Wie zu jedem Jahreswechsel, möchte ich auch dieses Mal wieder (wenn auch leider verdammt spät) meinen kleinen musikalischen Rückblick in das vergangene Jahr machen. Auch 2017 sind wieder einige beachtenswerte Alben erschienen, die ich an dieser Stelle noch einmal kurz würdigen möchte. Rezensionen folgen wie immer, wenn und falls ich Lust und Muße habe und werden gegebenenfalls dann auch gleich verlinkt.
Meine Alben des Jahres 2017, wie immer alphabetisch und nicht irgendeinem Rang folgend:
* Ja, ich weiß, dass dieses Album streng genommen schon 2016 erschienen ist. Da sich mir aber erst letztes Jahr die Möglichkeit bot, es zu erwerben und anzuhören, musste ich es also mit in dieses Jahr tragen.
Kein Folk, aber trotzdem keinesfalls zu vergessen:
Irgendwie haben mich momentan die Schreibfaulheit und eine hartnäckige Erkältung voll im Griff. Darum hinke ich nun irgendwie richtig massiv hinterher mit den Dingen, über die ich eigentlich noch so hatte schreiben wollen. Zeit, der liegen gebliebenen Arbeit den Kampf anzusagen!
Kurz vor Weihnachten (ich sagte ja, es ist massiv) ergab sich relativ spontan ein Tagesausflug zum Winter Castlefest. Eigentlich ist der Weg ins niederländische Lisse ja ein bisschen weit für einen solchen spontan-Tagestrip, aber das Line Up war so gut, dass wir diesen Umstand gekonnt ignorierten und am Samstag einfach fuhren. Und was für ein Glück, dass wir das getan haben!
Ein bisschen merkwürdig war es schon, das uns in den mittlerweile recht zahlreichen Jahren, die wir das sommerliche Castlefest schon besuchen so vertraute Gelände plötzlich im tiefsten Winter wiederzusehen. Doch das Glücksgefühl ließ trotz leichten Nebels nicht lange auf sich warten, denn die Castlefest-Stimmung war zweifelsohne da.
Wir erreichten das Festivalgelände ziemlich pünktlich zu Beginn des ersten Konzertes. Dieses wurde von Sowulo im warmen Zelt gegeben. Die Konzerte sollten sich fortan den ganzen Tag ziemlich nahtlos auf jener Bühne im Zelt und einer kleinen Freiluft-Bühne abwechseln. Während dieses ersten Konzerts fiel es mir noch ziemlich schwer, mich auf das Geschehen auf der Bühne zu konzentrieren, sodass ich Sowulo irgendwie eher gehört als gesehen habe. Doch da war eben noch zu viel Neues um mich herum, Eindrücke wollten gesammelt werden und das Zelt in Augenschein genommen werden. Trotzdem habe ich das Konzert von Sowulo als sehr schön in Erinnerung, die Band heizte dem Publikum ordentlich ein und präsentierte dabei auch gleich das eine oder andere neue Stück. Schließlich hatten sie sich das Winter Castlefest zum Release-Termin ihres neuen, zweiten Albums "Sol" auserkoren, welches gleich nach dem Konzert Einlass in meine Musiksammlung fand.
Die kurze Konzertpause nach dem Auftritt von Sowulo nutzten wir, um uns den Rest des Geländes ein erstes Mal näher anzusehen. Ein erster Rundgang war relativ schnell bewerkstelligt, umfasst das Areal doch nur einen Bruchteil der Fläche des großen Castlefests im August.
Im Anschluss konnten wir uns dann wieder im Zelt aufwärmen und dabei die Klänge von Shireen genießen. Auch die spielten einiges bisher unveröffentlichtes Material, welches große Lust auf das in Arbeit befindliche erste Album der Band machte.
Ohne Pause ging es nach dem Auftritt von Shireen draußen mit Virelai weiter, die wir natürlich nicht verpassen wollten. Es war schon eine ganze Weile her, dass man die Band auf einem Castlefest erleben durfte und sie waren von uns schmerzlich vermisst worden. Hier bot sich auch die erste tolle Gelegenheit zu tanzen, wie man eben nur auf einem Festival wie dem Castlefest tanzen kann. Angeführt von Sängerin Mia tanzten wir gefühlt eine Viertelstunde in großen Kreisen und Schleifen über das Gelände. Anstrengend, aber auch superspaßig!
Virelai
Wieder ohne Pause fingen im Zelt Seed mit ihrem Set an, bei denen wir aber leider eine Auszeit nehmen mussten. Irgendwann muss man nunmal auch grundlegende menschliche Bedürfnisse befriedigen, und schon am frühen Nachmittag vor Hunger umfallen wäre doch irgendwie dumm gewesen ;) Während Seed also im Zelt sicher einen tollen Auftritt hinlegten (ich habe keinen Grund daran zu zweifeln, durfte ich mich von den Live-Qualitäten der Band doch zuletzt wenige Monate zuvor auf dem Sommer Castlefest überzeugen), begaben wir uns zum Frying Dutchman.
Danach ging es dann aber mit voller Energie weiter, als auf der Außenbühne Asynje spielten. Wenn es eine Band gibt, deren Abwesenheit beim Castlefest mich in den vergangenen Jahren richtig, richtig hart getroffen hat, dann war es die von Asynje. Denn diese Band passt einfach zu diesem Festival, als wären sie füreinander geschaffen worden. Insbesondere den Song "Viking Party Polka" verbinde ich so stark mit dem Castlefest und er weckt jedesmal so schöne Erinnerungen, dass ich am liebsten sofort anfangen würde, durch den Raum zu tanzen, wenn ich ihn höre. Notfalls auch durchs Zugabteil, wenn ich ihn eben unterwegs höre. :P
Jedenfalls wurde natürlich auch dieses Asynje-Konzert ein absolutes Highlight des Tages, zumal Sängerin Nanna in einer ganz - nennen wir es mal "speziellen" - Laune war und so abging, dass selbst ihre Bandkollegen aufrichtig erstaunt wirkten.
Asynje
Das anschließende Konzert von The Dolmen sahen wir auch nicht ganz komplett, denn es wurde Zeit, dem Auto einen Besuch abzustatten um die mittlerweile gesammelten Einkäufe zu verstauen. Zu der Sowulo-CD hatten sich nämlich in der Zwischenzeit noch CDs von Trolska Polska, Asynje und The Dolmen sowie ein Castlefest-Geburtstagskalender gesellt. Die Bands hatten sich wahrlich nicht lumpen lassen, was neue Veröffentlichung pünktlich zum Winter Castlefest anging! Das Finale des Konzerts bekamen wir zum Glück aber doch noch mit, und es ließ mich ein wenig bedauern, den Rest verpasst zu haben. Aber so ist das nunmal, wenn es den ganzen Tag quasi keine Pausen im Line-Up gibt, und wir hatten wirklich lange überlegt, welche Auftritte wir "opfern" würden und uns mit Seed und The Dolmen schweren Herzens für die beiden entschieden, die wir schon im August gesehen hatten.
Mittlerweile war es draußen vollständig dunkel geworden. Als letzte Band auf der Außenbühne spielten Trolska Polska ihre einzigartigen Trollklänge. Die Dänen hatten sich dabei gleich ganz kompromisslos entschieden, ihr ebenfalls gerade erschienenes zweites Album "Untold Tales" komplett vorzustellen und gar keine alten Stücke zu spielen. Das Konzept ging auf, Band und Publikum hatten sichtlich Spaß beim imitieren von Trolltänzen- und Geräuschen.
Die gute Stimmung wurde dann gleich weiter ins Zelt getragen, wo Rastaban ihren Auftritt hatten. Die Belgier bewiesen wieder einmal, dass sie eine super Liveband sind, und brachten das Publikum ordentlich zum tanzen. Ich freute mich an diesem Tag bereits darauf, dass ich die Band keine zwei Wochen später bei ihrem ersten Deutschland-Konzert auf dem Mittelalterlichen Lichter-Weihnachtsmarkt in Dortmund würde wiedersehen dürfen.
Nach dem Konzert gab es dann tatsächlich mal eine Spielpause, die wir für einen weiteren Besuch beim Frying Dutchman nutzen (ist sehr lecker da, aber das kulinarische Angebot war bedauerlicherweise auch wirklich etwas arg klein, sodass sich die Alternativen in Grenzen hielten). Danach suchten wir uns einen Platz für das Yule-Ritual.
Dieses wurde 2016 von Taloch Jameson, dem Sänger von The Dolmen geleitet, der auch in seiner englischen Heimat in derartigen Zeremonien aktiv ist und das Ritual zu einem ganz besonderen, unvergesslichen Erlebnis machte. Ganz dicht bei uns stand eine Gruppe junger Leute, die ziemlich negativ auffielen, weil sie das Ganze offensichtlich für einen dummen Scherz hielten. Kaum hatte Taloch jedoch mit der Zeremonie begonnen, wurden auch sie ganz still. Jeder lauschte seinen Worten, die - obwohl nicht laut - im ganzen Publikum verstanden werden konnten. Wie beeindruckend es schließlich war, als plötzlich die ganze versammelte Menschenmenge schwieg. Und was für eine Kraft sie dann entwickelte, als alle gemeinsam anhoben zu summen und schließlich zu rufen! Das waren wirklich ein paar magische Minuten für alle Versammelten.
Leider blieb nicht viel Zeit, um ganz in Ruhe den Gedanken und Gefühlen nachzuhängen, die eine solche Zeremonie in einem auslöst, folgte doch sogleich das letzte Konzert des Festivaltages. Dieses wurde von den wunderbaren Euzen gespielt. Wie üblich klebten meine (und sicherlich nicht nur meine) Augen förmlich das ganze Konzert über auf Sängerin Maria, die einfach eine sagenhafte Ausstrahlung und Bühnenpräsenz besitzt. Das großartige Outfit, dass sie trug (entworfen von Annicke, der Sängerin von Shireen) fing ebenfalls die Blicke der Leute ein.
Es wurde ein wundervoller Ausklang für einen durch und durch schönen Festivaltag. Die Musik von Euzen lud zum tanzen und singen und sich einfach nur wohlfühlen ein. Viel zu schnell ging der Auftritt dann auch seinem Ende entgegen und es wurde Zeit, sich zu verabschieden von diesem wundervollen Ort mit all seinen wundervollen Menschen.
Wir sehen uns im August, liebes Castlefest. Und vielleicht sehen wir uns dann ja auch nochmal im Dezember. Und ganz vielleicht dann auch nicht nur für einen Tag. Mal schauen, was die Zeit für Möglichkeiten eröffnet! ♥
Gemäß der Tradition schafften wir es auch am zweiten Tag des Festivals, dem bereits im Vorfeld ausverkauften Samstags, nicht pünktlich zur Eröffnung zum Gelände. Dennoch lagen wir gar nicht so schlecht in der Zeit und bekamen so noch ein paar Minuten vom Balfolk-Workshop mit. Wie schön es war, nach dem insgesamt eher ruhigen Freitag wieder so viele fröhlich tanzende Menschen zu sehen!
Balfolk-Workshop
Bei einem anschließenden kurzen Spaziergang über das Gelände sahen wir den Walking Act "Die Parade von Narziss". Das war ein faszinierender Anblick mit dem selbstverliebtem Narziss auf seinem Wagen, stelzenlaufenden Narzissen und einer fahrenden Bienenwabe!
Die Parade von Narziss
Im Anschluss an den Workshop trug es uns zur Folk Stage, auf der Pyrolysis spielten. Auch hier wurde heftig getanzt, lud die Musik der niederländischen Folkband doch wahrlich dazu ein. Die musikalischen Einflüsse schienen von Irish Folk bis zum Shanty, von Rapalje bis zu Flogging Molly zu reichen und ergaben so eine Mixtur, die wirklich großen Spaß machte. Außerdem hatten Pyrolysis mit Abstand das tollste Bandlogo des Festivals, ein Piraten-Kaninchen, das nun auch mein neustes Bandshirt ziert. :D Mal schauen, ob ich dieses Shirt am kommenden Wochenende nicht mal auf dem Pirates!-Festival in Jülich Spazieren führe. Da würden sich Pyrolysis nämlich sicher auch ganz ausgezeichnet in einer künftigen Auflage machen. ;)
Party vor der Bühne bei Pyrolysis
Als der Auftritt von Pyrolysis zu Ende war, ging es weiter zur Hauptbühne, um noch ein paar Minuten vom Konzert von Scotch mitzbekommen. Im letzten Jahr hatten wir diese ebenfalls niederländische Band irgendwie ziemlich sträflich ignoriert. Obwohl der Party Folk der Jungs wirklich Laune machte, wurde es auch in diesem Jahr wieder nur eine kurze Freude für uns. Meiner Freundin fiel auf, dass sie ihr Opfer für das später am Tag stattfindende WickerDragon-Ritual im Bed & Breakfast hatte liegen lassen. Das war natürlich unvertretbar, also musste flott ein Plan entworfen werden. Ein Glück, dass ein Freund, den wir im Steampunk-Garten beim gemütlichen Teetrinken wiederfanden, auf dem Festivalcampingplatz sein Klapprad dabei hatte. So konnte das Problem doch noch recht schnell gelöst werden.
Pünktlich zum Konzert von Seed trafen wir uns dann alle an der Village Stage wieder. Die Pagan Folk Band mit einem der wohl niedlichsten Maskottchen weit und breit gefällt mir live von Mal zu Mal besser. An diesem Samstag lieferten sie ein energiegeladenes, gutgelauntes Konzert, dessen positive Stimmung sich auch schnell auf das Publikum übertrug.
Seed
Auch nach Seed blieb uns nicht viel freie Zeit, bis der nächste Programmpunkt folgt, den wir nicht verpassen wollten. Der Samstag ist eindeutig der Haupttag des Castlefests, da bleibt zumindest tagsüber meist wenig Zeit für Enstpannung. Aber so ein bisschen Stress ist schon in Ordnung, wenn man dafür ein so wunderbares Konzert wie das von Kaunan erleben darf! Wem der Name noch nichts sagt, dem dürfte doch zumindest eines der Mitglieder gut bekannt sein. Kaunan besteht aus Oliver SaTyr von Faun an der Bouzouki, Boris an der Kontrabasharpa und Göran an Drehleier und Dudelsack. Die deutsch-österreichisch-schwedische Band spielt schwedische Polskor, eine Art schwedischer, traditioneller Tanzmusik. Das klingt für unsere Ohren mitunter etwas ungewohnt, aber lädt auch sofort dazu ein, selbst das Tanzbein schwingen zu wollen. Für mich bildete dieses Konzert einen der ganz großen Höhepunkte des diesjährigen Castlefests. Vielleicht schaffen die drei Herren es ja doch eines Tages mal, das eine oder andere von ihnen gespielte Lied aufzunehmen. Bei den Besuchern des Castlefest-Auftritts würde eine solche Veröffentlichung jedenfalls sicher auf großes Interesse stoßen.
Kaunan
Nach Kaunan wurde es dann ernst: Die Verbrennung des WickerDragon war nicht mehr fern, und wir hatten aus oben erwähnten Gründen unsere Opfer noch nicht dargebracht. Es war mittlerweile beinah18:30 Uhr, wir hatten seit dem Frühstück nichts mehr gegessen und vor dem WickerDragon wartete eine nicht unbeträchtliche Menschenmenge darauf, ebenfalls zum WickerDragon vorgelassen zu werden. Die Heidense Bende brachte gerade ihr Opfer in einer großen Zermonie dar. Die Stimmung bei den Wartenden vor der Absperrung konnte man leider nur als mäßig gut bezeichnen. Eine fremde Frau ranzte uns an, weil wir und ihrer Meinung nach vordrängeln wollten, statt in der Schlange zu stehen. Dabei war da gar keine Schlange auszumachen in diesem großen Knäuel von Menschen, wir standen einfach da, wo wir irgendwie noch hingekommen waren... Irgendwie machte sie den Eindruck, als würde sie bei Widerspruch auch problemlos handgreiflich werden, also ignorierten wir sie lieber einmal geflissentlich. Als sie sich kurz darauf über die schlechten Schwingungen für die Opferung beschwerte, musste ich mich jedoch sehr zusammenreißen, um mir einen möglicherweise fatalen Kommentar zu verkneifen.
Der WickerDragon
Irgendwann wurden wir dann doch vorgelassen und konnten unsere Opfer darbringen, aber ich war von dem Vorfall mit der unsympathischen Frau noch so aufgewühlt, dass ich meine Gedanken nicht richtig ordnen konnte. Beim nächsten Mal, das schworen wir uns, opfern wir gleich am Freitag, wo wir unsere Ruhe haben. Die Situation am Samstag Nachmittag war der Bedeutung dieses Rituals einfach nicht angemessen.
Bei der Suche nach einem geeigneten Platz, von dem aus wir die bald bevorstehende Zermonie gut verfolgen konnten, hatten wir mehr Glück. Irgendwie schafften wir es, und zum Stand von Miroque vorzuarbeiten, der direkt an der seitlichen Absperrung stand. So konnten wir die Verbrennung des WickerDragon quasi aus erster Reihe verfolgen und bekamen vorher sogar noch einiges vom Auftritt von Cesair mit.
Die Zeremonie rund um die Verbrennung des Wickerman, der in diesem Jahr die Form eines Drachens mit einem Ei hatte, war auch wieder unheimlich bewegend. Dies ist wohl für die meisten die wichtigste Angelegenheit auf dem Castlefest und die Stimmung ist immer ganz außergewöhnlich. Der Jubel, der aufbrandet, wenn der Wickerman in hellen Flammen steht und mit all den in den vorherigen Tagen gemachten Opfern verbrennt. Die folgende andächtige Stille, während die so stets so aufwendig modelierte Weidenfigur endgültig zu Asche verbrennt. Man möchte sich am liebsten gar nicht abwenden, so vieles geht einem durch den Kopf.
WickerDragon-Zeremonie
In diesem Jahr war es dann leider der Omnia-Soundcheck, der uns gefühlt viel zu früh wieder in die Wirklichkeit zurückholte. Ich würde mir wirklich eine längere Stille um das Wickerman-Ritual herum wünschen.
Trotz der Störung hatte ich das Gefühl, noch eine Weile wie im Traum über das Gelände zu wandern. Das am Samstag stets so volle Gelände wurde langsam leerer, unser Zeitplan zeigte eine große, freie Lücke. Wir taten, worum wir uns schon den ganzen Tag gedrückt hatten, und kauften ein Parkticket, die es an diesem Tag nur an der Info auf dem Gelände gab und für die man entsprechend eine ganze Weile anstehen musste...
Anschließend landeten wir an der Village Stage, wo wir uns durch die zahlreichen exotischen Gerüche am Stand des Kräuterkutschers schnüffelten. Der Geruch von arabischem Teegewürz löste eine unheimliche Lust auf Chai-Tee aus, der wir wenige Stände weiter auch nachgeben konnten.
Mit unserem leckeren, heißen Tee setzten wir uns schließlich für das letzte Konzert ins Gras vor die Bühne. Dort spielten die Amerikaner von Woodland ihre ruhigen, verträumten Lieder, die uns zeigten, wie sehr sich die amerikanische Pagan Folk Szene klanglich doch von der europäischen unterscheidet. In diesem Moment passte diese Musik jedoch einfach perfekt. Es war unheimlich schön dort vor der Bühne mit den ruhigen Klängen und der wunderbaren Lichtshow, während uns die Kühle der Sommernacht umfing und der klare Sternenhimmel über uns stand. Es war der perfekte Ausklang für diesen erlebnisreichen zweiten Tag auf dem Castlefest.
Guten Tag allerseits! Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich in diesem neuen Jahr die Zeit gefunden habe, mich hier einmal wieder zu Wort zu melden. Trotzdem möchte ich euch allen noch ein frohes neues Jahr wünschen und hoffe, dass ihr gut reingerutscht seid.
Bei mir war Silvester selbst eher unspektakulär, ich war zu Hause und habe versucht, meine kleine Katze zu trösten. Für Tiere ist dieses Fest einfach die Hölle.
Nun ist es also Zeit für meinen jährlichen musikalischen Rückblick. Ich habe lange überlegt, ob ich sowas für 2015 wirklich wieder machen soll, habe ich doch im letzten Durchgang fast das ganze Jahr benötigt, um alle angedachten Rezensionen zu veröffentlichen. Doch da pure Vernunft bekanntlich niemals siegen darf und 2015 musikalisch ein wirklich sehr produktives Jahr für viele Künstler meiner Szene war: hier ist sie, meine Liste mit der besten Musik 2015. :D
Saltatio Mortis - Zirkus Zeitgeist ohne Strom und Stecker
Versengold - Live
Vogelfrey - Sturm und Klang
Vroudenspil - Fauler Zauber
V/A - Herbstmond
Für die Alben von meiner Favoritenliste werde ich in jedem Fall Rezensionen schreiben und diese hier verlinken, bei denen von der zweiten Liste werde ich es ganz nach Lust und Laune halten. Es sollte mich fast schon wundern, wenn ich es bei allen schaffe. :D
Bevor ich mich aber den Alben widme, steht noch ein letzter Konzertbericht vom Phantastischen Mittelalter Lichter Weihnachtsmarkt aus. Mit etwas Glück kommt dieser noch heute.
Natürlich schafften wir es nicht, am Samstag schon um 10 Uhr auf dem Gelände zu sein. Das hätte aber auch keiner von uns wirklich erwartet. Tatsächlich mussten wir uns am Ende noch ziemlich beeilen, um rechtzeitig um 12 Uhr vor der Village Stage zu sein.
Dort spielten LEAF ihr einziges Konzert an diesem Castlefest-Wochenende. Und so ziemlich nichts auf der Welt hätte mich dazu gebracht, das zu verpassen, denn obwohl ich die Band schon seit einigen Jahren kenne und mag, hat es einfach nie geklappt, sie live zu sehen. Es war manchmal kurz davor, aber irgendwas kam dann doch dazwischen. Egal, das ist ja nun Vergangenheit. ^^
Gleich zu Beginn erwartete die Besucher die Ankündigung, dass sie gleich nicht nur LEAF, sondern auch noch Seed sehen würden. Das war für mich eine nette Überraschung. Aber los ging es jedenfalls mit LEAF, die neben Songs ihrer EP auch einiges von ihrem kommenden Album "Innri" vorstellten, welches leider ganz knapp zu spät fertig wurde, um beim Castlefest vorzuliegen. Das alles klang sehr vielversprechend und hat richtig meine Vorfreude auf das Album geweckt. Sängerin Kaat hat in der näheren Vergangenheit viel mit den Norwegern von Wardruna zusammengearbeitet - ein Einfluss, der bei den neuen Stücken durchaus hörbar war und sehr spannend klang.
Kaat von LEAF
Irgendwann verließ Kaat dann die Bühne und Seed begannen ihr Set. Im Gegensatz zu LEAF hatte ich diese bereits einmal live gesehen. Seitdem hatte sich aber auch bei ihnen einiges getan und sie hatten mit "Portal To Elfland" ein eigenes Album mit im Gepäck. Es wurde meine zweite musikalische Neuanschaffung dieses Wochenendes. Seed konnten mich nämlich auf ganzer Linie überzeugen mit ihrem Pagan Folk, der mal ruhig, mal heiter daherkam und Geschichten zu erzählen wusste, seien sie nun mit oder ohne Text.
Lars von Seed
Eine Pause war uns danach nicht vergönnt. Auf dem Weg zur großen Bühne blieben wir für ein paar Minuten an der Folk Stage hängen. Dort wurde ziemlich ausgelassen zu den Klängen von Omdulö getanzt, die sich dazu auch wirklich anboten. Für mich wurde die Band die persönliche musikalische Neuentdeckung des Festivals schlechthin und ich bedauere es sehr, dass es uns nicht gelang, ein ganzes Set anzusehen sondern nur dieses Bruchstück. Immerhin konnte ich am Sonntag beim Miroque-Stand noch eine CD der Band entdecken und mit nach Hause nehmen...
Florian von Omdulö
Irgendwann erreichten wir jedenfalls tatsächlich noch die Forest Stage, wo sich Trobar de Morte die Ehre gaben. Es war ein ziemlich ungewöhnlicher Anblick, Lady Morte einmal in Weiß zu sehen, kennt man die Band sonst doch eher in Tiefschwarz. :D
Daimoniel von Trobar de Morte
Im Anschluss hatten wir endlich einmal ein bisschen Zeit, um über das Gelände zu schlendern und uns all die schönen Dinge, die von den Händlern verkauft wurden anzusehen. Wer genug Geld hat, bekommt auf dem Castlefest wirklich alles, wonach sein Herz verlangen könnte. Mangafans kommen genauso auf ihre Kosten wie Steampunker und die Auswahl an Klamotten für LARP, Mittelalter, Gothic und natürlich Pagan Folk ist wirklich riesig. Da sich die Festivalsaison zu dieser Zeit auch schon langsam ihrem Ende zuneigt, findet man auch an vielen Ständen schon einen Ausverkauf. Mein Favorit diesbezüglich ist Lila Pixie, auch wenn dort in diesem Jahr leider ausnahmsweise mal keiner von uns fündig wurde.
Im Musikprogramm ließen wir uns dann ein bisschen hin und her treiben. Erst gab es nochmal ein bisschen Rastaban, dann statteten wir Stille Volk einen kurzen Besuch ab. Diese wussten uns aber beide nicht so recht zu überzeugen, weswegen wir uns zurück zur Hauptbühne treiben ließen - um doch ganz knapp die große Kissenschlacht von La Horde zu verpassen.
Trotzdem blieben wir da, denn La Horde waren wieder einmal großartig. Es gab eine Wall of Hugs und ich schloss mich einem riesigen Tanzkreis an, was ein Heidenspaß war. :D
Ein richtiges Highlight bei La Horde war auch wieder die Präsentation des Merchandisings. Die Band verkauft nämlich nicht nur schnöde T-Shirts, nein. Sie verkaufen Panties mit La Horde-Aufdruck. Und sie lieben es, diese auf der Bühne zu präsentieren. Oder präsentieren zu lassen. Oder auch einfach nur zu erwähnen, dass es sie gibt.
"We have panties!" - La Horde
Nach La Horde hatten wir wieder kein richtiges Ziel, dafür aber Hunger. Die Nahrungssuche führte uns zur Meadow Stage, wo The Frying Dutchman (Ich liebe diesen Namen. Wirklich! xD) Hamburger verkaufte. Für wen das jetzt öde und ordinär klingt: kein aufgetautes Halbfertigzeugs, sondern gut gewürzte, aus biologischem Fleisch gemachte Hamburger mit selbst gemachter Sauce und richtig gutem Burgerbrötchen. Ich kriege gerade beim Schreiben Hunger, wenn ich daran denke. :D
Wo wir dann schon einmal da waren, blieben wir auch noch eine Weile beim Konzert von Triskilian, bevor es dann höchste Zeit wurde, sich einen Platz zu sichern für den wichtigsten Programmpunkt auf dem Castlefest...
Am letzten Samstag war ich wieder einmal unterwegs, dieses Mal bereits zum zweiten Mal auf dem Keltisch Midzomer Festival
im niederländischen Bad Nieweschans. Wem der Ort nichts sagt: es
handelt sich dabei um ein kleines Städtchen gleich hinter der
deutsch-niederländischen Grenze. Die nächste größere Stadt auf deutscher
Seite ist Leer.
Obwohl der Wetterbericht etwas anderes befürchten hatte lassen,
begann der Festivalausflug bei bestem Wetter. Sofort nach Einlass ging
das musikalische Programm auf einer der drei Bühnen mit Jami's Fancy
los. Das etwas ungleiche niederländische Duo - zwischen den beiden
Mitgliedern liegen 33 Jahre altersunterschied - präsentierte Irish Folk
mit Uilleann Pipe, irischen Flöten, Gitarre und Irish Bouzouki. Eine
schöne Einstimmung auf das Festival.
Im Anschluss daran war es schon Zeit für eines der Highlights des Festivals, die Handfasting Zeremonie.
Bei dieser Zeremonie erhalten jedes Jahr jeweils vier Paare die
Möglichkeit, an einer neukeltischen Hochzeitszeremonie teilzunehmen.
Geleitet wird diese von einem Druiden. Die Teilnehmer der Zeremonie
werden durch verschiedenfarbige Bänder an den Händen verbunden, wobei
die verschiedenen Farben für unterschiedliche Eigenschaften stehen.
Nachdem die Zuschauer den Verbindungen ihren Segen gegeben haben, werden
die Bänder wieder gelöst. Begleitet von fröhlicher Musik verlassen die
Paare dann den Ring, in dem die Zeremonie stattgefunden hat, indem sie
gemeinsam über einen Besen springen, wobei es sich um ein
Fruchtbarkeitssymbol handelt. Die Paare sind nun für ein Jahr und einen
Tag verbunden, dann können sie entscheiden, ob sie die Verbindung lösen
wollen oder sie um ein weiteres Jahr oder gar für ein ganzes Leben
erneueren wollen.
In diesem Jahr wurden am Samstag bei der Zeremonie
sowohl deutsche als auch niederländische Paare zusammengegeben, die
musikalische Untermalung stammte von Serpentyne. Es war wieder eine wunderschöne Zeremonie, die einen wirklich zu Tränen rühren konnte!
Eine kurze Programmpause erlaubte uns dann, das Gelände einmal näher
zu inspizieren. Da das Festival eher klein ist, dauerte das nicht
lange, doch wir blieben noch für einige Zeit beim Balfolk-Workshop
hängen. Wem der Ausdruck nichts sagt: Beim Balfolk handelt es sich um
Tanzveranstaltungen, bei denen Kreis-und Reihentänze getanzt werden -
beispielsweise solche, wie man sie in Historienserien wie den Tudors
bewundern darf, gerne jedoch auch welche, die etwas weniger komplex sind
und deshalb von mehr Leuten schneller mitgetanzt werden können. ;)
Im Anschluss ging es schließlich wieder musikalisch weiter: Serpentyne,
die eben noch die Zeremonie unterstützt hatten, traten auf der größten
Bühne auf. Für mich war die Band an diesem Tag noch neu, aber sie
wussten mich schnell zu überzeugen. Musikalisch wurde eine Mischung aus
alten, traditionellen Songs in eigenem Gewand, so zum Beispiel "Pastime with good Company", und auch eigene Songs wie das extrem ohrwurmtaugliche "Boudica"
geboten. Der anfänglichen Tanzfaulheit des Publikums wurde auch schnell
abgeholfen, als eine der beiden Sängerinnen ins Publikum stieg und die
Leute persönlich zum Tanzen aufforderte und mit ihnen gemeinsam dann
einige Tanzschritte auf dem Platz vor der Bühne machte. Dieser Einladung
konnte auch ich mich nicht entziehen - umso besser, dass es in den
Niederlanden niemanden interessiert, wie gut oder schlecht man tanzt,
solange es nur ordentlich Spaß macht ;)
Als nächstes waren die Niederländer von Seed (bitte
kein 'E' zu viel benutzen) an der Reihe. Die junge Band spielt Pagan
Folk und hat bisher noch keine Musik veröffentlicht. Umso gespannter war
ich, was genau mich hier erwartet. Die akustischen Stücke wussten auch
sofort zu überzeugen, bei den Liedern mit Gesang hätte man meiner
Meinung nach den Gesang etwas deutlicher in den Vordergrund rücken
können, sodass man den Texten besser hätte folgen können. Leider fielen
weite Teile des Konzerts buchstäblich ins Wasser, als plötzlich ein
fieser Platzregen niederging, während dem wir uns an der
Kartoffelbräterei unterstellen durften. Einige Zuschauer ließen sich
aber auch gar nicht stören und tanzten einfach im Regen weiter.
Ich
bin auf jeden Fall gespannt, wie es mit dieser Band in Zukunft noch
weitergehen wird und freue mich auf kommende Veröffentlichungen.
Gleich im Anschluss ging es weiter mit Serpentyne's Landsmannen-und Frauen von The Dolmen.
Dass die Band live abgeht wie nix, sollte mitlerweile eigentlich jeder
in der Szene mitbekommen haben - und so war es auch an diesem Tag
wieder! Das neue, Geige spielende Mitglied fügte sich musikalisch super
in die Truppe ein und die Band tat dem Publikum außerdem den Gefallen,
das absolut großartige Piratenstück "Dead Cats Don't Meow" zu
spielen - es ist echt eine Schande, dass die Band dieses Jahr nur so
selten auf deutschen Veranstaltungen wie dem MPS unterwegs ist!
Als nächstes folgte für mich ein weiteres musikalisches Highlight, der Auftritt der Pagan Folk Band Sowulo.
Die vier Niederländer spielen quasi ausschließlich Instrumentalstücke
und hatten einen eigenen Priester dabei, der die nordischen Götter
angerufen hat. Außerdem wurde während des ganzen Sets Weihrauch
verbrannt - wirklich ein ganz besonderes Konzert. Die Band spielte Songs
von ihrem bisher einzigen Album "Alvenrad", in dem die
einzelnen Stücke besondere Jahreshöhepunkte des germanisch-heidnischen
Kalenders thematisieren. Außerdem stellten sie ein neues Stück vor, was
einen deutlichen Einfluss durch die Norweger von Wardruna nicht verbergen konnte und wirklich Lust auf neues Material machte.
Für mich endete der Festivaltag dann auch schon nach dem Auftritt der nächsten Band, den Co-Headlinern Heidevolk.
Bei einem sonst sehr folkigen Festival vielen die mit ihrem Folk Metal
natürlich schon ziemlich auf, konnten aber durchaus für Stimmung sorgen
und das Publikum schaltete einfach von Tanzen auf Moshen und Headbangen
um ;) Der Platz vor der Bühne hatte sich nach einem weiteren, heftigen
Regen in eine Schlammfläche verwandelt, was das Ganze ein wenig an ein
metallastiges Woodstock erinnern ließ. Heidevolk präsentierten einen
Querschnitt durch ihre vier Alben und ließen dabei keine Hits aus: "Het Bier Zal Weer Vloeien", "Nehalennia", "Saksenland" und natürlich auch "Vulgaris Magistralis" - sie alle durften nicht fehlen und machten das Konzert für mich zu einem würdigen Festivalabschluss.
Im Anscchluss daran enterten noch einmal The Dolmen
die Bühne, aber davon kann ich nichts erzählen. Nach einer leckeren
Portion Slingerchips zum Abschluss ging es für mich heimwärts - aber
wenn es nach mir geht, komme ich nächstes Jahr wieder - hoch lebe das
Keltisch Midzomer Festival!