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Dienstag, 25. Juni 2019

Der Legende auf der Spur - die Wacken Winter Nights 2019

Wacken - dieser Name klingt in den Ohren von Freunden härterer Klänge nach dem gelobtem Land. Auch ich habe schon seit meiner Teenagerzeit davon geträumt, einmal dorthin zu fahren - geklappt hat es aber nie, und seit acht Jahren ist das große Sommerfestival eh aus dem Rennen, weil es zeitlich stets mit meinem Lieblingsfestival, dem in einer ganz anderen Szene ebenfalls legendären Castlefest, zusammenfällt. Doch im Februar bot sich nun tatsächlich die Möglichkeit, es einmal nach Wacken zu schaffen. Seit drei Jahren findet dort nämlich noch ein zweites Festival statt, das Wacken Winter Nights. Es handelt sich dabei um ein viel kleineres Festival als die große Sommeredition, und der Schwerpunkt liegt deutlich mehr auf Mittelalter und Folk Metal, was meinem Musikgeschmack sowieso sehr entgegen kommt.


Freitag Morgen machten wir uns zu viert mit dem Auto auf den Weg. Die Fahrt von Rheine aus nahm natürlich einiges an Zeit in Anspruch, aber mit guter Musik (Heilung!) und guter Gesellschaft ließ sich das schon problemlos meistern. Die Verkehrlage meinte es auch nicht schlecht mit uns, sodass wir wie geplant in den Mittagsstunden an unserer gebuchten Wohnung in einem Dorf etwa eine halbe Stunde von Wacken entfernt ankamen. Die Besitzer des Hauses, in dem wir die Wohnung hatten, erwiesen sich als sehr nett und auch die Wohnung war so schön, dass man dort auch gerne einen längeren Urlaub verbracht hätte. Unsere Pläne waren aber natürlich etwas andere, sodass wir uns nur flott einrichteten und uns dann auf den Weg gen Wacken machten.

Das kleine Örtchen war mir vom ersten Moment an sympathisch. Alle dort - Festivalbesucher, Bewohner, Ordner - waren superfreundlich und gut gelaunt, die Stimmung erwartungsvoll. Selbst das Wetter hatte beschlossen, für dieses besondere Wochenende mal eben eine Art Vorfrühling einzuläuten. Beste Bedingungen also! Voller Vorfreude machten wir uns auf den Weg vom Parkplatz zum Gelände - ein langer, langer Weg, der uns besonders auf den abendlichen Heimwegen noch ganz schön quälen sollte. xD

Am Einlass erhielten wir unsere Bändchen sowie einen Goodie Bag. Dieser war gefüllt mit allerhand netten und nützlichen Sachen wie Kugelschreiber, Feuerzeug oder Halsbonbon gegen Heiserkeit vom Mitgröhlen. Leider war der Gurt etwas kurz, sodass es nicht ganz so einfach war, sich das Teil irgendwo festzumachen - wohl dem, der einen Gürtel hatte, an den er das Ding hängen konnte.

Auf dem Festivalgelände angekommen, machten wir erstmal eine Runde, um uns einen Überblick zu verschaffen. Das Gelände war überschaubar, aber schön. Die größten, überdachten Bühnen trugen wohlklingende Namen wie Ice Palace und Theatre Of Grace. Die Mystic Woods Bühnen mussten wir eine ganze Weile suchen, da wir nicht damit gerechnet hatten, dass es sich gar nicht um Bühnen im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr um lauschige Plätzchen nahe der Bäume auf dem Gelände handelte.


Musikalisch fanden wir unser Zuhause für dieses Wochenende aber im Wesentlichen im Ice Palace, einem riesigen Zirkuszelt mit der größten Bühne des Festivals. Schon am Freitag konnte sich das Line Up dort sehen lassen. Die verrückten Norweger von Trollfest schafften wir zeitlich leider nicht mehr und während des folgenden Auftritts von Arkona erkundeten wir lieber das Gelände, aber danach waren wir eigentlich nicht mehr aus dem Zelt zu bekommen. Am frühen Abend spielten dort Heilung, eines der absoluten Highlights dieses Festivals und auch insgesamt einer der Hauptgründe, Wacken in diesem Jahr endlich zu besuchen. Diese Band ist live ein derartiges Erlebnis, ihre Musik so einzigartig, das muss man einfach mal gesehen haben! Weiter ging es dann mit den Finnen von Turisas, die sich auch schnell als sehr stimmungsvolle Liveband erwiesen. Im Anschluss blieb uns kurz Zeit, dem Theatre Of Grace einen Besuch abzustatten, doch beim Auftritt von Bannkreis war leider keine Chance mehr auf einen Platz. Selbst der Platz vor dem Zelt mit der Bühne war voll mit Menschen, die einen Blick auf das neue Projekt von Subway To Sally-Sänger Eric Fish erhaschen wollten. Auf den Headliner dieses Abends, Korpiklaani, hatten wir uns im Vorfeld alle gefreut, doch deren Auftritt wurde leider die große Enttäuschung des Wochenendes. Ich habe die Band schon mehrere Male live gesehen, die Auftritte waren stets großartige, wilde Parties - doch an diesem Abend war es einfach nur furchtbar langweilig. Die Band hatte sich aus irgendeinem Grund entschieden, sämtliche Hits aus dem Programm zu nehmen und auf neuere und auch ältere, weniger bekannte Songs zu setzen - was bei einem feierwütigen Festivalpublikum, welches ja nicht nur aus Hardcorefans der Band besteht, aber einfach nicht funktionierte. Der Funken sprang nicht über, der Raum vor der Bühne leerte sich zusehends. Auch wir räumten irgendwann enttäuscht das Feld. Das war ein Auftritt, welcher der Band so gar nicht gerecht wurde und ihr sicher wenig neue Freunde beschert hat.

Auch am Samstag verbrachten wir den Hauptteil unserer Zeit wieder im Ice Palace, angefangen mit dem nachmittäglichen Auftritt der Folk Metal Band Vogelfrey, die mit einem durchweg coolen, sympathischen und unterhaltsamen Auftritt überzeugte. Im Anschluss wurde es dann düster mit dem epischen Pagan Metal von Moonsorrow. Die Band kannte ich vorher nur flüchtig, der Sound überzeugte mich aber auf ganzer Linie. Die Finnen haben das eben drauf mit dem Metal. ;) Eluveitie im Anschluss mauserten sich jedoch ganz schnell zu meinem musikalischen Tageshighlight. Der Auftritt, den sie an diesem Tag in Wacken hinlegten, war der Beste der Schweizer, den ich bisher miterleben durfte. Ein Hit folgte dem nächsten, Sound und Stimmung waren gewaltig. Ein richtig, richtig gutes Konzert! Headliner an diesem Abend waren Saltatio Mortis, die wir uns jedoch nicht mehr ansahen.

Ehe wir es uns versahen, war auch schon der letzte Festivaltag angebrochen. Dieser wurde im Ice Palace mit The O'Reillys and the Paddyhats fulminant mit Irish Folk Punk eröffnet. Die gute Laune konnte man dann auch gleich beibehalten, als nächstes standen nämlich Feuerschwanz auf der großen Bühne. Deren Auftritt hatte ich gar nicht in Gänze sehen wollen, aber es war einfach so lustig, dass wir im Endeffekt doch ziemlich bis zum Schluss dort blieben. Danach ging es dann flott weiter ins Theatre Of Grace, um die letzte Gelegenheit wahrzunehmen, die Dänen von Huldre live zu erleben. Diese gaben beim Wacken ihr Abschiedskonzert. Ich muss ja zugeben, dass mich die Folk Metal Band um Sängerin Nanna Barslev auf CD nie so ganz überzeugen konnte, die verwandten reinen Folk-Projekte Asynje und Gny waren mir immer lieber. Aber live auf der Bühne erwies sich die Band als durchaus erfreuliches Erlebnis und ich war froh, diese lezte Möglichkeit genutzt und dem Auftritt eine Chance gegeben zu haben. Viel zu schnell nahte dann aber auch schon das Ende des Festival-Wochenendes. Dieses kam in Form von meiner Lieblingsband Faun, was für mich natürlich einen perfekten Abschluss bildete. Und auch wenn man auf den ersten Blick meinen könnte, Faun und Wacken würden denkbar schlecht zusammenpassen, wurde die Band hervorragend angenommen. Auch gestandene Metalheads zeigten sich sichtlich begeistert vom Auftritt der Band. Ein schöneres Ende hätte zumindest ich mir für unseren Wacken-Ausflug nicht vorstellen können!


Obwohl mein Bericht nun irgendwie den Eindruck erweckt, wir hätten nur vor der Bühne des Ice Palace geklebt, ist das natürlich gar nicht wahr. Das Festival fing jeden Tag erst zu sehr angenehmer Zeit gegen Mittag oder gar erst am frühen Nachmittag an, sodass uns einiges an Zeit blieb, ausgiebig zu frühstücken und dann noch das Örtchen Wacken zu erkunden. So besuchten wir natürlich die bekannten Wacken-Skulpturen und statteten dem Wacken Store sowie dem Wacken Outlet einen Besuch ab und deckten uns mit allerlei Souvenirs ein. Neben dem quasi obligatorischen T-Shirt besitze ich nun auch eine Wacken-Schneekugel, einen großen Einkaufbeutel sowie eine Packung Wacken-Kaffee. Und zu unserem großen Entzücken gibt es in Wacken sogar so eine Memodaillen-Maschine. Das sind diese Dinger, in denen man ein 5-Cent-Stück plattkurbelt und so daraus ein Andenken herstellt. Für die Dinger bin ich ja tatsächlich immer zu haben. :D

Und auch auf dem Gelände bekamen wir selbstverständlich nicht nur das Programm auf den großen Bühnen mit. Bei der Old Village Chapel und den beiden Mystic Woods-Spielstätten trafen wir auch immer wieder auf die unterschiedlichsten Bands. Neben alten Bekannten wie Trollfaust, der Pressgëng und MacCabe & Kanaka durften wir dort auch spannende neue Musik entdecken. So zum Beispiel die verrückten kalifornischen Piraten von The Dread Crew Of Oddwood oder die Münsteraner von Dragol, die mich mit ihrer spannenden, atmosphärischen Performance irgendwo zwischen Musik, Rollenspiel und wirklich düsterem Märchen auf sehr positive Weise ein bisschen an die frühen Sachen von Goethes Erben erinnert haben.

Dragol

Wie man diesem laaangen Bericht wohl unschwer entnehmen kann, haben wir wirklich so einiges erlebt bei unserem ersten Besuch in Wacken. Auch wenn es sich beim Wacken Winter Nights um ein deutlich kleineres Event handelt als beim großen Bruder im August, hat sich die weite Anfahrt in meinen Augen auf ganzer Linie gelohnt. Musik und Sound waren klasse, die Größe sehr angenehm. Alle Beteiligten Künstler, Mitarbeiter und Besucher wirkten durchweg entspannt und gut gelaunt, was dem Festival eine klasse Atmosphäre verschaffte. Und wer weiß, vielleicht geschieht ja irgendwann mal ein kleines Wunder und es tut sich die Möglichkeit auf, auch im Sommer nochmal wiederzukommen. Bis dahin ist es aber in jedem Fall schön zu wissen, dass auch in den sonst eher festivalarmen Wintermonaten ein lohnender Grund besteht, dem beschaulichen Wacken einen Besuch abzustatten!

Mittwoch, 23. Januar 2019

Meine Musik des Jahres 2018

Wieder ist ein Jahr vorbeigegangen und es wird Zeit für meinen alljährlichen musikalischen Jahresrückblick. Der fiel mir dieses Mal gar nicht so leicht. Irgendwie war 2018 für mich eher arm an bemerkenswerten Veröffentlichungen - zumindest in der Mittelalter - und Folkszene, über die ich hier ja vornehmlich blogge. Trotzdem habe ich hier mal eine Liste zusammengestellt. Diese ist wie üblich alphabetisch, damit ich mich für keine Rangliste entscheiden muss. Rezensionen sind, sofern vorhanden, verlinkt oder werden noch nachträglich verlinkt, wenn ich später noch zum Besprechen des einen oder anderen Albums komme.

Bannkreis - Sakrament

Corvus Corax - Skál

Eivør - Live in Thórshavn

Fairytale - Autumn's Crown

Faun - Best Of 

Feuerschwanz - Methämmer

Heidevolk - Vuur van verzet

Heilung - Lifa

Korpiklaani - Kulkija

Omnia - Reflexions

Saltatio Mortis - Brot und Spiele

Versengold - Nacht der Balladen

Wardruna - Skald


Nicht mittelalterlich, aber dennoch erwähnenswert:

Adam Angst - Neintology

Amorphis - Queen Of Time

Blind Channel - Blood Brothers

Bury Tomorrow - Black Flame

Desasterkids - Superhuman

Hell Boulevard - In Black We Trust

KMPFSPRT - Gaijin

Lord Of The Lost - Thornstar

Mono Inc. - Welcome To Hell

Start A Revolution - Survivors

Uniklubi - Tulennielijä


Mittwoch, 16. Mai 2018

Konzertbericht: Korpiklaani in Oberhausen

Der 17. Februar war für mich ein Festtag, den ich mir schon lange im Voraus dick im Kalender angestrichen hatte. An diesem Tag nämlich beehrten die Finnen von Korpiklaani Oberhausen. Und sie hatten eine ganze Menge Freunde mitgebracht!

Die Veranstaltung im kleineren Teil der Turbinenhalle begann aufgrund der Vielzahl an spielenden Bands auch schon am Nachmittag. Da die ersten drei Bands jedoch erst relativ spät und vor allem auch ohne große Werbung angekündigt worden waren, fanden einige Besucher den Weg dorthin erst später. Ob sie das auch getan hätten, wenn sie gewusst hätten, was sie da verpassen?

Wir jedenfalls suchten uns ein lauschiges Plätzchen in der ersten Reihe und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Als erstes kamen The Privateer. Die Freiburger Piraten spielten Folk Metal mit ordentlich Druck dahinter und lieferten eine großartige Show ab. Das war eine Eröffnung ganz nach unserem Geschmack, hoffentlich sieht man die Jungs und Mädels irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft mal wieder!


Ganz anders ging es danach weiter. Evertale aus Offenburg spielten lupenreinen Power Metal, und das sehr solide. Musikalisch fielen sie damit an diesem von Folk Metal geprägten Abend zwar ziemlich aus dem Rahmen, aber das störte das Publikum eher weniger. Man ist ja tolerant in der Metalszene. ;)


Als letzte der Bands, die nicht auf dem offiziellen Tourplakat zu finden waren, gaben sich dann Black Messiah die Ehre. Name und Outfit der Band machten uns zunächst etwas nervös: Kommt jetzt super-trver Black Metal, der unsere zarten Mädchenohren herausfordert? (Wir kommen doch aus dem Folkbereich und sind sowas nicht gewöhnt! :P) Aber es kam ganz anders: die Gelsenkirchener wurden für mich die persönliche Neuentdeckung des Abends. Pagan/Viking-Metal in perfektem Härtegrad - die gingen ab wie Schmidts Katze! Ich entwickelte spontan den Wunsch, sofort loszugehen und mindestens eines ihrer Alben zu kaufen.


Auch danach blieb es spannend. Die Norweger von Trollfest erwiesen sich als im besten aller Sinne als total schräg. Pfadfinderoutfits, bunte Luftballons, eine leuchtende Trompete - so sieht also True Norwegian Balkan Metal aus. Auf der Bühne war während ihres Auftritts so viel Action, dass man manchmal kaum wusste, wo man seine Augen lassen muss. Einr richtig, richtig gute Liveshow und Party für alle!


Arkona bildeten dazu im Anschluss natürlich den totalen Kontrast mit ihren langen, atmosphärischen und dichten Stücken. Ich muss zugeben, dass die Band bisher mehr oder weniger an mir vorbeigegangen ist und ich sie an diesem Abend stellenweise auch ganz schön sperrig fand. Insbesondere die Stücke jedoch, in denen man einen Eindruck von den verwendeten russischen Folkelementen bekam, haben mich aber doch ziemlich fasziniert. Da muss ich mich wohl mal etwas intensiver einhören. Und was wohl jeder neidlos anerkennen muss: Fronterin Masha hat richtig Charisma und Bühnenpräsenz, und die Band weiß sich insgesamt verdammt gut in Szene zu setzen. Da hätte ich doch tatsächlich gerne die Möglichkeit gehabt, Fotos zu schießen!


Als Co-Headliner durften schließlich Heidevolk ran. Wie jedes Mal war es ein großes Vergnügen, die Niederländer live zu sehen. Sie stellten an diesem Abend ihr neues Album "Vuur van verzet" vor, welches ich vorher noch nicht kannte. Zumindest live machten die Stücke einen sehr vielversprechenden Eindruck. Es war im Übrigen ziemlich spannend zu sehen, dass der Versuch der Band, eines der Stücke auf Englisch darzubieten, nicht besonders positiv aufgenommen wurde. Da haben die Herren wohl unterschätzt, dass die Niederländische Sprache, in der sie singen, ein Alleinstellungsmerkmal ist, an dem auch ihre ausländischen Fans hängen. Neben neuen Stücken durften aber natürlich auch ein paar Klassiker nicht fehlen. Was bitte wäre auch ein Heidevolk-Konzert ohne "Vulgaris Magistralis"? So verging dieser Auftritt jedenfalls auch wie Fluge.


Und plötzlich war schon die letzte Umbaupause da. Seltsamerweise standen wir noch immer in der ersten Reihe (eigentlich hatten wir da nur kurz bleiben wollen, aber dann war es halt so schön dort :P). Naja, und vor Korpiklaani gaben wir diese Position nun natürlich auch nicht mehr auf! Die Finnen bereiteten ihrem Publikum wieder einmal ein Fest. Egal ob finnische oder englische, neue oder alte Stücke - alle waren sie tanzbar und Sänger Jonne sprang wieder einmal bestens gelaunt auf der Bühne umher. Bei Korpiklaani hat man immer das Gefühl, dass sie unheimlichen Spaß am Spielen haben, und das überträgt sich natürlich auch auf die Leute vor der Bühne. Außderm müsste man schon sehr verstockt sein, um bei den mitreißenden Folk Metal Klängen freiwillig die Beine still zu halten. Korpiklaani wollen gefeiert werden, und wer zu ihren Auftritten kommt, will feiern!


Obwohl dies ein wirklich langer Konzertabend war, war er im Nachhinein betrachtet irgendwie im Nu verflogen. So ein großartiges Line-Up hat man aber auch wirklich selten. Jede Band verstand es hier, auf ihre Art und Weise mitzureißen. Bei solchen Auftritten ist es doch gar kein Wunder, dass regelmäßige Konzertbesuche das Leben verlängern!

Dienstag, 5. Januar 2016

Meine Musik des Jahres 2015

Guten Tag allerseits! Es hat ein paar Tage gedauert, bis ich in diesem neuen Jahr die Zeit gefunden habe, mich hier einmal wieder zu Wort zu melden. Trotzdem möchte ich euch allen noch ein frohes neues Jahr wünschen und hoffe, dass ihr gut reingerutscht seid.

Bei mir war Silvester selbst eher unspektakulär, ich war zu Hause und habe versucht, meine kleine Katze zu trösten. Für Tiere ist dieses Fest einfach die Hölle.

Nun ist es also Zeit für meinen jährlichen musikalischen Rückblick. Ich habe lange überlegt, ob ich sowas für 2015 wirklich wieder machen soll, habe ich doch im letzten Durchgang fast das ganze Jahr benötigt, um alle angedachten Rezensionen zu veröffentlichen. Doch da pure Vernunft bekanntlich niemals siegen darf und 2015 musikalisch ein wirklich sehr produktives Jahr für viele Künstler meiner Szene war: hier ist sie, meine Liste mit der besten Musik 2015. :D


Die Favoriten:




Heilung - Oefnir


Omnia - Naked Harp

Rastaban - Arise

Seed - Portal To Elfland

Versengold - Zeitlos



Weiterhin erwähnenswert:

Die Irrlichter - Rauhnächte

Korpiklaani - Noita

Leaves' Eyes - King of Kings

Mr. Hurley & die Pulveraffen - Voodoo

Nachtgeschrei - Staub und Schatten

Saltatio Mortis - Zirkus Zeitgeist

Saltatio Mortis - Zirkus Zeitgeist ohne Strom und Stecker

Versengold - Live

Vogelfrey - Sturm und Klang

Vroudenspil - Fauler Zauber

V/A - Herbstmond


Für die Alben von meiner Favoritenliste werde ich in jedem Fall Rezensionen schreiben und diese hier verlinken, bei denen von der zweiten Liste werde ich es ganz nach Lust und Laune halten. Es sollte mich fast schon wundern, wenn ich es bei allen schaffe. :D

Bevor ich mich aber den Alben widme, steht noch ein letzter Konzertbericht vom Phantastischen Mittelalter Lichter Weihnachtsmarkt aus. Mit etwas Glück kommt dieser noch heute.

Sonntag, 25. Oktober 2015

Konzertbericht: Das Heidenfest in Oberhausen

Es war eine relativ kurzfristige Entscheidung von einer Freundin und mir, dass es dieses Jahr kein Zurück mehr geben sollte und endlich einmal ein Termin der Heidenfest-Tour besucht werden sollte. Interessiert beobachtet hatten wir die Veranstaltung schon seit Jahren, doch es hatte immer Zeit oder Geld gefehlt. Doch dieses Mal gab es keine Ausreden und wir besorgten uns Anfang des Monats Tickets für Oberhausen.

Am Freitag war es dann so weit und wir fanden uns eine halbe Stunde vor Einlass an der Turbinenhalle ein. Da das Konzert am frühen Nachmittag begann, war es Anfang noch mäßig voll und wir konnten uns problemlos einen Platz in der ersten Reihe sichern.

Los ging es dann um 15:30 Uhr mit Winterstorm aus Franken. Diese heizten dem Publikum mit Power Metal ein und erwiesen sich als sehr spielfreudig. Ihre gute Laune übertrug sich auch sehr schnell auf das Publikum und spätestens beim großartigen "Winterhumppa" hielt kaum noch ein Besucher Arme, Beine und Kopf still.


Schon nach einer halben Stunde mussten Winterstorm die Bühne räumen und Platz machen für die nächste Band: Skforger aus Lettland. Dies wurden mit ihrem Pagan/Folkmetal für mich die musikalische Neuentdeckung des Tages. Da stimmte für mich das Verhältnis von harten und folkigen Klängen wirklich perfekt und die lettischen Texte taten ihr Übriges. Besonders beeindruckt hat mich das sehr folkige "Migla Migla Rasa Rasa", was einfach wunderschön war und im Publikum auch eifrig mitgesungen wurde.

Irgendwie habe ich ein großes Herz für nicht-englischsprachigen Metal. Darum war ich auch etwas traurig, als das Konzert nach 35 Minuten zu Ende ging. Liebend gerne hätte ich eine CD oder ein T-Shirt gekauft, leider hatte ich aber nicht genug Geld dabei und die Preise für T-Shirts waren an diesem Abend offen gestanden auch eine ziemliche Unverschämtheit...


Weiter ging es im Anschluss mit Hämatom. Diese kamen maskiert oder im Falle des Sängers maskenhaft geschminkt auf die Bühne und riefen damit im ersten Moment bei mir Assoziationen mit Slipknot hervor. Musikalisch präsentierten sie das, was man wohl gerne Neue Deutsche Härte nennt - ein doofes Label, wie ich finde. 

Gut zum Mitgröhlen war das, was da in den nächsten 40 Minuten auf der Bühne passierte. Und das wurde vom Publikum auch rege wahrgenommen. Nicht unbedingt, was ich mir in meiner Freizeit anhören würde, aber live war das schon ganz in Ordnung so. Faszinierend fand ich aber auf jeden Fall das Cover von Marterias "Kids". Hätte nicht gedacht, dass dieser Song auch als Metalversion funktionieren kann. 

Als Hörprobe gibt es natürlich trotzdem lieber ein eigenes Lied der Band:


Ab hier wurden die Auftritt der noch kommenden Bands dann länger - sehr zum Leidwesen meiner Freundin, die mir nach wenigen Minuten von Varg ihr Handy mit der Nachricht "Das wird ne lange Stunde" vor die Nase hielt. ;)

Ich war mir vor Varg auch etwas unsicher, ob ich mögen würde, was da gleich passiert, aber mein Eindruck war eigentlich ganz positiv. An den teils sehr extremen Gesang musste ich mich zwar erst gewöhnen, aber dann hatte ich echt Spaß. Im übrigen war das Intro der Band richtig cool. Die Stimmung im Publikum, das mittlerweile auch ziemlich angewachsen war, war auch super und viele sangen bei Songs wie "Wir sind die Wölfe" lautstark mit. 

Auch "Rotkäppchen" wurde gespielt, und weil ich den Song und das Video irgendwie faszinierend finde, gibt es das jetzt auch als Hörprobe:


Im Anschluss an Varg stand der erste von zwei meiner Entscheidungsgründe an, das Heidenfest in diesem Jahr überhaupt zu besuchen: Finntroll! Das war meine erste Chance, die Band live zu sehen, und ich war begeistert. Die Finnen mit den Trollohren hatten eine wirklich große Bühnenpräsenz, die Musik machte live noch mehr Spaß als auf CD und war durchaus tanzbar und zum Mitsingen geeignet. Sprachbarriere hin oder her wurden Schlagworte wie "Trollhammaren" oder "Jaktens Tid" so auch vom gesamten Publikum inbrünstig mitgegröhlt.

Zum krönenden Abschluss des Auftritts gab es dann sogar noch Besuch auf der Bühne, als Jonne Järvelä von Korpiklaani die Band für einen Song gesanglich unterstützte. Das war sehr unterhaltsam und steigerte die Vorfreude auf das kommende, vorletzte Konzert des Abends.


Man konnte es sicher ahnen: als nächstes standen Korpiklaani auf dem Programm. Der zweite, sehr gute Grund für uns, das Heidenfest zu besuchen. Da dies nicht unser erstes Korpiklaani-Konzert war, wussten wir, was uns erwartet: 1 1/4 Stunden Folkmetal und verdammt gute Laune! 

Die Spielfreude, die Korpiklaani vermittelten, war auch an diesem Abend mal wieder sagenhaft und ging schnell auf das Publikum über. Insbesondere Sänger Jonne stand gefühlt keine Sekunde still, besuchte das Publikum an jeder Stelle vor der Bühne und wirkte einfach ansteckend gut gelaunt. 

Korpiklaani präsentierten Songs ihres aktuellen Albums "Noita", aber natürlich auch den einen oder anderen Bandklassiker. Da Headbangen hier nicht ausreichte, tanzte und hüpfte bald das gesamte Publikum zu Songs wie "Metsämies", "Juodaan Viinaa", "Wooden Pints" oder natürlich "Vodka". Mitgesungen wurde selbstverständlich auch, wobei bei Songs wie "Rauta" auch der finnische Text kein Hindernis darstellte. 

Am Ende revanchierten sich Finntroll noch mit einem Gegenbesuch bei Korpiklaani auf der Bühne und viel zu schnell war das Konzert dann auch schon wieder vorbei.


Wir gaben unseren Platz in der ersten Reihe im Anschluss auf, da wir uns entschieden hatten, die letzte Band des Abends nicht bis zum Ende zu schauen, um nicht erst gegen Morgen zu Hause zu sein. Bahnfahrer, die nicht in einer Großstadt wohnen, kennen das Elend ja sicher.

Trotzdem erhaschten wir noch einen Einblick in den Auftritt von den Apokalyptischen Reitern. Was wir hörten, klangt auch ziemlich gut und vielversprechend, trotzdem mussten wir uns schon nach wenigen Liedern auf den Rückweg zum Bahnhof machen.

Eine Hörprobe von den Apokalyptischen Reitern gibt es an dieser Stelle trotzdem noch:


Insgesamt hatten wir auf unserem ersten Heidenfest eine wirklich gute Zeit. Es gab geliebte Bands live zu erleben und gute Bands neu zu entdecken, keine einzige Band erwies sich als totaler Reinfall. Ich denke, wenn das Line-Up stimmt, sind wir sicher auch beim nächsten Mal wieder gerne mit dabei!