Donnerstag, 8. August 2024

Kleine Rituale - Die Frauensteine im Aaper Wald


Ich erzählte es ja bereits: in diesem Jahr gab es für mich, neben so einiger anderer Einschränkungen, kein Castlefest. Da mir dieses Wochenende mit all seiner Bedeutung und seinen Ritualen aber wichtig ist, habe ich mich auf die Suche nach einer Alternative begeben. Ein kleiner Ausflug sollte es werden, der dem Anlass - dem Lughnasadh-Fest - würdig ist. Gefunden habe ich mein Ziel im Aaper Wald in Düsseldorf

  

 
Eher Mittags als Morgens - kurzfristiger Personalausfall bei der Bahn sei Dank - machte ich mich am Sonntag also auf den Weg zum Düsseldorfer Hauptbahnhof, und von dort aus ging es weiter mit der S-Bahn nach Rath-Mitte. Zwar hätte es auch Haltestellen näher am Wald gegeben, doch wegen Bauarbeiten war das alles etwas umständlich, sodass ich mich lieber für einen kleinen zusätzlichen Spaziergang durch die Stadt entschieden habe. 

 

Nach etwa einer Viertelsstunde erreichte ich dann den Aaper Wald. Zunächst schien es, als wäre es mir dort ein wenig zu lebhaft - der Wald begrüßte mich mit einem gut besuchten Spielplatz, doch schon nach wenigen Minuten laufen war ich so gut wie allein und eine angenehme Stille kehrte ein. 

Der Weg zu den Frauensteinen war auch schnell gefunden. Zunächst war ich dort nicht allein. Zwei Mütter machten mit ihren Kindern ein Picknick und zwei Fahrradtouristen genossen ihre Pause. Nach etwa einer Stunde waren dann jedoch alle fort, und ich konnte den Ort ganz für mich allein entdecken. 

 

Sehr schnell wurde mir klar: die Frauensteine waren der perfekte Ort für mich an diesem Wochenende. Auf dem Stamm eines alten Baumes hatten Besucher eine kleine Opferstelle errichtet. Blumen, Nüsse, Walderdbeeren - verschiedenste Kleinigkeiten wurden dargebracht, und auch ich habe mich gefreut, meinen kleinen Teil beizutragen.

 

Den Ort in der Stille des menschenleeren Waldes erkunden zu dürfen hat mich wirklich glücklich gemacht. Wer die Steine näher betrachtet, kann überall kleine eingeritze Botschaften entdecken. Namen, Runen, Bilder. Und auch der allgemeine Ausblick von der Lichtung aus war sehr ansprechend. 

Neben der Lichtung fand sich auch eine kleine Info-Tafel, auf der man sich ein wenig über die Geschichte der Steine informieren konnte. Interessanter als die Auskunft über das Material (Zementquarzit, für die Geologen unter uns) waren für mich die Geschichten, die sich um den Ort ranken. Ein Opferplatz soll es gewesen sein, in germanischer oder noch früherer Zeit, oder alternativ soll es sich bei den Steinen auch um Frauen handeln, die als Strafe in Stein verwandelt wurden. Natürlich handelt es sich bei allen Geschichten um Sagen und Mythen, archäölogische Funde über eine konkrete Nutzung des Platzes in der Vergangenheit gibt es nicht. Da ich persönlich aber gegen die konsequente Entzauberung der Welt bin, gefällt mir der Gedanke, dass ein solch besonderer Platz früher sicher auch besonders betrachtet und genutzt wurde, jedoch sehr gut. ;)

 

Als es schließlich um die Steine herum wieder lebhafter wurde, entschied ich mich für den Rückweg. Auch hier hatte die Bahn wieder entschieden, dass heute ein guter Tag für Leben in vollen Zügen sei, und dass so eine einstündige Fahrt doch viel schöner ist, wenn sie gleich zweieinhalb Stunden dauert. Grund? Man ahnt es: kurzfristiger Personalausfall, plus massive Verspätung des einzigen Ausweichzuges, die keineswegs, niemals nicht, daher rührte, dass in dem vollkommen überfüllten Zug nur eine von drei Türen funktionierte, wodurch bei jedem neuen Halt weitere fünf Minuten hinzukamen, was den Anschluss unerreichbar machte.

Sei es drum, als Mensch ohne Auto kenne ich es ja gar nicht anders (wobei mich trotzdem das seltsame Gefühl beschleicht, dass es in jüngster Zeit immer schlimmer wird. Oder ich werde im Alter einfach ungeduldiger, wer weiß). Am Ende war ich sehr froh, endlich zu Hause zu sein und den Abend ohne viel zu viele Menschen um mich herum mit einem leckeren Milchtee ausklingen lassen zu können. 

Doch obwohl die deutsche Bahn den Ausflug für mich weitaus anstrengender gemacht hat, als er hätte sein sollen, bereue ich es nicht, ihn gemacht zu haben. Der Gedanke, das ganze Wochenende traurig allein zu Hause zu verbringen und darüber nachzugrübeln, was hätte sein können (und sollen!), war unerträglich, und die Frauensteine haben sich für mich als wirklich tröstlicher Ort herausgestellt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht mein einziger Besuch dprt gewesen sein wird.

Samstag, 3. August 2024

Reflexion

Wir schreiben das erste Augustwochenende, und ich sitze alleine vor meinem PC. Nun ja, immerhin ist es ein Laptop und ich halte mich im Garten auf, aber das ändert nichts daran, dass sich diese Tage wie ein erneuter Tiefpunkt in meinem Leben anfühlen. Einer von vielen in einer Zeit, in der ich nicht dachte, dass überhaupt noch viel Luft nach unten sei.

Die ungefähr drei Menschen, die mich wirklich gut kennen, wissen, dass das erste Wochenende im August seit mehr als 10 Jahren immer mein persönliches Jahreshighlight war. Lughnasadh. Castlefest. Mit Ausnahme der verfluchten Corona-Zeit war ich immer dabei. Und dieses Jahr bin ich es erstmalig nicht. Weil es finanziell mit Bürgergeld eine kaum zu stämmende Aufgabe gewesen wäre. Weil sich offensichtlich aller außer meiner Interessen geändert haben. Vielleicht sogar, weil ich beim letzen Wicker-Ritual einen Schwur gemacht habe, den ich bislang nicht einlösen konnte. Wer weiß. Es spielt nicht einmal eine wirkliche Rolle. Das einzige, was zählt ist, dass ich nicht da bin, und dass es mich sehr runterzieht. Meine Freundin, mit der ich immer dort war, hat sich eine andere Beschäftigung für das Wochenende gesucht, und ich bin mal wieder alleine zurückgeblieben. Ein Gefühl, das mir langsam nur zu vertraut geworden ist.

Vielleicht wäre ich weniger negativ, wenn irgendwas in meinem Leben glatt liefe. Aber offen gestanden: seit Corona geht alles nur bergab. Ich habe in der Vergangenheit bereits darüber geschrieben, wie sehr mich die Einschränkungen in dieser Zeit belastet haben, aber das war leider nicht alles. Der schlimmste Schlag war vermutlich, dass ich in dieser Zeit meinen Job verloren habe. Meinen ersten richtigen Job, um genau zu sein. Aber nicht einfach so, nein: was wäre eine Kündigung, ohne zuvor Monate lang von der Chefin der Firma gemobbt zu werden? Noch heute kommen mir die Tränen, wenn ich an diese Zeit zurückdenken muss, und obwohl mir innerlich vollkommen klar ist, dass ich machtlos war und man mich einfach nur loswerden wollte, hat diese Angelegenheit Spuren hinterlassen. Wie umgehen mit dem kompletten Verlust an Selbstbewusstsein? Was sagen, wenn man beim Vorstellungsgespräch auf das fehlende Arbeitszeugnis angesprochen wird? (Das, welches ich mir nach Jahren auf Wunsch der Arbeitsagentur habe ausstellen lassen, ist nichts als Karriereselbstmord. Falls jemand mal ein Beispiel für ein Arbeitszeugnis braucht, das haarscharf an der Grenze dessen liegt, für was man eine Firma als ehemaliger Arbeitnehmer verklagen kann - ich hätte da was). 

Jedenfalls ist es mir seitdem nicht mehr gelungen, irgendwo beruflich Fuß zu fassen. Mein Nischenstudium passt nirgendwo in die freie Wirtschaft, und mir fehlt praktische Erfahrung. Natürlich interessiert es niemanden, dass man ohne Arbeit nicht an Erfahrung kommt. Und die größte Ironie meiner Situation: suche ich dann nach Arbeiten für Quereinsteiger ohne Vorkenntnisse, werde ich auch nicht genommen - weil überqualifiziert. Selbst die Mitarbeiter beim Jobcenter, die wirklich ihr bestes geben, sind ratlos, wohin man mich vermitteln könnte. 

Und weil zum Buckel natürlich auch ein Klumpfuß gehört, läuft es auch privat nicht wirklich besser. Nein, es ist keine Freude, mit Mitte 30 wieder in seinem Kinderzimmer zu wohnen, genauso wenig, wie jeden Cent viermal umzudrehen. Doch was am schlimmsten ist, ist der soziale Aspekt. Manchmal habe ich nicht das Geld, etwas mit Freunden zu unternehmen, manchmal habe ich aber auch einfach nicht die Energie. Meine engsten Freunde wohnen zudem am anderen Ende des Bundeslandes - mal eben treffen ist da also eh nicht. Umso härter hat es mich getroffen, dass meine beste Freundin aus Schulzeiten mich nach und nach aus ihrem Leben "aussortiert" hat. Sie hat jetzt Familie, ich bin kein Kindermensch, und meine Interessen kommen ihr meiner Meinung nach schon lange albern und unerheblich vor, während ich nicht viel zu den Problemen von Kindergartenkindern beizutragen habe. Man hat sich auseinandergelebt. Tut es deswegen weniger weh? Keineswegs.

Warum erzähle ich das alles? Nun, weil ich es einfach mal loswerden wollte. Und weil es vielleicht auch ein bisschen erklärt, warum dieser Blog schon so lange strauchelt. Weil er von meinem Leben erzählt, und weil auch ich strauchele. Das heißt jedoch nicht, dass ich diesen Blog aufgebe, ganz im Gegenteil. Schreiben ist für mich therapeutisch, es hilft mir, meine Gedanken zu ordnen und meine Gefühle zu verarbeiten. In den vergangenen drei Jahren habe ich dies jedoch hauptsächlich durch Fiktion getan (meinen ao3 Namen nehme ich jedoch mit ins Grab). Motivation für den Blog zu finden war oft nicht leicht, zumal der Backlog an Beiträgen wuchs und wuchs. Darum habe ich mich jetzt auch dazu entschlossen, eine Art Zäsur zu machen. In den ab jetzt folgenden Beiträgen werde ich Erlebnisse aus dem Hier und Jetzt abhandeln. Was die noch fehlenden Beiträge zu vergangenen Abenteuern betrifft, werde ich diese nach Lust und Laune nach und nach einpflegen und in die Zeit, in die sie gehören, zurückdatieren. Lange habe ich das herausgezögert, weil es sich ein bisschen wie Cheaten anfühlt, aber dann habe ich mir gedacht: was wäre das für ein bescheuerter Cheat? Einer, bei der man sich (bezüglich Klickzahlen) selbst ins Bein schießt? Und sind wir mal ehrlich: neben gelegentlicher Reviews war das hier immer vor allen Dingen ein persönlicher Blog, wie eine Art Online-Tagebuch. Und so soll es auch bleiben - was juckt es mich also folglich, ob diese Entscheidung für den 'Erfolg' Sinn macht?

Soll ich euch was sagen? Das zu schreiben hat tatsächlich schon geholfen, und darum werde ich nun den Laptop beiseite legen und versuchen, das Beste aus diesem traurigen Wochenende zu machen. Für morgen habe ich einen Ausflug geplant. Alleine. Nichts Großes im Grunde, aber für mich doch eine große Sache. Ich werde berichten.

Samstag, 18. Mai 2024

Historischer Ort in schönster Lage: Burg Eltz

 Unser erster Ausflug von Koblenz weg führte uns zur Burg Eltz, einer wunderbar erhaltenen Höhenburg aus dem 12. Jahrhundert, die definitiv einen Besuch wert ist.

 


 

Schon der Fußweg zur Burg kann sich sehen lassen, auch wenn natürlich zu beachten ist, dass man hierfür einigermaßen gut zu Fuß sein sollte - die Bezeichnung Höhenburg lässt es erahnen: es geht bergauf, und das ein gutes Stück und natürlich nicht in gerader Luftlinie. ;) 

Wem das zu viel ist, dem bleibt die Option, einen Shuttle Bus zu nehmen. Wir haben das natürlich nicht gemacht und wurden dafür mit einem schönen Spaziergang durch eine herrliche, waldreiche Landschaft belohnt, bei dem wir die Burg nach und nach aus verschiedenen Winkeln entdecken durften.

Die Burg selber ist ebenfalls für Besucher geöffnet. Hierfür muss man ein Ticket für eine der in sehr regelmäßigen Abständen stattfindenden Führungen kaufen und bekommt dafür einen überaus spannenden Einblick in die lange Geschichte der Burg und kann mehrere Räume, die Schatzkammer sowie den Innenhof entdecken. Wir hatten während unseres Besuchs Glück und mussten nicht lange auf den Einlass warten, zeitweise waren vor der Tür aber ordentliche Schlangen zu sehen, was jedoch damals vielleicht auch den noch herrschenden Corona-Einschränkungen geschuldet gewesen sein mochte.

Mir hat der Besuch auf Burg Eltz jedenfalls hervorragend gefallen. Die Gegend rund um die Burg ist landschaftlich ein Traum (insbesondere für jemanden, der wie ich Wälder liebt, selbst jedoch in einer ziemlich waldarmen Region lebt) und die Fühtung war höchst interessant gestaltet. 

Wen es also in die Gegend verschlägt, der sollte trotz der sehr hohen Dichte an Burgen wirklich einen Besuch auf der Burg Eltz in Betracht ziehen!

Freitag, 17. Mai 2024

Das eigene Land entdecken: Urlaub in Koblenz

Die Corona-Zeit war eine gute Möglichkeit, endlich einmal Orte innerhalb Deutschlands zu erkunden, die man vorher nie gesehen hatte, weil die Auswahl an Alternativen einfach zu groß war. Vor dem Hintergrund der unvorhersehbaren Entwicklungen und Reisebeschränkungen jener Zeit sah die Sache jedoch plötzlich ganz anders aus, und so wurde Koblenz zum Reiseziel im Sommer 2021.

Rückblickend ist das ein Urlaub, an den ich bis heute sehr gerne zurückdenke. Bei bestem Wetter durften wir die Stadt und das landschaftlich äußerst attraktive Umland für mehrere Tage erkunden und haben dabei so allerhand gesehen.

Hier habe ich mal einige meiner Lieblings-Impressionen gesammelt:

Blick auf das deutsche Eck vom Aussichtspunkt bei der Festung Ehrenbreitstein.

Gartenanlage am kurfürstlichen Schloss

Pegel - für eine Stadt, in der sich zwei große Flüsse treffen, spielt der Wasserstand natürlich eine wichtige Rolle

Koblenz verfügt über eine wunderschöne Altstadt voller historischer Gebäude

Als bedeutende Stadt mit langer Geschichte findet man in Koblenz natürlich eine Vielzahl an Kirchen - hier die Herz-Jesu-Kirche

Dieser kleine Geselle an der Fassade der St. Kastor-Basilika hatte es uns bei unserem Besuch sehr angetan. Wir konnten zwar nicht erraten, um was für ein Tier es sich hier eigentlich handelt (es ist ein Biber), aber drollig ist er allemal.

Natürlich haben wir uns während unseres Urlaubs auch noch einige andere Sehenswürdigkeiten im näheren und auch weiteren Umkreis um Koblenz angesehen. Um diese wird es in den kommenden Beiträgen gehen.

Insgesamt möchte ich aber schonmal sagen, dass Koblenz sowohl als Städtetrip als auch als Basis für Ausflüge ins Umland auf jeden Fall einen längeren Besuch wert ist. Wer sich historische Gebäude und malerische Landschaften interessiert, ist hier absolut richtig und findet Beschäftigung für viele, viele Tage. Wir waren damals nur ein paar Tage dort, hätten uns aber sicher noch viel länger gut beschäftigen können!

Montag, 26. Februar 2024

Schwere See - das Piratenabenteuer in Vlatten

 Wer diesen Blog verfolgt - falls das überhaupt irgendwer tut *hust hust* - weiß, dass ich immer zu positiver Berichterstattung neige. Das liegt weder daran, dass ich dazu gezwungen werde (dieser Blog wird nicht gesponsort, ich berichte hier nur über Veranstaltungen, zu denen ich Tickets selbst erworben habe und kann folglich ganz unvoreingenommen schreiben, was ich denke), noch daran, dass ich extrem leicht zufriedenzustellen wäre. Nein, es ist eher so, dass ich es bei Veranstaltungen, die mir im Nachhinein absolut nicht nennenswert erscheinen vorziehe zu schweigen. Passiert selten, aber halt schon hin und wieder, und wenn ich nichts Konstruktives darüber zu sagen habe, halte ich halt ganz die Klappe.

Warum ich das schreibe? Nun, weil ich mich mit dem Bericht zum Piratenabenteuer 2021 ein wenig schwer tue.

Ich habe das Piratenabenteuer erlebt, als es noch Pirates hieß und in Jülich stattfand, ebenso wie den Umzug nach Zülpich, und ich verbinde viele schöne Erinnerungen mit der Veranstaltung, der man immer angemerkt hat, dass sie ein Liebhaberprojekt ist. Ein weiterer Umzug, diesmal nach Heimbach-Vlatten, war darum für mich auch kein Ausschlusskriterium. Kleiner als zuvor? Das muss schließlich nicht per se schlecht sein, denn 'klein' heißt bei Veranstaltungen mit speziellem Thema wie dieser oft auch 'intim' und verspricht eine besondere Atmosphäre. So war auch hier viel Szenepublikum anwesend, was für mich immer ein ziemlicher Wohlfühlfaktor ist. (Das mit den interessierten Tagesgästen ist für mich ein wenig wie mit Touristen: man braucht sie, aber so richtig mögen tun sie doch eigentlich die wenigsten Einheimischen. ;)) Auch die Campsite war wohl mit Abstand die entspannteste, die ich in meinem mittlerweile doch recht langem Leben als Festivalgänger erleben durfte, mit guter Stimmung und viel gegenseitiger Rücksichtnahme.

Auch am Programm gab es im Grunde wenig auszusetzen: Es war sicher nicht leicht, in diesen unsicheren Zeiten ein Line-Up zusammenzustellen, darunter Top-Namen der Szene, alte und neue Bekannte wie Ye Banished Privateers, Punch'n'Judy oder Pyrolysis. Es dürfte auch nicht leicht gewesen sein, dass die Region kurze Zeit zuvor von der verheerenden Flutkatastrophe getroffen wurde - Schäden an der Cutlass Taverne, in der ein Teil der Veranstaltung stattfand, inklusive - hier wurde zweifelsohne hart gearbeitet, um all das so kurzfristig überhaupt möglich zu machen.

Wo lag also das Problem? Kurz gesagt: organisatorisch lief hier vieles leider einfach nicht rund. Spielpläne für die Bands sowie generell aktuelle Infos lagen online nicht vor, und die teilweise auf dem Gelände vorzufindenen Pläne - auf Tafeln geschrieben oder ausgedruckt - stimmten oft nicht. Es gab viel Leerlauf, den man nicht wirklich nutzen konnte, zumal das Angebot an Ständen leider nicht sehr groß war. Mehrere Stunden gingen außerdem mal eben flöten, weil es Gerüchte gab, dass der für den Einlass unerlässliche Corona-Test nicht für das ganze Wochenende reichen würde. Vlatten verfügte jedoch über keine Teststelle, sodass ein Ausflug nach Zülpich nötig wurde - am Wochenende ohne Auto in der ziemlich abgelegenen Region eine wahre Freude mit dem Bus, Umstieg und Wartezeiten inklusive. Am Ende wäre es vermutlich doch nicht notwendig gewesen, doch niemand wusste etwas oder hatte eine Idee, wer etwas wissen konnte, sodass die Teststelle ein Festival-Treff wurde, denn sicher ist schließlich sicher. Vor der großen Bühne gab es dann auch noch ein seltsames Vereinzelungssystem, das niemand so recht zu verstehen schien und welches mitunter viel Zeit kostete. Für ein nicht gerade günstiges Festival eines Veranstalters mit jahrelanger Erfahrung fand ich die Organisation und Kommunikation offen gestanden ziemlich enttäuschend, doch schieben wir es wie alles auf die fragwürdigen Umstände dieser Zeit und hoffen, dass wir solche Maßnahmen einfach nie wieder brauchen werden.

Was dann aber an Konzerten und Programm lief, war wie gewohnt hochklassig und ein großer Spaß. Man merkte, dass alle Beteiligten gerne tun, was sie tun, und dass es für alle schön war, endlich mal wieder raus zu kommen, auf einer Bühne zu stehen, zusammen zu feiern - zeitübliches Hygienekonzept natürlich immer inklusive.

Ich hoffe, mein Bericht wirft jetzt keinen zu negativen Eindruck auf die ganze Sache, denn das ist definitiv nicht meine Absicht. Beim nächsten und bislang letzten Piratenabenteuer 2022 war ich leider aus finanziellen Gründen nicht dabei (das Kreuz meines aktuellen Lebens, haha...haaaa), doch sollte sich die Möglichkeit ergeben, gebe ich der Veranstaltung unter regulären Bedingungen liebend gerne nochmal eine Chance, weil ich weiß, mit wie viel Herzblut die Beteiligten bei der Sache sind und man das auch immer spürt. Es wäre eine Schande, wenn so ein Projekt ausgerechnet an organisatorischen Problemen kränkeln müsste.

Freitag, 23. Februar 2024

Immer wieder schön - Spaziergang durch den Aachener Tierpark

 Eine der wenigen konstanten Freuden während der Corona-Zeit waren diverse Besuche in Zoos und Tierparks, so auch dieser Besuch im Aachener Tierpark im Juli 2021. Ich weiß, dass einige dieses Vergnügen kritisch sehen und könnte eine lange Diskussion darüber führen - tue ich aber an dieser Stelle nicht. Für mich ist das etwas, was ich schon immer sehr genieße und womit ich sehr viele schöne Erinnerungen mit vielen mir wichtigen Menschen verbinde, also werde ich einfach wie üblich einige dieser Momente hier teilen:






Donnerstag, 22. Februar 2024

Folk auf Bierbänken - das Hock Rock Borken

 Wie schon erwähnt, war das Jahr 2021 veranstaltungstechnisch eher eine Art schwarzes Loch als alles andere. Dies änderte sich erst im Juli dank des Veranstalters des allseits bekannten Mittelalterlich Phantasie Spectaculum, dem es irgendwie am Ende doch noch gelungen war, ein Konzept zu entwickeln, welches von den Behörden während der Corona-Zeit abgenommen wurde - die Geburt das Hoch Rock.

Dafür ging es zurück auf ein Gelände, welches für die regulären MPS-Versnatltungen zu diesem Zeitpunkt bereits zu klein geworden war: nach Borken, an den Pröbstingsee. Mit stark limitierter Besucherzahl, Maskenpflicht und Kleingruppen-Bestuhlung an Bierzeltgarnituren hatte die Veranstaltung vom Ambiente natürlich nicht den üblichen phantastischen Charme eines MPS-Events, doch ich erinnere mich noch sehr genau, wie absolut glücklich es mich damals machte, endlich überhaupt einmal wieder raus zu dürfen und live Musik zu genießen!

Hinzu kam, dass das Line-Up einfach gewaltig war. Meine Freundin und ich entschieden uns damals für einen Besuch am ersten Veranstaltungstag, weil die Musikauswahl dort perfekt auf uns zugeschnitten war. Als es dann endlich so weit war und der Spaß losging, störte sich auch niemand mehr an dem eher unsommerlichen, kühl-nassen Wetter.


Eröffnet wurde das Festival von Shireen. Die niederländische Band, die ihre Musik selbst als Witchpop bezeichnet, war keine unbekannte für uns, hatte jedoch an diesem Tag das erste Mal die Ehre, sich dem deutschen MPS-Publikum vorzustellen. Mit ihrer ziemlich einzigartigen Musik und der wie gewohnt fesselnden Live-Performance brauchten sie auch nicht lange, auch dieses Publikum in ihren Bann zu ziehen.


Weiter ging es nach einer Umbaupause dann mit Faun, die wie immer einen absolut magischen Auftritt hinlegten. Für die Band war es damals selbst das erste Konzert nach neun Monaten Corona-Zwangspause, und für die Fans war es zudem die erste Möglichkeit überhaupt, Adaya, die der Band im Vorjahr beigetreten war, live auf einem Festival zu erleben. Da ist es doch kein Wunder, dass sowohl Band als auch Publikum mehr als enthusiastisch waren - doch obwohl es schwer fiel, die eigenen Beine zu bändigen, wurde sich an das Gebot gehalten, das Konzert nur im Sitzen zu genießen.


Headliner an diesem Abend waren dann zu guter Letzt Versengold. Auch ihnen merkte man an, wie viel Freude es ihnen machte, endlich wieder vor Publikum spielen zu dürfen, und die feierliche Stimmung übertrug sich auch auf das Publikum - vielleicht konnte man nicht tanzen, dafür aber umso lauter mitsingen!

Viel zu früh ging dann ein wunderschöner Abend auch schon wieder zu Ende. Leider erfuhren wir genau an diesem Tag auch, dass das ursprünglich zur Durchführung freigegebene Castlefest in den Niederlanden wegen neuer behördlicher Anordnungen kurzfristig abgesagt werden musste - ein trauriger Reminder, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch sehr weit von allem entfernt waren, was man als 'Normalität' hätte bezeichnen mögen.