Sonntag, 26. Januar 2020

Auf Vogelschau im Allwetterzoo Münster

Kaum hatten wir nach der Night Of The Pirates ausgeschlafen, stand auch schon der nächste Ausflug auf dem Programm. Es ging einmal wieder in den Allwetterzoo nach Münster. Das wunderbare Wetter eignete sich dabei ganz besonders, um ein paar der gefiederten Zoobewohner vor die Kamera zu locken.

 Balistar im Tropenhaus

Pelikane in ihrem idyllischen, nassen Zuhause

 Meister Adebar und seine Familie

Viel Zeit verbrachten wir aber auch im Streichelzoo. In Münster ist man dort den erfreulichen Schritt gegangen, die Tiere nicht mehr dauerhaft von den Besuchern füttern zu lassen. Stattdessen kann man sie nun bürsten - und die Ziegen finden das ganz offensichtlich große Klasse! 

Der Allwetterzoo in Münster bleibt für mich weiterhin immer mal wieder einen Besuch wert. ♥

Samstag, 25. Januar 2020

Konzertbericht: Night Of The Pirates in Hamm

Mitte Juli stand ein weiteres, vielversprechendes Wochenende vor der Tür, und es begann am 19. mit der Night Of The Pirates in Hamm. Bei der Veranstaltung handelte es sich eigentlich um das Fanclub-Treffen der Privateers of Libertalia, dem Fanclub der schwedischen Piratenband Ye Banished Privateers, in dem ich kein Mitglied bin, weil ich mich für solche Clubs einfach nicht erwärmen kann. Umso schöner, dass die Konzerte auch in diesem Jahr wieder für Nicht-Mitglieder offen waren, und das zu einem wirklich erschwinglichen Eintrittspreis!

Auch 2019 fand das Treffen wieder stilecht im Pirates in Hamm statt. Der sympathische Club lieferte natürlich auch gleich wieder die passende Atmosphäre, und auch die zahlreichen piratig gewandeten Besucher trugen das Ihre zur Stimmung bei. So stand einem tollen Konzertabend nichts mehr im Weg!

Los ging es erst einmal mit Punch'n'Judy. Es ist ja schon lange kein Geheimnis mehr, dass die Band aus dem Ruhrgebiet auf der Bühne stets alles gibt, und da machte auch dieser Abend keine Ausnahme. Obwohl sie ihren Auftritt mit leicht dezimiertem Line-Up spielen mussten, brachten sie das Publikum innerhalb kürzester Zeit zum Toben. Die Stimmung war hervorragend und es gab einen ziemlich regen Austausch zwischen Band und Zuhörern - Piraten sind eben nicht schüchtern mit Musikwünschen und Beifallsbekundungen. Zur Krönung des Auftritts gab es dann noch einen kleinen Ausblick in die Zukunft. Sänger Sascha gab einen Einblick in das (mittlerweile natürlich längst erschienene) neue Projekt der Band, das Hörspiel "Die Legende des Koboldkönigs". Und natürlich durfte zum Ende des Konzerts auch eben jenes Stück über den Koboldkönig nicht fehlen, welches die Band schon so lange begleitet und immer wieder zu den Publikumslieblingen zählt.


Als zweite Band des Abends betraten dann etwas später Sunfire die Bühne. Die niederländische Band um Sänger Satria, den der eine oder andere noch als Mitglied von Omnia in Erinnerung haben dürfte, zählt mit ihrem Western Folk wohl zu den spannendsten und exotischen Projekten unserer Szene. Hier fühlt man sich optisch und musikalisch in die Zeit von Cowboys, Saloons und Duellen in der Mittagshitze erinnert. Wie das zur Night Of The Pirates passt? Ganz hervorragend! Selbst Jim von den Ye Banished Privateers tauschte Dreispitz gegen Cowboyhut und begab sich als Gastmusiker auf die Bühne, und das Publikum war ebenfalls nicht zu bremsen. Da flog durchaus die eine oder andere Kopfbedeckung mit einem lauten "Yeehaw!" durch die Gegend.


Unbestrittener Höhepunkt des Abends waren dann aber natürlich Ye Banished Privateers. Auch sie zeigten sich in Hochform und hatten merklich Bock auf den Auftritt. Musikalisch blieben auch keine Wünsche offen, die Band spielte Lieder von allen drei Alben sowie einige bisher unveröffentlichte Stücke, und nicht alles in der altgewohnten Form. Im Vorfeld waren die Mitglieder des Fanclubs nämlich dazu aufgerufen worden, Vorschläge für schräge, alternative Versionen und Cover zu machen, was zu interessanten Ergebnissen führte. Und da das Publikum ja im Wesentlichen aus (Hardcore-)Fans der Band bestand, wurde natürlich alles fleißig mitgesungen. In einer ihrer Ansagen ließ die Band auch noch einmal die Enge Verbindung zu ihren deutschen Fans Revue passieren. Außerdem erhielt die Leitung des Fanclubs ein wohlverdientes Lob - kein Wunder, gibt es doch aktuell kaum einen aktiveren Fanclub als die Privateers of Libertalia, die auch seit Jahren keine Kosten und Mühen scheuen, tolle Veranstaltungen wie die Night of The Pirates in Hamm auf die Beine zu stellen. Und so wurden wir alle an diesem Abend Zeuge der erst zweiten Livevorführung des Songs "Devil's Bellows", welcher zwar sowohl für die Band als auch ihre deutschen Fans eine besondere Bedeutung hat, jedoch mit 9 1/2 Minuten und einer enormen Menge aneinandergereihter Namen sicherlich keine Freude im Vortrag ist. :D


Für uns ging der Abend nach dem Auftritt von Ye Banished Privateers zu Ende, für den Fanclub verlagerte sich die Veranstaltung nach drinnen, wo noch ein Auftritt von Vollbard stattfinden sollte. Man kann sich gut vorstellen, dass die Party in dieser Nacht noch lange ging. Wir jedoch machten uns nach drei durch die Bank großartigen Konzerten glücklich und zufrieden auf den Heimweg. So einen Abend können wir hoffentlich auch in Zukunft noch ganz oft wiederholen!


Montag, 6. Januar 2020

Ein märchenhafter Parkspaziergang: El Mundo Fantasia in Landgraaf

Kaum aus dem Urlaub zurück stand auch schon das nächste Event vor der Tür. Am 07. Juli war es wieder Zeit für einen kleinen Sprung über die niederländische Grenze zum El Mundo Fantasia

Das schöne Park- und Gartengelände von Mondo Verde in Landgraaf verwandelte sich an diesem ersten Juliwochenende erneut in ein phantastisches Szenario für Fans von Fantasy, Steampunk und Cosplay. Neben wunderschönen Fotospots für die vielfältigen, kreativen Kostüme gab es an den zwei Tagen auch einiges zu entdecken, was man sonst nicht in den Gärten der Welt findet. 

So ging es im Steampunkbereich stilvoll und gemütlich daher und es lohnte sich, ein wenig zu verweilen um die bis ins kleinste Detail liebevoll gestalteten Zelte und die nach bester Jules Verne-Manier erdachten, futuristischen Fahrzeuge zu bewundern. 

Nichts ist unmöglich: Hagrid im Jurassic Park

Großer Beliebtheit erfreute sich aber auch das reiche Angebot an Sehenswürdigkeiten für Harry Potter-Fans, so zum Beispiel das Auto, mit dem Ron und Harry sich einmal auf den Weg nach Hogwarts machten - Vogelkäfig für Hedwig auf der Rückbank inklusive.

Da schlägt das Harry Potter-Fanherz höher

Und auch interessante Details aus anderen Fandoms ließen sich finden. So konnte man beispielsweise Han Solo in Carbonit betrachten oder die abenteuerlichen Gefilde von Jurassic Park besuchen. Auch an Merchandise gab es natürlich für so ziemlich jeden Geschmack etwas zu erwerben.

Plunder eroberten das Publikum im Sturm...

... und die Sassenachs brachten einen Hauch von Schottland in die Limburger Provinz

Wem der Sinn mehr nach Musik stand, der konnte unter anderem Plunder sowie die Sassenachs spielen sehen und wem alles mal zu bunt wurde, der fand auf dem weitläufigen Gelände immer irgendwo ein ruhiges Plätzchen.

Märchenhafte Pause 

Auch dort, wo sich keine fatastischen Wesen breitgemacht hatten, lohnte ein Gang durch den Park. Neben den Gärten, die zu diesem Zeitpunkt schon recht arg unter der anhaltenden Trockenheit gelitten hatten, verfügt Mondo Verde auch über eine beachtliche Anzahl an Tieren, die wir natürlich bei unserem Besuch nicht einfach links liegen ließen. Besonderes Highlight war dabei wie bei jedem Besuch das begehbare Katta-Gehege. ♥


Doch natürlich freuten sich auch die anderen Tiere über einen Besuch. 


Dabei möchte ich auch lobend (und um unbegründeter Kritik zuvorzukommen) erwähnen, dass laute Veranstaltungen wie die Konzerte nicht in der unmittelbaren Nähe der Tiergehe stattfanden.


So wirkten die Tiere trotz der Sonderveranstaltung ebenso entspannt wie an einem Tag mit regulärem Parkbetrieb.

Zwar reichte El Mundo Fantasia auch im vierten Jahr noch lange nicht an die Größe anderer, artverwandter Veranstaltungen wie der Elf Fantasy Fair heran, zog jedoch diesmal dennoch schon erfreulich viele Besucher in aufwendigen Kostümen an, die das wirklich schöne Gelände belebten. Wenn der Trend sich so fortsetzt - was ich sehr hoffe - hat diese Veranstaltungen in der Zukunft noch wirklich großes Potenzial. Der Termin für die fünfte Edition steht jedenfalls schon fest: Am 4. und 5. Juli soll es so weit sein.

Meine Musik des Jahres 2019

Da ist doch tatsächlich schon wieder ein neues Jahr angebrochen und die Blog-Berichterstattung hängt noch irgendwo im letzten Sommer fest *hüstel*. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, allen Lesern ein frohes neues Jahr zu wünschen. Hoffentlich seid ihr alle gut reingerutscht und könnt auf ein gutes Jahr 2019 zurückblicken.

Für mich war 2019 definitiv ein gutes Jahr. Klar, nicht alles lief perfekt und es schmerzt mich immer noch, dass ich in diesem Jahr mein armes, kleines Kaninchen für immer gehen lassen musste, aber insgesamt verbinde ich mit dem nun vergangenen Jahr hauptsächlich positive Erinnerungen.

Auch musikalisch war 2019 ein wirklich spannendes Jahr. Die Liste der spannenden Neuerscheinungen im Mittelalter- und Folkbereich wollte förmlich kein Ende nehmen. Und hier ist sie nun für euch, meine Musik des Jahres 2019. Wie immer alphabetisch sortiert. Existierende Rezensionen werden verlinkt, die Fehlenden bei Lust und Laune nachgeliefert. Oder eben auch nicht. Oder erst in ein paar Jahren, wer weiß das schon. :P



Die spannendsten Mittelalter- und Folkalben 2019:


Eluveitie - Ategnatos

Emian - Egeria

Faun - Märchen & Mythen

Heilung - Futha

Knasterbart - Perlen vor die Säue

La Horde - X

MacCabe & Kanaka - Around The Capstan

Mr. Hurley & die Pulveraffen - Leviathan



Pyrolysis - Daylight Is Fading

Reliquiae - Babylon

Sowulo - Mann

Stormfrun - Down (EP)

Subway To Sally - Hey!

Versengold - Nordlicht

Vogelfrey - Nachtwache

Vroudenspil - Panoptikum


Was ich dieses Jahr sonst noch gerne gehört habe:

Avantasia - Moonglow

Männi - Mir tut alles weh

Refused - War Music

Ville Valo & Agents - s/t

Sonntag, 15. Dezember 2019

Der letzte Tag in Oslo - Abschied von Norwegen

Eh wir uns versahen war schon die Zeit gekommen von Oslo Abschied zu nehmen. Da unser Schiff zurück jedoch erst am frühen Nachmittag ablegte, blieb uns noch ein guter halber Tag. Diesen nutzten wir für einen Besuch des Rathauses.

Von weitem betrachtet macht dieses Gebäude, in dem jedes Jahr der Friedensnobelpreis verliehen wird, optisch zugegebenermaßen eher wenig her. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Geht man näher heran und nimmt vielleicht auch noch an einer der Führungen teil, lässt sich nämlich einiges entdecken.

 Die astronomische Uhr am Osloer Rathaus

An der Außenseite des Gebäudes wären da vor allem die prachtvolle astronomische Uhr sowie die 16 Holzreliefs von Dagfin Werensiold zu erwähnen. Dieses "Yggdrasilfrisen" genannte Kunstwerk hat es mir besonders angetan, da es auf sehr ansprechende Art und Weise Szenen aus der nordischen Mytholgie darstellt. Ich hätte Stunden damit verbringen können, mir die farbenfrohen Werke anzusehen!

 Die Schwanenjungfrauen an der Fassade des Osloer Rathauses

Auch das innere des Rathauses verleitet zum Staunen. Hinein kommt man leider nur im Rahmen einer öffentlichen Führung, diese ist jedoch kostenlos und findet je nach Andrang auch mehrfach in der Stunde statt. Da meine Mutter kein Norwegisch spricht, stellten wir uns für die internationale, englische Führung an - und hatten das Pech, dass sich kurz darauf eine kleine spanische Reisegruppe zu uns gesellte. Unser anscheinend spanischer Guide war entzückt und änderte die Sprache der Führung per Mehrheitsbeschluss spontan in Spanisch um. Uns und einer chinesischen Familie, die mit uns gewartet hatte, wurde gesagt, wir sollten doch auf die nächste Führung warten. Das sah jedoch keiner von uns ein, denn wir hatten alle schon eine ganze Weile gewartet, als die Reisegruppe zu uns stieß. Also gingen wir im Endeffekt mit den Spaniern hinein und nahmen in Kauf, das Innere des Gebäudes nur zu betrachten und auf die Erläuterungen zu verzichten - schließlich sprach keiner von uns Spanisch... So beeindruckend das Innere des Rathauses dann mit seinen riesigen Wandmalereien auch war, muss ich zugeben, dass mich der Vorfall doch ziemlich ärgerte.

 Teil einer Wandmalerei im Osloer Rathaus

Danach war es aber wirklich Zeit, sich zum Fähranleger zu begeben und für die Rückfahrt einzuchecken. Nachdem wir unsere Kabine bezogen hatten, machten wir uns gleich auf den Weg nach draußen, um Oslo nach und nach in der Ferne verschwinden zu sehen und einige letzte Blicke auf die schöne, norwegische Landschaft zu erhaschen. Außerdem entdeckten wir im Vorbeifahren noch einen interessanten historischen Ort, nämlich die Festungsinsel Oscarsborg. Diese Mitte des 19. Jahrhunderts fertiggestellte Festung diente noch im zweiten Weltkrieg die Zufahrt nach Oslo und wirkt wie ein bedrohliches Relikt einer zum Glück vergangenen Zeit.

 Ein letzter Blick auf Oslo, inklusive Holmenkollen

Krönender Abschluss des Tages war dann ein wunderschöner Sonnenuntergang auf dem offenen Meer. Das war mal ein so beeindruckender Anblick, dass man dafür gerne den eisigen Wind in Kauf genommen hat!

 Eine wunderschöne Nacht auf dem Meer

Als wir dann am nächsten Morgen aufwachten, waren wir schon längst wieder in Deutschland. Ich bin aber sicher, dass das nicht unser letzter Besuch in Norwegen oder auch nur in Oslo gewesen sein wird. Es hätte noch so unendlich viel mehr zu sehen gegeben, und so vieles Neues entsteht gerade in der Stadt, dass sich in ein paar Jahren schon wieder ganz andere Dinge werden erleben lassen. Ich freue mich schon auf ein Wiedersehen. ♥

Sonntag, 24. November 2019

Kultur, Geschichte und ein wenig Shopping in Oslo

Eh wir uns versahen, war auch schon unser letzter, ganzer Tag in Oslo angebrochen. Und dabei gab es doch noch so viel zu sehen!

Nach dem Frühstück machten wir uns zunächst auf den Weg zum Friedhof Vår Frelsers Gravlund, um dort die Gräber großer norwegischer Persönlichkeiten wie Henrik Ibsen, Bjørnsterne Bjørnson oder Edvard Munch zu besuchen. Unser Besuch wurde dabei abenteuerlicher als erwartet, da wir anscheinend den Großkampftag der Friedhofsgärtner erwischt hatten. Den Rasensprengern auszuweichen erwies sich als ziemliche Herausforderung. Zum Glück war es nicht kalt an diesem Tag, sodass es nicht so viel ausmachte, wenn man doch mal nicht mehr rechtzeitig ausweichen konnte. :D

 Auf Vår Frelsers Gravlund ruhen die ganz Großen der norwegischen Kulturgeschichte

Danach ging es zurück ins Zentrum, wo ein Besuch der Festung Akershus auf dem Programm stand. Die ursprünglich aus dem Mittelalter stammende Burg, die über eine lange und wechselhafte Geschichte verfügt, liegt direkt am Oslofjord und ist sowohl von außen als auch von innen eine Besichtigung wert. Im Inneren gibt es eine Ausstellung, die den Besuchern einen Einblick in das adlige Leben in der Festung in vergangenen Zeiten gewährt. Draußen kann man den Blick auf den Fjord genießen, Kanonen bestaunen oder der Wachablösung zusehen. 

 Aufstieg zur Festung Akershus

Am Tag unseres Ausflugs hatten wir sogar besonderes Glück: da es sich um den Geburtstag der norwegischen Königin Sonja handelte, konnten wir mit erleben, wie zu ihren Ehren Salutschüsse abgefeuert wurden - eine ganz schön laute Angelegenheit!

 Geschichte hautnah: historische Einrichtung in der Festung Akershus

Auch ein kurzer Besuch im kulturhistorischen Museum durfte nicht fehlen. Dort war kurz zuvor die neue Ausstellung "Vikingr" eröffnet wurden, in der es einige der schönsten wikingerzeitlichen Funde Norwegens zu besichtigen gab, darunter der Gjermundbu Helm und eines der berüchtigten Ulfberht-Schwerter. Es handelte sich zwar um keiner besonders große Ausstellung, doch sie bestach eindeutig durch die schöne Auswahl an Ausstellungsstücken. Das kulturhistorische Museum selbst verfügt jedoch noch über eine ganze Menge anderer Ausstellungen. Zu meinem großen Bedauern war die, welche mich am Meisten interessiert hätte - nämlich die Ausstellung zum norwegischen Mittelalter - aber leider zur Zeit unseres Besuchs gerade geschlossen. Gleiches galt bedauerlicherweise für die Nationalgalerie, die bald ein neues Zuhause erhalten soll und bis dahin ganz geschlossen bleibt.

Doch auch so gab es noch mehr als genug zu sehen. Was natürlich beim Besuch eines Landes mit Königshaus nicht fehlen darf, ist ein Besuch des Königlichen Schlosses. So machten auch wir uns am Nachmittag auf zu dem prächtigen Gebäude mit seinem beeindruckenden Vorplatz samt dem einladenden Park. Auf eine der geführten Touren ins innere des Schlosses verzichteten wir jedoch.

Stets gut besucht: das königliche Schloss

Stattdessen machten wir uns lieber wieder auf ins Getümmel der Einkaufsstraßen. Schließlich galt es ja noch, ein paar Andenken zu erstehen, Mitbringsel für die Zuhause Gebliebenen auszusuchen und Postkarten zu schreiben. Kurz mit einem Hot Dog gestärkt, konnte der Einkaufstrip losgehen. Souvenirs findet man dabei eigentlich an jeder Ecke und in jeder Preisklasse, und vom Kuschelelch über das Wikingerschiff bis hin zum obligatorischen Troll ist da auch für jeden Geschmack etwas dabei. Mir persönlich war es aber auch wichtig, die Chance zu ergreifen, etwas norwegische Musik und Literatur mit nach Hause bringen zu können. Wer es schon einmal probiert hat, weiß, dass das von Deutschland aus kein leichtes und schon gar kein günstiges Unterfangen ist. Dabei landeten wir irgendwann im Plattenladen Råkk & Rålls, einem richtigen Paradies für Musik-Nerds wie mich. Ich hätte dort Stunden über Stunden verbringen und mich durch das riesige Second Hand Angebot an Tonträgern jeglicher Art wühlen können, aber aus Zeitgründen beschränkte ich mich dann doch auf nur etwa eine Dreiviertelstunde. :P Mein neuer musikalischer Schatz seitdem: "Metropolis" von Seigmen - genau die CD, die ich gesucht hatte! ♥ An Büchern brachte ich auch einiges mit nach Hause, aber mein Favorit ist eindeutig eine schön gebundene Ausgabe der "Haugtussa" von Arne Garborg. Es wird sich mir nie erschließen, warum sich außerhalb Norwegens scheinbar niemand je so recht für diesen wunderschönen Gedichtzyklus erwärmen konnte...

Mit ziemlich vollen Einkaufstaschen ging unser letzter Tag in Oslo schließlich zu Ende. Doch zum Glück legte unsere Fähre zurück erst am nächsten Nachmittag ab. So blieb uns immerhin noch ein halber Tag für weitere Entdeckungen in Oslo.

Samstag, 16. November 2019

Überraschend nah am Zeitgeist: Das Kon-Tiki Museum in Olso

Für den letzten Halt unseres Museumstages auf Bygdøy mussten wir nur die Straßenseite wechseln, denn unser Ziel lag quasi direkt neben dem Frammuseum. Inhaltlich blieben wir auch nah am Thema, denn auch das letzte Museum des Tages erzählte von Schiffahrt und Forschergeist, führte uns inhaltlich aber in ganz andere Regionen der Welt.

Die Rede ist vom Kon-Tiki Museum, welches sich ganz dem abenteuerlichen Leben Thor Heyerdahls widmet. Der 1914 in Larvik geborene Heyerdahl machte Zeit seines Lebens immer wieder mit spektakulären Expeditionen auf sich aufmerksam. Die wohl bekannteste, weil auch mehrfach verfilmte, war sicherlich die Kon-Tiki-Expedition. Heyerdahl und sein Team machten sich dafür auf nach Peru, wo sie ein Floß aus Balsa-Holz bauten und sich mit diesem auf den Weg nach Polynesien machten. Durch die experimentalarchäologische Expedition konnte bewiesen werden, dass eine Besiedelung Polynesiens von Südamerika aus technisch möglich gewesen wäre. Weitere Expeditionen führten ihn in die verschiedensten Teile der Welt, unter anderem auf die Osterinseln oder nach Afrika. Viele seiner Erlebnisse hielt er in Büchern für die Nachwelt fest.

Von außen eher unscheinbar: das Kon-Tiki Museum

Im Kon-Tiki Museum werden Leben und Werk Thor Heyerdahls dann aber richtig plastisch greifbar. Herzstücke der Sammlung sind das Original-Floß Kon-Tiki sowie das restaurierte Papyrusboot Ra II, mit dem Heyerdahl 1970 von Marokko aus nach Barbados segelte. Doch auch zahlreiche Objekte, die der Forscher von seinen Expeditionen mitgebracht hatte, werden hier ausgestellt, Texte und Fotos berichten von seinen Reisen.

Die Kon-Tiki in ganzer Pracht

Mich persönlich hat der Besuch im Kon-Tiki Museum sehr beeindruckt. Natürlich war mir der Name Thor Heyerdahl bekannt, auch von der Kon-Tiki-Expedition hatte ich schon gehört. Das Ausmaß der Bedeutung dieses Forschungsreisenden war mir dabei aber nie so richtig bewusst geworden. Damit meine ich nicht nur seine teils innovativen Forschungsmethoden, welche die Fachwelt immer wieder forderten und alte Theorien auf den Kopf stellten. Vielmehr hat es mich fasziniert, wie aktuell und relevant manche seiner Erkenntnisse noch heute scheinen. So arbeitete er bereits auf den beiden Ra-Expeditionen, in den 70er Jahren, mit der UNO zusammen und dokumentierte die Meeresverschmutzung. Und bereits aus dem Buch zu seiner ersten Expedition, "Fatu Hiva", auf deutsch 1974 erschienen, geht hervor, wie sehr ihn die Entfremdung des Menschen von der Natur beunruhigte. Lebhaft in Erinnerung geblieben ist mir außerdem ein Foto, welches zeigt, wie sich Heyerdahl und seine Mannschaft von der auf dem Wasser verbrennenden Tigris verabschieden: die Fahrt des Bootes endete 1978 vorzeitig am Horn von Afrika, da eine Weiterfahrt aufgrund des Ogadenkrieges zwischen Äthiopien und Somalia nicht möglich war. Aus Protest gegen die, wie sie es in einem Brief an den Generalsekretär der Vereinten Nationen ausdrückten, "Unmenschlichkeit der Welt von 1978" verbrannte die internationale Mannschaft das Boot und lenkte damit das internationale Interesse auf die Situation in dieser Krisenregion.

Es gibt viel zu entdecken im Kon-Tiki Museum

Bei all diesen positiven Eindrücken, die man bei einem Besuch im Kon-Tiki-Museum gewinnt, ignoriert das Museum jedoch auch nicht die kritischen Punkte in der Arbeit Thor Heyerdahls. So stand er immer wieder im Konflikt mit der Wissenschaft, die ihn oft ebenso wenig ernst nahm wie er sie. Auch sein Umgang mit den Einheimischen der Regionen, die er im Rahmen seiner Expeditionen besuchte, wird als nicht immer so feinfühlig beschrieben, wie es vielleicht angemessen gewesen wäre - was diesen Punkt angeht, war er dann vielleicht doch ganz ein Kind seiner Zeit. 

Als würde er jeden Moment aufstehen: Thor Heyerdahl als Wachsfigur im Museum

Alles in allem hat der Besuch im Kon-Tiki Museum bei mir jedenfalls dazu geführt, dass ich Thor Heyerdahl als faszinierende und inspirierende Persönlichkeit erfahren durfte, welche sich weit über den üblichen wissenschaftlichen Tellerand hinaus und sehr vorausblickend mit den Belangen dieser Welt beschäftigt hat. Besonders überrascht war ich dabei davon, wie aktuell ihn sein Interesse für den Umweltschutz auch noch in der heutigen Zeit macht. In mir hat der Museumsbesuch den Wunsch geweckt, mich weiter mit dem Leben dieses Menschen zu beschäftigen, was ich momentan mit dem Lesen seiner Bücher tue, die größtenteils immerhin antiquarisch noch gut zu erhalten sind. Was mehr als eine solche Inspiration kann man von einem Museumsbesuch erwarten?

Unsere große Museumstour endete mit dem etwa einstündigen Besuch des Kon-Tiki Museums, für den Besuch des nebenan gelegenen Norsk Maritimt Museums blieb leider keine Zeit mehr. Inspiriert von so viel unterschiedlicher Schifffahrtsgeschichte nahmen wir für den Rückweg die Fähre zurück ins Zentrum Oslos. Genau wie sämtliche Museumseintritte und der Bus war auch diese im Oslo-Pass einbegriffen. Die Fahrt dauerte nur wenige Minuten, fühlte sich aber dennoch an wie eine nette, kleine Hafenrundfahrt. So ging unser erster ganzer Tag in Oslo zu Ende.