Dienstag, 12. November 2019

Der Weg ist das Ziel: Die Reise nach Oslo

Der Sommer ist schon lange vorbei, draußen ist es nass und kalt geworden. Ein wunderbarer Zeitpunkt also, um in Erinnerungen noch einmal die schönste Zeit des Jahres aufleben zu lassen: den Urlaub! Meiner führte mich in diesem Jahr nach viel zu langer Zeit endlich einmal wieder in den hohen Norden, nach Oslo.

Los ging die Reise am späten Abend des 30. Juni. Das erste Stück der Reise, vom Westen NRWs aus bis Kiel, legten wir mit der Bahn zurück. Von dort ging es dann mit der Fähre weiter direkt nach Oslo.

 Leinen los und Kurs auf Oslo!

Die Zeiten für die Bahnfahrt hatten wir natürlich großzügig eingeplant, eine gewisse Nervosität blieb trotzdem. Baustellen pflasterten die Strecke, eine unserer ursprünglich gebuchten Bahnen fuhr deswegen erst gar nicht. Am Ende klappte aber trotzdem alles, und die nächtliche Fahrt fast alleine in alten Fernverkehrszügen gestaltete sich eigentlich recht angenehm. Damals waren die Sitze noch echt bequem und man kann sich auf ihnen wirklich gut ausstrecken. 

In Kiel angekommen blieb noch genug Zeit für ein Frühstück am Bahnhof. Es wäre sogar noch etwas Zeit gewesen, sich die Stadt anzusehen, aber mit Gepäck und bei Regen fanden wir die Aussicht dann doch nicht so verlockend. So waren wir dann auch überpünktlich am Ableger unserer Fähre und warteten dort mit unzähligen anderen Reisender auf das Beginnende Check-In. Und am Mittag konnte die Fahrt mit der Color Magic dann endlich losgehen. Es handelte sich um die erste derartige Fahrt für mich, auf einem Kreuzfahrtschiff mit Übernachtung.

 Auf Wiedersehen, Kiel! - die Reise beginnt

Und was soll ich sagen: ich war von Anfang an begeistert! Wir bezogen unsere Kabine, die auf der Hinfahrt sogar ein Fenster hatte, welches auf die Mitte des Schiffs zeigte. Man sah von dort also die Einkaufs- und Essmeile des wie eine kleine Stadt aufgebauten Kreuzers. Die Kabine war klein, aber gemütlich. Auf dem Fernseher ließ sich die Fahrt auf einer Live-Karte nachverfolgen und eine Kamera am Heck des Schiffes sendete Aufnahmen von draußen.

Als wir uns eingerichtet hatten, machten wir das Schiff unsicher. Wir besuchten den Duty Free Laden (nicht nur Norwegische, sondern auch Schwedische Süßigkeiten - da kamen Erinnerungen auf! :D), Souvenirlädchen und Boutiquen und aßen schließlich in der schiffseigenen Pizzeria zu Abend. Es gab Pizza mit Lachs, was echt sehr lecker war.

 Das Schiff beherbergte im Inneren eine ganze Stadt

Immer wieder zog es uns aber nach draußen, denn es war sehr schön, das Land hinter sich verschwinden zu sehen und dann irgendwann nur noch von Wasser umgeben zu sein. Allerdings hatten wir nicht damit gerechnet, wie kalt und windig es werden würde und waren eigentlich zu dünn angezogen. Die erste Erkenntnis dieser Reise war darum auch: die nächste Kreuzfahrt gen Norden nicht ohne Softshelljacke, und auch keinesfalls das Haargummi vergessen!

Auch die Nacht wurde spannend. Das Einschlafen zum leichten Brummen des Schiffes war wahrlich kein Problem, aber mitten in der Nacht wachten wir Beide quasi zeitgleich auf. Der Wind war wohl stärker geworden und wir hatten deutlich merkbaren Seegang. Keinem von uns wurde übel, aber es fühlte sich einfach seltsam an. Ich, die ich immer auf der Seite schlafe, hatte bei jeder Welle das Gefühl, gleich umzukullern. xD 

 Ein letzter Blick auf die Color Magic, die uns nach Oslo gebracht hatte

Das Frühstück wollten wir dann eigentlich in Oslo an Land einnehmen, aber da unser Schiff durch den nächtlichen Wetterumschwung eine deutliche Verspätung eingefahren hatte, machten wir uns doch wenigstens noch auf die Jagd nach einem Kaffee. Gegen Mittag erreichten wir dann schließlich doch endlich das Ziel unserer Reise. 

 Hell und gemütlich: unsere Unterkunft im Frogner House Apartment

Etwa eine Viertelstunde Fußweg vom Fähranleger und wir hatten unsere Unterkunft erreicht, eines der Frogner House Apartments. Nachdem wir dort eingecheckt und uns in dem geräumigen, skandinavisch-klar möblierten Zimmer eingerichtet hatten, konnte unser Oslo-Urlaub endlich so richtig beginnen!

CD-Vorstellung: Oro - Rompi! Rompi!

Als ich im September das Festival Mediaval in Selb besucht habe, konnte ich dort auch einen Auftritt der Band Oro sehen, der mir als einer der charmantesten, spritzigsten und schönsten dieses tollen Festivals in Erinnerung geblieben ist. Zu meiner großen Freude bekam ich danach auch gleich die Chance, das erste Album der Band zu rezensieren. Das Ergebnis ist nun endlich fertig und kann wieder einmal bei jarwinbenadar gelesen werden:


Einen kleinen Eindruck der Musik von Oro vermittelt dieses Video:


Samstag, 19. Oktober 2019

Keltische Kultur im tiefen Westen: Die Celtic Euregio Days in Herzogenrath-Merkstein

An einem sengend heißen, letzten Juniwochenende fanden in Herzogenrath-Merkstein erneut die Celtic Euregio Days statt. Viel Zeit hatte ich in diesem Jahr leider nicht, aber wenigstens einen kurzen Besuch bei der Veranstaltung des deutsch-schottischen Freundschaftsbundes ließ ich mir nicht nehmen.

Wie bereits im vergangenen Jahr (s. hier), fanden die Celtic Euregio Days auch 2019 wieder auf dem Gelände der Zeche Grube Adolf statt. Auch der Eintritt war erneut frei. Mittlerweile schien sich die Durchführung der Veranstaltung auch herumgesprochen zu haben, denn sie war von Anfang an sehr gut besucht.

Gute Laune schon bei der Eröffnung

Das war aber auch kein Wunder, gab es doch wieder ein vielseitiges und reichhaltiges Bühnenprogramm. Allein während meines eher kurzen Besuchs konnte ich die mittelalterlichen Spielleute von Spielmannsfeuer, den fullminanten Einzug von White Hackels Pipes & Drums sowie die offizielle Eröffnung mit ansehen. Später standen noch weitere Celtic Folk Acts sowie Tanz und Vorführungen zur historischen Lebensart der Hochlandschotten auf dem Programm.

White Hackels Pipes & Drums halten Einmarsch

Neben dem vielseitigen Bühnenprogramm lohnte sich auch ein Gang durch das historische Zeltlager, denn dieses war auch in diesem Jahr wieder mit viel Liebe zum Detail errichtet worden. Außerdem waren auch alle Teilnehmer wieder sehr engagiert, mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen und das Lager auch ordentlich zu beleben. Es wurde ebenso gekocht wie gekämpft und besonders die Kinder freuten sich, wenn sie unter Aufsicht selbst einmal das Gewicht eines Schwertes spüren oder einem spannenden Übungskampf zuschauen durften.

Blick auf das gemütliche, historische Zeltlager

Obwohl ich wie gesagt leider nur einen kurzen Besuch einrichten konnte, hatte ich da doch schon den Eindruck, dass auch die zweite Auflage der Celtic Euregio Days wieder ein voller Erfolg zu werden schienen. Ich wünsche mir das jedenfalls, denn es wäre sehr schön, wenn diese interessante Veranstaltung in der Aachener Region noch lange weiter fortbestehen würde.

Dienstag, 15. Oktober 2019

CD-Vorstellung: Elane - Legends Of Andor

Der Sommer ist vorbei und wie in jedem Jahr ist bei mir wieder einiges an ausstehende Berichten aufgelaufen. Es ist wieder so viel passiert und die Zeit hat einfach hinten und vorne nicht gereicht, es auch alles schriftlich festzuhalten. Mal schauen, wie lange ich in 2019 brauche, um das wieder aufzuholen. :D

Doch nun erstmal zu etwas ganz anderem: Nachdem ich im vergangenen Monat die Freude hatte, die deutsche Fantasy Folk Band Elane erstmalig live auf dem Festival Mediaval in Selb zu sehen, bekam ich gleich auch noch die tolle Gelegenheit ihr neues Album zu rezensieren. Das Ergebnis findet ihr seit gestern auf jarwinbenadar:


Der Soundtrack zum Erfolgsspiel "Die Legenden von Andor", so viel sei hier vorweggenommen, ist hervorragend gelungen, also hört unbedingt mal rein - auch wenn ihr das Spiel nicht selbst kennen oder spielen solltet! Das Album ist seit vergangenem Freitag im Handel erhältlich.

Hier gibt es schonmal einen kleinen Einblick:

 

Kontroverse Convention: die CCXP in Köln

Als bekannt wurde, dass die Role Play Convention 2019 nicht mehr stattfinden würde, war ich wie viele andere erst einmal verdammt enttäuscht. In meinen Augen war die RPC nämlich eine der ansprechendsten Conventions, die ich kannte. Als dann die CCXP als Nachfolgeconvention angekündigt wurde, in der die RPC aufgehen sollte, wurde es leider erstmal nicht besser mit der Enttäuschung. Als regelmäßiger Besucher der vergangenen Jahre wurde ich per E-Mail zu einem exklusiven VVK zum Sonderpreis eingeladen. Dieser zeigte trotzdem eine enorme Preissteigerung im Verhältnis zur Role Play Convention an, er dauerte nur wenige Tage und fand zu einer Zeit statt, zu der es noch keinerlei Informationen zum Programm der CCXP gab. In diesem Moment schloss ich erstmal innerlich mit der Veranstaltung ab.

Dass ich mich am Freitag, den 28. Juni letztendlich doch auf den Weg nach Köln machte, war dann auch einzig der großzügigen Vergabe von Feikarten durch die Lootboy-App zu verdanken. Um so ein Angebot abzulehnen, war ich dann doch zu neugierig. Hier nun mein bescheidener Erlebnisbericht.

Stylish und modern präsentierte sich die CCXP bei ihrer Erstauflage in Köln

Schon beim Betreten des Veranstaltungsgeländes wurde klar, dass die CCXP eine ganz andere Richtung einschlägt als die Role Play Convention. Alles wirkte supermodern und extrem professionell und es gab viel zu sehen: Hagrids Hütte sorgte als detailreich aufgebaute Kulisse für Entzücken bei allen Harry Potter Fans, während sich Star Wars-Liebhaber an einem gewaltigen AT-ST erfreuen konnten. Ein Gang durch den The Walking Dead-Pavillon sorgte für ordentlich Nervenkitzel und lebensgroße Marvel-Superheldenfiguren luden zu gemeinsamen Selfies ein. Optisch war das ganze wirklich ein ziemliches Highlight.

Tolle Fotokulisse: Hagrids Hütte

Etwas anders sah es da leider mit der Ankündigung aus, die Role Play Convention wäre in die neue Veranstaltung integriert worden. Den Spielen - seien es Brettspiele, Tabletops oder eben die ehemals namensgebenden Rollenspiele kam auf der CCXP nämlich weitaus weniger Platz und leider auch Interesse entgegen. Und der Mittelaltermarkt, für mich stets ein Herzstück der RPC, war ein absolutes Trauerspiel. Er exitierte, allerdings nur noch in Fragmenten mit sehr wenigen, sehr weit voneinander entfernten Ständen. Diese halbherzige Übernahme hätte man sich meiner Meinung nach lieber sparen sollen, damit wurde kein Fan der Role Play Convention glücklich. Einzige lobenswerte Ausnahme: das Lesecafé, stets ein gemütlicher Ruhepol vergangener Jahre, wurde tatsächlich übernommen. Hier lasen auch in diesem Jahr wieder illustre Autoren wie Bernhard Hennen oder Tommy Krappweis.

Selfie mit Superheld gefällig?

Großen Wert legte man bei der ersten CCXP auch auf die anwesenden Stars. Da ich mich weder für Fotos noch Autogramme mit jenen begeistern kann, werde ich dazu nicht groß mehr sagen können. Dafür besuchte ich aber immerhin das Panel mit Mark Pellegrino, bekannt unter anderen als Luzifer in Supernatural. Das Ganze war auch wirklich sehr unterhaltsam, außerdem technisch und organisatorisch einwandfrei geregelt. Sogar für simultane Untertitel war gesorgt. Pellegrino sprach über dies und das, seinen Werdegang, seine Rollen in Lost und Supernatural und erwies sich als sehr sympatischer Gast, der sein Publikum oftmals zum Lachen brachte.

Mark Pellegrino im Panel

Doch was wäre eine Conventionen ohne die weiteren Möglichkeiten, Geld dazulassen? So habe ich bei meinem Besuch natürlich auch die Verkaufsstände und die Artist Alley unter die Lupe genommen. Im Bereich der großen Händler wurde schon einiges geboten, von Mittelalter über Manga/Anime bis in den Comicbereich konnte man hier interessante Dinge entdecken. Die Artist Alley war hingegen noch ziemlich klein, hier würde ich mir für die Zukunft noch einiges mehr wünschen. Gut vertreten waren dafür diverse Cosplayer, wobei wohl auch international bekannte Namen auf dem Plan standen.

Gewaltig: AT-ST in Originalgröße

Meine Ausbeute an jenem Tag bestand jedenfalls aus einem Acryl-Schlüsselanhänger sowie zwei Rucksäcken. Bei den anwesenden Künstlern wurde ich leider nicht fündig, viele hatte ich auch erst kurz zuvor auf anderen Conventions gesehen und mich dort eingedeckt.

Zwei dieser entzückenden Rucksäcke sind nun meine
Sinon aus Sword Art Online Phantom Bullet als Acryl Schlüsselanhänger

Obwohl die CCXP rein räumlich ziemlich groß war, hatte ich doch recht früh das Gefühl, alles gesehen zu haben. Hätte ich mir eines der für mein Verständnis sehr teuren Tickets geholt, wäre ich am Ende meines Besuches doch sehr frustriert gewesen. Zum Vergleich: Bei der Role Play Convention hatte ich für den halben Preis stets einen ganzen Tag Beschäftigung ohne auch nur eine Minute der Langeweile...

Somit fällt auch mein Fazit zur ersten deutschen Auflage der CCXP leider eher durchwachsen aus. Zwar handelte es sich um eine große, moderne und durchaus auch ansprechende Convention, doch es gab auch ein paar nicht von der Hand zu weisende Kritikpunkte. Betrachtete man die Veranstaltung als Nachfolge der Role Play Convention, konnte sie nur durchfallen. Con ist eben nicht gleich Con, und hier wurden eindeutig zwei gänzlich unterschiedliche Konzepte verfolgt. Und auch für sich allein betrachtet gab es einen großen Makel: das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das Angebot stand meiner Ansicht nach in keinerlei Verhältnis zum Eintrittspreis, andere Conventions bieten hier für meist sogar geringeren Einlass deutlich mehr. 

Für mich wird jetzt alles davon abhängen, wie sich die Veranstaltung in Zukunft weiterentwickelt. Aktuell ist die CCXP für mich jedenfalls kein fixer Termin in meinem Kalender. Das Programm muss mich schon vollsten überzeugen, damit ich einen Besuch bei den zu erwartenden Eintrittspreisen auch nur in Betracht ziehe.

Die nächste Auflage ist jedenfalls für den 25.-28. Juni 2020 geplant. Details zu Ticketpreisen und Programm gibt es aktuell noch keine.

Montag, 14. Oktober 2019

Konzertbericht: Ed Sheeran auf dem Hockenheimring

Ein Gutes hatte es ja, dass das Refused-Konzert am Freitagabend so plötzlich und damit auch relativ früh endete. So bekam ich nämlich noch eine gute Mütze Schlaf, bevor ich mich am nächsten Tag auf die ziemlich lange Reise zum Hockenheimring begab. Dort stand am 22. Juni nämlich ein Konzert der ganz anderen Art auf dem Programm. Manch einer wird nun lachen und spotten, aber ich stehe dazu: es war Zeit für Ed Sheeran! :D

So machte ich mich am frühen Morgen zunächst mit der Bahn auf den Weg durch ganz NRW, von wo aus es gegen Mittag dann mit einer Freundin im Auto weiter nach Heidelberg ging. Die ganze Fahrt verlief ziemlich unproblematisch, wir stimmten uns musikalisch auf den Abend ein und erreichten in froher Erwartung unser Hotel. Der Mann am Check-In war sehr freundlich und sah uns irgendwie schon an der Nasenspitze an, wo wir hinwollten (oder es lag einfach daran, dass so ziemlich alle weiblichen Hotelgäste an diesem Wochenende das gleiche Ziel hatten ^^). Als er uns dann für die Fahrt dorthin viel Glück wünschte, waren wir leicht irritiert und hakten nach, woraufhin man uns vor Verkehrschaos rund um den Hockenheimring warnte. Umso besser fanden wir es, wie gut wir dann später auf der Fahrt durchkamen - bis dann etwa fünf Kilometer vor dem Hockenheimring plötzlich tatsächlich nichts mehr ging. Da waren wir, wie sich später herausstellte, offenbar in der langen, langen Parkspur gelandet. Da wir zeitlich aber großzügig geplant hatten, war das Ganze kein großes Problem. Wir nutzten den Stau zum Essen und fügten uns geduldig in unser Schicksal.

Irgendwann kamen wir doch noch an, ergatterten einen Parkplatz und begannen den langen Marsch zum Einlass. Wer ein Konzert auf dem Hockenheimring besuchen möchte, sollte wirklich gut zu Fuß sein, denn es geht zunächst einmal so ziemlich um den ganzen Ring herum, bevor man dann tatsächlich hineingelassen wird. Ein paar Kilometer kommen da sicher zusammen.

Endlich auf dem Gelände bot sich uns ein beeindruckender Anblick. Fast 100.000 Besucher hatten sich an diesem Tag eingefunden, um den wohl unbestritten größten Popstar unserer Zeit live zu erleben. Auch meiner Freundin und mir war das eine stundenlange Anreise, eine Übernachtung im Hotel sowie ein mehr als 80 Euro teures Ticket wert gewesen.

 Ed Sheeran auf der Mega-Bühne

Die Bühne versprach schonmal Großes. Es handelte sich um ein gewaltiges Konstrukt voller Bildschirme. Schon leer wirkte sie beeindruckend, ebenso wie die riesige Menge an Menschen, die sich hier auf einen Haufen versammelt hatte. 

Wir versorgten uns an einem der zahlreichen Stände mit Merchandise und Getränken (nur echt im Ed Sheeran-Becher mit verschiedenen Motiven) und suchten uns ein Plätzchen. Vor dem Hauptact standen noch zwei andere Künstler auf dem Programm, die wir uns natürlich ebenfalls ansahen.

Los ging es mit Zara Larsson aus Schweden. Musikalisch gab es hier eingängige, moderne Popmusik zu hören, die Bühnenshow wartete mit ziemlich viel Tanz auf, was das Zuschauen ganz interessant machte. Obwohl ich im Vorfeld geschworen hätte, noch nie etwas von der Dame gehört zu haben, kam mir mindestens ein Song dann doch aus dem Radio bekannt vor. Tja, was Chartmusik angeht, bin ich nun wirklich schon seit vielen Jahren nicht mehr wirklich auf dem Laufenden. :D


Der zweite Support an diesem Abend war James Bay. Im Vorfeld kannte ich von ihm nur seinen wohl größten Hit "Hold Back The River", fand live aber sein gesamtes Konzert sehr ansprechend. Optisch passierte hier auf der Bühne zwar nicht viel, das wurde aber durch die gute Musik sowie den sympatischen Künstler mehr als wett gemacht.


Leider war es mit dem Wetter an jenem Abend so eine Sache. Der Himmel verdunkelte sich immer wieder, und wenn uns eine unglaublich nette Frau nicht einen Regenponcho geschenkt hätte, wären wir schon während des ersten Konzerts nass bis auf die Haut geworden (vielen, vielen Dank noch einmal!). Auch das Konzert von Ed Sheeran blieb nicht ganz vom Regen verschont, doch schaffte es dieser Schlawiner doch an diesem Abend tatsächlich, selbst das Wetter auf seine Seite zu bringen. War es vorher immer nur abwechselnd nass und halbwegs trocken gewesen, verabschiedete sich der Regen zu den Tönen von Ed Sheeran mit einem wunderschönen Regenbogen, und das sogar endgültig.

Und überhaupt: was war das doch für ein faszinierendes Konzert! Ed Sheeran hatte das Publikum von dem Moment an in der Hand, in dem er die Bühne betrat. Männer und Frauen jeglichen Alters, Kinder, Teenager - sie alle erlagen binnen Sekunden seinem Charme und seiner Musik. Hit folgte auf Hit und obwohl nur dieser eine Mann mit seiner Gitarre auf dieser gewaltigen Bühne stand, schien da kein leerer Raum zu sein, weder räumlich noch klanglich. Nie wurde es auch nur eine Sekunde langweilig, die Show zu betrachten oder der Musik zu lauschen. "Galway Girl", "Castle On The Hill", "Shape Of You" - alles wurde vom Publikum zelebriert. Doch auch ältere Stücke fanden großen Anklang, ebenso wie die ersten Ausblicke auf das zu jener Zeit noch nicht erschienene, neue Album. Mein persönliches Highlight war jedoch "I see Fire", der Song, mit dem ich erst so richtig Aufmerksam geworden bin auf Ed Sheeran, damals im Kino bei "Der Hobbit - Smaugs Einöde". Es war schon längst dunkel geworden, als die ersten Töne dieses Lieds erklangen, und das Publikum bedachte jeden der ersten, leisen Takte dieses Stücks mit einer andächtigen Ruhe, wie man sie in so großen Menschenmengen selten findet. Und dann, als der Refrain einsetzte, tat er dies aus abertausenden Kehlen, und das war wirklich ein Gänsehautmoment, den ich so schnell nicht vergessen werde. Man mag mich für albern halten, aber ganz ehrlich: dieser Mensch hat etwas Magisches an sich und ich würde mich dieser Magie jederzeit wieder auf einem seiner Konzerte hingeben.


Obwohl Ed Sheeran ein wirklich, wirklich langes Konzert gab, kam natürlich irgendwann der Zeitpunkt, indem es hieß Abschied zu nehmen. Und da erschloss sich uns erst, was unser freundlicher Hotelmitarbeiter mit seinem Mitleid wirklich gemeint hatte, denn der Rückweg erwies sich als wahres Martyrium. Knapp 100.000 Menschen waren bestrebt, den Hockenheimring zur selben Zeit zu verlassen, und das über einen Weg, der stellenweise nicht breiter war als eine gemeine Altstadtgasse, was etwa die dreifache Zeit wie auf dem Hinweg in Anspruch nahm. Und all diese Menschen wollten danach zeitgleich ihre Autos Richtung Heimat bewegen. So dauerte es je nach Stellplatz des eigenen Autos dann auch nur ein paar weitere Stunden, bis man tatsächlich einmal einen Versuch unternehmen konnte, eine Straße zu erreichen. Den anschließenden Stau in manche Richtung noch gar nicht mit eingerechnet. 

Doch selbst das konnte uns an diesem Tag nicht die Laune verderben. Hinter uns lag ein wahrhaft fantastisches Konzert. Und für das nächste Mal Hockenheimring wissen wir ja nun: für die Rückfahrt lieber noch einen Mitternachtssnack und ne warme Wolldecke für die Wartezeit deponieren, dann passt das schon. ;)

Sonntag, 22. September 2019

Konzertbericht: Refused in Münster

Am Abend verlasse ich also frühzeitig das Festival auf dem Schlossplatz und mache mich auf den Weg zum Skaters Palace. Obwohl ich erst kurz nach Einlassbeginn da bin und mir in aller Ruhe das Merch anschaue, ergattere ich am Ende noch ein Plätzchen in der ersten Reihe. Voll wird es erst kurz vor Veranstaltungsbeginn, Ausverkauft ist das Konzert an diesem Abend jedoch nicht.

Als Support stehen an diesem Abend The Pearl Harts auf dem Programm. Die Band besteht nur aus zwei Mitgliedern - einer Schlagzeugerin sowie einer Sängerin und Gitarristin - rockt jedoch mehr als so manche vielköpfige Band, die ich bisher live gesehen habe. Beide Frauen strahlen eine coole Lässigkeit aus und füllen den Raum mit ihrer Präsenz und ihrem Sound voll aus. Die Aufmerksamkeit des Publikums ist ihnen während des gesamten Auftritts sicher. Ein wirklich imponierendes Konzert!


Die Wartezeit, bis die Headliner Refused die Bühne betreten, zieht sich dann leider ziemlich, dafür brechen die Schweden dann aber auch mit gewohnter Heftigkeit über die Leute herein. Sänger Dennis hält sich bis auf eine längere Rede zu Politik und Zeitgeist mit den Ansagen auffällig zurück, dafür gibt es den Sound von Refused quasi nonstop. Knapp eine Stunde geben Band und Publikum alles, Hits wie "Rather Be Dead" und natürlich "New Noise" dürfen dabei ebenso wenig fehlen wie Stücke vom derzeit noch aktuellen Album "Freedom". Außerdem machen zwei neue Songs, "Blood Red" und "Economy Of Death" richtig Lust auf das neue Album, welches im Oktober erscheinen soll. Beide Lieder gehen richtig gut nach vorne, wie man es von Refused ja auch nicht anders erwartet hätte.

Und plötzlich, viel zu schnell, ist das Konzert dann auch schon vorbei. Refused verlassen die Bühne mit einem Knall, dem frenetisch gefeierten "New Noise" folgen weder Zugabe noch Abschiedsworte. Das ist heute so niemand mehr gewohnt, auf dem Weg aus der Halle höre ich viel geäußerten Unmut. So geht ein eigentlich großartiges Konzert leider mit gemischten Gefühlen zu Ende. Bereut habe ich den Besuch trotzdem nicht.