Dienstag, 28. April 2020

Auf Wiedersehen, Planwiese - das letzte MPS in Telgte

Wie in jedem August (außer dem dieses Jahr folgenden, aber das ist ja nun wieder eine ganz andere Geschichte) war auch 2019 wieder kaum Zeit zur Erholung nach dem Castlefest. Schon am nächsten Wochenende stand der alljährliche Besuch auf dem MPS in Telgte auf dem Plan. Dies konnte man sich im vergangenen Jahr schon allein darum nicht entgehen lassen, weil es gleichzeitig auch ein Abschiednehmen war: Nachdem mehrere Jahre zuvor bereits der Mittelalterliche Lichter-Weihnachtsmarkt aus Telgte nach Dortmund abgewandert war, sollte auch das große Sommer-MPS zum letzten Mal in dem kleinen Örtchen im Münsterland stattfinden. 

Für diese letzte Feier hatte man 2019 ein Line-Up aufgefahren, das sich wirklich sehen lassen konnte. Neben den MPS-Stammgästen wie Saltatio Mortis und Versengold standen auch einige neue Namen auf dem Programm. So konnten wir natürlich nicht widerstehen und statteten bei unserem Besuch am Samstag den Musketieren von D'Artagnan einen Besuch ab. Die Band hatte schon bei ihrer Gründung im Jahr 2017 für einiges an Aufsehen in der Mittelalter-Szene gesorgt, ist deren Sänger Ben Metzner doch vielen schon länger als Prinz Richard Hodenherz von Feuerschwanz bekannt. D'Artagnan fahren musikalisch jedoch einen ziemlich anderen Kurs und zogen mit ihrem reichlich pathetischen Musketier-Folk mit nicht zu überhörenden Schlagerelementen ein ganz neues Publikum auf das MPS. An der Show war auch wirklich nichts auszusetzen, es ging pompös ab auf der Bühne und auch die Fans zeigten sich begeistert. Mein Ding ist das musikalisch aber einfach nicht, und so wanderte ich nach einiger Zeit weiter zur Festival-Bühne.

D'Artagnan

Dort gab sich an diesem Abend die Letzte Instanz die Ehre und brachten ungewohnt harte und düstere Töne auf das MPS. Hier wurde ich musikalisch schon viel glücklicher. Auch die Letzte Instanz brachte sichtbar neues Publikum mit auf das Festival, aber auch klassische MPS-Besucher vergnügten sich sichtlich vor der Bühne. Auch der Band schien es auf dem MPS zu gefallen, wie sie immer wieder in ihren teils ausführlichen und interessanten Ansagen erkennen ließen. 

Holly von der Letzten Instanz

Doch natürlich klebten wir alle nicht den ganzen Tag vor irgendeiner Bühne, denn es gab wieder genug zu entdecken. Besonders positiv in Erinnerung geblieben ist mir von dieser letzten Auflage des MPS in Telgte die kleine Spielwiese neben dem Jonglage-Stand, wo man sämtliche Utensilien einmal probieren konnte und wo wir lange mit Pois, Devil Sticks und Diabolo herumspielten. Außerdem besorgten eine Freundin und ich uns je zwei kleine, magnetische Kugeln. Diese sollen eigentlich negative Energien aus dem Körper ziehen, aber man kann mit ihnen auch einfach sehr viel Spaß haben. Sie machen nämlich tolle Geräusche beim in-die-Luft-werfen und lassen sich fototrächtig an diversen Stellen des Körpers befestigen. Offensichtlich hatten wir an jenem Samstag unseren extremen Spielkinder-Tag. xD 

Am Abend begann dann für mich das vorfreudige Warten, denn nach einer längeren Umbaupause stand noch ein wie immer heiß ersehntes Konzert meiner Lieblingsband Faun auf dem Programm. Um nicht den halben Abend mit Rumstehen und Warten zu verschwenden, verzichtete ich dieses Mal auf einen Platz ganz vorne vor der Bühne und suchte mir später ein gemütliches Plätzchen etwas weiter hinten. Die Stimmung während des Konzerts war mal wieder hervorragend, sodass es wie immer eine große Freude war, den mystischen Klängen der Band unter dem Blätterdach der Bäume auf der Telgter Planwiese zu lauschen. 

Danach wurde es dann aber auch höchste Zeit, sich auf den Heimweg zu machen, denn auch der nächste Tag war schon längst verplant. Jedenfalls war dieses MPS in Telgte ein sehr schönes letztes Mal, das ich gerne in Erinnerung behalten werde. Generell war der Standort Telgte eines meiner ersten Stamm-MPS und ich verbinde sehr viele schöne Erlebnisse mit diesem Ort. Umso mehr hat es mich gefreut, dass der Termin und das Gelände von den Veranstaltern des Anno in Gütersloh übernommen wurden. In diesem Jahr wird da ja nun leider wie aus allem anderen auch nichts, aber so sehen wir uns vielleicht wenigstens alle in 2021 in Telgte wieder, um eine neue Ära der dortigen Mittelaltermärkte zu eröffnen.

Montag, 27. April 2020

Abschied nehmen - der Sonntag auf dem Castlefest

Schon war er wieder da, der letzte Tag des Castlefests. Obwohl man nach drei Tagen Festival stets ein wenig müde ist, mischt sich immer eine gute Portion Wehmut mit in den Sonntag. Die Koffer stehen gepackt im Auto, man überlegt, wofür man seine letzten Münzen und sein letztes Geld so ausgeben könnte. Hier noch ein Mango-Lassi, dort vielleicht doch noch eine weitere neue CD. Castlefest ist schließlich nur einmal im Jahr (naja, streng genommen sind es mittlerweile zweimal, aber die Winter-Edition ist eine ganz andere Geschichte). Die letzte Chance, in noch ein wenig neue Musik hineinzuhören, nutzten wir bei Vael und Drusuna, die beide 2019 zum ersten Mal auf dem Castlefest zu Gast waren. 

Am Nachmittag standen dann auch nochmal zwei mit Vorfreude erwartete Konzerte auf dem Programm. Zunächst einmal gaben sich Virelai die Ehre und brachten sogar uns steife Deutsche zum Kettentanzen. :P Die Dänen rund um Sängerin Mia brachten wieder reichlich gute Laune mit und ließen es sich nicht nehmen, dem Publikum auch den einen oder anderen Text in ihrer Muttersprache beizubringen. 

Virelai

Und dann war da natürlich noch das legendäre letzte Konzert des Castlefests, das man sich nicht entgehen lassen sollte. In diesem Jahr hatten erneut Russkaja die Ehre, was natürlich wieder mit einem wunderbaren Abriss endete. Diese Band macht live einfach unheimlich Spaß und hat es darum ganz zurecht verdient, schon zum zweiten Mal den traditionellen Fruit Salad zu beherbergen. Auch die Musiker selbst hatten sichtlich Spaß dabei zuzusehen, wie Veranstalter und Teilnehmer des Festivals in Obstkostümen von der Bühne ins Publikum sprangen. Das ist aber auch einfach eine wunderbare Abschluss-Tradition für ein Festival, die auch wir uns selten entgehen lassen. :D 

Russkaja lassen sich feiern

Viel zu schnell war dann auch dieses letzte Konzert vorbei und es hieß Abschied nehmen. Damals war ich zu hundert Prozent davon überzeugt, dass es sich wie immer um einen Abschied für ein Jahr handeln würde und wir uns alle am ersten Augustwochenende 2020 wieder dort sehen würde. Die Unterkunft war reservier, alles war gut. Nun ist seit einigen Tagen klar, dass es in diesem Jahr auch kein Castlefest geben wird. Das war natürlich zu befürchten, auch wenn die Hoffnung bis ganz zum Schluss blieb. Keine Absage (und ich hatte davon schon echt viele in den letzten eineinhalb Monaten...) hat mich so hart getroffen wie diese. Das Castlefest ist für mich so viel mehr als nur ein Festival, allein der Gedanke, dass es bald wieder vor der Tür steht, konnte mich über so manche richtig schwere Zeit bringen. Und jetzt haben wir eine schwere Zeit, wo das einfach nicht mehr funktioniert und ich habe bisher noch keinen Weg gefunden, das richtig zu kompensieren. Albern? Wenn ihr meint, aber so fühle ich nun einmal und verachte aus tiefster Seele all jene, die Kultur in einer Zeit wie dieser für verzichtbar halten.

Bleibt mir also wohl nichts übrig als zu beten, dass wir alle diese Situation überstehen und uns wenigstens im nächsten Jahr wiedersehen werden...

Sonntag, 26. April 2020

Große Rituale und kleine Enttäuschungen: Der Samstag auf dem Castlefest

Mal wieder fast einen Monat kein neuer Beitrag von mir. Und das, obwohl ich doch sogar einen neuen PC habe und endlich wieder vernünftig arbeiten kann. Faulheit war es aber auch nicht wirklich, vielmehr macht mir die aktuelle Situation ziemlich zu schaffen und ich habe es noch nicht so recht geschafft, in unser - Verzeihung - beschissenes neues Schicksal zu fügen. Alle meine Pläne für dieses Jahr zogen winkend an mir vorbei und ließen mich irgendwo zwischen traurig, aufmüpfig und resigniert zurück. Lange war ich mir unsicher, ob die Erinnerungen an all die Dinge, die ich dieses Jahr nicht erleben werde, mich nicht eher noch mehr runterziehen werden, aber mittlerweile vermisse ich das Schreiben hier so sehr, dass ich es einfach mal ausprobieren werde. Also, weiter geht es mit dem dritten Tag des Castlefest 2019:

Da der Samstag auf dem Castlefest stets ein langer und anstrengender Tag zu sein pflegt, ließen wir es auch dieses Mal wieder Morgens ruhig angehen und ließen uns lange ohne konkreten Plan von hier nach dort über das Gelände treiben.

Das erste Konzert, das wir uns ausgiebig ansahen, fand erst am Nachmittag auf der Forest Stage statt. Waldkauz passen einfach so perfekt auf dieses Festival, dass man sich einen Besuch nicht entgehen lassen sollte. Die Hildesheimer Band überzeugte mal wieder auf ganzer Linie mit ihrem vielseitigen Pagan Folk und brachte das Publikum mal zum Tanzen, mal zum Träumen. 

Peter von Waldkauz

Auch für das nächste Konzert an der Forest Stage waren wir zugegen, beehrten nach Jahren der Abweseheit endlich einmal wieder die Dänen von Asynje das Castlefest. Asynje waren schon bei unserem ersten Besuch des Festivals im Jahre 2012 Teil des Line-Ups und zählten somit zu den ersten Bands dieser Szene, die wir dort kennen und lieben lernten. Auch bei diesem Castlefest wirkte ihr Nordic Folk wieder auf ganzer Linie begeisternd. Die Band selbst wirkte auch sichtlich erfreut darüber, mal wieder auf dem Castlefest zu spielen und so blieb dann auch bei Songs wie "Viking Party Polka" kein Bein still.

Søren von Asynje

Nach diesem herrlichen Konzert begann die Zeit des langen Wartens, wie sie wohl jeder Castlefest-Besucher vom Samstag kennt. Wer etwas von der Verbrennung des Wickerman und der Zeremonie rund um dieses Ereignis sehen möchte, sollte beizeiten an der Forest Stage sein und sich ein Plätzchen sichern. Wir hatten uns einige Stunden zuvor wie traditionell wieder mit Muffins ausgestattet und ergatterten einen Platz vor der Bühne. Nicht perfekt für den Wickerman, dafür aber mit der bewegenden Zeremonie voll im Fokus. 

In diesem Jahr hatte man die Verbrennung des Wickerman zeitlich nach hinten verlegt, erst um 21:30 Uhr sollte es losgehen. Dies wurde von vielen bemängelt, die beispielsweise nur einen Tagesausflug von weiter entfernt machten oder mit ihren Kindern das Ritual verfolgen wollten. Für die Stimmung war es aber keine schlechte Wahl, denn so fiel dieser Höhepunkt des Festivals 2019 auf die Zeit der Dämmerung, was dem Ganzen noch einen extra-mystischen Touch gab. Außerdem war man ja schon froh, dass man dank des unermüdlichen Einsatzes der Feuerwehr die Zeremonie auch in diesem zweiten Dürrejahr in Folge überhaupt wieder durchführen durfte.

Veranstalter Mark van der Stelt während des Wickerman-Rituals

Die Zeremonie selbst war wieder äußerst bewegend, und da mein Opfer in diesem Jahr so persönlicher Natur war und ich mich auch noch sehr stark mit der Form des Wickers identifizierte, standen mir danach ziemlich die Tränen in den Augen. Mir ist das ja immer etwas unangenehm in der Öffentlichkeit, aber da viele während des Rituals weinen, ist es wohl in Ordnung so. Wie in jedem Jahr gibt es die Zeremonie für alle, die nicht dabei sein konnten oder in Erinnerungen schwelgen möchten auch wieder auf Youtube:


Im Anschluss an die Verbrennung nahm der Abend dann leider einen nicht mehr so idealen Verlauf. An der Hauptbühne wollten wir nicht bleiben, ein DJ-Set direkt im Anschluss an das Ritual schien uns wenig attraktiv. Auf der Meadow Stage jedoch sollte noch ein Konzert stattfinden, das nach Aufmerksamkeit schrie. Dort standen die Belga Boys auf dem Plan, eine Fusionierung der beiden Bands La Horde und Rastaban. Sicher war das Set zum Schreien komisch, doch da enttäuschte mich das Castlefest zum ersten Mal in unserer langjährigen Besuchergeschichte mal so richtig: uns wurde der Einlass verwehrt, das Konzert sei nur für Campinggäste. Das stand so nicht im Programm und klärte sich wohl im Laufe des Abends auch als Irrtum auf, doch davon hatten wir nichts mehr. Nach der Abweisung entschieden wir uns nämlich, den Besuch aus Mangel an Alternativen für diesen Tag zu beenden und machten uns auf den Heimweg...

Montag, 30. März 2020

Dies und das: Kleiner Exkurs zur aktuellen Lage

Ich weiß, ich weiß - eigentlich stecke ich noch mitten in der Berichterstattung des letzten Jahres. Diese werde ich nun aber ganz entgegen meiner Gewohnheit einmal unterbrechen, um ein paar Worte zur aktuellen Situation zu verlieren. 

Eigentlich dachte ich, 2020 wäre auf dem besten Weg, ein ziemlich gutes Jahr zu werden. Ich hatte einen Haufen toller Sachen geplant, auf die ich mich so richtig gefreut hatte. Seit Anfang des Monats habe ich nun auch endlich einen neuen Computer, mit dem das Bloggen wieder spaßiger werden sollte als mit dem Alten, der am Ende nur noch widerwillig und im Schneckentempo gearbeitet hat. Doch da hat mir das Leben wohl mal wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Schon klar, das ist jetzt Jammern auf hohem Niveau, aber dennoch: Was für eine unglaubliche Scheißsituation ist das denn bitte jetzt?! Mit dem Veranstaltungsverbot ist mein soziales Leben vom einen auf den anderen Tag komplett zusammengebrochen. Alles, worauf ich mich gefreut habe, ist hinfällig - und kein Ende ist in Sicht. Hinzu kommt die massive Unsicherheit in allen anderen Lebenslagen. Das Studium vorantreiben? Derzeit quasi unmöglich, zumal ich ja auch noch mehrere Stunden Zugfahrt von meiner Uni entfernt lebe. Und das zu allem Überfluss auch noch im Kreis Heinsberg, den ja nun mittlerweile jeder kennen sollte. Die Firma, in der ich Anfang des Jahres zu meinem großen Glück fest in Nebeneinstellung übernommen wurde? Ab übermorgen in Kurzarbeit. Mein anderer Job, Zeitungsbote, fällt ganz aus, mindestens drei Wochen wird es wegen fehlender Anzeigenkunden keine Ausgabe geben. Für mich bedeutet das dann natürlich auch keinerlei Einkünfte. Aber hauptsache, genau jetzt steht die erste deutlich (!) erhöhte Rückzahlungsrate beim Bafög an. Kurz gesagt: es ging mir schonmal besser.

Und dann ist da noch eine Sache, die mir Sorgen macht. Schaltet man den Fernseher, das Radio, den Computer an, gibt es überall nur ein Thema: Corona. Klar, das ist kein Wunder, schließlich betrifft es uns alle massiv. Woran ich mich eher stoße ist, dass in der Öffentlichkeit fast alle exakt die gleiche Meinung vertreten. Wagt es beispielsweise jemand, die sich ständig in teils kopfloser Panik wandelnden Maßnahmen anzuzweifeln oder zu kritisieren, wird er/sie gleich aufs Übelste beleidigt und niedergemacht. Ganz egal, was er oder sie für Argumente vorlegt. In Internetdebatten ist diese Null-Toleranz-Haltung anderen Standpunkten gegenüber ja schon länger Standard, aber im Rahmen der Corona-Berichterstattung sehe ich sie auch von den Medien zu großen Teilen als kritiklos angenommen. Es kommt mir vor, als wäre ich in einer landesweit agierenden Sekte gelandet, mit entzückenden, selbstgemalten Alles-wird-gut-Regenbogen-Fähnchen als Erkennungszeichen. Oder sehe nur ich es so, dass auch in einer Krisensituation hart erkämpfte demokratische Werte wie die Meinungsfreiheit nicht derart mit Füßen getreten werden dürfen? Die aktuelle Situation ist doch für uns alle neu und keiner hat die Universallösung, wie man am besten durch diese Krise kommt. Also sollte es auch selbstverständlich sein, dass man miteinander diskutiert, Argumente abwägt, gemeinsam nach Wegen sucht. Stattdessen wird nur diktiert, belehrt, verboten. Es wundert mich wirklich, dass dieses Vorgehen nicht bereits auf mehr Widerstand stößt.

Nun, mit dem letzten Absatz habe ich mir sicher nur wenige Freunde gemacht, aber ich musste mir und meinem Unbehagen und Unmut eben auch mal Luft machen. Ich stehe nicht zu hundert Prozent hinter den bisher getroffenen Maßnahmen und habe es satt, mich mit meiner Meinung in der Öffentlichkeit wie ein Verbrecher behandeln lassen zu müssen.

Somit ist dieser Exkurs nun irgendwie doch länger geworden, als ich gedacht hatte. Aber es tut ganz gut, das alles man ausgesprochen zu haben. Und so kann ich mich jetzt auch wieder mit mehr Ruhe den noch ausstehenden Berichten widmen. Ist ja vielleicht auch ganz schön, in diesen Zeiten in Erinnerungen an schöne Erlebnisse zu schwelgen. Schließlich sieht es ganz danach aus, dass wir davon in näherer Zukunft nicht mehr allzu viele haben werden...

Dienstag, 3. März 2020

Von Kissenschlachten und verschwundenen Autoschlüsseln - Der Freitag auf dem Castlefest

Bestens ausgeschlafen machten wir uns am Freitag gegen Mittag wieder auf den Weg zum Veranstaltungsgelände. Der erste volle Castlefest-Tag stand an, und es standen so einige tolle Programmpunkte an!

Pyjama Party mit La Horde

Los ging es für uns um kurz nach 12 mit der mittlerweile schon fast traditionellen Pyjama Party von La Horde, die auch dieses Mal wieder ein großer Spaß wurde - Kissenschlacht und ausufernde Macarena-Tänze inklusive. In diesem Jahr hatten sich die Musiker von La Horde sogar eigene "Good Morning, Castlefest!"-T-Shirts drucken lassen, und wie immer verbreiteten sie mit ihrer manchmal augenzwinkernden Musik und den unterhaltsamen Ansagen gute Stimmung und sorgten für einen gelungenen musikalischen Auftakt des Tages.

Der Wickerman

Im Anschluss wurde es dann erstmal Zeit für einen kompletten Rundgang über das Gelände sowie natürlich für einen Besuch beim Wickerman, um unsere Opfer darzubringen. Der Wicker kam 2019 als majestätischer Wolf daher, der einerseits für individuelle Stärke, andererseits aber auch für die Bedeutung der Gruppe stand. Ganz davon abgesehen, dass Wölfe zu meinen Lieblingstieren gehören, war auch mein Opfer in diesem Jahr ein für mich persönlich sehr bedeutsames, weswegen mir dieser Wickerman wohl noch lange in besonderer Erinnerung bleiben wird...

Monique von Cesair

Den Nachmittag über ließen wir uns dann mal hierhin, mal dorthin treiben. Wir statteten dem Pagan Folk Panel mit unter anderem Waldkauz einen kurzen Besuch ab, wechselten dann aber zur Forest Stage, um noch ein wenig das Konzert von Cesair zu genießen. 

Christopher & Maria von u.a. Euzen im Q&A-Panel

Danach ging es zurück zur Castlefest Academy mit dem unterhaltsamen Q&A mit Maria und Christopher von Songleikr, Euzen und Heilung, bei dem sich ulkigerweise auch Gitarrist Harald bei den Fragenden einreihte, um nach dem Verbleib der Autoschlüssel zu fragen. Im Anschluss blieb noch Zeit zum Essen sowie für einen Besuch bei The Sidh, welche die Forest Stage einmal wieder von vorne bis hinten zum Tanzen brachten.

Hein von Shireen

Als es langsam dunkel wurde, stand dann das erste von zwei tollen und von mir heiß erwarteten Konzerten an. Auf der gemütlich gelegenen Meadow Stage gaben sich Shireen die Ehre und lieferten einen wirklich beeindruckenden Auftritt ab. Die ohnehin schon beeindruckenden Songs von "Matriarch", dem ersten und bisher einzigen Album des Band, entfalten live tatsächlich noch einmal eine ganz andere Dynamik und Intensität - ein Bühnenerlebnis, welches man sich nicht entgehenlassen sollte! Umso bedauerlicher, dass wir nicht ganz bis zum Ende bleiben konnten, weil wir in dem Dilemma steckten, auch beim letzten Konzert des Abends gerne noch einen guten Platz zu ergattern.

Euzen rocken die Forest Stage

So machten wir uns zu den letzten Tönen von Shireen auf den doch recht langen Weg zur Forest Stage, wo wir pünktlich für den Beginn des letzten Konzerts des Tages eintrafen. Auf der Bühne standen Euzen, deren Auftritt ebenso wie die Lichtshow mal wieder eine totale Wucht war! Sängerin Maria, diesmal im militärisch angehauchten Outfit, schafft es einfach wie keine Zweite, die Aufmerksamkeit des Publikums zu fesseln - ihre Stimmgewalt und Bühnenpräsenz waren auch bei disem Konzert wieder beeindruckend. 

So ging dann auch dieser erste Festivaltag gefühlt viel zu schnell zu Neige und mit dem Samstag stand schon der wohl wichtigste und am besten besuchte Tag des Castlefests vor der Tür. Doch davon natürlich mehr im nächsten Post...

Dienstag, 4. Februar 2020

Hurra, na endlich: Das Castlefest Opening Concert

Der von mir wohl am heißesten erwartete Tag des vergangenen Jahres war der 1. August, denn da ging es wie schon in den sieben Jahren davor ins Niederländische Lisse zum Castlefest. Wie üblich machten wir uns gegen Mittag auf den Weg und erreichten am frühen Nachmittag unsere neue Unterkunft. Nach all den Jahren hatten wir uns in diesem Jahr nämlich nach einer neuen Bleibe umsehen müssen - eine Veränderung, auf die ich gut und gerne hätte verzichten können. Zum Glück erwies sich unsere neue Herberge aber als durchaus angenehm, die Besitzer waren ebenfalls sehr freundlich und das Meer war von hier aus sogar zu Fuß zu erreichen. Fazit: wir kommen im nächsten Jahr wieder! :P

Doch nachdem wir uns häuslich eingerichtet hatten, machten wir uns natürlich erst einmal auf den Weg zum Festivalgelände, wo an diesem Tag das Opening Concert stattfand. Auch wenn das Line-Up uns am Donnerstag nicht so sehr ansprach, ließen wir uns diesen ersten Besuch natürlich nicht entgehen. Schon allein, weil man an diesem Tag noch ziemlich entspannt an seine Festivalbändchen und Verzehrmünzen kommt. :D 

Entspannung unter bunten Wimpeln

Wir deckten uns also mit allem Nötigen ein, besorgten uns etwas leckeres zu Essen und unternahmen einen ersten Rundgang über das Gelände. Am Donnerstag ist zwar noch nicht das ganze Areal geöffnet, doch es gibt auch an diesem Tag schon immer einiges zu sehen. So bestaunten wir die gemütliche Chillout-Zone mit ihren bunten Kissen und Wimpeln sowie die sehr fantasievoll gestalteten Raucherareale, die auch in diesem Jahr wegen der andauernden Trockenheit nötig waren.

Auf der Bühne standen an diesem Tag Harmony Glen, Sunfire sowie The Sidh. Erstere waren bei unserer Ankunft schon fast fertig mit ihrem Auftritt, letztere wollten wir uns an einem anderen Tag ansehen. So blieb es bei einem kurzen Besuch bei Sunfire, die mit ihrem ziemlich speziellen, aber durchaus mitreißenden Western Folk für beste Cowboy-und-Indianer-Stimmung sorgten.

Sophie von Sunfire

Als der Nachmittag dann langsam in den Abend überging, ließen wir das Castlefest für diesen Tag hinter uns. Wenn das Programm nicht allzu verlockend ist, haben wir es uns nämlich eigentlich zur Gewohnheit gemacht, wenigstens an einem Abend dieses Wochenendes das Meer zu besuchen. Also spazierten wir von unserer Wohnung aus zum Strand und machten dort einen langen Spaziergang mit den Füßen im Wasser und dem frischen, salzigen Wind im Gesicht. Das Wetter war dafür auch bestens geeignet und wir konnten einen schönen Sonnenuntergang erleben. Als dann jedoch ziemlich rasch schwarze Wolken am Horizont auftauchten, machten wir uns doch lieber flott auf den Rückweg - jahrelange Erfahrung hatte uns gelehrt, wie schnell das Wetter sich hier ändern kann. :)

Blick aufs Meer an diesem Tag

So endete unser erster Tag auf dem Castlefest und in Lisse.

Sonntag, 2. Februar 2020

Die Piraten sind los: Das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum Bückeburg

Auch am Sonntag gönnten wir uns keine Pause, denn es stand ein Ausflug zum Mittelalterlich Phantasie Spectaculum nach Bückeburg auf dem Programm. Das Wetter war perfekt und das Programm einfach zu verlockend. Bei diesem zweiten Wochenende in Bückeburg standen nämlich einige unserer liebsten Piratenbands auf dem Programm.

Schon bei der Ankunft an der Bühne, die für den Großteil des Tages unser Zuhause sein würde, erwartete uns eine positive Überraschung. Sind die Bühnen beim MPS mittlerweile ja in der Regel eher schnöde, wurde diese aufwendig und sehr ansprechend dekoriert, was auch einiges zur Stimmung und zum Wohlfühlen in diesem Bereich beitrug - mehr davon in Zukunft wäre echt eine großartige Sache! 

Wer es piratig mochte, stand vor dieser Bühne goldrichtig

Und auch, was sich auf der Bühne abspielte, wusste zu überzeugen: Da waren zum einen Mr. Hurley & die Pulveraffen, die ich zu diesem Zeitpunkt schon eine ganze Weile nicht mehr so richtig live hatte erleben dürfen, die aber noch immer mit guter Musik, witzigen Ansagen und ihrem einfach sympathischem Auftreten punkten konnten. Und natürlich gab es da auch schon den einen oder anderen vielversprechenden Einblick in das neue Werk "Leviathan", welches etwa einen Monat später erschien.

Unumstrittenes Highlight an diesem Tag war für uns aber der Besuch von Pat Razket. Die Schweden gaben an diesem Wochenende ihr fulminantes Debüt auf dem MPS und überzeugten dabei auf ganzer Linie mit ihrer mitreißenden, energetischen Liveshow. Band und Festival schienen sehr voneinander angetan und es sollte mich wirklich sehr erstaunen, wenn das ihr einziger Besuch bei dieser Festival-Reihe bleiben sollte!

Mit Leidenschaft dabei: Pat Razket

Natürlich blieb zwischen den Auftritten auch genug Zeit für einen Rundgang über das Gelände, welches für mich zu den schönsten MPS-Veranstaltungsorten zählt, die ich kenne. Das Areal ist weitläufig, ein wenig verwinkelt und abwechslungsreich, sodass es an jeder Ecke etwas zu entdecken gibt. Selbst nach all den Jahren als regelmäßiger Besucher lasse ich es mir nie nehmen, wenigstens einmal alle Wege entlang zu spazieren - am besten bei so gutem Wetter wie an jenem Tag barfuß. 

Ausklingen ließen wir unseren Besuch an jenem Tag mit einem erfrischenden Milchshake, wobei wir der unterhaltsamen Darbietung von Duivelspack lauschten. Solche angenehmen Tage erinnern mich immer wieder daran, warum das MPS viele Jahre lang so etwas wie meinen persönlichen Lebensmittelpunkt bildete. Hoffentlich werde ich noch einige solcher schönen Veranstaltungen erleben, bevor sich das MPS dann schließlich wirklich aus unser aller Leben verabschieden wird...

Wer ein wenig Zeit mitbringt, kann sich im offiziellen Aftermovie des MPS BüBu selbst einen Eindruck von den zwei Wochenenden machen: