Das Jahr 2020 fing so gut an: bereits am 3. Januar stand das erste Konzert auf der Agenda, und wir gönnten uns sogar den Luxus eines Hotelzimmers in Köln, um nicht stets die Frage nach der nächtlichen Heimfahrt mit der Bahn im Kopf zu haben. Zwar war das Hotel aus hygienischer Perspektive ein Abenteuer an sich, aber wir sind beide nicht sehr anspruchsvoll und hatten bei der Wahl des günstigsten Hotels weit und breit auch nicht allzu hohe Erwartungen gehabt. Für eine Nacht war das also durchaus vertretbar. Nur aufs Duschen am Morgen nach dem Konzert hatten wir irgendwie beide nicht so Bock. Und dieser verdächtige Husten, der bereits nach ein paar Stunden in dem merkwürdig riechenden Gebäude auftrat... Es war in jedem Fall ein Erlebnis, welches wir wohl beide nicht so schnell vergessen werden. xD
Nach dem Check-In machten wir uns jedenfalls sogleich auf den Weg zum MTC. Der Club war schnell gefunden und erwies sich als eher eng, dunkel und verwinkelt, was für intimere Konzerte immer keine schlechte Voraussetzung ist. Nachdem wir uns mit Merch sowie einem Ticket für ein späteres Konzert, welches natürlich im Endeffekt nicht stattfand, eingedeckt hatten, ging es auch schon mit dem Support des Abends los. Für diesen zeigten sich Mythemia zuständig, welche ein Topkonzert ablieferten. Die Stimmung war von Anfang an super und viele im Publikum kannten die Songs der Band und unterstützten die Band mit ihrem Gesang.
Nach der Umbaupause war es dann Zeit für den Headliner des Abends, Reliquiae, die bei diesem Konzert ihr neues Album "Babylon" vorstellte. Das Werk wurde live auch sehr gut vom Publikum angenommen, doch natürlich freute man sich auch über Bandklassiker wie "Sisyphos". Wenn man den Werdegang von Reliquiae schon länger verfolgt, ist man immer wieder beeindruckt, wie viel härter und rockiger die Band in den vergangenen Jahren geworden ist. Manche der älteren Stücke sind so im Laufe der Zeit richtige Bretter geworden, was die Auftritte der Band nur umso energiegeladener macht. So war auch der Auftritt an diesem Abend im Kölner MTC eine verdammt würdige, laute Eröffnung für das neue Jahr.
Verschwitzt und glücklich verabschiedeten wir uns nach dem Konzert in aller Ruhe von den Musikern, was ein super Gefühl ist, gerade wenn man es wie wir gewohnt ist, sonst zu den letzten Tönen seine Sachen zu schnappen und zum Bahnhof zu rennen, um irgendwie den letzten Zug nach Hause zu erwischen. Ich denke, diese Hotelsache werden wir in der Zukunft sicher öfters machen. Gerne auch wieder, wenn Reliquiae ein neues Konzert ankündigen, denn die Auftritte der Band sind immer einen Besuch wert!
Da ist doch tatsächlich schon wieder ein neues Jahr angebrochen und die Blog-Berichterstattung hängt noch irgendwo im letzten Sommer fest *hüstel*. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, allen Lesern ein frohes neues Jahr zu wünschen. Hoffentlich seid ihr alle gut reingerutscht und könnt auf ein gutes Jahr 2019 zurückblicken.
Für mich war 2019 definitiv ein gutes Jahr. Klar, nicht alles lief perfekt und es schmerzt mich immer noch, dass ich in diesem Jahr mein armes, kleines Kaninchen für immer gehen lassen musste, aber insgesamt verbinde ich mit dem nun vergangenen Jahr hauptsächlich positive Erinnerungen.
Auch musikalisch war 2019 ein wirklich spannendes Jahr. Die Liste der spannenden Neuerscheinungen im Mittelalter- und Folkbereich wollte förmlich kein Ende nehmen. Und hier ist sie nun für euch, meine Musik des Jahres 2019. Wie immer alphabetisch sortiert. Existierende Rezensionen werden verlinkt, die Fehlenden bei Lust und Laune nachgeliefert. Oder eben auch nicht. Oder erst in ein paar Jahren, wer weiß das schon. :P
Die erste Veranstaltung im neuen Jahr ließ nicht lange auf sich warten. Am 13. Januar beehrten die Nordlichter von Vogelfrey die Domstadt Köln. Unterstützung erhielten sie dabei von Reliquiae - wenn das nicht gleich zwei gute Gründe zum Hinfahren waren, weiß ich auch nicht.
Vorbei an den traurigen Resten des nur Tage zuvor abgerissenen Undergrounds (was für ein Verlust das ist!), machten eine Freundin und ich uns auf den Weg zum Jungle Club. Dieser war auch schnell gefunden und überraschte durch eine interessante Kombination aus Clubbetrieb und Getränkemarkt. Streng betrachtet ja nicht die dümmste Verbindung...
Reliquiae machten ihre Sache natürlich wieder einmal sehr gut und heizten dem Publikum ordentlich ein. Anfangs deutlich im Mittelaltermarkt-Bereich angesiedelt, hat die Band in den vergangenen Jahren immer deutlicher Kurs Richtung Folkmetal genommen, was besonders bei den Liveshows zum Tragen kommt.
Obwohl nicht ausverkauft, war das Konzert glücklicherweise schon von Anfang an nicht schlecht besucht und die Leute schienen allgemein ganz gut in Feierlaune zu sein.
Das merkte man dann umso mehr, als mit Vogelfrey die Headliner auf die Bühne kamen. Die Band präsentierte an diesem Abend ihr aktuelles Album "In Ekstase", welches den meisten Anwesenden aber ohnehin schon bekannt war, sodass bei Songs wie "Mittelalter Rockstar" wunderbar mitgesungen werden konnte. Auch einige ältere Stücke wie "Heldentod" durften aber im Set natürlich nicht fehlen. Am Ende des Konzerts waren alle gut durchgeschwitzt, aber sichtlich glücklich und ließen Vogelfrey selbstverständlich nicht ohne ordentliche Zugabe von dannen ziehen.
Auch wir waren sehr zufrieden mit dieser Eröffnung unseres Konzertjahres 2018. Schon allein die Kombination Reliquiae und Vogelfrey passte ganz hervorragend (können wir das bei Gelegenheit mal wiederholen?), und dann waren auch noch beide Auftritte richtige Highlights. Und die nächsten Konzetbesuche waren schon in Planung und versprachen, dass dieses Jahr veranstaltungstechnisch ganz sicher kein Schlechtes werden würde!
Der zweite mittelalterliche Weihnachtsmarkt, den ich 2017 besucht habe, fand in Altena statt. Bereits zum zweiten Mal zog es eine Freundin und mich auf dieses kleinen, aber feine Winterspektakel. Wir wählten für unseren Besuch einen Freitag, an dem Reliquiae ein Abendkonzert spielten.
Wunderschöne Burg eingefangen als weniger schönes Handybild
Kalt, aber schneefrei war es am Tag unseres Besuchs. Als der Zug ins in Altena ausspuckte, machten wir uns flott auf den recht kurzen Weg zum Erlebnisaufzug, mit dem man sich ganz bequem und sehr unterhaltsam auf den Weg zur Burg machen kann. Zwar besteht auch die Möglichkeit, einem (angeblich sehr schönen) Wanderweg zur Burg zu folgen, das trauten wir uns in Anbetracht der bereits hereinbrechenden Dunkelheit und unserer Ortsunkentniss jedoch nicht zu. Außerdem hatten wir in dem Aufzug bereits bei unserem vorherigen Besuch großen Spaß gehabt.
Wir ließen uns also wieder virtuelle Ritterhelme und Gugel aufsetzen, erschreckten virtuelle Fische und eher ungewollt auch ein virtuelles Reh und genossen den Aufstieg. Oben stiegen wir dann aus dem Aufzug und waren sofort mittendrin im Winterspektakel.
Es wurde ein wunderschöner Abend, der mich einmal wieder daran erinnerte, was genau es eigentlich war, weswegen ich mich vor gut einem Jahrzehnt in die Mittelaltermarkt-Szene verliebt habe. Der kleine Markt im Innenhof der Burg hatte eine wunderschöne Atmosphäre und wir führten einige sehr angeregte und schöne Gespräche. Die bezaubernde Beatrice Baumann, deren Show wir später auch noch bewunderten, händigte uns Wunderkerzen und schöne, weihnachtliche Botschaften aus, die wir uns gegenseitig vorlasen. Außerdem lernten wir das Scriptorium kennen und unterhielten uns lange und ausgiebig mit einem Mitglied dieser Gruppe. Zur Sicherheit erwarben wir bei ihm dann auch noch ein personalisiertes Zech-Recht, welches uns für diesen Tag zu Völlerei und Zecherei ermächtigte.
Die Zeit bis zum Abendkonzert von Reliquiae verging so jedenfalls wie im Fluge. Und auch das Konzert wurde großartig und rundete den schönen Ausflug perfekt ab.
Auf dem Rückweg schworen wir uns, glücklich von den schönen Ereignissen des Tages, in Zukunft wieder mehr solche kleineren Märkte zu besuchen. Die Atmosphäre auf solchen Veranstaltungen ist einfach eine ganz andere als bei den riesigen MPS-Veranstaltungen, die immer mehr Festivalcharakter gewinnen und dabei leider an Mittelaltercharakter einbüßen - eine Entwicklung, die ich wirklich zunehmend bedauere.
Mit dem Winterspektakel auf Burg Altena endete meine Mittelalter-Weihnachtsmarkt-Saison dann auch schon recht früh. Nun stand nur noch ein "gewöhnlicher" Weihnachtsmarktbesuch an. Doch davon später mehr.
Manchmal verschlägt einen das Leben als Fan an ungewöhnliche Orte, die man ansonsten wohl niemals besucht hätte. Orte wie Gevelsberg-Berge beispielsweise. Genau dorthin nämlich zog es eine Freundin und mich am 9. September. Einem Tag, den der Begriff "verregnet" leider nur unzureichend beschreibt.
An diesem Tag feierte man in Berge das 13. Berger Stadtteilfest und das 650-jährige Jubiläum des Ortes. Entsprechend dem ziemlich lokalen Anlass, waren es auch hauptsächlich Anwohner, die an diesem Samstag den Weg dorthin gefunden hatten. Wir, angereist aus Münster und Aachen, kamen uns gleich ein wenig exotisch vor und zogen uns nach einem kleinen Rundgang über das überschaubare Festgelände erst einmal an die überdachte Bushaltestelle zurück und warteten.
Denn natürlich gab es einen guten Grund für uns, das Stadtteilfest eines uns gänzlich unbekannten Ortes zu besuchen. Und ja, dieser Grund war selbstverständlich musikalischer Natur. Reliquiae sollten am späten Nachmittag nämlich ein Konzert auf dem Fest geben.
Passend zum Soundcheck begaben wir uns dann auch in Richtung Bühne. Leider gab es bei der Vorbereitung des Auftritts einige technische Probleme, sodass sich der Beginn nach hinten verschob. Und leider hatte der Himmel beschlossen, pünktlich zum ursprünglich angedachten Konzertbeginn sämtliche Schleusen zu öffnen. Natürlich ließen wir uns davon nicht vertreiben und waren als langjährige MPS-Erfahrene auch mit Schirm und Regencape bestens vorbereitet. Glücklicherweise erwiesen sich auch viele der anderen Besucher als hart und trotzten mit uns dem Regen.
Obwohl das Konzert nun durch den verspäteten Beginn leider etwas kürzer wurde als gehofft, wurde es doch ein sehr schönes Konzert. Publikum und Band hatten ungeachtet des miesen Wetters Spaß und der Ansager lernte, dass man nicht jeden Bandnamen zwangsläufig englisch aussprechen muss, was uns zuvor einen herzhaften Lacher entlockt hatte.
Alles in Allem war das Berger Stadtteilfest zwar sicher eine der ungewöhnlichsten Veranstaltungen, die wir auf unseren Konzertreisen besucht haben, doch es hat sich für uns gelohnt. Wenn das Programm stimmt, kommen wir gerne wieder vorbei. ;)
Weiter geht es mit der zweiten Videovorstellung für heute. Diese kommt von der Osnabrücker Mittelalter-Rock-Band Reliquiae. Diese präsentieren mit "Maskenbild" nicht nur ihr erstes Musikvideo überhaupt, sondern gleichzeitig auch den ersten Vorboten auf das lang ersehnte neue Album "Winter".
Man beachte bei dem Video auch die Untertitel-Funktion. So kann man sich "Maskenbild" nämlich sogar mit deutschen, englischen, spanischen, italienischen und französischen Untertiteln sowie in den allgemein anerkannten Weltsprachen Latein und Niederländisch anschauen. :P
Das neue Album "Winter" kann ab sofort vorbestellt werden. Es soll am 08. April erscheinen.
Nach einer für meine Verhältnisse recht langen
Pause war ich am Samstag endlich wieder unterwegs, um ein Festival zu
besuchen. Dieses Mal führte mich mein Weg auf das Fairytale Festival nach Osnabrück.
Neugierig, aber auch ein wenig skeptisch, machte ich mich gegen
Mittag auf den Weg. Warum die Skepsis? Nun, im Vorfeld ging es da
ziemlich rund. Eigentlich hatte die Mittelalter-Comedy Band Feuerschwanz
auftreten sollen - einer der Hauptgründe für mich und meine Begleitung,
das Festival besuchen zu wollen. Allerdings wurde die Band dann
kurzfristig wieder ausgeladen, wegen ihrer angeblich sexistischen Texte.
Über den Vorfall und die anschließende Schlammschlacht zwischen Fans
und Gegnern der Band hatte ich in den vergangenen Wochen berichtet: Hier und hier.
Wir beschlossen jedenfalls, das Festival trotz allem zu besuchen, es aber ruhig angehen zu lassen. Die ersten Bands (Jon Sun, x-sidaz und Fenster auf Kipp) sahen wir darum nicht und auch von der All-Girl Punkband Biestig bekamen wir nur noch die letzten Töne mit.
Los ging es für uns dann erst mit den Benuts, die
eine Stunde lang ziemlich tanzbare Skamucke präsentierten. Trotzdem
musste ich feststellen, dass diese Musikrichtung mich auf Dauer einfach
nicht zu fesseln vermag.
Wir nutzten die Zeit darum weitestgehend, um das kleine Gelände,
den Schlossinnenhof der Universität in Osnabrück zu erkunden.
Kulinarisch gab es für uns von exotischen Mittelaltermarkt-Essensständen
verwöhnte Menschen wenig Neues zu bieten, aber es gab eine gewisse
Auswahl und man wurde zu sehr fairen Preisen satt. Ansonsten gab es noch
einige Infostände und natürlich Merchandisestände der auftretenden
Bands.
Radio Havanna
19:30 Uhr betraten dann Radio Havanna eine der
beiden abwechselnd bespielten Bühnen. Das war eine der Bands, auf die
ich im Vorfeld richtig gespannt war, und ich wurde nicht enttäuscht. Die
vier Jungs präsentierten deutschsprachigen Punkrock mit richtig guten
Texten und lehrten mich, dass ein Bengalo auch am hellichten Tag richtig
übel blendet. :D
Reliquiae
Direkt im Anschluss ging es auf der anderen Bühne mir Reliquiae
weiter. Die Osnabrücker Mittelalterrocker waren spontan für die
ausgeladenen Feuerschwänze eingesprungen und heizten dem Publikum
ordentlich ein. Unsere vorherigen Befürchtungen, ob eine einsame
Mittelalterband in dem ansonsten ziemlich punklastigen Line-Up bestehen
könnte, erwiesen sich zum Glück als mehr als unbegründet. Reliquiae wurden richtig abgefeiert und konnten an diesem Tag sicher dem Einen oder Anderen ein ganz neues Genre näherbringen.
Als vorletzte Band des Tages traten schließlich Unzucht
auf. Auch der Auftritt der Dark Rocker war im Vorfeld ziemlich
kontrovers diskutiert worden, spielt die Band doch einen Song mit dem
Titel "Kleine geile Nonne", der die Warnleuchten der
Sexismus-Polizei schrillen ließ. Sie wurden aber dann zum Glück doch
nicht auch noch ausgeladen und dankten es mit einer großartigen Show.
Unzucht
Eine der großen Fragen für uns beim Auftritt von Unzucht war ja, ob sie "Kleine geile Nonne"
nun spielen würden oder nicht. Es machte mich dann auch sehr glücklich,
als schließlich tatsächlich die unverkennbaren ersten Töne des Songs
erklangen. Und Unzucht beließen es nicht dabei: Sie widmeten den Song ihren geschassten Kollegen von Feuerschwanz
und verteilten einige Shirts der Band im Publikum. Sänger "Der Schulz"
hielt außerdem während des ganzen Songs die Flagge mit dem Feuerschwanz-Drachen.
Ein Statement, das bei allen anwesenden Feuerschwanzfans sehr gut
ankam. Im Anschluss warf er die Flagge dann auch noch ins Publikum, wo
sie von einem glücklichen Fan gefangen wurde. Wer sich dafür
interessiert, was im Anschluss passierte, dem empfehle ich das PS dieses
Artikels. Aus meinem Festivalreview möchte ich diese Geschichte nämlich
ganz gerne heraushalten.
Headliner des Festivals waren schließlich Jaya The Cat.
Da ich viel von den Livequalitäten der Band, die ihre Musikrichtung als
"Drunk Reggae" bezeichnet, gehört hatte und mich gerne selbst davon
überzeugen wollte, blieben wir noch bis zum Beginn des Konzertes. Leider
mussten wir dann beide sehr schnell feststellen, dass das definitiv
nicht unsere Musik ist und traten den Heimweg an.
Insgesamt war das Fairytale Festival ein sehr
gelungenes Erlebnis für mich. Viele verschiedene Musikrichtungen zogen
viele verschiedene Menschen an, die alle friedlich miteinander feierten.
Jede Band fand ihr Publikum, keine Band wurde von Fans der anderen
Bands angefeindet (ich habe da schon anderes erlebt). Bedauert habe ich
nur, dass sowohl meine Freundin als auch ich ihre guten Kameras zu Hause
gelassen haben, da wir auf eine Anfrage die Auskunft bekommen hatten,
Kameras, die potenziell kommerzielle Fotos schießen könnten, seien nicht
gestattet. Diese Formulierung war so schwammig, dass ich mich nicht
traute, meine Kamera mitzunehmen, obwohl es sich bei ihr um kein
professionelles Modell handelt. Vor Ort liefen dann jedoch an allen
Ecken Leute mit Spiegelreflexkameras rum, während ich jetzt mit den
ziemlich mäßigen Bildern meiner zehn Jahre alten Kompaktkamera leben
muss. Shit happens.
Zum Abschluss: Das leider notwendige PS oder die Sache mit der Flagge:
Wie ich ja oben erwähnte, verschenkten Unzucht eine Flagge ihrer Kollegen von Feuerschwanz.
Der Fänger hatte jedoch nur kurz Grund, sich über sein Glück zu freuen,
da ihm die Flagge noch am Abend wieder gestohlen wurde. Und zwar von
"AktivistInnen", die daraufhin ein ganz tolles, unheimlich subversives
Foto mit dem Diebesgut machten und ein Statement über Indymedia
veröffentlichten. Ich überlasse es jedem selbst, sich ein Bild zu
diesem hoffentlich letzten Akt im Drama um den Auftritt einer Band zu
machen, die Osnabrück in den vergangenen Jahren mehrfach friedlich
bespielte...
Am 13. Juni findet in Osnabrück das kostenlose Fairytale Festival des Astas der dortigen Uni statt. Angekündigt wurde ein ziemlich buntes Line Up, bei dem neben Bands wie Jaya The Cat, Radio Havanna oder Unzucht eben auch Mittelalterliches von Feuerschwanz geboten werden sollte.
Letztere wurden nun kurz nach Bekanntgabe des Line-Ups gleich
wieder ausgeladen. Unter den Studenten war Kritik laut geworden, der
Band wurde Sexismus vorgeworfen und Proteste im Falle eines Auftretens
angekündigt.
Feuerschwanz selber zeigten sich
verständlicherweise überrascht und versprach ein Statement zu der
Angelegenheit zu veröffentlichen. Auf der Facebookseite des Festivals
liefern sich unterdessen Fans und Gegner der Band eine heftige
Diskussion.
Ich persönlich halte die Ausladung der Band für ein ziemliches
Armutszeugnis. Auf Wikipedia findet man als Beschreibung für den Stil
von Feuerschwanz "Mittelalter Folk Comedy", und das
trifft den Kern auch eigentlich ziemlich gut. Hier wieden sämtliche
Klischees über das Mittelalter aufs Korn genommen und dabei wird man
auch gerne mal anzüglich. Weil es lustig ist. Humor ist eben nicht immer
auf dem Niveau politischen Kabaretts. Dass dabei niemand Textzeilen wie
"Bück dich Fee" ernst meint, sollte eigentlich jedem mit einem Körnchen
gesunden Menschenverstand klar sein. Bisher hatte ich auch immer den
Eindruck, dass es auch jedem klar ist. Denn wer das Ernst nimmt und die
Band dafür anfeindet, dem ist meiner Ansicht nach nicht mehr zu helfen.
So sieht für mich fehlgerichtete und übertrieben Political Correctness
in Reinstform aus.
Als gäbe es nicht genug Themen in diesem Land, bei denen es für
Feministinnen und Feministen, Antisexisten und Antisexistinnen (na, war
das PC genug?), die gerne aktiv werden mögen, sinnvoll wäre, Präsenz zu
zeigen und zu protestieren. Aber nein, da genießt man lieber den
zweifelhaften Erfolg, eine harmlose Band von einem Festival Line-Up
gekickt zu haben und damit einem ganzen Haufen Fans ans Bein gepisst zu
haben. Herzlichen Glückwunsch. Zum Glück sind wir es in der
Mittelalterszene ja gewohnt, pauschal mit diversen negativen Attributen
versehen zu werden. Sind wir nun nicht nur kindisch, dumm, ungewaschen,
rechtsradikal und was ich nicht noch alles schon gelesen habe, sondern
eben auch noch sexistisch. Manch eine(r) macht sich die Welt eben gerne
so, wie sie ihm oder ihr gefällt.
Den Platz von Feuerschwanz nimmt nun übrigens die Osnabrücker Mittelalterband Reliquiae ein. Viele Feuerschwanz-Fans
haben trotz des würdigen Ersatzes bereits verkündet, das Festival von
nun an meiden zu wollen. Eine Freundin und ich planen weiterhin den
Besuch, schon alleine wegen Reliquiae, die ja nichts für den ganzen Ärger können. Und möglicherweise wird meine Freundin an dem Tag ja rein zufällig ihr Feuerschwanz-Hoodie tragen und damit vielleicht nicht alleine sein... :D
Übrigens, möchten sich die christlichen Univerbände nun vielleicht auch noch einmischen und Unzucht vom Festival kicken? Schließlich haben die einen Song namens "Kleine geile Nonne".
Oder wäre das nicht gar auch noch ein Anliegen für die feministisch
Engagierten Osnabrücks? Geht hier doch schließlich auch um die Würde der
Frau. ;)
Mittlerweile hat es sich zu einer schönen, jedes
Jahr wiederkehrenden Tradition entwickelt, dass in der Osnabrücker
Lagerhalle am Ostersamstag ein Osterkonzert veranstaltet wird. Ein
Event, dass auch an diesem ersten Wochenende im April zahlreiche
Mittelalterfreunde anlockte. Auf dem Programm standen in diesem Jahr Metusa und Reliquiae.
Beim Betreten der Lagerhalle erwartete die auf den Einlass wartenden
Fans jedoch erst einmal eine Überraschung, die sich sehr bald als
ziemlich unschön herausstellen sollte: Im Restaurantbereich der
Lagerhalle, von dem aus eine Tür in den Konzertsaal führt, wurde Public
Viewing veranstaltet. Die Begeisterung meiner Begleitung und mir hielt
sich von Anfang an in Grenzen. Keine von uns beiden interessiert sich
für Fußball, dafür verfügen wir beide über zahlreiche negative
Erfahrungen mit den Fans dieser Sportart. An diesem Abend sollte sich zu
diesen Erfahrungen eine weitere gesellen.
Wir reihten uns brav in die Schlange für den Einlass ein, und jene,
die nach uns kamen, taten natürlich dasselbe. Plötzlich fielen einige
Reihen hinter uns böse Worte: Einer der Fußballfans fühlte sich durch
die Einlassschlange gestört, er konnte die Leinwand nicht mehr sehen.
Das meinte er dem Mädchen, welches ihm im Weg war zeigen zu müssen,
indem er ihr erst sagte, sie solle nach draußen verschwinden und sie
dann an den Schultern aus dem Weg zu schieben versuchte. Er hielt das
mit all seiner Unfreundlichkeit für sein gutes Recht, weil er ja
bezahlte habe. Klar, wir alle natürlich nicht, oder wie? ^^ Sie
verschwand ein wenig nach hinten und ein Mann nahm ihren Platz ein. Es
kam, wie es klischeehaft kommen musste, und der Fußballfan wurde
handgreiflich. Beinah kam es zu einer Schlägerei zwischen ihm und dem
Konzertbesucher, den er sich packte und anschrie mit den Worten, er habe
doch freundlich gefragt. Nun, seine Definition von "freundlich" muss
sich gravierend von der in unserer Warteschlange unterscheiden. Auf der
anderen Seite des Raumes gab es übrigens noch eine andere Leinwand, er
hätte das Problem also auch einfach lösen können, indem er sich
umgedreht und auf diese geschaut hätte... Aber offenbar legen gewisse
Fußballfans großen Wert darauf, alle negativen Attribute, mit denen man
sie gerne versieht, auch immer wieder aufs Neue zu bestätigen.
Irgendwann war es dann zum Glück endlich so weit und die Tür zur
Konzertlocation öffnete sich. Ab da ging es endlich bergauf mit dem
Abend. Als erste der beiden Bands betraten die Osnabrücker Reliquiae
die Bühne. Für die war es an diesem Abend ein Auftritt mit einem ganz
besonderen Anlss: Es war die Abschiedsshow ihres Schlagzeugers Zsolt,
der die Band von Anfang an begleitet hatte. Um diese Zeit noch einmal
Revue passieren zu lassen, spielte die Band an diesem Abend nicht nur
Songs ihres aktuellen Albums "Pandora", sondern auch eine recht große Anzahl des Vorgängers "Audi Vide Tace". Außerdem gaben sie erste vielversprechende musikalische Einblicke in ihr bald erscheinendes, neues Album "Winter".
Zsolts Abschied während des Konzertes war dann auch
wirklich bewegend für alle Anwesenden. Sogar seine Familie war
anwesend, um ihm nach seinem letzten Songs Blumen und herzförmige
Luftballons zu überreichen. Für ihn übernahm dann sein Nachfolger Lasko die Drumsticks. Am Ende des Auftritts jedoch tauchte Zsolt
noch einmal kurz auf, um sich und Reliquiae mit ein paar sicher bald
legendären Worten von der Bühne zu verabschieden: Die Kuh machte muh,
das Schaf macht mäh, ihr saht gerade Reliquiae ;)
Hörprobe:
Nicht lange, nachdem Reliquiae die Bühne verlassen hatten, betrat McRogan
dieselbe, um das Publikum für einige Minuten mit seinem Stepptanz zu
unterhalten und irisches Flair in die Halle zu bringen. Die Leute
unterstützten ihn dabei fleißig mit ihrem Klatschen.
Nach der Umbaupause ging es dann weiter mit der zweiten Band des Abends: Metusa. Auch die gaben alles und unterhielten das Publikum mit ihren größten Hits. Etwas ältere Stücke wie "Tanz", "Piratenseele" und "Fünf Nächte" fehlten da ebenso wenig wie Stücke vom aktuellen Album. Bei "Hüter der Meere"
ließ die Band im Publikum sogar einen aufblasbaren Wal kreisen, den in
Bewegung zu halten allen Anwesenden sichtlich Spaß bereitete.
Richtig großartig wurde es, als Sänger Dominik Reliqiaue als die beste Band Osnabrücks lobte und kurz darauf Schlagzeuger Henne nach vorne trat um einzuwenden, dass er ja Mr. Hurley & die Pulveraffen viel toller fände, nur um daraufhin von Dominik von der Bühne gejagt zu werden. Zum Scherz rief Dominik dann nach einem Schlagzeger von Reliquiae als Ersatz, woraufhin tatsächlich Zsolt auf die Bühne gestolpert kam und prompt engagiert wurde, das nächste Lied mit ihnen zu spielen. Kurzzeitig verfügte Metusa dann sogar über eine Drei-Mann-Rhytmussektion, als er sowohl von Henne als auch von Dominik unterstützt wurde.
Ich muss ja gestehen, dass ich bei Metusa lange mit dem Weggang von Sängerin Anja
gehadert habe. Dadurch war eine Lücke entstanden, die zunächst nicht
füllbar zu sein schien. Wer die großartige Interaktion, die auf der
Bühne zwischen ihr und Frontmann Dominik herrschte, miterlebt hat, weiß sicher, wovon ich spreche. An diesem Abend konnten mich Metusa jedoch endlich wieder ähnlich begeistern wie früher, worüber ich mich sehr gefreut habe.
Hörprobe:
Leider konnten wir den Auftritt von Metusa jedoch
nur bis zum letzten Lied vor der Zugabe verfolgen, danach mussten wir
uns auf den Weg zum Bahnhof begeben. Da beide Bands an diesem Abend ein
volles Set spielten (es handelte sich also quasi um eine
Doppelheadlinershow), war es spät geworden und den letzten Zug wollten
wir auf keinen Fall verpassen - schließlich fuhr der nächste erst am
kommenden Morgen und es galt, in der Lage zu sein, den Ostersonntag für
alle zufriedenstellend mit der Familie zu verbringen.
Trotz des unglücklichen Starts war es ein sehr schöner Abend und ich
hoffe, dass uns die Tradition der Osnabrücker Osterkonzerte noch lange
erhalten bleiben wird.
Hurra, die konzertfreie Pause, die bei mir seit Weihnachten
geherrscht hat, hatte am vergangenen Freitag endlich ein Ende. An diesem
Tag nämlich gaben sich Rapalje (wie eigentlich immer einmal im Jahr) die Ehre, die Osnabrücker Lagerhalle zu bespielen.
In weiser Voraussicht, dass es voll werden würde, waren wir
rechtzeitig vor Einlass da. Dies stellte sich in mehrfacher Hinsicht als
gute Entscheidung heraus. Zunächst einmal trafen wir so noch vor
Einlass auf Morti von der Osnabrücker Mittelalterband Reliquiae,
der uns für den kommenden Tag mit der Mission, Flyer bei einem anderen
Konzert zu verteilen, betraute. Und dann bekamen wir bei Einlass auch
genau den Platz in der Halle, auf den wir es abgesehen hatten: Außen
rechts an der Wand, auf der ersten Stufe nach oben. Da sieht man gut und
hat in der Regel seine Ruhe. Das sollte sich auch an diesem Tag wieder
bewahrheiten.
Rapalje gliederten ihr Set wieder in zwei Teile mit
einer Pause in der Mitte. Der erste Teil des Sets war von eher ruhigen
Liedern geprägt, jedoch spielten sie dort auch schon die meisten Lieder,
von denen wir so sehr hofften, dass sie sie spielen würden. Für mich
besonders erfreulich waren "Caledonia", mein absoluter Rapalje-Lieblingssong, sowie "Wat zullen we drinken". Meine Begleitung erfreute sich sehr daran, das gleich zu Beginn "Hearts of Steel" gespielt wurde. Wir konnten also beide schon in der Mitte des Konzertes zufrieden sein.
Doch auch die zweite Hälfte bot noch einmal gute Unterhaltung. Zunächst bewiesen Rapalje
hier auch noch einmal eindrücklich, dass sie auch menschlich sehr
sympathisch sind, als sie von der Bühne aus einer Besucherin, die sonst
schon hätte gehen müssen, eine Mitfahrgelegenheit nach Hause
organisierten.
Musikalisch gab es dann natürlich auch in der zweiten Halbzeit Celtic
Folk vom feinsten, wobei dieser Teil mir lebhafter und tanzbarer vorkam.
Klassiker wie "Are Ye Sleeping Maggie" oder "Raggle Taggle Gypsy" wurden ebenso gespielt wie das wunderschöne niederländische Stück "De stad Amsterdam",
welches ich schon so lange nicht gehört hatte. Am Ende zog die Band
dann wieder mitsamt ihren Instrumenten in den Vorraum, um dort das
Publikum noch ein wenig weiter zu unterhalten.
Wir machten uns dann so langsam auf den Heimweg, bekamen den letzte
Zug nach Hause jedoch ohne Hast und Eile. So ging ein schöner
Konzertabend vorbei und mir wurde wieder einmal bewusst, wie sehr ich Rapalje
als Liveband schätze. Ihre Konzerte sind für Fans keltischer Folkmusik
und all jene, die einfach gerne zu guter Musik feiern und tanzen wollen,
eine klare Empfehlung. Ich hoffe, man sieht sich auch im kommenden Jahr
wieder zu einem netten Abend in der Lagerhalle!