Ein lang erwartetes musikalisches Highlight stand am 26. Oktober an: Die dänisch-deutsche Ausnahmeband Heilung machte auch ihrer ersten eigenen Tour in Essen. Nach drei grandiosen Festival-Erfahrungen bei ihren Auftritten wollten wir uns das natürlich nicht entgehen lassen - und damit ging es offenbar nicht nur uns so, denn das Konzert war bereits Monate im voraus ausverkauft gewesen.
Als wir das schon ziemlich prall gefüllte Colosseum Theater betraten und unsere Plätze suchten, erwartete uns eine musikalische Überraschung: auf der Bühne spielte bereits ein Support. Dieser war nirgends angekündigt worden, und die Musiker hatten mit ihren ziemlich ruhigen, südeuropäisch-folkigen Klängen sichtlich gegen den konstanten Lärm der sich gerade erst füllenden Halle zu kämpfen. Dass es sich bei der Band um Sangre De Muerdago handelte, konnte ich auch erst durch ziemlich intensive Recherche im Nachhinein herausfinden. Auch wenn die Band, deren Musik sich ziemlich von der des Hauptacts des Abends unterschied, vermutlich ohnehin nicht jedermanns Gefallen gefunden hätte, fand ich den Umgang mit ihnen ziemlich unangemessen: so unangekündigt und mitten im Trubel der ankommenden Gäste hatten sie leider von vorneherein kaum eine Chance.
Nachdem Sangre De Muerdago ihr Set beendet hatten, dauerte es nicht mehr lange, bis Heilung in einer archaischen Zeremonie die Bühne betraten. Mit dem Zusammenspiel aus Musik, Licht und Ritus dauerte es auch nicht lange, bis sie ihr Publikum komplett in den Bann gezogen hatten. Was Heilung während ihrer Live-Auftritte bieten, ist einfach so viel mehr als ein normales Konzert, es ist ein Gesamtkunstwerk, das Seinesgleichen weit und breit vergeblich sucht.
In der ersten Hälfte des Konzerts konzentrierte man sich auf Stücke des Debütalbums, später ging man zu den Liedern des neuen Albums "Futha" über. Ein martialischer Krieger-Chor, angetan mit Speer & Schild, ergänzte den Sound und die Show. Ansagen gab es keine. Eine Pause, wie sie sonst bei bestuhlten Konzerten üblich ist, gab es zum Glück nicht - sie hätte die fast schon magische Stimmung auch nur gestört. Wie auch schon einen Monat zuvor auf dem Festival Mediaval gab es einiges an nackter Haut und stilisierter Gewalt auf der Bühne zu sehen, wobei die Intensität merklich zurückgefahren wurde - in Selb war das Thema auch ganz schön kontrovers diskutiert worden. Ohne Abschied und Zugabe ging das Konzert schließlich zu Ende und ließ die Besucher aufgekratzt, begeistert, vielleicht den einen oder anderen auch ein wenig verstört zurück.
Heilung sind und bleiben eine Ausnahmeerscheinung, alles an ihnen fasziniert und polarisiert. Entweder man liebt oder hasst sie, kalt lassen sie wirklich niemanden. An jenem Abend in Essen überwog für die meisten deutlich die Begeisterung, denn was den Besuchern dort geboten wurde, war so ganz anders, war so viel mehr als nur ein gewöhnliches Konzert - und das von einer Band, die anfangs erst einmal dazu überredet werden musste daran zu glauben, dass man ihre Musik überhaupt auf eine Bühne bringen könnte. Welch ein Glück für uns alle, dass sie diesen Schritt letzten Endes doch gegangen sind und uns seitdem solch wunderbare Abende wie jenen in Essen schenken!
Da ist doch tatsächlich schon wieder ein neues Jahr angebrochen und die Blog-Berichterstattung hängt noch irgendwo im letzten Sommer fest *hüstel*. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, allen Lesern ein frohes neues Jahr zu wünschen. Hoffentlich seid ihr alle gut reingerutscht und könnt auf ein gutes Jahr 2019 zurückblicken.
Für mich war 2019 definitiv ein gutes Jahr. Klar, nicht alles lief perfekt und es schmerzt mich immer noch, dass ich in diesem Jahr mein armes, kleines Kaninchen für immer gehen lassen musste, aber insgesamt verbinde ich mit dem nun vergangenen Jahr hauptsächlich positive Erinnerungen.
Auch musikalisch war 2019 ein wirklich spannendes Jahr. Die Liste der spannenden Neuerscheinungen im Mittelalter- und Folkbereich wollte förmlich kein Ende nehmen. Und hier ist sie nun für euch, meine Musik des Jahres 2019. Wie immer alphabetisch sortiert. Existierende Rezensionen werden verlinkt, die Fehlenden bei Lust und Laune nachgeliefert. Oder eben auch nicht. Oder erst in ein paar Jahren, wer weiß das schon. :P
Wacken - dieser Name klingt in den Ohren von Freunden härterer Klänge nach dem gelobtem Land. Auch ich habe schon seit meiner Teenagerzeit davon geträumt, einmal dorthin zu fahren - geklappt hat es aber nie, und seit acht Jahren ist das große Sommerfestival eh aus dem Rennen, weil es zeitlich stets mit meinem Lieblingsfestival, dem in einer ganz anderen Szene ebenfalls legendären Castlefest, zusammenfällt. Doch im Februar bot sich nun tatsächlich die Möglichkeit, es einmal nach Wacken zu schaffen. Seit drei Jahren findet dort nämlich noch ein zweites Festival statt, das Wacken Winter Nights. Es handelt sich dabei um ein viel kleineres Festival als die große Sommeredition, und der Schwerpunkt liegt deutlich mehr auf Mittelalter und Folk Metal, was meinem Musikgeschmack sowieso sehr entgegen kommt.
Freitag Morgen machten wir uns zu viert mit dem Auto auf den Weg. Die Fahrt von Rheine aus nahm natürlich einiges an Zeit in Anspruch, aber mit guter Musik (Heilung!) und guter Gesellschaft ließ sich das schon problemlos meistern. Die Verkehrlage meinte es auch nicht schlecht mit uns, sodass wir wie geplant in den Mittagsstunden an unserer gebuchten Wohnung in einem Dorf etwa eine halbe Stunde von Wacken entfernt ankamen. Die Besitzer des Hauses, in dem wir die Wohnung hatten, erwiesen sich als sehr nett und auch die Wohnung war so schön, dass man dort auch gerne einen längeren Urlaub verbracht hätte. Unsere Pläne waren aber natürlich etwas andere, sodass wir uns nur flott einrichteten und uns dann auf den Weg gen Wacken machten.
Das kleine Örtchen war mir vom ersten Moment an sympathisch. Alle dort - Festivalbesucher, Bewohner, Ordner - waren superfreundlich und gut gelaunt, die Stimmung erwartungsvoll. Selbst das Wetter hatte beschlossen, für dieses besondere Wochenende mal eben eine Art Vorfrühling einzuläuten. Beste Bedingungen also! Voller Vorfreude machten wir uns auf den Weg vom Parkplatz zum Gelände - ein langer, langer Weg, der uns besonders auf den abendlichen Heimwegen noch ganz schön quälen sollte. xD
Am Einlass erhielten wir unsere Bändchen sowie einen Goodie Bag. Dieser war gefüllt mit allerhand netten und nützlichen Sachen wie Kugelschreiber, Feuerzeug oder Halsbonbon gegen Heiserkeit vom Mitgröhlen. Leider war der Gurt etwas kurz, sodass es nicht ganz so einfach war, sich das Teil irgendwo festzumachen - wohl dem, der einen Gürtel hatte, an den er das Ding hängen konnte.
Auf dem Festivalgelände angekommen, machten wir erstmal eine Runde, um uns einen Überblick zu verschaffen. Das Gelände war überschaubar, aber schön. Die größten, überdachten Bühnen trugen wohlklingende Namen wie Ice Palace und Theatre Of Grace. Die Mystic Woods Bühnen mussten wir eine ganze Weile suchen, da wir nicht damit gerechnet hatten, dass es sich gar nicht um Bühnen im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr um lauschige Plätzchen nahe der Bäume auf dem Gelände handelte.
Musikalisch fanden wir unser Zuhause für dieses Wochenende aber im Wesentlichen im Ice Palace, einem riesigen Zirkuszelt mit der größten Bühne des Festivals. Schon am Freitag konnte sich das Line Up dort sehen lassen. Die verrückten Norweger von Trollfest schafften wir zeitlich leider nicht mehr und während des folgenden Auftritts von Arkona erkundeten wir lieber das Gelände, aber danach waren wir eigentlich nicht mehr aus dem Zelt zu bekommen. Am frühen Abend spielten dort Heilung, eines der absoluten Highlights dieses Festivals und auch insgesamt einer der Hauptgründe, Wacken in diesem Jahr endlich zu besuchen. Diese Band ist live ein derartiges Erlebnis, ihre Musik so einzigartig, das muss man einfach mal gesehen haben! Weiter ging es dann mit den Finnen von Turisas, die sich auch schnell als sehr stimmungsvolle Liveband erwiesen. Im Anschluss blieb uns kurz Zeit, dem Theatre Of Grace einen Besuch abzustatten, doch beim Auftritt von Bannkreis war leider keine Chance mehr auf einen Platz. Selbst der Platz vor dem Zelt mit der Bühne war voll mit Menschen, die einen Blick auf das neue Projekt von Subway To Sally-Sänger Eric Fish erhaschen wollten. Auf den Headliner dieses Abends, Korpiklaani, hatten wir uns im Vorfeld alle gefreut, doch deren Auftritt wurde leider die große Enttäuschung des Wochenendes. Ich habe die Band schon mehrere Male live gesehen, die Auftritte waren stets großartige, wilde Parties - doch an diesem Abend war es einfach nur furchtbar langweilig. Die Band hatte sich aus irgendeinem Grund entschieden, sämtliche Hits aus dem Programm zu nehmen und auf neuere und auch ältere, weniger bekannte Songs zu setzen - was bei einem feierwütigen Festivalpublikum, welches ja nicht nur aus Hardcorefans der Band besteht, aber einfach nicht funktionierte. Der Funken sprang nicht über, der Raum vor der Bühne leerte sich zusehends. Auch wir räumten irgendwann enttäuscht das Feld. Das war ein Auftritt, welcher der Band so gar nicht gerecht wurde und ihr sicher wenig neue Freunde beschert hat.
Auch am Samstag verbrachten wir den Hauptteil unserer Zeit wieder im Ice Palace, angefangen mit dem nachmittäglichen Auftritt der Folk Metal Band Vogelfrey, die mit einem durchweg coolen, sympathischen und unterhaltsamen Auftritt überzeugte. Im Anschluss wurde es dann düster mit dem epischen Pagan Metal von Moonsorrow. Die Band kannte ich vorher nur flüchtig, der Sound überzeugte mich aber auf ganzer Linie. Die Finnen haben das eben drauf mit dem Metal. ;) Eluveitie im Anschluss mauserten sich jedoch ganz schnell zu meinem musikalischen Tageshighlight. Der Auftritt, den sie an diesem Tag in Wacken hinlegten, war der Beste der Schweizer, den ich bisher miterleben durfte. Ein Hit folgte dem nächsten, Sound und Stimmung waren gewaltig. Ein richtig, richtig gutes Konzert! Headliner an diesem Abend waren Saltatio Mortis, die wir uns jedoch nicht mehr ansahen.
Ehe wir es uns versahen, war auch schon der letzte Festivaltag angebrochen. Dieser wurde im IcePalace mit The O'Reillys and the Paddyhats fulminant mit Irish Folk Punk eröffnet. Die gute Laune konnte man dann auch gleich beibehalten, als nächstes standen nämlich Feuerschwanz auf der großen Bühne. Deren Auftritt hatte ich gar nicht in Gänze sehen wollen, aber es war einfach so lustig, dass wir im Endeffekt doch ziemlich bis zum Schluss dort blieben. Danach ging es dann flott weiter ins Theatre Of Grace, um die letzte Gelegenheit wahrzunehmen, die Dänen von Huldre live zu erleben. Diese gaben beim Wacken ihr Abschiedskonzert. Ich muss ja zugeben, dass mich die Folk Metal Band um Sängerin Nanna Barslev auf CD nie so ganz überzeugen konnte, die verwandten reinen Folk-Projekte Asynje und Gny waren mir immer lieber. Aber live auf der Bühne erwies sich die Band als durchaus erfreuliches Erlebnis und ich war froh, diese lezte Möglichkeit genutzt und dem Auftritt eine Chance gegeben zu haben. Viel zu schnell nahte dann aber auch schon das Ende des Festival-Wochenendes. Dieses kam in Form von meiner Lieblingsband Faun, was für mich natürlich einen perfekten Abschluss bildete. Und auch wenn man auf den ersten Blick meinen könnte, Faun und Wacken würden denkbar schlecht zusammenpassen, wurde die Band hervorragend angenommen. Auch gestandene Metalheads zeigten sich sichtlich begeistert vom Auftritt der Band. Ein schöneres Ende hätte zumindest ich mir für unseren Wacken-Ausflug nicht vorstellen können!
Obwohl mein Bericht nun irgendwie den Eindruck erweckt, wir hätten nur vor der Bühne des IcePalace geklebt, ist das natürlich gar nicht wahr. Das Festival fing jeden Tag erst zu sehr angenehmer Zeit gegen Mittag oder gar erst am frühen Nachmittag an, sodass uns einiges an Zeit blieb, ausgiebig zu frühstücken und dann noch das Örtchen Wacken zu erkunden. So besuchten wir natürlich die bekannten Wacken-Skulpturen und statteten dem Wacken Store sowie dem Wacken Outlet einen Besuch ab und deckten uns mit allerlei Souvenirs ein. Neben dem quasi obligatorischen T-Shirt besitze ich nun auch eine Wacken-Schneekugel, einen großen Einkaufbeutel sowie eine Packung Wacken-Kaffee. Und zu unserem großen Entzücken gibt es in Wacken sogar so eine Memodaillen-Maschine. Das sind diese Dinger, in denen man ein 5-Cent-Stück plattkurbelt und so daraus ein Andenken herstellt. Für die Dinger bin ich ja tatsächlich immer zu haben. :D
Und auch auf dem Gelände bekamen wir selbstverständlich nicht nur das Programm auf den großen Bühnen mit. Bei der Old Village Chapel und den beiden Mystic Woods-Spielstätten trafen wir auch immer wieder auf die unterschiedlichsten Bands. Neben alten Bekannten wie Trollfaust, der Pressgëng und MacCabe & Kanaka durften wir dort auch spannende neue Musik entdecken. So zum Beispiel die verrückten kalifornischen Piraten von The Dread Crew Of Oddwood oder die Münsteraner von Dragol, die mich mit ihrer spannenden, atmosphärischen Performance irgendwo zwischen Musik, Rollenspiel und wirklich düsterem Märchen auf sehr positive Weise ein bisschen an die frühen Sachen von Goethes Erben erinnert haben.
Dragol
Wie man diesem laaangen Bericht wohl unschwer entnehmen kann, haben wir wirklich so einiges erlebt bei unserem ersten Besuch in Wacken. Auch wenn es sich beim Wacken Winter Nights um ein deutlich kleineres Event handelt als beim großen Bruder im August, hat sich die weite Anfahrt in meinen Augen auf ganzer Linie gelohnt. Musik und Sound waren klasse, die Größe sehr angenehm. Alle Beteiligten Künstler, Mitarbeiter und Besucher wirkten durchweg entspannt und gut gelaunt, was dem Festival eine klasse Atmosphäre verschaffte. Und wer weiß, vielleicht geschieht ja irgendwann mal ein kleines Wunder und es tut sich die Möglichkeit auf, auch im Sommer nochmal wiederzukommen. Bis dahin ist es aber in jedem Fall schön zu wissen, dass auch in den sonst eher festivalarmen Wintermonaten ein lohnender Grund besteht, dem beschaulichen Wacken einen Besuch abzustatten!
Wieder ist ein Jahr vorbeigegangen und es wird Zeit für meinen alljährlichen musikalischen Jahresrückblick. Der fiel mir dieses Mal gar nicht so leicht. Irgendwie war 2018 für mich eher arm an bemerkenswerten Veröffentlichungen - zumindest in der Mittelalter - und Folkszene, über die ich hier ja vornehmlich blogge. Trotzdem habe ich hier mal eine Liste zusammengestellt. Diese ist wie üblich alphabetisch, damit ich mich für keine Rangliste entscheiden muss. Rezensionen sind, sofern vorhanden, verlinkt oder werden noch nachträglich verlinkt, wenn ich später noch zum Besprechen des einen oder anderen Albums komme.
Am Samstag mussten wir uns mit dem Frühstück für unsere Castlefest-Verhältnisse richtig beeilen, da schon um 11 Uhr, also quasi am frühen Morgen, der erste Punkt auf dem Programm stand, den wir keinesfalls verpassen wollten: La Horde veranstalteten ihre Breakfast Pyjama Party!
Schon als La Horde das letzte Mal das Castlefest beehrten, zählte die von ihnen veranstaltete Kissenschlacht zu einem der Highlight des Festivals. In diesem Jahr setzten die sympathischen Belgier dann aber noch einen drauf. Besucher des morgendlichen Konzertes konnten sich bei der Band kostenlos mit Kaffee, Kakao und Gebäck versorgen lassen. Kissen für die Kissenschlacht waren am Merchstand zu leihen, viele hatten aber auch in weiser Voraussicht eigenes Material für die bevorstehende Schlacht mitgebracht. Pünktlich um 11 Uhr betrat dann ein verschlafener Ansager im Pyjama die Bühne und kündigte die Band an. Diese betraten dann - natürlich ebenfalls in Schlafanzügen - die Bühne, und los ging der Spaß. Mit viel Humor und tatkräftiger, zurecht viel bejubelter Unterstützung durch einen großartigen Poledancer, Anheizer, Merch-Präsentator und noch-so-vieles-mehr wurde das ganze ein riesiges Vergnügen mit einer krönenden Riesen-Kissenschlacht.
Kurz vor der Kissenschlacht bei La Horde
Ebenfalls eine Band, die ich mir niemals entgehen lassen würde, waren Rastaban, die wir uns am frühen Nachmittag auf der Village Stage anschauten. Die Belgier zählen zu den Bands, die uns seit unserem ersten Castlefest begleiten und die einfach immer wieder für gute Stimmung sorgen. Das war auch in diesem Jahr nicht anders, obwohl sich auch ein bisschen Wehmut in den sonst so fröhlichen Auftritt mischte, verabschiedete sich doch auf diesem Castlefest Stéphan, der charismatische und grundsympathische Geiger der Band, der die Konzerte mit seiner energiegeladenen Art stets bereichert hatte, als Mitglied von Rastaban. Er wird eindeutig eine Lücke im Bandgefüge hinterlassen.
Rastaban
Gleich nach dem Auftritt ging es dann auf zur Hauptbühne. Einerseits standen wieder Emian auf dem Programm, andererseits wurde es auch schon Zeit, sich einen Platz für das Ritual zu sichern. Wir fanden unseren am linken Rand der Bühne, wo man, je nach Blickrichtung, das Bühnenprogramm oder den Platz mit dem Wickerman im Blick hatte. Das war ein besserer Platz, als wir vorher zu hoffen gewagt hatten, da wir nicht den halben Tag mit Warten und Plätze-sichern verbringen wollten.
Das Warten auf das Ritual ist mir in diesem Jahr gut in Erinnerung geblieben. Es war eigentlich sehr gemütlich in unserer Ecke, wir waren mit leckeren Schokomuffins bestens versorgt und hatten um uns herum sehr nette und aufgeschlossene Menschen stehen, so dass die Zeit ziemlich schnell verging. Kurz vor Beginn passierte dann das, was uns bisher immer verschont hatte: es kam Wind auf, die Temperatur fiel, dunkle Wolken rasten heran. Es folgte ein Wolkenbruch wie er im Buche steht. Der Beginn der Zeremonie musste verschoben werden, stattdessen wurde von der Bühne Musik gespielt, alte Castlefest-Sampler-Beiträge. Die Stimmung im Publikum stieg scheinbar mit jedem Regentropfen. Die Leute tanzten, schrien, lachten. Einander fremde Menschen teilten sich die wenigen mitgebrachten Regenschirme. Wer keinen Schirm ergattern konnte, zog sich stattdessen aus und ließ den Regen lieber die Haut durchnässen. Es war ein seltsam intensives Erlebnis, welches die ganze Atmosphäre des Rituals ergriff und veränderte. Als die Verbrennung des Wickerman schließlich begann, waren die Leute in Hochstimmung, der Jubel, als die Flammen Besitz vom Wicker ergriffen, schien lauter denn je. Es war ein ungewöhnliches Ritual, das mir sicher lange in Erinnerung bleiben wird.
Nach dem Ritual den Hauptplatz zu verlassen, ist immer eine Aufgabe für sich, aber es gelang uns recht gut. Nun standen an diesem Tag noch zwei Programmpunkte auf dem Plan, die zu den von mir besonders heiß erwarteten zählten. Das war zunächst einmal der Auftritt von RAN und Martine Kraft auf der Folk Stage, der dann auch wirklich wunderschön wurde. Das Konzert war gewissermaßen geteilt, den ersten Teil bestritt Sängerin Kaat Geevers. Zu hören gab es da die Lieder von LEAF - ein Projekt, welches in dieser Form ja leider der Vergangenheit angehört. In der Mitte des Sets übernahm dann die Norwegerin Martine Kraft. Obwohl beide Musikerinnen sich klanglich klar voneinander unterschieden, passten die beiden Teile des Konzerts doch gut zusammen. Es war ein ungewöhnliches Konzept, welches hier sehr gut umgesetzt wurde und uns bis zum Ende des Auftritts an der Bühne hielt.
RAN
Unmittelbar nach dem Konzert eilten dann alle - die Musiker inklusive - zur Forest Stage. Dort fand nämlich das wohl am heißesten ersehnte Konzert des Festivals statt. Schon den ganzen Tag hatte man die Leute flüstern hören, dass da wohl etwas ziemlich spannendes passieren müsse am Abend, beim allerersten Auftritt von Heilung. Der Bandname war wirklich in aller Munde, obwohl ja niemand so genau wusste, was einen erwarten würde. Das Album "Ofnir" war zwar schon lange veröffentlicht, aber eine Liveumsetzung dieses ungewöhnlichen Projektes weckte allerorts Neugierde. Was uns dann schließlich auf der Bühne erwartete, übertraf selbst meine kühnsten Vorstellungen. Dieser Auftritt war weit mehr als ein einfaches Konzert, das war ein Gesamtkunstwerk! Heilung erschufen auf der Bühne eine regelrechte Parallelwelt, die ihre ohnehin faszinierende Musik perfekt in Szene setzte. Man konnte den Blick gar nicht abwenden und der Auftritt schien wie im Traum viel zu schnell an einem vorbeizuziehen. Der Merchstand der Band wurde nach dem Konzert schier überrannt. Ich frage mich, ob es dort am Ende auch nur noch ein einziges T-Shirt in welcher Größe auch immer zu finden gab. In jedem Fall war das halbe Festival am Sonntag in Heilung-Shirts unterwegs. Sollte ich jemals eine Liste der besten Konzerte meines Lebens erstellen, wird dieses hier jedenfalls ganz, ganz oben mit dabei sein.
Ziemlich aufgekratzt machten wir uns nach diesem erlebnisreichen Tag auf den Weg zurück in unser Bed & Breakfast. Nun blieb also tatsächlich wieder nur noch ein Tag auf dem schönsten Festival der Welt...
Und weiter geht es mit einem Titel von meiner Musik des Jahres 2015-Liste. Auch dies wieder ein Titel, der mir sehr am Herzen liegt.
Interpret: L.E.A.F.
Album: Lys
Erschienen: 13. Oktober 2015
Label: Screaming Banshee
Tracklist:
01. Flamme | 02. Sol | 03. Ran | 04. Terveh | 05. Harpa Toner | 06. Nymånen | 07. Vinda | 08. Fylgja | 09. Suurin | 10. Lys
Was lange währt, wird endlich gut. Dieses alte Sprichwort trifft auf das erste Studialbum von L.E.A.F. in vollem Ausmaß zu. Es ist die erste Veröffentlichung des Projektes um die niederländische Musikerin Kaat Geevers aka Kati Ran seit der selbstbetitelten EP 2012. Dass sich seitdem viel getan hat im Hause L.E.A.F. zeigt sich schon bei einem Blick ins Booklet. Ursprünglich als Band begonnen, besteht L.E.A.F. nun mehr nur noch aus Kaat selbst. Verschiedene befreundete Musiker begleiten die CD dafür als musikalische Gäste, unter ihnen Maria Franz und Christopher Juul (Euzen), Oliver S.Tyr (Faun) oder Kai Uwe Faust (Heilung).
Musikalisch hat es L.E.A.F., wie schon der Albentitel "Lys" sowie die meisten der Songtitel verraten, mit diesem Werk in den hohen Norden Europas, also nach Skandinavien verschlagen. Gehüllt in wunderschön ruhige, folkige Klänge und untermalt von Instrumenten wie der schwedischen Nyckelharpa oder dem Dulcimer erzählen die Lieder alte, skandinavische Geschichten ("Harpa Toner", "Nymånen") oder beschwören die alten nordischen Götter ("Lys"). Wunderschön auch die Ballade "Vinda" aus der Feder von Maria Franz, die das Stück auch gesanglich unterstützt. Doch auch Ausflüge in andere Kultur - und Sprachkreise werden auf "Lys" unternommen. "Fylgja" kommt trotz des altnordischen Titels mit deutschem Text daher, während "Terveh" und "Suurin" [was jedoch nicht wie im Booklet angegeben "Wolf", sondern "der Größte" heißt - Verzeihung & Klugscheißermodus off] die Zuhörer nach Finnland entführen.
Die musikalische Entwicklung, welche das Projekt L.E.A.F. in den vergangenen Jahren durchgemacht hat, wird besonders schön am Beispiel von "Nymånen" deutlich, welches auch schon auf der 2012er EP zu hören war. Obwohl klar wiederzuerkennen, hat sich das Stück auch hörbar weiterentwickelt. Instrumentierung und Produktion lassen das Stück viel dichter klingen, auch hat Sängerin Kaat klar an ihrer Aussprache der skandinavischen Sprachen gearbeitet.
Was wirklich alle Songs des Albums gemeinsam haben, ist eine ganz besondere Stimmung, die zum Träumen einlädt. Auch Charlotte Boers Design zur CD - unaufdringlich und schlicht, aber gerade damit wunderschön und durch und durch ansprechend - passt meiner Meinung nach perfekt zu dieser Stimmung, die sich für mich nur schwer in Worte fassen lässt. Versuchen will ich es trotzdem.
Manchmal verbinde ich mit einem Lied oder einem Album eine bestimmte Jahreszeit, einen bestimmten Ort, eine bestimmte Zeit. "Lys" ist so ein Album, und ich empfinde es stark als eine CD, die in die Nacht gehört. Wenn es draußen dunkel geworden ist, ich auf dem Rückweg von einem schönen Ausflug erschöpft im Zug sitze oder nach Hause laufe, dann kann ich mit diesem Album alles um mich herum vergessen und mich einfach darin verlieren. Es gibt mir dann einfach ein wundebar geborgenes Gefühl, diese CD zu hören. So ist es L.E.A.F. mit "Lys" gelungen, sich innerhalb kürzester Zeit einen Platz unter den Alben zu ergattern, die ich sicher noch lange und oft mit großer Freude werde genießen können. Ich empfehle jedem, der sich für Nordic Folk und Pagan Folk erwärmen kann, diesem Album ein Ohr zu leihen.
Guten Tag allerseits! Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich in diesem neuen Jahr die Zeit gefunden habe, mich hier einmal wieder zu Wort zu melden. Trotzdem möchte ich euch allen noch ein frohes neues Jahr wünschen und hoffe, dass ihr gut reingerutscht seid.
Bei mir war Silvester selbst eher unspektakulär, ich war zu Hause und habe versucht, meine kleine Katze zu trösten. Für Tiere ist dieses Fest einfach die Hölle.
Nun ist es also Zeit für meinen jährlichen musikalischen Rückblick. Ich habe lange überlegt, ob ich sowas für 2015 wirklich wieder machen soll, habe ich doch im letzten Durchgang fast das ganze Jahr benötigt, um alle angedachten Rezensionen zu veröffentlichen. Doch da pure Vernunft bekanntlich niemals siegen darf und 2015 musikalisch ein wirklich sehr produktives Jahr für viele Künstler meiner Szene war: hier ist sie, meine Liste mit der besten Musik 2015. :D
Saltatio Mortis - Zirkus Zeitgeist ohne Strom und Stecker
Versengold - Live
Vogelfrey - Sturm und Klang
Vroudenspil - Fauler Zauber
V/A - Herbstmond
Für die Alben von meiner Favoritenliste werde ich in jedem Fall Rezensionen schreiben und diese hier verlinken, bei denen von der zweiten Liste werde ich es ganz nach Lust und Laune halten. Es sollte mich fast schon wundern, wenn ich es bei allen schaffe. :D
Bevor ich mich aber den Alben widme, steht noch ein letzter Konzertbericht vom Phantastischen Mittelalter Lichter Weihnachtsmarkt aus. Mit etwas Glück kommt dieser noch heute.