Jeder, der mich kennt oder diesem Blog schon länger folgt, weiß wohl, dass es keine Band gibt, die mich in den letzten mehr als fünfzehn Jahren so sehr geprägt hat wie Faun. Auf einem Faun-Konzert habe ich eine wichtige Freundin kennengelernt und durch die Musik der Band bin ich tiefer in die Mittelalter- und Pagan Folk Szene eingestiegen, habe unzählige Geschichten entdeckt und wurde auch sonst in vielerlei Hinsicht tief geprägt. Ich glaube nicht, dass ich ohne diese Band die Person wäre, die ich heute bin, und dafür bin ich ihnen wirklich dankbar.
Viel hat sich in dieser Zeit verändert, sowohl in der Szene als auch in meinem eigenen Leben, und so habe ich heute nicht einmal mehr annährend so oft die Gelegenheit, Faun live zu sehen, wie das noch vor einigen Jahren der Fall war. Umso kostbarer ist es dann, wenn sich doch noch einmal die Gelegenheit ergibt, so wie am vergangenen Donnerstag auf der Burg Wilhelmstein in Würselen, wo Faun im Zuge ihrer Tour zum 25. Bandjubiläum Halt machten.
Obwohl die Burg gar nicht so weit erntfernt liegt von dem Ort, an dem ich aufgewachsen bin, war es für mich der erste Besuch der dortigen Freilichtbühne. Der erste Eindruck war dafür gleich ein sehr positiver: was für eine perfekte Kulisse für ein Faun-Konzert! Die Location hatte für mich genau die richtige Größe, und das Ambiente der Bühne direkt an der Burgruine war einfach hervorragend geeignet für die romantischen und mystischen Klänge der Band.
Das ausverkaufte Konzert begann pünktlich, eine Vorband gab es an diesem Abend nicht. Faun benötigten dennoch nicht lange, das auffällig bunt gemischte Publikum zum enthusiastischen Mitmachen zu bewegen. Die historische Kulisse hatte offensichtlich nicht nur das Interesse von Fans und Szenegängern geweckt. Auch Familien und ältere Paare hatten sich eingefunden, und nicht wenige von ihnen sah man im Laufe des Abends ihre Garderobe um ein neues Faun-Shirt erweitern, was wohl sehr für die Überzeugungskraft des Auftritts sprach.
Zu Ehren des feierlichen Anlasses boten Faun einen spannenden Querschnitt durch ihr mittlerweile ein Vierteljahrhundert gewachsenes Repertoire. "Diese kalte Nacht" begeisterte gleich zu Beginn viele Besucher. Durch den kommerziellen Erfolg war es wohl das Lied, was vor einigen Jahren eine ganze Reihe von neuen Menschen auf die Musik der Band aufmerksam gemacht hatte, und viele von ihnen waren offenbar gekommen um zu bleiben. Doch auch Fans der ersten Stunde kamen an diesem Abend voll auf ihre Kosten. So wurden auch lange nicht gehörte Stücke wie das "Tagelied" dargeboten, und mit dem "König von Thule" gab es sogar einen kleinen Ausflug zum allerersten Album der Band.
Auch zeigte die Band eindrücklich, wie facettenreich ihre Musik ist. Tanzbare Stücke wie "Wind und Geige" oder auch "Rhiannon" rissen die Zuschauer von ihren Plätzen in die Gänge, um dort zu tanzen, doch auch die ruhigen Momente durften durch Stücke wie "Tanz über die Brücke" oder auch eine sehr reduzierte Akkustik-Version von "Federkleid", welche dem Stück ein ganz neues Gewand gab, glänzen. Mit einem Text von Shakespeare wurde zudem auch ein Lied dargeboten, welches es bisher noch auf keinen Tonträger der Band geschafft hatte.
Wie immer bei Faun waren auch die Ansagen zwischen den Songs wieder überaus charmant. Kleine Anekdoten zu den Stücken brachten dem Publikum die Entstehungsgeschichte der Lieder näher, während zwischendurch auch munter mit den Leuten gescherzt wurde, was für viele Lacher sorgte.
Es ist wirklich faszinierend: obwohl ich Faun seit meinem ersten Live-Erlebnis im Jahre 2009 unzählige Male gesehen und zahlreiche Mitgliederwechsel miterlebt habe, haben ihre Konzerte für mich bis heute nichts von ihrem Zauber verloren. So war es auch an diesem Abend in Würselen wieder eine große Freude für mich, dabei sein zu dürfen. Vielen Dank für die vielen schönen gemeinsamen Jahre - auf dass es gerne noch einmal 25 weitere werden mögen!

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