Samstag, 18. Juni 2022

Tadaima - oder so

Haiaiai, schon mehr als das halbe Jahr ist rum und ich habe noch nichts gepostet. Ich geb es offen und erhlich zu: hat mich bisher auch nicht gestört, der ganze Corona-Kram hat wirklich so einiges meiner Motivation gekillt. So langsam stellt sich aber eine leichte Besserung ein (auch wenn sie vermutlich nur temporär ist), und zeitgleich kommt auch einiges an Lust zum Schreiben zurück.

Wie ist es euch in der Corona-Zeit ergangen, wie habt ihr die ganze Situation wahrgenommen und empfunden? Für mich war es keine gute Zeit, und ich verstehe niemanden, der versucht, das Positive darin zu suchen. Ich verstehe auch all jene nicht, die sich in diesen zwei Jahren so daran gewöhnt haben, zu Hause zu hocken, dass sie jetzt anscheinend nichts anderes mehr tun wollen...

Ich für meinen Teile habe nur darauf gelauert, endlich wieder auf Tour gehen zu können, Dinge zu erleben, Orte kennenzulernen - und auch alle denkbaren Freiräume für solche Unternehmungen genutzt. Leider ist es aber nun, obwohl theoretisch gerade wieder alles möglich ist, noch immer deutlich ruhiger als vor der Pandemie.

Viele Veranstaltungen, die ich vorher gerne besucht habe, sind geschrumpft oder haben ganz aufgegeben, und bei neuen Veranstaltungen klagen die Verantwortlichen oft über schlechte Ticketverkäufe. Corona hat den Kultursektor hart getroffen und ich frage mich, wie lange es dauern wird, bis dieser sich davon erholt - wobei ich die traurige Vermutung hege, dass sich vieles gar nicht erholen wird oder auch einfach nicht wieder wie zuvor werden wird.

Wer diesen Blog kennt oder betrachtet, sieht ja, dass ich viele Jahre lang viel in der Mittelalterszene unterwegs war. Wie sehr diese Szene von Events lebt, wurde in den vergangenen zwei Jahren sehr deutlich. Große Veranstaltungen wie das MPS haben sich massiv verkleinert und auch verändert, und obwohl ich die Notwendigkeit verstehe und einsehe, beudetet es für mich, dass ich dieses Jahr mit Glück einen Termin werde wahrnehmen können, vielleicht aber noch nicht einmal das. Viele Bands haben die Krise ebenfalls nicht überlebt. Es gab Streits, Jobwechsel, Veränderungen im Leben der Mitglieder - viele der Gesichter, die man jahrelang regelmäßig auf Mittelaltermärkten antreffen konnte, wird man wohl so schnell nicht wiedersehen. Da die Szene gefühlt immer wie eine Art kleine Familie war, ist das schon eine ziemlich traurige Entwicklung.

Aber auch meine Interessen haben sich in den letzten Jahren verschoben. Ohne die Veranstaltungen habe ich viel meiner Energie anderen Dingen zugewandt. Der Manga- und Animebereich war ja schon immer sowas wie mein zweites Standbein, nimmt aber seit einiger Zeit wieder deutlich mehr Raum ein als zuvor. Auch Videospiele haben plötzlich wieder eine Relevanz, wie sie es in meinem Leben wohl schon seit meiner Kindheit nicht mehr hatten, und ich bin mehr als froh, mit diesen Dingen mehr als nur eine Kompensation für die weggefallenen Erlebnisse in anderen Bereichen gefunden zu haben.

Langer Rede kurzer Sinn bedeutet das für diesen Blog aber, dass sich auch hier möglicherweise der Fokus etwas verschieben wird. Ich besuche dieses Jahr dem bisherigen Anschein nach deutlich mehr Conventions als Festivals und hätte auch mehr als Lust, den einen oder anderen Manga oder hier und da mal eine Light Novel zu rezensieren. 

Zunächst einmal steht mir aber noch eine Liste an Beiträgen vor der Tür mit den Dingen, die ich in den vergangenen Jahren erlebt, hier aber nicht vorgestellt habe. Ich habe überlegt, ob ich sie einfach wegfallen lassen soll, mich aber am Ende dagegen entschieden. Immerhin ist dieser Blog ja auch sowas wie mein eigenes öffentliches Tagebuch, wenn ich also selber einmal durchscrolle und einfach zwei Jahre fehlen, stört mich das schon. 

Das waren fürs Erste nun aber genug der Worte. Der bisher wohl heißeste Tag des Jahres steht bevor, und ich bin nicht gewillt, ihn komplett am PC zu verbringen. Auf in den Garten! Genießt das Wetter und bis bald!

Montag, 1. November 2021

CD-Vorstellung: Plantec - Hironaat

Nach einigen anstrengenden Wochen melde ich mich dann doch endlich mal wieder zu Wort, um darauf hinzuweisen, dass es eine neue Rezension von mir auf jarwinbenadar gibt. Dieses Mal hatte ich das Vergnügen, das neue Album der bretonischen Band Plantec unter die Lupe zu nehmen. Das Ganze hat mich leider Monate gekostet, weil in meinem Kopf so viel anderes war, dass diese Angelegenheit zwischenzeitlich einfach untergegangen ist, was mir furchtbar leidtut.

Wer Interesse hat, findet nun hier aber die fertige Rezension:


Plantec - Hironaat

 

Und einen kleinen Einblick gibt es wie üblich auch an dieser Stelle:

Es gibt mittlerweile eigentlich wieder so einiges zu berichten, und ich hoffe sehr, dass ich bald die Motivation dafür finde. Wie bereits erwähnt, ist die aktuelle Zeit etwas schwierig für mich, weswegen ich mich lieber nicht festlege und dann selbst enttäusche. Neue Inhalte kommen also, wenn sie eben kommen. :D

Sonntag, 22. August 2021

Ein zaghaftes Lebenszeichen

 Der Sommer neigt sich bereits dem Ende zu, und ich melde mich erst mit meinem zweiten Blogpost in diesem Jahr - traurig, traurig. Ich verspreche auch lieber nicht, dass ich die Aktivität hier wieder regelmäßig aufnehmen werde, denn ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob meine Energie und Motivation dafür ausreichen werden. Zwar stehen noch ein paar wenige Erlebisberichte aus dem vergangenen Jahr aus und es sind auch in diesem Jahr ein paar wenige Dinge hinzugekommen, die einen Bericht wert wären, aber wir werden sehen.

Auch 2021 war bisher wieder ein schwieriges Jahr für mich. Das Aufsehenerregendste, was passiert ist, war wohl, dass ich zur Mitte des Jahres meinen Job verloren habe. Obwohl es mich natürlich in eine unsichere und schwierige Situation katapultiert hat, war es aber gleichzeitig vermutlich das Beste, was mir passieren konnte, denn die vorangegangenen Monate dort waren die Hölle. Am Ende hatte sich die Chefin in meinen Augen mit ihrem unprofesionellen und regelrecht menschenverachtenden Verhalten so selbst diskreditiert, dass es mir unmöglich war, ihr auch nur noch einen Funken an an Respekt entgegenzubringen. Ich hege ja den starken Verdacht, dass dieses Verhalten mich dazu bringen sollte, von mir aus zu kündigen oder mir einen derart groben Schnitzer zu leisten, dass man mir eine fristlose Kündigung hätte überreichen können, aber immerhin diesen Triumph habe ich jener Person nicht gegönnt, worauf ich durchaus stolz bin. Das einzige, was ich wirklich bedauere ist, dass mein erstes richtiges Arbeitsverhältnis so enden musste, aber daran ist ja nun nichts mehr zu ändern - ansonsten war der Tag meiner Kündigung eher ein Anlass zum Feiern. Seitdem hadere ich mit mir, ob ich dem ohnehin erbärmlich schlechten kununu-Score der Firma eine weitere negative Bewertung hinzufügen soll. Dafür spräche, dass ich so endlich mal meinen Standpunkt klar herausarbeiten könnte. Dagegen, dass die Person, gegen die sich im Grunde meine gesamte Kritik richtet, ein derartig übergroßes Ego hat, dass sie diese Bewertungen eh nicht ernst nimmt. Allzu oft dienten jene Beschwerden ehemaliger Mitarbeiter in den Mittagspausen nämlich der allgemeinen Belustigung...

Was das Jahr sonst noch so brachte, nun ja... Corona bestimmt noch immer unser aller Leben, und irgendwie ist keinerlei Besserung in Sicht. Obwohl ich mittlerweile voll geimpft bin, warte ich noch immer vergeblich auf die versprochenen, damit einhergehenden Lockerungen und fühle mich langsam dezent veräppelt. Während große Sportveranstaltungen quasi ungehindert stattfinden, sah ich auch in diesem Jahr wieder die meisten meiner herbeigesehnten Events aus dem kulturellen Bereich verboten, gerne auch kurzfristig wenige Tage vorher. Macht ja nichts, wenn man den ohnehin gebeutelten Veranstaltern erst Hoffnung macht, sie sich in Ausgaben stürzen lässt und dann eine Woche vorher alles absagt, nicht wahr? Natürlich habe ich auch in diesem Jahr wieder jeden noch so kleinen, sich bietenden Freiraum genutzt und so tatsächlich ein paar Veranstaltungen besuchen können, aber insgesamt war auch dieses Jahr bisher wieder erheblich viel ruhiger, als ich es mir gewünscht hätte.

Meinen Ausgleich habe ich nun aber tatsächlich in einem Videospiel gefunden. Seit dem Release im vergangenen September ist das chinesische Gacha-Game Genshin Impact zu einer schönen Konstante in meinem Leben geworden, und es tut einfach so gut, mal wieder so begeistert von einer Sache zu sein wie von diesem Spiel!

So viel nun erstmal zur aktuellen Lage. Ob es bei diesem winzigen Update bleibt oder ich tatsächlich  die Motivation aufbringe, endlich wieder etwas mehr an diesem Blog zu arbeiten, wird sich zeigen. Insofern wünsche ich erstmal allen einen schönen, verregneten Restsommer. Nutzt die Zeit und tut, was euch Spaß macht, es wird sicher bald wieder verboten. ;)

Samstag, 2. Januar 2021

Auf ein besseres Jahr 2021

So, zwar bin ich mit den Berichten aus dem vergangenen Jahr im Endeffekt nicht rechtzeitig zum Jahreswechsel fertig geworden, aber da man einen Neujahrsgruß nicht beliebig nach hinter verschieben kann, ohne dass er völlig überflüssig wird, pausiere ich mal kurz und wünsche an dieser Stelle allen Lesern ein frohes neues Jahr.

So ein Jahreswechsel ist auch immer der geeignete Zeitpunkt für einen Blick zurück, und zu 2020 gibt es nun ja wirklich so einiges zu sagen. Aus meiner Perspektive leider das wenigste gut. Ganz ehrlich: ich habe dieses Jahr gehasst. Anfang des Jahres war ich zuversichtlich wie schon lange nicht: Festanstellung, das Studium machte endlich gute Fortschritte Richtung Abschluss, der Kalender war gut gefüllt mit allerlei großartigen Plänen. Was dann passierte, wissen wir ja alle nur zu gut. 

In der ersten Zeit nach dem Ausbruch von Corona war ich wie gelähmt. Konzerte, Mittelaltermärkte, Conventions - das sind für mich die Gelegenheiten, einen Ausgleich zum Alltag zu finden, meine Freunde zu treffen, mich am rechten Platz zu fühlen. Nicht nur, dass dies alles plötzlich wegfiel, nein, ich musste auch noch zusehen, wie sträflich Politik und Gesellschaft den gesamten kulturellen Sektor behandelten. "Nicht systemrelevant" war und ist bis heute vielfach das Urteil. Ein erschreckend großer Teil der Bevölkerung dieses Landes scheint kein Problem zu haben mit einem Leben ohne Kultur. Ich empfinde das als einfach nur arm und die geringschätzigen, engstirnigen Ansichten solcher Subjekte haben mich in diesem Jahr mehr als nur einmal zur Weißglut gebracht.

 


Lange habe ich nach einem Ausgleich für mein verschwundenes Leben gesucht, gefunden habe ich ihn bis heute nicht wirklich. Während viele erfreut berichteten, wie viel Zeit sie nun zum Lesen hätten, hatte ich plötzlich kaum noch Lust dazu. Einen Haufen Mangas habe ich gelesen und irgendwann im Herbst Light Novels für mich entdeckt, aber ansonsten? Für meine Verhältnisse erschreckend wenig. Es war, als hätte mir dieses Jahr sämtliche Motivation ausgesaugt.

Was noch am ehsten als Kompensation taugt, sind Videospiele. Ganz ehrlich: so viel habe ich schon seit meiner Jugend nicht mehr gespielt. Und immerhin in dem Bereich war es auch ein wirklich gutes Jahr mit vielen, vielversprechenden Neuerscheinungen. Mein aktueller Favorit, mit dem ich in der freien Zeit zwischen den Jahren Stunden über Stunden am PC verbracht habe: Genshin Impact! Einfach wunderbar, endlich mal wieder ein derart fesselndes Spiel entdeckt zu haben, das mich wohl auch noch lange beschäftigen wird.

Und 2021? Im Gegensatz zum vergangenen Jahr habe ich dieses Jahr nur eine Hoffnung: dass es nicht so besch....eiden wird wie sein Vorgänger. Für meine Hobbies seh ich hingegen weiterhin schwarz, ganz besonders, wenn ich mir das aktuelle Impftempo in diesem Land anschaue. Also verharre ich weiter in Wartestellung und nutze jede sich mir bietende Lockerung. Convention mit durchgehender Maskenpflicht? Bin dabei! Bestuhltes Konzert mit Abstandsregelung? Immer her damit! In den Wintermonaten ist nun leider an nichts davon zu denken. Ich habe mir fest vorgenommen, die Zeit zu nutzen und mich einigen Aufgaben zu widmen, die in den ereignisreichen Zeiten vor Corona immer auf der Strecke geblieben sind, und aktuell fühle ich dafür immerhin auch ein einigermaßen ausreichendes Level an Energie. Hoffentlich bleibt das auch so, damit sich nicht noch ein Jahr wie eine komplette Zeitverschwendung anfühlt.

Donnerstag, 26. November 2020

Das grüne Ruhrgebiet entdecken - ein Tagesausflug an den Baldeneysee nach Essen

Corona hin oder her: irgendwann stand die Frage im Raum, was denn nun aus dem Sommerurlaub werden würde. Da Planungssicherheit selbst in den relativ ruhigen, warmen Monaten eher Fehlanzeige war, fiel relativ schnell die Entscheidung für einige eher kurzfristig realisierbare Tagesausflüge. Einer davon führte uns an einem wettertechnisch traumhaften Augusttag nach Essen.

Ziel unseres Ausflugs war in erster Linie der Baldeneysee, ergänzt durch dies und das, was sich bei der Recherche im Umfeld noch an schönen Ausflugszielen offenbart hatte. Nachdem uns Bahn und S-Bahn an den See gebracht hatten, stand einem feinen Tag nichts mehr im Weg.

Unser Timing erwies sich dabei als sehr gut, denn sofort nach unserer Ankunft am Baldeneysee erwischten wir noch eines der Schiffe der dortigen weißen Flotte und konnten uns so gleich daran machen, den See vom Wasser aus zu erkunden. Wir entschieden uns für eine fast komplette Runde um den See, wobei wir auch gleich schon den ein oder anderen Blick auf touristische Attraktionen wie den ehemaligen Lehnshof Haus Scheppen oder die alte Eisenbahnbrücke Kupferdreh werfen durften.

Neben diesen Sehenswürdigkeiten war es aber vor allem die Landschaft selbst, die zum Anschauen einlud. So viel Natur mitten im Ruhrgebiet hätte ich so jetzt gar nicht unbedingt erwartet! Liebend gerne hätte ich gefühlt tausend Fotos gemacht, aber wie sich das nun einmal so gehört in einem Scheißjahr wie diesem, ist meine treue und geliebte Kamera ein paar Tage vor dem Urlaub kaputt gegangen und ich musste mich mit ein paar Handybildern begnügen. An schnellen Ersatz war wegen Lieferschwierigkeiten wie bei so vielen Dingen in diesem Jahr nämlich nicht zu denken. Ehrlich gesagt habe ich noch immer keine Neue... T_T

Idylle auf dem Baldeneysee

Kurz bevor unser Schiff seine Runde über den See ganz beendet hätte, verabschiedeten wir uns, denn es gab da noch einen Ort, den ich unbedingt besuchen wollte. So machten wir uns zu Fuß und immer schön bergauf auf zur Ruine Isenburg. Als Mittelalter-Fan liebe ich Ruinen einfach, und diese war den in der Mittagshitze doch recht beschwerlichen Weg eindeutig wert. Die Überreste der zu Beginn des 13. Jahrhunderts erstmalig erwähnten Burg thronen in den Wald eingebettet über dem Baldeneysee. An einigen Stellen hat man einen wirklich malerischen Blick über Burg und See, und lernen lässt sich dank der aufgestellten Infotafeln auch noch etwas. Eine klare Besuchsempfehlung von meiner Seite! ♥

Blick auf den See von der Ruine der Isenburg

Obwohl wir in aller frühe losgefahren waren, war es am Ende unserer Baldeneysee-Runde schon Nachmittag geworden. Ein wenig erschöpft waren wir wegen der wirklich heftigen Hitze des Tages auch schon. Trotzdem ließen wir es uns nicht nehmen, wenigstens noch einen kurzen Besuch von Villa & Park Hügel einzuschieben. Dafür, den ganzen Park anzuschauen, blieb leider nicht mehr genug Zeit, aber wenigstens einen kleinen Spaziergang konnten wir doch unternehmen. Der weitläufige, vielseitig gestaltete Park bot auch wirklich einiges fürs Auge und lud eigentlich zum längeren Verweilen ein. Das muss ich dann wohl mal für einen eventuellen späteren Besuch vormerken.

Dieses absolut schnuckelige Mini-Haus enthält eine voll funktionstüchtige Küche in Kindergröße, in der sich die kleinen Damen der Familie früher für ihre spätere Rolle als Hausfrau üben konnten. Moderne Frau hin oder her, ich bin beeindruckt =O 

Jedoch wäre es viel zu schade gewesen, bei diesem Besuch die Villa Hügel selbst außer Acht zu lassen. Wegen der Corona-Beschränkungen konnte nicht alles uneingeschränkt besichtigt werden, aber ein Gang durch die sehr interessante historische Ausstellung zur Familie Krupp im kleinen Haus ließ sich problemlos machen, wenn man einigermaßen hitzeresistent war. Mich zumindest hätte man danach auswringen können, aber die Ausstellung war einfach zu interessant, um mittendrin abzubrechen, also habe ich tapfer durchgehalten. :D

 
Man fühlt sich klein vor diesem imposanten Gebäude

Danach war es dann aber wirklich Zeit, sich von der Villa Hügel zu verabschieden. Bei einem nah gelegenen, griechischen Restaurant stärkten wir uns für die Rückfahrt, bevor es nach einem kurzen Shopping-Abstecher in die Innenstadt dann zurück zum Bahnhof und auf den Weg nach Hause ging.

Unser erster Urlaubs-Ausflug war damit schon einmal ein großer Erfolg und bewies, dass man in diesem Jahr keineswegs auf alles zu verzichten brauchte. Und ein weiterer Ausflug sowie mehrere kleinere Unternehmungen in der direkten Umgebung unseres Wohnortes standen uns noch bevor.

Dienstag, 24. November 2020

Konzertbericht: Mono Inc. auf dem Strandkorb Open Air

Einer der sehr, sehr wenigen positiven Effekte dieses kulturell traurigen Jahres waren die vielen neuen, kreativen Impulse, die in den warmen Monaten die Durchführung der einen oder anderen schönen Veranstaltung möglich machten. Eine dieser wirklich genialen Ideen hatte man in Mönchengladbach mit dem Strandkorb Open Air. Den ganzen Sommer über fanden im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe Konzerte und Comedy-Performances im SparkassenPark statt, in dem ansonsten Hockey gespielt wird. Die Idee war dabei perfekt auf die aktuelle Situation zugeschnitten: Im Zuschauerraum waren in großzügigen Abständen 500 Strandkörbe aufgestellt worden, verteilt auf verschiedene Inseln, die auch tatsächlich nach beliebten Urlaubsinseln benannt waren. In einen Strandkorb passten dabei immer zwei Leute. Tickets wurden folglich immer im Zweierpack verkauft, sodass nie zwei Fremde einen Strandkorb teilen mussten. Um den Einlass zu entzerren, hatte jede der Inseln ihren eigenen Parkplatz-und Eingangsbereich sowie einen separaten Sanitärbereich. Getränke konnten im Vorfeld online bestellt werden und warteten dann in der Strandkorb-eigenen Kühlbox auf einen. Auch vor Ort konnte nur online bestellt und bezahlt werden, woraufhin die Getränke dann zum Strandkorb geliefert wurden. Im eigenen Strandkorb und direkt davor durfte die Maske abgenommen werden, bei aller Bewegung über das Gelände war sie stets zu tragen. Alles war also perfekt so eingerichtet, dass unnötiger Kontakt vermieden und die Kontaktpersonen auf möglichst wenige Menschen reduziert wurden. 

Bei der Ankunft in unserem Strandkorb erwartete uns dann noch eine feine Überraschung: Mono Inc., der Hauptact des Tages an diesem 15. August, hatten für jeden Besucher ein Geschenk in die Körbe gelegt. So gab es ein schickes Festivalbändchen sowie eine Autogramm-und Dankeskarte mit einem Rabattgutschein für den Shop der Band. Eine unheimlich liebe Geste! Wir zumindest nutzten gleich am nächsten Tag auch die Gelegenheit für eine T-Shirt Bestellung, da es bei dem Konzert selbst leider keinen Merchverkauf gab und man "seine" Bands natürlich gerne so viel wie möglich unterstützen möchte in diesen schweren Zeiten.

Nun aber endlich zum Konzertabend selbst. Eröffnet wurde dieser von Storm Seeker aus dem nahen Düsseldorf, die ich zu meiner großen Freude an diesem Tag das erste Mal live erleben durfte. Die Damen und Herren heizten dem Publikum mit ihrem Pirate Folk Metal dabei ganz ordentlich ein und freuten sich auch sichtlich, endlich mal wieder auf einer Bühne stehen zu dürfen - und das dann auch noch gleich eine so große. Obwohl es musikalisch ja in eine doch ziemlich andere Richtung als bei Mono Inc. ging, kam das Konzert der Band beim Publikum ziemlich gut an und die ersten erhoben sich auch schon aus ihren Strandkörben, um die Musiker besser anfeuern zu können. 


Nach diesem sehr gelungenen Opener wurde es bald Zeit für den Hauptact des Abends, Mono Inc. Auch die Hamburger um Sänger Martin Engler gaben von Minute 1 an richtig Gas, und schon nach kurzer Zeit hielt es wirklich niemanden mehr auf den (wirklich sehr gemütlichen) Strandkorb-Plätzen. Überall sah man die Hände über den Dächern der Strandkörbe klatschen und auch beim Mitsingen gaben die Leute alles. Dabei musste man schon ganz schön laut singen, denn im Grunde waren ja doch verhältnismäßig eher wenige Menschen auf dieses riesige Stadion verteilt!

Sicht aus unserem Strandkorb

Mono Inc. hatten an diesem Abend natürlich viele Songs ihres neuen Albums "The Book Of Fire" mit dabei, die sich live alle ganz hervorragend machten und auch sehr gut ankamen. Für "Right For The Devil", welches ohnehin zu meinen persönlichen Favoriten der neuen Platte zählt, holten sie sich dann auch noch einmal die musikalische Unterstützung von Storm Seeker, was eine tolle, musikalische Mischung ergab. Ganz stark war außerdem eine längere Ansage von Sänger Martin Engler, in der er sich zur aktuellen Lage, auch und gerade aus der Sicht von Kulturschaffenden, äußerte und dabei kein Blatt vor den Mund nahm. Solche fundiert geäußerten, eben auch mal teilweise kritischen Meinungen, hört man in den Diskussionen dieses Jahr nämlich noch immer viel, viel zu selten!

Neben den neuen Songs durften an diesem Abend aber natürlich auch einige Klassiker und Publikumslieblinge wie beispielsweise "Voices Of Doom" nicht fehlen und ganz zum Schluss gab es zu meiner großen Freude dann auch noch "Children Of The Dark". Damit war für mich persönlich der Abschluss dann auch perfekt. ♥


Nach einem ausgiebigen Applaus hieß es dann erst einmal wieder: husch, husch ins Körbchen, denn auch das Ausgangsverfahren war beim Strandkorb Open Air genaustens geregelt. So gab es am Ende das so genannte Goodbye-Bingo. Jeder musste warten, bis seine Strandkorb-Nummer auf einer der Leinwände neben der Bühne angezeigt wurde und durfte sich erst dann auf den Weg zum Ausgang machen. Das dauerte wirklich nur ein paar Minuten und verhinderte effektiv Gedrängel beim Verlassen des Konzerts. 

Das Strandkorb Open Air hat in diesem Sommer für mich gezeigt, dass es durchaus möglich war, sichere und gute Konzepte für größere Veranstaltungen während der Corona-Zeit durchzuführen. Wer sich bei den dort geltenden Maßnahmen nicht gut aufgehoben fühlte, dem ist wohl vorerst nur damit zu helfen, sich alleine in den Keller zu sperren. Mir hat die Veranstaltung jedenfalls hervorragend gefallen, sowohl was die Organisation angeht als auch das Konzert selbst. Durch die gemütlichen Strandkörbe kam eine richtige Urlaubsstimmung auf und man konnte den Abend in Mönchengladbach herrlich genießen. Die Ticketpreise lagen - vermutlich auch sponsorenbedingt - auch noch in einem vollkommen vertretbaren Bereich. Das ist wirklich eine Veranstaltungsreihe, deren Fortsetzung man sich sogar noch nach dem Ende der Corona-Krise gut vorstellen könnte!

Sonntag, 22. November 2020

Neue Wege in schweren Zeiten - der MPS Skulpturenpark in Bückeburg

Einige Monate lang dachte ich in diesem Jahr, es werde wohl vorläufig keinerlei Veranstaltungen mehr geben. Zum Glück erwies sich dies als falsch und einige Veranstalter kämpften sich erfolgreich den harten, monatelangen Weg durch diverse Hygienekonzeüt bis hin zu genehmigungsfähigen Angeboten. Einer dieser Veranstalter war Gisbert "Gisi" Hiller, den wir wohl alle hinlänglich als den Mann hinter dem MPS kennen.

Wer der Facebook-Seite des MPS folgt, weiß, dass Gisi seine Fans gerne an allen Prozessen seiner Veranstaltung teilhaben lässt. So konnte man dort auch seit Beginn der Corona-Krise das zähe Ringen um die Genehmigung einer wie auch immer gearteten Veranstaltung quasi live verfolgen. Nach vielen Rückschlägen und sicherlich auch vielen verlorenen Nerven war es dann aber Ende Juli tatsächlich so weit und in Bückeburg ging der MPS Skulpturenpark an den Start.

Als treue Gäste des Bückeburger MPS ließen wir es uns nicht nehmen, der neuartigen Veranstaltung einen Besuch abzustatten, und so machten eine Freundin und ich uns gleich am 25. Juli auf den Weg ins benachbarte Niedersachsen. Tickets mit einem Einlass-Zeitfenster hatten wir bereits im Vorfeld online erworben und so klappte dann auch alles, wie es klappen sollte und wir kamen ohne Wartezeit und engeren Kontakt zu anderen Gästen auf das Gelände.

 

Bei einem ersten Rundgang über das Gelände war ich sehr schnell von der Veranstaltung angetan. Durch die strengen Einlassbeschränkungen war es nicht zu voll, an Ständen und potentiellen Engstellen sorgten Leitsysteme mit Wellenbrechern für eine problemlose Einhaltung der Mindestabstände.


 Der Skulpturenpark selbst war äußerst weitläufig aufgebaut und man hatte die zahlreichen Figuren von Dinosauriern, Tieren und Fabelwesen mit großer Liebe zum Detail aufgebaut, sodass das Betrachten und auch Fotografieren dort großen Spaß machte.

 

Für mich das Herzstück war jedoch der kleine Mittelaltermarkt mit den Szeneflächen, auf denen auch Musiker auftreten durften. Der schnuckelige Markt und die alten, kleinen Holzbühnen erinnerten mich wohlig an meine lange vergangenen Anfangszeiten auf dem MPS vor mittlerweile mehr als zehn Jahren. Nur einen großen Unterschied gab es: da Gedränge vor der Bühne dieses Jahr ein No-Go war, konnte man die Auftritte der Bands nur im Sitzen genießen. Das war vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, wäre aber nicht weiter schlimm gewesen. Was jedoch schon ein bisschen schade war, waren die Lautstärkebeschränkungen, die an den Bühnen galten. Dies hatte wohl mit irgendwelchen kuriosen Bedingungen zu tun, die einzuhalten waren, damit die Veranstaltung nicht fälschlich als Festival gewertet und damit zwangsläufig verboten worden wäre. Leider führte das aber auch dazu, dass man von den etwas weiter von den Bühnen entfernten Tischen fast nichts mehr von der Musik hören konnte.

 Abgesehen von dieser Kleinigkeiten hatten wir aber einen wirklich großartigen Tag auf dem Skulpturenpark in Bückeburg. Wie gut es tat, endlich wieder die live Musik von Rapalje und MacCabe & Kanaka zu genießen! Wie sehr wir uns freuten, wenigstens einmal in diesem Jahr wieder die leckeren Hirschrahm-Spätzle mit Preiselbeeren zu genießen! Es war die perfekte Auszeit von diesem nervtötenden Jahr, das einem so vieler Freuden beraubt.


 Ein tolles Erlebnis war es auch, am Lager von Forgotten North vorbeizuschländern und plötzlich mittendrin zu sein in einer spontanen Darbietung ihrer Musik. Solche Momente sind es, die mich seit Jahren immer wieder auf Mittelaltermärkte ziehen und die ich in diesem Jahr schmerzlich vermisst habe.


 Wirtschaftlich betrachtet, so konnte man später lesen, war der Skulpturenpark in Bückeburg leider kein großer Erfolg, was ich äußerst bedauerlich finde. Waren wirklich so viele zu verunsichert, um die Veranstaltung zu besuchen? Oder sprach das Konzept keine klare Zielgruppe an? Ich weiß es wirklich nicht. Mir hat der Tag dort jedenfalls ganz hervorragend gefallen und ich bin dem Veranstalter wirklich dankbar, dass er in diesem Jahr die Beharrlichkeit und auch die Kreativität besessen hat, eine solche Sache auf die Beine zu stellen. Und allen, die ihre Chance auf einen Besuch aus welchen Gründen auch immer versäumt haben: ihr habt etwas verpasst was eindeutig geholfen hat, dieses dunkle Jahr für uns alle ein bisschen bunter zu machen!