Montag, 30. Juni 2014

Filmbesprechung: The Fairy Trail - Naturgeistern auf der Spur

Ich denke, es ist nach langer Pause mal wieder Zeit für eine Filmbesprechung. Bereits vor einer ganzen Weile ist mir zufällig die DVD zu dem Dokumentarfilm "The Fairy Trail - Naturgeistern auf der Spur" in die Hand gefallen. Gestern nun habe ich endlich die Muße dazu gefunden, mir diese Doku anzuschauen und nun habe ich das Bedürfnis, meine Erfahrung damit mit euch zu teilen.

Hier zunächst einmal der Trailer zum Film:


Doch worum geht es nun konkret? Wie der Titel schon sagt, beschäftigt sich der Film mit Naturgeistern, Elementarwesen, magischen Orten. Er entführt seine Zuschauer an besondere Plätze in der Natur und folgt anhand von Interviews Menschen, die auf die eine oder andere Weise fühlen, dass sie mit den diese Orte bevölkernden Wesen in Kontakt stehen.
Da ist der Märchenerzähler, der seit vielen Jahren zu Menschen geht, die Feenerscheinungen gehabt haben und ihre Geschichten sammelt. Der Immobilienmakler, der auf einem Grundstück, welches er verkaufen soll eine Nymphe entdeckt und das Grundstück daraufhin selbst ersteht und einen Hofladen eröffnet. Oder die Frau, die sich so auf ihre Lieblingspflanze einlassen kann, dass sie genau weiß, was diese wann braucht.
Sie alle und noch viele mehr kommen hier zu Wort, und was sie erzählen wird untermalt durch wunderschöne Bilder aus der Natur und an einigen Stellen auch durch zauberhafte Musik wie die von In Gowan Ring.

Wer nun nicht an die Existenz von Wesen wie Feen und Elfen glaubt oder glauben möchte, der wird sich nun sicher fragen, was dieser Film für ihn für einen Wert haben sollte. Doch hier geht es um viel mehr: Alle Menschen, die in dieser faszinierenden Dokumentation zu Wort kommen, verfügen über eine besondere Beziehung zur Natur. Sie versuchen, auf eine tiefere, bedeutendere Art mit dieser und dem Leben in ihr in Kontakt zu treten. Sie haben verstanden, wie wichtig es ist, der Stimme der Natur zu lauschen und nach ihren Bedürfnissen zu handeln - eine Fähigkeit, die in der heutigen Zeit wichtiger, aber leider auch seltener als je zuvor zu sein scheint. Sie sehnen sich nach einem Leben im Einklang mit der Natur, wo der Mensch die Natur nicht ausbeutet sondern wie alle anderen Wesen auf dieser Welt mit ihr im Einklang lebt und sind bereit, etwas dafür zu tun.

"The Fairy Trail" ist ein Film, der zum Nachdenken anregt. Er weckt den Wunsch in einem, die Natur intensiver als zuvor wahrzunehmen und zu versuchen, aktiv mit ihr in Kontakt zu treten. Und wer weiß: mit ein bisschen Glück gelingt es einem dabei ja sogar, selbst eines der zahlreichen Elemetarwesen zu spüren.

"The Fairy Trail - Naturgeistern auf der Spur" wurde von den Hamburger Filmemachern Till Gerhard und Britta Schmidtke gedreht. 2013 war der Dokumentarfilm für den Cosmic Cine Award nominiert. Die DVD kommt in schönem und umweltfreundlichen Pappoutfit daher. Englische und deutsche Untertitel sind vorhanden.

Zurück zum Beton: Das MPS in Weeze

Am Mittsommertag war es für mich einmal wieder so weit: das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum rief nach Weeze und ich folgte dem Ruf. Aus finanziellen Gründen und weil das Gelände meiner Meinung nach einige Makel aufweist, sollte es dieses Mal nur ein Tagesausflug werden.

Veranstaltet wird das MPS in Weeze auf dem alten Flughafengelände. Veranstaltungstechnisch hat das den Vorteil, dass es ganz weit draußen ist und wir deswegen Lärm machen können, solange wir wollen. Leider gibt es aber auch einige Nachteile: Das Gelände ist fast vollständig zubetoniert und mit Bunkern übersät, in regelmäßigen Abständen starten Flugzeuge (landen haben wir sie noch nie gesehen...hm). Für ein Rockfestival wäre das kein Problem, für eine Steampunk-oder LARP-Veranstaltung könnte das sogar ganz toll sein - aber für einen Mittelaltermarkt? Zudem ist die Anbindung an den ÖPNV eher mäßig. Entsprechend war das Festival auch in diesem Jahr eher mäßig besucht und wird wohl im nächsten Jahr in dieser Form nicht mehr stattfinden. Ich bin wirklich gespannt, ob es Veranstalter Gisbert "Gisi" Hiller wie neulich angekündigt gelingen wird, da eine Art Endzeit-LARP-Veranstaltung durchzuführen. Das hätte durchaus Potential!

Nun aber zu meinem Tag auf dem MPS: Wir begannen den Tag mit Gauklerei und blieben daraufhin gleich an der Stelle, um uns das Duo Pampatut anzuschauen. Eigentlich hatten wir bei den zwei Herren ja nur ein oder zwei Lieder verweilen wollen, jedoch kam es etwas anders. Streng genommen umfasste das ganze Set zwar auch nur ca. zwei Lieder, aber trotzdem. Das ganze wurde schnell zur äußerst unterhaltsamen Comedy und jeder, der eine unglückliche Bewegung machte, konnte im Fadenkreuz der Gruppe landen. Schüchtern, wie wir sind, wollten wir das vermeiden und blieben schön still sitzen. 

Danach trieb es uns lange einfach über das Gelände. Mal verweilten wir an der großen Bühne, um zu den Klängen von Saltatio Mortis unser Mittagessen einzunehmen, mal blieben wir bei Gaukler Lupus hängen und ließen uns von seiner Jonglage-Show unterhalten. Wenn die Musik sich anbot, nutzen wir den großzügigen Platz des mäßig gut besuchten Geländes zum Poi-Spielen, wobei wir auf unheimlich viele Menschen trafen, die sich dafür interessierten, was wir da so treiben.

Musikalisch richtig interessant wurde es dann am Vorabend mit dem Auftritt von Omnia. Da es so leer war, machten wir uns nicht die Mühe wie gewöhnlich schon eine Stunde vor Beginn des Konzertes an der Bühne rumzulungern, um einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern. Als wir dann schließlich zu den ersten Tönen das Konzertes zur Bühne strebten, bekamen wir noch immer problemlos einen Platz in der dritten Reihe und hatten auch ausreichend Platz uns zu bewegen. Löblich sei erwähnt, dass Omnia von den von mir gesehenen Bands die einzigen waren, die das Wort "Fußball" nicht in den Mund nahmen. Danke dafür!


Die einstündige Wartepause bis zum Faun-Konzert verbrachten wir wartend an der Bühne. Da der Auftritt nunmal am längsten Tag des Jahres stattfand, war es noch hell, als die Band begann. Ziemlich ungewohnt, aber super zum Fotos machen. Da Faun das zweifelhafte Vergnügen hatten, zeitglich mit dem Fußballspiel der deutschen Mannschaft auftreten zu müssen, war das Publikum ebenfalls ungewöhnlich. Viele Niederländer waren in das nah der Grenze gelegene Weeze gekommen. Da es bei niederländischen Festivals eher unüblich ist, dass die Leute im Publikum wie die Ölsardinen aneinandergequetscht stehen, um möglichst weit nach vorne zu kommen, hatte man so während des Auftritts unheimlich große Bewegungsfreiheit.


Im Anschluss an das Konzert nutzten wir den Rest des SaMo-Nachtkonzerts zum Poi-Spielen und ließen dann unseren Tag bei einem wahrhaft grandiosen Feuerspektakel ausklingen. Am Spektakel nahmen der Gaukler Lupus, die Feuervögel sowie Danse Infernale teil. Letztere bestritten den größten Teil der Show und taten dies auf wirklich vielfaltige und beeindruckende Art und Weise.

Kurz nach eins machten wir uns dann auf den Weg vom Gelände, wobei wir einen faszinierten Zwischenstopp bei den Cobblestones einlegten. Dort war eine riesige Party in Gange, auf der Bühne standen sicher über 20 Personen und feierten zu den Irish Folk-Klängen der Band.
Um den langen Heimweg wissend, konnten wir dennoch nicht länger bleiben. Nach mehreren Stunden Fahrt über seltsamste Dörfer und andere Ortschaften erreichten wir mit dem Morgengrauen dann unser zu Hause. So endete mein Ausflug zum MPS in Weeze.

Freitag, 20. Juni 2014

Fröhliches Mittsommer an alle!

Dieses Wochenende ist es Zeit, das Mittsommerfest zu begehen. Da ich selbst unterwegs sein werde, wünsche ich euch allen schon einmal ein schönes Wochenende. Genießt diesen Höhepunkt des Sommers, bevor die Nächte wieder länger und die Tage kürzer werden.

Die Natur steht derzeit noch in voller Blüte, dieses Foto habe ich beispielsweise letzte Woche bei uns im Garten gemacht, das Insekt ist meinen Recherchen nach eine Holzbiene, ich lasse mich da aber auch gerne eines Besseren belehren:


 Ich werde das Fest morgen mit meinen Freunden mit einem Besuch auf dem MPS in Weeze begehen und bin überzeugt davon, dass Faun und Omnia mit ihrem Pagan Folk den perfekten Soundtrack zum Feiern liefern werden.

In diesem Sinne euch allen:

Frohes Mittsommerfest!

Glad midsommar!

Hyvää juhannusta!

Der Tag des Kolkraben: Das MPS in Rastede, Tag 3

Der Tag, nachdem Faun und/oder Omnia beim MPS waren, ist bei mir manchmal so eine Sache. Das persönliche Highlight ist dann vorüber und das Ganze wird schnell zum Gammeltag. Doch nicht so dieses Jahr in Rastede, denn da versprach auch der folgende Samstag noch einige musikalische Highlights, die ich mir nicht entgehen lassen könnte. 

Wir begannen den Tag ganz entspannt mit der Markteröffnung, die ich mir in diesem Jahr noch nicht angsehen hatte. Durch den Weggang des Marktvogtes hat sich dieser im Verhältnis zu den letzten Jahren zwangsläufig gewandelt. Im Zentrum steht nach wie vor MPS-Kultfigur Bruder Rectus, begleitet wird er dieses Jahr unter anderen vom Hässlichen Hans, dem Tod, dem Pisspagen und zwei entzückenden Nonnen- und zusammen ergibt das ein äußerst amüsantes Programm für die Markteröffnung 2014! Am Samstag in Rastede wurden so nicht nur die Handeltreibenden vorgestellt und Speisen und Getränke verköstigt, nein. Es gab einen Ritterschlag und auch an Teer und Federn wurde nicht gespart.


Musikalisch dürfte der Samstag für viele durch die Auftritte von Feuerschwanz und Saltatio Mortis das Highlight des Wochenendes gewesen sein. Ich stattete beiden Bands nur kurze Stipvisiten ab, gab es doch einfach zu viel anderes zu sehen.


Los ging es mit den Sandsacks. Irish Folk ist auf dem MPS definitiv im Kommen, und das bei großartigen Bands wie eben den Sandsacks auch ganz zurecht. Ich hab die Jungs an diesem Tag zum ersten Mal gesehen und mir hat wirklich gefallen, was ich da gehört habe. Das war alles extrem tanzbar und mit großer Spielfreude vorgetragen, guck ich mir bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit sicher nochmal mit Freuden an!


Nicht neu, aber immer wieder einen Besuch wert auf dem MPS, sind auch die Freibeuter von Vroudenspil. Bei denen ist es zwar nie wirklich überfüllt (warum eigentlich nicht, ihr Banausen?), dafür ist die Stimmung immer hervorragend. Als ich am Samstag da war wurden Songs wie "Ein unwichtiger Bösehold" jedenfalls mal wieder derbe vom Publikum abgefeiert. Das war ein Spaß!


Und dann war da noch was. Etwas, was diesem Blogeintrag seinen Namen gegeben hat. Erstmalig anwesend waren nämlich auch die Könige der Spielleute, Corvus Corax. Und die haben auch verdammt schnell bewiesen, dass sie diesen Ehrentitel nicht zu Unrecht tragen. Das hat musikalisch einfach mal gewaltig geknallt, das war irgendwie martialisch, beeindruckend, gewaltig. Jemand der in meiner Nähe stehenden meinte nach dem ersten Konzert gar, im Vergleich seien Saltatio Mortis ja wohl Kindergarten - und man konnte es bei aller Liebe kaum leugnen. So kam es dann auch, dass wir aller dritter-Festivaltag-Müdigkeiten zum Trotz auch beim Nachtkonzert der Kolkraben mit dabei waren. Und auch das war ein Fest. Ich hoffe, man sieht sich bald wieder mal live, ich will definitiv mehr davon!


Freitägliche Tiefenentspannung - das MPS in Rastede, Tag 2

In einer idealen Welt sollte der erste Satz dieses Beitrags heißen: Den zweiten MPS-Tag begannen wir gut ausgeschlafen gegen Mittag. Nur ist das aber, wie wir alle wissen, keine ideale Welt, und so begann der zweite MPS-Tag auch irgendwie unausgeschlafen mit den langweiligen Gesprächen unserer Zeltnachbarn, die zum Menschenschlag der rücksichtslosen Frühaufsteher gehörten. Ich versuche mir das jetzt einfach mal schönzureden mit den Worten: Naja, wenig später hätte uns die Sonne bestimmt auch so geweckt.

Durch unsere gescheiterten Einkaufspläne am Anreisetag waren wir aber ohnehin gezwungen, das muckelige Zelt zu verlassen und uns auf den langen Marsch zur nächsten Einkaufsmöglichkeit zu machen, wollten wir auch in den kommenden zwei Tagen noch ein Frühstück genießen können. So deckten wir uns also ein mit all diesen festivaltauglichen Köstlichkeiten wie Milchbrötchen, Müsliriegeln oder Minisalamis und hatten im Anschluss sogar das Glück, auf dem Rückweg von einem netten Paar im Auto mitgenommen zu werden. Man mag über die neue MPS-Campingkosten-Regelung ja denken, was man will, aber die hässlichen, neonfarbenen "Ich-habe-meine-Gebühren-bezahlt"-Armbändchen sind echt praktisch, wenn man auf dem Parkplatz des Supermarktes Leute sucht, die den gleichen Rückweg aber im Gegensatz zu einem selbst ein Auto haben.

Anschließend widmeten wir uns dann noch der Körperhygiene: Es war Duschtag! Nun sollte man sich aber keinen Illusionen hingeben. Duschtag beim MPS heißt für uns: Man nehme eine leere 1,5 Literflasche eines beliebigen Getränks, fülle sie bei den Dixiklos mit eiskaltem Leitungswasser und schütte sich dieses auf den Kopf. Dann massiere man das gute dm-Reisegrößen-Shampoo ein, was natürlich mit kaltem Wasser so gut wie gar nicht schäumt und kippe sich zum Ausspülen eine weitere Flasche über den Kopf. Der Rest des Körpers muss sich natürlich mit der täglichen Katzenwäsche zufriedengeben. Trotzdem wage ich, zu behaupten, dass man diesen hier recht verbreiteten Akt der Reinlichkeit nicht auf vielen anderen Festivals finden wird.

Mittags wurde es dann wieder Zeit, sich auf den Weg zum Gelände zu machen. Das Wetter war gut genug, um den Großteil des Tages ohne Jacke und barfuß zu verbringen. Insgesamt machten wir uns einen sehr entspannten Tag, inklusive dem Genuss leckerere Käsespätzle vor der Kulisse eines kleinen Teiches.

Musikalisch stand der Tag im Zeichen des Pagan Folk, der Abend sollte uns so nacheinander von Auftritten der Bands Omnia und Faun versüßt werden. Musikalisch ist dieses Double natürlich ein Traum: meine zwei Lieblingsbands, direkt hintereinander. Trotzdem sahen wir der Sache an diesem Tag mit gemischten Gefühlen entgegen. Dazu muss man erklären: Wir sind verwöhnt. Ja, verwöhnt. Irgendwie ist es für uns selbstverständlich, dass wir diese Bands aus der ersten Reihe erleben müssen. Jedes Mal. Und wir haben beide Bands schon 20 bis 30 Mal gesehen, ich muss irgendwann mal nachzählen. Nun geht es aber anderen Menschen natürlich genauso, weswegen man mindestens eine Stunde vor Beginn des Konzertes da sein muss, um einen der begehrten Plätze in der ersten Reihe zu ergattern. Das ist natürlich lästig, könnte man die Zeit doch wunderbar damit verbringen, etwas schönes woanders auf dem Gelände zu erleben. Und außerdem findet man nunmal auch nicht jeden, den man da vorne in der ersten Reihe trifft so nett, um es mal diplomatisch auszudrücken. darum haben wir es dieses Mal bei Omnia einfach nicht mitgemacht. Stattdessen sind wir während der Umbaupause vor dem Konzert über das Gelände gelaufen, haben nette Leute getroffen und interessante Gespräche geführt. Als Omnia dann anfingen, haben wir uns Richtung Bühne begeben, und uns ein lauschiges Plätzchen links neben dieser ergattert, vor dem Merchstand der Pulveraffen. Da konnten wir nicht die komplette Bühne sehen, aber uns dafür frei bewegen. Und alles interessante haben wir trotzdem mitbekommen. Ich glaube, das machen wir ab jetzt öfters so.


Der Fairness halber sei gesagt: bei Faun hat es uns dann doch wieder in die erste Reihe verschlagen. Aber es war ja auch das erste Faun-Open-Air-Konzert dieses Jahr. Und es war wie erwartet wunderschön. Diese Band macht mich einfach jedes Mal wieder glücklich! :)


Ausklingen ließen wir unseren Tag dann mit einem Besuch des großen Feuerspektakels, was ein würdiger Abschluss war. Verschiedene Feuerkünstler zeigten dort ihr Können, was im Dunkeln einfach total schön anzuschauen ist.

Selbst der Rückweg zu unseren Zelten hatte dann noch etwas schönes zu bieten: Durch die Kälte war es absolut sternenklar, und die fehlende Beleuchtung machte es möglich, ungeahnt viele Sterne zu sehen. Ich wundere mich noch immer, dass wir vor lauter In-die-Luft-Gucken nicht in den Graben gefallen sind! ;)

Eine letzte Fortsetzung folgt!

Der erste Parteitag der Branntwein Volkspartei oder: MPS in Rastede, Tag 1

Am Donnerstag war es dann endlich so weit: Das MPS in Rastede 2014 begann! Wie schon am Tag zuvor begann auch dieser neue Tag, glücklicherweise etwas trockener, mit der Suche nach einem Bus. Zwischen der Campsite und dem Veranstaltungsgelände sollte es, wie bereits im Jahr zuvor, einen Shuttlebus geben. Kurz vorher wurde aber angekündigt, der Bus könne nun wohl doch nicht fahren, aber alle Aussagen widersprachen sich und die Gründe für den Ausfall kannte auch keiner. Nach einigen gezielten Nachfragen war schnell geklärt: Nein, kein Bus. Der direkte Weg zum Gelände, ein schlechter Privatweg, durfte in diesem Jahr nicht mehr befahren werden, ein anderer Weg war dem Bus wegen einer fehlenden Wendemöglichkeit nicht gegeben. Nun gut, was solls. Knapp 2 km zum Gelände sind gerade nach mehr als 12 Stunden Festival Nachts nicht erfreulich, aber doch machbar. Also stürzten wir uns zu Fuß ins Getümmel.

Musikalisch wurde an diesem Donnerstag auf dem MPS ein rieisges Programm aufgefahren. Wir begannen unseren Festivaltag mit den Niederländern von Rapalje. Die vier Herren kamen wie immer fröhlich-entspannt daher und bereiteten uns damit den perfekten Einstieg in ein langes Festivalwochenende.


Im Anschluss verweilten wir einfach gleich bei der Bühne und schauten uns Saor Patrol an. Wer die Schotten kennt, weiß, dass es dort weniger ruhig zur Sache geht. Die Dudelsäcke, das Schlagwerk und die E-Gitarre weckten uns endgültig aus der frühmittäglichen Lethargie - wer bei dieser Band still sitzen bleiben kann, muss wohl zu diesem seltsamen Menschenschlag gehören, der beim Klang von Dudelsäcken die Flucht ergreifen oder seine Ohren verstopfen möchte ;)


Weiter im Programm ging es ebenfalls recht schottisch mit Celtica, die dieses Jahr erstmalig auf dem MPS unterwegs sind, sich aber schon eine solide Fanbasis erspielt zu haben scheinen - und das zurecht! Die Mischung aus definitiv rockenden eigenen Stücken und Pipe and Drum Versionen bekannter Stücke anderen Künstler (U2 zum Beispiel) zündet einfach, das sollte man sich nicht entgehen lassen!


Wer jetzt annimmt, auf dem MPS kämen nur Musikfans auf ihre Kosten, der irrt natürlich. Vielmehr bietet die Veranstaltung auch alles, was ein wirklich guter Mittelaltermarkt nur bieten kann. Ritterturniere, Sport in Form von Bruchenball, kulinarische Genüsse, kampfvorführungen und vieles mehr. Seit vielen Jahren dabei ist zum Beispiel die tschechische Fechtkampftruppe Fictum, deren Vorführung auch immer mal wieder einen Besuch wert ist und besonders bei Familien mit Kindern extrem gut ankommt.


Da ich nun aber ein bekennender Musikfreak bin, tifft man mich trotzdem meistens vor einer der Bühnen an, wo einfach zu viel spannendes und wohlklingendes geboten wird. So führte mich mein Weg Nachmittags dann auch weiter zu Metusa, einer Band, die bei ihren Auftritten immer 100% gibt. Leider vermisse ich die Ende letzten Jahres ausgeschiedene Anja immer noch sehr bei den Liveauftritten - die Interaktion ziwschen ihr und Sänger Dominik bleibt einfach unersetzlich! Trotzdem bleibt die Band definitiv einen Besuch wert. Besonders spaßig für mich ist momentan ihre Performance von "Männer mit Bärten". Es hat sich nämlich zu einer Art Running Gag entwickelt, dass die Band das traditionelle Stück in immer anderem Gewand präsentiert - als Country Version oder auch auf die Melodie bekannter Stücke aus Pop-und Rock. In Rastede gab es so beispielsweise eine Version, die doch sehr stark an ein bekanntes Stück der Band Blur erinnerte.


Als nächstes gab es eine Band zu sehen, die ich vorher noch nie live gesehen hatte: die Dudelzwerge. Die Band bot das, was ich unter typischer Marktmusik verstehe, mit den Szeneklassikern, die man gleich am Anfang, wenn man sich mit der Szene beschäftigt, kennenlernt. Da sowas langsam auf dem MPS selten wird und die Songs alle gut gespielt waren, ist mir die Band durchaus positiv in Erinnerung geblieben. Auch die eigenen Songs der Band haben mir gut gefallen. Als Sängerin Emmi bei "Herr Mannelig" das Publikum durch die Aufforderung zum Mitsingen ein wenig Ärgern wollte, habe ich es ein wenig bereut, nicht vorne gestanden zu haben - dadurch, dass ich Schwedisch spreche, hätte ich dieser Bitte ja problemlos nachkommen können ;)


Im Anschluss daran machten wir uns daran, eine uns gut bekannte Band zu besuchen: Mr. Hurley & die Pulveraffen. Was soll ich sagen? Die Jungs sind einfach gut, wo die spielen kommt auch gute Laune auf, und so war es auch dieses Mal. Durch ausgiebiges Touren dürfte die Band den meisten ohnehin bekannt gewesen sein, entsprechend konnten auch alle bei Songs wie "Ach ja?!" fröhlich mitpöbeln und gröhlen, wie sich das für Piraten eben so gehört. Da in vermutlich nicht allzu neuer Zukunft neues Material der Band zu erwarten ist, wurden auch einige neue Songs präsentiert, die bisher noch auf keinem Album zu finden sind. Macht den Anschein, als käme da wieder Großes auf uns zu, denn Stücke wie "Urlaub" gehen richtig schön ins Ohr und danach nie wieder freiwillig raus aus eben jenem!


Aus dem gleichen Heimathafen wie die Pulveraffen kommt die Kilkennyband. Die drei Herren und eine Dame spielen Irish Folk und sind insgesamt durchaus sympathisch. Wer es also folkig, beschwingt und ohne Dudelsäcke mag, ist hier bestens aufgehoben.


Kommen wir nun aber zum wahren Höhepunkt des Tages: Dem ersten Parteitag der Branntwein Volkspartei! "Bitte was?" mögen sich jetzt viele fragen. Nun ja, große Ereignisse warfen an diesem Tag ihre Schatten voraus. Das Gossenpack von Knasterbart hatte zur Feier des einjährigen Bestehen und zum Albumrelease geladen und versprach, zur Feier des Tages auch gleich ein komplett neues Bühnenprogramm zu enthüllen. Den ganzen Tag wurden auf dem Gelände fleißig Plakate verteilt, und als die Sonne und die Kinderchen längst in ihren Betten verschwunden waren, war es tatsächlich so weit: Mit Branntweinfahnen schwingenden Gossengirls wurde das Knasterbart-Nachtkonzert eröffnet und die Frontmänner Hotze und Fips präsentierten das musikalische Parteiprogramm von den auf der Bühne aufgestellten Rednerpulten. Zahlreiche neue, noch nie live gespielte Tracks vom an diesem Tag erscheinenden ersten Album der Band wurden gespielt, ein neues Bandmitglied vorgestellt und die Tavernen auf dem MPS überboten sich gegenseitig mit kreativ dargebrachten, flüssigen Geschenken an die Bandmitglieder. Veranstalter Gisbert Hiller, genannt "Gisi", gewährte der vor der Bühne versammelten Meute sogar mehrere Zugaben, selbst auf die Gefahr hin, Ärger mit der Polizei zu bekommen (die Spielgenehmigung reichte eben irgendwie nicht bis zwei Uhr Nachts, gell).


Es war eine würdige Feier, und ausgelaugt, aber glücklich stolperten wir den unbeleuchteten Feldweg zu unseren Zelten zurück. So endete der erste Tag auf dem MPS in Rastede 2014.

Fortsetzung folgt!

Willkommen in Niedersachsen - das MPS in Rastede, die Anreise

So, da ich mich morgen schon auf den Weg nach Weeze zu meinem nächsten MPS-Termin begebe, hielt ich es gerade irgendwie für angebracht, mich endlich mal an den Erlebnisbericht zum MPS in Rastede von vor drei Wochen zu machen... Nun dann, ab dafür:

Das Abenteuer Rastede begann dieses Jahr schon am Mittwoch, also einen Tag vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung. Alles war gut geplant. Die Anreise war von uns auf den Mittwoch vorverlegt worden, um den zu erwartenden reisenden Männergruppen am nächsten Tag (Männertag!) zu entgehen. Die Reisezeit war so kalkuliert, dass wir in Rastede einen Bus erwischen sollten, der relativ nah an die Campsite heranfahren sollte. Einen Bus, der nur einmal am Tag fährt. Es klang alles so gut - doch wie üblich konnte die Realität da nicht mithalten.

Wir erreichten Rastede zur geplanten Zeit. Das Wetter war so, wie es sich mittlerweile zum Alltag bei Veranstaltungen des MPS entwickelt hatte: Vom tiefgrauen Himmel vielen dicke, nasse Tropfen, und deren viele. Der Bahnhof war innerhalb kürzester Zeit menschenleer. Uns in unser Schicksal fügend, machten wir uns auf die Suche nach unserer Bushaltestelle und fanden sie nach einiger Verwirrung auch. Und dann warteten wir. Und warteten. Und warteten. Ein Bus voll mit Schülern und ohne Nummer fuhr an uns vorbei, etwa zu der Zeit, zu der unser Bus hätte kommen sollen. Aber er machte keine Anstalten anzuhalten. Also warteten wir weiter. Etwa 20 Minuten später kam ein anderer Bus, jedoch nicht unserer. Trotzdem hielten wir ihn an und baten den Fahrer um Rat. Er wusste nichts von unserem Bus, anscheinend nicht einmal von seiner Existenz. Nach weiteren zehn Minuten, in denen nichts passierte, sahen wir die bittere Wahrheit schließlich ein: Wir würden die mehrere Kilometer lange Strecke wohl zu Fuß gehen müssen. Jeder von uns ein Zelt, eine Luftmatraze, einen Schlafsack und Klamotten für vier zu erwartende Tage bei mäßigem Wetter mit sich führend. Immerhin war der Regen schwächer geworden.

Das Regencape wurde also übergeworfen, und los ging es. Zunächst einmal nur eine kleine Etappe zu Feinkost Albrecht. Unser eigentlicher Plan war ja gewesen, nach dem Zeltaufbau einkaufen zu gehen, aber das war nach dieser kleinen Planänderung durch den nicht-existierenden Bus zeitlich nicht mehr drin. Also wurde das Gepäck noch um Essen und Trinken für die kommenden 1 1/2 Tage erweitert, und der Spaß ging weiter. Dass ich mein Zelt in einer Reisetasche mit nicht-gepolsterten Griffen und ohne Rollen verstaut hatte, erwies sich bald als katastrophaler Fehler. Der Mist schnitt höllisch in meine Hände, es lief sich nicht gut mit diesem einseitigen Gewicht und das Regencape regte gekonnt die Transpiration an. Bald war ich total am Ende, was man andererseits vom noch vor uns liegenden Weg nicht sagen konnte. Ungefähr zwei Stunden später als geplant erreichten wir schließlich die Campsite, bauten unsere Zelte auf und erholten uns von den Strapazen. Der Tag war für uns damit weitestgehend auch gelaufen und wir lagen in unseren luftgefüllten Betten bevor noch die Sonne richtig verschwunden war. Morgen sollte schließlich ein langer Tag werden, denn große Ereignisse warfen ihre Schatten voraus...

Fortsetzung folgt!