Ansatz bewusst ist.

Im gleichen Maße, wie die Truppe rund um Xie Lian wächst, nimmt auch die abenteuerliche Geschichte im dritten Band ganz schön an Fahrt auf. Zusammen mit der Geschichte des Halbmond-Passes erfahren die Leser auch ein wenig Neues über Xie Lians bewegte Vergangenheit und lernen seine beiden "Helfer" Nan Feng und Fu Yao besser kennen. Die Darstellung der Dynamik zwischen den beiden streitlustigen Männern und San Lang ist dabei eines der absoluten Highlights dieses Bandes, denn so galant der rotgekleidete Jüngling Xie Lian gegenüber ist, so provokativ und gleichzeitig abgebrüht zeigt er sich ihnen und ihren Versuchen, ihn als Bedrohung zu enttarnen, gegenüber.

Doch auch die Story und die Zeichnungen lassen wieder keine Wünsche offen. Die warmen, natürlichen Farben rund um die Kastanienklause, der sternenklare nächtliche Himmel über der Wüste oder auch die lebensfeindliche Landschaft des Halbmond-Passes selbst, sie alle sind eine wahre Freude für die Augen. Auch die Wahl, wie einzelne Szenen dargestellt werden, wirkt sehr gut durchdacht. Ruhige Szenen erhalten den Raum, den sie brauchen, actiongeladene Szenen überzeugen mit dynamischen Bildern und einer schnelleren Erzählweise, und auch komische Situationen erhalten mit niedlichen Chibi-Einlagen den passenden Rahmen.

Die deutsche Übersetzung von Marc Hermann liest sich wie immer gut und flüssig. Dialoge klingen lebendig und glaubwürdig, erzählende Passagen sind trotz der relativen Sperrigkeit der deutschen Sprache stets kurz und präzise formuliert und sprengen damit nicht den Rahmen eines Comics.

Auch über die physische Form des Titels kann sich der geneigte Bücherfreund wieder freuen. Papier, Bindung und Druck wirken sehr hochwertig und machen das Blättern und Lesen wie immer zu einer großen Freude. Als schönes Extra liegen außerdem wieder vier optisch ansprechende Postkarten bei. Einige der Motive gefallen mir persönlich dabei so gut, dass sie mittlerweile als kleine Poster meine Wand zieren.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass auch Band 3 des Manhuas zu "Heaven Official's Blessing" von STARember, welcher natürlich wie auch schon die Vorgänger-Bände auf Mo Xiang Tong Xius gleichnamigen Danmei-Romanen basiert, ein Schatz für alle Fans der Serie und all jene, die es noch werden wollen, ist. Wer den Titel kennt und liebt, muss wahrscheinlich kaum überzeugt werden, doch auch alle anderen sollten wirklich einmal einen Blick riskieren. Eine fantasievolle Story, eine sich langsam entwickelnde, wunderschöne Liebesgeschichte und ein grafisch extrem ansprechender Manhua - hier kommt alles zusammen und wartet darauf, von den Lesern genossen zu werden.

Weiterführende Links:

Chinabooks Verlag

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Sonntag, 19. Januar 2025

Mit Folk ins neue Jahr - die Kilkenny Band in Nordwalde

Ein Jahr ohne Livemusik ist ein verschwendetes Jahr - warum also unnötig lange warten, auch dieses noch junge Jahr mit einem Konzertbesuch zu eröffnen? Frei nach diesem Motto machte ich mich am 11. Januar mit einer Freundin auf den Weg an einen Ort, den keine von uns zuvor besucht hatte, und an den es uns ohne diesen schönen Anlass wohl auch nie verschlagen hätte: die evangelische Christuskirche in Nordwalde. Dort spielte an jenem Abend vor ausverkauftem Haus nämlich die Kilkenny Band.

Die Kirche war nach einem Spaziergang durch die Stadt bald gefunden und auch der Einlass lief erfreulich schnell ab. Niemand musste lange in der Kälte stehen, und schöne Sitzplätze waren auch schnell gefunden. Als dann auch noch eine nette Zufallsbekanntschaft mit dem Nebenmann die Wartezeit bis zum Konzertbeginn wie im Fluge vergehen ließ, stand einem wunderbaren Konzertabend nichts mehr im Weg.

Die Kilkenny Band sind schon lange keine Neulinge im Bereich der Irish Folk Musik mehr, und auch wir hatten in der Vergangenheit bereits einige Male die Ehre, sie live zu erleben. Dies ist jedoch schon einige Jahre her, und auch eine Kirche als Location war für uns eine Premiere, bot jedoch einen perfekten Rahmen für das Konzert. Die Akustik war hervorragend, und auch optisch bot die kleine Kirche eine sehr schöne Kulisse.

