Posts mit dem Label Oliver Sa Tyr werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Oliver Sa Tyr werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 27. Juli 2016

Das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in Dortmund, 2. Wochenende

Mit erheblicher Verspätung *verlegen räusper* folgt hier nun doch noch mein Post zum wirklich großartigen zweiten Wochenende, das ich am 10. & 11. Juni (ja, kein Tippfehler ^^) besucht habe. Zu Bückeburg wird es dieses Jahr übrigens leider keine Berichte von mir geben, da ich beide Wochenenden krankheitsbedingt ausfallen lassen musste...

Nun aber zu Dortmund. Zu diesem Wochenende machte ich mich Freitags erstmals in diesem Jahr wieder mit Zeltausrüstung auf den Weg. Drei Tage MPS standen bevor, von denen ich jedoch nur zwei besuchen wollte.

Nach dem Zeltaufbau blieb noch etwas Zeit zur Erholung, bis ich mich mit meiner Freundin und Mitcamperin auf den Weg auf das Gelände machte. Musikalisch gab es schon an diesem Freitag einiges zu sehen. So machten wir uns zunächst auf zu Corvus Corax.

Corvus Corax

Die Herren tragen ihren Ruf als Könige der Spielleute nicht zu unrecht und bieten live immer wieder ein tolles Erlebnis. So auch an diesen Tag, wo es Sänger Castus sogar schon zum Eröffnungskonzert gelang, bei seinem Besuch im Publikum eine stattliche Masse an Tänzern um sich herum zu versammeln, die mit ihm als Lindwurm durch die Gegend zogen.

Einen weiteren Grund zur Freude boten die schwedischen Piraten von Ye Banished Privateers, die wir uns an diesem Wochenende gleich mehrere Male anschauen sollten.

Ye Banished Privateers

Wie fast schon üblich hatten sie auch an diesem Wochenende wieder neue Gesichter mitgebracht - ob es und wohl jemals gelingen wird, die gesamte Crew zu kennen? :D

Bald wurde es dann schon Zeit für das Abendprogramm. Und das hätte mit Omnia und Cesair so schön werden können, eigentlich sogar schön werden müssen. Wäre dem Veranstalter nicht ein ziemlicher Lapsus unterlaufen: beide Bands überschnitten sich, mit fatalen Folgen für die hierzulande noch weitaus unbekannteren Cesair. Es ist nun wirklich kein Geheimnis, dass beide Bands einen sehr ähnlichen Fankreis bedienen und mir darum absolut unbegreiflich, wie man sie nebeneinander spielen lassen kann.

Da es nun aber nicht zu ändern war, beschloss ich, mich bei Omnia ausnahmsweise ganz nach hinten zu stellen, um jederzeit gehen zu können. So schaute ich mir die erste Hälfte des Omnia-Konzertes an und wäre liebend gerne auch bis zum Ende geblieben, war es doch meine erste Chance, Omnia wieder mit Drehleier zu bewundern. Außerdem spielten sie an diesem Abend einige Songs ihres mittlerweile erschienenen neuen Albums "Prayer", darunter das ungewöhnliche, aber wirklich faszinierende "Alan Lee Tango". Trotzdem raffte ich mich einige Minuten vor Beginn des Cesair-Konzerts auf und wechselte zu deren Bühne. Eine Entscheidung, die ich keine Sekunde lang bereut habe.

Omnia

Fünf Minuten vor Konzertbeginn erwartete mich bei Cesair gähnende Leere und auch nach Beginn des Konzertes blieb es relativ leer, bis Omnia ihr Set beendet hatten und plötzlich scharenweise Menschen einfielen. Trotzdem war es von Anfang an ein bemerkenswertes Konzert. Cesair sind eine tolle Liveband, die meinem Gefühl nach jedes Mal besser wird. Sie hatten diesmal auch einige spannende musikalische Gäste dabei, nämlich Jyoti Verhoeff als zusätzliche Stimme und Fanny von Brisinga an der Harfe. Am Ende enterte - selbst für die Band unerwartete - noch Joris von Leaves' Eyes die Bühne. Durch das zu Beginn fehlende Publikum entstand nicht jene für Deutschland so typische Situation, dass alle wie die Ölsardinen stehen, um möglichst vorne zu stehen, sondern den Leuten blieb richtig viel Platz zum Tanzen, den sie auch gerne nutzten. So kann man wohl sagen, dass sowohl Band als auch Publikum das Beste (und zwar was richtig Gutes!) aus einer an sich eher mäßigen Situation gemacht haben.

