Mittwoch, 29. Juli 2026

Buchvorstellung: Little Women von nev

Worum es geht:

Die Familie March hat es nicht leicht. Seit der Vater in den Krieg ziehen musste, müssen die Mutter und ihre vier Töchter sich ganz allein um alles kümmern – nicht immer ein leichtes Unterfangen im Amerika des 19. Jahrhunderts. Ein Glück für die vier ganz unterschiedlichen Mädchen, dass ihre Mutter mit ihrer sanften Art und großen Weitsicht immer für sie da ist. Und dann sind da ja auch noch der Nachbarsjunge Laurie und sein strenger, aber gerechter Großvater, welche die fröhliche Familie ebenfalls schnell in ihre Herzen schließen.

Meine Meinung:

Mit „Little Women“, oder auch „Eine fröhliche Familie“, unter welchem Namen der Titel hierzulande ebenfalls bekannt ist, bringt uns Tokyopop einen Klassiker der amerikanischen Literatur in Mangaform. Der Titel basiert auf dem gleichnamigen Roman der Autorin Louisa May Alcott und folgt den kleinen und großen Abenteuern der lebensfrohen Jo March und ihrer drei Schwestern zur Zeit des Sezessionskrieges.

Die Geschichte lebt dabei in meinen Augen von der liebevoll ausgearbeiteten Darstellung der March-Familie und ihres Umfeldes. Hauptfigur ist die burschikose Jo, die zweitälteste der Schwestern. Sie verfügt über jede Menge Energie und eine sehr lebhafte Vorstellungskraft und träumt davon, Schriftstellerin zu werden. Ihre große Schwester Meg tut dagegen alles, um eine feine Dame zu werden und in die höhere Gesellschaft aufgenommen zu werden, während sich die jüngere und sehr schüchterne Beth gerne um andere und den Haushalt kümmert und die Musik liebt. Nesthäkchen Amy hingegen macht es ihrer Familie nicht immer leicht mit ihrem Eigensinn, sodass die Mutter der vier Mädchen es nicht immer leicht hat, die Harmonie in der Familie zu wahren.

Die Abenteuer der Protagonistinnen spielen sich in ihrem Lebensalltag ab und bilden ein schönes Zeugnis der Zeit, in welcher die Geschichte spielt. Von unschuldigen Spielen auf dem Dachboden über seltene soziale Anlässe und Sorgen und Probleme des Krieges begleiten wir die Mädchen eine Zeit lang auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden. Auch Themen wie die schwierige erste Liebe, Krankheit oder Familienstreitigkeiten werden angesprochen, sodass der Titel eine schöne Balance aus leichten und ernsten Themen wahrt.

Wie bereits erwähnt, beruht der Manga auf einem Roman, den ich persönlich sehr liebe. Umso mehr freut es mich, dass der Manga die wichtigsten Elemente und Botschaften des Buches aus meiner Sicht sehr gut aufnimmt und umsetzt. 1868, als Louisa May Alcott mit "Little Women" den ersten Teil ihrer Serie über Jo und ihre Schwestern veröffentlichte, waren Bücher für junge Frauen mit starken Frauenfiguren noch lange keine Selbstverständlichkeit, und hier haben wir gleich fünf dieser Figuren. Denn obwohl sie sich insgesamt eher im Hintergrund hält, darf auch die Rolle der Mutter hier nicht unterschätzt werden, ist es doch ihr ausdrückliches Ziel, ihre Kinder zu guten, aber vor allem auch glücklichen Frauen zu erziehen - davon, die Mädchen eines Tages möglichst erfolgreich zu verheiraten, wie in dieser Zeit gesellschaftlich sehr üblich, will sie so gar nichts hören. 

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs: Jo spricht sich in diesem ersten Teil ziemlich entschieden gegen eine Heirat aus, und wäre es nach der Autorin gegangen, wäre sie auch unverheiratet geblieben. Dass sie in der Fortsetzung doch noch einen Mann ehelicht, ist nur eine Folge öffentlichen Drucks und ein schönes Beispiel dafür, wie die damalige Lebenswirklichkeit für unabhängige Frauen aussah. Konsequenterweise betont der Roman jedoch immer wieder, dass sie nicht gerade in der Rolle als Hausfrau aufgeht.

Doch zurück zum Manga: in der neuen Ausgabe kommt dieser mit hübscher I Love Shojo Card und in Vollfarbe daher, was wirklich sehr ansprechend ist. Ergänzt wurde er außerdem um ein ausführliches Nachwort, welches den Lesern den Kontext der Geschichte noch einmal näher bringen soll sowie um einige Literaturempfehlungen zu Werken anderer Schriftstellerinnen sowie Büchern mit weiblichen Hauptfiguren, bei denen man sich noch etwas Leseinspiration holen kann. Wie es im Jahr 2026 J.K. Rowling in die Liste inspirierender Schriftstellerinnen schaffen konnte, erschließt sich mir jedoch leider nicht. Hier hätte es doch so viele andere Möglichkeiten gegeben - spontan kämen mir Lucy Maud Montgomery (Anne mit den roten Haaren) oder Selma Lagerlöf (Nils Holgersson) in den Sinn, die mit ihren Werken sowohl die Jugendliteratur als durch Umsetzungen auch den Manga- und Animebereich geprägt haben - und die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Falls dem einen oder anderen von euch der Titel nun aber übrigens ohnehin schon bekannt vorkommt: "Little Women" erschien bereits vor einigen Jahren im Rahmen der Manga-Bibliothek, damals unter dem alternativen Titel "Eine fröhliche Familie" als schickes Hardcover, dafür aber in schwarz-weiß.

In welcher Form auch immer, für mich ist und bleibt der Titel eine Herzensangelegenheit, und ich habe mich sehr über die Möglichkeit gefreut, ihn nun noch einmal in dieser schönen farbigen Version genießen zu dürfen. Fans klassischer Kinderbücher und sympathischer sowie starker Frauenfiguren sollten, sofern nicht längst geschehen, unbedingt einmal einen Blick riskieren!

Little Women | nev | Tokyopop | Originalpreis: 18,00€ | Empfohlen ab 13 Jahren | Genre: Drama | Link zum Buch 

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