Musikalisch gab es an dem Abend einen ebenso interessanten wie breit gefächerten Querschnitt durch das Repertoire der Band. Eigene Stücke waren ebenso dabei wie traditionelle Melodien und Stücke anderer Folk-Musiker, welche die Musiker in ihrem Werdegang beeinflusste haben - bei einem Spektrum von den Pogues bis zu Reinhard Mey gab es dort wirklich die eine oder andere Überraschung. Natürlich war auch das Publikum gefragt, Hände und Stimmen zum Einsatz zu bringen und den Auftritt tatkräftig zu unterstützen, was man aber ohnehin kaum jemandem zweimal sagen musste. Dies führte zu wirklich schönen Augenblicken, wie beispielsweise als der ganze Kirchenraum gemeinsam die erste Strophe von "Sag mir wo die Blumen sind" anstimmte.

Ein wirkliches Highlight des Abends waren für mich neben der Musik aber auch die Ansagen der Musiker. Da man es sich bei dieser Tour zum Ziel gesetzt hatte, die eigenen musikalischen Wurzeln zu würdigen, stellten die vier Bandmitglieder in zum Teil heiteren, zum Teil sehr persönlichen Episoden vor, was sie einst zum Folk geführt hat oder was bestimmte Lieder und Melodien ihnen bedeuten. Dies gab einem gleich noch einmal eine ganz neue Perspektive auf die Musik, und es machte mehr als deutlich, wie sehr alle hier lieben, was sie tun.

Da war es dann auch kein Wunder, dass das Publikum die Band am Ende nicht ohne Zugabe gehen ließ und sich noch mit Standing Ovations für den überaus gelungenen Konzertabend bedankte. Zum Glück hatte die Kilkenny Band da aber bereits Neuigkeiten, welche das Bedauern über das Ende des Konzerts ein wenig zu mildern vermochten: der nächste Auftritt in der Kirche von Nordwalde ist bereits gesichert. Wer möchte, kann sich am exakt gleichen Tag in einem Jahr, also am 11. Januar 2026, erneut zu einem Kirchenkonzert einfinden. Nicht unwahrscheinlich, dass auch wir vielleicht wieder mit dabei sein werden.

Donnerstag, 9. Januar 2025

Erster Schnee des Jahres

 Das Jahr ist noch keine zwei Wochen alt, und schon gab es heute den ersten Schneetag! ❄️

Beim Aufwachen war ich erst etwas enttäuscht - keine Flocke war zu sehen, und ich wusste, dass es in der Heimat gar nicht so viel weiter westlich schon am Vorabend begonnen hatte. Doch schon auf dem Weg zur Arbeit fing es dann doch an, und am Nachmittag erwarteten mich perfekte Bedingungen für einen kleinen Spaziergang. 




Wäre gerne noch weiter gegangen, aber meine Schuhe waren leider denkbar ungeeignet - hoffentlich gibt es bald eine zweite Chance!

Dienstag, 7. Januar 2025

Musikalischer Jahresabschluss 2024 - Rapalje in Wilhelmshaven

2024 war konzerttechnisch betrachtet kein gutes Jahr für mich. Finanziell und auch terminlich lange stark eingeschränkt, musste die Zahl der Konzertbesuche drastisch zurückgeschraubt werden. Eine frustrierende Angelegenheit für jemanden wie mich, der seit seiner Teenagerzeit eher auf dem Zahnfleisch hingekrochen wäre als die Chance auf einen schönen Konzertabend zu verpassen.

Da war es dann folglich auch eine tolle Sache, als eine Freundin einen letzten jährlichen Konzertbesuch vorschlug. Etwas besonderes sollte es sein, vielleicht auch ein bisschen verrückt. Und so fiel die Wahl am Ende auf den Auftritt von Rapalje im Pumpwerk in Wilhelmshaven.

Ein Ausflug in die Stadt war schon vor Jahren angedacht gewesen, wurde jedoch am Ende wie so vieles durch Corona vereitelt. Am 28. Dezember war es dann aber tatsächlich so weit. Morgens setzte ich mich mit meinem Deutschlandticket in den Zug, nach etwa drei Stunden gesellte sich meine Freundin zu mir, und nach nur *hüstel hüstel* knapp sieben Stunden Fahrt - und ohne Verspätung! - kamen wir in Wilhelmshaven an.

Das Wetter war - sagen wir mal - nordisch. Die Luft war auch ohne Regen nass und es hing bald ein recht ansehnlicher Nebel über dem Wasser. Doch noch vor Nacht und Nebel gelang es uns, einen Blick auf unsere Unterkunft zu erhaschen. Auch hier hatten wir uns etwas Feines überlegt. Kein schnödes Hotel, nein nein. Ein Schiff sollte es sein. Die Arcona, um genau zu sein. Das ehemalige Marinewohnschiff aus den Vierzigerjahren des letzten Jahrhunderts wurde erst vor kurzem zu einem Hostel umgebaut und lud uns ein zu einer Nacht in besonderem Ambiente.

Nach einem unkomplizierten, telefonischen Check-In konnten wir auch schnell unsere Kabinen beziehen und waren sehr angetan. Der schllichte und stilechte Charme wusste zu überzeugen, und die Betten wurden gleich getestet und als gemütlich befunden. 

Hungrig nach der langen Anreise stand als nächstes die Nahrungssuche auf dem Programm. Hier fiel unsere Wahl auf ein kleines, asiatisches Restaurant, das Asia Gia Bao. Auch dieses entpuppte sich schnell als richtig gute Entscheidung. Das Lokal selbst war gemütlich, das Personal unheimlich freundlich und das Essen superlecker!

So gestärkt war es dann endlich Zeit für den eigentlichen Höhepunkt des Abends, das Konzert. Kurz nach Einlass erwartete uns zunächst einmal eine eher unschöne Überraschung: eine lange, lange, überaus bewegungslose Schlange vor dem Pumpwerk. Eher mürrisch standen wir also eine ganze Weile in der Kälte, eh es dann endlich nach drinnen ging. Die Sitzplätze waren zu diesem Zeitpunkt leider bereits besetzt, was meiner von Rückenproblemen geplagten Begleitung eher weniger gefiel. Zum Glück fanden wir aber noch ein lauschiges Treppchen gleich neben der Bühne, wo sie sich zwischendurch hinsetzen konnte. So stand einem gelungenen Konzertabend nichts mehr im Weg.

Und ein gelungener Konzertabend wurde es. Begrüßt wurden wir von Marcel Dunker, der es mit der von ihm dargebotenen Mischung aus Folk Klassikern und anderen Evergreens in kürzester Zeit schaffte, das Publikum zum Mitsingen zu animieren. Bei so viel Bühnenpräsenz und Begeisterung war es für den Musiker offensichtlich gar kein Problem, die Bühne ganz allein mit seiner Gitarre zu erobern und die Zuhörer auch für den Rest des Abends gut anzuheizen.

Nach der üblichen Umbaupasue betraten dann mit den Niederländern von Rapalje die Headliner des Abends die Bühne, und eigentlich ist es gar nicht nötig, hier viele Worte zu verlieren, denn wer sich grob in "meinen" Kreisen bewegt, dem sind die Herren keine Unbekannten. Und so lieferten Rapalje natürlich auch an diesem Abend wieder eine erstklassige Show ab - unterhaltsame Ansagen und die Klärung der Frage, was Mann so unter dem Kilt trägt inklusive. Musikalisch gab es einen guten Querschnitt durch das große Repertoire der Band, der vom Publikum am Ende mit nicht enden wollenden 'Zugabe'-Rufen belohnt wurde. Und auch dieser Wunsch war Rapalje Befehl - in Teilen bereits umgezogen kamen sie schließlich tatsächlich noch ein letztes Mal auf die Bühne zurück, um ihre absolut herrliche Version von "The Wild Rover" zum Besten zu geben!

Bestens gelaunt verließen wir nach diesem schönen Abend das Pumpwerk, mit dem für uns neuen Wissen, dass es sich bei diesem Wilhelmshavener Jahresendkonzert um eine Art wiederkehrende Tradition handelt. Zum Glück bot die Rückfahrt am folgenden Tag mehr als genug Zeit, Gedanken darüber zu spinnen, ob man selbst dies nicht auch zu einer neuen Tradition entwickeln könnte... Mir scheint, da könnte es noch eine Fortsetzung geben, zwischen Rapalje, Wilhelmshaven und uns.

Donnerstag, 2. Januar 2025

Blick zurück und Blick nach vorne

 Frohes neues Jahr, alle zusammen! 

Wenn ein neues Jahr beginnt, wird es Zeit, auf das Alte zurückzublicken. Im Falle von 2024 tue ich das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lange herrschten Stagnation und Frustration vor, eh im Herbst die Dinge eine unerwartete Wendung nahmen und endlich Anlass zur Hoffnung gaben.

Seit Oktober arbeite ich nun wieder in Münster, der Stadt, in der ich einst studiert habe, und ich wünsche mir sehr, dort endlich mein berufliches Zuhause gefunden zu haben. Nach einem Monat auf den Sofas meiner Freunde hat sich dann auch die glückliche Gelegenheit ergeben, eine eigene Wohnung zu finden.

Diese letzten drei Monate des Jahres waren turbulent, aber sie waren auch anregend. Ich habe Menschen kennengelernt, meine erste Corona-Erkrankung hinter mich gebracht und viele neue Dinge gelernt. Es war mir endlich wieder möglich, ein paar schöne Dinge zu unternehmen, für die mir vorher lange das Geld, die terminliche Freiheit und die Motivation gefehlt haben. Außerdem ergab sich die Chance, nach langer Zeit einmal wieder ganz offiziell Rezensionen zu schreiben, für die Leserunde zu einer meiner liebsten Serien. 

All dies hat in mir den Wunsch geweckt, 2025 endlich wieder mehr Zeit in meinen Blog zu investieren. Da die Tage, in denen ein Blog rein für sich existieren kann, jedoch lange vorbei sind, habe ich mich auch dazu entschlossen, ihn nach und nach mehr in Social Media Kanäle einzubinden, angefangen bei meinem Instagram Account, der ohnehin schon länger eher nur vegetiert als floriert. 

Den Anfang machen dabei diese gesammelten Impressionen aus Münster in den vergangenen Monaten, allen voran der Prinzipalmarkt in der Silvesternacht.

In diesem Sinne: auf ein gutes Jahr 2025! 🎉💕