Cesair

Ausklingen ließen wir den wunderschön lauene Sommerabend im Anschluss noch beim Nachtkonzert von Ye Banished Privateers. Glücklich und heiser gesungen ging es dann zurück ins Zelt.

Auch am Samstag stand uns wieder ein volles Programm bevor. Wir eröffneten den Tag mit Vroudenspil, die in Toppform waren und gleich zu Beginn gute Stimmung verbreiteten.

Vroudenspil

Musikalisch hervorheben möchte ich aber ganz besonders zwei Bands: Waldkauz und Faun, die zu meiner großen Freude auch noch direkt hintereinander auf der selben Bühne auftraten. So begaben wir uns zum Waldkauz-Nachmittagskonzert an den angenehm schattigen Ort des Geschehens und blieben einfach gleich bis zum späten Abend dort stehen. :D

Ich glaube, ich habe schon das eine oder andere Mal erwähnt, wie sehr ich Waldkauz mag. Auch in Dortmund konnten sie mich mit ihren Qualitäten als Liveband wieder vollstens überzeugen. Mittlerweile wurden die Songs ihres ersten Albums schon durch einige neue Lieder ergänzt, die große Lust auf neues Studiomaterial machen. Die Stimmung bei diesem nachmittäglichen Konzert war insgesamt sehr gut. Nach der viel zu langen Zeit des Regen hatte endlich der Sommer Einzug gehalten und die Leute tanzten ausgelassen, oftmals barfuß, unter den Bäumen, die die Bühne umgaben.

Waldkauz

Viel zu schnell war das Konzert vorbei und man fand sich wartend wieder, stand doch vor dem Auftritt von Faun (für uns der erste in diesem Jahr!) noch der Bühnenumbau. Also: eine Stunde warten. Denn wo man einmal so schön vorne stand, wollte man diesen Platz natürlich gerne behalten...

Irgendwann war die Pause dann auch endlich vorbei und Faun betraten die Bühne, um an diesem wunderschönen Sommerabend ihr Konzert zu spielen. Und obwohl ich Faun mittlerweile so oft gesehen habe, war es wieder überwältigend gut. Neue Lieder gab es an diesem Abend leider noch keine zu hören, aber dafür einen schönen Querschnitt durch die langjährige Geschichte der Band. Auch die Faune selbst wirkten äußerst gut gelaunt und hatten sichtlich Spaß an diesem Auftritt. Irgendwer aus dem Publikum schenkte ihnen ein Stück Melone, das zu essen während des Konzertes nicht so gut gelang, dafür aber sofort nach Abschluss des Auftritts wieder in Angriff genommen wurde. Nach einem solchen Konzert weiß ich immer wieder ganz genau, warum ich Faun schon seit so vielen Jahren meine Lieblingsband nenne. ♥

 Faun

Nach dem Auftritt stand noch ein kurzer Besuch am Faun-Merchzelt an. Sänger Oliver hatte gerade sein drittes Buch "Wanderlust" veröffentlicht, welches es an diesem Wochenende zum ersten Mal zu kaufen gab. Obwohl ich mir eigentlich vorgenommen hatte, an diesem Wochenende nichts auszugeben, konnte ich diesen Vorsatz nach einer solchen Ankündigung natürlich nicht mehr einhalten. :D Vielleicht stelle ich das Buch ja demnächst mal hier vor. Gelesen habe ich es natürlich längst. ^^

Den Samstag ließen wir dann ausnahmsweise mal nicht bei einem Konzert ausklingen, sondern beim großen Feuerspektakel. Wieder begaben wir uns früh zum Ort des Geschehens und konnten uns so Plätze in der ersten Reihe sichern. So mussten wir zwar eine ganze Weile rumsitzen, hatten dann jedoch einen tollen Blick auf die beeindruckende Show. Besonders Danse Infernale ließen mich regelrecht mit offenem Mund dastehen, so schön anzusehen war das Ganze!

Obwohl das MPS am Sonntag noch weiterging, fuhr ich, nachdem ich ausgeschlafen hatte, nach Hause. Keiner meiner Freunde war an diesem Tag noch vor Ort, und alleine hatte ich dann auch keine Lust mehr. Ich verließ das Gelände mit großer Vorfreude auf das kurz bevorstehende MPS in Bückeburg, das ich dann ja leider wegen einer doofer Bronchitis nicht besuchen konnte. :( Diesen Sonntag ist dafür eine Fahrt zum MPS nach Köln geplant. Ich hoffe so sehr, dass das klappt und uns nicht die zahlreichen, für diesen Tag angekündigten Großdemos in der Stadt noch einen tüchtigen Strich durch die Rechnung zu machen versuchen... Drückt mir die Daumen!

Donnerstag, 4. Februar 2016

CD-Vorstellung: L.E.A.F. - Lys

Und weiter geht es mit einem Titel von meiner Musik des Jahres 2015-Liste. Auch dies wieder ein Titel, der mir sehr am Herzen liegt.

Interpret: L.E.A.F.
Album: Lys
Erschienen: 13. Oktober 2015
Label: Screaming Banshee

Tracklist:
01. Flamme | 02. Sol | 03. Ran | 04. Terveh | 05. Harpa Toner | 06. Nymånen | 07. Vinda | 08. Fylgja | 09. Suurin | 10. Lys

Was lange währt, wird endlich gut. Dieses alte Sprichwort trifft auf das erste Studialbum von L.E.A.F. in vollem Ausmaß zu. Es ist die erste Veröffentlichung des Projektes um die niederländische Musikerin Kaat Geevers aka Kati Ran seit der selbstbetitelten EP 2012. Dass sich seitdem viel getan hat im Hause L.E.A.F. zeigt sich schon bei einem Blick ins Booklet. Ursprünglich als Band begonnen, besteht L.E.A.F. nun mehr nur noch aus Kaat selbst. Verschiedene befreundete Musiker begleiten die CD dafür als musikalische Gäste, unter ihnen Maria Franz und Christopher Juul (Euzen), Oliver S.Tyr (Faun) oder Kai Uwe Faust (Heilung).

Musikalisch hat es L.E.A.F., wie schon der Albentitel "Lys" sowie die meisten der Songtitel verraten, mit diesem Werk in den hohen Norden Europas, also nach Skandinavien verschlagen. Gehüllt in wunderschön ruhige, folkige Klänge und untermalt von Instrumenten wie der schwedischen Nyckelharpa oder dem Dulcimer erzählen die Lieder alte, skandinavische Geschichten ("Harpa Toner", "Nymånen") oder beschwören die alten nordischen Götter ("Lys"). Wunderschön auch die Ballade "Vinda" aus der Feder von Maria Franz, die das Stück auch gesanglich unterstützt. Doch auch Ausflüge in andere Kultur - und Sprachkreise werden auf "Lys" unternommen. "Fylgja" kommt trotz des altnordischen Titels mit deutschem Text daher, während "Terveh" und "Suurin" [was jedoch nicht wie im Booklet angegeben "Wolf", sondern "der Größte" heißt - Verzeihung & Klugscheißermodus off] die Zuhörer nach Finnland entführen.

Die musikalische Entwicklung, welche das Projekt L.E.A.F. in den vergangenen Jahren durchgemacht hat, wird besonders schön am Beispiel von "Nymånen" deutlich, welches auch schon auf der 2012er EP zu hören war. Obwohl klar wiederzuerkennen, hat sich das Stück auch hörbar weiterentwickelt. Instrumentierung und Produktion lassen das Stück viel dichter klingen, auch hat Sängerin Kaat klar an ihrer Aussprache der skandinavischen Sprachen gearbeitet. 

Was wirklich alle Songs des Albums gemeinsam haben, ist eine ganz besondere Stimmung, die zum Träumen einlädt. Auch Charlotte Boers Design zur CD - unaufdringlich und schlicht, aber gerade damit wunderschön und durch und durch ansprechend - passt meiner Meinung nach perfekt zu dieser Stimmung, die sich für mich nur schwer in Worte fassen lässt. Versuchen will ich es trotzdem. 

Manchmal verbinde ich mit einem Lied oder einem Album eine bestimmte Jahreszeit, einen bestimmten Ort, eine bestimmte Zeit. "Lys" ist so ein Album, und ich empfinde es stark als eine CD, die in die Nacht gehört. Wenn es draußen dunkel geworden ist, ich auf dem Rückweg von einem schönen Ausflug erschöpft im Zug sitze oder nach Hause laufe, dann kann ich mit diesem Album alles um mich herum vergessen und mich einfach darin verlieren. Es gibt mir dann einfach ein wundebar geborgenes Gefühl, diese CD zu hören. So ist es L.E.A.F. mit "Lys" gelungen, sich innerhalb kürzester Zeit einen Platz unter den Alben zu ergattern, die ich sicher noch lange und oft mit großer Freude werde genießen können. Ich empfehle jedem, der sich für Nordic Folk und Pagan Folk erwärmen kann, diesem Album ein Ohr zu leihen.

Hörprobe: