Da ist doch tatsächlich schon wieder ein neues Jahr angebrochen und die Blog-Berichterstattung hängt noch irgendwo im letzten Sommer fest *hüstel*. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, allen Lesern ein frohes neues Jahr zu wünschen. Hoffentlich seid ihr alle gut reingerutscht und könnt auf ein gutes Jahr 2019 zurückblicken.
Für mich war 2019 definitiv ein gutes Jahr. Klar, nicht alles lief perfekt und es schmerzt mich immer noch, dass ich in diesem Jahr mein armes, kleines Kaninchen für immer gehen lassen musste, aber insgesamt verbinde ich mit dem nun vergangenen Jahr hauptsächlich positive Erinnerungen.
Auch musikalisch war 2019 ein wirklich spannendes Jahr. Die Liste der spannenden Neuerscheinungen im Mittelalter- und Folkbereich wollte förmlich kein Ende nehmen. Und hier ist sie nun für euch, meine Musik des Jahres 2019. Wie immer alphabetisch sortiert. Existierende Rezensionen werden verlinkt, die Fehlenden bei Lust und Laune nachgeliefert. Oder eben auch nicht. Oder erst in ein paar Jahren, wer weiß das schon. :P
Eigentlich hatten wir uns das mit dem Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in Telgte ja doch etwas anders vorgestellt. Die ganze Woche hatte wunderschönes Sommerwetter geherrscht und sowas hatten wir uns natürlich auch für das Wochenende gewünscht. Allerdings sah das der Sonnenschein wohl anders und trat pünktlich zum Beginn der Veranstaltung weitestgehend den Rückzug an.
Wir ließen uns natürlich trotzdem nicht aufhalten und bis zum Samstag Abend war uns das Wetter auch relativ gnädig. So konnten wir in aller Gelassenheit das Gelände erkunden und das musikalische Programm, das unter Anderen aus Versengold, Mr. Hurley & Die Pulveraffen und natürlich Saltatio Mortis bestand, genießen. Doch ehrlich gesagt bildete das musikalische Programm an diesem Tag ausnahmsweise mal nur den Hintergrund. Denn wir hatten uns einiges vorgenommen.
Zunächst einmal hatten eine Freundin und ich uns verabredet, unsere Tin Whistles mit auf das Gelände zu bringen. Gerne hätte ich auch noch meine Blockflöte mitgebracht, aber das habe ich mich aufgrund der Wettervorhersage dann doch nicht recht getraut. Als ziemlicher Anfänger auf der Tin Whistle nahm ich an diesem Tag die Rolle des Lehrlings ein und meine Freundin mühte sich, mir eine Melodie von Ye Banished Privateers beizubringen. Das war ziemlich lustig, hat den Umstehenden aber sicher manchmal ein wenig in den Ohren wehgetan. ;)
Außerdem hatten wir uns vorgenommen, ein für uns neues Spiel zu testen: MPS-Bingo!
Original MPS-Bingo nach zwei Tagen Regen :D
Meine Freundin hatte die Idee beim Castlefest entdeckt und die auszufüllenden Felder auf das MPS angepasst. Ich würde sagen, dass das Spiel diesen ersten Test voll und ganz bestanden hat. Es hat sehr großen Spaß gemacht und man hat durch das genaue Hinsehen das ein oder andere skurrile Kostüm entdeckt! :D
Abends wurde es dann aber doch nochmal so richtig interessant in musikalischer Hinsicht: Faun spielten einen ihrer in diesem Jahr so seltenen MPS-Auftritte. Wir machten uns erstmals seit längerer Zeit wieder die Mühe, uns einen Platz in der ersten Reihe zu sichern. Dabei lernten wir zwei nette Damen kennen, die neben uns standen und es stellte sich heraus, dass eine von ihnen in der gleichen Kleinstadt wie ich wohnt. Zufälle gibt es!
Faun, vor dem Regen
Während des Auftritts von Faun passierte es dann. Zunächst wunderte ich mich nur, warum es plötzlich so früh dunkel wurde. Dann entdeckte ich die unschön gelblich-graue Farbe des Himmels. Und dann öffnete jener Himmel auch schon seine Pforten. Innerhalb einer Minute waren wir Tapferen, die vor der Bühne stehengeblieben waren (und das waren doch einige!) nass bis auf die Haut. Der Stimmung tat das jedoch keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Die Leute tanzten wie verrückt im Regen, die Stimmung steigerte sich sogar noch im Vergleich zu vor dem Regen. Es war wirklich eines der besten Faun-Konzerte, die ich jemals erlebt habe (und ich habe da einige Vergleichswerte :P)!
Was zunächst wie ein typischer Schauer gewirkt hatte, hörte dann aber bestimmt über eine halbe Stunde einfach nicht mehr auf. Als es sich endlich beruhigte, konnte ich meinen Rock und meine Socken auswringen, so nass waren sie. Aber es galt, durchzuhalten, denn mit Knasterbart stand noch ein letzter Punkt auf dem Tagesprogramm.
Der Sonntag begrüßte uns dann mit Dauerregen. War es zunächst nur ein feiner Regen, ging dieser zum Nachmittag hin in dauerhaften Starkregen über. Es war ein ziemliches Trauerspiel. Meine Schuhe waren noch vom Vortag nass, immerhin trockene Klamotten hatte ich mir aber zum Glück von einer Freundin leihen können. Das Gelände hatte sich in eine einzige große Matschfläche verwandelt und wir verbrachten weite Teile des Tages unter einem der Sonnensegel im Stroh. Irgendwann wurde mir das zu langweilig, sodass ich beschloss, als einzige von uns den ursprünglichen Plan beizubehalten, und mir das Konzert von Omnia trotzdem von vorne anzusehen. Etwa eine Viertelstunde vor Beginn stellte ich mich also in den Regen und sicherte mir somit einen Platz in der dritten Reihe - bei gutem Wetter wäre das ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Belohnt wurde ich mit einem Konzert bei bester Stimmung, denn alle, die da vor der Bühne standen, wollten uneingeschränkt Omnia sehen. Sonst hätte sich das wohl keiner angetan. ;)
Zu meiner eigenen Überraschung habe ich mich an diesem Wochenende nicht erkältet. Wir sind ja mit einigen Jahren MPS-Erfahrung schon an einiges gewöhnt, aber das war selbst für unsere Verhältnisse extrem. In der darauffolgenden Woche habe ich mir endlich Gummistiefel gekauft. So nasse Füße möchte ich mir nämlich nicht noch einmal holen. :D
The Show must go on, wie es so schön heißt. Darum folgt hier nun, nur einen Tag nach Beginn des Umzugs auf der Großbaustelle meines neuen Blogs mein Bericht zum ersten Wochenenden des Mittelalterlich Phantasie Specatculum in Bückeburg.
Der hässliche Hans teert einen 'Übeltäter'
"Fegefeuer und Sintflut" - so heißt es auf den Shirts zum diesjährigen MPS in Bückeburg. Ein weise gewählter Slogan, den die Verantwortlichen sich da ausgedacht haben, fällt Bückeburg doch alljährlich durch heftige Wetterkapriolen auf. Da will es wohl auch dieses Jahr wieder keine Ausnahme machen, obwohl das erste Wochenende da noch ziemlich harmlos daherkam, wenn ich mir so den Wetterbericht für das nun Folgende anschaue....
Wir erreichten das beschauliche Bückeburg am frühen Freitag Vormittag bei bestem Wetter. Nach dem Zeltaufbau in einer ruhigen Ecke der Campsite (die auch tatsächlich einmal das ganze Wochenende ruhig bleiben sollte!), gingen wir Einkaufen. Lebensmittel für das bevorstehende Wochenende, Eis und etwas kaltes zu Trinken wegen der Hitze.
Am Samstag klarte es dann pünktlich zum Veranstaltungsbeginn ebenfalls auf und uns erwartete ein schöner Tag bei bestem Wetter. Eis und kühle Getränke waren hoch frequentiert, ebenso die aufgestellten Sprenkler, unter denen sich die Leute abkühlen konnten. Ich musste auf eine solche Abkühlung an diesem Wochenende jedoch leider verzichten, da ich mir kurz vorher die Niere verkühlt hatte und noch nicht wieder ganz fit war.
Aber dabei sein ist ja bekanntlich alles, also ging ich den Tag einfach etwas ruhiger an und widmete mich der gebotenen musikalischen Vielfalt: Mr. Hurley & die Pulveraffen durften ebenso wenig fehlen wie Versengold, Metusa und Saor Patrol oder die Neu-MPSler Bands Pyrates! und Waldkauz. Abends stand dann natürlich das große Omnia-Abendkonzert an, bei dem die Band Unterstützung von Kontaktjongleur Kelvin Kalvus erhielt.
Steve von Omnia und Kelvin Kalvus
Abgeschlossen wurde der Tag musikalisch von Knasterbart, die mich mit ihrem neuen Programm (inklusive absolut großartigem Intro) einmal wieder auf ganzer Linie überzeugen konnten. Und glücklicherweise wurden sie diesmal auch nicht wieder genötigt, ihr Konzert endlos in die Länge zu ziehen. ;)
Mit dem Sonntag kam dann der Regen, und zwar ziemlich püntklich zum Zeltabbau. Trotzdem entschieden wir uns, noch einmal eine Weile aufs Gelände zu gehen. Dort spielten auf der großen Bühne gleich zu Beginn Waldkauz, denen es tatsächlich gelang, das müde Publikum schon um diese Zeit ordentlich zum Tanzen zu bringen.
Sie teilten sich die Bühne an diesem Tag mit Versengold, deren erstes Konzert wir uns auch noch anschauten. Bodhrán-Spieler Pínto fehlte an diesem Wochenende, was irgendwie seltsam war, doch die Band hatte mit ihrem Roadie Kevin in gewisser Weise einen "Ersatzmann" dabei, der absolut freiwillig und hochgradig kompetent Píntos Ansagen übernahm. ;)
Im Anschluss hieß es für uns dann aber endgültig Abschied nehmen vom MPS in Bückeburg - zumindest für dieses Wochenende. Denn heute wird noch das Zelt geflickt, und dann geht es morgen zurück Richtung Niedersachsen. Pünktlich zur geplanten Ankunft sind Windböen gemeldet, der Samstag soll regnerisch werden, während uns der Abreisetag wohl mit bestem Sonnenwetter begrüßen wird. Aber so ist das eben im schönen Bückeburg.
Vom 14. bis zum 17. Mai verschlug es mich zum zweiten Mal in dieser Saison aufs MPS.
Dieses Mal führte mich der Weg ziemlich weit nach Norden ins
niedersächsische Rastede. Mehr als sechs Stunden Anfahrt hätte das für
mich bedeutet, hätte ich nicht das Glück gehabt, am Vorabend bei einer
Freundin auf halber Strecke schlafen zu können, um dann am Donnerstag
gemeinsam weiter Richtung MPS zu fahren.
Angekommen in Rastede hieß es aber erst einmal, sich mental auf
eine große Strapaze vorzubereiten: Die Campsite liegt dort nämlich
leider mehrere Kilometer vom Bahnhof entfernt. Ich bereitet mich also
schon einmal darauf vor, mit Zelt, Schlafsack, Luftmatraze, Gewandung,
warmen Nachtklamotten und Verpfelgung für vier Tage den voraussichtlich
mehr als einstündigen Marsch anzutreten. Puh. Doch an diesem Tage war
mir das Glück hold: Nur wenige Minuten war ich gelaufen, als neben mir
das Auto des Drachen daselbst, des MPS-Veranstalters
Gisi, hielt. Er hatte Mitleid mit mir und fuhr mich tatsächlich mit
seinem Auto bis zu Campsite. Ich war so froh! :D
Auf der Campsite wurde ich dann auch schon von einer früher
angereisten Freundin erwartet, die mir einen Platz freigehalten hatte.
Schnell das Zelt aufgebaut, in die Marktklamotten geschmissen, und auf
ging es zum Gelände und ziemlich sofort auch zum ersten Konzert der
großartigen Ye Banished Privateers! Die Band sollte das
gesamte Wochenende prägen, denn trotz guter Vorsätze, uns allen Bands
mit gleicher Aufmerksamkeit zu widmen, zog es uns immer wieder zu den
Schweden. Bei einer Band, die regelmäßig auf der Bühne ihre Mitglieder
auspeitscht, aufhängt, absticht oder ersäuft kommt eben nie Langeweile
auf! :D
Absolutes Highlight des Wochenendes war auch die Spontanität, mit der
die Band reagierte, als bei ihrem Nachtkonzert am Samstag plötzlich der
Strom aussetzte. Statt zu warten, bis das wieder repariert wurde, begab
sich das ganze Band an den äußersten Bühnenrand nach vorne, um dann
Unplugged weiterzuspielen, nur beleuchtet von den Taschenlampen und
Handys der Besucher. Die Stimmung war phänomenal und wir waren ganz
vorne in der ersten Reihe mit dabei. Einfach klasse!
Shameless Will von Ye Banished Privateers
Ein wenig zu kurz kamen deswegen unter anderem die ganz wundervollen Musiker von Versengold, das Knasterbart-Konzert Samstag Nacht verpassten wir gar ganz (Frevel!). Omnia, Celtica, Saor Patrol, Rapalje, Cultus Ferox und Mr. Hurley & die Pulveraffen
schafften es aber glücklicherweise doch noch irgendwie in den Zeitplan,
und der Samstag stand schließlich für mich ganz im Zeichen von The Dolmen, die ich einfach liebe. Besonders gefreut habe ich mich, als gleich zu Beginn mit "Dead Cats Don't Meow" mein Lieblingssong der Band gespielt wurde! An diesem Tag habe ich auch meine Dolmen-CD-Sammlung mit "Ballad of Cape Clear"
um ein weiteres Album erweitert. Von der Komplettierung dieser Sammlung
bin ich trotzdem noch meilenweit entfernt - schließlich hat die Band
bereits um die 20 Alben veröffentlicht!
Kayleigh Marchant von The Dolmen
Natürlich gab es aber auch an diesem Wochenende nicht nur Musik, sondern beispielsweise auch Sport anzuschauen. Zum Bruchenball
waren einige Mannschaften sowie auch zwei Weibschaften angetreten, und
alle lieferten sich spannende Spiele. Wenn es irgendwohin zum MPS
verschlägt, der sollte wirklich einmal dem Bruchenballturnier beiwohnen,
denn es ist jedes Mal ein großer Spaß zuzusehen. Zart besaiteten
Menschen sei aber gesagt, dass es sich um einen eher ruppigen Sport
handelt und durchaus schonmal jemand dabei verletzt wird.
Waffenkontrolle beim Bruchenball
Seit langer Zeit zum ersten Mal schafften wir es in Rastede auch endlich einmal wieder, uns das große Ritterturnier von Ars Equitandi
anzuschauen. Beliebt besonders bei Familien mit Kindern, lohnt es sich
auch als Erwachsener Besucher ab und an einmal vorbeizuschauen.
Eingebttet in eine Rahmengeschichte kann man hier Pferde und ihre Reiter
in verschiedenen Turnierdisziplinen und auch Schwertkämpfer bewundern.
Wenn es dunkel geworden ist, gibt es immer auch noch eine spezielle Show
mit Feuer. Zu dieser haben wir es aber in Rastede nicht geschafft.
Ritterturnier von Ars Equitandi
Wie immer einen Besuch wert waren auch die täglichen Markteröffnungen aka Bruder Rectus Morgenmesse.
Neben einer witzigen Show gibt es da auch jedes Mal die Heerlager zu
bestaunen, und in Rastede gab es davon eine ganze Menge. Natürlich wurde
auch wieder der ein oder andere Grund zum Teeren und Federn von
Teilnehmern und in einem Fall sogar einem Zuschauer gefunden und getreut
dem diesjährigen Motto "Sei was du willst" mutierte auch schon mal
Bruder Rectus zum Chef und der Tod zur Nonne.
Die Heerlager
Kulinarisch wurden wir an diesem Wochenende durch die Anwesenheit der Spätzleküche
beglückt. So gab es an einem Tag Spätzle in Kräuterrahmsauce, während
an einem anderen unbedingt die Spätzle in Hirschrahmsauce probiert
werden musste. Ein köstlicher Schokobaumstriezel von Olis Striezeley sowie Dracheneier von der Süßen Bude ergänzten den Speiseplan ebenso wie eine mit Spinat und Feta gefüllte Grafenrolle von Wallners Steinofenbäckerei.
Einziger Wermutstropfen an diesem langen Wochenende: Das Wetter!
Der Regen hielt sich zwar weitestgehend zurück, doch warm wurde es dafür
auch nie wirklich. Nach zwei Nächten bei unter 5°C und einer, an der
man beim Heimkommen von Eis auf der Zeltplane erwartet wurde, schien man
so langsam die Bedeutung des Begriffs "Wärme" vergessen zu haben. Da
war ich dann doch froh, als mich am Sonntag nach knapp 6 1/2 Stunden
Heimfahrt ein wärmendes (und reinigendes - Haarewaschen unter kaltem
Wasser fiel bei den Temperaturen ja weg) Bad, ein heißer Tee und ein
kuscheliges Bett erwarteten. Anders als in einem der vergangenen Jahre
ging das ganze dieses Mal für mich jedoch wenigstens ohne anschließende
Nasennebenhöhlenentzündung ab. ^^
Das war es also, das zweite MPS der Saison.
Momentan befinde ich mich in einer ziemlich langen Pause, doch im
kommenden Monat geht es dann mit einem Tagesausflug nach Wassenberg
weiter. The Dolmen und Omnia locken - das kann ich mir doch unmöglich entgehen lassen! :D
So, da bin ich nun tatsächlich schon vom zweiten MPS
des Jahres zurück und habe es noch nicht einmal geschafft, meinen
Bericht zum ersten zu schreiben. Das möchte ich jetzt endlich nachholen.
Viel Spaß also mit meinem arg verspäteten Bericht zum Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in Dortmund vom 30. April bis zum 3. Mai.
Los ging es etwas stressig tatsächlich erst am Donnerstag. Die um
diese Zeit des Jahres natürlich noch etwas unerfreulichen Temperaturen
hatten mich von einer Anreise einen Tag früher abgehalten. Ich zelte
eindeutig lieber bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. :D
Also machte ich mich in aller Frühe mit Sack und Pack auf den Weg
zum Fredenbaumpark Dortmund. Zum Glück klappte auch alles ohne
bahnbedingte Zwischenfälle und ich konnte gegen Mittag mein Zelt
aufstellen. Luxuriöserweise hatte mir eine Freundin, die bereits am
Vortag angereist war, einen Platz freigehalten. Die Campsite war
ansonsten für den ersten Veranstaltungstag schon ziemlich gut gefüllt.
Noch schnell umgezogen, war ich bereit, mich für die nächsten vier Tage
ins nicht ganz so authentische Mittelalter zu stürzen.
Zur Feier der neuen Saison schauten wir uns auch gleich mal die
neue Markteröffnung (Bruder Rectus Morgenmesse) an - und waren so
begeistert, dass wir auch an den folgenden Tagen meistens teilnahmen.
Dabei gab es auch tatsächlich jeden Tag etwas neues zu sehen, denn zum
Motto der diesjährigen MPS-Tour - "Sei was du willst", oder auf die Location in Dortmund angepasst auch "Sei watte wills" genannt - hatten sich die beteiligten wie Bruder Rectus, die Nonnen Kama und Sutra, der Tod mit seiner Sense Gisela, der hässliche Hans, Gawan und der Pisspage
einiges einfallen lassen. Uns kamen manchmal fast die Tränen vor
Lachen. Auch ohne Teeren und Federn ging das Wochenende natürlich (und
zum Glück! ;) ) nicht ab.
Musikalisch wurde an den vier Tagen natürlich auch wieder einiges
geboten. Ziemliches, oft begeistert angeschautes Highlight waren dabei
die Schweden von Ye Banished Privateers. Wie eigentlich
jedes Mal hatte die 29-köpfige Band, die immer "nur" mit ca. 10 Leuten
anreist, wieder neue, uns noch unbekannte Gesichter dabei. Ich bin echt
gespannt, ob wir irgendwann einmal alle Mitglieder gesehen haben werden. :D
Toll waren auch die Konzerte von Omnia und Knasterbart, die beide wie üblich nur jeweils ein Set spielten.
Alle anderen Bands (außer den Cobblestones,
die wir aber nur ein paar Minuten spielen sahen), spielten mehrmals
oder auch an mehreren Tagen und es gelang uns tatsächlich, sie uns alle
mindestens einmal anzuschauen. An einem entspannten Nachmittag gab es Duivelspack und Saor Patrol. Ebenso entspannt ging es bei Rapalje zu, bei Cultus Ferox wurde es dafür merklich lauter. Von Celtica genossen wir ein wunderschönes Abendkonzert aus der ersten Reihe und Mr. Hurley & die Pulveraffen und Versengold kamen gleich mehrfach (wenn auch gefühlt nicht oft genug) zum Zug. Sogar einen Auftritt von Saltatio Mortis nahmen wir dieses Mal mit - etwas, das mir sonst wegen der Massen, die vor ihrer Bühne kampieren, meist zu stressig ist. :D
Ansonsten hielten wir uns an diesem Wochenende auffällig oft auf dem Kampfplatz auf. Eigentlich wollte ich gerne Fotos von Fictum, der tschechischen Fechtkampfgruppe machen. Daraus wurde leider nichts, dafür landeten wir an drei von vier Tagen beim Bruchenballturnier und hatten dabei riesigen Spaß. Auch hier griff das Motto "Sei was du willst", so dass die Hey Zwerge tatsächlich einmal als Gummibärenband antraten.
Natürlich muss man an so einem langen Wochenende auch mal an das
leibliche Wohl denken, und so war unser Entsetzen anfangs groß, als wir
feststellen mussten: Unser erhoffter Lieblings-Essens-Stand, die Spätzleküche,
war leider nicht anwesend. Verdammt. Doch im Nachhinein hatte das
durchaus etwas Positives an sich, denn wir probierten dadurch endlich
mal ein paar Sachen, die wir noch nie zuvor gegessen hatten. Wie den
köstlichen überbackenen Camembert, das Chili sin Carne, den
Zyklopenspieß oder den Schokobaumstriezel. Njamnjam. Verhungern wird
beim MPS definitiv niemand. :D
Als es am Sonntag ans Abbauen ging, waren wir schon etwas traurig. Das erste MPS
war wieder viel zu schnell vorbeigegangen. Sogar das Wetter war für
diesen frühen Zeitpunkt im Jahr relativ gnädig gewesen und hatte uns nur
mit wenig Regen und auch nicht mit übermäßig niedrigen Temperaturen
gepiesackt. Doch zum Glück sollte es nur etwa drei Wochen später schon
mit dem nächsten Termin weitergehen. Doch davon später mehr...
Hier ist sie also, die Fortsetzung unseres langen Tages in Hameln: Nach der schönen Zeit auf der Mystica Hamelon
machten wir uns zu 21 Uhr auf den Weg zur Rattenfängerhalle. Nachdem
noch schnell ein halber Liter Energydrink hinuntergespült wurde, ging es
dann auch schon in die Halle und auf einen lauschigen Platz in die
erste Reihe - ein Platz, den wir für die nächsten Stunden auch nicht
aufgeben sollten.
Um 22 Uhr ging es dann los. Cultus Ferox eröffneten die Pirates Folk Night
mit einem Konzert, das dermaßen knallte, dass die Assoziation "Folk"
wohl die letzte war, die einem kam. War das Publikum zu Beginn noch
recht übersichtlich, änderte sich das im Verlauf des Auftritts zum Glück
noch. Cultus Ferox heizten den Leuten mit viel
Dudelsack richtig ein und konnten das Publikum so auch sehr bald auf
ihre Seite bringen, so dass alle fleißig mitgröhlten.
Für einiges an Aufsehen sorgte zum Ende hin dann noch ein kurzer Outfitwechsel von Feuerteufel,
der bekleidet mit einer Schürze auf die Bühne kam und dem Publikum dann
den Rücken zuwandte - um dabei zu offenbaren, dass er NUR mit dieser
Schürze bekleidet war ^^
Nach Cultus Ferox ging es weiter mit den Bremern von Versengold.
Diese präsentierten in Hameln zum ersten Mal ihr neues, erweitertes
Konzert-Line-Up. In den vergangenen Jahren bestand die Band aus fünf
Mitgliedern, nun standen jedoch sieben Männer auf der Bühne. Die Band
konnte nun mit einem Drummer und einem Bassisten aufwarten - Rollen, die
zuvor von Gitarrist Paule in Personalunion gemeistert wurden.
Obwohl man auch schon vorher nie das Gefühl gehabt hatte, dem Sound von
Versengold würde live irgendetwas fehlen, konnte der neue Klang voll und
ganz überzeugen. Alles klang nochmal eine Spur wuchtiger als zuvor.
Die Stimmung in der Halle war von Anfang an großartig und Versengold präsentierten eine Vielzahl ihrer gefeiertsten Songs, darunter "Wem? Uns!", "Drey Weyber" und natürlich "Ich und ein Fass voller Wein". Auch auf eine Ballade musste man mit "Vom Zauber des Wildfräuleins" zum Glück nicht verzichten, wobei das Publikum bewies, dass es auch in solchen ruhigen Momenten zuhören kann.
Es war sicher schon weit nach Mitternacht, als schließlich mit Ye Banished Privateers
die dritte Band des Abends die Bühne enterte. Es war das erste Mal,
dass ich die besetzungsstarke Gruppe auf einer Bühne erleben durfte, die
tatsächlich nicht zu klein für sie war.
Was folgte, war ein wunderbares Konzert einer der großartigsten
Live-Bands, die ich kenne. Wer hier die Beine stillhalten konnte und
nicht das Bedürfnis verspürte, mitzusingen, der musste wohl tot sein.
Obwohl es an diesem Abend auf der Bühne leider kein Auspeitschen oder
Zerschlagen von Flaschen über dem Kopf eines der Mitglieder gab, war die
Show trotzdem unheimlich unterhaltsam. Bei so vielen Menschen auf der
Bühne gibt es einfach immer etwas zu sehen, zumal irgendjemand von
dieser Bande immer eine Idee hat (wie sich von der Bühne zu schleichen,
um das Publikum von hinten zu erschrecken). Zum brüllen komisch war auch
die Version von "Schwarzer Kater", von der es praktischerweise ein schönes Video gibt:
Als schließlich mit Knasterbart die letzte Band die
Bühne betrat, hatte sich die Halle bedauerlicherweise schon wieder etwas
geleert. Andererseits ist das vielleicht auch kein Wunder, muss es doch
schon gegen halb drei Uhr morgens gewesen sein. Wer noch da war,
feierte dafür umso heftiger mit, als die Herren Knasterbart ihren
Gossenfolk präsentierte. So ein Knasterbart-Konzert macht eben zu jeder Tages-und Nachtzeit Spaß.
Auch hier wurden natürlich alle Hits wie das "Gossenabitur" oder die "Leckere Lotta" geboten und vom Publikum fleißig mitgesungen.
Als sich die Band schließlich am Ende ihres Sets verabschieden wollte, kam es noch zu einer lustigen Situation. Sänger Hotze
wollte sich gerade von der Bühne verabschieden und vertröstete jene,
die noch immer nicht genug hatten, mit den Worten, die Band werde gleich
noch zur Taverne kommen und Freigetränke von den Fans einfordern. Als
Reaktion darauf fühlte sich ein allen in der Szene wohlbekannter Mensch
namens Gisi, der in der ersten Reihe stand, bemüßigt, prompt ein erstes
Freigetränk zu schicken und warf seinen halbvollen Becher auf die Bühne.
Die Band war zunächst verwirrt, woher das kam und die Security
überfragt, was sie tun sollte. Als die Band Gisi entdeckte, war die
Sache aber natürlich schnell geklärt. :D
So ging dann also die Pirates Folk Night zu Ende und wir machten uns
auf den Weg zum Hamelner Banhof, wo um kurz nach fünf unser Zug kommen
sollte. Gegen ein Uhr Mittags war ich dann schließlich zu Hause. Obwohl
ich zu diesem Zeitpunkt seit mehr als 24 Stunden wach war, ging es mir
ziemlich gut. Und für so einen großartigen Tag würde ich jederzeit
wieder Nächte auf x-beliebigen Bahnhöfen durchmachen!
Ganz ambitioniert geht es nun schon heute weiter mit den Rezensionen meiner Musik des vergangenen Jahres. Heute an der Reihe: Knasterbart!
Interpret: Knasterbart Album: Branntwein für alle! Erscheinungsdatum: Mai 2014 Label: Fuego
Tracklist: 1. Gossenhauer | 2. Geteiltes Leid ist halbes Leid | 3. Gossenabitur
| 4. Gossenabitanz | 5. Branntwein für alle! | 6. Jammerjule | 7.
Lieber widerlich als wieder nich | 8. Gott will es | 9. Kein Knaster im
Knast | 10. Mein Stammbaum ist ein Kreis | 11. Hinterwäldlertanz | 12.
Ich trinke also bin ich | 13. Knüppelkalle | 14. Horst die Filzlaus
Als Knasterbart für den vergangenen Mai die Veröffentlichung ihres ersten Albums ankündigten, war die Band für viele Besucher des Mittelalterlich Phantasie Spectaculums schon mehr als ein Geheimtipp.
Geboren aus einer - wie man wohl ohne schlechtes Gewissen behaupten darf
- wortwörtlichen Schnapslaune, hatte sich das als Soloprojekt von Hotze Knasterbart (aka Snorre Snoerkelfrey von Versengold, aka Malte Hoyer) binnen kurzer Zeit zu DEM großen neuen Live-Ding schlechthin entwickelt.
Mit "Branntwein für alle!" lag dem geneigten Hörer dann
pünktlich zum einjährigen Live-Jubiläum auf dem MPS in Rastede endlich
der erste Silberling des mittlerweile zur Band angewachsenen Projektes
vor. Hatte man sich vorher gefragt, ob die großartige Liveband auch als
Tonträger funktionieren würde, bekam man eine mehr als deutliche
Antwort: Oh ja, das funktioniert - und wie das funktioniert!
Den Sound der Band zu beschreiben ist nicht ganz leicht. Sie selbst
bezeichnen ihre Musik als "Gossenfolk", was den Nagel in der Tat
ziemlich auf den Kopf trifft.
Musikalisch findet man hier wunderbar tanz- und feierbaren Folk, der
einen gewissen Versengold-Einschlag nicht verbergen kann. Eigentlich
auch kein Wunder, sind doch Hotze, Hackepeter und Fidolin Knasterbart
unter anderen Namen auch als Mitglieder eben jener Formation bekannt.
Wer bei diesen Klängen die Füße still halten kann, muss über
übermenschliche Beherrschungskraft verfügen und ist dafür eher zu
bedauern als zu beneiden.
Was das Hören von "Branntwein für alle!" dann aber zu einem wirklich unwiderstehlichen Hörvergnügen macht, sind die Texte. Hotze,
Snorre, Malte oder wie auch immer man ihn nennen möchte ist einfach ein
begnadeter Texter, das beweist er auch beim Knasterbart-Erstling einmal
wieder eindringlich. Er vermag es einfach wie kein anderer, in seinen
Songs herrliche, kleine Geschichten zu erzählen - die im Fall von
Knasterbart eben meist wunderbar absurd und komisch sind.
Auch Fummelfips aka Mr. Hurley aka Simon Erichsen
(Herrgott, dieses Namenschaos!) steht dem in nichts nach. Entsprechend
ist das, was die beiden gemeinsam abliefern, zum Wegschmeißen komisch.
Als ich den Fehler machte, mir das Album gleich zum ersten Mal
während einer Zugfahrt anzuhören, müssen meine Mitreisenden gedacht
haben, dass ich nen tüchtigen Knall habe - aber es war einfach
unmöglich, bei Songs wie "Ich trinke also bin ich" oder dem schon vor Veröffentlichung zur Hymne gewordenen "Gossenabitur"
nicht laut loszulachen oder anständig mit den Füßen zu wippen. Und bis
heute habe ich mir fest vorgenommen, in einer ruhigen Stunde einmal
nachzuzeichnen, wie das mit den Verwandtschaftsbeziehungen aus "Mein Stammbaum ist ein Kreis" wohl auf einem Blatt Papier aussieht...
Für mich jedenfalls ist Knasterbart mit "Branntwein für alle!"
ein ganz großer Wurf gelungen. Das Album bringt einen lang ersehnten
frischen Wind in die Mittelalterszene, in der die Band sich ja
größtenteils tummelt und zeigt, dass es durchaus möglich ist, über -
nennen wir es mal "gossenrelevante Themen" - zu singen, ohne dabei in
einen primitiven Humor zu sinken.
Danke Knasterbart für dieses großartige Album - ich freue mich schon
auf eine Fortsetzung und auf ein Wiedersehen auf den Märkten dieses
Jahres!
Auch in diesem Jahr, das nun fast komplett hinter uns liegt, gab es wieder einen ganzen Haufen Musik-Neuerscheinungen, die es wert waren, ihnen ein Ohr zu leihen. Nach langem Hin - und Herüberlegen habe ich noch meine Favoritenliste erstellt. Hier ist sie:
Da ich mich nicht auf eine Rangfolge festlegen möchte, werde ich sie nun einfach alphabetisch aufzählen. Die Rezensionen folgen dann so nach und nach in den nächsten Tagen/Wochen, je nachdem, wieviel Zeit ich habe. Ab nächsten Jahr werde ich dann (so habe ich mir zumindest vorgenommen) auch häufiger Alben vorstellen. Neuerscheinungen wie auch ältere, die mir persönlich am Herzen liegen.
Aber hier nun wirklich erst einmal die Liste mit der für mich besten neuen Musik des Jahres:
Da war es doch wieder einmal sehr ruhig auf
meinem Blog in den letzten zwei Wochen. Der Grund dafür ist simpel: Mich
hatte eine Erkältung erwischt, so dass ich mich am liebsten gar nicht
mehr aus meinem warmen Bettchen bewegt hätte.
Unvernünftig, wie ich bin, hat mich das jedoch nicht davon
abgehalten, am vergangenen Wochenende voll verschnupft einen weiteren
Ausflug in das schöne Telgte zu machen. Das zweite Wochenende des
dortigen Mittelalter-Lichterweihnachtsmarktes hatte ich schon ausfallen
lassen müssen (wobei es mir ein Trost war, von meinen Freunden zu hören,
dass es ohnehin erbärmlich voll war und deswegen nur mäßig spaßig).
Aber das dritte Wochenende nun auch noch krankheitsbedingt ausfallen
lassen? No way! Denn musikalisch war dieses Wochenende definitiv mal
mein absolutes Highlight.
Tagsüber spielten im Wechsel Mr. Hurley & die Pulveraffen und Versengold.
Zweimal Folk mit großartigen Texten und hohem Mitsingfaktor. Der Markt
und die Konzerte waren auch entsprechend gut besucht. Versengold konnten
sogar halbwegs unbehelligt die eine oder andere Ballade zum Besten
geben. Und wer die Band und ihre Fans kennt, weiß, dass das leider keine
Selbstverständlichkeit ist. Die Band hat einige wirklich herrliche,
wundervolle, zum dahinschmelzen schöne Balladen im Repertoire - aber die
Leute wollen lieber die amüsanten Trink- und Feierstücke hören. Und sie
machen dies auch häufig überaus deutlich - ein Zustand, der Sänger
Snorre oft sichtlich (und verständlicherweise!) nervt. Im Zuge der
weihnachtlichen Besinnlichkeit ging es an jenem Samstag aber wie erwähnt
einmal recht gut.
Auch Mr. Hurley & die Pulveraffen konnten sich über fehlenden Zuspruch nicht beklagen. Zu ihrem Stück "Piratenbraut" machte sogar ein Fan seiner Freundin von der Bühne aus einen Heiratsantrag.
Als sich schließlich die Dunkelheit über den Plan legte, warf ein
weiteres musikalisches Highlight seine Schatten voraus. In meinem
Bekanntenkreis waren wir alle begeistert, jedoch auch leicht irritiert
und besorgt, als vor einiger Zeit plötzlich Knasterbart
als weiterer Act für den Weihnachtsmarkt angekündigt wurden. Mit
Weihnachten verbindet man schließlich Dinge wie Besinnlichkeit, Ruhe,
Frieden. Wohingegen man mit Knasterbart Dinge wie ausufernde Partys,
Gossenhauer (nein, kein Rechtschreibfehler) und Exzesse auf und vor der
Bühne verbindet. Wie würden das die braven Telgter Bürger verkraften?
Dieser spezielle Menschenschlag, der sich alle Jahr wieder über den Lärm
des einmal im Sommer nicht einmal bis Mitternacht stattfindenden
Mittelaltermarktes ereifern kann? Man war gespannt. Und man wurde nicht
enttäuscht.
Vor Beginn des Konzertes war die erste Reihe trotz der späten Stunde
noch dicht besetzt mit Kindern. Ein klares Indiz dafür, dass die Leute
nicht wussten, was auf sie zukommen würde. Und so war es offensichtlich
auch: Nach nur wenigen Songs waren alle Kinder verschwunden. Da war den
Eltern dann wohl aufgefallen, dass das, was gerade auf dieser Bühne
passierte, nicht unbedingt für Kinderaugen- und Ohren geeignet war. Ich
könnte wetten, dass es im Nachhinein Beschwerden gegeben hat. :D
Wir anderen feierten jedoch fröhlich weiter. Ich persönlich habe es
übrigens als sehr angenehm empfunden, zu wissen, dass dieses
Knasterbart-Konzert auf keinen Fall mehrere Stunden überzogen werden
konnte (das war beim ersten Mal in Dortmund letztes Jahr grandios
witzig, aber wenn es gekünstelt ständig wiederholt wird, wird es
witzlos, Herr Hiller!). Außerdem war der allgemeine Alkoholpegel
angenehm niedrig (also...verhältnismäßig xD), nervige Pöbelleien von
Leuten, die sich nicht mehr unter Kontrolle hatten, blieben größtenteils
aus. Auf den Typen links neben mir, der aus nur Betrunkenen
nachvollziehbaren Gründen plötzlich anfing zu flennen und kurz darauf
die Umstehenden aus Versehen fast mit einer Fahnenstange erschlagen
hätte, hätte ich dann allerdings auch noch verzichten können. ;)
Erfreulicherweise hat mal wieder jemand mitgefilmt, deswegen gibt es jetzt hier mal den Beginn der Show als Hörprobe:
Insgesamt ergab das alles jedenfalls einen großartigen Tag, der auch
noch abgerundet wurde durch die Bekanntschaft zwei netter Tempelritter,
die uns einluden, am kommenden Wochenende doch mal in ihrem Lager
vorbeizuschauen sowie durch den Schlussverkauf am Miroque-Stand, bei dem
ich eine CD von Dazkarieh und eine DVD vom Castlefest 2007 für je nur
zwei Euro ergattern konnte ♥
Ich freue mich jetzt schon auf das kommende Wochenende. Denn da
heißt es am Sonntag noch ein letztes Mal in diesem Jahr: Auf nach
Telgte! Das möchte ich mir nicht entgehen lassen. :)
Am 20. September machte ich mich ein letztes Mal in diesem Jahr auf den Weg zu einer Veranstaltung des MPS - des Mittelalterlich Phantasie Spectaculums. Diesmal führte mich der Weg zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren wieder nach Borken.
Das MPS im Freizeitpark Pröbsting zählt zwar eigentlich zu den
Terminen, bei denen meine Anreise gar nicht so lang ist - trotzdem hat
es in den vergangenen Jahren nie sollen sein. 2010 bin ich zum ersten
(und bis zu diesem jahr auch letzten) Mal da gewesen. Die Veranstaltung
war zwar schön, doch erinnere ich mich heute am besten an die
darauffolgende Nacht. Für meine Begleitung und mich war es damals das
erste Mal, dass wir bei einem MPS gezeltet haben - und was waren wir
unbedarft! Es war Mitte September und die Temperaturen fielen in der
Nacht fast bis auf den Gefrierpunkt. Danach war ich erst einmal vom
Camping im September geheilt :D
Dieses Jahr bot sich jedoch endlich einmal die Gelegenheit, der
Veranstaltung ohne Übernachtung für einen Tagesausflug beizuwohnen.
Das Wetter war an jenem Septembertag sehr gnädig zu uns. Meine Jacke
musste ich erst ziemlich spät in der Nacht beim Abschlusskonzert von Knasterbart anziehen. Aber bis dahin war es bei unserer Ankunft natürlich noch ein langer, erlebnisreicher Tag!
Ich muss zugeben, dass die Musik bis zum frühen Abend mal nicht
unbedingt im Vordergrund stand. Die einzige Band, die ich mir da wirlich
interessiert anschaute waren Versengold, die mich
einfach jedes Mal wieder zu üerzeugen wissen. Ansonsten streiften wir
mal hier, mal da vorbei, sahen ein wenig von der Kilkenny Band (und wussten da natürlich noch nicht, dass das auch die letzte Gelegenheit dazu sein sollte...), ein wenig Saltatio Mortis, ein wenig Mr. Hurley & die Pulveraffen.
Ansonsten vertrieben wir uns die Zeit eher mit anderen Dingen. So spielten wir zum Beispiel ziemlich viel Poi.
Konnte man Poi-Spieler zu Beginn meiner Mittelaltermarkt-Begeisterung in
Deutschland noch eher selten antreffen, ist das mittlerweile ganz
anders. Sobald wir irgendwo anfingen zu spielen, gesellten sich bald
andere Spieler zu uns sowie auch Interessierte, die das gerne einmal
ausprobieren wollten.
Als es Nachmittags zeitweise regnerisch wurde, machten wir uns
langsam Gedanken über die Nahrungszufuhr. Dafür muss man wissen: Beim
MPS hat man oft die Qual der Wahl, es gibt einfach zu viele Stände mit
leckerem Essen. Dieses Mal stellte sich uns jedoch ein ganz
ungewöhnliches Problem: All unsere Lieblingsessensstände waren nicht da!
Viele von ihnen hätten wir vermutlich auf der am selben Wochenende
stattfindenden Elf Fantasy Fair im niedertländischen Arcen entdecken
können, aber da waren wir nunmal nicht. Dass sich diese beiden Events
eigentlich jedes Jahr überschneiden ist übrigens eine wahre Schande - zu
gerne möchte man sie eigentlich beide besuchen! =/
Eine Lösung für die Essensfrage fanden wir natürlich trotzdem: Es gab
leckeres Stockbrot mit Schokolade, und später dann für mich noch eine
Portion Dracheneier von der süßen Bude - beides super empfehlenswert! :)
Abends wurde es dann musikalisch richtig interessant für uns. Los ging es mit Omnia.
Da es ja der letzte Termin der Saison war, entschieden wir uns, die
Stunde Umbauzeit vor de, Set vor der Bühne zu verbringen, um vorne mit
dabei zu sein. Die Stimmung da eben immer anders, als weiter hinten, wo
die Leute stehen, die "nur mal schauen" wollen. Hinten ist dafpr
natürlich die Bewegungsfreiheit größer, aber irgendwas ist halt immer.
Überflüssig zu erwähnen, dass sich der Aufwand gelohnt hat!
Auch die nächste Umbaupause verbrachten wir vorne, denn im Anschluss spielten Faun auf der gleichen Bühne. Mit "Walpurgisnacht" und "Hymne der Nacht" spielte die Band zwei Stücke aus dem gerade erschienenen neuen Album "Luna",
und beide wurden vom Publikum gut angenommen. Walpurgisnacht, zu dem
die Band ja ein Video veröffentlicht hat (welches ich frevlerischer
Weise noch gar nicht geteilt habe!), konnten viele auch schon mitsingen.
Es war ein sehr schönes Faunkonzert (wobei eigentlich jedes
Faun-Konzert sehr schön ist, hihi), aber ein bisschen wehmütig wurde man
schon. Schließlich verabschiedet sich die Band nun in eine monatelange
Konzertpause, bis sie im neuen Jahr mit "Luna" auf Tour gehen.
Ich denke, da werden große Dinge auf uns zu kommen, auch wenn ich der
Tour mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegensehe. Es steht
für mich eigentlich fest, dass ich in Bielefeld und in Wuppertal dabei
sein werde, und darauf freue ich mich natürlich. Was mich jedoch nicht
freut ist das Wissen, dass ich nicht bei meiner Begleitung sitzen werde.
Diese wird als Fotografin einen Platz vorne zugewiesen bekommen,
während ich irgendwo ganz hinten aufschlagen werde, weil ich mir zweimal
Tickets für die vorderen Plätze, die dieses Mal bis zu 50 Euro kosten
werden, schlicht und ergreifend nicht leisten kann. So etwas kann die
Vorfreude schon etwas trüben! :(
Hier nutze ich aber jetzt mal die Gelegenheit und teile das Walpurgisnacht-Video:
Aber nun zurück zum MPS, denn eine Sache stand nach Faun ja noch aus: Knasterbart!
Eigentlich ist es sinnlos, große Worte zu dieser Band zu verlieren, man
muss sie einfach erlebt haben, um zu begreifen, was da passiert. Es sei
nur so viel verraten: Es gibt einen Grund dafür, dass ihre Konzerte
selten vor Mitternacht überhaupt erst beginnen :D
Was ich vom Borkener Knasterbartkonzert nie, nie, nie vergessen werde
(oder vielleicht besser: nie wieder werde vergessen können) ist der
spontane Auftritt des - sagen wir mal diplomatisch - leicht
angeheiterten William von Rapalje.
Viele Leute fragen sich ja, was Schottenrockträger so unter ihren Röcken
tragen. Ein ganzes Publikum kennt die Antwort nun, und viele hätten
vermutlich lieber weiter in Ungewissheit gelebt - wir jedenfalls waren
ganz froh, das Spektakel von etwas weiter hinten genießen zu dürfen ;)
Da man bei einem Knasterbart-Konzert nie so genau weiß, wann es
endet und wir noch einen längeren Heimweg vor uns hatten, traten wir
während der Zugabe den Rückzug an. Borken war wirklich ein würdiger
Abschluss für die MPS-Saison 2014 und ich weiß jetzt schon, dass es mich
schon bald wieder in den Fingern jucken wird und ich den Beginn der
nächsten Saison, der dann noch in viel zu weiter Ferne liegen wird,
sehnsüchtigst herbeisehnen werde. Schließlich gibt es nichts schöneres,
als die Wochenenden zusammen mit Freunden draußen bei guter Musik und
viel Spaß zu verbringen!
Am Donnerstag war es dann endlich so weit: Das MPS
in Rastede 2014 begann! Wie schon am Tag zuvor begann auch dieser neue
Tag, glücklicherweise etwas trockener, mit der Suche nach einem Bus.
Zwischen der Campsite und dem Veranstaltungsgelände sollte es, wie
bereits im Jahr zuvor, einen Shuttlebus geben. Kurz vorher wurde aber
angekündigt, der Bus könne nun wohl doch nicht fahren, aber alle
Aussagen widersprachen sich und die Gründe für den Ausfall kannte auch
keiner. Nach einigen gezielten Nachfragen war schnell geklärt: Nein,
kein Bus. Der direkte Weg zum Gelände, ein schlechter Privatweg, durfte
in diesem Jahr nicht mehr befahren werden, ein anderer Weg war dem Bus
wegen einer fehlenden Wendemöglichkeit nicht gegeben. Nun gut, was
solls. Knapp 2 km zum Gelände sind gerade nach mehr als 12 Stunden
Festival Nachts nicht erfreulich, aber doch machbar. Also stürzten wir
uns zu Fuß ins Getümmel.
Musikalisch wurde an diesem Donnerstag auf dem MPS ein rieisges
Programm aufgefahren. Wir begannen unseren Festivaltag mit den
Niederländern von Rapalje. Die vier Herren kamen wie
immer fröhlich-entspannt daher und bereiteten uns damit den perfekten
Einstieg in ein langes Festivalwochenende.
Im Anschluss verweilten wir einfach gleich bei der Bühne und schauten uns Saor Patrol
an. Wer die Schotten kennt, weiß, dass es dort weniger ruhig zur Sache
geht. Die Dudelsäcke, das Schlagwerk und die E-Gitarre weckten uns
endgültig aus der frühmittäglichen Lethargie - wer bei dieser Band still
sitzen bleiben kann, muss wohl zu diesem seltsamen Menschenschlag
gehören, der beim Klang von Dudelsäcken die Flucht ergreifen oder seine
Ohren verstopfen möchte ;)
Weiter im Programm ging es ebenfalls recht schottisch mit Celtica,
die dieses Jahr erstmalig auf dem MPS unterwegs sind, sich aber schon
eine solide Fanbasis erspielt zu haben scheinen - und das zurecht! Die
Mischung aus definitiv rockenden eigenen Stücken und Pipe and Drum
Versionen bekannter Stücke anderen Künstler (U2 zum Beispiel) zündet
einfach, das sollte man sich nicht entgehen lassen!
Wer jetzt annimmt, auf dem MPS kämen nur Musikfans auf ihre Kosten,
der irrt natürlich. Vielmehr bietet die Veranstaltung auch alles, was
ein wirklich guter Mittelaltermarkt nur bieten kann. Ritterturniere,
Sport in Form von Bruchenball, kulinarische Genüsse, kampfvorführungen
und vieles mehr. Seit vielen Jahren dabei ist zum Beispiel die
tschechische Fechtkampftruppe Fictum, deren Vorführung auch immer mal wieder einen Besuch wert ist und besonders bei Familien mit Kindern extrem gut ankommt.
Da ich nun aber ein bekennender Musikfreak bin, tifft man mich
trotzdem meistens vor einer der Bühnen an, wo einfach zu viel spannendes
und wohlklingendes geboten wird. So führte mich mein Weg Nachmittags
dann auch weiter zu Metusa, einer Band, die bei ihren
Auftritten immer 100% gibt. Leider vermisse ich die Ende letzten Jahres
ausgeschiedene Anja immer noch sehr bei den Liveauftritten - die
Interaktion ziwschen ihr und Sänger Dominik bleibt einfach unersetzlich!
Trotzdem bleibt die Band definitiv einen Besuch wert. Besonders spaßig
für mich ist momentan ihre Performance von "Männer mit Bärten". Es hat
sich nämlich zu einer Art Running Gag entwickelt, dass die Band das
traditionelle Stück in immer anderem Gewand präsentiert - als Country
Version oder auch auf die Melodie bekannter Stücke aus Pop-und Rock. In
Rastede gab es so beispielsweise eine Version, die doch sehr stark an
ein bekanntes Stück der Band Blur erinnerte.
Als nächstes gab es eine Band zu sehen, die ich vorher noch nie live gesehen hatte: die Dudelzwerge.
Die Band bot das, was ich unter typischer Marktmusik verstehe, mit den
Szeneklassikern, die man gleich am Anfang, wenn man sich mit der Szene
beschäftigt, kennenlernt. Da sowas langsam auf dem MPS selten wird und
die Songs alle gut gespielt waren, ist mir die Band durchaus positiv in
Erinnerung geblieben. Auch die eigenen Songs der Band haben mir gut
gefallen. Als Sängerin Emmi bei "Herr Mannelig" das Publikum durch die
Aufforderung zum Mitsingen ein wenig Ärgern wollte, habe ich es ein
wenig bereut, nicht vorne gestanden zu haben - dadurch, dass ich
Schwedisch spreche, hätte ich dieser Bitte ja problemlos nachkommen
können ;)
Im Anschluss daran machten wir uns daran, eine uns gut bekannte Band zu besuchen: Mr. Hurley & die Pulveraffen.
Was soll ich sagen? Die Jungs sind einfach gut, wo die spielen kommt
auch gute Laune auf, und so war es auch dieses Mal. Durch ausgiebiges
Touren dürfte die Band den meisten ohnehin bekannt gewesen sein,
entsprechend konnten auch alle bei Songs wie "Ach ja?!" fröhlich
mitpöbeln und gröhlen, wie sich das für Piraten eben so gehört. Da in
vermutlich nicht allzu neuer Zukunft neues Material der Band zu erwarten
ist, wurden auch einige neue Songs präsentiert, die bisher noch auf
keinem Album zu finden sind. Macht den Anschein, als käme da wieder
Großes auf uns zu, denn Stücke wie "Urlaub" gehen richtig schön ins Ohr
und danach nie wieder freiwillig raus aus eben jenem!
Aus dem gleichen Heimathafen wie die Pulveraffen kommt die Kilkennyband.
Die drei Herren und eine Dame spielen Irish Folk und sind insgesamt
durchaus sympathisch. Wer es also folkig, beschwingt und ohne Dudelsäcke
mag, ist hier bestens aufgehoben.
Kommen wir nun aber zum wahren Höhepunkt des Tages: Dem ersten
Parteitag der Branntwein Volkspartei! "Bitte was?" mögen sich jetzt
viele fragen. Nun ja, große Ereignisse warfen an diesem Tag ihre
Schatten voraus. Das Gossenpack von Knasterbart hatte
zur Feier des einjährigen Bestehen und zum Albumrelease geladen und
versprach, zur Feier des Tages auch gleich ein komplett neues
Bühnenprogramm zu enthüllen. Den ganzen Tag wurden auf dem Gelände
fleißig Plakate verteilt, und als die Sonne und die Kinderchen längst in
ihren Betten verschwunden waren, war es tatsächlich so weit: Mit
Branntweinfahnen schwingenden Gossengirls wurde das
Knasterbart-Nachtkonzert eröffnet und die Frontmänner Hotze und Fips
präsentierten das musikalische Parteiprogramm von den auf der Bühne
aufgestellten Rednerpulten. Zahlreiche neue, noch nie live gespielte
Tracks vom an diesem Tag erscheinenden ersten Album der Band wurden
gespielt, ein neues Bandmitglied vorgestellt und die Tavernen auf dem
MPS überboten sich gegenseitig mit kreativ dargebrachten, flüssigen
Geschenken an die Bandmitglieder. Veranstalter Gisbert Hiller, genannt
"Gisi", gewährte der vor der Bühne versammelten Meute sogar mehrere
Zugaben, selbst auf die Gefahr hin, Ärger mit der Polizei zu bekommen
(die Spielgenehmigung reichte eben irgendwie nicht bis zwei Uhr Nachts,
gell).
Es war eine würdige Feier, und ausgelaugt, aber glücklich stolperten
wir den unbeleuchteten Feldweg zu unseren Zelten zurück. So endete der
erste Tag auf dem MPS in Rastede 2014.
Gestern war's soweit: Die Gossenpoeten von Knasterbart haben mit "Gossenabitur" (+ "Hinterwäldlertanz") ihr erstes offizielles Musikvideo veröffentlicht!
Das Video ist ein schöner visueller Vorbote für das in genau 2
Wochen erscheinende erste Album der Band. Dieses hört auf den Namen "Branntwein für alle" und wird erstmal nach dem Konzert der Band auf dem MPS in Rastede zum Verkauf stehen.
Fleißige MPS-Gänger sollten bei dem Video genauer hinschauen: es gibt zahlreiche bekannte Gesichter zu entdecken ;)
...und schon ist es wieder vorbei, das schöne, lange Wochenende - und mit ihm das erste MPS
(Mittelalterlich Phantasie Spectaculum) dieses Jahr in meinen Gefilden.
Für mich ging es dieses Mal nur an zwei Tagen (Mittwoch und Samstag)
nach Dortmund. An den anderen Tagen wartete ein Kurzurlaub an der
niederländischen Grenze mit meiner Familie. Aber dazu später mehr. In
diesem Eintrag soll es nun erstmal um meine Erlebnisse beim MPS gehen.
Mittwoch, 30. April:
Mittwoch Vormittag ging es los. Die Anfahrt mit der Bahn verlief
problemlos (was ja bekanntlich keine Selbstverständlichkeit ist) und das
Reisegepäck war auch ausnahmsweise einmal relativ leicht, da es nur um
eine Übernachtung im Zelt einer Freundin ging.
Zunächst spielte sogar das Wetter mit. Der Wetterbericht hatte uns
schon schlimmes befürchten lassen, aber sowohl beim Zeltaufbau als in
den ersten Stunden auf dem Gelände blieb es trocken.
So konnten wir in Ruhe Saor Patrol und Ye Banished Privateers
genießen, eine schwedische Piratenband, die dieses Jahr ganz neu auf
dem MPS ist. Ich kann nur jedem, der die Möglichkeit hat, dazu raten
sich diese coole Truppe anzuschauen. Die Band tritt bei ihren Konzerten
mit wechselnder Besetzung an, auf den Weg nach Dortmund hatten sie sich
zu elft gemacht. Obwohl die Band den meisten Besuchern vorher unbekannt
gewesen sein dürfte, gelang es ihnen in kürzester Zeit, das Publikum für
sich zu gewinnen, und das nur zurecht. Gut gespielter Piraten-Folk,
witzige Showeinlagen und lebhafte Interaktion mit den Leuten vor der
Bühne sorgten dafür, dass von Konzert zu Konzert an diesem Tag mehr
Zuschauer zur Folkbühne strömten.
Für alle, die jetzt neugierig geworden sind: Die Band hat auch ein ziemlich gutes Video zu ihrem Song "Welcome To Tortuga" gemacht:
Am Vorabend wollten wir dann die immer wieder grandiosen Mr. Hurley & die Pulveraffen
genießen, doch es sollte leider anders kommen: Mitten während des Sets
kam auf einmal Gisi (Gisbert Hiller, der Veranstalter des MPS) auf die
Bühne um uns von einer akuten Unwetterwarnung in Kenntnis zu setzen. Der
Himmel sah zu diesem Zeitpunkt noch total unverdächtig aus, doch wir
entschlossen uns trotzdem schweren Herzens, das Gelände vorläufig zu
verlassen und uns zu unserem Zelt zu begeben - eine weise Entscheidung,
wie sich kurz darauf rausstellte. Das Wetter kippte wirklich
blitzschnell um und wir ließen Gewitter und Starkregen von unserem Zelt
aus über uns ergehen. Die Veranstaltung musste auf Anweisung von Polizei
und Feuerwehr ohnehin kurzzeitig unterbrochen werden.
Nach dem Unwetter war es um die Motivation meiner Begleitung geschehen, so dass ich im Endeffkt alleine zum Knasterbart-Konzert
gehen musste, welches um Mitternacht beginnen sollte. Zum Glück bleibt
man beim MPS selten lange allein, so dass ich bald ein nettes Gespräch
mit meiner Nebenmann in der ersten Reihe führte, während wir auf den
Beginn des Konzertes warteten. Der ganze Zeitplan hatte sich als Folge
des Unwetters verschoben, weswegen das Konzert erst um Eins anfing. Doch
wie üblich waren Knasterbart das Warten mehr als wert, auch wenn sie dieses Jahr "nur" bis 3 Uhr Nachts spielten. Sämtliche Gossenhauer der Band wie die "Leckere Lotta" und "Mein Stammbaum ist ein Kreis" wurden zum besten gegeben und bei Instrumentalstücken wie dem "Hinterwäldlertanz"
konnte ausgiebig in den Mai getanzt werden. (Nur so nebenbei: Während
des Soundchecks, also kurz nach Mitternacht, war sogar ein Maikäfer auf
die Bühne geflattert. Das nenne ich mal symbolisch! :D )
Nach dem Konzert konnte ich es mal wieder kaum noch erwarten, das bald erscheinende Album in den Händen zu halten!
So ging der Mittwoch für mich zu Ende und nach einem kurzen
Schlafzwischenstop im Zelt machte ich mich auf den Weg in den Urlaub um
dann am Samstag für einen weiteren Tag auf das MPS zurückzukehren. Doch
das ist eine andere Geschichte, und sie soll später erzählt werden...
Sooo, die Uni-Verpflichtungen für diese Woche sind abgehakt. Der
Rucksack ist gepackt. Voll-Fleece-Schlafanzug für die Nacht: Check.
Dicke Socken: Check. Gewandung nebst unauthentischem Regencape: Sowieso.
Das alles zusammen kann nur eins heißen: Morgen geht es zum ersten
Mal dieses Jahr auf in Richtung MPS, nach Dortmund. Die
Wettervoraussichten sind zwar gewohnt schlecht, aber das kennen wir ja
schon. Spielen wir halt wieder im Schlamm, was soll's. Hauptsache, es
geht endlich wieder los!
Zur musikalischen Einstimmung an dieser Stelle ein nettes Video der
morgigen Headliner, Knasterbart. So sieht wahre Gossenpoesie aus ;)
Ist sonst noch wer dabei und freut sich ebenso wie ich?