Mittwoch, 9. September 2015

Manga Rezension: Namida Usagi von Ai Minase

Vor einiger Zeit ging in Deutschland die Shojo-Manga Reihe "Namida Usagi - Tränenhase" zu Ende. Diese möchte ich an dieser Stelle einmal vorstellen.

Autor: Ai Minase
Titel: Namida Usagi - Tränenhase [Japanischer Originaltitel: Namida Usagi - Seifuku No Kataomoi]
Erschienen: Ab 2009 in Japan, ab 2013 in Deutschland
Verlag: EMA
Bände: 10 (abgeschlossen)

Die Handlung von "Namida Usagi" beginnt am ersten Tag eines japanischen Mittelschool-Trimesters. Alle sind aufgeregt und fragen sich, wer wohl ihr neuer Sitznachbar werden wird. So auch die schüchterne Momoka Usami, Hauptperson des Mangas. Zunächst scheint es, als hätte sie ziemliches Pech bei der Sitzplatzverteilung: Als Nachbar wird ihr der verschrobene Takahiro Narumi zugewiesen, der ihr erstmal glatt die kalte Schulter zeigt. 

Doch "Namida Usagi" wäre kein richtiger Shojo-Manga, wenn es dabei bliebe. Bald schon entdeckt Momoka, dass Narumi eigentlich gar nicht so unausstehlich ist, wie sie am Anfang befürchtet hatte und es kommt, wie es kommen musste: Sie verliebt sich in ihn.

Doch wie man anhand der Länge des Mangas (immerhin 10 Bände) schon ahnen kann, steht einer glücklichen Beziehung einiges im Weg. "Namida Usagi" verfolgt nun Momokas Kampf um Narumis Herz, die Schwierigkeiten in ihrer Beziehung zueinander und natürlich auch das ganz normale Leben um sie herum.

Mir persönlich hat "Namida Usagi" vom Anfang bis zum Ende sehr gut gefallen. Aufgefallen war mir der Manga wegen den für mich äußerst ansprechenden, pastellfarbenen Coverartworks und den schönen, aber nicht zu übertrieben niedlich wirkenden Zeichnungen. 

Auch die Story konnte mich überzeugen, da ich genau solche ruhigen und unaufgeregten Shojo / Slice of Life-Titel mag. Hauptperson Momoka ist ein Mädchen, das man schnell lieb gewinnt: Sie ist niedlich, sympathisch und einfach normal, wodurch man sich gut mit ihr identifizieren kann. Auch ihre und Narumis Mitschüler werden ab und an einmal in den Fokus gestellt und bleiben so zum Glück nicht nur charakterloses Beiwerk. 

Für mich war "Namida Usagi" definitiv einer der schönsten Shojo-Titel, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Wer auch an Titeln wie "Kare Kano", "Nah bei dir - Kimi Ni Todoke" oder "Bokura ga Ita" Gefallen findet, sollte definitiv mal einen Blick riskieren!

Meine Wertung:

♥ ♥ ♥ ♥ ♥
[5/5]

Schwedische Küche: Janssons Versuchung

Vorletztes Wochenende ist es passiert: Mich überkam die Lust, etwas in der Küche auszuprobieren. Da mich zudem auch noch ziemlich das Fernweh gepackt hatte (und auch bisher nicht wieder losgelassen hat), sollte es etwas Schwedisches werden.

Also wurden die Kochbücher gewälzt und die Entscheidung fiel schließlich auf einen Klassiker der schwedischen Küche: Janssons Frestelse oder zu Deutsch Janssons Versuchung.

Bei dem Gericht handelt es sich um einen Kartoffel-Anchovis Auflauf, der in Schweden traditionell zum Weihnachtsessen gehört, jedoch auch rund um das Jahr gegessen wird. 
Und ich gestehe: gegessen hatte ich Janssons Frestelse bisher nur als Fertigprodukt während vergangener Schwedenaufenthalte. Höchste Zeit also, sich einen vernünftigen Überblick zu verschaffen, wie das ganze als echte Hausmannskost schmeckt!
Janssons Frestelse - von oben betrachtet :D


Zutaten:

6-8 Kartoffeln (je nach Größe)
2 Zwiebeln
125g Anchovisfilet (in Ölmarinade)
200 ml Sahne
Semmelbrösel und Butter zum Gratinieren


Zubereitung:

Zunächst werden die Kartoffel geschält, in Stifte geschnitten und für eine Weile in ein Wasserbad gelegt. Während die Kartoffeln ziehen, kann man sich schonmal an die Zwiebeln wagen. Auch diese werden geschält und geschnitten und dann in der Pfanne kurz angebraten.

Die Anchovisfilets werden aus ihrer Marinade geholt, die Marinade dabei aber aufgehoben - die brauchen wir später noch. 

Als nächstes benötigt man eine nicht zu niedrige Auflaufform. Deren Boden wird mit der Hälfte der Kartoffelstifte bedeckt, darauf kommen dann die Zwiebeln und schließlich die Anchovisfilets. Mir persönlich waren diese so, wie sie aus dem Glas kamen, zu groß, weswegen ich sie vorher etwas zerpflückt habe. Das Ganze wird dann noch mit den restlichen Kartoffeln bedeckt und mit der Hälfte der Sahne und der Anchovis-Marinade bedeckt und je nach Geschmack mit etwas Pfeffer gewürzt. Salzen ist nicht nötig, die Anchovisfilets bringen genug Salz mit!

Der Auflauf kommt nun in den auf 200°C vorgeheizten Ofen. Die Backzeit beträgt ca. 50-60 Minuten. Nach etwa der Hälfte der Zeit werden noch der Rest der Sahne und der Anchovismarinade hinzugefügt, außerdem erhält der Auflauf noch eine Schicht aus Semmelbröseln und Butterflöckchen. Fertig ist Janssons Versuchung!

***

Mir persönlich hat der Auflauf total gut geschmeckt, allerdings würde ich beim nächsten Mal vermutlich nicht mehr die ganze Anchovis-Marinade verwenden, da diese (zumindest die von mir verwendete) wirklich sehr salzig und auch ziemlich ölig war. Trotzdem bin ich mir sehr sicher, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein wird, dass ich diesen leckeren Auflauf gemacht habe!

Von Janssons Frestelse existieren übrigens auch verschiedene Alternativen wie Karlssons Frestelse, für das anstelle von Anchovisfilets Bücklinge verwendet werden. Und auch wer partout keinen Fisch mag, muss nicht auf eine Variation dieses Gerichts verzichten - dafür sorgt die fisch-freie Variante Svenssons Frestelse. :)

Montag, 7. September 2015

Bandvorstellung: Stormfrun

Beim gerade vergangenen Pirates-Festival haben die Schweden von Ye Banished Privateers ein wenig die Werbetrommel gerührt für eine weitere Piratenband aus ihrem Heimatland: Stormfrun.

Mein Interesse war geweckt, die Recherche ergab Folgendes: Stormfrun kommen aus Eskilstuna und machen laut ihrer Homepage seit 10 Jahren gemeinsam Musik. Es ist ihr Ziel, die Geschichte des 17. & 18. Jahrhunderts aus der Sicht einer Piratenmannschaft zum Leben zu erwecken. Dafür beschäftigen sie sich auch selbst eingehend mit dieser Geschichte und nähen ihre eigene Kleidung. Auf der (leider nur schwedischen) Homepage der Band gibt es auch einige informative weiterführende Links zur Zeit der Piraten.

Stormfrun spielen Folk, und zwar sowohl traditionelle Lieder als auch eigene Stücke. Die Texte sind in Englisch und Schwedisch gehalten. Die Band hat auch schon eine CD veröffentlicht. Als Hörprobe möchte ich euch ihr Video zum Song "Djävlar från Havet" (für weiteres Textverständnis die Untertitel aktivieren :P) nicht vorenthalten:


Also ich kann mich jedenfalls der Meinung der Privateers nur anschließen, dass auch Stormfrun unbedingt einmal für den einen oder anderen Auftritt nach Deutschland eingeladen werden sollten! ;)

Sonntag, 6. September 2015

Der Herbst ist da!

Noch Anfang dieser Woche wollte ich es kaum glauben, dass der Sommer nun tatsächlich schon vorbei sein soll. Bei über 30°C am vergangenen Montag fiel das aber auch wirklich schwer! Doch mittlerweile kann ich es einfach nicht mehr ignorieren: Es ist Herbst geworden.

Heute war ich mit meinem Vater das erste Mal in diesem Jahr Pilze sammeln. Jedes Jahr im Herbst zieht es uns zu diesem Zweck zusammen in den Wald. Und wir sind auch tatsächlich schon fündig geworden:


Es ist zwar noch nicht viel, aber wir hatten auch schon schlechtere Starts in die Pilzsaison.

Ich kann eigentlich jeder Jahreszeit etwas abgewinnen, so auch dem Herbst. Ich mag die Zugvögel, die Spaziergänge zwischen buntem Laub, das Pilze suchen und das Brombeerpflücken. Aber eine gewisse Wehmut bleibt: Wie konnte der Sommer, in dem es so viel zu erleben gab, nur wieder so schnell vorrüber ziehen?

Dieses Jahr kam mir der Sommer einmal wieder besonders kurz vor. Obwohl ich nicht in den Urlaub fahren konnte, bin ich viel unterwegs gewesen und habe viele schöne Dinge erlebt. 

Jetzt wird es wohl erstmal wieder etwas ruhiger werden. Ein Festivalwochenende steht mir wohl noch bevor, aber ansonsten bleibt viel Zeit für Anderes. Gut, dass ich noch so viel Lesestoff habe, der auf mich wartet! Und das ein oder andere Bastel/Handarbeitsprojekt schwebt mir auch noch vor...

Irgendwie werde ich die kommenden kühleren Tage schon herumkriegen! :)

Ein schöner Ausflug nach Köln

Am vergangenen Dienstag habe ich mit einer Freundin wieder einen schönen Ausflug unternommen. Dieses Mal führte uns unser Weg nach Köln. Das Wetter war leider ziemlich bescheiden, aber bei unseren Plänen machte das zum Glück recht wenig.

Unser erstes Ziel lag direkt in Sichtweite des Doms: Das Römisch-Germanische Museum!
Das Römisch-Germanische Museum

Dieses archäologische Museum hat mich wirklich tief beeindruckt. Es gab so viel zu sehen, dass ich gar nicht weiß, wo ich mit dem Erzählen anfangen soll. Erbaut wurde das Museum über den Grundmauern einer römischen Stadtvilla, wovon unter Anderem das prächtige Dionysus-Mosaik zeugt. Dieses riesige und prachtvolle Mosaik zierte wohl einst den Fußboden eines Speisesaals. Man kann nur erahnen, um was für eine prachtvolle Villa es sich bei so einem Speisesaal einst gehandelt haben muss!

Ansonsten beschäftigt sich das Römisch-Germanische Museum anhand archäologischer Funde mit der Stadtgeschichte Kölns. Obwohl - wie der Name ja nahelegt - dabei die Geschichte zur Zeit der Römer im Fokus steht, werden auch Funde aus der Steinzeit bis ins Mittelalter gezeigt. Es gibt eine unheimlich große Anzahl an Alltagsgegenständen wie Keramik oder Glaswaren zu sehen, aber auch Skulpturen, Gedenksteine, Schmuck und noch vieles mehr. Ein wahrer Hingucker ist auch der rekonstruierte Grabbau des römischen Legionsveteranen Lucius Poblicius, das in seiner schieren Größe einfach überwältigend ist. 

Zur Zeit unseres Besuchs gab es zudem noch zwei Sonderausstellungen. Eine davon widmete sich der Wasserversorgung bei den Römern. Es gab sehr viel Informatives zu lesen, weswegen wir in diesem Teil der Ausstellung eine ziemlich lange Zeit verbrachten. Die technischen Leistungen, zu denen die Römer fähig waren, um ihren Städten eine gute Wasserversorgung zu gewährleisten, sind wirklich beeindruckend!

Die zweite Sonderausstellung trug den Titel "Medicus - Der Arzt im römische Köln". Zu dieser Ausstellung kann ich leider nichts sagen, denn das Museum war so riesig, dass wir es einfach nicht mehr in diese Sonderaussstellung geschafft haben - und das, obwohl wir über fünf Stunden im Museum verbracht haben. Vielleicht schaffen wir es ja, noch einmal wiederzukommen, bis die Ausstellung am 1. November endet. Denn wiederzukommen haben wir uns definitv vorgenommen.

Wieder draußen taten wir dann erstmal das, was wohl jeder Köln-Tourist macht und betrachteten den Dom. Obwohl ich ihn nun wirklich schon einige Male gesehen habe, ist er jedes Mal wieder ein imposanter Anblick in seiner beeindruckenden Größe!
Kölner Dom

Dann machten wir uns noch auf in Richtung Innenstadt, denn auch ein wenig Shopping stand noch auf unserem Plan. Auf dem Weg zu unserem eigentlichen Ziel entdeckten wir den wahrscheinlich tollsten Laden Kölns: Maus & Co. in den WDR-Arkaden! 

Das wohl ansprechendste Schaufenster Kölns :D
Leise unsere Begeisterung äußernd betraten wir das Paradies für alle, welche die Sendung mit der Maus, Shaun das Schaf und den Kleinen Maulwurf toll finden. Die freundliche Verkäuferin wies uns dann darauf hin, dass wir auch in laute Begeisterung ausbrechen dürften - denn das täten hier doch alle! ;)
Natürlich verließen wir den Laden nicht mit leeren Händen, Erwachsen werden kann man ja auch später noch...

Dann fanden wir aber wirklich den Weg zu unserem eigentlichen Ziel (nachdem wir uns geschätzte fünf Mal verlaufen hatten und dabei zweimal in eine Anti-Kapitalismus-Demo hineingeraten waren...): Der größte Postkartenladen Deutschlands wartete auf uns! Da wir beide Postcrossing machen, war das natürlich auch eine Art Paradies für uns. Ich hätte stundenlang damit zubringen können, mich durch die wunderschönen Kunstpostkarten zu blättern! Irgendwann entschieden wir uns dann aber doch, welche Karten es sein sollten und traten dann ziemlich kaputt den Rückzug zum Bahnhof an. Und wir waren uns einig: lass uns doch bald mal wieder nach Köln fahren! :)

Freitag, 4. September 2015

CD-Vorstellung: La Horde - Vous en reprendrez bien une tranche...

Hier folgt einer der letzten Titel meiner Bestenliste Musik 2014. Bald kann ich mich also endlich den zahlreichen spannenden Neuerscheinungen dieses Jahres widmen, und das ganz ohne Listendruck! :D

Interpret: La Horde
Album: Vous en reprendez bien une tranche... [Live 2013]
Erscheinungsdatum: 2014

Tracklist:
1. Intro | 2. Il est bien temps | 3. Salut, ça va? | 4. Drunken Sailor | 5. Nos amis les Français
 | 6. Inferno | 7. Prince Ali | 8. Chauds comme des petits pains | 9. Ulfednar | 10. Nos amis les Français II | 11. Ti amo | 12. Bella Ciao | 13. La blague d'Arno | 14. La Jument De Michao | 15. Merci Nathalie | 16. La Porte | 17. Faux départ - La blague d'Arno II | 18. Pour la Horde | 19. La blague d'Ar... de Nico | 20. Jean Petit | 21. Veux Morceau - Blanche neige | 22. 90's | 23. Joyeux anniversaire

Mit "Vous en reprendez bien une tranche..." hat es also auch ein Live-Album auf meine Bestenliste von 2014 geschafft. Verantwortlich für dieses Album sind die Belgier von La Horde, die bisher ein Album und eben jene Live-CD veröffentlicht haben.

Wer es nun vermessen findet, wenn eine so relativ junge Band gleich eine Live CD auf den Markt bringt, der kennt La Horde schlecht und hat sie wohl vor allem nie live gesehen. Die Lütticher verfügen nämlich über großartige Live-Qualitäten und bringen einfach jedes Publikum zum Tanzen!

"Vous en reprendez bien une tranche..." bietet so auch alles, was die Band zu bieten hat. Das wären zum einen traditionelle Folkstücke - teils mit Texte, teils rein instrumental - wie "La Jument De Michao" oder den allseits bekannten "Drunken Sailor", zum anderen aber auch Eigenkompositionen wie das hymnische "Pour La Horde". Und dann gäbe es da auch noch eine ganz besondere Spezialität der Band: unerwartete, aber stets absolut großartige Neuinterpretationen verschiedener Lieder. Ein schönes Beispiel dafür ist "Bella Ciao", welches sich bei La Horde wunderbar mit der den meisten aus alten Zeiten bekannten Tetris-Melodie ergänzt - alles als Folk-Version, versteht sich! In "90's" schafft es die Band sogar, dass man plötzlich das unbändige Bedürfnis verspürt, zu all jenen grässlichen Neunziger-Jahre-Eurodance-Stücken zu tanzen, von denen man damals schon als Kind geahnt hat, dass sie irgendwie scheiße sind.

Die Aufnahmequalität der CD stellt im Übrigen auch vollkommen zufrieden. Übernommen wurden auch die Ansagen der Band. Obwohl diese alle (soweit ich das meinem schlechten Schulfranzösisch entnehmen konnte) ziemlich unterhaltsam sind, sind sie auch oft richtig lang, was beim mehrmaligen Hören irgendwann etwas stört. Das ist aber eigentlich auch schon mein einziger Kritikpunkt an "Vous en reprendez bien une tranche...". 

Die CD, die es bei Liveauftritten der Band bisher für unglaublich günstige zehn Euro zu erstehen gab, kommt im schicken Digipack daher. Das Booklet ist sehr knapp gehalten, bietet aber Infos zu den Aufnahmeorten der Stücke sowie einige witzige "Pressestimmen" zum Album. Eine durch und durch gelungene Live-Veröffentlichung, die Lust macht, die Band möglichst bald wieder leibhaftig auf einer Bühne anzutreffen!

Meine Wertung:

♥ ♥ ♥ ♥ ♥
[5/5]

Hörprobe:


Donnerstag, 3. September 2015

Welcome To Tortuga - Das Pirates-Festival in Jülich

Für manch Unwissenden muss es seltsam erschienen sein, was am vergangenen Wochenende im sonst so beschaulichen Jülich passierte. Der Klang lauter Schüsse hallte durch die Luft und mehr als ein Captain Jack Sparrow wurde gesichtet. Bereits zum dritten Mal wurde der Brückenkopfpark nämlich zum Ziel von Piraten aus aller Welt als es wieder hieß: Pirates - eine abenteuerliche Zeitreise.

Hatte ich es letztes Jahr noch bei einem Tagesausflug belassen, wollte ich dieses Jahr das gesamte Wochenende dabei sein. Eine Freundin und ich hatten uns darum eine Campingparzelle auf dem an diesem Wochenende nur für Festivalbesucher reservierten örtlichen Campingplatz gegönnt. Und was war das für ein Luxus für uns, die wir von anderen Festivals das Campen auf schlecht gemähten, buckligen Wiesen an Autobahnen gewöhnt sind: Abgesteckte, nummerierte Parzellen! Sanitäranlagen mit echten Duschen! Ein Traum wurde wahr! ;)

Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten und notgedrungen noch einkaufen gegangen waren (ein Hinweis, dass die Sanitäranlagen nicht mit Toilettenpapier ausgestattet sind, wäre freundlich gewesen!) machten wir uns auf den Weg zum Gelände. Obwohl es erst Freitag Nachmittag war, war schon einiges los. Insbesondere Familien mit Kindern waren viele zu finden, was sicher auch durch das großartige Wetter begünstigt wurde. Dieses sollte sich zum Glück das ganze Wochenende über halten.
Schweres Geschütz - wenn auch nicht das schwerste ;)

Wir machten uns zunächst an eine Erkundung des Geländes, schlenderten über den Marktplatz von Port Royal und nach Porto Bello in die Südbastion. Auch bewunderten wir die durchweg aufwändig gestalteten Lager der verschiedenen anwesenden Piratengruppen. Gegen Abend begaben wir uns dann zur Hauptbühne, um uns dort "Die 3 Musketiere" anzusehen. Es handelte sich dabei um eine Lesung, die von Fecht - und Musikeinlagen begleitet wurde. Wir konnten allerdings nicht bis zum Ende bleiben, da wir unbedingt noch einen anderen Programmpunkt sehen wollten.

In Tortuga in der Nordbastion wurde nämlich das Open Air Action Theaterstück "Das Wasser des Alchemisten" aufgeführt, welches sicherlich eines der Highlights des Festivals ist. Wer Interesse hat: Im kommenden Jahr wird das Stück auch im wunderschönen Freilichttheater von Xanten aufgeführt werden. Ich überlege jetzt schon, ob sich ein Besuch einrichten lässt...

Aber zurück zum Pirates-Festival: nach der fulminanten Show war es nämlich noch lange nicht Zeit zum Schlafen gehen, gaben doch Mr. Hurley & die Pulveraffen noch ihr einziges Konzert bei diesem Pirates-Festival. Das ließen wir uns natürlich auch nicht entgehen, genauso wenig wie die ebenfalls anwesenden Ye Banished Privateers, von denen zwei die Band beim "Plankentanz" durch das Schütteln ihres Achterdecks unterstützten. :D

Der Samstag und der Sonntag standen dann für uns wesentlich im Zeichen einer ganz besonderen Band: Ye Banished Privateers! Die vielköpfige Band aus dem nordschwedischen Umeå war bisher bei jedem Pirates-Festival dabei - und wird es hoffentlich auch in Zukunft noch sein! Die Energie, die Ye Banished Privateers auf der Bühne freisetzen, ist einfach unbeschreiblich, das muss man selbst erlebt haben. Zudem gibt es immer noch die eine oder andere spezielle, piratige Bühneneinlage. Da spritzt auch schonmal Blut bis ins Publikum oder jemand endet am Galgen. ;)
Die Mannschaft hat es übel erwischt: Ye Banished Privateers

Am Samstag Abend gab es von der Band auch noch einen ganz besonderen Song zu Hören: "Devils Bellows" war ein Dankeschön für eine von deutschen Fans realisierte Spendenaktion. Akkordeonspieler Björn hatte auf dem Weihnachtsmarkt in Hannover sein Instrument verloren (oder vielmehr: es war ihm gestohlen worden). Mit der spontan ins Leben gerufenen Spendenaktion konnte innerhalb kürzester Zeit genug Geld gesammelt werden, um ihm sein Instrument zu ersetzen. Im Dankessong wurden darum alle Vornamen der Spender genannt. Wenn das mal keine schöne Art ist Danke zu sagen!

Die Fans revanchierten sich mit weiteren Geschenken: So hatte der Fanclub Geld gesammelt und der Band ein großes Banner geschenkt. Außerdem hatte jemand kleine Püppchen der Musiker angefertigt, so dass nun alle über wirklich tolle Miniaturausgaben ihrer Selbst verfügen.

Doch natürlich gab es auch noch andere Bands zu hören: So spielten beispielsweise noch Vroudenspil, die wir uns am Samstag auf der Hauptbühne auch von ganz vorne anschauten. Leider hatte die Band anfangs ziemliche Probleme mit der Technik, weswegen der erste Auftritt etwas kürzer als geplant ausfiel und die Band anfangs sichtlich genervt war. Irgendwann lief es dann aber zum Glück doch und die Fans, die trotz der verlängerten Wartezeit ausgeharrt hatten, wurden mit Songs wie "Küss mich" (einer meiner persönlichen Favoriten :P) entlohnt.
Vroudenspil

Ein weiteres musikalisches Highlight war am Samstag der erste Soloauftritt von Magda Andersson in Deutschland. Magda, die sonst auch bei Ye Banished Privateers singt, präsentierte am frühen Abend mit Unterstützung einiger Bandkollegen ihre eigenen, wunderschönen, ruhigen Folksongs. Das Besondere: sie sang fast ausschließlich auf Schwedisch! Obwohl also der Großteil des Publikums die Texte nicht verstand, hatten sich doch sehr viele eingefunden und lauschten gebannt, in gemütlicher Runde vor der Bühne sitzend. 

Magda Andersson

Magda spielte sowohl Songs von ihrer ersten EP und dem in Arbeit befindlichen ersten Album als auch einige Eigeninterpretationen anderer Lieder wie Cornelis Vreeswijks "Blues för Fatumeh" oder (was für besondere Begeisterung sorgte) "Blau wie das Meer" von Mr. Hurley & die Pulveraffen, inklusive eines "So-klingt-deutsch-wenn-du-es-nicht-verstehst" und eines schwedischen Teils. :D 

Letzteres Lied hat eine Freundin sogar als Video festgehalten, was ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte:


Doch natürlich gab es nicht nur Musik: Wie bei Piraten üblich wurde viel gekämpft und viel geschossen. Gerüchteweise sogar so viel und laut, dass es Anwohnerbeschwerden gab. ;) Gaukler unterhielten die Besucher mit ihren Künsten, Piraten und Marineangehörige maßen ihre Kräfte, Lesungen wurden gehalten, Theaterstücke vorgeführt, kurzum: es war für jeden Geschmack etwas dabei.
Es wurde viel gefochten in Jülich

Für das leibliche Wohl war natürlich auch gesorgt. Kulinarische Neuentdeckung des Wochenendes waren dabei für uns Curly Potatoes: Spiralkartoffeln mit verschiedener Würzung nach Wahl an einem Spieß. Sicher nicht unbedingt eine gesunde Hauptmahlzeit, aber unheimlich lecker!

Am frühen Sonntag Nachmittag wurde es dann für uns Zeit, die Welt der Piraten für dieses Jahr zu verlassen. Aber es sieht danach aus, dass wir alle nächstes Jahr wiederkommen dürfen: Das großartige Wetter hat in diesem Jahr für richtig gute Besucherzahlen gesorgt, so dass einem vierten Pirates-Festival im kommenden Jahr voraussichtlich nichts im Weg steht. Ich für meinen Teil bin dann gerne wieder mit dabei!