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Donnerstag, 4. Februar 2016

CD-Vorstellung: L.E.A.F. - Lys

Und weiter geht es mit einem Titel von meiner Musik des Jahres 2015-Liste. Auch dies wieder ein Titel, der mir sehr am Herzen liegt.

Interpret: L.E.A.F.
Album: Lys
Erschienen: 13. Oktober 2015
Label: Screaming Banshee

Tracklist:
01. Flamme | 02. Sol | 03. Ran | 04. Terveh | 05. Harpa Toner | 06. Nymånen | 07. Vinda | 08. Fylgja | 09. Suurin | 10. Lys

Was lange währt, wird endlich gut. Dieses alte Sprichwort trifft auf das erste Studialbum von L.E.A.F. in vollem Ausmaß zu. Es ist die erste Veröffentlichung des Projektes um die niederländische Musikerin Kaat Geevers aka Kati Ran seit der selbstbetitelten EP 2012. Dass sich seitdem viel getan hat im Hause L.E.A.F. zeigt sich schon bei einem Blick ins Booklet. Ursprünglich als Band begonnen, besteht L.E.A.F. nun mehr nur noch aus Kaat selbst. Verschiedene befreundete Musiker begleiten die CD dafür als musikalische Gäste, unter ihnen Maria Franz und Christopher Juul (Euzen), Oliver S.Tyr (Faun) oder Kai Uwe Faust (Heilung).

Musikalisch hat es L.E.A.F., wie schon der Albentitel "Lys" sowie die meisten der Songtitel verraten, mit diesem Werk in den hohen Norden Europas, also nach Skandinavien verschlagen. Gehüllt in wunderschön ruhige, folkige Klänge und untermalt von Instrumenten wie der schwedischen Nyckelharpa oder dem Dulcimer erzählen die Lieder alte, skandinavische Geschichten ("Harpa Toner", "Nymånen") oder beschwören die alten nordischen Götter ("Lys"). Wunderschön auch die Ballade "Vinda" aus der Feder von Maria Franz, die das Stück auch gesanglich unterstützt. Doch auch Ausflüge in andere Kultur - und Sprachkreise werden auf "Lys" unternommen. "Fylgja" kommt trotz des altnordischen Titels mit deutschem Text daher, während "Terveh" und "Suurin" [was jedoch nicht wie im Booklet angegeben "Wolf", sondern "der Größte" heißt - Verzeihung & Klugscheißermodus off] die Zuhörer nach Finnland entführen.

Die musikalische Entwicklung, welche das Projekt L.E.A.F. in den vergangenen Jahren durchgemacht hat, wird besonders schön am Beispiel von "Nymånen" deutlich, welches auch schon auf der 2012er EP zu hören war. Obwohl klar wiederzuerkennen, hat sich das Stück auch hörbar weiterentwickelt. Instrumentierung und Produktion lassen das Stück viel dichter klingen, auch hat Sängerin Kaat klar an ihrer Aussprache der skandinavischen Sprachen gearbeitet. 

Was wirklich alle Songs des Albums gemeinsam haben, ist eine ganz besondere Stimmung, die zum Träumen einlädt. Auch Charlotte Boers Design zur CD - unaufdringlich und schlicht, aber gerade damit wunderschön und durch und durch ansprechend - passt meiner Meinung nach perfekt zu dieser Stimmung, die sich für mich nur schwer in Worte fassen lässt. Versuchen will ich es trotzdem. 

Manchmal verbinde ich mit einem Lied oder einem Album eine bestimmte Jahreszeit, einen bestimmten Ort, eine bestimmte Zeit. "Lys" ist so ein Album, und ich empfinde es stark als eine CD, die in die Nacht gehört. Wenn es draußen dunkel geworden ist, ich auf dem Rückweg von einem schönen Ausflug erschöpft im Zug sitze oder nach Hause laufe, dann kann ich mit diesem Album alles um mich herum vergessen und mich einfach darin verlieren. Es gibt mir dann einfach ein wundebar geborgenes Gefühl, diese CD zu hören. So ist es L.E.A.F. mit "Lys" gelungen, sich innerhalb kürzester Zeit einen Platz unter den Alben zu ergattern, die ich sicher noch lange und oft mit großer Freude werde genießen können. Ich empfehle jedem, der sich für Nordic Folk und Pagan Folk erwärmen kann, diesem Album ein Ohr zu leihen.

Hörprobe:


Sonntag, 10. Januar 2016

CD-Vorstellung: Faun - Luna & Live und Acoustic in Berlin

Ganz ambitioniert folgt heute schon ein weiterer Titel meiner Bestenliste Musik 2015:

Interpret: Faun
Album: Luna & Live und Acoustic in Berlin
Erschienen: 27. Februar 2015
Label: Electrola / Universal

Tracklist:
CD 1: 1. Luna Prolog | 2. Walpurgisnacht | 3. Buntes Volk | 4. Menuett | 5. Hekate | 6. Blaue Stunde | 7. Cuncti Simus | 8. Hörst du die Trommeln | 9. Die wilde Jagd | 10. Frau Erde | 11. Hymne der Nacht | 12. Abschied
CD 2: 1. Hymne der Nacht | 2. Halling | 3. Hekate | 4. Era Escuro | 5. Des Wassermanns Weib | 6. Polska Fran Larsson | 7. König von Thule | 8. Hörst du die Trommeln (ESC Version) | 9. Abschied (ESC Version) | 10. Walpurgisnacht (Lava Studio Remix)

Dem aufmerksamen Leser mag es vielleicht aufgefallen sein: „Luna“ von Faun habe ich bereits im vergangenen Jahr hier rezensiert. Damals erschien das Album und ich nahm mir die prachtvolle Deluxe-Edition vor. Da sich meine Meinung zu diesem Album seither nicht geändert hat, verweise ich an dieser Stelle auf die bestehende Rezension und widme mich nun gleich dem eigentlichen Grund, dass Faun auch dieses Jahr wieder auf meiner Bestenliste vertreten sind.

Es scheint eine beliebte Taktik von Electrola zu sein, Alben bei Erfolg nach einiger Zeit noch einmal in erweiterter Neuauflage herauszubringen. So geschah es bereits beim Faun-Vorgänger „Von den Elben“, dessen schnöde, in Plastik gehüllte Erstausgabe ich darauf hin sofort ruhigen Gewissens wieder verkaufte, um mir die ungleich schönere Neuauflage zuzulegen. Und so geschah es im Februar letzten Jahres schließlich auch mit „Luna“. Hier jedoch war bereits die Erstauflage so schön, dass ich das Album nun gleich zweimal in meinem CD-Regal stehen habe.

Unwiderstehlich war die Neuauflage, lockte sie doch mit neuem Design, erweitertem Booklet und allen voran natürlich einer zusätzlichen Live-CD: „Live und Acoustic in Berlin“. Wer könnte da nein sagen? Niemand jedenfalls, der wie ich die Band selbst schon einmal live und akkustisch erleben durfte. Sind Faun doch auch mit ihrem „normalen“ Repertoire schon eine außergewöhnliche Liveband, so entfalten viele der Songs bei einem Acousticset noch einmal einen ganz eigenen, neuen Zauber. Auch unterscheidet sich die Titelauswahl ganz erheblich von gewöhnlichen Faun-Konzerten.

So bekommt man auch auf „Live und Acoustic in Berlin“ Stücke zu hören, denen man sonst kaum begegnen wird. Die Faun-Klassiker „Des Wassermanns Weib“ und „König von Thule“ – beide vom 2002 erschienenen ersten Studioalbum der Band – scheinen wie gemacht für diese Form der Darbietung. Doch auch ganz neue Stücke wie „Hymne der Nacht“ und „Hekate“ passen sich ganz wunderbar diesem Anlass an. Auch gesanglose Stücke wie „Halling“ oder „Polska fran Larsson“ entfalten ihren vollen Klang und offenbaren bei jedem Hinhören neue Details.

Neben den Liveaufnahmen enthält „Live und Acoustic in Berlin“ noch drei Bonuslieder. Das wären zum einen die beiden Stücke, mit denen Faun im vergangenen Jahr am Eurovision Song Contest hatten teilnehmen wollen, zum anderen ein Remix von „Walpurgisnacht“, für den sich eigens Christopher Juul gewinnen ließ.

Man kann über die Form der Veröffentlichung dieses Albums sicher gespaltener Meinung sein, doch eines steht meiner Ansicht nach außer Frage: „Luna & Live und Acoustic in Berlin“ enthält zwei großartige CDs, von denen jede den Kaufpreis des Sets wert wäre. Ich jedenfalls störe mich nicht daran, dass „Luna“ nun in gleich zwei dem Auge gefälligen Versionen auf meinem Regal steht. ;)


Meine Wertung:

♥ ♥ ♥ ♥ ♥
[5/5]

Hörprobe:



Samstag, 9. Januar 2016

CD-Vorstellung: Euzen - Metamorph

Dann mach ich mich mal ans Werk, auf dass es nicht wieder so lange wie im vergangenen Jahr dauert. :D Hier kommt die erste Rezension zu meiner Musik des Jahres 2015 Liste.

Interpret: Euzen
Album: Metamorph
Erschienen: 20. Februar 2015
Label: Westpark Music

Tracklist:
1. The Stage | 2. The Order | 3. Mind | 4. Wasted | 5. Phobia | 6. Vis A Vis | 7. Metamorph | 8. Me And My | 9. Ours | 10. Words | 11. Mirage

"Metamorphose". Der Duden versteht darunter eine Umgestaltung oder Verwandlung, der Begriff findet in vielen Gebieten Verwendung. Die Dänen von Euzen haben ihn nun als Vorlage für den Titel ihres neuen, Anfang vergangenen Jahres erschienenen, dritten Studioalbums "Metamorph" herangezogen.  Wie bereits bei seinen Vorgängern geht es auch auf dieser lang ersehnten Erscheinung wieder gewohnt elektronisch-experimentell zu. 

Die Musik von Euzen mit Worten zu beschreiben fällt nicht leicht, zumal sich die Band mit jeder Veröffentlichung neu zu erfinden scheint. Was jedoch auf allen Alben prägnant bleibt, sind die elektronischen Klanglandschaften, die Tausendsassa Christopher Juul - vielen auch noch von Valravn oder als Betreiber der Lava Studios in Kopenhagen bekannt - schafft. Deren Klänge fallen bei einigen Liedern von "Metamorph" ungewohnt hart aus und setzen so ganz neue Akzente in der Musik der Band. Richtig gewaltig kommen Songs wie "The Stage" oder "Wasted" durch sie rüber. Zunächst ist man überrascht, doch bald schlagen einen die Klänge in ihren Bann.

Euzen wären natürlich nicht Euzen ohne ihre Sängerin. Maria Franz weiß auch auf "Metamorph" wieder vollstens zu überzeugen, stimmlich wie auch textlich. Passend zur Musik wirkt auch ihr Gesang experimentierfreudig und schafft es mühelos, die unterschiedlichsten Stimmungen der Songs zu transportieren. In "Wasted" hört man förmlich die Wut und den Tadel über sinnlos und leichtfertig verschwendete Talente, während in "Phobia" eine mysteriös-erotische Stimmung mitschwingt. 

Überhaupt sind die Texte auf "Metamorph", wie von Euzen nicht anders erwartet, wieder äußerst interessant und vielschichtig. 0815-Liebeslieder sucht man hier glücklicherweise vergebens. Manche der Texte wie "Wasted" tragen eine klare Botschaft, der zu lauschen sich lohnt. Andere wiederum wirken durchaus kryptisch und wollen von jedem selbst interpretiert werden. So findet sich im Booklet der CD auch zu jedem der Lieder ein Wörterbucheintrag, welcher nicht immer in offensichtlichem Zusammenhang mit dem jeweiligen Song steht. 

Insgesamt besticht das Album durch ein Artwork, welches hervorragend dessen Stimmung transportiert. Die CD kommt im  schicken Digipack, welches komplett in Graustufen gehalten ist. Bandfotos gibt es keine, dafür tauchen die Musiker als Wachsfiguren auf, deren Gesichtszüge jedoch nur angedeutet sind.

Euzen fordern ihre Hörer auf dem aktuellen Album, sowohl zur Musik als auch zu den Texten muss sich jeder erst einen Zugang suchen. Doch wer aufmerksam zuhört und seinen Kopf benutzt, der wird mit "Metamorph" mit einem weiteren Meisterwerk dieser außergewöhnlichen Band belohnt. Hut ab für dieses bemerkenswerte Album!

Meine Bewertung:

♥ ♥ ♥ ♥ ♥ 
[5/5]

Hörprobe: