Mittwoch, 4. Juni 2014

Buchrezension: Federica De Cesco - Die goldene Kriegerin

Autor: Federica De Cesco
Titel: Die goldene Kriegerin

In Federica De Cescos (Jugend)buch "Die goldene Kriegerin" begibt sich der Leser ins Japan des ausgehenden 12. Jahrhunderts. Hauptperson ist die Kriegerin Tomoe Gozen, die von ihrem Leben erzählt. Sie wächst zusammen mit ihren drei Geschwistern und dem Ziehbruder Komao-Maru in einer höher gestellten japanischen Familie auf. Die Geschwister werden alle zu guten Kämpfern ausgebildet und Tomoe, die Tochter des Drachen, besitzt zudem die Fähigkeiten, zu den Tieren zu sprechen. Noch vor ihrem Eintritt ins Erwachsenenalter schwören die vier Geschwister Komao-Maru ewige Treue. Als Komao-Maru dann bei seinem Eintritt in die Welt der Erwachsenen von seiner wahren Herkunft erfährt, beschließt er, Rache an Verrätern aus seiner eigenen Familie zu nehmen und steigt durch seine kriegerischen Erfolge rasch hoch auf in der japanischen Gesellschaft. Natürlich macht er sich damit nicht nur Freunde, doch die vier Geschwister, die ihren Eid nicht vergessen haben, bleiben immer an seiner Seite und unterstützen ihn auf seinem Weg... 

Die von Federica De Cesco erzählte Geschichte ist teilweise historisch, jedoch ist unsicher, ob Tomoe Gozen wirklich gelebt hat. Behauptet der Klappentext des Buches, dass es hier hauptsächlich um die unerwiderte Liebe von Tomoe zu ihrem Ziehbruder geht, liegt das eigentliche Hauptaugenmerk eher auf den Taten eben jenes Ziehbruders und den Intrigen des Altkaisers. Die wenigen Liebesszenen wirkten auf mich beim Lesen eher störend, da sie mir zwischen all den Schlachtschilderungen zu kitschig und deplaziert vorkamen. Der Schreibstil des Buches hat mir hingegen gut gefallen und auch die Einblicke, die man in die japanische Gesellschaft jener Zeit erhält, waren sehr interessant. 

Insgesamt also ein gutes Buch, wenn man sich nicht vom Klappentext irreführen lässt, denn eine Liebesgeschichte findet man hier meiner Meinung nach wirklich nur am Rande. Vielmehr geht es um Ehre und Loyalität und die Kampfszenen und Schilderungen der politischen Lage sind sehr ausführlich. Das alles finde ich äußerst positiv, jedoch hätte das Buch meiner Meinung nach anders beworben werden müssen, denn so kann es für den einen oder anderen leicht zu einem Fehlkauf kommen, weil das Versprochene nicht mit dem Inhalt im Einklang ist.

Meine Wertung:

♥ ♥ ♥
[3/5]

Buchrezension: Rainer M. Schröder - Das Kloster der Ketzer

Autor: Rainer M. Schröder
Titel: Das Kloster der Ketzer


"Das Kloster der Ketzer" von Rainer M. Schröder ist ein historischer Roman für Jugendliche. Die Handlung des Romans ist in der Zeit der Reformation in Deutschland angesetzt. Die Hauptperson des Romans ist der junge Sebastian, dessen Leben sich schlagartig ändert, als die Häscher des Domherren von Passau beginnen ihn zu jagen. Er hat keine Ahnung, warum er verfolgt wird, doch mit einiger Hilfe gelingt es ihm, in einem Zisterzienserkloster Unterschlupf und Schutz zu finden. Im Gepäck eine vermeintlich ziemlich wertlose Reisebibel, die ihm seine Ziehmutter vor der Flucht mit auf die Reise gegeben hat. Doch auch in dem Kloster gehen merkwürdige Dinge vor sich und Sebastian begibt sich mit dem Stallburschen Lukas, der auch nicht ist, was er vorgibt zu sein, auf die Suche nach Antworten. 

An sich ist "Das Kloster der Ketzer" ein interessantes Buch mit Hauptcharakteren, die einem sympathisch sind. Leider fand ich die Story des Romans an der ein oder anderen Stelle ziemlich vorhersehbar, was das Lesevergnügen doch etwas gemindert hat. Ebenfalls etwas gezwungen wirkte auf mich der Versuch des Autors, Wissen über das Leben in einem Kloster in jener Zeit und über den Buchdruck zu vermitteln. Das, was hier vermittelt wird, ist zwar wirklich interessant und lehrreich, jedoch fügt es sich stellenweise meiner Meinung nach nicht besonders gut in den Erzählfluss. Das Buch weist also für mich einige Schwächen auf, ist aber trotzdem noch durchaus lesenswert.

Meine Wertung:

♥ ♥ ♥
[3/5]

Buchvorstellung: Die Bücher vom Heiligen Gral von Bernard Cornwell

Meine nächste Buchvorstellung führt ins Mittelalter. Auch dieses Mal handelt es sich wieder nicht um einen einzelnen Roman, sondern um eine Romantrilogie. Ich möchte euch die "Bücher vom heiligen Gral" von Bernard Cornwell vorstellen.

Inhalt:

Die Trilogie beginnt mit dem Roman "Der Bogenschütze" (Original: Harlequin). Die Handlung setzt am Ostermorgen des Jahres 1342 ein. Der junge Thomas muss miterleben, wie sein Dorf an der englischen Küste von einer Gruppe französischer Schiffe überfallen wird. Die Gruppe unter Führung eines mysteriösen, schwarzen Ritters, der sich als "Harlekin" bezeichnet, brennt das Dorf nieder, tötet die meisten Einwohner und stiehlt den Kirchenschatz, die Lanze von Sankt Georg. Thomas' Vater, der Pfarrer des Dorfes, überlebt den Überfall nicht. Bevor er jedoch stirbt, verrät er seinem Sohn noch, dass es sich beim Harlekin um einer Verwandten handele. Thomas schwört Rache für den Tod seines Vaters, doch dieses Vorhaben lässt sich nicht so leicht in die Tat umsetzen. Sein Feind scheint ihm immer einen Schritt zuvor zu sein und verfügt anscheinend über die mächtigste Waffe des Christentums, den heiligen Gral. Auch kann er sich nicht voll und ganz auf die Suche konzentrieren. Als Bogenschütze wird er in den Hundertjährigen Krieg hineingezogen.

Im zweiten Band "Der Wanderer" (Original: Vagabond) erhält Thomas schließlich vom englischen König den offiziellen Auftrag, den Heiligen Gral zu suchen. Die Suche entwickelt sich auch zu einer Reise in die Geschichte seiner eigenen Familie. Als Soldat hat Thomas zusätzlich noch zahlreiche Schlachten im Hundertjährigen Krieg zu schlagen, doch irgendwann trifft er dann endlich wieder auf den schwarzen Ritter, dem er Rache für den Tod seines Vaters und die Zerstörung seines Dorfes geschworen hatte.

Im abschließenden Band der Trilogie, "Der Erzfeind" (Original: Heretic), läuft die Handlung auf das große Finale zu, und das im Großen wie im Kleinen. Im Hundertjährige Krieg werden immer blutigere Schlachten geschlagen und Thomas kommt auf seiner Suche nach dem Geheimnis des Heiligen Grals seinem Ziel immer näher...

Fazit:

Bernard Cornwell ist einer der ganz großen Autoren moderner und spannender historischer Romane. Eine seiner großen Stärken ist die Beschreibung von Schlachten. Diese sind ihm auch in den Büchern vom Heiligen Gral überaus gut gelungen. Die Kämpfe des Hundertjährigen Krieges werden hier vor den Augen des Lesers in all ihrer Grausamkeit und Brutalität lebendig. Dennoch verliert der Autor sich nicht in übertrieben blutigen Metzeleien. Stattdessen vermittelt er einen guten Einblick in die Strategien der Kriegsführung, in den Einsatz der unterschiedlichen Waffen und die Gefühle der kämpfenden Soldaten.

Die Rahmenhandlung schien mir im Falle dieser Trilogie jedoch etwas ungewöhnlich. Mit der Suche nach dem Heiligen Gral wird eines der ältesten Themen der europäischen Literatur aufgegriffen. Der Gral fungiert hier jedoch nur als Rahmen für die Suche von Thomas nach seiner Familiengeschichte. Insgesamt finde ich, dass sich die Gralsgeschichte nicht besonders gut in die Gesamthandlung einfügt. Mich persönlich hat sie eher irritiert bis genervt, als dass ich sie als spannend betrachtet hätte. 

Insgesamt ist die Trilogie, wie alle Bücher, die ich bisher von Bernard Cornwell gelesen habe, durchaus lesenswert. Jedoch handelt es sich bei den "Büchern vom Heiligen Gral" für mich um eines der schwächeren seiner Werke. Anfängern würde ich empfehlen, mit einem anderen Buch des Autors zu beginnen. Empfehlenswert finde ich zum Beispiel die Uthred-Reihe oder die Artus-Chroniken.

Meine Wertung:

♥ ♥ ♥
[3/5]

Buchvorstellung: Die Kinder der Erde von Jean M. Auel

Beginnen möchte ich meine Reise in die Welt der historischen Romane mit dem sechsbändigen Romanzyklus "Die Kinder der Erde" von Jean. M. Auel. Von allen hier vorgestellten Romanen sind es diese sechs, die den Leser am tiefsten in die Vergangenheit führen. Die Serie spielt im Jungpaläolithikum.

Inhalt:

Im 1980 erschienenen ersten Band der Serie, "Ayla und der Clan des Bären" (Original: The Clan Of The Cave Bear), lernen die Leser Ayla, die Hauptperson der Romanreihe kennen. Zu Beginn der Handlung ist sie ein kleines Mädchen und gehört zu den Cro Magnon Menschen, den Vorgängern unseres modernen Menschen. Bei einem Erdbeben verliert sie ihre Familie und jede Erinnerung an ihr bisheriges Leben. Dass sie überlebt, verdankt sie nur Iza, einer Neanderthaler-Frau, die ihren Clan überredet, sich des geschwächten Mädchens anzunehmen. Der erste Band beschäftigt sich nun mit ihrem Leben bei dieser Gruppe von Neanderthalern, wobei die Unterschiede zwischen Cro Magnon Menschen und Neanderthalern verdeutlicht werden.

Im zweiten Band "Ayla und das Tal der Pferde" (Original: The Valley Of Horses) folgen die Leser Ayla auf ihrer Suche nach anderen Menschen ihrer Art. Den Großteil dieses Bandes verbringt Ayla, die mittlerweile zur jungen Frau herangereift ist, alleine in einem Tal am Rande der Steppe. Des Roman beschäftigt sich damit, wie ihr Leben aussieht, wie sie jagt, Handwerken verrichtet und lernt, Tiere zu ihren Gefährten zu machen. Der Roman folgt aber auch der Geschichte eines anderen Menschen, Jondalar, der mit seinem Bruder Thonolan auf einer Reise ist. Erst am Ende treffen beide schließlich zusammen, Ayla verliebt sich in Jondalar und verlässt mit ihm ihre bisherige Heimat.

Der dritte Band "Ayla und die Mammutjäger" (Original: The Mammoth Hunters) führt die junge Frau und den gutaussehenden Jondalar zu einem Volk von Mammutjägern. Ayla lernt langsam wieder die Sprache und Gebräuche ihrer eigenen Art, doch ihre Beziehung zu Jondalar gerät in eine Krise und droht fast zu zerbrechen. 

Der vierte Band, "Ayla und das Tal der großen Mutter" (Original: The Plains Of Passage), ist von konstanter Bewegung geprägt. Ayla und Jondalar machen sich auf die lange und beschwerliche Reise in Jondalars Heimat, da dieser sich verpflichtet fühlt, nach Hause zurückzukehren um seine Familie vom Tod seines Bruders Thonolan zu berichten. Auf dem Weg haben sie viele Gefahren zu bestehen und treffen auf mehrere Menschengruppen, die alle unterschiedlich leben. Obwohl Ayla sich vor dem Zusammentreffen mit Jondalars Familie fürchtet, ist sie froh, als das Ende ihrer Reise endlich kommt, da sie schwanger ist.

Im vorletzten Band "Ayla und der Stein des Feuers" (Original: The Shelters Of Stone) lernt Ayla Jondalars Heimat und seine Familie kennen. Hat sie zunächst Probleme, sich einzufügen, erfährt sie durch ihre noch bei den Neanderthalern gewonnenen medizinischen Kentnisse bald Anerkennung und beginnt eine Ausbildung zur Priesterin. Am Ende bringt sie eine gesunde Tochter zur Welt.

Der letzte Band "Ayla und das Lied der Höhlen" (Original: The Land Of Painted Caves) erschien erst 2011, also über 30 Jahre nach dem ersten Band. In diesem Abschlussband geht es im Wesentlichen um Aylas Ausbildung zur Priesterin. Der Leser verfolgt mit, was sie lernen muss und welche Entbehrungen sie dafür in Kauf zu nehmen hat, wieder einmal leidet ihre Beziehung. Einen großen Teil des Buches machen Beschreibungen von Höhlenmalereien aus, die Ayla im Zuge ihrer Ausbildung besichtigt.

Fazit:

"Die Kinder der Erde" ist ein Romanzyklus, an dem sich die Geister scheiden. Keines der Bücher misst in der deutschen Version unter 600 Seiten, einige sind mehr als 1000 Seiten lang. Diese Seiten sind oft nicht mit Abenteuergeschichten, sondern mit Alltagsbeschreibungen gefüllt, denn Jean M. Auel liebt es offensichtlich, ausführlich zu beschreiben. In anderen Rezensionen habe ich gelesen, dass viele sich daran stören. Mir ging es nicht so. Ich fand es unheimlich spannend, gerade diesen ganz normalen Tätigkeiten zu folgen. Es hat mir Spaß gemacht zu lernen, was Ayla über die Anwendung verschiedener Pflanzen gelernt hat. Ich fand es spannend, wie dank der ausführlichen Beschreibung die eiszeitliche Landschaft vor meinen Augen erblüht ist. Bei der Beschreibung von Aylas Besuchen in den Höhlen mit den Malereien hatte ich teilweise fast das Gefühl, selber vor diesen Kunstwerken zu stehen und ihre Konturen nachzufühlen.

Auch was den historischen Gehalt der Romane anging, haben viele das Werk kritsiert. Ein oft genannter Kritikpunkt war dabei, dass die Sitten der dargestellten Cro Magnon Menschen zu sehr an die modernen Urvölker angelehnt seien. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, was dagegen spricht. Die dargestellte Epoche ist so fern jeglicher schriftlicher Überlieferung, dass meiner Meinung nach nur ein solches Vorgehen die Handlung mit glaubwürdig dargestelltem Leben füllen konnte. Und auch andere Autoren arbeiten ja ganz bewusst nach dem Prinzip der Potentialität und füllen Leerstellen mit Ideen, wie es gewesen sein könnte. Liest man ein Buch, dass in einer so fernen Vergangenheit spielt, bewusst, sollte einem ohnehin klar sein, dass das, was dort geschrieben steht, nur ein Deutungsvorschlag sein kann. Was Jean M. Auel betrifft, finde ich jedenfalls, dass sie einen ganz hervorragenden Deutungsvorschlag geliefert hat. Außerdem enthalten die Bücher auch zahlreiche Elemente, die wirklich eindeutiges und abgesichertes Wissen über die dargestellte Zeit liefern. Der Beginn der Domestitierung der Tiere, welcher in diese Zeit fällt, wird beschrieben. Zahlreiche typische Kunstwerke wie die Höhlenmalereien oder die Venusfiguren werden ausführlich vorgestellt. Auch ein Einblick in die bekannten Techniken der Jagd sowie verschiedene Waffentypen und ihre Herstellung wird vermittelt. 

Prüde Menschen könnten sich an den recht häufigen und ausführlichen Darstellungen von Geschlechtsverkehr stören, das gebe ich zu. Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.
Ich habe mich nicht daran gestört, hätte aber auch mit einigen weniger leben können. 

Zusammenfassend kann ich sagen, dass "Die Kinder der Erde" für mich einer der besten und beeindruckendsten Romanzyklen war, die ich je gelesen habe. Durch die Bücher habe ich viel über Stein- und Eiszeit, über Cro Magnon Menschen und Neanderthaler, gelernt und wurde animiert, mich auch darüber hinaus mit diesen Themen zu beschäftigen. Ayla ist über all die Seiten zu einer guten Freundin geworden und ich habe mir mehr als einmal gewünscht, ein bisschen wie sie zu sein. Als dann nach sechs Bänden unsere gemeinsame Zeit zu Ende ging, wurde mir wirklich, wirklich wehmütig zumute. Und so soll das bei guten Büchern ja auch sein!

Meine Wertung:

♥ ♥ ♥ ♥ ♥
[5/5]

Thementag Historische Romane

Ich habe beschlossen, mich heute in meinem Blog mal ausschließlich einem bestimmten Literaturgenre zu widmen, nämlich dem historischen Roman. Als geschichtlich interessierter Mensch lese ich schon seit langem gerne historische Romane. Mein Interessenschwerpunkt liegt dabei auf der Geschichte des Mittelalters und - sofern ich etwas in die Richtung entdecken kann - gerne auch noch weiter zurück. Heute möchte ich nun also tief in meinem Gedächtnis kramen, welche Werke ich aus diesem Genre so gelesen habe, und euch diese vorstellen. Es wird dabei Empfehlungen geben, aber möglicherweise auch die eine oder andere Warnung, von welchem Buch ihr meiner Meinung nach besser gleich die Finger lassen solltet.

Bevor es dazu kommt, möchte ich aber erst einmal noch einer in diesem Zusammenhang ganz grundsätzlichen Fragestellung nachgehen: Was ist denn eigentlich ein historischer Roman?

Klingt dies eigentlich nach einer ganz einfachen Frage, stellt sich der Versuch einer Antwort als gar nicht so leicht heraus. Klar ist, dass es sich um einen Roman handelt, der in einer historischen Zeit spielt. Doch ansonsten? Ab wann ist beispielsweise eine Zeit historisch? Alles, worüber ich heute schreibe und was gestern passiert ist liegt ja schon in der Vergangenheit. Und was ist mit Romanen, deren Handlung in so ferner Vergangenheit spielt, dass keine schriftlichen Aufzeichnungen existieren, die einen Einblickm darin geben, wie das Leben gewesen ist? Sind diese nicht zu spekultativ um historisch genannt zu werden? Aber genug davon, das sind Detailfragen, mit denen sich die Literaturwissenschaftler beschäftigen können. Sie sollen an dieser Stelle nicht weiter interessieren.

Abschließend lohnt es noch, einen kurzen Blick auf die Geschichte des historischen Romans zu werfen. Diese beginnt im 19. Jahrhundert. Als erster Autor dieses Genres wird gerne Sir Walter Scott gennant, der sich als erster die Mühe machte, seine Romane nicht nur in historischer Zeit spielen zu lassen, sondern den Protagonisten dieser Romane auch die passenden Verhaltensmuster zu geben. Vorher fand man in Romanen die in einer früheren Zeit spielten nämlich Personen vor, die dachten und handelten wie Menschen in der Zeit ihrer Autoren es selbst auch taten. Will man der Geschichte des historischen Romans also einen Anfangspunkt setzen, bietet sich das Jahr 1814 an. Dann erschien "Waverly", der erste Roman von Sir Walter Scott.

Von diesem Zeitpunkt an bis heute erfreuen sich historische Romane großer Beliebtheit. Mittlerweile gibt es auch viele Unterarten des historischen Romans. Man denke nur an historische Krimis oder Frauenromane.

So, genug der einführenden Worte. Ab jetzt werde ich für den Rest des Tages verschiedene historische Romane, die ich bereits gelesen habe, vorstellen. Ich wünsche viel Spaß beim lesen!

PS: Ich bin immer auf der Suche nach gutem Lesestoff, den ich noch nicht kenne. Wenn ihr also selber auch gerne historische Romane lest, würde ich mich sehr über eure Leseempfehlungen freuen!

Dienstag, 3. Juni 2014

Konzertbericht: INVSN in Solingen

Gestern Abend war für mich ein besonderer Abend. Ich bin ganz alleine nach Solingen gefahren, um dort ein Konzert in der Cobra anzuschauen. Normalerweise mache ich das ungerne, Konzerte machen gemeinsam einfach viel mehr Spaß als alleine. Aber der Anlass war in diesem Falle zu gut, als dass ich das hätte sausen lassen können und wollen. INVSN aus Umeå gaben sich nämlich die Ehre und spielten ihr einziges Clubkonzert im Westen des Landes.

Wer die Band noch nicht kennt, dem könnte an dieser Stelle tatsächlich mit etwas Namedropping geholfen werden. Am Mikro steht Dennis Lyxzén, allgemein bekannt auch als Sänger mehr oder weniger verflossener Bands wie Refused oder The (International) Noise Conspiracy. Wer eine der besagten Bands schon einmal live sehen durfte, der weiß an dieser Stelle, warum es sich immer lohnt ein Konzert zu besuchen, bei dem dieser Mann beteiligt ist. Trotzdem weitere Namen gefällig? INVSN hätten da noch Sara Almgren im Angebot, die in den vergangenen Jahren vor allem durch ihre Tätigkeit bei den großartigen Masshysteri auf sich aufmerksam gemacht hat. Und die Liste ließe sich für die restlichen Bandmitglieder beliebig erweitern. Aber lassen wir das.

Entstanden sind INVSN aus Dennis Lyxzéns Soloprojekt The Lost Patrol, welches sich bald zur Lost Patrol Band auswuchs, später in Invasionen umbennant wurde und unlängst dann in den auch für nicht-Schweden auszusprechenden Namen INVSN umgetauft wurde. Die Musik hat sich in all diesen Jahren stetig gewandelt und das, was INVSN heute spielen, bezeichnen sie selbst gerne als dystopischen Post-Punk - eine Beschreibung, die den Nagel ziemlich auf den Kopf trifft.

Doch zurück nach Solingen. Gegen 21 Uhr betrat erst einmal die Vorband Palace Fever die Bühne. Die Solingen Band präsentierten dem Publikum eine Dreiviertelstunde lang ihren Mix aus Rock mit Country-Anleihen.

Gleich im Anschluss betraten dann INVSN die Bühne und eröffneten ihr Set mit dem großartigen "#61". In dem folgenden etwas mehr als einstündigen Konzert präsentierten sie fast ihr komplettes erstes Album, außerdem die englische Version von "En Annan Slags Gud" vom letzten Invasionen-Album, welches nie auf Englisch veröffentlicht wurde. (Und ja, mich wundert immernoch, dass die Band niemanden gefunden hat, der das Album auf Englisch veröffentlichen wollte!) Zwischen den Songs gab es die für Dennis Lyxzén typischen, mal ernsten, mal unterhaltsamen Ansagen. Besonders angesprochen hat mich die Ansage zu "Distorted Heartbeat", in der er davon erzählt hat, wie es dir eines Tages klar wird, dass es nicht stimmt, wenn die Leute dir sagen: Wie du gerade lebst, das mit der Musik und alles, ist nur ne Phase, irgendwann wächst du da raus und kriegst dein Leben auf die Reihe. (Ich schätze, auf das Ende dieser "Phase" warten meine Eltern auch schon seit über 10 Jahren ^^) Besonders unterhaltsam gestaltete sich auch die Zugabe "The Hate". Obwohl die Bühne so klein war und Dennis sich entsprechend nur verhältnismäßig wenig bewegen konnte, war es ihm beim letzten Song irgendwie gelungen, seine Hose zu zerstören. Aus diesem Grund musste er den letzten Song mit einem langen Riss im Stoff auf der Innenseite des Oberschenkels bewältigen, was mein Nebenmann gleich mit den Worten "I can see your balls!" quittierte. :D

Viel zu schnell war das Konzert um 23 Uhr dann auch schon zu Ende, worüber ich trotzdem ganz froh war. So konnte ich mir noch ein Shirt am Merchstand holen und mich dann in aller Ruhe zum Bahnhof begeben. Kurz nach 1 Uhr strandete ich dann in Aachen am Hauptbahnhof, von wo in den nächsten zwei Stunden kein Entkommen war. Nachts als Frau alleine am Bahnhof, das ist in der Regel im besten Fall langweilig, oft aber auch unheimlich. Doch der Aufenthalt gestaltete sich dieses Mal ganz anders als ich erwartet hatte. Schon bald hatte ich Gesellschaft, man fühlte sich verpflichtet auf mich aufzupassen und ich wurde sogar zum Bahnsteig eskortiert. Ein bemerkenswerter Abschluss eines großartigen Konzertabends. 

INVSN für Anfänger:


Montag, 2. Juni 2014

Ausflugstipp: Die Straße der Megalithkultur

Vor etwas mehr als einer Woche führte eine spontan nötig gewordene Änderung der Wochenendpläne dazu, dass ich mit einer Freundin einen Tag lang auf der Straße der Megalithkultur unterwegs sein durfte. Wir hatten diesen Plan schon lange im Hinterkopf, konnten jedoch nie einen passenden Termin finden.

Die Straße der Megalithkultur:

Für alle, die noch nie von der Straße der Megalithkultur gehört haben: Es handelt sich um eine 330 km lange Erlebnisstraße in Niedersachsen. Sie beginnt im Süden im Osnabrücker Land und schlängelt sich dann bis hinauf nach Oldenburg. Entlang der Route gibt es 33 Stationen, auf denen über 70 Großsteingräber aus der Jungsteinzeit besichtigt werden können. Auch einige Grabhügel aus der Bronze- und Eisenzeit sind als Etappen verzeichnet. Die einzelnen Gräber sind ausgeschildert, meistens mit auf den ersten Blick eher unauffällig wirkenden kleinen, braunen Schildern. Weiß man aber erst einmal, wonach man suchen muss, findet man die Schilder und die meisten Megalithanlagen eigentlich problemlos, ansonsten kann man sich auf der Homepage der Straße der Megalithkultur auch die GPS-Daten zu den einzelnen Zielen herunterladen oder den Reiseführer zur Route bestellen. Auch eine Radroute ist entlang des Weges ausgeschildert. An den von uns besichtigten Anlagen fanden sich zudem durchgehend Infotafeln, die einen über die Geschichte der Gräber aufklärten.

Unser Ausflug beschränkte sich auf das Osnabrücker Umland. Dort haben wir an diesem Tag 5 Megalithanlagen besucht, von denen jedoch nicht alle zur Straße der Megalithkultur gehören. Informationen zu diesen Anlagen haben wir auf der wunderbaren Seite stonepages.de gefunden. Auf der Seite sind eine Unmenge von Megalithanlagen in ganz Europa zu finden, oft auch mir Informationen und Anfahrtsbeschreibungen. Interessierte sollten der Seite unbedingt mal einen Besuch abstatten. Den Link findet ihr am Ende dieses Berichts.

Nun möchte ich jedenfalls einmal die von uns besuchten Anlagen vorstellen:

Großsteingrab Schölerberg:

Der erste Halt auf unserer Tour befand sich mitten in Osnabrück, in unmittelbarer Nähe zum Zoo. Vom Großsteingrab Schölerberg/Nahne ist heute leider nicht mehr viel übrig, nur noch ein paar Steine ragen ein wenig aus dem Boden uns zeigen an, wo sich das Grab einst befunden hat. Stattdessen "ziert" den Platz nun ein Kriegerdenkmal, welches aus den Deckteinen der Anlage gebaut wurde. Der Bau wurde im 19. Jahrhundert zesrtört. Aufzeichnungen zufolge war das Grab um 1840 noch vorhanden, galt 30 Jahre später dann aber als verschwunden.



Greteschersteine:

Die Greteschersteine liegen im gleichnamigen Teil Osnabrücks und gehören zur ersten Station auf der Straße der Megalithkultur. In älteren Aufzeichnungen kennt man sie auch unter den Namen Hermannssteine oder Dicke Steine. Die Anlage liegt auf einer Anhöhe am Belmer Bach. Wie viele Megalithanlagen waren auch sie schon häufiger von Vandalismus in Form von Graffitis oder Einritzungen betroffen. Trotzdem sind ist die imposante Anlage mit ihrer schönen Lage einen Besuch wert und lädt zu einer längeren Pause ein.


Teufelssteine:
 Ebenfalls zur ersten Etappe der Straße der Megalithkultur gehören die Teufelssteine. Sie liegen mitten im Industriegebiet Teufelsheide und sind von den Gretescher Steinen bequem zu Fuß aus zu erreichen. Wenn man durch die Teufelsheide marschiert, kann man sich kaum vorstellen, wo zwischen all dem Beton eine Megalithanlage stehen soll. Folgt man jedoch der Ausschilderung, landet man urplötzlich auf einer schönen, kleinen mit Bäumen umstandenen Lichtung mitten im Industriegbiet. Dort stehen die Teufelssteine, auch Lehzensteine genannt. Bei unserem Besuch hatte leider ein respektloser Mitbrüger den größten Deckstein mit einem wirklich auffälligen und extrem hässlichen Liebesbeweis in Form eines Graffitis beschmiert...


Sundermannsteine:

Unser nächster Halt gehörte wieder nicht zur Straße der Megalithkultur, aber in so unmittelbarer Nähe unserer Route, dass sich ein Besuch anbot. Die Sundermannsteine liegen sehr einfach zu finden direkt an der Straße zwischen Gretesch und Belm. Erhalten ist ein Teil der Kammer. Bei einer Ausgrabung im 19. Jahrhundert wurden auf dem Gebiet der Steine zahlreiche Grabbeigaben gefunden, darunter Feuersteinklingen, Perlen aus Bernstein, ein durchbohrter Tierzahn und zahlreiche Tongefäße.


Großsteingrab Jeggen:
Das Großsteingrab Jeggen bildet die zweite Station der Straße der Megalithkultur. Es liegt südlich von Jeggen und ist in gutej, gepfelgten Zustand. Für mich war es an diesem Tag das vielleicht faszinierendste Grab, das wir besichtigt haben. Mitten in der Anlage wächst eine alte Eiche. Diese hat ihr Leben lang gelernt, mit den Steinen um sie herum auszukommen und heute sind beide fest miteinander verschmolzen, was einen wirklich faszinierenden Anblick bietet. Auch bei dieser Anlage wurden im Rahmen von Ausgrabungen verschiedene Gegenstände aus der Jungsteinzeit gefunden.


An dieser Stelle endet unser Tagestrip auf den Spuren der Megalithanlagen. Zwar haben wir uns noch eine ganze Weile in der Gegend aufgehalten, da wir die Anlagen Dübberort I und II sowie die Slopsteine besichtigen wollten, mussten jedoch irgendwann aufgeben, da diese für uns nicht auffindbar waren und die Nacht langsam näherrückte.

Ich bin aber sicher, dass dies nicht unser letzter Ausflug zu den Spuren der Jungsteinzeit bleiben wird.

Straße der Megalithkultur

stonepages.de