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Donnerstag, 2. Juni 2016

Wenn ich jetzt nur mal reich wäre - Green Hell Yardsale 2016

Es war eine recht spontane Idee, sich am einzigen noch freien Tag des verlängerten letzten Wochenendes nach Münster zu begeben, um den Green Hell Yardsale zu besuchen. Stundenlang in Plattenkisten wühlen und nebenbei auch noch drei Konzerte geboten bekommen - das war dann einfach unwiderstehlich. :D Eine Freundin hatte sich ebenfalls spontan bereit erklärt, mitzukommen und so machten wir uns gegen halb drei auf die Suche nach dem Lager, in dem das Ganze stattfinden sollte. 

Dieses war auch schnell gefunden, bis zum Beginn der Konzerte blieb noch Zeit und wir stürzten uns erst einmal ins Getümmel an den Ständen. Zugegebenermaßen: das Durchstöbern der Plattenkisten hätte mehr Spaß gemacht, wenn ich nicht eine so notorische pleite durch die Gegend rennende Person wäre, aber sei's drum - irgendwann, wenn ich mal groß bin... :P

Den Anfang bei den Konzerten machten dann schließlich NO°RD aus Münster und Dortmund. Hier gab es deutschsprachigen Punkrock mit (so weit ich sie vor Ort verstehen konnte) sehr hörenswerten Texten. Mir hat es gefallen, meiner Begleitung leider die Erkenntnis gebracht, dass Punk wohl wirklich nicht ihre Musik ist. Folglich blieb ich den Rest des Nachmittags allein zurück. Ich danke dennoch für den mutigen Versuch! xD

Nach kurzer Pause ging es dann weiter mit Meraine. Lange kein so lautes Konzert mehr erlebt, wobei ich mich nicht unbedingt auf die Lautstärke der Musikanlage sondern die durch und durch laute und dichte Art der Musik beziehe, die einen komplett in sich aufzusaugen schien. Ein cooles Gefühl, wie ich es zuletzt vor einigen Jahren bei Envy erleben durfte. Als musikalische Referenz für Meraine wurden von Green Hell unter Anderem die großartigen Fjørt genannt, was es zumindest stellenweise auch ganz gut trifft. Aber am besten einfach selber reinhören, es lohnt sich!

Zur dritten und letzten Band des Abends muss ich wohl nicht viele erklärende Worte verlieren, und vermutlich war ich auch nicht der einzige Anwesende, der ursprünglich vor allem wegen den Kölnern von KMPFSPRT angereist war. Die lieferten dann auch einen großartigen Auftritt ab, obwohl Sänger Richard mit einer richtig fetten Erkältung zeitweise besorgniserregend so wirkte, als könne er jeden Moment einfach umfallen.


Viel zu schnell war das Ganze dann auch schon wieder vorbei und ich schaffte es tatsächlich noch zum Bahnhof, bevor sich der zuvor größtenteils herrschende Sonnenschein plötzlich in einen richtig fiesen Regenguss verwandelte. 

Es war jedenfalls sehr schön beim diesjährigen Green Hell Yardsale. Hoffentlich komme ich nächstes Mal mit mehr Geld wieder. :D

Sonntag, 8. Februar 2015

Buchvorstellung: Patrik Wirén - Revolten, Rörelsen, Refused

Heute gibt es von mir mal eine Buchvorstellung zu einem Buch, welches bedauerlicherweise nur in Schwedisch vorliegt. Das grenzt den Leserkreis natürlich ziemlich ein, aber eine Vorstellung liegt mir dennoch am Herzen. Und wer weiß, vielleicht findet das Buch ja doch mal seinen Weg zumindest ins Englische. Verdient wäre das jedenfalls.

Autor: Patrik Wirén Titel: Revolten Rörelsen Refused Erschienen: 2014 Sprache: Schwedisch, keine Übersetzung vorhanden

Bei "Revolten Rörelsen Refused" (wörtlich: Die Revolte, die Bewegung, Refused - klingt wie die meisten direkten Titelübersetzungen scheiße, ist aber schätzungsweise doch irgendwie recht informativ) handelt es sich im Kern um ein Sachbuch über die schwedische Hardcore-Punk-Band Refused, die in den 1990er Jahren den Namen des nordschwedischen Städtchens Umeå weit über die Landesgrenzen hinaus zu einem Begriff machten.

Gegründet Anfang der 90er von Dennis Lyxzén und David Sandström erspielte sich die Band mit einer Vielzahl wechselnder Mitglieder bei Hunderten Auftritten bald einen ausgezeichneten Ruf im ganzen Land und schließlich auch darüber hinaus: Touren in Europa und Amerika folgten, drei Alben wurden veröffentlicht, von denen das letzte, "The Shape Of Punk To Come", vielen bis heute als Meilenstein ihres Genres gilt.

Eine Bandbiografie also? Dies mag jetzt im ersten Moment nur für alle interessant klingen, die ohnehin Fans der Band sind - doch das wäre voreilig geurteilt. Beim Lesen zeigt sich nämlich sehr bald, dass "Revolten Rörelsen Refused" mehr ist als eine simple Biografie. Hier wird vielmehr das Bild einer ganzen Szene gezeichnet.

Refused standen damals nämlich keineswegs allein da mit dem, was sie taten. In der ganzen Stadt sprossen scheinbar plötzlich Hardcore-Bands aus dem Boden. Viele zeichneten sich durch ihre Radikalität aus, Straight Edge und Veganismus gehörten oft zum guten Ton. Umeå Hardcore wurde durch Namen wie Abhinanda, Final Exit oder eben Refused zu einer Art Zauberwort für Musikliebhaber auf der ganzen Welt.

In seinem Bucherstling "Revolten Rörelsen Refused" erzählt Autor Patrik Wirén auf gut 250 Seiten von dieser Entwicklung. Dafür hat er über viele Jahre Material gesammelt, Zeitungsartikel gewälzt und eine Vielzahl Beteiligter interviewt. Die Leser erfahren so, wie sich die Musikszene im Umeå der 90er Jahre entwickelte. Zu Wort kommen dabei Menschen mit den verschiedensten Standpunkten, unter ihnen natürlich Musiker, aber auch Leute, die anderweitig in die Szene involviert waren oder sich - wie im Falle eines Polizisten - zwangsläufig mit ihr beschäftigen mussten.

Besonders ausführlich kommen dann aber natürlich doch die Mitglieder von Refused zum Zug, von denen die meisten noch heute in der einen oder anderen Form musikalisch tätig sind. Als Fan von Refused und zahlreicher Bands, die später von deren Mitgliedern gegründet wurden, war dies für mich als Leser wirklich spannend. Besonders die letzte Zeit der Band, die ja schon in der von Gitarrist Kristofer Steen 2006 veröffentlichten Dokumentation "Refused are Fucking Dead" behandelt wurde, erfährt hier nochmal eine ebenso ausführliche wie erhellende Aufarbeitung. Besonders schön ist dabei, dass man die Ereignisse, die zum Ende der Band führten, aus den verschiedenen Sichtweisen aller Bandmitglieder verfolgen kann. Dabei entsteht mit unter der Eindruck einer wirklich beklemmenden Atmosphäre, bei der man sich fragt, wie die Band überhaupt so lange und so produktiv durchalten konnte.

Patrik Wirén ist mit "Revolten Rörelsen Refused" ein Sachbuch gelungen, dass einen in Buchform bisher unbeleuchteten Aspekt der Musikgeschichte behandelt. Das ganze ist natürlich ziemlich "Special Interest", aber welche Veröffentlichung im Bereich Punk/Hardcore ist das nicht? Mein Fazit wäre jedenfalls: Lohnenswerte Lektüre nicht nur für Hardcore-Refused-Fans, sondern auch für alle, die sich für schwedischen Punk/Hardcore oder auch Punk/Hardcore und Straight Edge im Allgemeinen interessieren. 

Meine Bewertung:

♥♥♥♥♥
[5/5]

Hörprobe: