Dienstag, 11. August 2015

Castlefest Nachbericht Teil 5: Der Sonntag musikalisch

Ein bisschen wehmütig wurde ich ja schon, als es am Sonntag morgen ans Packen ging und wir unser Bed & Breakfast verlassen mussten. Das Ende des Castlefests war plötzlich viel zu nah... Doch ein (wenn auch verhältnismäßig kurzer) Festivaltag lag ja zum Glück noch vor uns!

Los ging es mal wieder mit Kelten zonder Grenzen, zu deren Klängen trotz der frühen mittäglichen Stunde schon eifrig getanzt wurde. Leider gab es bei diesem frühen Set im wesentlichen Paartänze, ich musste mich also mit Zugucken begnügen. Bei Ketten - und Reihentänzen mache ich ja gerne mal mit, aber Paartänze sind nicht so meins, da schaue ich lieber nur zu... ^^
Tanzende bei Kelten zonder Grenzen

Im Anschluss statteten wir Theodor Bastard einen Besuch ab. Der Bandname stellte sich als etwas irreführend heraus, wir hatten halt irgendwie mit einem Theodor gerechnet, landeten dann aber bei einer vierköpfigen Band mit einer etwas entrückt wirkenden Sängerin. Überraschung geglückt. :D

Theodor Bastard machten aber in jedem Fall mal ziemlich interessante Musik, die zu beschreiben mir aber reichlich schwer fällt. Ziemlich experimentelle Sachen mit Ethno/World Music Einschlag. In jedem Fall spannend, wenn auch an mancher Stelle ein wenig irritierend. Auf jeden Fall eine Band, die ich persönlich im Auge behalten möchte.
Unerwartet - Theodor Bastard

Danach ließen wir uns wieder ein bisschen treiben, erledigten noch die letzten Einkäufe, schauten uns noch einmal gründlich um und landeten irgendwann bei den leicht verrückten Dänen von Trolska Polska. Da gab es eine Trollparty mit allem was dazu gehört. Es wurde sich über den Boden gerollt und dutzende Festivalgäste, die ihre Instrumente dabei hatten, durften auf der Bühne mitmusizieren.
Trolska Polska

Gegen Mittag besuchten wir noch einmal unseren heißgeliebten Stand von Vegetarisch in Berlin. Für mich gab es da an diesem Tag ein leckeres geröstetes Käse-Spinat Sandwich. Und mit den letzten Münzen wurde dann später noch ein leckerer Fruchtbecher erstanden. Super erfrischend mit selbst zusammengestelltem Obst.

Relativ entspannt von hinten genossen wir dabei Omnia, die sich mit Maria von Euzen eine Gastsängerin eingeladen hatten und später dann auch noch Drehleierunterstützung von Fieke van den Hurk bekamen. Natürlich spielte die Band zum Abschluss auch "Morrigan" und man findet wohl selten ein lauter mitschreiendes Publikum als das auf dem Castlefest. Festival und Songs gehören ja auch einfach zusammen, selbst wenn die Band das Lied mittlerweile auch anderswo regelmäßig spielt.
Omnia mit Unterstützung von Maria

Gleich nach Omnia machten wir uns noch ein letztes Mal auf den langen Weg zur kleinen Meadow Stage, um Triskilian zu sehen. Im schönsten Sonnenschein machten wir es uns auf der Wiese bequem,  lauschten den Folkklängen der Band und beobachteten die tanzenden Paare, die das Parkett vor der Bühne bevölkerten. Im Anschluss tätigte ich den letzten Musikkauf des Wochenendes und bin nun endlich stolzer Besitzer der wirklich großartigen CD "°neo".
Jule von Triskilian

Und plötzlich war es dann soweit: Das letzte Konzert des Castlefests 2015. Die Niederländer von Prima Nocta spielten auf der Hauptbühne klassische mittelalterliche Marktmusik im Stile von Corvus Corax. Eigentlich hatten wir das Konzert auch gar nicht bis zum Ende ansehen wollen, standen uns doch noch etliche Stunden Rückfahrt bevor. Aber dann musste noch dies und jenes erledigt werden und plötzlich war gar nicht mehr so viel Zeit bis zum Ende. Und außerdem hatte man ja von so einem interessanten Ritual während des letzten Konzerts gehört, das man schon ganz gerne mal sehen wollte...

Also blieben wir und sahen erstmalig den "Fruit Cocktail" live. Beim Castlefest hat es sich nämlich so eingebürgert, dass während des letzten Konzerts Mitglieder der Crew als Früchte verkleidet auf die Bühne kommen und stagediven. Und ich bin so froh, dass wir endlich einmal dageblieben sind, denn das Ganze war wirklich ein Heidenspaß! :D

Es gibt auch schon ein schönes Video davon:



Und das war es dann auch schon wieder, das Castlefest 2015. Jetzt heißt es wieder ein Jahr warten. Das Zimmer für nächstes Jahr ist schon reserviert. Wir kommen ganz bestimmt wieder! :)

Eine kleine Fortsetzung folgt noch! ;)

Montag, 10. August 2015

Castlefest Nachbericht Teil 4: Die Verbrennung des Wickerman

Am frühen Samstag Abend war es also soweit: Die Verbrennung des Wickermans sollte stattfinden. Das ist eine jährlich wiederkehrende Tradition auf dem Castlefest und mit Sicherheit der Höhepunkt der ganzen Veranstaltung.

Der Wickerman, der in jedem Jahr anders aussieht und eine bestimmte mythologische Figur oder ein Symbol darstellt, zeigte in diesem Jahr ein sich liebendes Pärchen und stand folglich unter dem Motto Liebe.
Der Wickerman kurz vor der Verbrennung

Die Besucher hatten wie jedes Jahr das ganze Wochenende die Möglichkeit, kleine Opfergaben zum Wickerman zu bringen. Die Opfer waren dabei wie immer sehr vielfältig, von kleinen selbstgemachten Kunstwerken oder Handarbeiten bis hin zu Strähnen der eigenen Haare war wieder alles dabei. Manche Gruppen vor Ort haben sogar ihr eigenes Opferritual. Aber auch wir haben natürlich unser kleines Opfer gebracht.

Die Verbrennung des Wickermans ist wirklich ein Ritual, was vielen Menschen auf dem Castlefest sehr wichtig ist und es ist auch immer ein ganz spezielles Ereignis. Um etwas zu sehen statt nur auf die Leinwand schauen zu müssen, hatten wir uns in diesem Jahr entschieden, uns einen Platz außerhalb des Geländes zu suchen, von dem aus wir die Zeremonie mit einigen anderen Interessierten von hinten anschauen konnten.

Das Feuer wurde wieder traditionell von den Veranstaltern Mark und Natasja entzündet, denen ihre Rührung auch wirklich anzumerken war. Wegen der großen Trockenheit züngelten die Flammen extrem schnell hoch und hinterließen nach sehr kurzer Zeit nur noch glimmende Überreste des wunderschönen Wickermans mit all den dargebrachten Opfern. Die Zeremonie wurde von tausenden Menschen zunächst andächtig schweigend und dann laut jubelnd verfolgt. 

Es fällt schwer in Worte zu fassen, was diese rituelle Verbrennung so besonders macht. Was so eine große Menge an Menschen dazu bringt, schweigend zu staunen. Die Euphorie, wenn die Flammen endgültig auf den Wickerman übergreifen. Und warum man danach irgendwo unschlüssig zwischen Jubeln und Weinen steht. Man muss es einfach erlebt haben. 

Einen kleinen Eindruck bietet dieses Video:


Fortsetzung folgt!

Castlefest Nachbericht Teil 3: Der Samstag musikalisch

Natürlich schafften wir es nicht, am Samstag schon um 10 Uhr auf dem Gelände zu sein. Das hätte aber auch keiner von uns wirklich erwartet. Tatsächlich mussten wir uns am Ende noch ziemlich beeilen, um rechtzeitig um 12 Uhr vor der Village Stage zu sein.

Dort spielten LEAF ihr einziges Konzert an diesem Castlefest-Wochenende. Und so ziemlich nichts auf der Welt hätte mich dazu gebracht, das zu verpassen, denn obwohl ich die Band schon seit einigen Jahren kenne und mag, hat es einfach nie geklappt, sie live zu sehen. Es war manchmal kurz davor, aber irgendwas kam dann doch dazwischen. Egal, das ist ja nun Vergangenheit. ^^

Gleich zu Beginn erwartete die Besucher die Ankündigung, dass sie gleich nicht nur LEAF, sondern auch noch Seed sehen würden. Das war für mich eine nette Überraschung. Aber los ging es jedenfalls mit LEAF, die neben Songs ihrer EP auch einiges von ihrem kommenden Album "Innri" vorstellten, welches leider ganz knapp zu spät fertig wurde, um beim Castlefest vorzuliegen. Das alles klang sehr vielversprechend und hat richtig meine Vorfreude auf das Album geweckt. Sängerin Kaat hat in der näheren Vergangenheit viel mit den Norwegern von Wardruna zusammengearbeitet - ein Einfluss, der bei den neuen Stücken durchaus hörbar war und sehr spannend klang.
Kaat von LEAF

Irgendwann verließ Kaat dann die Bühne und Seed begannen ihr Set. Im Gegensatz zu LEAF hatte ich diese bereits einmal live gesehen. Seitdem hatte sich aber auch bei ihnen einiges getan und sie hatten mit "Portal To Elfland" ein eigenes Album mit im Gepäck. Es wurde meine zweite musikalische Neuanschaffung dieses Wochenendes. Seed konnten mich nämlich auf ganzer Linie überzeugen mit ihrem Pagan Folk, der mal ruhig, mal heiter daherkam und Geschichten zu erzählen wusste, seien sie nun mit oder ohne Text.
Lars von Seed
 
Eine Pause war uns danach nicht vergönnt. Auf dem Weg zur großen Bühne blieben wir für ein paar Minuten an der Folk Stage hängen. Dort wurde ziemlich ausgelassen zu den Klängen von Omdulö getanzt, die sich dazu auch wirklich anboten. Für mich wurde die Band die persönliche musikalische Neuentdeckung des Festivals schlechthin und ich bedauere es sehr, dass es uns nicht gelang, ein ganzes Set anzusehen sondern nur dieses Bruchstück. Immerhin konnte ich am Sonntag beim Miroque-Stand noch eine CD der Band entdecken und mit nach Hause nehmen...
Florian von Omdulö

Irgendwann erreichten wir jedenfalls tatsächlich noch die Forest Stage, wo sich Trobar de Morte die Ehre gaben. Es war ein ziemlich ungewöhnlicher Anblick, Lady Morte einmal in Weiß zu sehen, kennt man die Band sonst doch eher in Tiefschwarz. :D
Daimoniel von Trobar de Morte

Im Anschluss hatten wir endlich einmal ein bisschen Zeit, um über das Gelände zu schlendern und uns all die schönen Dinge, die von den Händlern verkauft wurden anzusehen. Wer genug Geld hat, bekommt auf dem Castlefest wirklich alles, wonach sein Herz verlangen könnte. Mangafans kommen genauso auf ihre Kosten wie Steampunker und die Auswahl an Klamotten für LARP, Mittelalter, Gothic und natürlich Pagan Folk ist wirklich riesig. Da sich die Festivalsaison zu dieser Zeit auch schon langsam ihrem Ende zuneigt, findet man auch an vielen Ständen schon einen Ausverkauf. Mein Favorit diesbezüglich ist Lila Pixie, auch wenn dort in diesem Jahr leider ausnahmsweise mal keiner von uns fündig wurde.

Im Musikprogramm ließen wir uns dann ein bisschen hin und her treiben. Erst gab es nochmal ein bisschen Rastaban, dann statteten wir Stille Volk einen kurzen Besuch ab. Diese wussten uns aber beide nicht so recht zu überzeugen, weswegen wir uns zurück zur Hauptbühne treiben ließen - um doch ganz knapp die große Kissenschlacht von La Horde zu verpassen.

Trotzdem blieben wir da, denn La Horde waren wieder einmal großartig. Es gab eine Wall of Hugs und ich schloss mich einem riesigen Tanzkreis an, was ein Heidenspaß war. :D
Ein richtiges Highlight bei La Horde war auch wieder die Präsentation des Merchandisings. Die Band verkauft nämlich nicht nur schnöde T-Shirts, nein. Sie verkaufen Panties mit La Horde-Aufdruck. Und sie lieben es, diese auf der Bühne zu präsentieren. Oder präsentieren zu lassen. Oder auch einfach nur zu erwähnen, dass es sie gibt.
"We have panties!" - La Horde

Nach La Horde hatten wir wieder kein richtiges Ziel, dafür aber Hunger. Die Nahrungssuche führte uns zur Meadow Stage, wo The Frying Dutchman (Ich liebe diesen Namen. Wirklich! xD) Hamburger verkaufte. Für wen das jetzt öde und ordinär klingt: kein aufgetautes Halbfertigzeugs, sondern gut gewürzte, aus biologischem Fleisch gemachte Hamburger mit selbst gemachter Sauce und richtig gutem Burgerbrötchen. Ich kriege gerade beim Schreiben Hunger, wenn ich daran denke. :D

Wo wir dann schon einmal da waren, blieben wir auch noch eine Weile beim Konzert von Triskilian, bevor es dann höchste Zeit wurde, sich einen Platz zu sichern für den wichtigsten Programmpunkt auf dem Castlefest...

Fortsetzung folgt!

Sonntag, 9. August 2015

Castlefest Nachbericht Teil 2: Ein Highlight jagt das Nächste

Es gelang uns, pünktlich an der großen Forest Stage zu stehen, um den Beginn des Auftritts von The Dolmen mitzuerleben. Das hier war nämlich ein Konzert, welches ich um keinen Preis verpassen wollte. Mal davon abgesehen, dass The Dolmen sowieso eine tolle Band sind, gab es an jenem Tag noch zwei ganz besondere Anreize für den Konzertbesuch: The Dolmen hatten nämlich angekündigt, an diesem Tag eine Live-DVD aufnehmen zu wollen und sie hatten Besuch mitgebracht.

Menschen, die sich ein wenig in der Mittelalterszene bewegen, dürften die Besucherin sogar wiedererkennen:
Anja als Flötenspielerin bei The Dolmen

Anja Novotny war bis vor einiger Zeit festes Mitglied bei Metusa und viele waren traurig, als sie ging. Um so schöner, sie noch einmal auf einer Bühne wiederzusehen. Sie lieh The Dolmen auf dem Castlefest ihre Flötenkünste und wird wohl auch auf dem in vermutlich eher näherer Zukunft erscheinenen neuen Album der Band, welches auf den Titel "Nuada" hören soll, vertreten sein. Mich freut es. :)

The Dolmen lieferten ein großartiges Konzert ab und die Menge tobte sehr bald. Sie hätten sich sicher keinen besseren Ort für eine DVD-Aufnahme aussuchen können als das Castlefest. Die Band, die auf eine über zwanzigjährige Geschichte zurückblicken kann, präsentierte zur Feier des Anlasses auch selten gespielte, ältere Lieder aus ihrem Repertorie. Doch auch neuere und allseits bekannte und beliebte Songs wie "Rebel Fairy Fling", "The Islander" oder mein persönlicher Leibling "Dead Cats don't meow" fehlten nicht. Ich bin schon wirklich gespannt auf das fertige Werk!
Kayleigh Marchant, The Dolmen
 
Nach dem Dolmen-Konzert wurde es plötzlich auffällig leer auf dem Gelände, man konnte sich freier die Straßen mit den Ständen entlangbewegen, als man es sonst gewohnt ist. Woran das lag? Auf der Village Stage spielten Omnia. Und da das Castlefest und Omnia schon von jeher zusammengehören, will sich das kaum jemand entgehen lassen. Vor der Bühne war dann auch die Hölle los, weswegen wir lieber zur Folk Stage umschwänkten und ein wenig den Tänzern bei Kelten Zonder Grenzen zusahen. 

Zum letzten Auftritt des Abends standen wir dann aber wieder bereit an der Hauptbühne und bemühten uns sogar einmal um einen Platz in der ersten Reihe. Schließlich waren es die einzigartigen Euzen, die dort gleich spielen sollten!

Auch Euzen kamen in diesem Jahr mit neuem Album zum Castlefest. Das Werk trägt den Namen "Metamorph" und die Band präsentierte einige Songs aus diesem. 
Schon der Beginn des Konzertes war fulminant, als die Band "The Stage" spielte und dabei von einer atemberaubenden Lichtshow unterstützt wurde. Zuständig für das Licht zeigte sich bei ihrem Auftritt nämlich Kilian Keuchel, der auch das Licht für Faun macht.


Sängerin Maria zog während des Konzertes wieder einmal alle Blicke auf sich mit ihrer Ausstrahlung und Bühnenpräsenz. Auch ihr Kleid (Design: Marie-Louise Ridderberg) war ein echter Hingucker. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie viele Tausend Fotos an diesem Abend von ihr entstanden sind. ;)
Maria Franz, Euzen
 
Neben den neuen Songs wie "Wasted" oder "Phobia" spielten Euzen aber natürlich auch ältere Songs wie "Judged By" und die Konzertzeit ging viel zu schnell zu Ende. Schnell machten wir uns auf den Weg nach Hause. Am nächsten Tag sollte es auf dem Castlefest schon um 10 Uhr losgehen...

Fortsetzung folgt!

Freitag, 7. August 2015

Castlefest Nachbericht Teil 1: Auf erster Entdeckungstour am Freitag

Die alljährliche Castlefest-bedingte Tiefenentspannung hatte bei der Festivaleröffnung am Freitag eindeutig bereits eingesetzt. Darum schafften wir es auch nicht gleich zu Einlass um 11 Uhr auf das Gelände, da das unser gemütliches Frühstück beeinträchtigt hätte. :D

Trotzdem kamen wir immernoch früh genug an, um einen kleinen Ausflug zu Hats 'n Dreads zu machen, bevor die ersten geplanten musikalischen Punkte auf unserem Programm standen. Dieser Stand ist einfach jedes Jahr ein muss, denn dort kann man wunderbare Wooldreads in allen Farben und Längen bekommen und bei Bedarf auch gleich einsetzen lassen. Ich habe dieses Jahr nur einige neue Dreads mitgenommen, keine einsetzen lassen, aber die Vorteile des Einsetzen Lassens sind wirklich nicht zu verachten. Ich selber bekomme die Dinger nie so nah an meinen Haaransatz und sie halten auch nicht so bombenfest wie wenn es professionell gemacht wird. :D

Musikalisch begann der Tag für mich dann um 12 Uhr Mittags mit Irfan. Die Bulgarier sind oft und gerne gesehene Gäste auf dem Castlefest, und in diesem Jahr hatten sie neben dem lange angekündigten neuen Album "The Eternal Return" auch ihre neue Sängerin Darina Zlatkova mit dabei. Ich habe Irfan auf diesem Castlefest zum dritten Mal gesehen, und jedes Mal hatten sie eine andere Sängerin dabei. Faszinierenderweise waren sie alle auf ihre Art und Weise gut, und das galt auch in diesem Jahr wieder, überzeugte Darina doch mit ihrer vollen Stimme, die wunderbar zum atmosphärischen Sound der Band passt. 

Ivaylo von Irfan

Im Anschluss an Irfan hatten wir uns eigentlich die Dänen von Trolska Polska ansehen wollen, doch daraus sollten an diesem Freitag nichts werden. Die Band hatte irgendwelche technischen Probleme und nachdem eine gefühlte Ewigkeit nichts passiert war, entschieden wir uns um und wechselten zur Folk Stage, auf der die Belgier von Rastaban ihr erstes Konzert des Festivals gaben.

Rastaban gehören zu den Stammbands des Castlefests, bisher waren sie in allen vier Jahren, an denen wir das Festival besuchten, zu Gast und verbreiteten mit ihrem Tribal Folk gute Stimmung. Das mit der guten Stimmung war auch in diesem Jahr nicht anders. Die Leute tanzten und die Bandkollegen von La Horde feuerten aus dem Publikum nochmal zusätzlich an.


Marine von Rastaban

Genau wie Irfan hatten auch Rastaban neue Musik mitgebracht, ihr zweites Album "Arise", welches mein erster Musikeinkauf an diesem Wochenende wurde. Ich werde es irgendwann später vorstellen, wenn ich endlich mal mit der Musik-Bestenliste aus dem vergangenen Jahr durch bin. :P

Ohne Pause ging es im Programm für uns weiter. Auf der Village Stage spielten Cesair ihr erstes Set, und das wollten wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen. Als erste Band des Tages, die wir uns anschauten, hatten Cesair kein neues Album dabei. Als Kompromiss hätte es da eine überarbeitete Variante des ersten Albums gegeben, aber lassen wir das...

Cesair präsentierten jedenfalls Songs ihres großartigen einzigen Albums, aber auch neue Stücke, die richtig große Lust auf einen Nachfolger machten. Auch live gefällt mir die Band von Jahr zu Jahr besser, da ist mittlerweile richtig viel Energie auf der Bühne (wobei ich aber anmerken möchte, dass die Band auch schon am Anfang keine schlechte Liveband war!).
Fieke von Cesair

Nach dem Auftritt von Cesair gab es endlich eine kleine Programmpause für uns. Wir blieben, wo wir waren, besorgten uns etwas zu Essen (Gefülltes Brot mit Käse, köstlich!) und machten es uns auf dem Gras gemütlich. Und auf dem Gras war es so gemütlich, dass wir irgendwie den Anfang von Folk Noir verpassten. :D

Und jetzt muss es leider raus: Folk Noir, auf die ich mich sehr gefreut hatte, wurden für mich die musikalische Enttäuschung des diesjährigen Castlefests. Die Band, in der auch Oliver und Stephan von Faun spielen, hatte sich nach dem Ausstieg von Kaat Geevers eine neue Sängerin zugelegt. Das fand ich schade, weil ich Kaat mag, aber es kam wenig überraschend. Ihren Platz nahm Livy Pear ein, die auch sehr sympathisch rüberkam und eine wirklich sehr gute Stimme vorzuweisen hat. 

Livy Pear von Folk Noir

Wo dann also das Problem war? Das Problem lag darin, dass diese neuen Folk Noir musikalisch nicht mehr viel mit dem zu tun hatten, was Folk Noir vorher ausgemacht hat. Ruhige, oftmals leicht düster angehauchte Folkklänge nämlich. Was da aus den Boxen kam, war sehr gitarrenlastig und irritierend laut für mich und es hat - schlicht und ergreifend - so gar nicht mehr meinen Geschmack getroffen. Was man mir wohl auch angesehen hat... ^^

Weiter ging es dann mit La Horde - eine Band die man sich, sollte sich die Chance bieten, nicht entgehen lassen sollte. Wo La Horde sind, tobt die Party. Die Folk Party, versteht sich. Manchmal mit einem gewissen Hauch Neunzigerjahre Eurodance. Klingt abgedreht? Ist es auch, aber so verdammt gut. :D 

Eigentlich auf dem Weg zur Hauptbühne blieben wir im Anschluss noch kurz bei Shireen auf der Folkstage hängen. Dort begegneten uns Thomas und Sophie wieder, die wir zuvor schon auf der Bühne mit Cesair bewundern durften. Im Gegensatz zu diesen waren mit Shireen vorher jedoch (außer dem Namen nach) unbekannt. Was es hier zu hören gab und was die Band auf ihrem facebook-Profil als Witchpop bezeichnet, konnte aber durchaus punkten, wenn wir auch leider nur kurz bleiben konnten.
Annicke von Shireen

 Denn mittlerweile war es schon früher Abend geworden und zwei Highlights warteten auf uns, die wir auf keinen Fall verpassen wollten. Doch davon mehr in meinem nächsten Post...

Mittwoch, 5. August 2015

Zurück auf dem schönsten aller Festivals - Das Castlefest Openings Concert

Das letzte Wochenende war ein lange herbeigesehntes. Man könnte sogar behaupten, dass ich es seit genau einem Jahr herbeigesehnt habe. Immer um den ersten August herum zu den Lughnasadh-Feierlichkeiten wird nämlich im niederländischen Lisse in der Nähe von Amsterdam das Castlefest veranstaltet.

In diesem Jahr feierte das Festval sein elfjähriges Bestehen, für uns war es der vierte Besuch. Obwohl das eigentliche Festival erst am Freitag beginnt, hatten wir uns in diesem wie auch schon im letzten Jahr entschieden, auch das Openings Concert am Donnerstag zu besuchen.

Nach einer ziemlich langen Anreise war ich bei der Ankunft reichlich müde, aber das verflog bald erstmal wieder. Zu schön war es, endlich wieder dort zu sein und die ersten Teile des Geländes zu erkunden sowie die ersten bekannten Gesichter wiederzusehen.

Auch das kulinarische Angebot rund um die große Hauptbühne wurde von uns schon einmal in Augenschein genommen, wobei wir glücklich feststellten, dass unser heißgeliebter Stand Vegetarisch in Berlin auch wieder vor Ort war. Der wurde dann auch gleich angesteuert und die ayurvedische Reispfanne getestet und als gut befunden. Es sollte nicht unser letzter Besuch bei diesem Stand werden.

Von der ersten Band bekamen wir bei all den Eindrücken noch relativ wenig mit. Die Niederländer von Scotch spielten ihren auf der Castlefest-Hoempage ziemlich passend als Party Folk beschriebene Musik und brachten die Leute ordentlich zum Tanzen.

Da ich an diesem Tag gar keine Fotos gemacht habe (zu müde, zu faul, zu beschäftigt damit, alles anzuschauen), werde ich diesen Beitrag mit Videos unterlegen. Das bietet sich an, da dank André Broens die ersten guten Videos dieses Tages bereits online sind:


Für den Hauptact des Tages bemühten wir uns dann aber doch einmal in Richtung Bühne. Als Afro Celt Sound System für das Castlefest angekündigt wurden, gerieten die Leute ganz aus dem Häuschen. Anscheinend herrschte nur bei uns allgemeine Unkenntnis der Band, die bereits seit 1995 elektronische Tanzbeats, Irischen Folk und traditionelle afrikanische Musik mixt und die einige Jahre überhaupt nicht live aufgetreten waren. Aber unsere Neugier war geweckt, und sie wurde nicht enttäuscht.

Das komplette Set von Afro Celt Sound System war spannend, abwechslungsreich und sehr, sehr tanzbar. Auf der Bühne passierten so viele Dinge, dass es nie langweilig wurde und selbst wenn ich mittlerweile unsäglich müde war, hätte ich um nichts in der Welt früher gehen mögen. Die Begeisterung im Publikum war insgesamt groß, auch zahlreiche der an den kommenden Tagen spielenden Bands feierten in der Menge mit.


Als das Konzert irgendwann zu Ende ging, machten wir uns direkt auf den Weg zu unserem Bed & Breakfast, wo ich in circa 2 Minuten auch schon eingeschlafen war. :D Am nächsten Tag sollte es schon wesentlich früher weitergehen. Doch davon später mehr....

Dienstag, 4. August 2015

Buchvorstellung: Bernard Cornwell - Das Fort

Hallo da draußen! :) 

Nach einer kleinen Blogpause melde ich mich heute erst einmal mit einer Buchrezension zurück. Ich hatte ja erzählt, dass ich vor einiger Zeit ein Buch bei einer Verlosung auf lovelybooks gewonnen habe. Dieses habe ich mittlerweile ausgelesen und auch rezensiert, möchte es nun aber auch gerne hier vorstellen.

In den kommenden Tagen wird es von mir vermutlich eine ganze Schwemme an Beiträgen zum vergangenen Wochenende geben, aber bis ich mich durch die 700 Fotos, die ich da gemacht habe, gewühlt habe, müsst ihr wohl mit dieser bereits fertigen Rezension vorlieb nehmen. Ich wünsche viel Spaß! :D


Rezension zu "Das Fort" von Bernard Cornwell:

Autor: Bernard Cornwell
Titel: Das Fort [engl. Original: The Fort]
Erschienen: 2011 [engl.: 2010]

Amerika im Jahr 1779: Die Boston Tea Party liegt sechs Jahre zurück, doch der Kampf der amerikanischen Kolonien gegen die britische Krone geht weiter.

Als die Briten in Neu-England mit der Errichtung eines Forts beginnen, bedeutet das für die nach Unabhängigkeit strebenden Amerikaner eine Provokation sondergleichen. Um das Fort zu erobern, wird eine riesige Flotte zusammengestellt und unzählige Infanteristen werden angeworben.

Doch schon bald zeigt sich, dass sich ein erfolgreicher Kampf gegen die gut ausgebildeten britischen Rotröcke nicht nur mit großer zahlenmäßiger Überlegenheit gewinnen lässt. Viele der - oftmals zwangsverpflichteten - Infanteristen scheuen den Kampf und zwischen den Führern der amerikanischen Truppen kommt es immer wieder zu Streitereien, die einen Angriff auf das mit der Zeit immer besser ausgebaute Fort George verzögern. Werden sich die Amerikaner am Ende überhaupt gegen die viel kleinere Armee der britischen Krone durchsetzen können? 


Bernard Cornwell beleuchtet in seinem historischen Roman "Das Fort" eine Episode der britisch-amerikanischen Geschichte, die weitgehend unbekannt ist. Bei dem Kampf um Fort George handelt es sich um eine von zahlreichen Kriegshandlungen des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Obwohl sie für den Krieg selbst keine größere Bedeutung hatte, ist Cornwells Interesse an eben dieser Epsiode gut nachvollziehbar.

Zu Beginn könnte die Situation der Amerikaner zur Eroberung des neuen Forts kaum besser sein: Sie sind klar in der Überzahl und es gibt unter ihnen Menschen, die die Gegend kennen. Zudem ist Fort George zu Anfang noch so schwach ausgebaut und unterbesetzt, dass es bei einem Angriff kaum verteidigt werden könnte. Doch weite Teile der amerikanischen Truppen haben keine oder nur eine unzureichende militärische Ausbildung genossen. Das zeigt sich auch deutlich in ihrem Handeln. Da werden Kompetenzen nicht anerkannt, Waffenbestände nicht richtig verwaltet, Befehle nicht befolgt. Bei den Fußtruppen befinden sich Kinder und Greise und viele ziehen es vor, sich im Ernstfall im Wald zu verstecken anstatt zu kämpfen.

Der Leser folgt der Handlung mit einem immer stärkeren Kopfschütteln. Eine Chance nach der anderen wird verspielt, sodass am Ende gar nicht mehr sicher ist, was am Anfang als Selbstverständlichkeit scheint: nämlich der schnelle Sieg für die amerikanischen Aufständischen gegen die kleine Gruppe britischer Rotröcke.


Inhaltlich ist "Das Fort" von der ersten bis zur letzten Seite spannend. Es vermittelt dem Leser viel Wissen über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und über wichtige historische Personen dieses Krieges, von denen erstaunlich viele am Kampf um Fort George teilgenommen haben.

Leider hat das Buch auch seine Schwächen: Obwohl 600 Seiten stark, bleiben die Charaktere hier fast durchgehend blass und ohne großen Wiedererkennungswert. Ich fand es deswegen schwierig, mich einzulesen. Oft musste ich lange überlegen, mit welchem der oft wechselnden Charaktere ich es gerade zu tun hatte, welcher Seite dieser angehörte und welche Standpunkte er vertrat.

Einzig Peleg Wadsworth sticht hier für mich ein wenig hervor. Sucht man in Cornwells Roman eine Hauptfigur, würde das am ehesten auf ihn zutreffen.

Auch die Schlachtenszenen, für die Cornwell ja berühmt-berüchtigt ist und die ich in seinem zahlreichen Mittelalterromanen so schätze, konnten mich in "Das Fort" nicht so richtig ergreifen. Am ausführlichsten beschrieben werden in dem Roman die Seeschlachten, denen zu folgen ich persönlich als schwierig empfunden habe, weil mir einfach das nötige nautische Vokabular fehlte.

Insgesamt fand ich Bernard Cornwells Roman "Das Fort" durchaus lesenswert, sein bestes Buch ist es meiner Meinung nach aber nicht.

Meine Bewertung: 

♥♥♥♥♥
[5/5]